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[ÖR-TV] Studie: Rundfunkgebühren senken und Werbung weg

Startbeitrag von Nohab am 01.06.2013 11:30

Heise.de: Studie: Rundfunkgebühren senken und Werbung weg

:spos:

Antworten:

Damit ist das Popcorn freigegeben ^^


Viel Spass bei hundert Meinungen und Sichtweisen die zu allem führen, nur zu keinem Ergebnis.

von Scrat - am 01.06.2013 11:56
Nette Bettlektüre mit 294 Seiten und weiteren 100 Seiten mit Fußnoten und Tabellen. Auch wenn die Damen Recht haben sollte. Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für ÖR-Anstalten Gebühren bezahlen sollten, wenn diese nur auf WDR3, Bayern 2 und DLF reduziert würden. Wenn die meisten Menschen bei den ÖR keine Sendung mehr finden, die sie einschalten, wird sich die Frage nach ihrer Existenz stellen. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen den kommerziellen Radios und den ARD-Wellen, auch wenn es nur die ständig kritisierten Gewinnspiele sind. Da die Privaten immer weniger Werbeerlöse haben, ist ihr Weg vorprogrammiert: Nur Internet und Adressierung der Angebote wird sie retten. Dann zahle ich lieber für die ÖR und bekomme lieber Programme ohne Big Brother-ähnlicher Verfolgung wie heute bei hbbTV im Fernsehen.

von Seltener Besucher - am 01.06.2013 12:03
Diese Analyse von Anna Terschüren sollte man sich schon zumindest überfliegen, wenn man hier diskutieren will: http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-27475/ilm1-2013000224.pdf (sind aber rund 300 Seiten!)

von dxbruelhart - am 01.06.2013 12:04
Zitat
Seltener Besucher
Nette Bettlektüre mit 294 Seiten und weiteren 100 Seiten mit Fußnoten und Tabellen. Auch wenn die Damen Recht haben sollte. Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für ÖR-Anstalten Gebühren bezahlen sollten, wenn diese nur auf WDR3, Bayern 2 und DLF reduziert würden. Wenn die meisten Menschen bei den ÖR keine Sendung mehr finden, die sie einschalten, wird sich die Frage nach ihrer Existenz stellen. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen den kommerziellen Radios und den ARD-Wellen, auch wenn es nur die ständig kritisierten Gewinnspiele sind. Da die Privaten immer weniger Werbeerlöse haben, ist ihr Weg vorprogrammiert: Nur Internet und Adressierung der Angebote wird sie retten. Dann zahle ich lieber für die ÖR und bekomme lieber Programme ohne Big Brother-ähnlicher Verfolgung wie heute bei hbbTV im Fernsehen.

Die Diskussion hatten wir doch schon nur kurz zuvor. Schau dir Frankreich an oder Tschechien; dort senden die öffentlich-rechtlichen Sender nicht ein einziges massentaugliches Programm, sondern bedienen ausschließlich Randgruppen. Trotzdem fordert niemand die Schließung von Radio France oder der CRo.

von RheinMain701 - am 01.06.2013 12:06
Interessante Lektüre, in die man sich mit Sicherheit erst einmal einlesen muss.

Zitat
Seltener Besucher
Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für ÖR-Anstalten Gebühren bezahlen sollten, wenn diese nur auf WDR3, Bayern 2 und DLF reduziert würden.

Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für Sender wie SWR3, Bayern 3 oder 1LIVE Gebühren zahlen müssen, wenn sie solche Programme gleich doppelt und dreifach und darüber hinaus kostenlos von privaten Anbietern empfangen können!

Kultur wurde schon immer von der Allgemeinheit finanziert und das wird auch so bleiben. Viele kulturelle Veranstaltungen (Theater, Oper, Konzerte etc.) könnten ohne finanzieller Unterstützung der Allgemeinheit nicht allein durch die Einnahmen über Tickets getragen werden. Genauso ist es auch beim Radio: Selbst wenn die Kulturprogramme Werbung senden dürfen (wie es bspw. beim BR ja jetzt schon der Fall ist) sind diese nicht ohne weitere finanzielle Mittel auf hohem Niveau finanzierbar.

Nach deiner Argumentation müssten also auch Zugfahrer auf die Barrikaden gehen, weil sie durch Steuern z.T. den Straßenbau mitfinanzieren, Kulturmuffel müssten gegen die Finanzierung der Opernhäuser demonstrieren usw. ? :rolleyes:

Niveaulose Jux-Programme wie SWR3 mit hohem Werbeanteil sollten hingegen nicht weiterhin von der Allgemeinheit finanziert werden, da diese Angebote auch kommerziell erfolgreich sind!

Zitat
2
Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen den kommerziellen Radios und den ARD-Wellen, auch wenn es nur die ständig kritisierten Gewinnspiele sind.

Mit sowas wird man bei den ARD-Hitwellen doch auch terrorisiert. Mir scheint, dass du diese Programme gar nicht hörst, sonst wüsstest du wie kommerziell und mainstream-orientiert sie mittlerweile sind!

Zitat
3
Da die Privaten immer weniger Werbeerlöse haben, ist ihr Weg vorprogrammiert: Nur Internet und Adressierung der Angebote wird sie retten

Es ist doch genau umgekehrt: Die Privaten wollen am liebsten noch 100 Jahre lang auf UKW ihre Platzhirsch-Stellung halten und in jedem kleinsten Örtchen Hörer fischen. Neuen Technologien wie DAB+ steht man hingegen ablehnend gegenüber genau aus dem Grund, weil es den Werbekunden der regionalen Dudler nichts bringt wenn man ihre Reklame über Internetradio in Australien hören kann! UKW zählt, sonst nichts.

Zitat
Rheinmain 701
Die Diskussion hatten wir doch schon nur kurz zuvor. Schau dir Frankreich an oder Tschechien; dort senden die öffentlich-rechtlichen Sender nicht ein einziges massentaugliches Programm, sondern bedienen ausschließlich Randgruppen. Trotzdem fordert niemand die Schließung von Radio France oder der CRo.

Sehe ich genauso. Dort bekommt man immerhin etwas geboten für seine Rundfunkgebühr, während man sich einige erste Hörfunkprogramme der ARD kaum mehr anhören kann (SR1, hr1, 1LIVE...) Man sieht ja wohin es führt wenn die ARD-Anstalten zu viel Freiheit in ihrer Programmgestaltung und Frequenzverteilung haben, sehr gut am NDR oder HR!

von Hunsrücker - am 01.06.2013 12:53
Zitat
Hunsrücker
Niveaulose Jux-Programme wie SWR3 mit hohem Werbeanteil sollten hingegen nicht weiterhin von der Allgemeinheit finanziert werden, da diese Angebote auch kommerziell erfolgreich sind!


Diese "Jux-Programme" kosten die Allgemeinheit nichts.Ganz im Gegenteil,die erwirtschaften einen Überschuss.
Da sehe ich den Überschuss dann lieber bei den ÖR,wo damit andere Programme mitfinanziert werden,als bei den Gesellschaftern der Kommerzprogramme.

von UM74 - am 01.06.2013 17:07
Der Überschuss von SWR3 und Co wird aber auch für die kommerziellen Pleitegeier mitverwendet. Es ist also keineswegs so das sich die Kulturwellen alleine nur durch die Zwangsabgabe finanzieren.

von Spacelab - am 01.06.2013 17:17
Zitat

Diese "Jux-Programme" kosten die Allgemeinheit nichts.Ganz im Gegenteil,die erwirtschaften einen Überschuss.
Da sehe ich den Überschuss dann lieber bei den ÖR,wo damit andere Programme mitfinanziert werden,als bei den Gesellschaftern der Kommerzprogramme.


Eben. Mal als reines Gedankenspiel: Man könnte alle Kulturprogramme von UKW verbannen und durch werbeträchtige Programme ersetzen. Die Kulturprogramme könnten dann über DAB verbreitet werden, finanziert durch die Gewinne der UKW-Programme. Die Radiogebühr könnte dadurch gesenkt werden, vielleicht wäre sie sogar ganz überflüssig. Wäre nicht eigentlich das viel mehr im Interesse der Bevölkerung - ein öffentlich-rechtliches "Unternehmen", das profitorientiert ist, nicht damit ein paar Leute absahnen können, sondern um davon für den Zuhörer kostenlose Bildungs- und Kulturangebote zu finanzieren?

Und beim Fernsehen sehe ich das ähnlich; von mir aus soll dass ZDF doch die Champions Leauge übertragen dürfen, dann aber bitte auch mit der Erlaubnis so viel Werbung zeigen zu dürften, dass man da einen finanziellen Gewinn draus ziehen kann. Spielfilme sehe ich als Kunstwerke, weshalb ich da gegen Unterbrecherwerbung bin; zwischen den einzelnen Sendungen Werbung zu zeigen (wie im ORF) wäre aber auch hier eine gangbare Möglichkeit. Eine "Veröffentlich-rechtlichisierung" von z.B. RTL fände ich auch nicht schlimm (selbst wenn man bei Werbeunterbrechungen bleiben würde); warum sollen es Privatpersonen sein, die sich damit eine goldene Nase verdienen, wenn es auch möglich wäre dass diese Gewinne für Bildungs- und Kulturangebote genutzt werden und das entprivatiesierte Programm dann vielleicht auch landesweit über DVB-T und auch kostenlos in HD empfangbar wäre.

von Zwölf - am 01.06.2013 19:46
@Zwölf
Zitat

Man könnte alle Kulturprogramme von UKW verbannen und durch werbeträchtige Programme ersetzen.

Aber warum sollten sich die Werbeeinnahmen nochmals vervielfachen nur weil mehr solcher Programme auf UKW verbreitet werden? Der Konkurrenzkampf bei den Hitdudlern würde nur noch härter und die öffentlich-rechtlichen Werbesender würden sich gegenseitig die Hörer und Werbekunden wegnehmen. Das was du vorschlägst ist ja quasi der Weg den der hr geht (auch wenn er die Verbreitung seines Kulturprogrammes auf UKW nur teilweise und nicht komplett einstellt). Nun gibt es zwar mehr Hitdudler auf UKW in Hessen, aber nicht automatisch mehr Werbekunden und Hörer!

Zitat
2
Die Kulturprogramme könnten dann über DAB verbreitet werden, finanziert durch die Gewinne der UKW-Programme

Das würde dann aber gegen den Grundversorgungsauftrag verstoßen. Demnach müssen auch die Informations-, Kultur- und Bildungsangebote für jeden in Deutschland empfangbar sein. Bei DAB+ hingegen gibt es viele weiße Flecken und in einigen Bundesländern könnte man diese Programme nur noch in den Ballungsräumen empfangen (Bsp. Rheinland-Pfalz)!

Zitat
3
Die Radiogebühr könnte dadurch gesenkt werden, vielleicht wäre sie sogar ganz überflüssig.

Das wäre sie ja jetzt schon wenn der Überschuss der Werbeprogramme (wie von UM74 beschrieben) so unglaublich hoch wäre, dass man damit die Kulturprogramme finanzieren kann! Mag sein dass ein kleiner Anteil der Werbeeinnahmen für Kulturprogramme verwendet wird, eine Hauptrolle wird dieser Finanzierungsweg aus o.g. Gründen nie spielen können.

