Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
15
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
RheinMain701, Ihre Majestät, Spacelab, elchris, DH0GHU, Alqaszar, Nordlicht2, senderlisteffm, Skeletor

Mobiles Internetradio: Frage zur Technik

Startbeitrag von Ihre Majestät am 07.05.2013 13:22

Viele von euch nutzen ja neben UKW und DAB+ auch verstärkt mobiles Internetradio via Smartphone. Hier hätte ich mal eine Frage zur Technik, weil das normalerweise nicht mein Metier ist. Nach welchem Kriterium wird fest gelegt in welche Funkzelle sich ein Smartphone einwählt? Das Forenmitglied Harald P. etwa nutzt das Netz von Vodafone und hat sich eine App runtergeladen, die den Standort des Funkmasten anzeigt, in der man gerade eingewählt ist. Dabei ist aufgefallen, dass bei gleichem Standort unterschiedliche Standorte ausgewählt werden. Hierzu folgende Fragen:

1. Wann entscheidet ein Smartphone die Funkzelle zu wechseln? Wenn der Empfang schlechter wird oder sobald ein stärkerer Sender zur Verfügung steht, obwohl die alte Zelle noch genügend Power liefert?

2. Kann es sein, dass das Mobiltelefon gar nicht immer die beste Zelle auswählt, sondern auch schon mal eine weiter entfernte, deren Signalstärke aber noch ausreichend ist.

3. Wählt sich das Smartphone in eine Alternativ-Zelle ein, sobald eine überlastet ist, sofern verfügbar?

4. An einem Standort gibt es laut BNetzA verschiedene Antennen mit unterschiedlichem Richtdiagramm, auch bei identischem Netzbetreiber. Ist das also richtig, dass es auch von gleichen Sendestandorten unterschiedliche Zellen gibt?

5. Ist es richtig, dass Internetstreams buffern und auch mal ein zehnsekündiger Netzausfall ohne Ausfall überbrückt werden kann? (Dieses Phänomen beobachte ich in einem Tunnel in Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofs, der Stream bricht hier nicht ab.

Leider unterstützt mein Provider (eplus/blau.de) mit der App von Harald P. nicht die Anzeige des nächsten Funkmastes. Hier kämen drei Standorte in Betracht: Kastel-Wasserturm, Kastel-Fox-Motel oder Kostheim-SCA-Werke. Alle drei Standorte sind ca. 1 km entfernt.

Antworten:

Von mobilem Internet kenne ich, dass grundsätzlich immer die Zelle mit der schnellsten Verbindung gewählt wird, auch wenn die Signalstärke miserabel ist. Auf dem Kupferberg etwa versuchte der Stick sich immer in die reinfadenden HSDPA-Zellen aus dem Rhein-Neckar-Raum einzuwählen - das Resultat war, dass das Internet nicht anständig zu benutzen war, da es ständig Verbindungsabbrüche gab. Die nähere Zelle wäre zwar langsamer und auch nicht ganz optimal (unten im Tal und damit oben auf dem Berg abgeschattet), aber immerhin wäre damit ein einigermaßen dauerhafter Empfang gegeben.

von RheinMain701 - am 07.05.2013 13:27
So ein Netzmonitor bringt dir viele Infos auf den Schirm, die für dich interessanten Informationen im Mobilfunknetz (da sie die Luftschnittstelle zum Endgerät beschreiben) bestehen aus der LAC (Location Area - gewissermaßen die Postleitzahl) und der CID (Cell-ID, die genaue Nummer für die Antenne, mit der du gerade in Verbindung stehst), letztere ist für jeden Sektor anders. Als Beispiel dient mir meine Vodafone "Heimatzelle" - hier im Münchner Westen haben wir bei Vodafone UMTS die LAC 953 und meine Heimatstation hat die Cell-IDs 31623-31628, d.h. sie besteht aus 6 Sektoren - bewege ich mich um sie rum bekomm ich mit etwas glück nacheinander alle Cell-IDs angezeigt, es kann aber auch sein, dass ich immer in einer Zelle festhänge.

