Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Jens1978, Marcus., Nohab, SpaßmitRadio, PowerAM, Winnie2, Alqaszar, Wasat

Nutzung der Frequenzbereiche

Startbeitrag von Jens1978 am 20.03.2013 21:24

Angeregt durch den Thread bezüglich der voraussichtlichen Abschaltung der MDR Mittelwellensender ( Link ), stellte sich bei mir die Frage nach der Nutzung und möglichen eventuellen Ansatzpunkten für eine Änderung der Aufteilung der Frequenzbereiche unter 30MHz (

Antworten:

Werfe mal DSL und VDSL in den Raum, was ja in den nächsten Jahren versträkt ausgebaut wird. Wäre es dann nicht sinnvoll die Funkübertragungen in dem Spektrum nicht mehr neu zu belegen?

von Marcus. - am 20.03.2013 21:28
Nein, DSL usw. könnte man eigentlich genauso in einen anderen Frequenzbereich packen, einfach das komplette "Paket" woanders im Frequenzbereich hinschieben. Und außerdem ist es eben auch ein lokaler und breitbandiger Dienst, also völlig ungeeignet für diesen Frequenzbereich. Man sollte eben die Frequenzbereiche und -Bänder nach deren physikalischen Eigenschaften belegen.

von Jens1978 - am 20.03.2013 21:37
aber wo willst du denn DSL hinpacken?

Kupfer hat eben seine grenzen

von Marcus. - am 20.03.2013 21:47
Was die Kupferdoppelader angeht, so ist diese ein Auslaufmodell, welches aber noch einige Jahre durchhalten muss, bis überall Koaxkabel oder Glasfaseranschlüsse zur Verfügung stehen. Allerdings existieren ja auch heute DSL via Kupferdoppelader und Hörfunk parallel.

Die zunehmende Nutzung von Powerline als unkomplizierte Alternative zu WLAN oder Cat.X-Kabeln aber wirft das entsprechende Licht auf die eigentliche Nachnutzung dieses Frequenzbereiches.

Auch wird man festtsellen, dass der Störnebel in diesem Bereich immer größer wird, mit jedem Schaltnetzteil, mit jeder Engergiesparlampe etc.

Für Hörfunk in klassischem Sinne steht außerdem längst Kapazität im band III (174-240 MHz) bereit, die beispielsweise derzeit duch DAB+ erschlossen wird. Dort aber zeigt sich, dass es heutzutage ein Technik, die "nur Radio" transportiert, einigermaßen schwer hat. Daraus läst sich zumindest schließen, dass sich der Bereich < 30 MHz nicht schnell für eine digitale Nachnutzung erschließen lässt.

Mit DRM ("digitales AM") steht ja bereits eine Technik zur Verfügung, welche diese Bänder nutzen kann. Doch bisher gibt es außer Tests kaum Lebenszeichen, obwohl derzeit in Indien beispieslweise dort Invstiert wurde (in Nagpur wurden zwei strake Mittelwellensender in Betrieb genommen, auf 1071 kHz wird analog, auf 1080 kHz in DRM gesendet).

Von daher ist es zumindest in Europa möglich, dass diese Frequenzbereiche über kurz oder lang offen gelassen werden.

In Vereinigten Königreich und und Spanien, sowie in Franrkeich spielt der AM-Rundfunk auf Mittel- und Langwelle ja durchaus noch eine große Rolle.

von Alqaszar - am 20.03.2013 21:58
Zitat
Jens1978
DSL usw. könnte man eigentlich genauso in einen anderen Frequenzbereich packen, einfach das komplette "Paket" woanders im Frequenzbereich hinschieben.

Wofür es keine Standard u. keine passenden Gerätschaften gibt. Für ADSL ist der Frequenzbereich zwischen 25 kHz u. 2,2 MHz definiert u. für VDSL Frequenzen bis 30 MHz.
Andere Frequenzen müssten höhere Frequenzen sein u. höhere Frequenzen sind für die Übertragung auf Kupferdrahtleitungen weniger vorteilhaft was die Ausbreitungeigenschaften betrifft.

Zitat
Jens1978
Und außerdem ist es eben auch ein lokaler und breitbandiger Dienst, also völlig ungeeignet für diesen Frequenzbereich. Man sollte eben die Frequenzbereiche und -Bänder nach deren physikalischen Eigenschaften belegen.