Zitat
4
Und beim Fernsehen sehe ich das ähnlich; von mir aus soll dass ZDF doch die Champions Leauge übertragen dürfen, dann aber bitte auch mit der Erlaubnis so viel Werbung zeigen zu dürften, dass man da einen finanziellen Gewinn draus ziehen kann.

Wenn man das freigibt kommt es auch bei den Ö-R Programmen zu Zuschauergängelung10! Man sieht ja was daraus wird wenn werbeabhängige Veranstalter wie RTL sich die Rechte für Sport-Highlights sichern, an der Formel 1: Dort ist letztlich nur das halbe Rennen zu sehen, da die andere Hälfte mit "Splitscreen Werbung" (95% Bildfläche Werbung, 5% am unteren Bildrand Rennbilder) zugemüllt wird! Dann kann man es auch gleich bleiben lassen! Ich achte ARD/ZDF sehr dafür, dass man dort weitgehend ungestört Sport-Highlights verfolgen kann! Mit einer Werbeunterbrechungs-Erlaubnis bei Sportsendungen wäre das ZDF quasi ein kommerzielles Unternehmen und könnte auch gleich ganz privatisiert werden.

Zitat
5
Eine "Veröffentlich-rechtlichisierung" von z.B. RTL fände ich auch nicht schlimm

Dafür gibt es aber keine rechtliche Grundlage! RTL kann in einem demokratischen Staat nicht so einfach verstaatlicht werden, das würde gegen weit mehr als das Kartellrecht verstoßen! Keine realisierbare Vorstellung! :rolleyes:

von Hunsrücker - am 01.06.2013 20:27
Danke für den Hinweis, das wird spannende Lektüre. Auffällig schonmal: bei uns durften Dissertationen nur 100 Seiten lang sein. Die Naturwissenschaftler wollens halt kurz.

Ansonsten und bevor ich das gelesen habe:

Zitat
Seltener Besucher
Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für ÖR-Anstalten Gebühren bezahlen sollten, wenn diese nur auf WDR3, Bayern 2 und DLF reduziert würden. Wenn die meisten Menschen bei den ÖR keine Sendung mehr finden, die sie einschalten, wird sich die Frage nach ihrer Existenz stellen.


Das sehe ich auch so, das wird in der Tat passieren, und zwar bei geschätzt 80% der Bevölkerung. Bei all denen halt, die ohnehin nur die Massenwellen mit Pop jeglicher Coleur hören, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat. Und das ist das Problem: der Sinn des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird mehrheitlich darin gesehen, nur belanglosen Jux anzubieten, weils die Mehrheit so will. Spätestens seit es das duale Rundfunksystem gibt, hat sich diese Art von "Existenzberechtigung" aber überholt. Es zeigte sich, daß das alles auch ohne Gebühren in ausreichend schlechter Qualität funktioniert und die Masse zufriedenstellt. Wozu also das ganze noch doppeln durch öffentlich-rechtliche Belanglosprogramme, was auch einer Wettbewerbsverzerrung gleichkommt?

Nur: bereits jetzt dürften mindestens 50% der Bevölkerung kein Verständnis für gebührenfinanzierten Rundfunk aufbringen, denn etwa 50% nutzen die Privaten. Und die etwa 30-40%, die die öffentlich-rechtlichen Privatfunkplagiate nutzen, bei denen bin ich mir oft nicht sicher, ob sie das wirklich bewußt tun, weils sich um öffentlich-rechtliche handelt oder ob es reiner Zufall ist, daß sie ausgerechnet diese Programme nutzen. Allzu sehr dürfte ihr Herz allerdings auch nicht dran hängen, da es genug Privatfunkalternativen gäbe.

Bleiben die 10-15%, die die gehobenen Angebote nutzen. Und die dürften heute schon kein Verständnis dafür haben, daß von ihren Gebühren auch der Müll finanziert wird, der sich ansonsten unter öffentlich-rechtlicher Flagge so übers Land ergießt. Ebensowenig haben sie Verständnis dafür, daß ihre Programme immer weiter aufgeweicht und ausgedünnt werden im Namen von Kriterien, die ebenfalls aus der Privatfunkvermarktung stammen.

Man kann das drehen wie man will, irgendeinen Tod stirbt der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer. Macht er Privatfunkkopien, hat er ein großes gleichgültiges Publikum und dazu noch aktive Kritiker - genau diejenigen, die eigentlich öffentlich-rechtlichen Rundfunk befürworten. Macht er gehaltvolles Programm, dann hat er immerhin noch ein ihn auch für einen realen Wert wertschätzendes Publikum, wenn auch kein großes.


Zitat
Seltener Besucher
Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen den kommerziellen Radios und den ARD-Wellen


Seltsam. Ich kann bei Jump, hr1, hr3 und Konsorten für mich keinen Unterschied zum Privatfunk ausmachen. Alles ist strategisch durchgeplant, leblos, lieblos, aufgesetzt, unnatürlich, penetrant, belanglos, schäbig und sorgt bei mir für Aggression und Übelkeit, wenn ich dem irgendwo ausgesetzt werde. Also genau wie beim Privatfunk.

Das passiert mir bei Bayern 2 beispielsweise nicht. Wenn ich da mal hineingerate, muß ich recht häufig dabeibleiben, weils interessant ist und nicht irgendetwas übelkeitserregendes zum Maßstab der Gesellschaft erklärt.


Zitat
Hunsrücker
Kultur wurde schon immer von der Allgemeinheit finanziert und das wird auch so bleiben.


Na hoffentlich! Der gerne übersehene Fakt ist doch: die verschmähte Kultur täte auch denen gut, die sie verschmähen. Die Werte, die da vermittelt werden, täten der gesamten Gesellschaft gut, zumindest, wenn wir mal unterstellen, die gehobenen Wellen wären wirklich hochwertig. Irgendwie erinnerts mich an gesunde Ernährung: sie täte allen gut, aber viele machen es einfach nicht. Mit einem Unterschied: bei der Ernährung wissen es auch viele von denen, die es nicht machen. Sie machen es trotzdem nicht. Bei Kultur (es geht dabei aus meiner Sicht letztlich um nichts anderes als um eine gewisse Ernsthaftigkeit und überhaupt Wahrhaftigkeit in der Wahrnehmung) ist es möglicherweise anders. Da ahne ich inzwischen, daß viele wirklich nicht den Ansatz einer Ahnung davon haben, wie wichtig es wäre und wie gut (!!!) es ihnen täte.


Zitat
Hunsrücker
Kulturmuffel müssten gegen die Finanzierung der Opernhäuser demonstrieren usw. ?


Tun sie doch schon:

http://www.nmz.de/online/piratenangriff-auf-bonn-unter-dem-deckmantel-eines-buergerbegehrens-betreibt-die-piratenparte

https://www.facebook.com/zukunftstattoper

Wenn sowas Schule machen sollte, dann wünsche ich mir tatsächlich bald den erlösenden Krieg, der diese verkommene Gesellschaft endlich auslöscht. Dann kanns wirklich nicht mehr schlimmer kommen, wir sind bereits in der Barbarei.


Zitat
UM74
Diese "Jux-Programme" kosten die Allgemeinheit nichts.Ganz im Gegenteil,die erwirtschaften einen Überschuss.


Hast Du dazu Zahlen? Ich suche mir hier den Wolf. Bei diesen Bilanzdokumenten dreht sich mir das Hirn um, die beinhalten ja kaum Zahlen, sondern viel mehr widerliche Anpreisung für die Müllprogramme. Das kann auch erhellend sein, irgendwo stand fand ich sogar sinngemäß die Formulierung "die die Werbung umgebenden Programmelemente", womit der Schwerpunkt gleich genannt wurde: es geht nur um die Platzierung der Werbung. Für mich ist das eine zutiefst widerliche, perverse Parallelwelt. So etwas dürfte es in einer intakten Gesellschaft überhaupt nicht geben.

Bis auf eine Dokumentation, die ist lesbar: die KEF veröffentlich in ihrem Bericht exemplarisch u.a. die Programmkosten von MDR Jump, allerdings für das Jahr 2008. Bitte hier, S. 300. Dort sind 13.38 EUR je Sendeminute gesamte Sendezeit ausgewiesen. Macht also pro Tag 19267 EUR und pro Jahr damit 7 Mio EUR. Nehmen wir das mal als Größenordnung.

Die MDR-Werbung schreibt hier für das Jahr 2010 (achtung, anderes Jahr!) auf S. 13 etwas von knapp 11 Mio EUR "Erlöse aus Werbesendungen Hörfunk". Da das nicht weiter aufgesplittet ist, sollte dies die 4 Wellen MDR Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Jump betreffen. Jump erreicht überall weniger Hörer als die einstigen Heimatwellen, und zwar deutlich weniger als die Hälfte. Zahlen von 2013 (achtung, wieder anderes Jahr!): Tagesreichweite Jump 1.178 Mio, MDR Sachsen 1.038 Mio, MDR Sachsen-Anhalt 0.358 Mio, MDR Thüringen 0.479 Mio. Die Einser zusammen also 1.875 Mio, Jump 1.178 Mio. Damit grob 40% für Jump, was ich jetzt auch mal grob für die Werbeerlöse unterstelle. Die betrügen demnach etwa 4.4 Mio EUR, wenn man dieses lustige Äpfel-mit-Birnen-vergleichen-Spiel weitertreibt.

Damit hätten wir 4.4 Mio EUR Werbeerlöse und 7 Mio EUR Programmkosten. Selbst mit großer Unsicherheit durch die unterschiedlichen Jahre für die einzelnen Zahlen kommen wir hier nichtmal auf ein ausgeglichenes Ergebnis.

Hat also jemand zufällig echte Zahlen, die zeigen, wieviel Jump unterm Stich kostet oder einfährt? Also alle Kosten inkl. Verbreitungskosten gegen Werbeeinahmen durch bei Jump geschaltete Werbung. Würde mich nun wirklich sehr interessieren.


Zitat
Zwölf
Eben. Mal als reines Gedankenspiel: Man könnte alle Kulturprogramme von UKW verbannen und durch werbeträchtige Programme ersetzen. Die Kulturprogramme könnten dann über DAB verbreitet werden, finanziert durch die Gewinne der UKW-Programme.


Außerhalb des Personenkreises dieses Forums bedeutet "Radio" faktisch "UKW". Das ist auch im Jahre 2013 so. Vor allem in den Kreisen der Kulturradiohörer dürfte das altersbedingt noch krasser sein. Weiterhin hat UKW die größte technische Reichweite und Verfügbarkeit in der Bevölkerung. Damit steht für mich außer Frage, daß die Programme mit der größten gesellschaftlichen Relevanz auf UKW gehören. Daß das zufällig in Deutschland die Programme sind, die die geringsten Quoten haben, sagt nichts primäres über die Programme, sondern über die Bevölkerung aus. Und gerade wegen dieser Relationen ist es zwingend nötig, genau die gehobenen Programme auf UKW anzubieten.


