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Francesco210175, andimik, Alqaszar, Bolivar diGriz, cappu62, RTL 102.5 Fan

[DVB-T Italien]: Rete A und Timb wollen fusionieren

Startbeitrag von Alqaszar am 15.09.2013 16:41

Das berichtet die Zeitung La Stampa auf ihrer Webseite. Timb betreibt drei nationale Muxe in Italien und gehört bisher der Telecom Italia, welche sich in diesem Jahr erst von ihrem TV-Geschäft, bestenend aus den Kanälen La 7 und MTV Italia, getrennt hatte. Dabei wurde der landesweite Kanal La 7 an die Investorengruppe Cairo verkauft, während MTV komplett von Viacom Italien übernommen wurde.

Rete A gehört der Verlagsruppe, welche unter anderem die Zeitung "La Repubblica" und das Nachrichtenmagazin "L'Espresso" vertreibt. Selbst produziert der Verlag außer "Repubblica TV" kein nationales TV-Programm.

Beide Unternehmen sind somit technische Dienstleister, welche die nationale Verbreitung von DVB-T-Muxen übernehmen. Timb stehen dafür 3, Rete A 2 Kanäle zur Verfügung. Zusammen würden die beiden Untenehmen also auf die maximal erlaubten 5 Kanäle kommen, über die bislang in Italien nur das zum Berlusconi-Konzern Mediaset gehörende Unternehmen EI Towers verfügt.

Zusätzlich allerdings nutzt die Mediaset exklusiv das Mux von Dfree, das offenbar einen Strohmann Berlusconis gehört, so dass Berlusconi faktisch auf sechs nationale Kanäle kommt.

DVB-T ist neben DVB-S bislang der Hauptempfangsweg für lineares TV in Italien, da es kein klassisches Kabelfernsehen gibt. Mit dem Verbot von Kabelfernsehen Ende der 80er Jahre sollte erreicht werden, dass kein korrupter Medienmogul Zugriff auf die politische Zukunft des Landes erhält.

Wie La Stampa berichtet, gibt es allerdings im Vorstand von Telecom Italie noch Vorbehalte gegen das Geschäft, auch die Medien- und Telekommunikationsbehörde AGCOM wolle das Geschäft genau prüfen.

Antworten:

Zitat
Rete A gehört der Verlagsruppe, welche unter anderem die Zeitung "La Repubblica" und das Nachrichtenmagazin "L'Espresso" vertreibt. Selbst produziert der Verlag außer "Repubblica TV" kein nationales TV-Programm.


Nicht ganz, inzwischen gibt es als Joint-Venture mit der Feltrinelli Gruppe das Programm "LaEffe - Rtv" statt dem alten Repubblica TV im Rete A Mux 1.

Zitat
Zusammen würden die beiden Untenehmen also auf die maximal erlaubten 5 Kanäle kommen, über die bislang in Italien nur das zum Berlusconi-Konzern Mediaset gehörende Unternehmen EI Towers verfügt.


Welche sich früher "Elettronica Industriale" nannte und so gut wie alle privaten Senderstandorte (also auch die der nationalen-regionalen Konkurrenzprogramme) wartet und in Betrieb hat. Die haben dort sozusagen eine Monopolstellung neben RAI Way.

Zitat
Zusätzlich allerdings nutzt die Mediaset exklusiv das Mux von Dfree, das offenbar einen Strohmann Berlusconis gehört, so dass Berlusconi faktisch auf sechs nationale Kanäle kommt.


Der Name darf gerne genannt werden: Tarek Ben Ammar, u.a. Filmproduzent und Besitzer von diversen Filmstudios in Marokko, wo Berlusconi Produktionsfirma Medusa Film oder auch Leo Kirch´s Beta Film diverse Serien und TV Filme gedreht hat. Er taucht immer wieder bei diversen Sendern der Berlusconi Gruppe als Gesellschafter auf. Dieser war eine Zeitlang (noch während der "Gasparri Mediengesetze" ) der Besitzer von Lizenzen für ein obskures TV Projekt namens "Prima TV", wobei daraus später Sportitalia entstanden war, was inzwischen daraus geworden ist, braucht hier nicht weiter erwähnt zu werden.

