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Raumwelle auf LW

Startbeitrag von 102.1 am 18.09.2012 00:58

Gibt es bei der LM eine Art "Raumwelle", in der Art wie auf der MW? - wenngleich weitaus geringer?

Die 50 interessantesten Antworten:

Da hast Du zwar recht, jedoch wird über eine an der Ionosphäre reflektierende Raumwelle keine so grosse Entfernung wie o.g. überbrückt. Nach dieser Theorie müsste es auch eine sehr grosse tote Zone geben.
Ich bin der Meinung, dass die Ausbreitung im VLF-Bereich ausschliesslich über die Ausbreitung der Bodenwelle abspielt. Das diese ebenfalls durch verschiedenliche Faktoren beeinflusst wird, ist sicher bekannt.
Was ich eigentlich damit nur sagen wollte, dass ich mit der pauschalen Äusserung es sei Raumwelle wenn man bei 200Khz 15000km überbrückt so nicht ganz einverstanden bin :)

von Funker1 - am 19.09.2012 15:41
Möglicherweise verstehe ich dich falsch, aber ein Programm auf z. B. 200khz wird ja nicht nur ein mal an der Ionosphäre reflektiert, sondern die Welle deiner o.g. frequenz wird doch ständig von der Erde wieder zurück reflektiert.
Aber eines stimmt schon, was ist dazwischen? Tote Zone oder streut die Welle wie Licht?
[attachment 459 Unbenannt.png]

Ist die Boden welle hier blau gezeichnet nicht quasioptisch???


( Sorry für die schlechte Zeichnung )

von xxxxxxxxxxxxxx - am 19.09.2012 17:59
Zitat
99zwei
Möglicherweise verstehe ich dich falsch, aber ein Programm auf z. B. 200khz wird ja nicht nur ein mal an der Ionosphäre reflektiert, sondern die Welle deiner o.g. frequenz wird doch ständig von der Erde wieder zurück reflektiert.


Ja, da hast du völlig Recht. Genauso funktioniert auch die Raumwellenausbreitung auf Mittel- und Kurzwelle sowie bei besonderen Bedingungen (Sporadic-E) auch im UKW-Bereich zwischen 30 und ca. 150 MHz (selten bis 200 MHz). Wellenlängen bis zu 5 m (60 MHz) können dabei von der F-2-Schicht reflektiert werden, alles darüber geht nur per Sporadic-E.

Zitat

Aber eines stimmt schon, was ist dazwischen? Tote Zone oder streut die Welle wie Licht?


Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Raumwelle hier eine große Reichweite hat und wahrscheinlich bis zu dem Punkt reicht, an dem die von der Ionosphäre reflektierte Raumwelle wieder auf der Erde eintritt. Ähnliches dürfte für den Mittelwellenbereich bis etwa 1 MHz gelten. Im oberen Mittelwellenbereich und auf Kurzwelle nimmt die Reichweite der Bodenwelle mit steigender Frequenz (also kürzerer Wellenlänge) immer stärker ab, sodass sich zwischen dem Ende der Bodenwelle und dem Einfallspunkt der Raumwelle eine Tote Zone ergibt. Je nach Tageszeit und Frequenz kann diese bis zu 2000 km um den Sender reichen. Als Faustregel kann man sagen: Je höher die Frequenz, desto größer die Tote Zone. Während z.B. ein deutscher Sender im 49-m-Band normalerweise schon in 250 km Entfernung per Raumwelle zu hören ist, kann man denselben Sender im 13-m-Band wahrscheinlich erst in Spanien, Nordafrika oder dem Nahen Osten hören.

Zitat
Funker1
Ich bin der Meinung, dass die Ausbreitung im VLF-Bereich ausschliesslich über die Ausbreitung der Bodenwelle abspielt. Das diese ebenfalls durch verschiedenliche Faktoren beeinflusst wird, ist sicher bekannt.


Das mag für VLF (Längstwelle) zutreffen. Wir reden hier allerdings über LF (Langwelle). ;) Und da kann man in der Tat beobachten, dass sehr weit entfernte Sender bei Dunkelheit besser oder überhaupt erst gehört werden können, besonders im Herbst und Winter. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass hier eine Raumwellenausbreitung erfolgt. In Mitteleuropa wäre da z.B. Island auf 189 und 207 kHz zu nennen. Zudem werden momentan wieder verstärkt europäische LW-Sender ab ca. 1800 UTC (Sonnenuntergang in Mitteleuropa) in Japan beobachtet (entsprechende Aufnahmen kann man sich bei YouTube zu Gemüte führen).

von senderjaeger - am 19.09.2012 18:22
Zitat
Weltempfängermatze
Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Raumwelle hier eine große Reichweite hat und wahrscheinlich bis zu dem Punkt reicht, an dem die von der Ionosphäre reflektierte Raumwelle wieder auf der Erde eintritt. Ähnliches dürfte für den Mittelwellenbereich bis etwa 1 MHz gelten.


Das kann man sehr gut beobachten, wenn man sich von einem stärkeren MW-Sender etwa 100 km entfernt. Dort treten bei Beginn der Dunkelheit dann schon ziemlich üble Verzerrungen und Fadingerscheinungen auf, weil sich Boden- und Raumwelle gegenseitig stören bzw. auslöschen.

von Wasat - am 19.09.2012 18:48
Zitat
Wasat
Das kann man sehr gut beobachten, wenn man sich von einem stärkeren MW-Sender etwa 100 km entfernt. Dort treten bei Beginn der Dunkelheit dann schon ziemlich üble Verzerrungen und Fadingerscheinungen auf, weil sich Boden- und Raumwelle gegenseitig stören bzw. auslöschen.


Sehr (un-) schön kann ich diesen Effekt u.a. auf 783 kHz beobachten (MDR Info Leipzig, von mir etwa 200 km entfernt).

von senderjaeger - am 19.09.2012 18:52
@Weltempfängermatze

"Von daher liegt die Vermutung nahe, dass ..:" Genau...Vermutung!

Je tiefer die Frequenz bzw länger die Wellen breitet sich die Bodenwelle gekrümt zur Erde weiter aus.
Der Sinn des LW bzw des Längstwellenfunks war es, die Bodenwellenausbreitung zu nutzen und nicht die Raumwelle. Das es hierzu zu Reflektionen kommen kann, ist nicht auszuschliessen.
Genau halte ich es fatal zu behaupten, eine 700km entfernte Station im 2m Band (144Mhz) hört man nur bei Sporadic E. Dies ist auch bei Tropo sehr gut möglich und nicht all zu selten konnte man schon gleichzeitig Tropo UND Es auf der gleichen Grenzfrequenz beobachten.