Zitat
Zwölf
Wäre nicht eigentlich das viel mehr im Interesse der Bevölkerung - ein öffentlich-rechtliches "Unternehmen", das profitorientiert ist, nicht damit ein paar Leute absahnen können, sondern um davon für den Zuhörer kostenlose Bildungs- und Kulturangebote zu finanzieren?


Aus meiner Sicht kann es nicht im Interesse der Bevölkerung sein, die relevanten und "gesunden" Angebote geradezu zu verstecken. Im Gegenteil.

Zitat
Zwölf
Eine "Veröffentlich-rechtlichisierung" von z.B. RTL fände ich auch nicht schlimm


Bei mir wäre es andersherum: ich hätte kein Problem mit einer Privatisierung von Jump, SWR 3, hr 1, hr 3, You FM und den anderen. Doch halt: eins: dann wären fast alle UKW-Frequenzen in der Hand nicht relevanter Programme. Und das geht auch nicht...

von Chris_BLN - am 01.06.2013 21:56
Endlich mal jemand, der das ganze wissenschaftlich angegangen ist.




@ Seltener Besucher

Zitat

Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen den kommerziellen Radios und den ARD-Wellen, auch wenn es nur die ständig kritisierten Gewinnspiele sind.


Ein Mädel hier im Ort hat sich vor ein paar Monaten gefreut, bei MDR Jump 100 Euro Urlaubsgeld gewonnen zu haben.

Zumindest was Thüringen betrifft, erscheint es so, daß MDR Jump weitaus kommerzieller als die Kommerzsender Antenne Thüringen und Landeswelle Thüringen ist. Die letztgenannten haben eine deutlich größere Rotation (auch wenn diese nicht wirklich groß ist) und auf Antenne Thüringen läßt man zumindest außerhalb der "Haupthörzeiten" alternative Programmgestaltungen zu. So kann sich Dirk Sipp jeden Sonntag 6 Stunden mit seinen Yesterhits musikalisch austoben und nachts gibt es werktags immer um 1 Uhr ein langes Hörspiel ohne Werbeunterbrechung.

Beim öffentlich-rechtlichen MDR Jump wäre sowas undenkbar. Da wird auch außerhalb der "Haupthörzeiten" die ultraenge Rotation, bestehend aus aktuellen Charts und einem 0815-80er durchgenudelt.




@ Hunsrücker

Zitat

Kultur wurde schon immer von der Allgemeinheit finanziert und das wird auch so bleiben.
(...)
Nach deiner Argumentation müssten also auch Zugfahrer auf die Barrikaden gehen, weil sie durch Steuern z.T. den Straßenbau mitfinanzieren, Kulturmuffel müssten gegen die Finanzierung der Opernhäuser demonstrieren usw. ? :rolleyes:


Genau damit hast du ein Reizwort ins Spiel gebracht, gegen das sich die öffentlich-rechtlichen sträuben: Steuern.

Es wird da ja immer argumentiert, daß Steuern nicht zweckgebunden sind, Gebühren hingegen schon. Aber Gebühren fallen in der Regel nur an, wenn man etwas in Anspruch nimmt.

Da die einstige Rundfunkgebühr jetzt in Form der Haushaltsabgabe ungeachtet der Inanspruchnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kassiert wird, ist es defakto eine Steuer.

Scheinbare Unterschiede zwischen dieser Haushaltsabgabe und einer Steuer wurden bisher nur auf höchst theoretischer Ebene erläutert und selbst darüber streiten sich die Rechtswissenschaftler offenbar noch.

Wenn die Öffentlich-Rechtlichen wirklich durch die Allgemeinheit finanzierungsbedürftig sind, dann sollen sie diese Zwangseinahme auch als das deklarieren, was es defakto ist; nämlich eine Steuer. Dann könnte man das auch sozial gerecht gestalten und diese Abgabe am Einkommen fest machen. 17,98 Euro sind für eine alleinerziehende Mutter halt etwas anderes als für ein kinderloses Ehepaar mit zwei Top-Gehältern.

Momentan sind die Öffentlich-Rechtlichen aber in einer Situation, in der sie steuerähnliche Einnahmen haben; aber da diese Einnahmequelle nicht so richtig definiert ist, haben sie auch für ihre Ausgaben nicht so richtig die Pflicht zur Offenlegung und Rechtfertigung. Da gibt es ja nur die KEF, die da die Ausgaben durchzuwinken braucht.




@ UM74

Zitat

Diese "Jux-Programme" kosten die Allgemeinheit nichts.Ganz im Gegenteil,die erwirtschaften einen Überschuss.
Da sehe ich den Überschuss dann lieber bei den ÖR,wo damit andere Programme mitfinanziert werden,als bei den Gesellschaftern der Kommerzprogramme.


Und genau das müßte halt offengelegt werden. Also welche Einnahmen und welche Ausgaben die Öffentlich-Rechtlichen haben.

Denn ob wirklich so viele kommerzartige Programme + 17,98 Euro pro Monat nötig sind um so wenige Inhalte, die kommerziell nicht finanzierbar sind (also Kultur sowie objektive und tiefgründige Nachrichten) bleibt, solange die Einnahmen und Ausgaben der Öffentlich-Rechtlichen so geheim gehalten werden, offen.

von Kay B - am 01.06.2013 23:12
Zitat
RheinMain701
Schau dir Frankreich an oder Tschechien; dort senden die öffentlich-rechtlichen Sender nicht ein einziges massentaugliches Programm, sondern bedienen ausschließlich Randgruppen. Trotzdem fordert niemand die Schließung von Radio France oder der CRo.

In Tschechien ist es mit dem Rundfunk eben umgekehrt wie in Deutschland.

Zwar bietet man dort beim Hörfunk nur Programme die keiner hört (wobei man dann aber so fair ist das man auch den Privaten Hörfunkanbietern starke Frequenzketten hat zukommen lassen und nicht nur einen Funzelteppich) dafür hat man aber beim Fernsehen Programme die wesentlich attraktiver sind als die deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme.

In Deutschland ist es eben so, das man beim Fernsehen mittlerweile kaum mehr was bietet was jüngere Zuschauer anspricht. Deshalb sind für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland die Pop-Radiowellen das einzige was in der (jüngeren) Bevölkerung überhaupt ankommt.

Vorallem muss man aber bedenken das von den 17,98€ Rundfunkgebühren ja 12,22€ ohnehin fürs Fernsehen sind, und nur 5,76€ für das Radio insgesamt.

Wenn man jetzt die Popwellen einstellen würde, dann könnte man die Rundfunkgebühren allenfalls um etwa 2€ senken, würde aber dann den grössten Teil der Bevölkerung garnicht mehr erreichen.

von Martyn136 - am 01.06.2013 23:56
Zitat
Chris_ BLN
Hast Du dazu Zahlen? Ich suche mir hier den Wolf. Bei diesen Bilanzdokumenten dreht sich mir das Hirn um, die beinhalten ja kaum Zahlen, sondern viel mehr widerliche Anpreisung für die Müllprogramme. Das kann auch erhellend sein, irgendwo stand fand ich sogar sinngemäß die Formulierung "die die Werbung umgebenden Programmelemente", womit der Schwerpunkt gleich genannt wurde: es geht nur um die Platzierung der Werbung. Für mich ist das eine zutiefst widerliche, perverse Parallelwelt. So etwas dürfte es in einer intakten Gesellschaft überhaupt nicht geben.

Bis auf eine Dokumentation, die ist lesbar: die KEF veröffentlich in ihrem Bericht exemplarisch u.a. die Programmkosten von MDR Jump, allerdings für das Jahr 2008. Bitte hier, S. 300. Dort sind 13.38 EUR je Sendeminute gesamte Sendezeit ausgewiesen. Macht also pro Tag 19267 EUR und pro Jahr damit 7 Mio EUR. Nehmen wir das mal als Größenordnung.

Die MDR-Werbung schreibt hier für das Jahr 2010 (achtung, anderes Jahr!) auf S. 13 etwas von knapp 11 Mio EUR "Erlöse aus Werbesendungen Hörfunk". Da das nicht weiter aufgesplittet ist, sollte dies die 4 Wellen MDR Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Jump betreffen. Jump erreicht überall weniger Hörer als die einstigen Heimatwellen, und zwar deutlich weniger als die Hälfte. Zahlen von 2013 (achtung, wieder anderes Jahr!): Tagesreichweite Jump 1.178 Mio, MDR Sachsen 1.038 Mio, MDR Sachsen-Anhalt 0.358 Mio, MDR Thüringen 0.479 Mio. Die Einser zusammen also 1.875 Mio, Jump 1.178 Mio. Damit grob 40% für Jump, was ich jetzt auch mal grob für die Werbeerlöse unterstelle. Die betrügen demnach etwa 4.4 Mio EUR, wenn man dieses lustige Äpfel-mit-Birnen-vergleichen-Spiel weitertreibt.

Damit hätten wir 4.4 Mio EUR Werbeerlöse und 7 Mio EUR Programmkosten. Selbst mit großer Unsicherheit durch die unterschiedlichen Jahre für die einzelnen Zahlen kommen wir hier nichtmal auf ein ausgeglichenes Ergebnis.

Hat also jemand zufällig echte Zahlen, die zeigen, wieviel Jump unterm Stich kostet oder einfährt? Also alle Kosten inkl. Verbreitungskosten gegen Werbeeinahmen durch bei Jump geschaltete Werbung. Würde mich nun wirklich sehr interessieren.


Nein,die Sender scheinen da tatsächlich eine Art Geheimnis um konkrete Zahlen zu machen.Ich habe mich jetzt auch mal durch diverse Dokumente gelesen.Ausser einem Brummschädel hat es mir nichts gebracht.

Man kann aber wohl schon davon ausgehen,das erfolgreiche und reichweitenstarke Programme wie SWR 3 schwarze Zahlen schreiben.Sonst würde da etwas deutlich falsch laufen.Die ÖR-Hörfunkwerbung ist ja weniger reguliert/begrenzt als die ÖR-Fernsehwerbung.

von UM74 - am 02.06.2013 02:36
Anbei ein Link, der die Aussagen der fast 300 Seiten der Doktorarbeit ganz gut zusammenfasst:
http://www.spiegel.de/kultur/tv/ndr-mitarbeiterin-anna-terschueren-klagt-ard-und-zdf-in-dissertation-an-a-902943.html

Unter der Überschrift "ARD und ZDF - zu viel Geld, zu wenig Leistung" wird sogar behauptet, dass ARD und ZDF wissentlich und absichtlich zu hohe Bedarfsanmeldungen an die KEF abgeben, da sie wissen, dass nur ein Bruchteil ihrer Forderungen von der KEF genehmigt werden. Falsche Bedarfsanmeldungen sind sicherlich unter juristischen Gesichtspunkten nicht ganz unproblematisch. Wörtlich heißt es:
Zitat
Es sei davon auszugehen, "dass die Rundfunkanstalten versuchen, das Höchstmögliche an Mitteln 'herauszuschlagen'."