Genau das wird gemacht. Die genutzten Frequenzen eignen sich am besten für Kupferdrahtleitungen, höhere Frequenzen wären dafür weniger gut geeignet.

von Winnie2 - am 21.03.2013 14:34
Weil es gerade gut dazu passt, wieder etwas Statistisches, diesmal zur Kurzwelle:

Nachfolgend einige Diagramme zur Veranschaulichung, wie sich der Kurzwellenrundfunk seit den Anfängen vor ca. 90 Jahren entwickelte. Die Basis der Untersuchung bildeten die Summen der Sendestunden, also jene Zeiten, in denen ein Signal auf einer Frequenz gesendet wurde. Berücksichtigt wurden nur offizielle Sendungen, also nicht jene, die zur Störung von Sendungen aus dem Ausland dienten. Als Datenquellen diente (ab 1950) das "World Radio TV Handbook", für den Zeitraum vor 1950 in Zeitschriften veröffentlichte Sendepläne.
Da der Kurzwellenrund zwei sehr unterschiedliche Zielsetzungen verfolgte, wird auch in den Diagrammen zwischen den beiden Kategorien unterschieden:
1) Domestic: Sendungen, welche vornehmlich zur Versorgung großflächiger Staaten bzw. deren Umfeld (Nachbarländer) dienten.
2) International: Sendungen, die speziell für das Ausland bestimmt waren; entweder in Fremdsprachen oder in der/den Landessprache(n) zur Information von im Ausland befindlichen Bürgern.


Rundfunksendungen auf Kurzwelle hatten vor dem 2. Weltkrieg eher Versuchscharakter. Mit dem Krieg setzten Deutschland und Großbritannien, mit dem Kriegseintritt auch die USA, erstmals den Kurzwellenrundfunk in größerem Maßstab ein, um die Bevölkerung des Gegners zu erreichen.
Nach dem 2. Weltkrieg nahm der Kurzwellenrundfunk einen steilen Aufstieg. Eine hauptsächlich durch die begrenzte Kapazität (siehe weiter unten) bedingte Sättigung trat erst in den 1980er-Jahren ein. Gleichzeitig sorgten die Verbreitung des UKW-Rundfunks und die wachsende Konkurrenz des Fernsehens dafür, dass speziell die Ausstrahlung von Inlandsprogrammen aus Kurzwelle stark abzunehmen begann. Die Ausstrahlung von Auslandsprogrammen auf Kurzwellen nahm weltweit betrachtet aber weiter - wenn auch langsamer - zu, jedoch vornehmlich bedingt durch die Inbetriebnahme neuer Sendeanlagen.


In den 1950er-Jahren begann der Bedarf an Kurzwellenausstrahlungen die zur Verfügung stehende Kapazität zu übertreffen. Da damals auch zahlreiche andere Kommunikationsdienste die Kurzwelle benötigten, war eine Ausweitung der Kapazität durch Zuweisung zusätzlicher Rundfunkbänder nicht möglich. Eine Mehrfachnutzung von Frequenzen war notwendig, führte jedoch durch die stetig steigende Leistung der Sender und mangelnde internationale Koordination zu vielen gegenseitigen Störungen. Speziell in Europa, wo sich rund die Hälfte des internationalen Kurzwellenrundfunks abspielte, führte dies in den 1970er- und 1980er-Jahren zu unerträglichen Zuständen, welche noch dadurch verschärft wurden, dass die osteuropäischen Länder massiv Störsender einsetzten, um Sendungen aus dem Westen unhörbar zu machen. Im 31 m-Band z.B. waren zeitweise mehr als die Hälfte der Frequenzen mit den Geräuschen der Störsender zugedeckt und für den Rundfunkempfang unbrauchbar.


Das Problem der ohnehin begrenzten Kapazität der Kurzwellenbänder wurde dadurch weiter verschärft, dass der Bereich der mittleren Wellenlängen von 49 bis 19 m die besten Nutzungsmöglichkeiten bot, sodass sich dort die Nutzer - nicht nur des Rundfunks - drängten und zu einer Mehrfachbelegung der Frequenzen zwang. In diesem Bereich wurde überdies häufig auf Frequenzen außerhalb der Rundfunkbänder ausgewichen, womit andere Funddienste erheblich gestört wurden.
Die oberen Kurzwellenbänder (16 bis 11 m) wurden seit jeher viel weniger genutzt, da sie wegen der ständigen Änderungen der Ausbreitungsbedingungen die meiste Zeit des Tages bzw. Jahres nicht zur Verfügung stehen. Die unteren Bänder (120 bis 60 m) waren mit Ausnahme des 75 m-Bandes nur in der tropischen Zone dem Rundfunk zugewiesen und wurden dort vornehmlich zur regionalen Rundfunkverbreitung benützt. Wegen der meist geringen Sendeleistung und ungerichteter Abstrahlung bereitete die Mehrfachbelegung z.B. im 60 m-Band außer in Südamerika, wo sich bis zu 5 Stationen eine Frequenz teilen mussten, kaum Probleme. Auch hier wichen viele Stationen auf Frequenzen außerhalb des überbelegten 60 m-Bandes aus.