Theorie und Praxis reichen da hier weit auseinander...

Der Frequenzunterschied zw 6Mhz, 1Mhz und 200Khz ist zwar äusserst gering, jedoch hat es sehr grosse Auswirkungen auf die Ausbreitungsbedingungen und deren Faktoren sind sehr unterschiedlich.

Ich finde im übrigen die Dikussion hier äusserst interessant :)

von Funker1 - am 19.09.2012 20:04
Zitat
Weltempfängermatze
Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Raumwelle hier eine große Reichweite hat und wahrscheinlich bis zu dem Punkt reicht, an dem die von der Ionosphäre reflektierte Raumwelle wieder auf der Erde eintritt.


"Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Bodenwelle ..." würde ich sagen.

von Natrium - am 20.09.2012 07:14
Zitat
MoselSaarRuwer
Zitat
Weltempfängermatze
Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Raumwelle hier eine große Reichweite hat und wahrscheinlich bis zu dem Punkt reicht, an dem die von der Ionosphäre reflektierte Raumwelle wieder auf der Erde eintritt.


"Auf Langwelle dürfte es keine Tote Zone geben, da die Bodenwelle ..." würde ich sagen.


genauso ist es!

Sollte doch unter besonderen Bedingungen eine Raumwelle geben, dann wird diese weitestgehend absorbiert und spielt bei den hohen bzw sehr hohen Welllenlängen keine Rolle mehr.

von Funker1 - am 20.09.2012 13:29
Als die Langenberger 96,5 noch BFBS ausstrahlte, war man am Niederrhein als DKultur Hörer auf die Zehlendorfer 177kHz angewiesen. Dies funktionierte an einigen Stellen in NRW sogar recht gut, da sich dort Felsberg Berus und Zehlendorf im rechten Winkel "begegneten".

Was jedoch nervig war, war das Langwellen-Fading während der Dunkelheit. Besonders in den Morgenstunden war das Signal bis zu zwei Minuten lang fast verschwunden.

von Lobotomie auf Kassenrezept - am 20.09.2012 15:22
Zitat
Funker1
Sollte doch unter besonderen Bedingungen eine Raumwelle geben, dann wird diese weitestgehend absorbiert und spielt bei den hohen bzw sehr hohen Welllenlängen keine Rolle mehr.


Bei Tageslicht kommt das hin, aber nachts spielt die Raumwelle bei Fernempfängen offenbar sehr wohl eine Rolle. Ich erlaube mir mal, aus der Wikipedia zu zitieren:

Zitat
http://de.wikipedia.org/wiki/Langwelle
Als Langwelle (abgekürzt LW) bezeichnet man elektromagnetische Wellen mit Wellenlängen zwischen 1.000 und 10.000 Meter, entsprechend Frequenzen zwischen 30 und 300 kHz (zum Vergleich: Mittelwelle 100 m bis 1000 m; Kurzwelle 10 m bis 100 m; Ultrakurzwelle 1 bis 10 m). Funkwellen unter 30 kHz werden als Längstwellen (VLF – Very Low Frequency) bezeichnet.

Die Ausbreitung erfolgt als Bodenwelle, während die schwach ausgeprägte Raumwelle tagsüber fast vollständig von der D-Schicht der Ionosphäre absorbiert wird und deshalb nicht zur Erdoberfläche zurückkehrt. Nur bei Ausbreitung über die Nachtseite der Erde ist Fernempfang möglich, beim Zusammentreffen von Raum- und Bodenwelle sind dann auch Interferenzerscheinungen (Fading) zu beobachten.


von senderjaeger - am 20.09.2012 16:29
Raumwellenausbreitung auf Langwelle beginnt nachts bei ca. 50kHz.
MSF & DCF77 sind hier am Niederrhein nachts rund 10 - 20dB stärker,
hier ein Survey von DCF39 (EFR 139kHz):



(Quelle: http://www.qru.de/dcf39.htm )
Hier sieht man, wie die Feldstärke morgens um rund 10dB absinkt
und abends bei Einbruch der Dunkelheit wieder hochkommt.

von Nohab - am 21.09.2012 23:07
Zitat
102.2
Es scheint so, als haette ich damals Glueck gehabt, vielleicht war's auch die Regenfront die ueber Ontario herueberzog....


Du hattest Glück, dass die ionosphärischen Bedingungen bzw. der Zustand des Erdmagnetfelds den Empfang ermöglichten. Mit der Regenfront hat das überhaupt nichts zu tun. ;)

von senderjaeger - am 22.09.2012 01:08
Ein passendes Zitat aus dem Buch "Lang- und Längstwellenfunk" von Gerd Klawitter und Klaus Herold:

... Die Langwellen breiten sich über die Bodenwelle und vorwiegend nachts über die Raumwelle aus. Durch die relativ hohe Dämpfung am unteren Teil der Ionosphäre, der D-Schicht, die in einer Höhe von etwa 75 bis 80 Kilometern liegt, stellt die Bodenwelle tagsüber den größten Anteil dar. Sie ist sehr konstant in ihren Ausbreitungseigenschaften und erreicht je nach abgestrahlter Leistung und der Leitfähigkeit der Erdoberfläche längs des Übertragungsweges sichere Reichweiten von mehr als 1000km. ...

Sobald sich nachts die D-Schicht aufgelöst hat, breitet sich die Langwelle wesentlich besser an der E-Schicht aus, die in einer Höhe von etwa 90 bis 100 Kilometern liegt und eine geringere Dämpfung hat. Bei einem gleichzeitigen Einfall von Raum- und Bodenwelle am Empfangsort, treten Interferenzen auf, die als starkes Fading bemerkbar werden. Sie sind je nach Frequenz bis zu einer Entfernung von etwa 900 Kilometern vom Ort des Senders zu beobachten.

Im Verlauf der Tageszeit tritt der sogenannte „Dämmerungseffekt” auf, wenn die Mitte der Funkstrecke während des Sonnenuntergangs im Bereich der Dämmerung liegt. Dabei durchläuft die Empfangsfeldstärke ein Minimum. Beim Sonnenaufgang ist ein ähnliches Verhalten zu beobachten, bei dem das Minimum aber nicht so stark ausgeprägt ist. Beim Verlauf einer Langwellen-Funkverbindung über die Magnetpole der Erde tritt eine Verminderung der Empfangsfeldstärke auf. ...


von Wasat - am 22.09.2012 19:19
Nachdem ich gestern las, dass der Langwellensender Kalundbourg außerhalb seiner offiziellen Sendezeit einen sehr schwachen unmodulierten Träger stehen lässt, habe ich versucht, diesen hier zu empfangen.