Zitat
Die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs" (KEF) habe nur unzureichende Kontrollmöglichkeiten. Es gebe nur mangelhafte Anreize für die Rundfunkanstalten, "wirtschaftlich und sparsam zu arbeiten

Die Doktorarbeit wurde von einer ehemaligen NDR-Mitarbeiterin geschrieben. Es handelt sich hier also um "friendly fire".

Hier noch ein paar Aussagen der Arbeit:
- Werbung zielt auf Massengeschmack.
- Sponsoring engt Sportvielfalt ein.
- Die Rundfunkanstalten haben zu viel Geld.
- Kaum Infos in den Hörfunkprogrammen.

Das Fazit fällt vernichtend aus:
Zitat
"Angesichts der deutlichen Verfehlung des Funktionsauftrages sollte überlegt werden, ob der öffentlich-rechtliche Hörfunk in seiner gegenwärtigen Form überhaupt eine Daseinsberechtigung besitzt.



Natürlich wird sich bei ARD und ZDF nichts ändern, da die Politik ihre schützende Hand über diese Form des Staatsrundfunks hält. Wie sagte neulich ein Bundestagsabgeordneter in einem unautorisiertem Hintergrundgespräch so schön: Der Anteil an seichter Unterhaltung, möglichst unkritischer Berichterstattung und so wenig wie möglich an Hintergrundinfos soll bei den ÖRA`s ausgebaut werden. Die Chefredakteure der wichtigsten Tageszeitungen in Deutschland, als auch die Intendanten von ARD und ZDF bekommen nicht umsonst regelmäßige Einladungen bzw. Vorladungen ins Kanzleramt. Was uns noch stört, ist die Berichterstattung auf einigen Internetseiten, aber da sind wir dran, auf europäischer Ebene eine Bereinigung solcher Schmutzfinken zu erwirken. Die Leute sollen arbeiten gehen, Steuern zahlen, konsumieren und sich berieseln lassen. Kritisches Denken ist da eher unerwünscht.;-)

von transponder - am 02.06.2013 07:59
Zitat
UM74
Man kann aber wohl schon davon ausgehen,das erfolgreiche und reichweitenstarke Programme wie SWR 3 schwarze Zahlen schreiben.Sonst würde da etwas deutlich falsch laufen.Die ÖR-Hörfunkwerbung ist ja weniger reguliert/begrenzt als die ÖR-Fernsehwerbung.


Der Verstand sagt einem sowas, in der Tat. Weil: die Privaten müssen auch komplett gebührenfrei (über)leben und tun dies auch. Es ist zumindest für mich nicht vorstellbar, daß jemand in ABy, AThü oder SAW oder RSH oder FFH fortwährend Geld reinschiebt. Das wäre die Umkehrung des Existenzgrundes der Privaten. Nur manche kleineren Projekte sind bei den Privaten von Anfang an als Verlust angelegt, die bezwecken dann damit im Senderverbund andere Dinge (Frequenzblockade, ...).

Insofern wäre es tatsächlich oberschräg, sollte sich herausstellen, daß Programme wie Jump, hr3 oder SWR 3 zum Überleben zusätzlich Gebührengelder benötigen. Dann liefe bei denen effizienztechnisch derbe was schief.

Bei Jump zumindest ist folgendes bekannt: Gewinnspiele der richtig teuren Art werden nicht aus Gebühren, sondern ausschließlich aus Werbeeinahmen der MDRW finanziert. Als man dort vor einiger Zeit 15 (!) Audi A3 rausgehauen hat, sah man sich genötigt, das extra dazuzusagen, um gleich den Wind aus den Segeln derer zu nehmen, die in Jump kein öffentlich-rechtliches Programm erkennen können. Die MDRW argumentiert sogar so, daß dadurch, daß Werbeeinahmen (also "anonymes Geld" aus vielen kleinen Quellen) statt Sponsoring verwendet werden, keine Namensnennung erfolgen muß und das ganze damit nicht so penetrant wirkt, die Hörer also stattdessen ein bissl mehr "normale" Werbung ohne Murren schlucken, man also bitte in diesem Umfeld buchen möge.

Bilanzen wären da wirklich interessant. Sollte am Ende tatsächlich herauskommen, daß Jump nur existiert, um Werbung zu schalten und mittels dieser Erlöse dann Aktionen zu fahren, das Programm bekannter zu machen? Damit gäbe es nur einen Grund für die Existenz von Jump: Schädigung der Privaten durch Wettbewerbsverzerrung, ggf. sogar noch aus Gebührengeldern gespritzt. Überraschen würde mich das auch nicht mehr.

Ich versuche dazu mal was zu finden.

von Chris_BLN - am 02.06.2013 08:48
Zitat
chris_BLN
Seltsam. Ich kann bei Jump, hr1, hr3 und Konsorten für mich keinen Unterschied zum Privatfunk ausmachen. Alles ist strategisch durchgeplant, leblos, lieblos, aufgesetzt, unnatürlich, penetrant, belanglos, schäbig und sorgt bei mir für Aggression und Übelkeit, wenn ich dem irgendwo ausgesetzt werde. Also genau wie beim Privatfunk.

Genauso ist es doch auch. Der Hessische Rundfunk hat gerade einmal noch 2 (sic!, ZWEI) Angebote von 6, also 1/3 seiner Hörfunkangebote, die sich grundlegend von Privaten unterscheiden. Beim MDR, WDR und NDR ebenfalls nur noch zwei auf UKW.

Der Großteil wird also nach Privatfunkmaßstäben gefahren, obwohl einige dieser Programme werbefrei sind (Beispiel: NJOY). Mit diesen Angeboten wird ganz sicher kein Gewinn erwirtschaftet und Gedudel auf niedrigstem Niveau wird von Rundfunkgebühren finanziert. Ähnlich ist das auch bei SPUTNIK oder DASDING! Es gibt absolut keine Legitimation zur Veranstaltung dieser Programme seitens der ARD! Trotzdem werden es immer mehr. Da läuft etwas gewaltig schief.

Zitat
2
Das sehe ich auch so, das wird in der Tat passieren, und zwar bei geschätzt 80% der Bevölkerung.

Und was ist in Frankreich, Spanien, Tschechien, Polen, Italien etc.? Ähnlich große Staaten, die mit weitaus weniger massenkonformen Programmen auskommen als Deutschland und bei denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterhin seine Berechtigung hat!


Das sind anarchistische Randbewegungen! Gerade einmal 20 Facebook-Likes für die Seite bei über 300.000 Einwohnern in Bonn sind nicht der Rede wert. Wundert mich dass die Zeitung überhaupt darüber berichtet!

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4
Na hoffentlich! Der gerne übersehene Fakt ist doch: die verschmähte Kultur täte auch denen gut, die sie verschmähen. Die Werte, die da vermittelt werden, täten der gesamten Gesellschaft gut

Zustimmung!
Dann müsste man aber auch mehr Werbung für die Kulturangebote machen, damit die Leute darauf aufmerksam werden und damit Interesse geweckt wird! Ich bin mir sicher dass das Potential sehr hoch wäre, mehr Hörer für die Kulturangebote zu gewinnen, wenn die Masse davon erfährt.

von Hunsrücker - am 02.06.2013 10:22
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RheinMain701
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Seltener Besucher
Es stellt sich vielen Menschen die Frage warum sie für ÖR-Anstalten Gebühren bezahlen sollten, wenn diese nur auf WDR3, Bayern 2 und DLF reduziert würden. Wenn die meisten Menschen bei den ÖR keine Sendung mehr finden, die sie einschalten, wird sich die Frage nach ihrer Existenz stellen.

Schau dir Frankreich an oder Tschechien; dort senden die öffentlich-rechtlichen Sender nicht ein einziges massentaugliches Programm, sondern bedienen ausschließlich Randgruppen. Trotzdem fordert niemand die Schließung von Radio France oder der CRo.

Dann schau Dir Polen an, dort tendiert die Bereitschaft Rundfunkgebühren zu zahlen gegen 0. Das wird in Deutschland nicht anders sein. Gerade wenn DAB mehr Zuspruch erfährt, werden die Menschen mehr Auswahl Überall haben und bekommen x-Hitprogramme geliefert.


@Chris_BLN:
Im Bereich Fernsehen nutzen die Menschen die Privaten nur so lange, bis sie einmal ein Teil ihres Programms waren und sind dann bedient.

@transponder:
Wer sich politisch betätigt, weiß genau, dass immer der Rotstift angesetzt wird. ARD und ZDF wissen wie sie es drehen müssen, um ihr Geld zu bekommen. Das tun andere auch. Es wird immer doppelt so hohe Summe angesetzt als die Ausschüttung.

@Hunsrücker:
Polen hat nur zwei staatsfinanzierte landesweite Programme, davon ist ein Programm eine Wortwelle (PR 1). PR 2 und PR 4 haben einen Flickenteppich an Frequenzen mit vielen Löchern. Dem stehen RMF FM und Radio ZET entgegen, die in einigen Regionen 50 % Marktanteil verschlingen . Es ist anscheinend überall besser als da wo man gerade ist. Würde man in Spanien, Tschechien, Polen und Italien fragen, würde man uns beneiden, um die Stabilität und Staatsferne der ÖR-Programme.

http://radiotrack.pl/index.php/wyniki.html

Ich weiß nicht wer auf die Idee kommt UKW erneut zu belegen. Wenn UKW geräumt wird, dann für immer. Es kann doch nicht sein, dass die ÖR-Wellen UKW-Räumen und die Freqzenzen neu vergeben werden.

von Seltener Besucher - am 02.06.2013 10:55
@Martyn136
Leider kann ich deine Argumentation nicht ganz nachvollziehen. Wie du absolut richtig sagst, entfällt der Großteil der Gebühren aufs Fernsehen und nur ein kleinerer Teil aufs Radio. Wenn nun also die Popwellen eingestellt würden, könnte man die Gebühren nur geringfügig senken.

Doch warum soll wegen dieses kleinen Betrages der Rückhalt in der Bevölkerung wegfallen. Dann müssten ja jetzt schon 80% der Bürger sagen: Wir wollen nur noch 2 Euro zahlen, da der Rest (Gesamt-TV und Großteil der Radioprogramme) uns nicht interessiert und wir diese folglich nicht mehr mitfinanzieren möchten! Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Überwiegend wird die Bedeutung, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk zugesprochen bekommt, nämlich neutral, sachlich und hintergründig zu recherchieren und zu berichten und die Meinungsbildung zu fördern, anerkannt. Da geht es um mehr als Dudelprogramme oder "Elefant, Affe und Kuh". Es geht um seriöse Information, die man bei den Privaten nicht bekommt. Diese spricht Menschen aus allen Altersgruppen an und findet sowohl im Fernsehen als auch bei vielen Radiosendern statt.

Die Dudelfunker können hingegen ohne weiteres von den örtlichen Privaten ersetzt werden und jeder freut sich über 2 Euro mehr im Monat, das sind immerhin 24 Euro pro Jahr mehr in der Tasche!

