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Farbfernsehversuchssendungen DDR 1960 NTSC

Startbeitrag von Gümpel am 13.04.2013 09:44

Seit Dezember 1960 führte die Deutsche Post (DDR) regelmäßige Farbfernseh Versuchssendungen in NTSC 625 Zeilen auf den VHF Kanal 5 Berlin durch!
Auch von einem UHF Sender Band 4 ist die Rede.
Sendezeiten:
Montag, Dienstag, Freitag und Samstag von 8Uhr30 bis 9Uhr30.
Konnte das Jemand empfangen?

Antworten:

Kann ich mir fast nicht vorstellen, dass man an die Norm des Klassenfeindes auch nur gedacht hat.

von Japhi - am 13.04.2013 09:50
Von wo hast Du diese Infos?

von delfi - am 13.04.2013 09:53
Noch nie was von gehört. Und ehrlich gesagt glaube ich das auch nicht.

von dlf-fan - am 13.04.2013 10:06
Noch nie was von gehört. Und ehrlich gesagt glaube ich das auch nicht.[/quote]

Ich habe die Fotokopie der Dokumente hier, sie stammen vom Fernseh und Rundfunktechnischen Zentralamt Berlin Dokument 621.397.132:727.944
und übrigens ist ja secam auch nicht gerade aus einem "Bruderland":;-)


von Gümpel - am 13.04.2013 10:23
Zitat aus
http://www.dehnmedia.de/?page=allg&subpage=historie&jahrlist=1950%20-%201959

SECAM ... "Système élégant contre l’Amérique“ (dt. „Elegantes System gegen Amerika“)

der Name Secam sagt wohl alles aus. Auch, warum er im ehemaligen Ostblock gefallen gefunden haben dürfte.

von delfi - am 13.04.2013 10:28
S e sequentiellen C ouleur A vec M emoire
was soviel bedeutet wie "sequentielle Farbe mit Speicher".
Der Rest ist Verulkung!

von Gümpel - am 13.04.2013 10:40
Zitat
Gümpel
S e sequentiellen C ouleur A vec M emoire
was soviel bedeutet wie "sequentielle Farbe mit Speicher".
Der Rest ist Verulkung!


...hat aber den Hintergrund, dass Frankreich sich die einheimische Produktion vor amerikanischen Importen schützen wollte. Steht unter dem Link.

von Japhi - am 13.04.2013 10:51
Von einem wenn auch sehr sehr kurzzeitigen NTSC-Experiment bzw. einem Vergleich aller drei Systeme in der DDR vor der Einführung von Secam habe ich auch mal gelesen, habe leider keine Quelle mehr.

Zitat
Japhi
Kann ich mir fast nicht vorstellen, dass man an die Norm des Klassenfeindes auch nur gedacht hat.


Es gibt einige weitere Länder, wo eher wirtschaftliche Belange u.a. Gründe bei der Übernahme des Sytems der "Klassenfeindes" eine Rolle gespielet haben:

- Kuba: NTSC-M
- Rumänien: PAL-D/K
- China: PAL-D
- Vietnam: NTSC-M / PAL-B
- usw.

Daß Moskau nicht ganz amused war, als sich Nicolae Ceaușescu 1982 für PAL entschied, wurde hier glaube ich auch mal erwähnt.

von Mathias Volta - am 13.04.2013 12:52
Auch in Westdeutschland hat man in den frühen 60ern mit NTSC experimentiert, genauer gesagt im Farbfernsehversuchslabor des WDR in Köln (inzwischen als historisches Labor an der Bergischen Universität Wuppertal angesiedelt). Die Schwächen von NTSC und SECAM haben letztendlich dazu geführt, dass man PAL entwickelt hat.

von Lahnwelle - am 13.04.2013 13:44
Absolut denkbar dass sowas gemacht wurde. Zu der Zeit wurde viel experimentiert, und wegen der kurzen Programmzeiten hatte man ja genug Lücken, mit den Sendern "herumzuspielen". Ich hab mal von einem BR Mitarbeiter gehört, dass zB am Wendelstein sogar schon in der zweiten Hälfte der 50er mit der NTSC Farbe Tests durchgeführt wurden. Man sah ja durchaus, was in den USA gemacht wurde und verfolgte das genau. Und genau deshalb verzögerte sich die Farbe auch solange in Europa, weil man erstens die Kosten noch nicht kontrollieren konnte und eben mit NTSC nicht zufrieden war. In England testete man das 405 Zeilen System mit NTSC - und war nicht zufrieden. Selbst in den USA wurde die Farbe erst ab Mitte der 60er auf breiter Front eingeführt. Vorher wurde nur sehr wenig in Farbe gesendet.
Und die Sache mit der "Feindtechnik" kam erst später. Die DDR hatte ja auch das West TV und UKW System übernommen. Ulbricht war da sehr liberal, erst mit dem Einfluss Honeckers und auf Druck Moskaus entschied man sich für SECAM.