Das gelang gegen 22 Uhr auf Anhieb, war aber sehr grenzwertig. Nur durch Überlagerung (SSB) bei schmaler Bandbreite (ca. 1,5kHz) war der Träger auf 243 kHz nachweisbar. CW hätte also funktioniert.

Entfernung: 557km, Nähe Marburg, NRD 545, aktive Rahmenantenne mit 42cm Durchmesser im Resonanzbetrieb, abgestrahlte Leistung: 0,1W

von R.Oberlahn - am 24.02.2015 09:55
Bei Kalundborg ist es wahrscheinlich der Steuersender der anbleibt.

Was das Thema LW Empfang nachts angeht: Langwellen haben eine sehr große Bodenwelle. Mittelwellen am unteren Bandende ebenfalls. Kurzwellensender nicht.
Bei der Raumwellenausbreitung merkt man, dass die Signale, die ohnehin eine große Bodenwelle haben stabiler sind, d.h.immer geringeres Fading haben als Signale mit geringer Bodenwelle. Besonders bei der Langwelle im Vergleich zur Kurwelle merkt man das. Langwelle quasi kein Fading, Kurzwelle Fading im Sekundentakt. Da vermute ich einen Zusammenhang.

Von daher denke ich, dass durch die deutlich größere Bodenwelle es ermöglicht wird in den Abendstunden jeweils eine passende Stelle der Ionosphäre zu finden, an der das Signal zum Empfänger gelangt. Da die Bodenwelle bei den Langwellen z.B. deutlich größer ist, gibt es viel mehr potentielle Reflektionspunkte an denen die Wellen reflektiert werden. Daher ist auch das Fading deutlich langsamer, da meist immer irgendein Signal aus irgendeiner Richtung da ist. Warum sich die verschiedenen Signale dann allerdings nicht so stark in der Phase und Amplitude auslöschen ist fraglich. Möglich wäre auch, dass die großen Langwellen die "Unebenheiten" der Ionesphäre aufgrund ihrer großen Wellenlänge gar nicht sehen. Kurzwellen allerdings sind sehr geringe Wellenlängen und sehen jede Unebenheit der Ionosphäre. Ähnlich wie bei Satantennen: Der Reflektor muss für Satempfang sehr genau gefertig werden, für UHF reicht eine grobere Herstellung völlig aus. Das wäre evtl. eine Begründung für das völlig unterschiedliche Verhalten von LW vs KW.
Eigentlich interessantes Thema :spos:

von Jens1978 - am 25.02.2015 09:35
KW- Empfang ist ja ein wenig, wie mobiler UKW- Empfang einer schwächeren Station im Zentrum einer Großstadt. Es gibt eigentlich keinen wirklichen "stationären" KW- Empfang (wenn wir mal den seltenen Fall des Empfangs über die Bodenwelle außer acht lassen), weil sich der oder die Ausbreitungswege ständig ändern, wodurch sich eben auch die Signalstärke, -form und -laufzeit ständig ändern. Und das hört man auch: Ständiger, teils heftiger Schwund bis zur kurzzeitigen Signalauslöschung und Verzerrungen, welche es teilweise unmöglich machen, gesprochene Worte zu verstehen. Hauptproblem ist, dass es eben nicht nur einen Signalweg gibt, wodurch sich diese mehrfachen Überlagerungen und Phasenverschiebungen des einen Nutzsignales gibt. Das klingt dann oft nicht schön... Interessantes Thema, wie ich auch finde. Falls ich etwas abgeschweift sein sollte, bitte ich um Entschuldigung. Übrigens kommt mir noch ein Gedanke: Die Bodenwelle eines etwa 500 kW starken Senders hat bei Lang-, Mittel- und Kurzwelle jeweils in etwa dieselbe Reichweite. Nämlich je nach Gelände und Bodenbeschaffenheit etwas um die 1000 Wellenlängen... ;)

von dlf-fan - am 26.02.2015 10:13
Ich war vor einigen Wochen auf den Azoren und konnte vom europäischen Kontinent auf LW (bei Dunkelheit) nur die 162 KHz empfangen, aber das auch nicht jeden Abend. Signalstärke war etwa S=2, wenn es denn ging, und ohne Fading. Ganz schwach und nicht zur Sprachverständlichkeit geeignet ging an manchen Abenden (wenn die 162 KHz ging), auch die 183 KHz.

Wie ist denn zu erklären, dass bei so "relativ kurzen Entfernungen", wenn man das mal so sagen darf (wir sprechen ja hier jetzt nicht von Kanada) an manchen Tagen überhaupt kein Empfang möglich ist? Kann doch nicht sein, dass die Raumwelle einen ganzen Tag lang wegbricht und erst am nächsten Tag wieder verfügbar ist, wenn denn der Empfang bei Dunkelheit - bei gleichzeitig nicht vorhandenem Empfang bei Tageslicht - tatsächlich über die Raumwelle erfolgte (wovon ich bisher ausging).

Ständiger und einziger Gast tagsüber auf LW war Médi 1 auf 171 KHz (S=4), der übrigens bei Dunkelheit bedeutend schlechter reinkam (ich glaube hier führte möglicherweise der gleichzeitige Empfang von Boden und Raumwelle zu starken Interferenzen).

von Klaus Wegener - am 26.02.2015 16:14
Auch ich finde die Langwellenausbreitung hochinteressant.

Mit einer guten Antenne kann man enorme Reichweiten relativ konstant ohne die KW-typischen Fadingeinbrüche erzielen. Voraussetzung ist natürlich eine störungsarme Umgebung.

Die Tagesreichweite (Bodenwelle) von Allouis schätze ich auf fast 2000 km - welche Erfahrungen habt ihr?

In der "Reflexion" 236 wurde berichtet, dass es möglich war, auf dem ca 8000 km entfernten Kuba mit einer kleinen Rahmenantenne (18cm Kantenlänge) die Raumwelle vom Sender Felsberg auf 183 kHz zu hören.

Schade, dass die LW in D abgeschaltet wurde, andererseits eröffnen sich neue Chancen.

von R.Oberlahn - am 26.02.2015 17:02
Zitat
R.Oberlahn
In der "Reflexion" 236 wurde berichtet, dass es möglich war, auf dem ca 8000 km entfernten Kuba mit einer kleinen Rahmenantenne (18cm Kantenlänge) die Raumwelle vom Sender Felsberg auf 183 kHz zu hören.

Warum nicht? Ist ja fast nur (sehr gut leitendes) Salzwasser dazwischen.

