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Vor 60 Jahren: eigentlich schon TV-DX

Startbeitrag von iro am 30.01.2013 12:51

NWZ vom 29.1.2013:

"Fernsehen ohne Illusion"
Am 29. Januar 1953 berichtete die NWZ unter anderem über die Fernseh-Premieren in Brake und Nordenham. Eine Privatinitiative hatte es geschafft, Bilder auf den Empfänger zu zaubern. Hundertprozentiges konnte jedoch nicht geleistet werden: die Fernsehstation in Hamburg sendete nur bis zu einem Bereich von 40 bis 50 Kilometern. In Brake mussten die Antennen sieben bis neun Meter hoch über den Dächern montiert werden. Jedes vorbeifahrende Auto störte den Empfang des zweistündigen Programms aus Hamburg. Der Preis für den billigsten Fernsehapparat betrug damals 1180 DM.

Antworten:

Ostfriesland als Tal der Ahnungslosen. Das ist wirklich mehr als bemerkenswert, einen solchen Aufwand für zwei Stunden tägliches Programm zu betreiben. Das müssen wirklich absolute Technik-Freaks gewesen sein.

von Lahnwelle - am 30.01.2013 12:55
Nein, für die Bildzeitung ist zwar alles westlich von Bremen "Ostfriesland", tatsächlich liegen die beiden genannten Orte aber in der "Wesermarsch".

von iro - am 30.01.2013 13:01
Und die VHF Antennen (der Beschreibung mit den Störungen vom Auto nach vermutlich Band I?) sind ja von einem Bastler leicht selbst zu machen. Der Aufwand bestand eigentlich nur aus dem Turm.

Auch aus dieser Zeit habe ich zwei Berichte in der britischen "Practical Television", eine monatliche Zeitschrift für Händler und Bastler. Einerseits über die Versorgung der Kanalinseln: Auf der nördlichsten Insel Alderney wurde mit einer gigantischen Antennenanlage BBC und später ITV empfangen und umgesetzt, und auf die Inseln Jersey und Guernsey weiter gesendet. Das war eine erhebliche Entfernung, später bei den Sendungen mit 625 Zeilen im UHF Band hat das nicht mehr geklappt.

Der andere Artikel ging über die Krönung von Königin Elisabeth. Damals gab es in Deutschland (in England übrigens auch nicht) kein flächendeckendes Fernsehen, im Raum Bielefeld war an den dortigen Kasernen kein Empfang möglich. Man hatte extra zu diesem Zweck eine Funkbrücke, teilweise unter Hilfe der kontinentalen Fernsehanstalten, aufgebaut, um im Raum Bielefeld/Paderborn die Krönung im Fernsehen übertragen zu können. Und zwar in der britischen Norm A, nicht in unserer Norm.

Falls Interesse besteht, suche ich die Artikel mal raus und scanne sie ein.

von Bolivar diGriz - am 30.01.2013 14:34
Zeitzeugen erzählten mir, daß einige hier im Raum Braunschweig/Wolfenbüttel eine 4er-Gruppe mit Ausrichtung Hemmingen-Westerfeld bei Hannover (um 75 Km herum) aufgebaut hatten. Einen brauchbaren FS-Sender hatte die Region nämlich noch nicht.
Der Sender Harz-West auf dem Torfhaus ging erst Anfang Dezember 1955 in Betrieb.

Scheinbar hat sich an der Leistung nicht viel geändert. Denn mit normalen Antennenaufwand war analog höchstens schemenhaft was zu erkennen.

Heute sieht das anders - und günstiger - aus. DAB+ (Hannover/Telemax) und DVB-t (Hemmingen) kommen mit einfacher Antenne .

von bikerbs - am 30.01.2013 15:40
In Neumarkt empfingen einige wenige bis zur Inbetriebnahme vom Dillberg 1956 schon den Wendelstein. Und im Raum Cham/Waldmünchen empfing man dafür wo es ging ab 1956 den Dillberg, danach den Ochsenkopf bis zur Inbetriebnahme des Hohen Bogen.

1180DM , das war damals übrigens ungefähr ein Betrag von heutigen 10.000€
Ein Netto Monatslohn waren rund 100€/200DM

von Scrat - am 30.01.2013 15:53
Damals war das halt so. Da gehörte ein gewisser Antennenaufwand einfach dazu. Mein Opa hatte mir mal erzählt das es völlig normal war auf dem Dachboden, ums Hause herum, oder im Garten lockere 20 Meter draht zu spannen und diese mit dem ollen Röhrenkasten zu verbinden.

von Spacelab - am 30.01.2013 18:29
Das nützt aber nur was bei Lang- Mittel und Kurzwelle, nicht bei UKW oder gar Fernsehen. Übrigens kann man das als Drohung dem Vermieter vor die Nase halten, wenn er mit Schüsselverbot droht: Aus der guten alten Zeit (TM) gibt es nämlich noch immer das Recht auf eine anständige Radioantenne. Radio ist unbestritten Grundversorgung und vom Vermieter hinzunehmen.

von Bolivar diGriz - am 30.01.2013 19:11
Zu der Zeit war LMK auch mindestens so wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, als UKW. ;-)

von Spacelab - am 30.01.2013 19:41
Zitat
Exidor
Falls Interesse besteht, suche ich die Artikel mal raus und scanne sie ein.


