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Neuordnung des UKW-Sendenetz in Baden-Württemberg?

Startbeitrag von pris am 22.10.2012 20:59

Laut eines Artikel des "bermudafunk" plant angeblich die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg die UKW-Frequenzen für Freie Radiosender abzuschalten und dafür ein landesweiten DAB+ Kanal zu starten.

Mehr dazu unter
http://bermudafunk.org/news/news-detail/bermudafunk-bald-nur-noch-ueber-das-internet-zu-hoeren.html

Ist dann nun eine Neuordnung des UKW-Sendernetzes in Baden-Württemberg geplant? Oder ist der Artikel vom "bermudafunk" eine Fehlinterpretation der PM von der LfK?

http://www.lfk.de/aktuelles/pressecenter/pressemitteilungen/detail/artikel/mehr-gehoer-fuer-gesellschaftliche-gruppen.html

Antworten:

Soweit ich weiß, haben die Freien Radios Bestandschutz auf UKW. Jetzt ist erstmal der gemeinsame DAB-Kanal geplant. Günstiger werden die Verbreitungskosten dadurch freilich nicht. Aber ob eine zeitnahe UKW-Abschaltung wirklich soviel Einsparungen bringen würde? Ich glaube erst mal nicht dran.

von freiwild - am 22.10.2012 21:29
Vielleicht wird man erstmal teure Standorte wie HD-Königstuhl einsparen und von billigeren Masten senden.

von RheinMain701 - am 22.10.2012 21:32
Häh? Gerade das Urgestein der freien Radios - Radio Dreyeckland - hat doch seinen Ursprung in der grünen Bewegung der 1970er und 1980er Jahre.

Und was ist mit "einem DAB+-Kanal" gemeint? Ein landesweiter MUX für alle freien Radios oder nur noch ein freies Radioprogramm, das im Landesmux mit übertragen wird? Ersteres dürfte bedeutend teurer werden als die bestehende UKW-Ausstrahlung.

Irgendwo hatte hier doch mal jemand eine Preisliste von Mädchen & Brotkasten für UKW-Sender gepostet. Da lag doch der Preis für eine Funzel im Bereich von 1 KW bei ca. 1000 Euro pro Monat. Das dürfte doch ein Land, das für mehrere Milliarden Euro einen Bahnhof verbuddelt, aus der Portokasse bezahlbar sein.

von Kay B - am 22.10.2012 22:05
Ne, die neoliberale Logik geht so: Wir geben Milliarden für einen schlechten Bahnhof aus, deswegen müssen wir jetzt bei den Sozialprojekten und der Förderung der Bürgergesellschaft sparen. In den USA bewirbt ja Romney auch aktuell seinen Vorschlag, PBS und NPR einzustellen, um dadurch 7 Mio Doller im Jahr zu sparen, um gleichzeitig Milliarden für Steuergeschenke und das Militär auszugeben.

Ach ich bin schon wieder total offtopic.

von freiwild - am 22.10.2012 22:10
Welche großen Beträge spart man da aber nun, wenn man den freien Radios die Funzeln wegnimmt?

von Kay B - am 22.10.2012 22:52
Ja, man wundert sich. Man darf aber nicht die grüne CDU von heute mit den Grünen aus den 70ern und 80ern verwechseln. Idealitsen hat Fischer schon längst rausgekegelt, und das grüne Klientel rekrutiert sich längst aus den besserverdienenden Bionadekäufern. Denen ist doch Radio Dreyeckland egal.

Außerdem muss man sich abgesehen davon fragen, ob diese Radios wirklich noch basisdemokratische Alternativen sind, oder ob sie nicht längst Abstellbahnhöfe für Randgruppen sind. Die Medienlandschaft hat sich doch völlig verändert, wer heute "seine" Informationen verbreiten und konsumieren will, der kann das doch im Internet besser und mit einem größeren Publikum.

Insofern sind die nicht ganz mit dem public broadcastern in den USA zu vergleichen. Neben diesen gibt es drüben ja auch die Stationen der collges, education boards und Universitäten sowie eine ganze Reihe von nichtkommerziellen Sender der Religionsgemeinshaften (nicht zu verwechseln mit den Cash-for-Christ-Schleudern oder irgendwlechen Propagandasendern von reaktionären Endzeitpredigern).

von Alqaszar - am 22.10.2012 23:00
Zitat
Da lag doch der Preis für eine Funzel im Bereich von 1 KW bei ca. 1000 Euro pro Monat.