In Vorbereitung zur Wellenkonferenz in Genf 1975 hat man die nächtlichen Störpegel in großer Entfernung gemessen, um so die Fernwirkung der vielen geplanten starken Sender besser abschätzen zu können. Dazu wurde ein Messtrupp nach Tsumeb in Namibia (weil es dort damals weit und breit keine Mittelwellensender gab) geschickt. Es wurden u.a. die Signale aus Allouis 162 kHz (Entfernung 7500 km), Rom 845 kHz (Entfernung 6800 km) und München 1602 kHz (Entfernung 7500 km) eine ganze Nacht lang aufgezeichnet. Als Antenne diente ein Rahmenantenne mit ca. 1 m Durchmesser. Allerdings war zwischen den Sendern in Europa und Namibia fast nur (meist schlecht leitendes) Land. Der Pegel von Allouis erreichte bis ca. 40 dB, wobei interessant war, dass bis 22 Uhr der Pegel deutlich niedriger und stark schwankend war.

von Wasat - am 26.02.2015 19:37
Zitat
dlf-fan
Übrigens kommt mir noch ein Gedanke: Die Bodenwelle eines etwa 500 kW starken Senders hat bei Lang-, Mittel- und Kurzwelle jeweils in etwa dieselbe Reichweite. Nämlich je nach Gelände und Bodenbeschaffenheit etwas um die 1000 Wellenlängen... ;)


Das kommt tatsächlich hin. UKW und höher mal ausser acht gelassen... :spos:

von DH3FBI - am 26.02.2015 20:00
Zitat
Klaus Wegener
Ich war vor einigen Wochen auf den Azoren und konnte vom europäischen Kontinent auf LW (bei Dunkelheit) nur die 162 KHz empfangen, aber das auch nicht jeden Abend. Signalstärke war etwa S=2, wenn es denn ging, und ohne Fading. Ganz schwach und nicht zur Sprachverständlichkeit geeignet ging an manchen Abenden (wenn die 162 KHz ging), auch die 183 KHz.

Wie ist denn zu erklären, dass bei so "relativ kurzen Entfernungen", wenn man das mal so sagen darf (wir sprechen ja hier jetzt nicht von Kanada) an manchen Tagen überhaupt kein Empfang möglich ist? Kann doch nicht sein, dass die Raumwelle einen ganzen Tag lang wegbricht und erst am nächsten Tag wieder verfügbar ist, wenn denn der Empfang bei Dunkelheit - bei gleichzeitig nicht vorhandenem Empfang bei Tageslicht - tatsächlich über die Raumwelle erfolgte (wovon ich bisher ausging).

Ständiger und einziger Gast tagsüber auf LW war Médi 1 auf 171 KHz (S=4), der übrigens bei Dunkelheit bedeutend schlechter reinkam (ich glaube hier führte möglicherweise der gleichzeitige Empfang von Boden und Raumwelle zu starken Interferenzen).


Ein paar Anmerkungen zu den Entfernungen:
Allouis - Azoren: ca. 2.600 km
Allouis - Neufundland 4.000 km (gar nicht mal so viel weiter!)
Nador (MRC) - Azoren: ca. 2.250 km (doch noch so weit weg)

Marokko sendet vermutlich gerichtet nach Westen, daher der relativ gute Empfang (auch auf Kuba).
Allouis wohl eher rund. Die haben zwei Masten, leider finde ich keine Informationen über ein Diagramm.
Felsberg sendet (inzwischen) auch eher rund.

Wegen der Frage warum es mal geht, mal nicht:
Genaues weiß ich leider nicht.
Für gute Empfänge ist ein ruhiges Erdmagnetfeld hilfreich.
Auf MW ist mal die eine mal die andere Region besser empfangbar. Das ist auf LW sicher auch so.
Warum genau ist mir nicht klar.
Das es alles in allem nur relativ wenige Sender auf LW gibt, die auch noch alle in Europa und Nordafrika liegen, bekommst Du tolle Öffnungen nach Südafrika oder Brasilien gar nicht mit.

So rein von den Entfernungen von den Azoren könnte ja auch Irland, Island oder UK gehen - warum nicht? Für solche Beobachtungen ist ein Urlaub natürlich eher zu kurz.

von Christian_66 - am 26.02.2015 20:02
Zitat
Wasat
Zitat
R.Oberlahn
In der "Reflexion" 236 wurde berichtet, dass es möglich war, auf dem ca 8000 km entfernten Kuba mit einer kleinen Rahmenantenne (18cm Kantenlänge) die Raumwelle vom Sender Felsberg auf 183 kHz zu hören.

Warum nicht? Ist ja fast nur (sehr gut leitendes) Salzwasser dazwischen.

In Vorbereitung zur Wellenkonferenz in Genf 1975 hat man die nächtlichen Störpegel in großer Entfernung gemessen, um so die Fernwirkung der vielen geplanten starken Sender besser abschätzen zu können. Dazu wurde ein Messtrupp nach Tsumeb in Namibia (weil es dort damals weit und breit keine Mittelwellensender gab) geschickt. Es wurden u.a. die Signale aus Allouis 162 kHz (Entfernung 7500 km), Rom 845 kHz (Entfernung 6800 km) und München 1602 kHz (Entfernung 7500 km) eine ganze Nacht lang aufgezeichnet. Als Antenne diente ein Rahmenantenne mit ca. 1 m Durchmesser. Allerdings war zwischen den Sendern in Europa und Namibia fast nur (meist schlecht leitendes) Land. Der Pegel von Allouis erreichte bis ca. 40 dB, wobei interessant war, dass bis 22 Uhr der Pegel deutlich niedriger und stark schwankend war.

Sehr interessant! Weißt du auch noch welchen Zeitraum diese Messreihe umfasste? Davon hab ich jedenfalls noch nie gehört, sehr interessant :spos: Bei den Bedingungen da unten müssten sich ja mit richtig guten Antennen ja quasi von Südamerika über Europa bis Australien alles möglich hören lassen. :-)

von Jens1978 - am 27.02.2015 09:20
Zitat
Christian_66
Marokko sendet vermutlich gerichtet nach Westen, daher der relativ gute Empfang (auch auf Kuba).

Das denke ich eher nicht. Warum sollte Marokko aufs Meer senden? Medi 1 ist auch in Mitteleuropa mittelmäßig zu empfangen, von daher vermute ich entweder Rundstrahlung oder wenn Richtstrahlung, dann Richtung Osten. Die Richtwirkung in den Bereichen ist nicht so riesig, so dass hinten immer noch was rauskommt

von Jens1978 - am 27.02.2015 09:26
Zitat
Jens1978
Zitat
Christian_66
Marokko sendet vermutlich gerichtet nach Westen, daher der relativ gute Empfang (auch auf Kuba).