von Terranus - am 13.04.2013 13:55
Zitat
TerranusI
Und die Sache mit der "Feindtechnik" kam erst später. Die DDR hatte ja auch das West TV und UKW System übernommen. Ulbricht war da sehr liberal, erst mit dem Einfluss Honeckers und auf Druck Moskaus entschied man sich für SECAM.

Von wegen liberal...
In den 50er-Jahren hatten Ulbricht und Konsorten ähh Genossen noch ein Sendungsbewußtsein und strebten daher eine möglichst weite Verbreitung ihrer Programme im Westen an. Dazu musste man natürlich in der gleichen Norm wie der Westen senden. Damals hieß das DDR-Fernsehen auch noch "Deutscher Fernsehfunk" und die Stimme der DDR "Deutschlandsender".

von Manager. - am 13.04.2013 15:25
Im Vergleich zu Honecker schon, aber das mit dem Sendungsbewusstsein stimmt natürlich. Ulbricht war überzeugter Kommunist, Honecker eher der Machtmensch zum Systemerhalt.

von Terranus - am 13.04.2013 15:36
Zitat
Mathias Volta
Von einem wenn auch sehr sehr kurzzeitigen NTSC-Experiment bzw. einem Vergleich aller drei Systeme in der DDR vor der Einführung von Secam habe ich auch mal gelesen, habe leider keine Quelle mehr.


Eine der beiden mir bekannten Quellen mit Hinweisen zu NTSC-Tests in der DDR habe ich gefunden:

http://www.scheida.at/scheida/televisionen.htm

Dort steht unter anderem:

Zitat

Nebeneinander, als wäre es das gleiche, werden Rundbildröhren und Rechteckbildröhren vorgestellt, wobei die Rundbildröhre doch letztlich die aus den USA bekannte 21AXP22 darstellt, bei zeitgleicher Literaturangabe "Color TV by C.P. Oliphant & Verne M. Ray"

Die sonstige Technik basierte auf der Europa 625 Zeilen Variante des US Amerikanischen 2. NTSC Verfahrens mit einem 4,429 MHz Farbhilfsträger bei Halbzeilenoffset.


Die gesamte Seite ist für analoge TV-Freunde sehr lesenswert !!

von Mathias Volta - am 13.04.2013 15:57
Gab es auch versuche PAL mit 60Hz ?

von _Yoshi_ - am 13.04.2013 16:10
Nicht in Europa, weil das keinen Sinn macht. Die 50 Hz kommen ja vom Stromnetz, welches in Europa nunmal 50 Hz hat. In Südamerika, genauer gesagt Brasilien, gibt es PAL-M, also 525 Zeilen/60Hz mit PAL Farbnorm. Nicht experimentell, sondern als offizielle Norm. Eben aus dem Grund, weil dort das Stromnetz 60 Hz hat, und man in den 50ern Scharzweiß in der US-Norm eingeführt hatte.

von Bolivar diGriz - am 13.04.2013 18:51
Für Ulbricht schäme ich mich, dass er aus meiner Heimatstadt kommt. Unter Ulbricht wurden die Westantennen von den Dächern geholt ("Aktion Ochsenköpfe" ). Sogar in den Kindergärten wurden die Kleinen ausgefragt, ob zuhause das Fernsehen des Klassenfeindes gesehen wurde ("Hat die Uhr im Fernsehen bei euch Punkte oder Striche?" ). Erst unter Honecker wurde das Westfernsehen, wenn schon nicht geliebt, so doch staatlich geduldet. Sicher auch, um den Druck im Kessel nicht weiter steigen zu lassen. Ja, insofern war Honecker cleverer als Ulbricht. Aber die Verstaatlichungswelle der letzten Privatbetriebe unter E.H., die 1972 einsetzte, war wie wir heute wissen der erste Sargnagel für die DDR. Nicht die Treuhand hat die DDR ruiniert, das ist schon vorher passiert.
Sorry, ich weiß dass das OT ist, aber es musste einfach raus.