Zitat
DVB-T ist neben DVB-S bislang der Hauptempfangsweg für lineares TV in Italien, da es kein klassisches Kabelfernsehen gibt. Mit dem Verbot von Kabelfernsehen Ende der 80er Jahre sollte erreicht werden, dass kein korrupter Medienmogul Zugriff auf die politische Zukunft des Landes erhält.


Naja, in Italien hat das klassische Kabelfernsehen von vornerein keine Chance gehabt, aufgrund des übervollen VHF/UHF Bandes beim analogen Fernsehen seit Mitte der 1970er Jahre. Einige wenige Kabelnetzprojekte gab es bevor die ersten illegalen terrestrischen Ausstrahlungen um 1974 begannen.

Diese dienten allerdings nur als interne Prestigeobjekte von Neubausiedlungen so u.a. der Satellitenstadt "Milano Due" die Berlusconi Baufirma baute und von dort begann auch der Aufstieg seines späteren "Mediaset Imperiums" durch die landesweite Umwandlung des regionalen Telemilano 56 in das landesweite Canale 5 im Jahr 1980 und damit dem ersten richtigen Vorstoß gegen das damalige RAI Monopol.

Alle anderen Versuche vor und nach ihm waren zum Scheitern verurteilt, oder kennt noch jemand das "PIN" Programm?

Ist zwar etwas OT, aber hoffentlich ist das ganze für jemanden von Interesse.

von Francesco210175 - am 15.09.2013 23:16
Hallo Francesco, mich interessiert es schon. Italien ist so der wilde Westen im Bereich von TV und Radio. Ciao cappu62

von cappu62 - am 16.09.2013 19:39
Das kann man wohl so sagen. Ich habe dort in den 1980ern als Kind und als Jugendlicher insgesamt vier Jahre gelebt (zwischendurch war ich hier in Berlin), daher habe ich noch so einiges im Gedächtnis, nur die Zeit nach den Mammi Gesetzen ab 1990 habe ich etwas sporadischer mitbekommen. Und leider war ich seit 1997 nicht mehr in Italien (die Gründe sind u.a. gesundheitlicher Natur). Aber dank Internet und tlw. den Einkauf italienischer (Fach-)Zeitschriften halte ich mich so weit es geht auf dem laufenden.

von Francesco210175 - am 16.09.2013 23:16
Das Legge Mammi hat lediglich die Vormachtstellung Berlusconis im italienischen TV-Markt stabilsiert. Für den Radio-Bereich kam es eigentlich zu spät, da das Chaos zu dieser Zeit schon perfekt war. Mit oder ohne Legge Mammi: Die Situation, dass sich ein Markt konsolidiert und nur die Stärkeren überleben, ist genau das, was sich seit 1990 abspielt. Bislang halten sich aber noch zahlreiche lokale und regionale Anbieter.

Im TV-Bereich ist Sky der große Gegenspieler des von Berlusconi dominierten Geschäfts. Sky drängt auch auf DVB-T, bisher allerdings erfolglos. Ganz klar übt Berlusconi Druck auf die anderen Anbieter aus, den Zugang zu verschließen. Bleibt natürlich DVB-S als technische Lösung.

Allerdings ist die Ära Berlusoni in Italien eindeutig vorbei. Nicht nur, dass das lineare Fernsehen auch in Italien langsam -- sehr langsam -- an Bedeutung verliert, auch politisch ist der cavaliere nur noch mit Rückzugsschlachten beschäftigt. Seine alte Dominanz ist deutlich angekratzt. Auch wenn man das nur aus der Ferne betrachtet, muss klar sein, dass andere Berlusconis Schwäche erkennen und ein Stück seines Kuchens haben wollen.

von Alqaszar - am 17.09.2013 00:35
Zitat
Alqaszar
Für den Radio-Bereich kam es eigentlich zu spät, da das Chaos zu dieser Zeit schon perfekt war. Mit oder ohne Legge Mammi: Die Situation, dass sich ein Markt konsolidiert und nur die Stärkeren überleben, ist genau das, was sich seit 1990 abspielt. Bislang halten sich aber noch zahlreiche lokale und regionale Anbieter.