Zu deinen Fragen:

1.) Das entscheidet nicht nur das Endgerät sondern auch das Netz - je nach Endgerät schalten die Geräte ab etwa -95dbm um, wenn eine stärkere Zelle empfangbar ist und das Netz diesen Wechsel zulässt (Auslastung der Zellen gleich).

2.) Ja, wenn die stärkere Zelle voll ist, wird das Endgerät auf eine freie, empfangbare Zelle verwiesen, gerne auch mal mit Rückfall auf GSM, wenn alle UMTS-Nodes zu sind. Ist das Gerät im Automatikbetrieb klopfts immer wieder beim Netz an, ob man wieder nach UMTS darf (bei Android im Servicemenü "WDCMA preferred").

3.) Das macht das Netz, das Endgerät tut, was das Netz ihm befiehlt (drum kann man leider auch nicht selektieren und bestimmte, als langsam oder überfüllt bekannte Zellen ausschliessen).

4.) Ja, je Standort gibt es entweder Rundsender, Omnistrahler genannt (das sind diese zwei Stäbe - sehr beliebt bei der Telekom für GSM900) oder 1-6 Sektorenantennen (die grauen länglichen Dinger) mit dem entsprechenden Richtdiagramm. Es kann also passieren, dass du nur 500m entfernt von einer Station, bei freier Sicht zur Station diese nicht empfängst, da kein Sektor in deine Richtung guckt oder der passende voll ist und dich die Station nicht reinlässt.

5.) Das kann man in den meisten Apps einstellen - TuneIN buffert z.B. 5 Sekunden in der Voreinstellung (d.h. wenn der Datenstrom schon läuft, dauerts auch noch genau diese Bufferzeit, bis du etwas hörst). Für einen Handover oder einen Sektorwechsel innerhalb der Zelle, beides dauert im Normalfall nur Millisekunden, reicht das - bei einem kurzen Netzabbruch oder einem nicht gut implementierten Handover bricht die I-Net Verbindung aber gerne völlig ab, vllt. sogar inklusiver neuer dynamischer IP - da hilfts buffern auch nicht, die App muss den Stream neu starten.

von elchris - am 07.05.2013 13:47
Zitat
Ihre Majestät
Viele von euch nutzen ja neben UKW und DAB+ auch verstärkt mobiles Internetradio via Smartphone. Hier hätte ich mal eine Frage zur Technik, weil das normalerweise nicht mein Metier ist. Nach welchem Kriterium wird fest gelegt in welche Funkzelle sich ein Smartphone einwählt?


Das hat eigentlich nur was mit dem Netzbetreiber und dem verwendeten Funkstandard zu tun. Nichts mit Internet.

Wenn das Smartphone eingeschaltet wird, hört es je nach Strategie des Telefonherstellers mehr oder weniger auf die nächste Zelle. Im 3G etwas anders, als im 2G, da das ja alle Sender auf der gleichen Frequenz senden. Sobald eine aktive Verbindung besteht, werden die Resourcen ausschließlich vom Mobile Management des Netzes verwaltet. Das Mobilgerät hat keinerlei Eingriffsmöglichkeiten.

Zitat

1. Wann entscheidet ein Smartphone die Funkzelle zu wechseln?


Siehe oben -> gar nicht

Zitat

Wenn der Empfang schlechter wird oder sobald ein stärkerer Sender zur Verfügung steht, obwohl die alte Zelle noch genügend Power liefert?


Das funktioniert so nicht, da das 3G interferenzbegrenzt ist. Es gibt soft handover und softer handover aber das ist sehr spezielle Netztechnik.

Zitat

2. Kann es sein, dass das Mobiltelefon gar nicht immer die beste Zelle auswählt, sondern auch schon mal eine weiter entfernte, deren Signalstärke aber noch ausreichend ist.


Im 3G ist das nahezu ausgeschlossen.

Zitat

3. Wählt sich das Smartphone in eine Alternativ-Zelle ein, sobald eine überlastet ist, sofern verfügbar?


Bei GPRS wäre das theoretisch möglich, wenn der Netzbetreiber das so will. Es sind auch seamless handover zwischen 2G und 3G möglich.