von dlf-fan - am 13.04.2013 19:32
In einem Artikel des Freien Wortes (müßte Ende der 90er gewesen sein) wurde auch mal über die Einführung des Farbfernsehens am Sender Bleßberg kurz berichtet. Da stand auch dabei, daß die DDR in NTSC getestet hatte.

von Kay B - am 13.04.2013 19:32
Zitat
Terranusl
Und die Sache mit der "Feindtechnik" kam erst später. Die DDR hatte ja auch das West TV und UKW System übernommen. Ulbricht war da sehr liberal, erst mit dem Einfluss Honeckers und auf Druck Moskaus entschied man sich für SECAM.


Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass Ulbricht es gut fand die Technik vom Klassenfeind zu übernehmen. Gerade Ulbricht war es doch der mal gesagt hat:"Müssen wir denn jeden Dreck der vom Westen kommt kopieren?". Ulbricht war es auch, der den Bau der Berliner Mauer veranlasst hat.

Kann mir aber gut vorstellen dass einige Techniker des DDR Fernsehens da Versuche mit NTSC gemacht haben, aber es wäre politisch niemals durchsetzbar gewesen NTSC oder PAL in der DDR einzuführen.

von BetacamSP - am 13.04.2013 19:40
Dabei ging es um diese schreckliche "Beatmusik", aus dem Westen. Daher auch sein Spruch: "Ich denke, Genossen, mit der Monotonie dieses jeh- jeh- jeh und wie das alles heißt, ja? sollte man doch Schluss machen." :D

von dlf-fan - am 13.04.2013 20:52
Ulbricht als liberal zu bezeichnen, finde ich auch extrem gewagt.

In dem Buch "PAL - Das Farbfernsehen" steht der Grund, warum die DDR damals von OIRT auf CCIR wechselte. Es lag einfach daran, daß sich in den frühen 1950er Jahren im technischen Bereich der damaligen Experimentierfeldern TV und UKW-Hörfunk die Politik noch nicht so sehr breit machte und die Techniker offenbar noch mehr Entscheidungsbefugnisse bei der Normwahl hatten. Bei der Wahl der Farbfernsehnorm steckte das SED-Regime bekanntlich schon tiefer in den technischen Entscheidungen mit drin.

Außerdem hatte man sich damals ja noch die Einheit Deutschlands auf die Fahnen geschrieben und da lag es auch für die Techniker nahe, sich auf eine deutschlandweite Norm zu einigen.

Wäre es einzig und allein darum gegangen, auch im Westen empfangbar zu sein, hätte die DDR trotzdem bei OIRT bleiben und Geräte für CCIR-Empfang verbieten können. Der offizielle UKW-Rundfunk hätte im OIRT-Band und die offziellen Fernsehausstrahlungen hätten nach der Norm D/K stattfinden können.

Über strategisch wichtige Sender im Grenzgebiet (Bleßberg, Inselsberg, Brocken, Schwerin, Berlin...) hätte man die Stimme der DDR (oder andere Propagandaschleudern) zusätzlich auf UKW im CCIR-Band ausstrahlen können. Die TV-Ausstrahlungen über diese Sender hätte man sowohl nach der Norm B/G wie auch der Norm D/K durchführen können. Es dürfte kein Problem sein, einen Tonträger 5,5 MHz und einen Tonträger 6,5 MHz über dem Bildträger auszustrahlen.

Gottseidank hatte man das nicht gemacht. Es ist auch fraglich, daß sich die Entscheidungsträger des SED-Regimes dieser technischen Möglichkeiten bewußt waren.

von Kay B - am 13.04.2013 22:11
Eine Doppelausstrahlung von gleichen Programmen in 2 UKW-Normen vom selben Standort, hätte aus wirtschaftlichen Gründen nie statt gefunden. Die DDR war äußerst knapp mit Sendetechnik und Übertragungstechnik, d. h. auch Rundfunkleitungen und Richtfunk, Sendeanlagen, da musste schon oft von den Technikern etwas improvisiert werden, damit überhaupt erst mal etwas gesendet werden konnte. Diese Doppelaustrahlung auf UKW oder vielleicht sogar im TV in 2 Normen (um im Westen empfangbar zu sein) hätte es unter diesen Umständen kaum gegeben.
Es gab sogar mal ein Embargo des Westens gegen die DDR für Sendetechnik und Studiotechnik, dass eine Zeit lang, sie im Westen quasi nichts direkt kaufen konnten.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 14.04.2013 08:04
@ DLR-Fan Sachsen-Anhalt