Längerfristig werden sich nur die lokalen/regionalen Anbieter halten, die in irgendeiner Weise innovativ auftreten. Das gilt auch für den TV-Markt, wo ich es im Vergleich zum Radio noch schwerer finde. Mit lokalen Themen einen ganzen Tag füllen ist schwer, insbesondere wenn einen nicht die Möglichkeiten der großen zur Verfügung stehen.

von RTL 102.5 Fan - am 17.09.2013 17:01
Zitat
Das Legge Mammi hat lediglich die Vormachtstellung Berlusconis im italienischen TV-Markt stabilsiert. Für den Radio-Bereich kam es eigentlich zu spät, da das Chaos zu dieser Zeit schon perfekt war. Mit oder ohne Legge Mammi: Die Situation, dass sich ein Markt konsolidiert und nur die Stärkeren überleben, ist genau das, was sich seit 1990 abspielt. Bislang halten sich aber noch zahlreiche lokale und regionale Anbieter.


Und die Legge Gasparri hat das ganze nochmals befestigt, natürlich zugunsten des CAV. Was den Radio-Bereich angeht kann ich dir zustimmen, denn das alles konnte ich in dem Zeitraum 1989 bis 1997 in den vier Mal, die ich dort hingefahren bin bestens feststellen können und ehrlich gesagt: Ich war entsetzt, das in der Provinz und Stadt Taranto (Apulien) -der Heimat meines Vaters- immer weniger Lokalradios und immer mehr Networks auf x-beliebigen Frequenzen zu hören waren. Die wahre Vielfalt war aufgelöst worden. Klar waren die kleinen Sender tlw. laienhaft und hatten einen gewissen primitiven Charme, aber gerade das machte den Reiz aus. :spos:

Während in den 80er Jahren dort noch eine gesunde Portion an überfüllten Frequenzen zu vernehmen waren inkl. Interferenzen und "Konkurrenzkampfes" wer die größte und weiteste Reichweite hatte, war spätestens ab Mitte der 90er Jahre nur noch gähnende Langeweile vorzunehmen (meiner Meinung nach: denn es gab und gibt immer noch wenige Ausnahmen). Allerdings: Wenn man sich die Situation heute dort genauer ansieht ist es noch schlimmer geworden, und das finde ich sehr schade. :(

Zitat
Im TV-Bereich ist Sky der große Gegenspieler des von Berlusconi dominierten Geschäfts. Sky drängt auch auf DVB-T, bisher allerdings erfolglos. Ganz klar übt Berlusconi Druck auf die anderen Anbieter aus, den Zugang zu verschließen. Bleibt natürlich DVB-S als technische Lösung.


Sky ist der einzige, der inzwischen den landesweiten Platzhirschen "Paroli" bieten kann und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Und das Sky über DVB-T keinen Platz erhalten wird, sollte jedem klar sein, der sich auch nur Ansatzweise mit dem italienischen Medienmarkt auskennt.

Und das ist nicht nur im Sinne von Silvio B.

Zitat
Allerdings ist die Ära Berlusoni in Italien eindeutig vorbei. Nicht nur, dass das lineare Fernsehen auch in Italien langsam -- sehr langsam -- an Bedeutung verliert, auch politisch ist der cavaliere nur noch mit Rückzugsschlachten beschäftigt. Seine alte Dominanz ist deutlich angekratzt. Auch wenn man das nur aus der Ferne betrachtet, muss klar sein, dass andere Berlusconis Schwäche erkennen und ein Stück seines Kuchens haben wollen.


Ich bin mehr als froh darüber. Man kann sich nicht vorstellen, wie ich mich immer wieder über ihn und vor allem über seinen ganzen Zoo (sprich seiner ganzen Partei-Marionetten -das fängt bei A wie Alfano und hört nicht bei S wie Santanche auf-) geärgert habe. So sehr ich als Kind und Jugendlicher seine Programme in den 80er Jahren gesehen habe, so sehr war ich später über seine politischen Ambitionen und Ansichten angewidert.

von Francesco210175 - am 17.09.2013 23:23
Ich komme gerade zurück aus Bibione. Zu empfangen waren zahllose Sender über DVB-T, zusätzlich auch noch die slowenischen Muxxe, die allerdings der DVB-T Receiver trotz einer Qualitätsanzeige von 78% nicht darstellen konnten, was natürlich am dort verwendeten MPEG4 lag.