1000 € reichen für 1 KW nicht, das kosten schon 100 Watt.

von Dampfradio - am 22.10.2012 23:26
Man sollte neben der PM der LFK auch den Text der Rede lesen:

http://www.lfk.de/aktuelles/pressecenter/reden.html

Im Übrigen hat Langheinrich das Landesmediengesetz in seiner gültigen Fassung anzuwenden und die Beschlüsse des Vorstandes (dessen Vorsitzender er ist) und des Medienrats umzusetzen.

Wenn er in einer Rede über zukünftige Gesetzesänderungen und die Folgen schwätzt, gibt er nur seine Privatmeinung wieder.

von Manfred Z - am 23.10.2012 00:21
Ihr habt hier angefangen zu politisieren, so mache ich auch mal mit.

Der Stuttgarter Sender 99,2 ist auch sehr stark in die Anti S21 Bewegung eingebunden.

Das solcher Unsinn mit Geldern der LfK unterstuetzt wird, - wir reden hier von 800.000 Euro die jaehrlich an diese Freien Sender gehen - finde ich komplett unpassend.

Was Romney betrifft. In Deutschland, in der Linkszene natuerlich unbeliebt. Ganz klarer Fall.
Was Hrn. Romney's Wissen betrifft, vorallem durch Ahnunglosigkeit gepraegt, was insbs. seine letzte Europareise deutlich zeigte.
Zudem sollte er sich auch Gedanken machen, wie NPR finanziert wird.

In den USA gibt es uebrigens eine reihe von nichtkommerziellen Sendern, die nicht links angehaucht sind.

von 102.1 - am 23.10.2012 06:20
Abenteuerlich, wie wild hier und bei den Fundis (siehe Ansprechpartner unter der Pressemitteilung des Bermudafunks) spekuliert wird. Bis eine UKW-Abschaltung in Frage kommt, hat der grün-rot dominierte Landtag die Gremien der LfK neu gewählt.

von Chris85 - am 23.10.2012 06:56
Rot Gruen und die Gruenen generell in BW sind nicht wirklich faehig.
D.h. in der Medienpoltik sind nicht wirklich deutliche Verbesserungen zustande gekommen.
Die Rot Gruene Poltik konzentriert sich viel zu sehr auf Blockieren und Trotzbubenverhalten und finden ihren Rueckhalt in der Klein-Haeusler Gesellschaft insbs. in Schwaben.

von 102.1 - am 23.10.2012 07:12
Die Landesmedienanstalten müssen halt u.a. die Leitungs- und Verbreitungskosten der NKLs zahlen. Und da ist die Rechnung diese: Ein DAB+ Kanal kostet 1000 Euro im Monat, eine 100 Watt-UKW-Funzel mit weniger potenzieller Reichweite aber 10.000. Problem ist, dass immer noch die Meinung vorherrscht DAB = Ghetto = keine Hörer. Und das wird sich auch die nächsten Jahre noch so weiter hinziehen.

von Wiesbadener - am 23.10.2012 07:16
@102.2: Warum kam noch nichts zustande? Weil gewisse Gremien noch mit dem ewiggestrigen Filz besetzt sind. Genauso scheinheilig wie Romney, der Obama Versagen vorwirft. Nur was andere angerichtet haben, kann man in zwei oder vier Jahren Amtszeit noch nicht wieder gerade rücken.

Noch ein Nachtrag: Das Gleiche gilt auch für die NKLs: Da sind mir zu viele Fundis, quasi das andere Extrem, die gegen alles sind, und mit den wenigen Fördergeldern medienpolitische, zum Teil wirklich nicht nachvollziehbare Entscheidungen - gerichtlich anfechten (Sendezeitaufteilung der 104,8 MHz in Karlsruhe), anstatt in neue Studiotechnik zu investieren, oder sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Da ist es kein Wunder, dass NKLs bei vielen unbekannt sind, oder auf andere zu linksradikal und somit abschreckend wirken.

