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Züri-Wälle TV Kabel-Pirat in der Schweiz um 1985

Startbeitrag von Manuel M. - Bonn am 08.09.2013 17:11

Durch Zufall bin ich auf Youtube auf die Mitschnitte von Zür-Wälle TV gestoßen.

http://youtu.be/HWjOI-cj4zE
http://youtu.be/zDcl1I8bRKU
http://youtu.be/hwgu57kVeyI

Beitrag der Sendung Karussell vom Schweizer Fernsehen:
http://youtu.be/CUX-DGHBins

Es handelt sich um einen Fernsehsender, die wohl in den Jahren 1984 - 1985 mehrere Sendungen ausstrahlte. Hierfür hat man im Züricher Rediffusions-Kabelnetz illegal den Kanal 5 genommen. Nach Sendeschluss des dort aufgeschalteten ORF 1 hat man sich irgendwie in den Zeitschlitz zwischen Abschaltung des ORF-Senders und des Rediffusions-Testbild gesetzt und konnte so im gesamten Kabelnetz ungehindert senden.

Auf Youtube gibt es leider nur den Mitschnitt einer einzigen Sendung. Mich interessiert, ob das Thema damals jemand von Euch verfolgt hat und was aus den Leuten geworden ist. Interessant ist für mich auch, wie man es damals geschafft hat, sich in das Kabelnetz einzuklinken.

Antworten:

Letztendlich öief das so wie in anderen Ländern auch.
Die Auslandsprogramme wurden irgendwo terrestrisch empfangen. Nach Abschaltung des Senders war der Kanal frei und es wurde das Testbild vom Kabelnetzbetreiber aufgeschaltet. Kam wieder ein Signal, wurde es eingespeist. Da mußte also kein kurzer Zeitschlitz genutzt werden, man hatte Zeit bis zum Sendestart am nächsten morgen.
Die Piraten mußten also nur warten bis der Sender im Ausland abgeschaltet wurde und dann den eigenen Sender, ausgerichtet auf die Empfangsantenne der Kopfstelle, einschalten. Schon war man im Kabel. Im einfachsten Fall reichte dazu ein Videorekorder und ein Verstärker aus.

von Marc_RE - am 08.09.2013 18:34
Ist ja Genial.
Das es sowas mal gab ist mir neu.

Es war ja damals sehr einfach ins Kabelnetz zu kommen.

Auf diese idee muss man erst kommen. Und vor allem muss man davon ahnung haben z.b wann abgeschaltet wird und wie man die technik einsetzt.

Sehr interessant.:spos:

von UKW vs. DAB+ - am 08.09.2013 19:15
Ja, hier ist das auch eigentlich ganz klar:
Der Kanal, auf dem Züri Wälle lief, war Kanal 5, das sieht man daran, dass es auf dem Kanal von ORF 1 lief. ORF 1 lief analog auf dem Kanal 5 vom Pfänder (das ist der zuständige Senderstandort des ORF für die Schweiz); auch auf dem Starbild von Züri Wälle zeigt es ja die ZW, dass sie auf Kanal 5 sendeten. So sendete Züri Wälle in direkter Sichtverbndung von der Rediffusions-Empfangs-Kopfstation und sendeten drauf los, und schon war das Signal im Kabelnetzt drin.

von dxbruelhart - am 08.09.2013 19:16
Das Phänomen war früher in NL weit verbreitet und auch ausgenutzt. Wer kein kabel hatte besitzte eine drehbare UHF Antenne und schaute einfach zu. Vor allem in noord Holland sieht man viel Häuser mit ein rotor auf dem Dach.

von Jassy - am 08.09.2013 19:25
Und die "Porno-Harken" :D.

von WiehengeBIERge - am 08.09.2013 19:28
Zitat
WiehengeBIERge
Und die "Porno-Harken" :D.


?