Die Lokalsender aus der Umgebung gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Tagsüber Teleshop, und Abends Lokalnachrichten. Also genauso wie diese dubiosen Lokalsender in Deutschland. Ich frage mich, ob die Zuschauerzahl selbst in Orten mit äußerst treuen Lokalpatrioten jemals zweistellig ist, zumal man eine Konkurrenz von rund 70 Programmen terrestrisch (ohne Slowenien) empfangen kann! Die Hauptprogramme der RAI und auch der Privaten sind durchaus attraktiv mit Serien und vielen Spielfilmen ausgestattet. Ich wäre jedenfalls keineswegs überrascht, wenn der Markt sich weiter konzentriert. Der Zuschauer wird das vielleicht nicht einmal bemerken oder gar bedauern, ähnlich wie hier die Platzhirsche RTL, SAT.1 und Pro7 mit immer neuen Ablegern den Markt beherrschen und neue, unabhängige Sender wie Terranova oder XXP trotz interessanten Konzept und guten Inhalten nicht überleben konnten. Auch wenn die "Wildheit" Italiens so gelobt wird: Leider gelten dort letztendlich die gleichen Gesetze des Marktes.

von Bolivar diGriz - am 18.09.2013 16:04
Italien hat das Problem der begrenzten VHF- und UHF-Kanäle. Wenn DVB-T2 kommt, dann nur mit hartem Umstieg ... :rolleyes:

von andimik - am 18.09.2013 16:14
Und dieses "Problem" wird sich noch weiter verschärfen, falls die "Digitale Dividende II" in Angriff genommen werden sollte. Dann wird um die ehemaligen "Beauty Contest"-Frequenzen auch noch gekämpft werden, weil die meisten davon nicht mehr zur Verfügung stehen. Zu guter letzt wird auch in Italien ein Frequenzwechsel diverser bereits sendender DVB-T Muxxe überlegt, aufgrund der Interferenz-Situation von anderen DVB-T Muxxen aus Slowenien, Kroatien, Albanien...

Und ob ihr es glaubt oder nicht: In der Hafenstadt Brindisi an der Adriaküste in Apulien hat man fast das ganze Jahr lang besseren Empfang der DVB-T Pakete aus Albanien als diejenigen, die vom Standort (Monte) Trazzonara welcher Brindisi und seine Umgebung versorgen soll (neben der Provinz von Taranto und tlw. der von Lecce). So jedenfalls die diversen Postings davon betroffener User u.a. in digital-forum.it!

Genauso sieht es in Ancona, Pescara oder in anderen Gebieten an der Adria-Küste aus. Es sind nicht nur die italienischen High-Power-Standorte die stören, sondern es ist ebenfalls umgekehrt der Fall. Bisher waren nur die Beschwerden aus Kroatien oder Slowenien bekannt, nicht umgekehrt.

von Francesco210175 - am 18.09.2013 22:20
Moment, lt. Abkommen darf es gar keine Störer geben, da das UHF-Band aufgeteilt wurde. Es gibt Exklusivkanäle für Italien und für die anderen Adrialänder.

Siehe igorfuna.com

von andimik - am 19.09.2013 04:46
In der Theorie schon (und wahrscheinlich ist es auch international in Abkommen belegt) aber in der Praxis ganz und gar nicht...es sind u.a. die UHF Kanäle 32 oder 58 von den Störungen betroffen (und daher will man langfristig andere alternative Kanäle finden). Das lese ich fast jeden Monat in einer (oder besser gesagt der einzigen ital.) Fachzeitschrift dieser Art, welche ich mal hier im Forum in einem anderen Thema (DAB?) erwähnt habe und welche kurze Zeit später nicht mehr auffindbar war.

von Francesco210175 - am 19.09.2013 23:52
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