Ja, das stand ja sogar in der Geschichte des Senders Brocken, die hier mal jemand gepostet hatte, daß da ein französischer Sender zum Einsatz kam, der aber über Russland den Weg in die DDR fand.

Das mit der Materialknappheit in der DDR stimmt natürlich. Wenn man aber mal betrachtet, was alles an Material in den Sender Bleßberg gesteckt wurde, der ja offiziell nur zur Versorung einiger Flecken südlich des Rennsteigs zuständig war, dann erkennt man, daß für solche strategisch wichtigen Sendeanlagen doch aufeinmal so einiges an Material da war. Auf dem Bleßberg hätte der alte Gitterturm mit ein paar KW im Radio- und TV-Bereich für das offizielle Sendegebiet dicke ausgereicht.

Selbst die Nordkoreaner sollen da den Aufwand treiben und extra Sendeanlagen, die für Südkorea in NTSC-M senden, betreiben. Und die Wirtschaft Nordkoreas ist im Vergleich zur DDR-Wirtschaft ein Witz.

von Kay B - am 14.04.2013 08:23
Zitat
dlf-fan
Für Ulbricht schäme ich mich, dass er aus meiner Heimatstadt kommt. Unter Ulbricht wurden die Westantennen von den Dächern geholt ("Aktion Ochsenköpfe" ). Sogar in den Kindergärten wurden die Kleinen ausgefragt, ob zuhause das Fernsehen des Klassenfeindes gesehen wurde ("Hat die Uhr im Fernsehen bei euch Punkte oder Striche?" ). Erst unter Honecker wurde das Westfernsehen, wenn schon nicht geliebt, so doch staatlich geduldet. Sicher auch, um den Druck im Kessel nicht weiter steigen zu lassen. Ja, insofern war Honecker cleverer als Ulbricht. Aber die Verstaatlichungswelle der letzten Privatbetriebe unter E.H., die 1972 einsetzte, war wie wir heute wissen der erste Sargnagel für die DDR. Nicht die Treuhand hat die DDR ruiniert, das ist schon vorher passiert.
Sorry, ich weiß dass das OT ist, aber es musste einfach raus.


Ja genau die Geschichte mit dem Ausfragen hat mir eine Betroffene, die damals ein Kindergartenkind war, auch erzählt. Man wollte von den Kindern wissen, ob die Uhr rund oder eckig war... Tja ein Staat, der auf seine eigenen Bürger schießen lies, wenn sie weg wollten, das werde ich nie begreifen.

Übrigens der Unterschied zwischen NTSC und PAL ist eigentlich recht gering, bis eben auf die Tatsache, daß das Farbsignal zeilenweise inveriert gesendet wird und somit sich Farbabweichungen im Gesamteindruck des Bildes kompensieren. Die Farbabweichungen bei NTSC (Never the Same Colour) kommen daqher, daß die beiden Chrominanzsignale in Quadraturamplitudemodulation übertragen werden. Wird der Farbhilfsträger nicht richtig empfangen verschieben sich die Farben bei beiden Systemen, nur fällt es bei PAL nicht auf. SECAM ist dafür deutlich anders, wo jeweils nur eines der Chrominazsignale übertragen und das andere zwiscehngespeichert wird.