Zur digitalen Ghetto-Misere: es ist paradoxe Spinnerei, doch dieses Problem lässt sich einfach lösen, indem sämtliche Hitdudler möglichst bis 2015 vor oder mit den NKLs auf UKW abgeschaltet werden und man quasi mit einer Art Abwrackprämie den Kauf von Digitalradios fördert. *duckundweg*

von Chris85 - am 23.10.2012 07:50
Die BW Gruenen sind eine einfallslose Wald und Wiesenpartei, die bisher nichts zu stande brachte, ausser Gedanken, wie man den Verkehr gaengeln kann um Feinstaub zu bekaempfen. Betrachtet man wieviele Raucherkneipen in Stuttgart noch existieren, und wie charismatisch die Bayrischen Gruenen an Rachverboten arbeiteten, muss ich den Gruenen in BW ein mieses Zeugnis ausstellen, - Medienpolitik inklusive.

Die oft diskutierte 100.7 waere schon lange faellig gewesen vom Frauenkopf zu senden, wenn man dem alten Filz, (Antenne 1 geschuetzt durch das Bereichssender-System der LfK) endlich den Garaus machen will. Nur, wie gesagt, dazu fehlt eben das Carisma und dominiert zusehr die schwaebische Kleindenkerei, - nach wie vor.

Eine Abwrackpremie fuer UKW Radios finde ich einen interessanten Vorschlag. Gerade die Gruenen koennten so ein Thema vorantreiben. Schliesslich ist nicht nur der Betrieb des DAB+ Radios sondern auch deren Sender weniger Energieaufwaendig und somit auch einen besseren Carbon Footprint. In UK wird auf dieses Thema oft hingewiesen, die BW Gruenen verstehen natuerlich nichts von der Sache.

von 102.1 - am 23.10.2012 09:05
Zitat
102.2
Eine Abwrackpremie fuer UKW Radios finde ich einen interessanten Vorschlag. Gerade die Gruenen koennten so ein Thema vorantreiben. Schliesslich ist nicht nur der Betrieb des DAB+ Radios sondern auch deren Sender weniger Energieaufwaendig


Dem stehen dann aber tausende Tonnen zusätzlicher Elektroschrott gegenüber.

von zerobase now - am 23.10.2012 09:23
Zitat
zerobase now
Zitat
102.2
Eine Abwrackpremie fuer UKW Radios finde ich einen interessanten Vorschlag. Gerade die Gruenen koennten so ein Thema vorantreiben. Schliesslich ist nicht nur der Betrieb des DAB+ Radios sondern auch deren Sender weniger Energieaufwaendig


Dem stehen dann aber tausende Tonnen zusätzlicher Elektroschrott gegenüber.


Das hat man im KFZ Bereich auch geloest.
Oder bei Haushaltsartikeln, Kuehlschraenken, steht's ja noch an......

von 102.1 - am 23.10.2012 09:27
Dass Regierungswechsel in Sachen Medienpolitik und Frequenzneuordnungen wenig bis gar nichts bringen, wissen wir doch aus NRW.
@102.2: Besser als die alte Mappus-Show ist der Bürstenwinnie mit seinem grün-roten Team aber in jedem Fall!

von Peter Schwarz - am 23.10.2012 10:45
der Buerstenwinnie (freut mich, dass er fuer sein Alter noch so viele Haare hat, wenngleich auch die Farbe verbleicht wirkt) fiel insbs. damit auf, dass er die Grunderwerbssteuer von 3,5 auf 5% anhob, und die jaehlriche Grundsteuer auch gleich um 30% anhob.
Sein kleiner Atlatus spricht lieber ueber seine tuerkische Frau und der gelungenen Integration anstelle sich Wirtschaftsfragen zuzuwenden, und der Glatzkopf mit den Ohrringen sagt zu allem ohnehin nur nein. Die Preise fuer oeffentl. Nahverkehr scheinen in Stuttgart auch endlos zu steigen.

An sonsten gehoert der Buerstenwinnie eher ins Altersheim um sich mit den Senioren ueber Kaffeezucker unterhalten zu koennen.

von 102.1 - am 23.10.2012 12:41
Zitat
Alqaszar
Außerdem muss man sich abgesehen davon fragen, ob diese Radios wirklich noch basisdemokratische Alternativen sind, oder ob sie nicht längst Abstellbahnhöfe für Randgruppen sind. Die Medienlandschaft hat sich doch völlig verändert, wer heute "seine" Informationen verbreiten und konsumieren will, der kann das doch im Internet besser und mit einem größeren Publikum.