@UM74
Zitat

Man kann aber wohl schon davon ausgehen,das erfolgreiche und reichweitenstarke Programme wie SWR 3 schwarze Zahlen schreiben.Sonst würde da etwas deutlich falsch laufen.Die ÖR-Hörfunkwerbung ist ja weniger reguliert/begrenzt als die ÖR-Fernsehwerbung.

Wenn diese Programme wirklich so erfolgreich sind frage ich mich aber warum man darüber hinaus noch werbefreie Dudelprogramme (SPUTNIK, DASDING, NJOY...) braucht, die den Gebührenzahler belasten. Dann könnte man diese Sparte komplett werbefinanziert laufen lassen und nur für die Kulturprogramme Gebühren einziehen. Das wäre ein mögllicher Weg aus meiner Sicht.

Zitat
Seltener Besucher
Polen hat nur zwei staatsfinanzierte landesweite Programme, davon ist ein Programm eine Wortwelle (PR 1). PR 2 und PR 4 haben einen Flickenteppich an Frequenzen mit vielen Löchern. Dem stehen RMF FM und Radio ZET entgegen, die in einigen Regionen 50 % Marktanteil verschlingen . Es ist anscheinend überall besser als da wo man gerade ist. Würde man in Spanien, Tschechien, Polen und Italien fragen, würde man uns beneiden, um die Stabilität und Staatsferne der ÖR-Programme.

Das ist jetzt aber auch stark übertrieben. Mit PR1 (Information), PR2 (Kultur), PR3 (Musik und Reportagen), PR4 (Polskie Radio Euro, Wissenschaft und Internationales) sowie den 17 Lokalradios ist man zwar zum Glück nicht so aufgebläht wie in Deutschland, hat aber dennoch ein gutes Angebot. Für die Interessen der Masse gibt es im dualen System die Privaten und diese haben auch starke Frequenzen.

Ich für meinen Teil finde auf dem UKW Band auch gerade einmal 3-4 hörbare öffentlich-rechtliche Angebote an meinem QTH und in Polen wären das auch nicht weniger (in jedem Falle PR1-4!).

von Hunsrücker - am 02.06.2013 11:27
In Tschechien gibt es mehr massentaugliche Programme als bei uns: Radio Impuls, Frequence1, Evropa2, Kiss ..., Hirtradio ..., diverse Lokalradios, ...

von Martyn136 - am 02.06.2013 11:33
In Tschechien hat man auch ordentlich mit den Frequenzen geklotzt; bei Genf 84 wurden immer Frequenzen jeweils für eine Stadt und das Umland koordiniert, obwohl immer nur eine von beiden nötig ist. So bekam man effektiv zehn landesweite Ketten - dadurch erklärt sich dann auch das große Angebot.

von RheinMain701 - am 02.06.2013 11:35
Diese Studie beschreibt den Jetzt-Zustand und berücksichtigt in keiner Weise die begonnene Zukunft.
Wenn wir berücksichtigen, dass im Internet etwa 2.000 deutsche Webradios und Hörfunksender zu empfangen sind, dann sind die 80+x ARD-Hörfunkwellen ein Witz dagegen. Nehmen wir an die Wellenkonferenz 2013 schafft Fakten und DAB-Umstieg wird zum Muss, dann stehen in allen Bundesländern 8-9 ARD-Hörfunkwellen etwa 80 privaten Hörfunkangeboten gegenüber.
Schon heute können die meisten Bundesbürger mehr Privatsender terrestrisch empfangen als ARD-Hörfunkprogramme. UKW-Oligopole fördern keine Wettbewerb. Der VPRT erweist sich als Vielfaltsverhinderer.

Jahre lang gab es von den Privaten nur Krokodilstränen, weil sie keine Frequenzen hatten, jetzt haben sie Frequenzen und wollen diese nicht. Schaut doch in die 80er und 90er zurück. Da haben sich RTL, SAT 1 und die Hörfunkveranstalter um jede Frequenz gestritten. Jetzt sagt der Staat wir haben ausreichend Frequenzen da, legt los. Dann fehlen ihnen die Konzepte. Die Quoten von RTL und SAT 1 kennen nur eine Richtung: Nach Unten! Erst haben sie ARD und ZDF kopiert, dann eigene Realität erfunden und die Menschen verarscht und jetzt fragen sie sich wo bleiben die Zuschauer. Die schaffen sich ihre eigene Realität im Web.

Im Hörfunk sieht es nicht anders aus. In NRW könnte jeder Privatsender von heute auf morgen über 60 % der Bevölkerung erreichen. Die Menschen würde sich auch neue Geräte für DAB kaufen. Es fehlt nur die Idee wie man diese Menschen überzeugt. 90elf hatte ein Konzept das überzeugt hat. War natürlich kein VPRT-Mitglied!

Konzeptlosigkeit bei dem ganzen VPRT. Außer zu sagen die ARD soll ihre Welle Räumen und wir kopieren ihre Programme dann auf UKW, haben die Jungs nichts drauf. Und es soll nach ein riesen Gewinn dabei herauskommen. Also wird es nichts aus dem Kopieren, sonst müssen sie noch Geld drauf legen. Es wird also schlechter kopiert.

Die Doktorarbeit ist so was von vorgestern. Zu beklagen, dass die ARD in zwei Ihrer Programme Werbung im Vorabendprogramm ausstrahlt ist doch albern. Wie viele Fernsehsender der ARD strahlen keine Werbung aus. Es muss keiner die Werbung schauen. Die Sendungen werden auch noch wiederholt ohne Werbung. Alle Dritten und alle Spartensender sind werbefrei. Schaut mal ins Ausland, ob überall die ÖR-Sender werbefrei sind. Da werdet Ihr alle überrascht sein. So ist eben nicht.

Wenn die ARD Hörfunkwellen auf Werbung verzichten, wird es bei den tagesbegleitenden Programmen nicht mehr Wortbeiträge geben. Es geht doch immer noch um Quote und der Quotendruck ist doch nicht nur der Werbung geschuldet, sondern auch der Daseinsberechtigung. Warum sollte 1 LIVE auf Hörer und Werbung verzichten wollen und diese den Privaten überlassen? So wie es arte im Fernsehen gibt, gibt es DRadio Wissen, 1 LIVE diggi und andere Spartenkanäle. Das Angebot ist da. Die Hörer nehmen es nicht an. Was hören die Menschen im Web, meisten das was sie von UKW kennen.

Wortbeiträge kosten Zeit und Geld, bringen aber nur wenig Hörer, wie man es an DLF und D-Radio Kultur sehen kann. Sonst würden die Privaten nur aus Wortbeiträgen bestehen, um weniger GEMA zu zahlen. Ich habe das Gefühl es wird hier eine Milchmädchenrechnung aufgemacht ohne zu fragen ob das Gegenteil wirklich zum erhofften Ergebnis führen würde. Schafft doch die ganze Werbung in der ARD ab, wer glaubt, dass am Ende arte und DRadio Kultur das Ergebnis sein werden, macht wirklich eine Milchmädchenrechnung auf.

Es würde mich nicht wundern, wenn die Damen bald den NDR verlässt und bei dem VPRT anfängt.


Zitat
Hunsrücker
Das ist jetzt aber auch stark übertrieben. Mit PR1 (Information), PR2 (Kultur), PR3 (Musik und Reportagen), PR4 (Polskie Radio Euro, Wissenschaft und Internationales) sowie den 17 Lokalradios ist man zwar zum Glück nicht so aufgebläht wie in Deutschland, hat aber dennoch ein gutes Angebot. Für die Interessen der Masse gibt es im dualen System die Privaten und diese haben auch starke Frequenzen.

Klar und eine Einschaltquote für PR 2, 4 und teilweise bei den regionalen Sendern bei 0,nix. Es geht um die Reichweite. Die Privaten haben doch nichts gegen die ARD, die soll nur die Frequenzen herausrücken, damit diese auf UKW Geld verdienen können und die ARD-Wellen sollen auf DAB verschoben werden.

von Seltener Besucher - am 02.06.2013 12:01
Quote Landesweit
PRIVAT:
25,5% Radio RMF FM
15,0% Radio ZET

ÖR:
10,1% PR 1 - Information
7,4% PR 3 - Tagesbegleiter
0,5% PR 2 - Kultur
0,4% PR 4 - Jugend

Quote Regional
0,4% PR RDC - Regionalsender Warschau
2,5% PR Lodz - Regionalsender
4,2% PR Katowice - Regionalsender
4,5% PR Krakow - Regionalsender
4,8% PR Wrocław - Regionalsender
5,4% PR Merkury - Posen - Regionalsender
10,9% PR Szczecin - Regionalsender

Quelle: MillwardBrown SMG/KRC, Jan.-März 2013

Das sind Wunschzahlen für den VPRT!

von Seltener Besucher - am 02.06.2013 12:09
Zitat
transponder
Die Doktorarbeit wurde von einer ehemaligen NDR-Mitarbeiterin geschrieben. Es handelt sich hier also um "friendly fire".


In den Quellen, die ich bislang gelesen hatte, stand immer nur "NDR-Mitarbeiterin". Gibt es irgendwo Infos, daß sie dort nicht mehr arbeitet?

Wobei es nach Veröffentlichung der Doktorarbeit sicher nicht einfach sein dürfte, dort weiterhin tätig zu sein... es wurden ja in dem Dokument quasi alle "Heiligen Kühe" der ÖR angetastet (Finanzbedarf, Programm, Werbung im ÖR, Daseinsberechtigung insgesamt, etc.). Das sorgt sicher nicht gerade für eine gute Stimmung unter den (ehemaligen?) Kollegen... ;)

cu talk

von talk - am 02.06.2013 14:20
Zitat
talk
Wobei es nach Veröffentlichung der Doktorarbeit sicher nicht einfach sein dürfte, dort weiterhin tätig zu sein... es wurden ja in dem Dokument quasi alle "Heiligen Kühe" der ÖR angetastet (Finanzbedarf, Programm, Werbung im ÖR, Daseinsberechtigung insgesamt, etc.). Das sorgt sicher nicht gerade für eine gute Stimmung unter den (ehemaligen?) Kollegen... ;)


Das glaube ich nicht. Sie hat nichts geschrieben, was die Öffentlich-Rechtlichen nicht bereits wissen. Es sieht eher ÖR-freundlich aus. Würde die Arbeit der VPRT schreiben, sehe es ganz anders aus.

von Seltener Besucher - am 02.06.2013 15:57
Zitat
RheinMain701
In Tschechien hat man auch ordentlich mit den Frequenzen geklotzt; bei Genf 84 wurden immer Frequenzen jeweils für eine Stadt und das Umland koordiniert, obwohl immer nur eine von beiden nötig ist. So bekam man effektiv zehn landesweite Ketten - dadurch erklärt sich dann auch das große Angebot.
Und warum hat Deutschland das dann nicht gemacht?