Die Experteh hir werden es sicher noch genauer wissen (meine Ausbildung war leider schon "digital")...

von raeuberhotzenplotz1 - am 14.04.2013 20:24
Bei uns im Kindergarten, kurz vor der Einschulung wurde gefragt, wer am besten ein Seepferdchen zeichnen konnte, kein Witz. Damals war es ein Maskottchen des NDR-ARD.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 14.04.2013 20:40
Grundsätzlich hatte die DDR entlang der innerdeutschen Grenze und Berlin mehr Sendeanlagen aufgebaut und besser auch die eigene Bevölkerung an der Westgrenze der DDR mit DDR-Programmen auf UKW in stereo und beiden TVs versorgt, als im Nordosten und Südosten der DDR, das ist Fakt. Die meisten Empfangslücken mit UKW-Stereoempfang und DDR-TV2 bis Mitte der 80iger befanden sich alle im Nordosten und Südosten der DDR, da es keine strategische Bedeutung hatte.
Da war es schon mal eher wichtiger den Sender Sonneberg leistungsmäßig zu verbessern, obwohl es wo anders nur unzureichend Empfang gab, und es dort eher wichtiger gewesen wäre. Calau als Großsender ging auch erst recht spät in Betrieb, 1986, glaube ich.
Wenn man bedenkt wie schlecht auch die DT64-UKW-Versorgung im Nordosten der DDR war.
Da wurde in Putbus mit Richtantenne mit geringer Leistung in mono ein Sender aufgebaut um die Regierungsinsel Vilm zu versorgen, dass Egon Krenz dort DT64 mit dem Kofferradio hören konnte.
Die gesamte Insel-Rügen hatte aber nichts davon, so schwach war das Senderchen, 250W Richtstrahlung, war der glaube ich nur.
Da hätte es locker 5-10kW Rundstrahlung gebraucht um Rügen und Stralsundgebiet richtig mit DT64 auf UKW zu versorgen.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 14.04.2013 21:11
Sendeanlagen waren in der DDR wie vieles Andere Mangelware.
Ich habe mal bei DT64 angerufen und Nachgefragt ob das " Hallo und DT64 auf UKW "
wie sich der Vorgänger des Eigenständigen DT64 Programmes nannte auch mal ausserhalb
von Berlin auf UKW Frequenzen aufgeschaltet wird. " Strahler sind schlecht zu bekommen "
oder so Ähnlich antwortete mir Seinerzeit die Freundliche Dame am Telefon.
Der Ausbau war also geplant.

von RADIO354 - am 14.04.2013 21:30
Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Bei uns im Kindergarten, kurz vor der Einschulung wurde gefragt, wer am besten ein Seepferdchen zeichnen konnte, kein Witz. Damals war es ein Maskottchen des NDR-ARD.

Nein, der NDR hatte ein Walross im Logo.
(Wikipedia-Image: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/9/91/NDR_alt_Logo.svg/500px-NDR_alt_Logo.svg.png)
Das war Antje.
http://www.youtube.com/watch?v=VZju7NZpe7U

von Marc_RE - am 14.04.2013 21:42
Das Programm gabs glücklicherweise zur messerfreien Zeit auch von Wiederau auf 98,5 und ich konnte es gut empfangen. Es gab "Hallo und DT auf UKW" quasi nur exklusiv im Raum Berlin und Leipzig. Die anderen Gebiete waren auf die Übernahmen einiger Programmteile via "Stimme der DDR" und "Berliner Rundfunk" angewiesen.
"Hallo und DT auf UKW" gabs, glaube ich, von 16-0 Uhr durchgehend.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 14.04.2013 21:49
Das Seepferdchen war vor Antje.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 14.04.2013 21:56
@ raeuberhotzenplotz1

Zitat

Die Farbabweichungen bei NTSC (Never the Same Colour) kommen daqher, daß die beiden Chrominanzsignale in Quadraturamplitudemodulation übertragen werden. Wird der Farbhilfsträger nicht richtig empfangen verschieben sich die Farben bei beiden Systemen, nur fällt es bei PAL nicht auf.


Bei NTSC ändert sich der Farbton bei Phasenverschiebungen. Bei PAL bleibt der Farbton bei Phasenverschiebungen gleich, da ein Mittelwert zwischen dem Phasenfehler der ersten Zeile und dem negierten Phasenfehler der zweiten Zeile gebildet wird. Was sich bei PAL durch Phasenfehler ändert ist die Farbsättigung. Aber das fällt kaum auf.

Phasenfehler bei NTSC wären so, als würde man in einen Topf mit Farbe eine andere Farbe reingießen und umrühren, sodass der Farbton nicht mehr stimmt. --> Anderer Farbton (z.B. magentafarbene Gesichter).

Phasenfehler bei PAL wären so, als würde man etwas Verdünnung in den Farbtopf gießen und umrühren. --> Der Farbton bleibt gleich (Hautfarben bleiben Hautfarben, nur daß die Deckung nicht mehr so kräftig ist).




