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vor 4 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 5 Monaten
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dlf-fan, RheinMain701, Harald Z, 0815xxl, Sandy N, Bolivar diGriz, Jens1978, hansol1, Jan_C, Hagen

Sachsen Fernsehen (Lokal TV) wird eingestellt

Startbeitrag von Jan_C am 30.05.2013 14:31

Der sächsische Lokal-TV-Veranstalter SACHSEN FERNSEHEN plant seine Einstellung.
Bis Ende 2012 wurde u.a. aus Chemnitz auch noch analog auf Kanal 47 gesendet. Zum Jahreswechsel wurde diese Ausstrahlung ohne Ankündigung eingestellt. Seitdem sendet SF nur via KabelTV und Internet,

Sachsen Fernsehen wird eingestellt

Antworten:

Lokal-TV hat in Deutschland insgesamt einen schweren Stand. In Ostdeutschland gibt es wohl noch diese DDR-Mentalität weswegen Lokalmedien dort viel weiter verbreitet sind als im Westen, aber auch dort scheint es inzwischen bergab zu gehen.

EDIT: Leipzig Fernsehen ist auch weg vom Fenster: http://www.digitalfernsehen.de/Lokalsender-Leipzig-Fernsehen-stellt-Sendebetrieb-ein.102641.0.html

von RheinMain701 - am 30.05.2013 15:13
Was hat Lokalfernsehen mit einer "DDR-Mentalität" (was ist damit gemeint?) zu tun?

von hansol1 - am 30.05.2013 16:35
@ RheinMain701: Das mit der DDR-Mentalität ist, mit Verlaub, Mumpitz. Es gab in der DDR auch gar kein Lokal-TV. Oder ist es auch DDR-Mentalität, dass ich mir nach dem Toilettengang die Hände wasche? Nix für ungut!
Schade ist es allemal. Da stellt sich für mich natürlich die Frage, wie oder ob es mit dem Leipziger Mux auf Kanal 31 weitergeht.

von dlf-fan - am 30.05.2013 18:45
OT
Zitat

Was hat Lokalfernsehen mit einer "DDR-Mentalität" (was ist damit gemeint?) zu tun?

Ganz einfach: Nix! In der DDR war ja alles zentralistisch angelegt, wie war das noch "staatliches Komittee für Rundfunk" oder sowas ... nun ja, da hätte man eher NRW durch die seit den 80er dort herrschende Lokalisierung eine gewisse Mentalität unterstellen können.
/OT

Schade, dass Lokal-TV sich meist nicht refinanzieren kann. In BW und BY werden die Programme ja auch bloß künstlich durch die Landesmedienanstalten am Leben gehalten. In NRW hingehen laufen die WDR Lokalzeiten recht gut. Von daher sollte man eher den Weg von erweiterten Lokalfenstern in bestehenden, gut etablierten Programmen gehen. Tagesfüllende Lokalprogramme sind einfach Quatsch. Die Dritten wurden ab den 90ern auch nur deshalb so stark, da dort die Regionalanteile aus dem ehemaligen ARD-Vorabendprogramm, was damals noch richtig regional war, ausgegliedert wurden.

von Jens1978 - am 30.05.2013 19:03
Ich hatte das eher so gedacht, dass die DDRler einen Gegenpol zum zentralistischen Rundfunk bilden wollten und so nach der Wende das Lokalfernsehen entstand. Wie sonst ist es zu erklären, dass die allermeisten Lokalsender dort stehen und im Westen Lokalfernsehen selten ist?