Endlich jemand hier, der das auch so sieht.

von Schwabinger - am 23.10.2012 16:58

Neuordnung des UKW-Sendenetz in Baden-Württemberg?

Zitat
Schwabinger
Endlich jemand hier, der das auch so sieht.

und so etwas sagt jemand, dessen Namen darauf hindeutet, dass er im Verbreitungsgebiet der 92,4 München und somit Radio Horeb wohnt! Oh Mann ..

von KlausD - am 23.10.2012 17:17
@ Alqaszar

Zitat

Außerdem muss man sich abgesehen davon fragen, ob diese Radios wirklich noch basisdemokratische Alternativen sind, oder ob sie nicht längst Abstellbahnhöfe für Randgruppen sind. Die Medienlandschaft hat sich doch völlig verändert, wer heute "seine" Informationen verbreiten und konsumieren will, der kann das doch im Internet besser und mit einem größeren Publikum.


Das stimmt natürlich, daß es heute auch andere Wege der Informationsverbreitung gibt. Es ist aber halt ein heißes Eisen in der Imagepflege einer Landesregierung, wenn man den Freien Radios die UKW-Frequenzen entziehen will.



@ Biertrinker 102.2

Zitat

Der Stuttgarter Sender 99,2 ist auch sehr stark in die Anti S21 Bewegung eingebunden.

Das solcher Unsinn mit Geldern der LfK unterstuetzt wird, - wir reden hier von 800.000 Euro die jaehrlich an diese Freien Sender gehen - finde ich komplett unpassend.


Es steht dir aber frei, dort Mitglied zu werden und dich für Stuttgart 21 einzusetzen.

von Kay B - am 23.10.2012 17:25
@Kay

Generell finde ich die total versaute Situation unpassend, die im Prinzip nur deswegen entstanden ist, dass auf dem Kontinent und auch in Deutschland immer noch Farbenlehre und Politik vor Resultaten steht. So wird in einer Stadt wie London ein Projekt wie Cross-Rail einfach durchgezogen, in Stuttgart ists natuerlich ein Problem. Ewiges Hin und Her tut nicht gut, verunsichert nur, und bringt wenig Resultate, ausser Spaltung der Gesellschaft. Letzteres hast Du in Stuttgart.

Schade finde ich in Deutschland zu sehr die Verflechtungen in den Medien, was sich auch darinn ausdrueckt, dass man im non-kommerziellen Umfeld in Richtung Linksmeinung und Spaet 68er tendiert. Zum Wohlstand traegt nunmal nicht derjenige bei, der Blockiert und Behindert. Das soll jetzt keine Kritik sein, dass non-kommerzieller Rundfunk nicht stattfinden soll, nur koennte man sich in diesem Umfeld auch komplett anders bewegen. In den USA werden oft Jazz Stationen non-kommerziell betrieben, man bringt neue junge Kuenstler, interessante Musik die man sonst nicht bekommen wuerde, ohne dass man irgendeine Gegner oder Hauptsache-Dagegen Propaganda bekommt.

Was S21 betrifft, ich bin dafuer. Nur ist hier wiederum die Umsetzung in auf krankhafte Art bereits ein Kind das in den Brunnen gefallen ist. Zieht man es durch, ja gerne, nur wird es ein ewiges hin und her mit politischer Instrumentalisierung sollte man es gleich sein lassen.
Nur, in London, funktionierts wohl mit Cross Rail? Das gibt einem so manche Gedanken auf.....

von 102.1 - am 23.10.2012 18:01
@ Biertrinker 102.2

Zitat

Schade finde ich in Deutschland zu sehr die Verflechtungen in den Medien, was sich auch darinn ausdrueckt, dass man im non-kommerziellen Umfeld in Richtung Linksmeinung und Spaet 68er tendiert.


Ja, eine gewisse Ausgewogenheit sollte natürlich auch bei den Freien Radios vorhanden sein. Aber das ist dann halt eine Sache derer, die sich die Mühe machen, dort Radio zu machen. Und das steht ja jedem offen.

von Kay B - am 23.10.2012 18:56
Zitat
Kay B
Und das steht ja jedem offen.