Zitat

4. An einem Standort gibt es laut BNetzA verschiedene Antennen mit unterschiedlichem Richtdiagramm, auch bei identischem Netzbetreiber. Ist das also richtig, dass es auch von gleichen Sendestandorten unterschiedliche Zellen gibt?


Ja. GSM900, GSM1800, UMTS2100, LTE800 und LTE2600

Außerdem wenn man man von UHS Standorten bei eplus absieht, baut man meistens 120° Sektoren, also drei Antennen pro Standort.

Zitat

5. Ist es richtig, dass Internetstreams buffern und auch mal ein zehnsekündiger Netzausfall ohne Ausfall überbrückt werden kann?


Eigentlich jede IP-basierte real time Anwendung tut dies.

von senderlisteffm - am 07.05.2013 13:53
Gerade beim Mobilfunk gibt es manchmal das seltsamste verhalten. Wie elchris schon schrieb macht das Endgerät das was das Netz befielt. Da kann es aber auch schon mal passieren das was in die Hose geht. Gerade bei anspruchsvollen Anwendungen wie dem Livestreaming fällt das verstärkt auf. So habe ich hier eine Stelle in der Nähe wo das Smartphone immer wieder zwischen mehreren Zellen hin und her geschickt wird und nicht immer klappt der Handover. Es kann also passieren das selbst ein 60 Sekunden Puffer leer läuft und die Radio App den Stream komplett neu aufbauen muss.

von Spacelab - am 07.05.2013 14:00
Besonders oft passiert es bei meinem iPad, dass es immer versucht auch bei besonders schwachen Empfang 3G oder HSDPA zu nutzen, anstatt das langsamere GPRS oder EDGE im zum selben Zeitpunkt sehr gut zu empfangenen GSM Netz. Da koennt ich immer verzweifeln. Scheint auch geraeteabhaengig zu sein denn bei meinem Samsung Handy tritt das Problem deutlich weniger auf.
Wenn man sich mal ueberlegt, dass 4 Netzbetreiber jeweils 4 Netze betreiben, ist das eine ganz schoene Verschwendung an Energie. In der Naehe der Mobilfunkstationen ist extrem hohe Elektrosmogbelastung ueber ein sehr grossen Frequenzbereich. Eigentlich findet man kaum Gegenden, an denen die nicht deutlich groesser ist als die durch Rundfunksender verursachte. Liegt an der hohen Anzahl an Mobilfunkstationen mit systembedingt sehr niedrigen Antennenhoehen. Dabei ist dann das Aussenden der HF durch Mobilfunkendgeraete noch gar nicht mit einbezogen.

von Nordlicht2 - am 07.05.2013 14:53


Das per *#*#4636#*#* erreichbare Android Servicemenü - wenn man per normalen Menü auf Netzautomatik stellt, gehen die meisten Geräte auf "WDCMA preferred" - also UMTS bevorzugt. Man kann aber bei nahezu jedem Androidgerät auf GSM Auto umstellen. Geräte und Netzabhängig gehts dann besser runter auf GSM wenn UMTS wackelt.

von elchris - am 07.05.2013 20:45
Früher gab es mal so eine Mobilfunkkarte wo neben der Abdeckung auch die Standorte eingezeichnet waren. Die Standorte hat man sich jetzt aber leider erspart. Mich würde nämlich mal interessieren, wo das Handy im Elbisheimerhof sich das Netz holt. Das Kaff ist eigentlich nur nach Westen offen und da wohnt keiner; die nächsten Nachbarorte nach Norden und Süden sind durch hohe Berge verdeckt, da kann nichts durchkommen. Kommt gar etwas vom Donnersberg?

von RheinMain701 - am 07.05.2013 20:54
Da lob ich mir eplus, die haben eine detailierte Karte mit allen Standorten ins Netz gestellt:

http://193.201.138.69/evinternet/#Map:LON=610000&LAT=5700000&ZOOM=3&LAYER=0

Daher weiss ich auch welche Standorte eplus hier betreibt. Úm stark frequentierte Plätze gibt es fast alle 200 - 400 Meter einen Standort. Richtig witzig ist das rund um den Wiesbadener Hauptbahnhof, da hat eplus insgesamt fünf Standorte im Radius von rund 500 Metern aufgebaut. Feldstärketechnisch würde einer ausreichen, aber da die Zellen hier oft überlastet sind, hat man rasche Sektorenwechsel sobald man nur kurz hinter dem Hbf ist.