von RheinMain701 - am 30.05.2013 19:39
Gibt es hier im Osten so viele Lokal-TV-Sender mehr als im Westen? Unser TV Halle sendet von Räumen des Geländes des Mitteldeutschen Druck- und Verlagshauses in Halle und ist auch Tochter des Zeitungshauses, welches wiederum zum Verlagshaus M. DuMont Schauberg (MDS) in Köln gehört. Wie die Eigentums- und Beteiligungsverhältnisse bei anderen Lokalsendern liegen, weiß ich nicht. Wäre aber interessant, wieviele wirklich unabhängig (was aber gleichzeitig wohl auch arm heißt) sind.
Die Wende, die nachfolgende Abwicklung des DDR-Rundfunks durch den sogenannten Rundfunkbeauftragten der Neuen Länder Rudolf Mühlfenzl und die daraus resultierende Neugründung von Landesrundfunkanstalten (MDR, ORB), bzw. der Beitritt MVs zum NDR führten schließlich zum Ende des zentralistischen Rundfunks alter Prägung (so nenne ich das jetzt mal). Auf den Kanälen des DFF1 wurde am 3.10.90 die ARD aufgeschaltet, die Senderkette von DFF2 fiel nach einem kurzen Intermezzo der sogenannten "Neuen Länderkette" an die dritten Programme der neugegründeten Landesrundfunkanstalten bzw. den NDR. Und das ZDF nahm zur Lückenfüllung einige Großsender neu in Betrieb. That´s all! Lokal-TV kam meiner Ansicht nach erst einige Jahre später.

von dlf-fan - am 30.05.2013 21:29
Dass es im Gebiet der ehemaligen DDR mehr LOKAL-TV gibt, liegt IMHO daran, dass einerseits Gemeinschafts-Kabelanlagen aus DDR-Zeiten erweitert und dafür genutzt wurden, es also einfacher war, einen lokalen Verbreitungsweg zu finden, zum anderen, dass eben die "großen" Medien die Kleinstädte und Regionen jenseits der Ballungsräume ignoriert haben.
Meistens sind das rotierende Abspielkanäle, die vielleicht zwei mal die Woche das Programm aktualisieren. Die versuchen nun größtenteils mit HbbTV/Smart-TV-Angeboten auf hybride, internet-fähige TVs zu kommen (was ich durchaus sinnvoll finde - lediglich das Drosselcom-Thema behindert das dann etwas). Wenn ich auf meinen TV schauen, finde ich da bislang Apps von Sendern aus Kleinstädten in Thüringen, Ostbrandenburg und der Lausitz, eventuell Sachsen, aber fast nichts aus dem Westen. Bayern ist da ein Sonderfall, da hier das LokalTV medienpolitisch massiv gefördert wird (und geografisch ist's ja auch irgendwie eher Osten ;) ).
Wie das mit LOKAL-TV-Sendern in den ehemaligen DDR-Bezirksstädten war, die dann hier und da auch analoge terr. Frequenzen nutzen, weiß ich nicht, konnte ich nie sehen. Aber ich denke, bei sowas wie SachsenTV wird der Wechsel zu DVB-T unwirtschaftlich sein...

von Hagen - am 31.05.2013 16:44
Es hat doch schon mehrere Ansätze gegeben, nach dem Vorbild der amerikanischen Affiliates ein Rahmenprogramm anzubieten, welches von Lokalsendern mit eigenen Anteilen und Werbung gefüllt wird. Der letzte im Sande verlaufene Versuch ist ja "Volks TV". Warum eigentlich klappt das nicht? Sind die Lokalsender so von sich überzeugt, dass sie meinen es alleine zu schaffen? Wie man sieht, klappt das ja nun gerade nicht. Und besser man nimmt ein richtiges Rahmenprogramm, als Dauerwerbesendungen oder Endlosschleifen des halbstündigen Eigenprogramms.

von Bolivar diGriz - am 01.06.2013 06:25
Eine sehr gute Übersicht über Lokal-TV in Brandenburg gibt es bei der MABB. Es sind doch mehr als man denkt ...;-)

> http://www.mabb.de/radio-tv/brandenburger-lokal-tv.html

von 0815xxl - am 01.06.2013 08:18
Heute in LVZ/DNN:

