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Klausi, TVGuy, Volker Lauke, gb, Kai, Alex, Terranus

DVB-T-Symposium in Berlin

Startbeitrag von Klausi am 28.11.2002 19:20

Anlässlich des Umstieges von analoger zu digitaler terrestrischer Fernsehversorgung veranstaltete das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit heute das Symposium "Digitales terrestrisches Fernsehen".

Nach Ansicht von Superminister Clement gehe es nicht um die Frage, ob die terrestrische Fernsehübertragung zukünftig digital sein werde, sondern darum, ob wir zukünftig überhaupt noch eine terrestrische Fernsehversorgung in Deutschland haben werden. Die Digitalisierung sei daher ein notwendiger und unumkehrbarer Schritt.

Komplett unter:
http://www.digitv.de/meldungen/1038494766,41717,.shtml

Antworten:

DVB-T-Symposium in Berlin, was wirklich gesagt wurde

Nachfolgend eine Zusammenfassung der Auf dem Symposium getätigten relevante Aussagen

o Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit

- wir stehen nicht vor der Frage ob Fernsehen in Zukunft digital sein wird, sondern vor der Frage, ob wir in Zukunft überhaupt noch eine terrestrische Fernsehversorgung haben werden.
- Digitalisierung ist ein also notwendiger und unumkehrbarer Schritt
- 150000 terrestrisch versorgte Haushalte in Berlin
- 2 Mio. Über Kabel

ö Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder

- terrestrische TV-Versorgung bietet Unabhängigkeit hinsichtlich SAT und Kabel
- Initiative für DAB angekündigt, da Mehrwert nicht so klar erkennbar wie bei DVB-T

o Wolfgang Becker, Initiative Digitaler Rundfunk und BMWi

- der Digitalisierung kann sich keiner entziehen
- Konvergenz der Medien ist ein großer Vorteil
- Neuordnung der Frequenznutzung in 2005/6, dann weiter Ausbau erst richtig möglich

o Prof. Dr. Ulrich Reimers, TU-Braunschweig

- ISDB-T ab 2003 in 3 Städten Japan, weiterer Ausbau in 2006
- In England ist DVB-T gefloppt
- In England gab es 1 Mio. Kunden bis 2001, vornehmlich ITV-Kunden (Anmerkung: Pay-TV Kunden mit hohem Interesse an Fußball)
- ITV hatte letztlich 1,45 Mio. Kunden
- ITV ist jedoch nun, bedingt durch finanzielle Schwierigkeiten, verschwunden.
- ITV ist jetzt "Freeview"
- sendet u. a. 12 Radioprogramme aus.

Niederlande

- Ziel in NL ist es Kunden vom Kabel abwerben
- angestrebt werden 6,6 Mio. Haushalte in 2004
- Plan ist, dass Service gebührenpflichtig wird

Schweden
- ca. 120.00 Kunden

Frankreich

- Aufnahme des Regelbetriebes gegen Ende 2003

Schweiz
- Aufnahme des Regelbetriebes gegen Ende 2004

Deutschland
- Fortschritt/Erfolg ist entscheiden für Europa
(Anmerkung aus Veranstaltung Digitaler Rundfunk in Erfurt: "Erfolg Berlin ist entscheiden für Deutschland")

o Dr. Hans Hege, DVB-T Startszenario Bayern

- Projekt Berlin wäre nie bundesweit gegangen, da zu riskant
- Analoge Abschaltung wenn Anteil der Haushalte unter 10 Prozent
- Privat haben Problem des Return of Investments
- der Verbraucher muss letztlich entscheiden was er will

o Helwin Lesch, Bayrische Medientechnik

- IDR Startszenario in Inseln mit Ballungsräumen beginnen
- erster Testmarkt ist Berlin
- Planungssicherheit muss hergestellt werden
- Ausbau Bayern für das 1. Halbjahr 2004 für München und Nürnberg
- München hat mit 19 % einem überproportionalen hohen Anteil an terrestrischen Nutzern
- alle Bundesländer wollen analog Bayer ab dem 2. Halbjahr 2004 folgen (Ausbau mit Inseln in Ballungsräumen

http://bmt-online.de/dvb-t/aktuell.html#startszenario

o Dr. Simone Emmelius, ZDF Vision

- in Deutschland gibt es 3,5 Mio. Haushalte mit digitaler TV-Versorgung (SAT/Kabel)
- Watchman ist in 3,4 Prozent der Haushalte verbreitet
- ZDF-Mobil will dem Fernsehen Beine machen

o Jürgen Dötz, Präsident Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation e. V. (VPRT)

- von den Privaten ist innovativ in der nächsten Zeit nicht viel zu erwarten
- Private werden sich ohne finanzielle Unterstützung nicht bundesweit beteiligen
- Verband der Privaten sieht in Förderung der Bundesregierung eine Wettbewerbsverzerrung und will dies von der Europäischen Kommission auf Rechtmäßigkeit prüfen lassen

o Weitere Statements aus der Fragerrunde:

- Nokia will in 2005 die ersten DVB-T Handhelds anbieten

- Mit DVB-T will man dem geänderten Freizeitverhalten folgen und nicht die letzten 5-8 Prozent bedienen (ZDF)

- an einer 200 € kostenden Box verdient keiner eine goldene Nase (ZVEI/Herrmann)

- Zwischen Kabel und DVB-T entsteht ein interessanter Wettbewerb (Verbraucherverband)

- Auch mit Blick auf der stets geheimgehaltenen DVB-T Förderung des Bundes in Höhe von 14 Mio. € die Frage, wie lange noch 95 % und mehr der Gebraucher für DVB-T zahlen müssen, damit nur einige wenige terrestrische TV empfangen können? Antwort Dr. Hoff, techn. Dir. des WDR und Vertreter der ARD: Würde man DVB-T nicht realisieren, so könnten die Gebühren um monatlich nur 60 Cent pro Haushalt gesenkt werden.