Bei mir besteht Interesse!

von 2-0-8 - am 30.01.2013 20:48
Bei mir besteht auch sehr großes Interesse. Dankeschön;)

edit: sehe gerade dass der Beitrag ein halbes Jahr alt ist. Da scheint wohl beim KIick auf "Themenübersicht" irgendwas nicht richtig funktioniert haben. k.A. Sorry.

von Zintus - am 29.07.2013 13:05
Ich habe einen Artikel von 1953, in dem berichtet wird, wie man oberhalb der Stadt Bamberg die Krönung der brit. Königin schaute - empfangen vom Sender Feldberg/Ts. Eine Firma hatte einen TV mit "Spezialantenne" auf dem Rothof augebaut - dort kriegt man tatsächlich Signalreste vom Feldberg. Bis man in Bamberg regulär TV empfangen konnte, dauerte es ja noch...

von Terranus - am 29.07.2013 13:57
Ich hatte den grad im Thread "Erste Senderstandorte Deutschlands die Fernsehen der Nachkriegszeit übertrugen" verlinkt, darüber bist Du dann wohl hier gelandet. Macht aber nix, das Interesse an dem Artikel ist auch bei noch immer vorhanden.
Also Exidor... dann stell mal das Haus auf dem Kopf und suche :D

von iro - am 29.07.2013 14:03
Zitat
iro
Nein, für die Bildzeitung ist zwar alles westlich von Bremen "Ostfriesland", tatsächlich liegen die beiden genannten Orte aber in der "Wesermarsch".


Nicht nur die Bildzeitung, auch FFN und Antenne machen das wenn Regionalisierte Nachrichten gesendet werden.

von _Yoshi_ - am 29.07.2013 16:34
Zitat
Terranus
Ich habe einen Artikel von 1953, in dem berichtet wird, wie man oberhalb der Stadt Bamberg die Krönung der brit. Königin schaute - empfangen vom Sender Feldberg/Ts. Eine Firma hatte einen TV mit "Spezialantenne" auf dem Rothof augebaut

Die Krönung war am 02.06.53. Da war der Sender gerade erst den zweiten Tag offiziell in Betrieb.
Da müssen "Experten" (unsere DX-Vorfahren :) ) am Werk gewesen sein, sonst hätten sie von der gerade erst erfolgten Senderaufschaltung im fernen Taunus gar nichts gewusst und den Sender nicht empfangen können. Toll. :spos:

von Manager. - am 29.07.2013 17:38
Ich kann den Artikel mal wörtlich eintippen... ist wirklich Tatsache, stand so in der Lokalzeitung.

Man war zu der Zeit extrem technikbegeistert, es wurde intensiv über neue Sender, auch im Radiobereich berichtet in der Tagespresse.

von Terranus - am 29.07.2013 17:41
Zitat

Ich kann den Artikel mal wörtlich eintippen...
Ja bitte... gerne!

von iro - am 29.07.2013 17:54
Seit es die DDR gab wurde dort wohl schon immer DX gemacht oder? Vor allem in Richtung Westen :rolleyes:

von raeuberhotzenplotz1 - am 29.07.2013 18:01
Ich habe den Artikel gefunden, und auch einen anderen sehr interessanten Artikel über dem Empfang des britischen Fernsehens in Irland, wo das Fernsehen ja erst sehr viel später eingeführt worden ist, als es woanders schon zwei oder drei Programme gab. Ich bin jetzt leider nicht an meinem Rechner, die Artikel kommen daher erst morgen, späterer Nachmittag.

Diese Zeitschrift "Practical Television", ist ohnehin eine echte Goldgrube. Man findet sie häufiger bei ebay.co.uk. Ich habe nur wenige Pfund für komplette Jahrgänge gezahlt. Aus der Vorkriegszeit habe ich leider nur eine Ausgabe, hier mal einige Seiten, die ich schon vor einigen Jahren eingescannt hatte: http://www.zarkovision.de/practical.html

von Bolivar diGriz - am 29.07.2013 19:49
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Seit es die DDR gab wurde dort wohl schon immer DX gemacht oder? Vor allem in Richtung Westen :rolleyes:

Ja, und auch nach der Wende, weil das ZDF auf Sender wie Inselsberg und Bleßberg verzichtete mit der Begründung "die Leute dort haben sich schon daran gewöhnt, dass sie einen immensen Antennenaufwand betreiben müssen um die Westprogramme zu empfangen, da brauchen wir nichts mehr zu ändern".

von RheinMain701 - am 29.07.2013 20:03
Ja mit dem ZDF in Thüringen ist schon der Wahnsinn.. Da hat man glaube ich auf viele Sender knallhart verzichtet.