Das denke ich eher nicht. Warum sollte Marokko aufs Meer senden? Medi 1 ist auch in Mitteleuropa mittelmäßig zu empfangen, von daher vermute ich entweder Rundstrahlung oder wenn Richtstrahlung, dann Richtung Osten. Die Richtwirkung in den Bereichen ist nicht so riesig, so dass hinten immer noch was rauskommt


Das ist nur eine Vermutung von mir.
Der Standort Nador ist im Osten von Marokko und er hat 3 Antennemasten.
Es wird also gerichtet gesendet. Um Marokko abzudecken wäre Richtung West oder Südwest sinnvoll.

Du hast natürlich recht, dass die Richtwirkung auf Langwelle nicht besonders groß ist.
Der Aufwand mit den riesigen Antennenmasten ist trotzdem beeindruckend.

von Christian_66 - am 27.02.2015 11:34
Ich war ja auch im Januar 2015 auf Gran Canaria; da konnte ich mit einem Grundig Satellit 700 immerhin ohne Aussenantenne in den Abendstunden gerade knapp verständlich France-Inter auf 162 kHz hören; auf 183 kHz konnte ich nur einen schwachen Träger empfangen von Europe 1. Andere europäische Signale gingen da mit der einfachen Ausrüstung nicht.
Die 171 kHz aus Nador war ganztags teils ganz gut hörbar.

von dxbruelhart - am 27.02.2015 15:36
Zitat
Jens1978
Weißt du auch noch welchen Zeitraum diese Messreihe umfasste?


Ich habe als Quelle einen "Funkschau"-Artikel aus dem Heft 21-1974. Demnach wurden die Messungen vom FTZ (Fernmeldetechnische Zentralamt) im Auftrag der Deutschen Bundespost durchgeführt und reichten von 1971 bis 1973, wobei jeweils ein Sender (Allouis, Rom, München) über ein Jahr gemessen wurde. Die Empfangsanlage befand sich auf dem Gelände der Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für Aeronomie (Hochatmosphärenforschung) in Tsumeb in Norden von Namibia und bestand aus einem Feldstärkemessgerät HFH und Enograph von Rohde & Schwarz sowie aus einer vertikalen nach Norden ausgerichteten Einwindungsrahmenantenne, die bei LW eine Fläche von 1100 m² und für MW 170 m² umspannte.

Es wurde vermerkt, dass die gemessenen Feldstärken deutlich höher waren, als bisher angenommen wurde.

Zitat
Christian_66
Der Standort Nador ist im Osten von Marokko und er hat 3 Antennemasten.
Es wird also gerichtet gesendet. Um Marokko abzudecken wäre Richtung West oder Südwest sinnvoll.


Ziehe eine Linie zwischen Casablanca und Algier und du wirst feststellen, dass die Sendeanlage von "Médi 1" ungefähr in der Mitte dieser Linie steht (Casablanca 450 km, Algier 550 km). Genau in der Mitte wäre nicht gegangen, denn da ist Meer.

Das Versorgungsgebiet umfasst also ein Gebiet beiderseits der Linie Casablanca-Algier. Und durch die gute Leitfähigkeit des Seewassers ist man auch an der Südküste Frankreichs gut zu empfangen.

von Wasat - am 27.02.2015 20:10
Zitat
Wasat
...
Zitat
Christian_66
Der Standort Nador ist im Osten von Marokko und er hat 3 Antennemasten.
Es wird also gerichtet gesendet. Um Marokko abzudecken wäre Richtung West oder Südwest sinnvoll.


Ziehe eine Linie zwischen Casablanca und Algier und du wirst feststellen, dass die Sendeanlage von "Médi 1" ungefähr in der Mitte dieser Linie steht (Casablanca 450 km, Algier 550 km). Genau in der Mitte wäre nicht gegangen, denn da ist Meer.

Das Versorgungsgebiet umfasst also ein Gebiet beiderseits der Linie Casablanca-Algier. Und durch die gute Leitfähigkeit des Seewassers ist man auch an der Südküste Frankreichs gut zu empfangen.


Danke für die Erläuterung.

von Christian_66 - am 27.02.2015 20:35
Hatte kürzlich auf Guadeloupe auch die LW getestet. Das Einzige, was dort mit dem ATS 909 nachts ganz schwach reinkam, war die 162 von France Inter, die aber auch nur als solche zu identifizieren war, weil man zum Vergleich dort das Programm auch auf UKW hat. Es war zweifelsfrei das gleiche Programm, aber um sprachlich irgendwas herauszuhören, ist es mit der eingeb. Ferrit einfach zu dünn. Distanz: rund 6.700 km.

von Randfunker - am 27.02.2015 23:33
Als wir im Oktober 2012 eine Woche auf Teneriffa waren, hatte ich meinen Sony ICF SW 7600 leider noch nicht repariert (das hatte ich erst im Januar 2013 erledigt). So blieb er zuhause. Schade, das hätte interessant werden können...
Änderungen der Ausbreitungsbedingungen erfolgen mit zunehmender Wellenlänge zwangsläufig langsamer, daher ist Langwellenempfang beständiger und weniger chaotisch als die Kurzwelle.Interessant, welchen Aufwand man damals bei den Messungen in Namibia betrieben hat. DXers Paradies...:xcool:

von dlf-fan - am 28.02.2015 21:36
Allouis 162 KHz ist von mir "nur" 575 km entfernt. Trotzdem bekommen mein Degen DE1103 und der Tecsun PL-390 den Sender mit ihren eingebauten Ferrit-Antennen nur in besonders gut "leitfähigen" Nächten gerade so erahnbar herein.

von tojo - am 01.03.2015 11:49
Die Entfernung zu Allouis beträgt hier 630 km.

Mein Tecsun PL-380 ist ebenfalls auf LW sehr taub und empfängt nichts auf 162 kHz.
Der E5 empfängt Allouis mit deutlichem Rauschanteil gut lesbar.

Die Empfänger E5 und DE1103 sind weitgehend baugleich.
Könnte es sein, dass dein DE1103 nicht mehr ganz i.O. ist?

Mit aktiver Rahmenantenne hat Allouis Ortssenderqualität,
es spielt dann keine Rolle mehr, welchen Empfänger ich benutze.

von R.Oberlahn - am 01.03.2015 17:36
Zitat
R.Oberlahn
Mein Tecsun PL-380 ist ebenfalls auf LW sehr taub und empfängt nichts auf 162 kHz.
Der E5 empfängt Allouis mit deutlichem Rauschanteil gut lesbar.