@ DLR-Fan Sachsen-Anhalt

Zitat

Grundsätzlich hatte die DDR entlang der innerdeutschen Grenze und Berlin mehr Sendeanlagen aufgebaut und besser auch die eigene Bevölkerung an der Westgrenze der DDR mit DDR-Programmen auf UKW in stereo und beiden TVs versorgt, als im Nordosten und Südosten der DDR, das ist Fakt.


Ja, da erinnere ich mich an einen Urlaub im Elbsandsteingebirge. Die Leute dort hatten große Antennenmasten in den Gärten aufgestellt. Und das alles nur um DDR-Fernsehen empfangen zu können.




@ RADIO354

Zitat

Sendeanlagen waren in der DDR wie vieles Andere Mangelware.


Bei DT64 war es doch so, daß die zuerst UKW-Sender kleinerer Leistung (meist 1 KW oder so) hatten. Irgendwo hatte ich mal gelesen, daß diese Sender Eigenbauten gewesen sein sollen. Da hätte man einen Sender von ZARAT mehrfach nachgebaut.

von Kay B - am 14.04.2013 23:59
Zitat
raeuberhotzenplotz1
SECAM ist dafür deutlich anders, wo jeweils nur eines der Chrominazsignale übertragen und das andere zwiscehngespeichert wird.


Bei Secam wird die Farbinformation über zwei sich abwechselnde FM-Farbträger
übertragen. Da ein Träger im Luminanzsignal zu Moiré-störungen führt, hielt man diese
Hilfsträger gering. Was Secam sehr Farbrauschanfällig machte.
Einmal eingestellt blieben Secam-Fernseher Farbton- und sättigungsecht..

von DH3FBI - am 15.04.2013 04:55
Zitat
Marc_RE
Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Bei uns im Kindergarten, kurz vor der Einschulung wurde gefragt, wer am besten ein Seepferdchen zeichnen konnte, kein Witz. Damals war es ein Maskottchen des NDR-ARD.

Nein, der NDR hatte ein Walross im Logo.
(Wikipedia-Image: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/9/91/NDR_alt_Logo.svg/500px-NDR_alt_Logo.svg.png)
Das war Antje.
http://www.youtube.com/watch?v=VZju7NZpe7U


Kind! ;-)



von Bolivar diGriz - am 15.04.2013 05:41
Zitat
BetacamSP

Kann mir aber gut vorstellen dass einige Techniker des DDR Fernsehens da Versuche mit NTSC gemacht haben, aber es wäre politisch niemals durchsetzbar gewesen NTSC oder PAL in der DDR einzuführen.


Das mit den NTSC Tests in der DDR hatte ich auchmal vernommen. Im Grunde ist die Idee ja nicht so abwaegig, solange man ein System hatte, welches sich von West-Deutschland unterschieden hattte.

von 102.1 - am 15.04.2013 13:23
Zitat
102.2
Das mit den NTSC Tests in der DDR hatte ich auchmal vernommen. Im Grunde ist die Idee ja nicht so abwaegig, solange man ein System hatte, welches sich von West-Deutschland unterschieden hattte.

Darum ging es dabei nicht. Die ARD testete genauso NTSC; nur schon einige Jahre früher.
Und PAL (die spätere West-Norm) gab es 1960 noch gar nicht.

von Manager. - am 15.04.2013 16:40
@ 102.2

Zitat

Das mit den NTSC Tests in der DDR hatte ich auchmal vernommen. Im Grunde ist die Idee ja nicht so abwaegig, solange man ein System hatte, welches sich von West-Deutschland unterschieden hattte.


Da hatten sich die Techniker erstmal ausgetobt und die Farbfernsehsysteme getestet. Die Entscheidung der Techniker fiel in den meisten Ländern wohl auf PAL. Aber in Diktaturen haben bekanntlichermaßen nicht die Techniker das letzte Wort.

NTSC hätte man niemals genommen. Es sei denn, die Entwickler von NTSC hätten irgendeiner kommunistischen Bewegung angehört.

Damals stand ja auch das russische NIR
http://www.scheida.at/scheida/Televisionen_CCCP_II_UdSSRII.htm#SECAM%20IV%20-%20Eine%20sowjetischer%20Beitrag%20zum%20Thema%20Farbfernsehen
zur Debatte.