Speziell in Südamerika war es bis in die 1990er-Jahre bei vielen Radiostationen üblich, einen Kurzwellensender parallel zur Mittelwellenausstrahlung zu benützen, um so die Reichweite bis in die weiten wenig erschlossenen Gebiete zu erhöhen. Dies ergab 1981 eine enorme Summe von Kurzwellensendungen in Südamerika (rund 45% des weltweiten regionalen Rundfunks auf Kurzwelle). Mit der Erschließung bislang wenig bewohnter Gebiete und der Entstehung zahlreicher Lokalsender auf UKW dort wurden diese Kurzwellensendungen immer weniger gehört, was zu einem starken Rückgang führte. Eine ähnliche Entwicklung gab es Südostasien (speziell Indonesien) und Afrika, wobei hier die Anzahl der Stationen nie groß war, da es in den meisten Staaten Afrikas bis vor wenigen Jahren nur Staatsrundfunk gab. Gegenwärtig (2012) spielt der Kurzwellenrundfunk in der Versorgung des eigenen Landes nur mehr in Indien und einigen Ländern Ostasien eine bedeutende Rolle.


Europa war bis 1989 Hauptschauplatz einer "Propagandaschlacht" als Teil des Kalten Krieges zwischen dem westlichen und dem kommunistischen Machtblock. Dies bewirkte mit rund 37% der weltweiten Sendestunden eine Dominanz Europas (mit UdSSR sogar 50%) im internationalen Kurzwellenrundfunk. Die Zunahme in Nordamerika ist ausschließlich den in den letzten 30 Jahren entstandenen kommerziellen religiösen Kurzwellenstationen zu verdanken, während die "Voice of America" und "Radio Canada International" ihre Kurzwellensendungen aus dem Mutterland inzwischen weitgehend einstellten. Die Zunahme der Kurzwellensendungen in Asien ist wiederum nicht so sehr einer Ausweitung der Programme als vielmehr auf den Bau neuer Sendeanlagen zurückzuführen.

von Wasat - am 22.03.2013 18:13
Gut geschrieben. :spos: Herzlichen Dank fuer die Veroeffentlichung!

von PowerAM - am 22.03.2013 18:33
Danke für diese sehr interessanten Statistiken.

Zitat
Wasat
(mit UdSSR sogar 50%)

Jau, kann ich mich noch gut dran erinnern: "Sie hören uns im 49, 41, 31, 25, 19, und 16 Meter-Band"
Genaue Frequenzangaben gab es nicht, waren aber auch nicht notwendig,
war eh immer das fetteste Signal, 5-6 mal pro Band.

Zu der Zeit (Ende 80er, Anfang 90er) waren in den oberen Bändern die Ausbreitungsbedingungen
auch wesentlich besser, zur Freude der Funkamateure (Kanada bis nachts um 3 auf 10m mit richtig
gutem Signal, Australien morgens auf 11m mit 35W, 59 kam als Rapport retour. Und die VoA auf
26MHz den ganzen Tag durch. Eine Superstar 2000 war genau richtig dafür.) und zum Leid der postalischen CB-Funker (Italiener/Spanier plus Müll waren derart stark, daß teilweise selbst im Nahbereich nichts mehr ging.).
Das aktuelle Sonnenfleckenmaximum ist dagegen ein schlechter Witz,
es gibt zwar immer mal Bandöffnungen, aber verläßlich ist da nichts.
Lieber abundzu einen Mögel-Dellinger als der Käse, den wir jetzt gerade haben.

von Nohab - am 22.03.2013 19:23
gerade gelesen : " Voice of America startet Radiogram-Textdienst " auf KW im PSK-Verfahren : http://www.rein-hoeren.de/radio/kurzwelle/usa/2013/voice-of-america/radiogram-textdienst/1706

von SpaßmitRadio - am 24.03.2013 08:52
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.