Die Empfänger E5 und DE1103 sind weitgehend baugleich.
Könnte es sein, dass dein DE1103 nicht mehr ganz i.O. ist?

Mit aktiver Rahmenantenne hat Allouis Ortssenderqualität,
es spielt dann keine Rolle mehr, welchen Empfänger ich benutze.


Kann ich bestätigen. Hier hat die 162kHz am DE1103 mit der eingebauten Ferritantenne zwar auch schon einiges Rauschen im Hintergrund, aber man kann dem Programm durchaus ohne große Probleme folgen, sowohl tags als auch nachts. Mit dem bekannten Trick, der es erlaubt die Teleskopantenne anstatt der Ferritantenne zu nutzen, erreicht das Signal dann auch Ortssenderstärke.

Auch mit dem PL-390 kann ich die 162kHz wahrnehmen, aber zum Zuhören reicht es da eher nicht mehr.

von pg09 - am 02.03.2015 02:13
Zitat
dlf-fan
Als wir im Oktober 2012 eine Woche auf Teneriffa waren, hatte ich meinen Sony ICF SW 7600 leider noch nicht repariert (das hatte ich erst im Januar 2013 erledigt). So blieb er zuhause. Schade, das hätte interessant werden können...
Änderungen der Ausbreitungsbedingungen erfolgen mit zunehmender Wellenlänge zwangsläufig langsamer, daher ist Langwellenempfang beständiger und weniger chaotisch als die Kurzwelle.Interessant, welchen Aufwand man damals bei den Messungen in Namibia betrieben hat. DXers Paradies...:xcool:

Tja, da heißt es also nochmal nach Teneriffa fliegen erstens wegen dem Empfang und natürlich nur nebenbei wegen der Sonne ;-)

Aber was du über die Ausbreitungsbedingungen der Langwelle meinst, kann ich nicht nachvollziehen. Warum sollte das bei der Langwelle langsamer sein? Der Raumwelleeinfluss setzt zur gleichen Zeit wie bei allen anderen Frequenzbereichen ein. Was ich mir, wie oben bereits erwähnt, vorstellen kann ist, dass durch die Wellenlänge die Langwellensignale nicht alle Änderungen der Reflektionsschichten sehen. Was ich meine ist folgendes: Die Atmosphäre ist genauso ein Medium wie Wasser. Die Luftschichten sind permanent in Bewegung. Wenn ich mit einem kleinen Boot auf dem Wasser unterwegs bin, merke ich auch jede einzelne kleine Welle. Mit einem größerem Boot werden die Einflüsse der kleinen Wellen quasi rausgemittelt, das Boot fährt insgesamt ruhiger. Ähnlich dürfte das mit den Funkwellen sein. Die Atmosphäre ist genau wie Wasser permanent in Bewegung. Größere Wellenlängen mitteln quasi die kleinen Einflüsse raus, deswegen wird man nur die generellen großen Einflüsse merken. Die Kurzwellen sind allerdings kleiner von der Wellenlänge und demnach machen sich immer kleinere Änderungen bemerkbar. Das sind meine Überlegungen, ob das so stimmt weiß ich nicht, mir erscheint es aber logisch.

Zitat
R.Oberlahn
Die Empfänger E5 und DE1103 sind weitgehend baugleich.
Könnte es sein, dass dein DE1103 nicht mehr ganz i.O. ist?

Der Degen ist generell taub auf der Langwelle. Mit Rahmenantenne geht er deutlich besser und die 162 ist genausi wie 225 oder 198 Ortssender. Der Degen ist aber für mich ein reiner UKW Empfänger. Für die AM Bänder nutze gern den SW77 :-)

Zitat
Wasat
Ich habe als Quelle einen "Funkschau"-Artikel aus dem Heft 21-1974. Demnach wurden die Messungen vom FTZ (Fernmeldetechnische Zentralamt) im Auftrag der Deutschen Bundespost durchgeführt und reichten von 1971 bis 1973, wobei jeweils ein Sender (Allouis, Rom, München) über ein Jahr gemessen wurde. Die Empfangsanlage befand sich auf dem Gelände der Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für Aeronomie (Hochatmosphärenforschung) in Tsumeb in Norden von Namibia und bestand aus einem Feldstärkemessgerät HFH und Enograph von Rohde & Schwarz sowie aus einer vertikalen nach Norden ausgerichteten Einwindungsrahmenantenne, die bei LW eine Fläche von 1100 m² und für MW 170 m² umspannte.

Vielen Dank für die Infos! Sehr interessant. :spos: Einwindungsantennen für die Langwelle ... nun ja, Platz gibt es in Namibia ja auf alle Fälle.

von Jens1978 - am 02.03.2015 21:46
Das mit dem langsamen Fading auf LW kann ich aber voll bestätigen. War in den Wintermonaten früher nachts sehr schön bei Taldom 261kHz zu hören, ganz langezogenes langsames Fading und ganz langgezogene, langsame Verzerrungen, nach der nächtlichen Abschaltung von Radio Ropa.

Sowas gibts auf KW und MW einfach nicht, dort ist es schnellerer Schwund. Also schwanken in der Tat Langwellen sehr langsam, mit zunehmender Wellenlänge vermutlich immer langsamer.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 02.03.2015 22:41
@Jens1978:
Deine Ausführungen sind für mich gut nachvollziehbar.

Eine interessante Frequenz ist 279 kHz, wo Sasnovy (BLR) mit einem sehr geringen Modulationsgrad sendet.

Das hat zur Folge, dass andere Sender diesen Träger bestens zur Ausstrahlung ihrer Programme "missbrauchen" können.
(Luxemburgeffekt)

So hörte ich gestern gegen 19 Uhr das Pausenzeichen von Radio Vatikan deutlich lauter als
die dünne Originalmodulation.

Tageszeitabhängig überlagern sich verschiedene Fremdmodulationen,
sie sind manchmal an ihrer rauhen und verzerrten Modulation zu erkennen
und erreichen oft höhere Lautstärken als das Original.

Etwas anderes: Auf der gleichen Frequenz sendet Asgabat (TKM).
Dieser Sender könnte wg. der sehr schwachen Modulation von Sasnovy manchmal durchdringen.
Kann das jemand bestätigen?

von R.Oberlahn - am 03.03.2015 08:18
Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Das mit dem langsamen Fading auf LW kann ich aber voll bestätigen. War in den Wintermonaten früher nachts sehr schön bei Taldom 261kHz zu hören, ganz langezogenes langsames Fading und ganz langgezogene, langsame Verzerrungen, nach der nächtlichen Abschaltung von Radio Ropa.