Letztlich ist man aber bei SECAM III optimalice geblieben.

von Kay B - am 15.04.2013 17:10
Hallo
Ich habe mal in meinen Unterlagen nachgesehen und bin fündig geworden. In der RAFENA-Information für den Fernsehkundendienst Nr.16 (August 1961!) gibt es einen Artikel "Das Farbfernsehen in Vorbereitung". Im Artikel ist ein Farbfernseher ohne Gehäuse abgebildet, mit einer runden (amerikanischen?) Bildröhre und ansonsten bestückt mit DDR-typischen Bandfiltern und WF-Röhren (Leiterplatten in gedruckter Schaltung). Weiterhin steht zu lesen, dass das WF eine Farbbbildröhre entwickelt habe und das Musterbildröhren erprobt werden. Weiterhin steht zu lesen: "Beim Versuchsempfang über die große Entfernung zwischen Berlin und Radeberg (etwa 200 km) konnten die Farbstreifen des Testbildes mit befriedigender bis guter Qualität, wie Bild 2 zeigt, aufgenommen werden." Es ist eine farbige Abbildung eines Farbbalkentestbildes zu sehen, die ein Schirmbildfoto sein könnte. Im folgenden Heft 17 ist ein röhrenbestückter Farbfernsehempfänger als Blockschaltbild dargestellt, ein Block ist mit "Laufzeitleitung" beschriftet. Auf eine konkrete Norm wird aber nicht eingegangen. Im Heft 18 ist die Lochmaskenröhre sehr ausführlich beschrieben und ein Foto einer Schattenmaske einer WF-Farbbildröhre zu sehen.
MfG
IngoR

von IngoR - am 15.04.2013 18:27
Das hört sich nach einem interessanten Artikel an.

Die Amerikaner bzw. RCA waren damals wahrscheinlich die einzigen, die Farbbildröhren herstellen konnten.

Mit der Übernahme von SECAM seitens der Russen sollen die Franzosen den Russen versprochen haben, ihnen Fertigungshallen für Farbbildröhren hinzustellen. Aber angeblich berherrschten das die Franzosen selbst noch nicht so richtig.

von Kay B - am 16.04.2013 10:02
Aus Erzaehlungen weiss ich, dass die Ausschussquote bei russischen Bildroehren extrem hoch gewesen sein soll. In die DDR wurde demnach auch nur geliefert, was fuer den Binnenmarkt nicht genommen werden konnte bzw. sollte.

von PowerAM - am 16.04.2013 11:04
In der DDR wurde 1. Wahl in das NSW (Unterhaltungselektronik als BRUNS gelabelt bzw. über Versandhäuser oder GENEX vertrieben) oder die SU geliefert und in den Handel kam nur der Rest.

von Radio_DDR - am 16.04.2013 20:18
Mein Receiver mit Boxen von Bruns, 1984 für 148,- DM gekauft: hier haben mich vor allem die Boxen (Für 15W Sinus ausgelegt) begeistert. Trotz kurzem Test an einem vollaufgedrehten Verstärker mit 45W Sinus haben die keinen Schaden genommen, nicht mal gescheppert bei der Leistung. Massives Gehäuse eben. Auch der Empfang auf allen 4 Wellenbereichen ist nicht schlecht, trotz nur einfacher UKW-Antenne, mit Reisnägeln an die Wand geheftet.
Und sogar ein kompletter Schaltplan war mit dabei, bei unserer Westware damals schon nicht mehr üblich.

von HansEberhardt - am 16.04.2013 22:59
@ PowerAM

Zitat

Aus Erzaehlungen weiss ich, dass die Ausschussquote bei russischen Bildroehren extrem hoch gewesen sein soll. In die DDR wurde demnach auch nur geliefert, was fuer den Binnenmarkt nicht genommen werden konnte bzw. sollte.


Das deutet auch der Wikipedia-Artikel zum Color 20 an:
http://de.wikipedia.org/wiki/Color_20

Die Bestückung des Color 20 mit unterschiedlichen Bildröhren führte auch zu unterschiedlichen Typenbezeichnungen des Gerätes:
http://www.scheida.at/scheida/Televisionen_DDR_Color20.htm

von Kay B - am 17.04.2013 00:36
Das war aber nicht die Frage.

von Gümpel - am 18.04.2013 12:06
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