von Jassy - am 29.07.2013 20:08
Wie versprochen mit einer Verspätung von ein paar Monaten die Scans:

Coronation britischer Sender in Deutschland


Und fast noch interessanter, der Aufwand, der in den 1950er Jahren in Irland betrieben wurde, um die bis zu 240 Meilen (über 400 km!) entfernen Sender aus Großbritannien empfangen zu können:

Irland Teil 1
Irland Teil 2

Ich habe die Scans wegen der besseren Lesbarkeit nicht skaliert, sie sind also recht groß.

von Bolivar diGriz - am 30.07.2013 15:53
Danke!

von iro - am 30.07.2013 16:18
Von 405 Zeilen steht da allerdings nichts. Das wäre auch nicht sinnvoll gewesen, ein 405-Zeilen Signal für eine Handvoll Fernseher quer durch Europa zu transportieren, wo das 625 Zeilen Signal schon vorhanden war und passende Fernseher einfach zu beschaffen waren.
Lediglich der englische Originalton wurde zusätzlich zum Jakobsberg überspielt da der Begleitton zum Bildsignal schon in Köln übersetzt wurde.
Das 405-Zeilen Signal wurde schon in den Niederlanden gewandelt.
Hier gibt es weitere Infos: http://www.apts.org.uk/coronation.htm

von Marc_RE - am 31.07.2013 05:49
Der Artikel über den BBC-Empfang in Irland ist Klasse. Habe ihn mir gleich ausgedruckt. Vielen Dank dafür! :spos:

von Zintus - am 31.07.2013 11:32
"Nein, für die Bildzeitung ist zwar alles westlich von Bremen "Ostfriesland"
Das war für uns früher alles nördlich der Mittelgebirgskante und westlich des Harz.

von Peter Schwarz - am 31.07.2013 11:36
Ja, und südlich der Eider fängt der Balkan an:xcool:

von digifreak - am 31.07.2013 12:29
Und nördlich des Donau sind für die Bayern alle Preußen.

von HansEberhardt - am 31.07.2013 12:49
Unterhalb der Benrather Linie ist Süddeutschland, und rechts vom Rhein Sibirien.

von Bolivar diGriz - am 31.07.2013 14:29
Können wir jetzt wieder On-topic reagieren ?!

von Jassy - am 31.07.2013 15:02
Zitat
Jassy
Ja mit dem ZDF in Thüringen ist schon der Wahnsinn.. Da hat man glaube ich auf viele Sender knallhart verzichtet.

Im Prinzip waren es nur die beiden, aber die versorgten quasi halb Thüringen. Ansonsten hatte der ZDF dort nur Remda zur Verfügung - und natürlich Einstrahlungen von Brocken und Leipzig (wobei K49 Brocken und K49 Heidelstein sich auch noch gegenseitig ins KO geschossen haben). Im Thüringer Wald und südlich davon dürfte es da massive Probleme mit dem ZDF-Empfang gegeben haben.

EDIT: In Dequede sendete der ZDF auch nicht, aber da ging Höhbeck absolut sauber. Auch in Pritzwalk gab es kein ZDF, stattdessen funkte dort RTL rum.

von RheinMain701 - am 31.07.2013 15:11
Zitat
RheinMain701
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Seit es die DDR gab wurde dort wohl schon immer DX gemacht oder? Vor allem in Richtung Westen :rolleyes:

Ja, und auch nach der Wende, weil das ZDF auf Sender wie Inselsberg und Bleßberg verzichtete mit der Begründung "die Leute dort haben sich schon daran gewöhnt, dass sie einen immensen Antennenaufwand betreiben müssen um die Westprogramme zu empfangen, da brauchen wir nichts mehr zu ändern".

Es wäre ja zusätzlicher Aufwand gewesen für die Leute, die sowieso schon vorhanden Antenne für ZDF neu auszurichten und das Programm im Fernseher neu einzustellen.

von HansEberhardt - am 31.07.2013 15:40
Dann war also die Ausstrahlung der Krönungszeremonie 1954 über Minden-Jakobsberg im Kanal 5 mit 700W ERP die erste TV-Sendung für die britischen Soldaten auf deutschem Boden, bevor 20 Jahre später (1974) BFBS TV seine Sendungen begann? Cool!

von Optimierer - am 31.07.2013 22:44
@ HansEberhardt: Einen Aufwand, den man sicher gerne getätigt hätte, wenn sich dadurch der Empfang gebessert hätte. Aber ich glaube doch schon, dass die meisten Thüringer schon vor der Wende das ZDF in guter Qualität empfangen konnten. Und dort wo das nicht ging, halfen nach der Wende die neuen Sender Leipzig, Kanal 42 oder Brocken und Geyerscher Wald auf Kanal 49 (obwohl diese Gleichkanalbelegung nicht ganz ohne war). Und spätestens zwei Jahre nach der Wende sah man praktisch auf jedem Privathaus eine Satschüssel.

von dlf-fan - am 01.08.2013 22:30
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