Sorry noch nie gehört/gesehen.

von UKW vs. DAB+ - am 08.09.2013 19:33
http://www.youtube.com/watch?v=emvfjsZnx4A
http://www.youtube.com/watch?v=FsA_7dcC9Os
http://www.youtube.com/watch?v=9d6ZGvKHiH0
http://www.youtube.com/watch?v=EsHwSr6XYLc
http://www.youtube.com/watch?v=cN6J8AuUqB4
http://www.youtube.com/watch?v=_JexYmWPc6c

Gibt auch mehrere Beiträge dazu hier, einfach mal suchen. Züri-Wälle war hier auch schon mal Thema, ich meine sogar, die YT-Videos von oben wurden hier auch schon mal verlinkt.
Den Beitrag wo der Begriff "Porno-Hark" gefallen ist finde ich gerade nicht.

von WiehengeBIERge - am 08.09.2013 19:48
Das mit Holland war in den 80érn auch in der ARD einmal thematisiert worden. In dieser
Sendung (kann mich an den Namen nicht mehr erinnern) wurde auch berichtet,
dass die niederländischen Kabelbetreiber nach Sendeschluss der deutschen Sender die
einzelnen Kanäle abgeschaltet haben um dieser Piraterie vorzubeugen.
Die Antwort der holländischen Piraten erfolgte sofort indem die Kabelstreckenverstärker/verteiler
an den Bürgersteigen zerstört wurden. Daraufhin ließ man die deutschen Kanäle auch nach
Sendeschluss "on Air"... **soweit aus meiner Erinnerung**

von DH3FBI - am 08.09.2013 19:51
Zitat

Das mit Holland war in den 80érn auch in der ARD einmal thematisiert worden. In dieser
Sendung (kann mich an den Namen nicht mehr erinnern) wurde auch berichtet,
dass die niederländischen Kabelbetreiber nach Sendeschluss der deutschen Sender die
einzelnen Kanäle abgeschaltet haben um dieser Piraterie vorzubeugen.

Im Gegenteil die Kabelbetreiber haben eben so lange es ging NICHT abgeschaltet (wie auch aus einem der Videos oben hervor geht). Dieses haben die Videothekenbetreiber gefordert, die die TV-Piraten große Konkurrenz von diesen waren.

Ich zitiere m ich da mal selbst:

Zitat

Interessant ist auch in irgendeinem der Videos auf Youtube, wo es darum geht, dass die Videothekenbetreiber Störsender gegen die Piraten errichtet haben :D, der Kabelnetzbetreiber sich weigert, das Kabelnetz nach Sendeschluss ganz abzuschalten (wie von den Videothekbetreibern gefordert), mit der Begründung: "Wir sind doch nur eine "Gemeinschaftsantenne". Wenn man uns zwingen würde, abends die Antenne abzuklemmen, müsste das auch genau so für Privathaushalte gelten" :D.


Ich meine sogar, den angesprochenen ARD-Bericht gibt es auch auf Youtube.

von WiehengeBIERge - am 08.09.2013 19:56
Zitat
WiehengeBIERge
Den Beitrag wo der Begriff "Porno-Hark" gefallen ist finde ich gerade nicht.


Ist der zweite, den du verlinkt hast. Kurz vor Ende des Berichts, bevor die drehbare TV-Antennezum Empfang der Piraten auf dem Gefängniss gezeigt wird.

Das die Kabelbetreiber nicht abschalten wollten, ist durchaus nachvollziehbar. Zum einen brauchte man dafür Personal, zum anderen hatten sie durch die Piraten keinen Schaden, eher im Gegenteil.

von Marc_RE - am 08.09.2013 21:42
Das die videotheken störsender errichtet haben ist schon wahnsinn.
Was für ein aufwand.

Die Piraten haben den videotheken wohl sehr geschadet, warum auch immer.

von UKW vs. DAB+ - am 09.09.2013 18:01
Vielleicht war das Programm der Piraten so gut?

von HansEberhardt - am 09.09.2013 18:31
Das Programm der UKW Piraten ist schon sehr gut, das werden die Fernsehtechnisch wohl auch hinbekommen haben.