Sowas gibts auf KW und MW einfach nicht, dort ist es schnellerer Schwund. Also schwanken in der Tat Langwellen sehr langsam, mit zunehmender Wellenlänge vermutlich immer langsamer.

Hab das langsame Fading ja nicht bestritten, das ist ja auch so! Ich wollte nur eine Erklärung für das "Warum das so ist" abgeben. Dachte dlf-fan meinte, dass die Langwellen generell auf alles irgendwie verzögert, langsam reagieren, denn das ist ja nicht der Fall. Aber die Mittelwelle, die du ansprichst ist ein gutes Beispiel, denn im unteren Teil finden sich nahezu langwellenähnliche Bedingungen und im oberen Teil schon eher kurzwellenartige.

@R.Oberlahn
Den Luxemburgeffekt kann ich völlig bestätigen (vor allem unter den LW Sender selbst). Hatte mich immer über die verschiedenen Kreuzmodulationen gewundert, bis ich merkte/laß, dass das gar nicht am Empfänger liegt.
Was den TKM Sender angeht: Zu welcher Uhrzeit soll das denn evtl. passieren? 21Uhr? Irgendwann wird der TKM Sender ja auch Sendepause haben. Das Problem ist halt nur, dass man die zwei Programme vermutlich sowieso nicht wirklich auseinander halten kann :-(

von Jens1978 - am 03.03.2015 09:07
Nein Jens, so war es nicht gemeint. Sondern schon in Bezug auf die Wellenlänge. Dein Denkansatz ist sehr interessant, ich würde es anders erklären wollen und zwar so:
Wohl jeder von uns kennt, wenn er im fahrenden Auto einen schwachen UKW- Sender empfängt, das durch die Bewegung verursachte Fading. Und zwar, weil sich mit jedem gefahrenen Meter die Empfangsbedingungen ändern, denn die Wellenlänge beträgt ja nur 3 Meter.
Beim stationären Mehrwege- LW- Empfang empfange ich Boden- und Raumwelle. Die Bodenwelle (das behaupte ich jetzt einfach mal) bleibt konstant aber die Raumwelle ändert sich permanent und damit wegen der Phasenverschiebungen und Feldstärkeunterschiede zwischen Bodenwelle und Raumwelle auch das Ergebnis, welches ich durch meinen Empfänger zu hören bekomme.
Die Schichten in der Atmosphäre, welche mir den Raumwellenanteil bescheren, bewegen sich mit einer gegebenen Geschwindigkeit. Es ist ihnen egal, ob sie LW- , MW-, oder KW- Signale reflektieren, sie tun es einfach. ;) Wenn sich nun so eine Schicht um einen Kilometer weiterbewegt hat, dann hat sie in Bezug auf einen KW- Sender im 49m- Band gut 20 Wellenlängen zurückgelegt. Für Europe 1 auf LW 183 kHz aber wäre es nicht mal eine ganze Wellenlänge gewesen und entsprechend langsamer gehen die durch die Bewegung der reflektierenden Schichten verursachten Signalveränderungen einher... Aber Jens, vermutlich meinen wir das gleiche. :cheers:
Noch ein Gedanke, auch wenn der mit der Langwelle gar nichts zu tun hat, sondern mit längeren (Kanal 23) und kürzeren Wellen (Kanal 57): Wenn ich so an den analogen Fernsehempfang früher in Leipzig- Grünau denke, so möchte ich fast behaupten, dass das Flatterfading bei Tiefdruck auf dem Kanal 57 heftiger war als auf Kanal 23. Beide Kanäle wurden vom selben, 136 km entfernten Standort (Hof, Großer Waldstein) empfangen.

von dlf-fan - am 03.03.2015 11:53
Zitat Jens1978:
"Zu welcher Uhrzeit soll das denn evtl. passieren? 21Uhr? Irgendwann wird der TKM Sender ja auch Sendepause haben.
Das Problem ist halt nur, dass man die zwei Programme vermutlich sowieso nicht wirklich auseinander halten kann."

Ja, da hast du Recht, das Auseinanderhalten der Sprachen dürfte schwierig sein.
Die Musik jedoch sollte sich unterscheiden, "orientalischer" aus TKM.

Als besten Zeitpunkt vermute ich ebenfalls den frühen bis mittleren Abend.

Es gibt einige DX-er, die behaupten TKM hier in D gehört zu haben,
vielleicht hat da auch nur der Luxemburgeffekt zugeschlagen.

von R.Oberlahn - am 03.03.2015 14:11
Zum Thema "ruhigere Langwelle".
Ein weiterer Grund für das wesentlich ruhigere Verhalten ohne "nerviges" Fading der Langwelle liegt auch am Aufbau der Ionosphäre und dem frequenzabhängigen Verhalten der diversen Schichten.

Ein Langwellensignal hat eine sehr große Wellenlänge und wird entweder an der tagsüber vorhandenen D-Schicht komplett absorbiert oder an den höheren Schichten reflektiert.
Die Frequenz bei der Reflexion ist dabei so unendlich weit weg von der maximal nutzbaren Frequenz (MUF), dass sich Unregelmäßigkeiten der Ionisierung der refelektierenden Schichten nicht auswirken. Soll sagen, ob die MUF bei 4, 6, 10 oder 30 MHz liegt, die Langwelle wird reflektiert.

Bei Kurzwelle sieht es ganz anders aus.
Das KW-Signal kämpft sich durch dämpfende Schichten und erreicht reflektierende Schichten, oder wird eben nicht mehr reflektiert, da die MUF zu niedrig wird.
Wenn die KW-Frequenz einerseits in der Nähe der kleinsten nutzbaren Frequenz (LUF) z.B. an der E-Schicht liegt und andererseits die MUF nicht so hoch ist sorgt die Ungleichmäßigkeit dieser Schichten zu großen frequenzabhängigen Schwankungen.
Zu allem Überfluss gibt es noch mehrere Schichten die wiederum alle frequenzabhängig sind.
Besonders störend ist ja ein teilweises Wegfaden des Trägers, das passiert bei Langwelle nie.

Hohe Frequenzen nahe der MUF (z.B. 21 MHz) wirken ja auch wieder ziemlich ruhig. Hier ist dann nur noch eine einzige Schicht beteiligt, und die Frage lautet nur noch: Reflexion - ja oder nein.

von Christian_66 - am 03.03.2015 18:49
Zitat
R.Oberlahn
Es gibt einige DX-er, die behaupten TKM hier in D gehört zu haben,
vielleicht hat da auch nur der Luxemburgeffekt zugeschlagen.