Na ja, all zu viele Frequenzkapazitaeten gibts ja in Stuttgart nicht....

von 102.1 - am 23.10.2012 19:17

-

-

von Seltener Besucher - am 23.10.2012 19:25
@ 102.2

Zitat

Na ja, all zu viele Frequenzkapazitaeten gibts ja in Stuttgart nicht....


Das hast du falsch verstanden. Es steht dir natürlich nicht offen, selbst zu zünden. Es steht dir aber offen, bei dem Freien Radio Mitglied zu werden und selbst mitzumachen.

von Kay B - am 23.10.2012 21:24
@ Seltener Besucher

Zitat

Ich verstehe nicht, warum diese Frequenzen an ein weiteres Duddelradio mit den besten Hits der 80er, 90er und dem besten von heute gehen sollten?


Das wäre sowieso bekloppt. Und mit Dudelradios müßte der Markt ja sowieso schon übersättigt sein.


Zitat

Die NKLs haben sich ihre Lage selbst zuzuschreiben. Sie sind so alternativ, dass eine Durchhörbarkeit nicht gegeben ist.


Es sind halt alles Sendungen, die man gezielt einschaltet oder man da hängen bleibt, weil das, was gerade läuft einfach ungewöhnlich schräg ist.

von Kay B - am 23.10.2012 21:31
Zitat
pris
Laut eines Artikel des "bermudafunk" plant angeblich die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg die UKW-Frequenzen für Freie Radiosender abzuschalten und dafür ein landesweiten DAB+ Kanal zu starten.

Mehr dazu unter
http://bermudafunk.org/news/news-detail/bermudafunk-bald-nur-noch-ueber-das-internet-zu-hoeren.html

Ist dann nun eine Neuordnung des UKW-Sendernetzes in Baden-Württemberg geplant? Oder ist der Artikel vom "bermudafunk" eine Fehlinterpretation der PM von der LfK?


Wohl eher Letzteres. Der LfK-Präsident Langheinreich ist CDU-Mitglied, und das hat seiner Karriere bei der LfK bis 2011 sicher nicht gerade geschadet. Seine zweite Amtszeit hat er im Frühjahr 2011 kurz vor dem Machtwechsel in Stuttgart angetreten. Er ist schon in der Vergangenheit nicht gerade als Förderer von NKLs aufgefallen, siehe z.B. diese Mitteilung der AFF: http://www.jpberlin.de/medienmagazin/mos/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=143

Es ist schon sehr abenteuerlich, aus der PM von Langheinrich ablesen zu wollen, dass die Landesregierung eine Abschaltung von UKW-Frequenzen von NKLs plane. Allerdings ist Grün-Rot (anders als im Wahlkampf und im Koalitionsvertrag versprochen) bisher auch nicht mit irgendwelchen Aktivitäten zur Förderung der NKLs aufgefallen. Vielleicht wachen sie ja nun langsam auf... Es würde mich aber wundern, wenn es im Ländle anders herauskommen würde als unter anderen politischen Farben vor Jahren in NRW: Ein Regierungswechsel führt angesichts bestehender, sich selbst erhaltender Machtgeflechte sehr selten zu einer grundlegend anderen Medienpolitik - das sehe ich genauso wie Peter Schwarz.

Davon abgesehen fände ich einen landesweiten gemeinsamen DAB+-Kanal für die NKLs gar nicht so schlecht: Damit würden endlich auch die Regionen abgedeckt, für die es keine UKW-Frequenzen oder keine Anbieter von NKLs gibt. Viele Beiträge werden doch sowieso zwischen Stuttgart, Karlsruhe, Tübingen, Freiburg und Schopfheim ausgetauscht. Dann könnte man doch ohne viel Mehraufwand einen landesweites Programm bestreiten. Nur darf das natürlich kein Hebel zu einer Abschaltung der lokalen UKW-Frequenzen von NKLs sein. Selbst wenn Langheinrich genau dies bezweckt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er dafür bei den jetzigen politischen Mehrheiten auch nur den Hauch einer Chance hat.