Gut, zu der Zeit gab es wahrscheinlich nur drei oder vier Radioprogramme. Aber man hätte damals ja auch in Deutschland an die Zukunft denken können. ;)

von Martyn136 - am 02.06.2013 21:13
@ Seltener Besucher

Zitat

Nehmen wir an die Wellenkonferenz 2013 schafft Fakten und DAB-Umstieg wird zum Muss, dann stehen in allen Bundesländern 8-9 ARD-Hörfunkwellen etwa 80 privaten Hörfunkangeboten gegenüber.
Schon heute können die meisten Bundesbürger mehr Privatsender terrestrisch empfangen als ARD-Hörfunkprogramme. UKW-Oligopole fördern keine Wettbewerb. Der VPRT erweist sich als Vielfaltsverhinderer.


Und was ist dann deine Schlußfolgerung daraus? Willst du den öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch mehr aufblähen, nur weil die privaten Anbieter möglicherweise mehr Programme bieten?

Das war meiner Meinung nach sowieso ein sehr großer Fehler, daß sich die Öffentlich-Rechtlichen wie Kinder im Sandkasten verhalten haben und unbedingt diese Flut von Spartenprogrammen starten mußten, nur aufgrund der gestiegenen Anzahl an Privatsendern. (Weil der Hans drei Sandburgen hat, brauche ich jetzt auch drei Sandburgen!)

Das ganze hat sich eher zu einer Sackgasse entwickelt. Ohne jetzt hier greifbare Zahlen zu haben, behaupte ich mal, daß der Stellenwert des Fernsehens aufgrund des stetig zunehmenden Individualkonsums von Audio- und Videoinhalten immer weiter abnehmen wird. Die Privaten leiden da offenbar sehr darunter und schrauben ihre Kosten auf ein Mindestmaß herunter, was zu diesen Schrottinhalten, die uns RTL, Sat. 1 und Co. heute vor allem tagsüber bieten, führt.

Die öffentlich-rechtlichen Programme, die in den 1990er Jahren zur Hochzeit des Privatfernsehens als Gegenstück zu der wachsenden Zahl an Privatsendern aus dem Boden gestampft wurden, können sich hingegen auf den derweil fixen Einnahmen in Form der Haushaltsabgabe ausruhen. :mad:

Wenn es durch die Möglichkeiten, die DAB bietet, mehr private Spartenprogramme gibt und die Öffentlich-Rechtlichen wieder meinen, sie müßten da unbedingt mit noch mehr Spartenprogrammen nachziehen, dann kommen wir in eine Situation, in der die privaten Spartenprogramme möglicherweise schon längst wieder aus dem Markt gedrängt wurden; die öffentlich-rechtlichen Programme hingegen weiter bestehen, weil sie ja durch uns zwangsfinanziert werden und damit von einer tatsächlichen Nutzung nicht abhängig sind.


Zitat

Jahre lang gab es von den Privaten nur Krokodilstränen, weil sie keine Frequenzen hatten, jetzt haben sie Frequenzen und wollen diese nicht. Schaut doch in die 80er und 90er zurück. Da haben sich RTL, SAT 1 und die Hörfunkveranstalter um jede Frequenz gestritten. Jetzt sagt der Staat wir haben ausreichend Frequenzen da, legt los.


Du schmeißt da zwei historisch ganz unterschiedliche Situationen einfach in einen Topf und rührst kräftig um.

1980er Jahre:
Sat-Empfang war aufwändig und sauteuer. Kabelfernsehen war noch in den Kinderschuhen. Der Standard-Empfangsweg, über den man Massen erreichen konnte, war die Terrestrik.

Ab circa Mitte der 90er Jahre:
Sat-Empfang war mit Empfangsanlagen aus dem Baumarkt für 199 DM möglich. Das Kabelnetz ist aus den Kinderschuhen. Die Terrestrik verliert aufgrund ihres beschränkten Angebotes von meist nur 3 Programmen quasi ihre Bedeutung.

Damit kann sich jeder ausmalen, wieso die Privatsender in den 1980er Jahren hinter jeden terrestrischen Funzel her waren, ab circa Mitte der 1990er Jahre diese Nachfrage aber sehr stark nachgelassen hatte.


Zitat

Dann fehlen ihnen die Konzepte. Die Quoten von RTL und SAT 1 kennen nur eine Richtung: Nach Unten! Erst haben sie ARD und ZDF kopiert, dann eigene Realität erfunden und die Menschen verarscht und jetzt fragen sie sich wo bleiben die Zuschauer.


RTL und Sat.1 haben ARD und ZDF kopiert??? Das mußt du mal genauer erläutern. Eher war es so, daß die ARD und das ZDF stets versucht haben, erfolgreiche Formate der Privatsender zu kopieren.

Was die Quotenentwicklung bei den Privaten angeht, stützt das meine Vermutung, daß der Stellenwert der traditionellen Medien Radio und Fernsehen immer weiter zurück gehen wird. Das wird einigen Leuten hier mit einem radiozentrischen Weltbild zwar nicht schmecken, aber man wird sich mit diesem Gedanken anfreunden müssen.


Zitat

Konzeptlosigkeit bei dem ganzen VPRT.


Klar herrscht da Konzeptlosigkeit. Und zwar weil wohl keiner so richtig weiß, in welche Richtung sich die traditionellen Medien Radio und Fernsehen hinentwickeln. Wer da zuverlässige Aussagen machen kann, wäre da ein sehr gefragter Mann.


Zitat

Die Doktorarbeit ist so was von vorgestern.


Dann schreib doch eine bessere Doktorarbeit. :rolleyes:

Wenn die Daten und die darauf basierenden Argumentationen nicht wasserdicht wären, hätte man diese Arbeit nicht so gut bewertet.


Zitat

Ich habe das Gefühl es wird hier eine Milchmädchenrechnung aufgemacht ohne zu fragen ob das Gegenteil wirklich zum erhofften Ergebnis führen würde. Schafft doch die ganze Werbung in der ARD ab, wer glaubt, dass am Ende arte und DRadio Kultur das Ergebnis sein werden, macht wirklich eine Milchmädchenrechnung auf.


Wie gesagt, du kannst ja selber das ganze mal wissenschaftlich erforschen und dokumentieren.


Zitat

Die Privaten haben doch nichts gegen die ARD, die soll nur die Frequenzen herausrücken, damit diese auf UKW Geld verdienen können und die ARD-Wellen sollen auf DAB verschoben werden.


An den UKW-Frequenzen der ARD-Anstalten wird wohl keiner rütteln können.

von Kay B - am 02.06.2013 21:18
Zitat
Martyn136
Zitat
RheinMain701
In Tschechien hat man auch ordentlich mit den Frequenzen geklotzt; bei Genf 84 wurden immer Frequenzen jeweils für eine Stadt und das Umland koordiniert, obwohl immer nur eine von beiden nötig ist. So bekam man effektiv zehn landesweite Ketten - dadurch erklärt sich dann auch das große Angebot.
Und warum hat Deutschland das dann nicht gemacht?

Die Tschechen waren schlau und haben die Frequenzplaner in Genf in gewisser Weise reingelegt. Allerdings haben die auch im Gegensatz zu D keinen Föderalismus sodass dort von vornherein mehr Frequenzen geplant werden konnten.

In der DDR wiederum schaffte man es die Frequenzen besser zu nutzen; so gibt es dort eine Kette mehr als im Westen - bis zu sieben in Meck-Pomm.

von RheinMain701 - am 02.06.2013 21:28
Passt sicher hier gut rein:
Zitat
Deutschlandfunk
Quote, Quatsch und Qualität
Der Fernsehmarkt und seine Währung
Von Barbara Sichtermann und Simon Brückner
Die Quote als Währung für Werbung und Maßstab für Erfolg im Fernsehen gerät immer dann in die Debatte, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender höhere Gebühren wollen und die kommerziellen noch mehr Trash bieten. Gefährden ARD und ZDF ihren Kulturauftrag zugunsten höherer Einschaltquoten? Und geben die Privatsender mit ihren Tabubrüchen nicht längst die Richtung vor? Was verbirgt sich hinter der scheinbar schlichten Rechengröße, die wir Quote nennen, wie wird sie erhoben, wie interpretiert, und: Steuert sie wirklich das Geschehen in den Sendeanstalten?

Auf solch knifflige Fragen antworten der Chef des Grimme-Instituts Uwe Kammann, der Geschäftsführer der GfK-Fernsehforschung, Michael Darkow, der Dokumentarfilmer und Mitglied der Deutschen Film- und Fernsehakademie, Hubertus Siegert, der Teamworx-Produzent Benjamin Benedikt und der ZDF-Redakteur Alexander Bickel.

Deutschlandfunk
Freitag 7. Juni 2013, 19:15 Uhr, Dossier

von Hunsrücker - am 04.06.2013 11:43
Zitat

Aber warum sollten sich die Werbeeinnahmen nochmals vervielfachen nur weil mehr solcher Programme auf UKW verbreitet werden? Der Konkurrenzkampf bei den Hitdudlern würde nur noch härter und die öffentlich-rechtlichen Werbesender würden sich gegenseitig die Hörer und Werbekunden wegnehmen. Das was du vorschlägst ist ja quasi der Weg den der hr geht (auch wenn er die Verbreitung seines Kulturprogrammes auf UKW nur teilweise und nicht komplett einstellt). Nun gibt es zwar mehr Hitdudler auf UKW in Hessen, aber nicht automatisch mehr Werbekunden und Hörer!

Man könnte versuchen Anhänger anderer Musikarten zu gewinnen, die bislang auf MP3/Internet ausweichen. Oder aber man versucht den Konkurrenzkampf gegen die Privaten zu gewinnen.
Ob sowas finanziell wirklich funktionieren würde ist natürliche eine andere Frage.

Die öffentlich-rechtlichen Anbieter haben auch einen Unterhaltungsauftrag; der scheint mir in dem was ich bisher über die Arbeit gelesen habe etwas zu kurz darin zu kommen.

von Zwölf - am 04.06.2013 19:36
Zitat
Zwölf
Die öffentlich-rechtlichen Anbieter haben auch einen Unterhaltungsauftrag; der scheint mir in dem was ich bisher über die Arbeit gelesen habe etwas zu kurz darin zu kommen.

Bei einigen Sendern, wie SWR1, SWR4, SR3 Saar, Bayern plus oder Bremen Eins gelingt die gesunde Mischung aus Information und Unterhaltung doch perfekt. Es erschließt sich mir nicht warum die Ö-Rs regelrechte - noch dazu werbefreie - Blödelprogramme wie NJOY, Unser Ding oder SPUTNIK produzieren müssen. Die bringen keine Einnahmen (Werbefreiheit!), belasten den Gebührenzahler und bringen nichts als Jux und Dudelpop. :-( Diese Programme gehören im Jahr 2013 abgeschafft! Es ist eine Unverschämtheit der ARD dass wir für so einen Mumpitz zahlen müssen.

von Hunsrücker - am 04.06.2013 19:45
Zitat

Es erschließt sich mir nicht warum die Ö-Rs regelrechte - noch dazu werbefreie - Blödelprogramme wie NJOY, Unser Ding oder SPUTNIK produzieren müssen. Die bringen keine Einnahmen (Werbefreiheit!), belasten den Gebührenzahler und bringen nichts als Jux und Dudelpop. :-( Diese Programme gehören im Jahr 2013 abgeschafft! Es ist eine Unverschämtheit der ARD dass wir für so einen Mumpitz zahlen müssen.