Vage Suche nach Ausweg
Aus für Leipzig Fernsehen. Die Politik ist geschockt bis entsetzt - und hilflos. Die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla findet, dass die Abschaltung am 30. September ein Riesenverlust ist und fordert die Stadt auf, nach einer Möglichkeit des Fortbestehens zu suchen. Leider aber hat die Stadt wenig mit der Sachsen Fernsehen GmbH zu tun. Ob das sächsische Mediengesetz eine Kommune als Veranstalter zulässt, ist auch eher fraglich.
Sebastian Gemkow, der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, sprach gestern von Gesprächen, um nach einer Lösung für Leipzig Fernsehen und Chemnitz Fernsehen zu suchen. In welche Richtung er die sieht, sagte er allerdings nicht. Da war Falk Neubert, Medienexperte der Linken, schon etwas deutlicher: Es gebe keine Patentlösung für die schwierige Finanzlage der kleinen Privatsender.
Es hätte aber schon längst einmal über eine Lösung nachgedacht werden müssen. Immerhin gibt es in Sachsen rund 60 lokale Sender, viele aus den ehemaligen Antennen-Gemeinschaften in der DDR hervorgegangen. So viele gibt es in keinem anderen Bundesland. Auch nicht in Bayern, das aber eine Lösung für das Lokal-TV gefunden hat. Die dortige Landesmedienanstalt, die sich, wie alle anderen Anstalten auch, aus rund zwei Prozent der Rundfunk-/Haushaltsgebühr finanziert, bekommt jährlich zehn Millionen Euro aus dem Staatshaushalt überwiesen. Damit unterstützt sie die lokalen Fernsehsender, auch durch Finanzierung der Verbreitungskosten.
Das ist in Sachsen laut Mediengesetz nicht möglich. So entsteht eine etwas absurde Lage. Das Land mit den meisten Sendern überlässt die lokale Meinungsvielfalt dem Selbstlauf des Marktes - und ist betroffen und geschockt, wenn die chronisch finanzschwachen lokalen TV-Veranstalter scheitern. Im Interview mit dem Leipziger Studentenradio mephisto 97,6 machte Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Landesmedienanstalt Sachsen, den Vorschlag, dass RTL und SAT.1 dort, wo sie keine Regionalfenster haben, in einen Fonds einzahlen sollten - zur Stärkung der lokalen TV-Sender. N. W.

von Harald Z - am 01.06.2013 11:08
Artikel aus der Freien Presse, 13.08.2013, Seite 7:

Lokal-TV bleibt auf Sendung

Sachsen-Fernsehen findet neue Investoren

CHEMNITZ - Die lokalen Fernsehprogramme für Chemnitz und Leipzig sind gerettet. Der Sendebetrieb geht aller Voraussicht nach weiter. Das bestätigte gestern René Falkner, Geschäftsführer der Sachsen-Fernsehen GmbH & Co Fernsehbetriebs KG, die beide Programme in Chemnitz und Leipzig betreibt. Als neue Investoren finanzieren künftig die Haeswe GmbH, Dresden, und der Sachsen-Fernsehen Geschäftsführer Frank Müller das Programm. Haeswe gibt das Jugendmagazin "Spiesser" heraus. Bisher gebe es eine Einigung, die Einzelheiten seien aber noch nicht vollständig ausgehandelt, sagte Falkner. Deshalb könne auch noch nichts über die künftige Personalstärke der Lokalsender gesagt werden. Bisher wurden rund 40 Mitarbeiter bei Sachsen-Fernsehen beschäftigt, davon 20 in Chemnitz. Im Mai hatte Sachsen-Fernsehen das Ende des Sendebetriebs zum 30. September angekündigt, weil der Gesellschafter, die Nürnberger Oschmann-Gruppe, die Lokalsender nicht weiter finanzieren wollte. Nach letzten Angaben hatte das Programm in Chemnitz rund 36.000 Fernsehzuschauer am Tag. (cul)

von Sandy N - am 13.08.2013 11:43
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