73 de Uli

Nachtrag: Es gibt zum Thema noch eine aktuelle Stellungnahme der AFF (Aktion Freier Gesellschaftsfunk Baden-Württemberg):
http://aff-bawue.org/pm_aff_mehrgehoer_2012-10-18.pdf

von ulionken - am 23.10.2012 22:30
Mittlerweile scheint es Stress zu geben. Der Bermudafunk behauptet das der Direktor Mitglied der CDU sei. Dies wurde nun mittlerweile dementiert.

von pris - am 24.10.2012 12:41
Bezüglich der AFF-Pressemitteilung: Weiter oben habe ich in einem Posting auf die Namen der Autoren hingewiesen und sie weniger nett als Fundis bezeichnet, die man nicht allzu ernst nehmen sollte. Ich kenne einen der Autoren.
Jedenfalls wieder ein Paradebeispiel, wie einige dieser Pappenheimer schon vor der angestrebten Digitalisierungsoffensive einen konstruktiven Dialog mit der LfK torpedieren.

von Chris85 - am 24.10.2012 13:15
Zitat
seltener Besucher
Eine Sendung im Internet müssend die Hörer gezielt auswählen, auf UKW wird der Sender auch mal durchgezappt, weil der Autohänder die ortsüblichen Sender einprogrammiert hat.

:joke: Ich glaube kaum, dass ein Autohändler speziell ein NKL in das Autoradio programmiert.:-) Und eine ggf. interessante Sendung muss der Suchende bei einem NKL auch suchen. Wo? Wohl im Internet, oder druckt eine Tageszeitung ein NKL-Programm ab?

Zitat

Beim Radio und Fernsehen schalten die Menschen schon mal in eine Sendung, die sie bei dem Blick in EPG oder die Programmzeitschrift nicht einschalten würden, bei zappen bleiben sie hängen und erfahren etwas Neues, wenn das Thema plötzlich doch interessant erscheint. Aus purer Langeweile bleiben sie an einem Thema hängen. Das funktioniert im Internet nicht.

Das funktioniert dort normalerweise sehr gut. Man nennt es auch "surfen". ;)

Zitat

Radio ist immer noch ein privilegiertes Medium, nur wenige Menschen haben Zugang und können ihre eigenen Sendungen produzieren. Das Feedback ist größer, als bei Veröffentlichungen im Internet.

Das Radio ist gegenüber Internet eigentlich unbedeutend (geworden). Leider. Das Feedback via Internet ist m. E. um ein vielfaches größer als eine Sendung oder ein Beitrag bei einem OK, NKL oder BüFu.
Ok, zu Zeiten der Gründung der Grünen und davor in Whyl und Wackersdorf mag das noch ganz anders gewesen sein.

von Schwabinger - am 24.10.2012 17:28
Dass in den (wen wunderts) eher links angehauchten NKLs in einem über Jahrzehnte von einer Partei dominierten Bundesland gleich Schlimmes erwartet wird, wenn die Politik über sie spricht oder gar ein noch zu CDU-Zeiten besetztes Gremium Vorschläge unterbreitet, darf einen ja nicht wirklich wundern.
Wenn ich mir allerdings das Sendernetz der NKLs und Uniradios so anschaue, habe ich meine Zweifel, dass sie kommerziell sonderlich interessant wären - und denke gleichzeitig, daß DAB den NKLs riesige Chancen bietet.
Analysieren wir doch mal ganz nüchtern ein paar Beispiele:

- bermuda.funk/Radioaktiv sendet derzeit über 2 Funzelchen mit 100W (MA) und 50W (HD-Königstuhl).

- StHörfunk plagt sich mit 2 100-W-Sendern in in den ostwürttemberger Metropolen Crailsheim und Schwäbisch Hall ab.

- FRS zündet mit gigantischen 300 W vom Heizkraftwerk-Schornstein in S-Münster. Immerhin - der Standort ist durchaus kommerziell interessant.

- Der "Querfunk" gehört zu den Platzhirschen unter den NKLs. Neben Radio Dreyeckland ist er der einzige, der von einem guten Standort mit nennenswerter Sendeleistung senden darf.

Wenn ich mir den Rest so anschaue: Die meisten haben keine wirklich nennenswerte Reichweite. Ihre technische Situation ähnelt der von M94.5 in München - wenig Leistung von ganz weit unten.

Von einer Aufschaltung auf einen lokalen DAB-Mux würden diese Programme massiv profitieren - so wie M94.5 sobald es in München auf 11C senden darf, und dann an Orten problemlos hörbar sein wird, wo momentan für Normalhörer noch nichtmal ein Signal zu erahnen ist. Irgendwann werden subregionalen DAB-Muxe sicher auch in BW kommen, denn irgendwann wollen auch Anbieter wie OHR, Die Neue 107,7, baden.fm oer Radio Seefunk digital funken.