In der Tat werden übrigens auch von UKW bekannte Standorte für Mobilfunk mitgenutzt. Auf der Hohen Wurzel betreibt eplus auch eine Station, ebenso auf dem Großen Feldberg. Freilich nur um das nähere Umfeld zu versorgen.

Es gibt auch Höhenstandorte wie der über 600 Meter hohe Kellerskopf im Taunus, die von eplus genutzt werden, dieser Standort versorgt die östlichen Wiesbadener Stadtteile Naurod und Hessloch. Das ist aber eher selten.

von Ihre Majestät - am 08.05.2013 05:04
Ich bin angenehm überrascht mobiles Internetradio zu hören mit E-Plus als Provider.:spos:
Da hat man am Netz in letzter Zeit einiges ausgebaut und das bis in die tiefste Provinz.

von Skeletor - am 08.05.2013 05:24
Im Netz von O2 geht das auch, man muss da gar.nicht zur Drosselkom oder Vodafone.

von Alqaszar - am 08.05.2013 16:30
Bei eplus hat sich tatsächlich viel getan. Die UMTS-Versorgung ist hier zum Teil offenbar besser als über D1 und D2. Bei mir zuhause geht D2 ("Vodafone") nur an einigen Stellen der Wohnung vernünftig...

Eine flächendeckende 3G-Versorgung bietet hier allerdings niemand. Selbst entlang der Bundesstraßen (insbesondere B11, B472) und entlang der Autobahn A95 hat sogar Platzhirsch T-Mobile riesige Lücken von oftmals mehreren Kilometern. Naja, selbst in München behauptet t-online keine Flächendeckung.
http://www.t-mobile.de/funkversorgung/inland/0,12418,15400-_,00.html

Auf einigen der hiesigen Bundesstraßenabschnitte sind die einzigen stabilen Funknetze die DAB-Netze :D.

von DH0GHU - am 09.05.2013 10:06
Nachdem ich zusammen mit Harald P. die App Network Signal Info installiert habe kann ich jetzt die eplus-Standorte exakt genau peilen. Dazu öffnet sich nach Anwahl der Funktion "Google Maps, erfragt per GPS meinen Standort und zeichnet unter dem Suchbegriff "Cell Location" eine Linie zum nächsten Funkmasten ("Cell Tower"). Witzig: In meiner Wohnung wechselt die Zelle dreimal. Die Standorte "Kastel-Wasserturm" (Entfernung 1,046 km) und "Kostheim-SCA-Gebäude" (Entfernung 1,478 km) habe ich erwartet, nicht aber die Einwahl in den Standort "Hochheim-Dresdner Ring" (Entfernung 3,769 km), der hin und wieder im Schlafzimmer ausgewählt wird. Noch gar nicht ausgewählt wurde der Standort "Kastel-Fox-Motel", obwohl der auch nur ca. 1,5 km entfernt liegt. Schöne Spielzeug, diese App, die auch die Feldstärke exakt genau in dbW anzeigt.

von Ihre Majestät - am 10.05.2013 17:55
Also bei mir daheim ist es einfach; die nächste Funkzelle steht ganze zwanzig Meter von mir entfernt. Es ist der Standort Rückingen/Hotel, der letztens sogar noch aufgestockt wurde, da scheint also ganz schön viel los zu sein. Viel interessanter wäre das wirklich in zerklüfteten Gegenden wie der Pfalz, aber mit meinem Uralt-Telefon (mit Windows Mobile '03) werde ich da nicht viel herausbekommen.

von RheinMain701 - am 10.05.2013 18:06
Network Signal Info ist wirklich eine super App. Ich hab mir nach kurzem ausprobieren auch gleich die Pro Version geholt. Für so etwas geb ich dann gerne Geld aus.

von Spacelab - am 10.05.2013 18:07
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.