Leider geht das heute nicht mehr, TV Piraten. Schade.

von UKW vs. DAB+ - am 09.09.2013 19:03
Die Piraten haben aktuelle Filme, frisch aus der Videothek oder noch aktueller, ausgestrahlt. Die Filme konnte man sich wünschen. Dazu dann eben Hoppelfilme. Daß das Programm beliebt war, ist klar.
Für die Videothekenbetreiber war das verständlicherweise ein Ärgerniss. Wer leiht einen Film aus, wenn er den auch kostenlos im TV sehen kann?

von Marc_RE - am 10.09.2013 05:26
Die haben sogar Films aus dem Kino auf Sender gegeben, also da dürfte der Kinoinhabern sich auch ordentlich geärgert haben.

von Jassy - am 10.09.2013 06:29
Im Netz Zütich war (oder ist) aber K5 analog doch SRF 1...

von smid - am 10.09.2013 14:46
Es war der ORF, weil er auch auf Kanal 5 am Pfänder gesendet hat. In der Nacht wurde damals der Sender abgeschaltet und damit rauschten die TV-Empfänger und das war dann die Gelegenheit die Piratensender einzuschalten. Weil der Pfänder von Zürich aus relativ weit weg war, hatte man auch grössere Antennengebilde und Vorverstärker für den Empfang, was natürlich eine kleinere Leistung bei den Piraten ermöglichte. Später übertrugen die Kabelbetreiber die ganze Nacht wenigstens ein eigenes Testbild, was dann die Piraterie nicht mehr möglich machte. Man kann die heutigen Kanäle der Cablecom und der damaligen der Rediffusion nicht vergleichen. Es gab ja damals z.T. nicht mal UHF in den Empfängern.

EDIT aus Wikipedia:
1994 entstand aus der Rediffusion S.A. und anderen selbstständigen Kabelnetzgesellschaften das Unternehmen Cablecom, das den Unternehmen Siemens, VEBA und Swisscom gehörte.[8]

So gesehen war die ganze obige Thematik weit vor der Gründung der Cablecom.

von drahtlos - am 10.09.2013 15:27
Zitat
Marc_RE
Die Auslandsprogramme wurden irgendwo terrestrisch empfangen. Nach Abschaltung des Senders war der Kanal frei und es wurde das Testbild vom Kabelnetzbetreiber aufgeschaltet. Kam wieder ein Signal, wurde es eingespeist. Da mußte also kein kurzer Zeitschlitz genutzt werden, man hatte Zeit bis zum Sendestart am nächsten morgen.
Die Piraten mußten also nur warten bis der Sender im Ausland abgeschaltet wurde und dann den eigenen Sender, ausgerichtet auf die Empfangsantenne der Kopfstelle, einschalten. Schon war man im Kabel. Im einfachsten Fall reichte dazu ein Videorekorder und ein Verstärker aus.


Hier noch einmal ein Hinweis auf ein Interview mit einem ehemaligen Fernsehpiraten aus den Niederlanden, der auf diese Weise sein Programm im Kabelnetz von Hengelo verbreiten konnte.

http://www.tv-kult.com/interviews/47-edwin-beijer.html

Schließlich war es auch der 24-Stunden-Betrieb der deutschen Sender, welcher der Piratentätigkeit letztendlich den Garaus machte. Danach gab es keine Möglichkeit mehr, ins Kabelnetz zu gelangen.

von Lahnwelle - am 10.09.2013 20:25
Zitat
drahtlos
Später übertrugen die Kabelbetreiber die ganze Nacht wenigstens ein eigenes Testbild, was dann die Piraterie nicht mehr möglich machte.


Das Testbild kam aber eben nur, wenn an der Kopfstation kein Signal auf dem betreffenden terrestrischen Kanal empfangen wurde, wie es Marc_RE schon ganz oben erklärt hat.

Wenn man die Kabel-Piraterie hätte verhindern wollen, hätte nachts manuell auf das Kabel-Testbild umgeschaltet und am Morgen wieder zurückgeschaltet werden müssen, und das auf allen terrestrisch empfangenen Programmen. Diesen Aufwand hat sicher kein Kabelnetz betrieben, zumal die Piraten ja letztlich die Attraktivität des Netzes gesteigert haben.

Diese Form der Piraterie hätte auch mit den zahlreichen terrestrischen Umsetzern funktioniert, nur wäre das wohl wegen des begrenzten Sendegebiets wenig interessant gewesen. Im Kabel erreichte man dagegen auf einen Schlag eine ganze Stadt und deren Umland.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 11.09.2013 04:06
Ich war damals im Redifussions Netz.
Und SF1 war seit ich mich erinnern kann auf K5.

von smid - am 11.09.2013 06:41
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