Als ich damals TKM mit einem Billigst-KBW empfangen habe, war ein islamischer Prediger zu hören. Ich bezweifle, dass das auf irgendeinem Sender aus der näheren Umgebung ausgestrahlt wird.

von RheinMain701 - am 03.03.2015 20:25
Zitat
cain
Auf 279 empfange ich im Hintergrund von BLR noch einen Sender. Ob das TKM ist?

03.03.15 - 21:18 Uhr


Soeben identifiziert. Es ist Polskie Radio Jedynka. Gleiches Programm wie auf 225 khz.

von cain - am 03.03.2015 21:02
Zitat
DH0GHU
.. also Kreuzmodulation ;-) Wundert mich eigentlich - so stark ist 225 kHz in D doch auch nicht mehr...


Ionosphärische Kreuzmodulation (Luxemburg-Effekt), dazu muss der Sender nur unterwegs auf der Übertragungsstrecke stark sein. Von Berlin aus gesehen liegt der polnischer Sender ziemlich genau auf der direkten Luftline zum Weißrussischen Sender.

von Arne_BLN - am 04.03.2015 09:00
@dlf-fan
Ja, vermutlich meinen wir tatsächlich das gleich :cheers:

@Christian_66
Das klingt sehr plausibel und logisch. Das würde auch erklären, warum das 49m-Band tagsüber ruhiger ist als nachts, jedenfalls mein Eindruck.
Was allerdings das wegfaden des Trägers auf LW angeht: Doch, das passiert da auch, schon oft erlebt.

von Jens1978 - am 04.03.2015 10:38
Zitat
PowerAM
Kommt drauf an, wo man sitzt. ;) Seit der Abschaltung der Zehlendorfer 177 kHz ist der PoleTM das staerkste Signal.


Also gestern war die 225 auf Anschlag und heute nur 1 Balken. Auf 261 ist heute 540 und 801 zu hören wo es gestern noch tot war.
Was ich heute zum erstemal erlebe ist daß alle LW Sender im Sekundentakt wie auf KW faden.

04.03.15 - 21:42 Uhr

von cain - am 04.03.2015 20:44
... und selbst das (in diesem Wellenbereich naturgemäß rare) Interferenz-Fading scheint auf Lang-welle Lang-samer zu sein - was aber wohl i.e.L. mit der Frequenzgenauigkeit zu tun hat. Schnelles Flattern oder gar Pfeiftöne wie gelegentlich auf MW hat man hier selten.

von Randfunker - am 04.03.2015 23:27
Hab vorhin mal die 279kHz überprüft. Also bei mir ist lediglich der Weißrusse mit dem quasi gleichlauten Polskie Radio 1 zu empfangen. PR 1 war eindeutig durch den Luxemburgeffekt zu hören, denn durch die Rahmenantenne war ja nur die 279kHz auf Resonanz, die 225kHz war logischerweise nicht die Resonanzfrequenz. TKM konnte ich nicht vernehmen.

von Jens1978 - am 05.03.2015 22:38
Thema Fading: Hab die letzten Abende öfters mal Medi 1 auf 9575 kHz um die Uhrzeit jetzt, also 22 bis 24Uhr nebenbei gehört. Dabei ist mir aufgefallen, dass nahezu kein Fading dort zu vernehmen war. Teilweise kann man 1-2 Lieder direkt ohne Einbruch durchhören. Das ist völlig untypisch für Kurzwelle, klingt wie Mittelwelle. Demzufolge kann ich mich der Begründung von Christian 66 immer mehr anschließen, dass der Effekt sehr stark mit der Anzahl sowie der Eigenschaft der jeweiligen reflektierenden Schichten zu tun hat, denn abends/nachts ist die MUF ja sehr weit unten.

von Jens1978 - am 06.03.2015 22:54
@Jens1978: das ist doch eigentlich der Idealfall, falls das Frequenzband richtig gewählt und man sich im Zielgebiet des Senders aufhält. Als ich im Januar auf den Azoren war, konnte ich übrigens auch beobachten, dass - bei Dunkelheit - Medi 1 auf der Frequenz im 31 Meter Band sehr stabil reinkam (während das LW-Signal bei Dunkelheit nicht zu gebrauchen war).

Noch eine Frage, etwas off-topic, da Bodenwelle: der Empfang von Beidweiler 234 KHz tagsüber erscheint mir an meinem QTH in der Innenstadt von Frankfurt/Main sehr schlecht. Das war nicht immer so. Beidweiler war mal, neben dem DLF auf 153 Khz, der stärkste Sender auf LW!

Aktuell sieht es aber so aus, dass Europe 1 bei weitem der stärkste Sender ist, mit S=5, Allouis auf Platz 2 mit S=3 und Beidweiler sogar noch schwächer als Allouis reinkommt, ich würde sagen S=2. Senden die so stark gerichtet, dass von den 2000 KW hier in Frankfurt nur noch so wenig ankommt? Das war meiner Meinung nicht immer so, wie gesagt, RTL war mal mit der am besten zu empfangende Sender auf LW.

von Klaus Wegener - am 07.03.2015 10:26
Zitat
Klaus Wegener
Das war meiner Meinung nicht immer so, wie gesagt, RTL war mal mit der am besten zu empfangende Sender auf LW.


Kann ich bestätigen.
Hier in Berlin ist Europe 1 183kHz nach Polen auf 225kHz nun die stärkste Station, die anderen "Franzosen" (162kHz,216kHz,234kHz) lassen sich nur erahnen. Das habe ich ebenfalls anders in Erinnerung. Vermutlich wurde die Sendeleistung in den letzten Jahren verringert und/oder die Richtcharakteristik der Antennen von Deutschland weg "optimiert".

von Arne_BLN - am 07.03.2015 13:20
Auch hier bei mir in Halle ist seit der Abschaltung der DRadio- Langwellen Europe 1 das stärkste LW- Signal. Habe die 234 hier auch schon mal besser empfangen, ich war vor zwei Tagen mit dem Sony mal im Gelände und fand die 216 auch recht schwach. Laut AMSCAN gehen aber in Richtung NO auch nur 1,5 kW raus. Sieht allerdings eher wie das alte Diagramm der 183 aus, 4,6 MW Richtung SW... :eek:
Chaine 3 aus Algerien auf der 252 war da übrigens am frühen Nachmittag schon eindeutig zu vernehmen (auf französisch)...

von dlf-fan - am 07.03.2015 20:00
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