Das, was jetzt als Option im Raum steht, würde bedeuten, daß ca. ein Dutzend bisherige nur-UKW-Programme sich einen Platz auf 11B teilen müssten. Das wäre etwas mehr als eine Stunde sinnvoll nutzbare Sendezeit (es gibt Tageszeiten, da hört fast niemand zu!) pro Anbieter und Tag. Sicher zu wenig - aber wer sagt denn, daß nach einem Weggang des SWR von 11B nicht auch Platz für 2 NKL-Kanäle wäre? Schon käme man in Richtung 2-3 Stunden pro Anbieter und Tag. So schlecht sieht mir diese Option nicht aus.
Die NKLs wären gut beraten, hier nicht in Fundamentalopposition zu verfallen, sondern konstruktiv diese Idee in ihrem Sinn weiterzuentwickeln.

Eine Einstellung der Förderung der UKW-Ausstrahlung ist meines Erachtens freilich erst dann richtig, wenn die NKLs in vollem Umfang per DAB zu hören sind - und sinnvoll dann, wenn DAB eine halbwegs relevante Marktdurchdringung erreicht hat. Andererseits gäbe es dann ebenso eine Perspektive, UKW den Lokalsendern und NKLs zu überlassen - und die großen Kommerziellen und ÖRs komplett auf DAB zu verlagern. Der Zug geht aber, wie man im Beispiel Bayern sieht, eher in richtung einer kompletten Digitalisierung.


[OT]
Die Äußerungen von 102.2 kann ich so nicht stehen lassen. Allein der Vergleich von CrossRail mit S21 zeugt von einem gewissen Informationsdefizit - sowohl in Bezug auf die genannten Projekte als auch in Bezug auf die Beweggründen ihrer Gegner. Ich mag die "Fundamental-Großprojektgegner" auch nicht, aber S21 ist ein Sonderfall, und bei Weitem nicht nur Leute mit "Hauptsache-Dagegen"-Mentalität waren gegen dieses Projekt. Man muß sich nur mal ein bischen mit den technischen Details befassen, wie auch damit, wo im süddeutschen Bahnnetz die eigentlichen Probleme liegen.

Dann noch ein paar gepflegte Tritte auf persönlicher Ebene weit unter die Gürtellinie wie das hier:

Zitat
102.2
der Buerstenwinnie (freut mich, dass er fuer sein Alter noch so viele Haare hat, wenngleich auch die Farbe verbleicht wirkt) fiel insbs. damit auf, dass er die Grunderwerbssteuer von 3,5 auf 5% anhob, und die jaehlriche Grundsteuer auch gleich um 30% anhob.
Sein kleiner Atlatus spricht lieber ueber seine tuerkische Frau und der gelungenen Integration anstelle sich Wirtschaftsfragen zuzuwenden, und der Glatzkopf mit den Ohrringen sagt zu allem ohnehin nur nein. Die Preise fuer oeffentl. Nahverkehr scheinen in Stuttgart auch endlos zu steigen.

An sonsten gehoert der Buerstenwinnie eher ins Altersheim um sich mit den Senioren ueber Kaffeezucker unterhalten zu koennen.


Derart widerwärtiges Geschreibsel hat mich dazu bewogen, heute Leuten wie "Bürstenwinnie" eher positiv gegenüber zu stehen ... Nicht, weil ich der Meinung wäre, dass sie bessere Lösungen für aktuelle Probleme hätten, sondern weil es ganz offensichtlich gewisse Unterschiede im Menschenbild gibt, das der jeweiligen Politik zugrunde liegt, die eher für "Bürstenwinnie" und eher gegen den "Pforzheim-Rambo" sprechen...

Da auch bei eben diesem ex-MP von BW ein ähnliches Menschenbild attestierbar war, darf man sich nicht wundern, dass sich hier und da - insbesondere auch in den NKLs - Fronten gegen ihn und einen Teil seiner Parteifreunde aufgetan haben. Man mußte kein linker Fundi sein, um Mappus Abwahl gut zu finden, und gewisse Sympathien für seine Gegner auch dann zu entwickeln, wenn man ihre Positionen im Detail garnicht teilte.