Neben den rein inhaltlichen, idealistischen Zielen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Information, (Unterhaltung) und Bildung) ; gibt es auch die Idee, dass öffentlich-rechtliches Radio für die gesamte Bevölkerung da sein soll, und nicht nur für Personen mit einem Radiogeschmack der einem elitär definiertem "anspruchsvollen/guten Geschmack" entspricht. Für bestimmte Altersgruppen soll so gezeigt werden, dass man auch für sie da ist und dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk nicht nur Programm im Interesse einer kleinen (mehr oder minder elitären) Minderheit produziert. Denn gerade das würde die Daseinsberechtigung des ö.-r. Rundfunks in einer modernen Welt gefährden. An der Stelle sei daran erinnert, dass es durchaus auch private Programme gibt, die Kultursendungen anbieten; vielleicht weniger neutral und weniger professionell, aber immerhin, es gibt sie,... wenn auch i.d.R. nicht auf kommerzieller Basis.

von Zwölf - am 04.06.2013 20:19
@ Zwölf

Zitat

Die öffentlich-rechtlichen Anbieter haben auch einen Unterhaltungsauftrag; der scheint mir in dem was ich bisher über die Arbeit gelesen habe etwas zu kurz darin zu kommen.


Im Fernsehen ist es wohl eher so, daß sie die Unterhaltungsbedürfnisse von älteren Hausfrauen und Senioren gut bedienen.

Was die Unterhaltung jüngerer Generationen betrifft, überlassen die Öffentlich-Rechtlichen die ganzen Topserien und Spielfilme quasi komplett den Privaten und meinen, dies durch Eigenproduktionen ersetzen zu können.

Herausgekommen sind da bisher nur pädagogisch gesteuerte und höchst peinliche Serien und Sendungen, z.B. X-Base oder Das Bloghaus.

Was die Unterhaltung betrifft, lastet den Öffentlich-Rechtlichen seit den frühen 1990er Jahren stark das Image der Seniorensender an. Ob man nach über zwanzig Jahren von diesem Image wieder los kommt, ist fraglich.

Man sollte die Öffentlich-Rechtlichen von ihrem Unterhaltungsauftrag entbinden, ihre Programmzahl reduzieren und dafür die Aufgabe einer neutralen und objektiven Berichterstattung hervorheben.

von Kay B - am 04.06.2013 20:39
@Kay B
Zitat
1
Neben den rein inhaltlichen, idealistischen Zielen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Information, (Unterhaltung) und Bildung) ; gibt es auch die Idee, dass öffentlich-rechtliches Radio für die gesamte Bevölkerung da sein soll, und nicht nur für Personen mit einem Radiogeschmack der einem elitär definiertem "anspruchsvollen/guten Geschmack" entspricht.

Die von mir genannten Programme wie Bremen 1, SWR4, SR3 oder auch Bayern 1 sind keinesfalls für eine "elitäre" Zielgruppe. Es sind auch Massenprogramme (die Werbung ausstrahlen, also mit den Privaten in Konkurrenz treten MÜSSEN), aber dennoch ist man gut informiert und unterhalten, aber trotzdem noch auf einem gewissen Niveau, welches ich keinesfalls als "elitär" bezeichnen würde. Der Landwirt aus Gundelfingen hört genauso Bayern 1 wie der mittelständische Unternehmer aus München. Was bitte ist an diesen Programmen "elitär"?

Zitat
2
Für bestimmte Altersgruppen soll so gezeigt werden, dass man auch für sie da ist und dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk nicht nur Programm im Interesse einer kleinen (mehr oder minder elitären) Minderheit produziert

Den Willen dazu schätze ich auch sehr da schließlich alle Gebühren zahlen müssen. Aber wenn man es doch offensichtlich nicht kann und nur den 200. Hitdudler unter dem Pseudonym "Jugendradio" raushaut ist das nur Gebühren- und Frequenzenverschwendung.

Es gibt aber auch gut gemachte ö-r Jugendprogramme wie das bayerische PULS oder FM4 unserer österreichischen Nachbarn. Die Mehrzahl ist nur leider überflüssig, da die Hörer problemlos auf die jeweils zuständigen Hitwellen zurückgreifen könnten, wovon sie sich kaum unterscheiden.

Zitat
3
An der Stelle sei daran erinnert, dass es durchaus auch private Programme gibt, die Kultursendungen anbieten; vielleicht weniger neutral und weniger professionell, aber immerhin, es gibt sie,... wenn auch i.d.R. nicht auf kommerzieller Basis.

Ja, wie z.B. das Projekt "Radio Opera" http://www.radio-opera.fm/ das auch über UKW Frequenzen in Franken zu empfangen ist. :spos:

Zitat
4
Was die Unterhaltung jüngerer Generationen betrifft, überlassen die Öffentlich-Rechtlichen die ganzen Topserien und Spielfilme quasi komplett den Privaten und meinen, dies durch Eigenproduktionen ersetzen zu können.

Auch da muss ich dir vollkommen Recht geben. Das kann z.B. der ORF mit seinem ersten Programm besser.

Zitat
5
Man sollte die Öffentlich-Rechtlichen von ihrem Unterhaltungsauftrag entbinden, ihre Programmzahl reduzieren und dafür die Aufgabe einer neutralen und objektiven Berichterstattung hervorheben.

:spos: auch wenn es wohl nie so kommen wird...

von Hunsrücker - am 04.06.2013 21:01
@ Hunsrücker

Die ersten drei Zitate stammen von Zwölf und nicht von mir.

von Kay B - am 04.06.2013 21:05
Zitat

Die von mir genannten Programme wie Bremen 1, SWR4, SR3 oder auch Bayern 1 sind keinesfalls für eine "elitäre" Zielgruppe.

Damit bezog ich mich mehr auf den Autor, nachdem wohl auch die von dir genannten Programme nicht notwendig wären, sondern nur die Kulturprogramme. Allerdings frage ich mich schon, wie der Autor zu dem Schluss kommt, dass der öffentlich-rechtliche Hörfunk keine Daseinsberechtigung mehr hätte - da unterschlägt man einfach mal eine Rundfunkanstalt die dem öffentl.-r. Ideal entspricht (DRadio) vollkommen.
Auch die Aussagen zu Werbung im Fernsehen sind m.E. völlig überzogen; wie viel Werbung zeigen die pro Tag? - 20min? Auf wie viel Programmen? 2? Wem das Vorabendprogramm im Ersten/ZDF nicht behagt der muss es nicht schauen; auf den Dritten, 3sat, arte oder Phoenix wird er bestimmt fündig was streng ö.-r. Inhalte angeht.

Zitat

Was die Unterhaltung betrifft, lastet den Öffentlich-Rechtlichen seit den frühen 1990er Jahren stark das Image der Seniorensender an. Ob man nach über zwanzig Jahren von diesem Image wieder los kommt, ist fraglich.

Das denke ich schon, zumindest was die nachwachsenden Generationen angeht. Mit KiKa ist da ein Grundstein gelegt, jetzt bräuchte es halt noch einen passenden Anschluss.

Nebenbei sei erwähnt, dass bei ARD und ZDF schon auch gelegentlich gute Spielfilme laufen, aber halt selten und zu ungünstigen Zeiten. Selbst auf arte liefen kürzlich die Star-Trek-Filme. Traurig aber wohl wahr: Solche Spielfilme sind die Quoten-Hits von arte und der Rest wird von der Mehrzahl an Leuten als verzichtbar angesehen. Arte hatte letztes Jahr einen Marktanteil von 0,8%; würden Das Erste und das ZDF auch nach diesem Muster gestaltet werden (und es klingt ja in dem Aufsatz als sollten sie so werden) dann würden die Quoten ähnlich tief liegen und die Frage der Daseiensberechtigung des ö.-r. Systems würde noch viel mehr in Frage gestellt werden.

von Zwölf - am 05.06.2013 04:49
@ Zwölf

Zitat

Das denke ich schon, zumindest was die nachwachsenden Generationen angeht. Mit KiKa ist da ein Grundstein gelegt, jetzt bräuchte es halt noch einen passenden Anschluss.


Dann hätte es diesen passenden Anschluß aber schon vor gut 10 Jahren gebraucht. Den Kinderkanal gibt es jetzt auch schon über 16 Jahre. Und diejenigen, die damals 1997 zur Zielgruppe gehörten, sind heute oft selbst schon Eltern.

Man müßte sich sowieso mal mit der Frage beschäftigen, wie sich der Stellenwert des Medium Fernsehens noch entwickelt. Aber da scheint sich wohl niemand so recht ranzutrauen. Es dürfte sowohl für die Öffentlich-Rechtlichen wie auch für die Privaten eine Horrorvorstellung zu sein, daß das traditionelle Fernsehen irgendwann mal fast vollständig durch Individualkonsum ersetzt werden könnte.


Zitat

Das Erste und das ZDF auch nach diesem Muster gestaltet werden (und es klingt ja in dem Aufsatz als sollten sie so werden) dann würden die Quoten ähnlich tief liegen und die Frage der Daseiensberechtigung des ö.-r. Systems würde noch viel mehr in Frage gestellt werden.


Gäbe es noch so viele öffentlich-rechtliche Sender wie heute, die dann alle diese Zuschauerquoten von 0,xxx % hätten, dann wäre die Existenzberechtigung zu Recht in Frage gestellt. Würde man die Programmzahl wieder deutlich reduzieren, dürfte deren Existenz weniger angreifbar sein, da sie auch weniger kosten.

Man sollte sich immer die Frage der Verhaltnismäßigkeit stellen. Ganz egal, ob auf kommunaler Ebene, Landesebene oder Bundesebene. Das Beispiel mit dem Theater in der hießigen Kreisstadt habe ich ja schonmal erwähnt. Statt einfach die notwendige Renovierung umzusetzen, hat ein kulturverrückter Beamter das Ding mittels eines riesigen Anbaus erweitern lassen. Und das obwohl sich die Besucherzahl sehr in Grenzen hält. Durch sowas wurde einem zwar kaum genutzten, aber dennoch erhaltenswerten Theater das Image einer Geldvernichtungsmaschine aufgedruckt.