[/OT]

von DH0GHU - am 24.10.2012 18:48
Zitat
Ulrich Hilsinger
Wenn ich mir allerdings das Sendernetz der NKLs und Uniradios so anschaue, habe ich meine Zweifel, dass sie kommerziell sonderlich interessant wären - und denke gleichzeitig, daß DAB den NKLs riesige Chancen bietet.

Einzeln ganz sicher, aber zusammen als Kette könnten sie interessant sein.

Wenngleich die Frequenzen meist nicht sonderlich toll sind. Heidelberg 105,4 ist so eine Gurke, die geht vielleicht in Heidelberg, aber sonst nirgends, weil B5 aktuell 105,3 ständig reinstört.

von RheinMain701 - am 24.10.2012 18:55
Zitat
Ulrich Hilsinger
Derart widerwärtiges Geschreibsel hat mich dazu bewogen, heute Leuten wie "Bürstenwinnie" eher positiv gegenüber zu stehen ... Nicht, weil ich der Meinung wäre, dass sie bessere Lösungen für aktuelle Probleme hätten, sondern weil es ganz offensichtlich gewisse Unterschiede im Menschenbild gibt, das der jeweiligen Politik zugrunde liegt, die eher für "Bürstenwinnie" und eher gegen den "Pforzheim-Rambo" sprechen...

Da auch bei eben diesem ex-MP von BW ein ähnliches Menschenbild attestierbar war, darf man sich nicht wundern, dass sich hier und da - insbesondere auch in den NKLs - Fronten gegen ihn und einen Teil seiner Parteifreunde aufgetan haben. Man mußte kein linker Fundi sein, um Mappus Abwahl gut zu finden, und gewisse Sympathien für seine Gegner auch dann zu entwickeln, wenn man ihre Positionen im Detail garnicht teilte.

:spos:

von Funkohr - am 24.10.2012 19:15
@Ulrich Hilsinger:

" ... widerwärtiges Geschreibsel ... "

von mir auch :spos::spos::spos:

Ansonsten einen Tip an den Biertrinker: Lieber Rechtschreibung als Rechts-Schreibung.

von hegi_ms - am 24.10.2012 19:32
@Ulrich: Genau!!

von Peter Schwarz - am 24.10.2012 22:50
@ Ulrich Hilsinger: Auch von mir volle Zustimmung, insbesondere zum OT-Teil. :spos:

Noch ein Gedanke zur UKW- oder DAB-Verbreitung der NKLs: Für Lokalradios ist UKW eigentlich die bessere Wahl - keine Abhängigkeit von anderen Nutzern eines MUX, technisch bedingt kein flächendeckendes Netz. Aber es wäre ziemlich kurzsichtig, bei politisch günstiger Grosswetterlage so eine Chance für einen Einstieg in eine neue Technik nicht zu nutzen. Bei den vielen NKLs ist sicher genügend Manpower da, um gemeinsam und langfristig ein landesweites Programm zu bestreiten. Bei manchem NKL für sich allein genommen sieht es da viel dürftiger aus...

73 de Uli

von ulionken - am 26.10.2012 07:54
Ich möchte meinen Beitrag über die Notwendig keit des NKL als provokante Fragestellung verstanden wissen. Ich bin der Meinung, dass eine Entwicklung, wie sie in Niedersachsen stattgefunden hat -- dort sind einige NKLs regelrecht in Dudelsender umgewandelt worden -- dem neoliberalen Zeitgeist der Allesverwertung zwar entspricht, aber einen inhaltlichen Qualitätsverlust bedeutet.

Andererseits zeigt die eingangs zitierte PM der AFF, dass die Beteiligten selbst wissen, auf welch dünnem Eis sie sich inzwischen befinden. Und so ein Bürsten-Ministerpräsident, der zwar in der eigenen Partei ist, aber dennoch weiter entfernt erscheint als mancher CDUler, mag die Befürchtungen nur noch mehr bestätigen. Als Sozialdemokrat kommt mir sowas durchaus bekannt vor...

von Alqaszar - am 26.10.2012 23:00
Nun es ist ein Unterschied, ob man nicht-kommerzielles Lokalradio betreibt, oder ein links-populistisches Nischenprogramm wie in BW der Fall.

Mannheim's AFF zeigt sich gegenüber der LFK ja nicht gerade kommunikativ.

von pfaffengrunder - am 19.05.2013 05:47
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