Ähnlich könnte es mit dem öffentlich-rechtlichen Sendern laufen, wenn sie sich weiter mit kaum genutzten Angeboten aufblähen, anstatt die Inhalte auf einige wenige Programme zu konzentrieren und damit dem Image einer Geldvernichtungsmaschine auszuweichen.

von Kay B - am 05.06.2013 12:58
Das größte Problem des dt. ÖR ist eine große Ineffizienz. Es kommt bei dem vielen Geld zu wenig dabei raus. Und zwar inhaltlich. Die Diskussion über zuviele Programme etc. ist für mich zweitrangig, da die die großen Kosten nicht verursachen. Wenn das ZDF zB einen Spartenkanal wie kultur einstellt, dann spart das einen Minibetrag (20 Mio. pro Jahr). Die harte Wahrheit ist, dass einfach die Verwaltungen zu aufgebläht sind, und einfach viele zu wenig leisten. Sie sagt recht freundlich durch die Blume: es herrscht der Schlendrian. Die Kohle fließt, der Leistungsdruck ist in vielen Bereichen nicht da.
Dann wird viel doppelt und dreifach parallel gearbeitet. Sah man ja schön an der Diskussion vom NSU Prozess. Da hatte die ARD gleich ein paar Leute drin (BR, MDR,..) und das ZDF nochmal jemanden. Oder oft zu sehen, gleich drei WDR Mikros im Bild, fürs TV, fürs Radio, und noch mal für die ARD.
Um zu sehen dass es auch anders geht muss man nur ins Ausland schauen, zB nach Skandinavien oder England. Dort steht den ÖR Sender weniger Geld zur Verfügung, es wird aber mehr abgeliefert.
Ich bin immer für den ÖR gewesen und bin es immer noch. Aber es müsste endlich mal durchgegriffen werden. Für 7,5 Milliarden kommt zuwenig dabei raus. Nicht zu wenige Programme, sondern zu wenig Inhalt. Und nein, die ÖR sollen nicht groß in den USA einkaufen, (macht zB die BBC auch nicht) sondern man muss selber mehr machen. Das wird aber nur gehen, wenn der Druck auf die Sender von den Länderpolitikern wächst, endlich effizienter zu arbeiten.

von Terranus - am 05.06.2013 15:19
Zitat
Kay B
Die ersten drei Zitate stammen von Zwölf und nicht von mir.

Oh Verzeihung. War schon etwas müde gestern Abend. ;)

Zitat
Zwölf
Damit bezog ich mich mehr auf den Autor, nachdem wohl auch die von dir genannten Programme nicht notwendig wären, sondern nur die Kulturprogramme

Da stimme ich dir in gewissem Maße zu: Solange die ARD noch den Unterhaltungsauftrag hat, müssen eben auch Unterhaltungsprogramme in verschiedenen Genres für verschiedene Zielgruppen veranstaltet werden. Nur sollte sich das ganze in Grenzen halten und nicht so ausufern wie aktuell in Deutschland wo 80% der ARD-Radios Unterhaltungsprogramme sind und die meisten mit fast derselben Musikrichtung und Zielgruppe. Da könnte man einiges streichen, dann wird das UKW Band auch wieder etwas freier.

Aktuell gibt es z.B. allein 15 öffentlich-rechtliche Vollprogramme mit Genre "Pop/Rock Modern", also AC/CHR in Deutschland- die Oldieprogramme ausgenommen. Soviel findest du in KEINEM anderen Land in Europa. Auch vergleichbare Länder wie GB, Spanien oder Frankreich haben bei weitem nicht so viele gleiche Sender! Das ist einfach unverhältnismäßig. Wenn es schon den Föderalismus gibt, reicht es dann nicht wenn jede RF Anstalt EIN AC/CHR-Programm produziert? Müssen es 2 und teils sogar noch mehr sein? :mad:

Zitat
2
da unterschlägt man einfach mal eine Rundfunkanstalt die dem öffentl.-r. Ideal entspricht (DRadio) vollkommen.

Das Problem ist nur dass die DRadios in vielen Landesteilen ohne Mittelwelle, die in wenigen Jahren abgeschaltet wird, gar nicht hörbar ist, da die UKW Frequenzen in vielen Bundesländern zuerst an die regionale RF Anstalt, dann zu den Privaten und zuallerletzt der Abschaum an die DRadios vergeben wurde. So hat man zwar ein gigantisches Funzelnetz, guter Moblempfang ist meist dennoch nicht möglich! Und DAB+ ist meist gerade in den Regionen noch nicht ausgebaut, wo die meisten weißen Stellen auch auf UKW sind (wie Rheinland-Pfalz). Das ist also (noch) keine Alternative.

Man sieht dass es funktionieren kann auch Wortprogramme populär zu machen, am Beispiel Frankreichs. Dort gibt es gleich mehrere (private wie ö-r) Wortprogramme flächendeckend auf UKW und diese sind auch unter den meistgehörten Programmen (Inter, RTL, Europe 1...) Es ist also durchaus Potential da, nicht nur Dudelprogramme können Massen ansprechen.

Zitat
3
Das denke ich schon, zumindest was die nachwachsenden Generationen angeht. Mit KiKa ist da ein Grundstein gelegt, jetzt bräuchte es halt noch einen passenden Anschluss

Aber da helfen Dutzende aus dem Boden gestampfte "Digitalprogramme" auch nicht viel: Man sieht wie gering z.B. der Marktanteil von ZDF_neo ist. Man sollte es wirklich so machen wie beim ORF - mehr "jugendkonforme" Inhalte ins erste Programm!

Zitat
Kay B
Man müßte sich sowieso mal mit der Frage beschäftigen, wie sich der Stellenwert des Medium Fernsehens noch entwickelt. Aber da scheint sich wohl niemand so recht ranzutrauen. Es dürfte sowohl für die Öffentlich-Rechtlichen wie auch für die Privaten eine Horrorvorstellung zu sein, daß das traditionelle Fernsehen irgendwann mal fast vollständig durch Individualkonsum ersetzt werden könnte.

Ich denke schon dass das Fernsehen als "Berieselung" noch viele Jahre erhalten bleiben wird - über welche Empfangswege ist eine andere Frage. Zur Entspannung will man sich eben nicht alle paar Minuten seine Inhalte aus irgendeiner Mediathek zusammensuchen sondern ein Programm einschalten und nichts weiter tun! Das ist auch der Grund warum "Personal Radio" kaum genutzt wird: Dem Durchschnittshörer ist es egal wenn auch einmal ein Lied oder Beitrag läuft der ihn nicht interessiert/anspricht. Aber alle paar Minuten irgendwo draufklicken was einem gefällt und was man sich zusammenstellt ist wohl mehr Arbeit als Genuss!

von Hunsrücker - am 05.06.2013 15:31
@ Terranus

Zitat

Das größte Problem des dt. ÖR ist eine große Ineffizienz. Es kommt bei dem vielen Geld zu wenig dabei raus. Und zwar inhaltlich.
(...)
Die harte Wahrheit ist, dass einfach die Verwaltungen zu aufgebläht sind, und einfach viele zu wenig leisten. Sie sagt recht freundlich durch die Blume: es herrscht der Schlendrian. Die Kohle fließt, der Leistungsdruck ist in vielen Bereichen nicht da.


:spos:


Zitat

Die Diskussion über zuviele Programme etc. ist für mich zweitrangig, da die die großen Kosten nicht verursachen. Wenn das ZDF zB einen Spartenkanal wie kultur einstellt, dann spart das einen Minibetrag (20 Mio. pro Jahr).


Die Öffentlich-Rechtlichen werden sich während sie die ganzen Spartenkanäle etabliert haben, aber nicht nur im Bereich der Programmzahl, sondern auch im Bereich der Verwaltung aufgebläht haben.


Zitat

Und nein, die ÖR sollen nicht groß in den USA einkaufen, (macht zB die BBC auch nicht) sondern man muss selber mehr machen.


Gut, aber wie gesagt, gerade im Bereich der Unterhaltung für Teenager kommt da an Eigenproduktionen immer nur dieser peinliche Pädagogenkram raus.

Gerade eben mit diesem Verzicht auf eingekaufte US-Ware seit den frühen 1990er Jahren haben sich ARD und ZDF ja derart abgeschossen, daß sie im Unterhaltungsbereich nur noch als Seniorensender gelten.

Wie schnell z.B. das ZDF dieses Image scheinbar unumkehrbar inne hatte, zeigte die Übernahme von Bravo TV. Die Sendung hatte bei RTL 2 damals Top-Quoten. Im ZDF sendete man irgendwie ins Leere.




@ Hunsrücker

Zitat

Oh Verzeihung. War schon etwas müde gestern Abend. ;)


Macht nix. Ich mußte nur rätseln, wo ich das geschrieben haben soll. :joke:


Zitat

Das Problem ist nur dass die DRadios in vielen Landesteilen ohne Mittelwelle, die in wenigen Jahren abgeschaltet wird, gar nicht hörbar ist (...)


Deswegen ja jetzt der Strategiewechsel, Geld durch die Abschaltung der AM-Sender einzusparen und es in den DAB-Ausbau zu investieren.


Zitat

(...) da die UKW Frequenzen in vielen Bundesländern zuerst an die regionale RF Anstalt, dann zu den Privaten und zuallerletzt der Abschaum an die DRadios vergeben wurde.


Ist das echt so? In NRW hatte man die 96,5 von BFBS bekommen. In Augsburg die 100,0 von AFN.


Zitat

Man sollte es wirklich so machen wie beim ORF - mehr "jugendkonforme" Inhalte ins erste Programm!


Ja, das schon. Die beiden Hauptprogramme haben aber nunmal seit über 20 Jahren im Unterhaltungsbereich ihr Seniorenimage kontinuierlich aufgebaut und gepflegt.

von Kay B - am 05.06.2013 20:08
Zitat
Kay B
Ist das echt so? In NRW hatte man die 96,5 von BFBS bekommen. In Augsburg die 100,0 von AFN.

Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die genauen Bestimmungen für jede einzelne Region kenne ich nicht, jedoch ist es hier in Rheinland-Pfalz offensichtlich so dass sich erst alle anderen (LMK, SWR) bedienen dürfen quasi nach Gutdünken, und dem DRadio kaum mehr als ein paar Stadtfunzeln bleiben. In RP gibt es gerade einmal EINEN DLF-Sender mit mehr als 1kW Leistung, und bei DKULTUR überhaupt nur Funzeln mit einer maximalen Leistung von 0,4 kW (Sender Mainz). Das ist schon bedauerlich wenn man bedenkt, dass in manchen Landesteilen sogar DASDING und die Radiogroup Sender besser empfangbar sind auf UKW als DLF und DKULTUR als bundesweit wichtigste öffentlich-rechtliche Programme. :rolleyes:

von Hunsrücker - am 05.06.2013 20:48
@ Hunsrücker

Zitat

(...) DLF und DKULTUR als bundesweit wichtigste öffentlich-rechtliche Programme.


Ob der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur die wichtigsten öffentlich-rechtlichen Programme sind, nur weil sie bundesweit senden, sei mal dahin gestellt.

Der Deutschlandfunk sendete doch ursprünglich für die DDR und hatte deshalb eher in Bundesländern an der ehemaligen innerdeutschen Grenze leistungsstarke Frequenzen bekommen.

Und das Deutschlandradio Kultur als Zusammenschluß von RIAS 1 und dem Deutschlandsender der DDR gibt es auch erst seit rund 20 Jahren. Das konnte demnach auch nur auf die ehemaligen Frequenzen von RIAS 1 und des Deutschlandsenders zugreifen.

Wo sollten da bitteschön in den 90ern Jahren in den Gebieten abseits der innerdeutschen Grenze aufeinmal neue, leistungsstarke und weitrechende Frequenzen herkommen?

von Kay B - am 06.06.2013 11:24
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