(Anmerkung: Das sind _nur_ 22, 5 Mio. € im Monat = 270 Mio. € im Jahr)

Auch wird man wird letztlich nicht die letzten paar terrestrischen Haushalte versorgen. (Anmerkung: gemeint ist wenn der Prozentsatz noch weiter unter 5 % absinkt)

- beim Umstieg in Berlin wird gegenüber Sozialempfängern nur die jeweils die günstigste Lösung aus DVB-T, SAT oder Kabel finanziert.

- ohne die Privaten, also als reines ARD Medium, hat DVB-T in Deutschland nur sehr geringe, wenn nicht keine Chance.

- der Begriff "Überall-Fernsehen" wird von Kabelnetzbetreiber als irreführend dargestellt, da DVB-T auf lange Zeit nicht überall empfangbar ist. Verbraucherverband wird den Slogan auf Rechtmäßigkeit gemäss UWG prüfen.

- Weder SAT noch Kabel, müssen DVB-T fürchten, da insbesondere im Kabel ein erheblicher Mehrwert gegenüber DVB-T durch eine Vielzahl der Programme (analog und digital) und dem Internetzugang angeboten wird. Letztlich muss der Gebraucher entscheiden, was er will.

von Volker Lauke - am 30.11.2002 13:38
>>o Prof. Dr. Ulrich Reimers, TU-Braunschweig

- ISDB-T ab 2003 in 3 Städten Japan, weiterer Ausbau in 2006
- In England ist DVB-T gefloppt
- In England gab es 1 Mio. Kunden bis 2001, vornehmlich ITV-Kunden (Anmerkung: Pay-TV Kunden mit hohem Interesse an Fußball)
- ITV hatte letztlich 1,45 Mio. Kunden
- ITV ist jedoch nun, bedingt durch finanzielle Schwierigkeiten, verschwunden.
- ITV ist jetzt "Freeview"
- sendet u. a. 12 Radioprogramme aus.

von TVGuy - am 30.11.2002 19:24
Und grade die Verschwiegenheit innerhalb dieser Digital-Projekte ist es doch, die das Misstrauen weiter schürt.- Ach ja, die DVD macht in diesem Jahr das Rennen.

DAB ist , wie ich im örtlichen Mediastore feststellte, vollständig verschwunden ! ( es war eh nur ein Autoradio ). Info eines Verkäufers, allerdings im Streß :"DAB ?`Haben wir derzeit nicht, die wollen doch erst in ein paar Jahren starten "


Ich wurde regelrecht von DVD, MP3-Playern und so weiter überhäuft. Dazu fiel mir auf: Die Ecke mit den herkömmlichen Radios wurde etwas kleiner, ist aber noch vorhanden.
Die Menschen drängten sich aber nicht dort, sondern beim High-Tech.

von Alex - am 30.11.2002 20:00

Re: DVB-T-Symposium in Berlin, was wirklich gesagt wurde

Volker Lauke schrieb:
Zitat

Nachfolgend eine Zusammenfassung der Auf dem Symposium getätigten relevante Aussagen
Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Das Resumée habe ich mit großem Interesse gelesen.

von Klausi - am 30.11.2002 21:00
TVGuy schrieb:

Zitat

... Von den 30 TV Kanaelen erzaehlt er mal lieber nichts.


Natürlich hat er auch etwas über die TV-Programme gesagt. Ich habe dem nur keine besondere Bedeutung beigemessen, da die Ausstrahlung von TV für DVB-T eigentlich selbstverständlich sein sollte. Hier der wortgetreue Auszug aus seiner Präsentation:

"Das Programmangebot soll in England im Endzustand 24 TV-Programme und 12 Radioprogramme umfassen"

von Volker Lauke - am 01.12.2002 13:38
>>Natürlich hat er auch etwas über die TV-Programme gesagt. Ich habe dem nur keine besondere Bedeutung beigemessen, da die Ausstrahlung von TV für DVB-T eigentlich selbstverständlich sein sollte. Hier der wortgetreue Auszug aus seiner Präsentation:

"Das Programmangebot soll in England im Endzustand 24 TV-Programme und 12 Radioprogramme umfassen"

von TVGuy - am 01.12.2002 13:56
Ich frage mich immer wieder, wieso gesagt wird, DVB-T könnte nicht mit dem Kabel konkurieren. Das kann DVB-T sehr wohl. Ich bin davon überzeugt, dass es einen Menge derzeitiger Kabelnutzer gibt, denen 24 Programme vollends reichen würden. Viele Programme die derzeit im 450MHz Kabel eingespeist werden, werden doch fast nicht genutzt(Shopping,FremdsprachenTV). Da aber vielen eben 4 oder 5 analoge terr. Programme nicht ausreichen bezahlen sie das Kabel, nutzen es aber nicht voll.
DVB-T hat großers Potential bei solchen denen 24 Programme reichen, und die keine Lust haben, dafür 14 Euro pro Monat zu zahlen.

zu Großbritannien: DVB-T "Freeview" entwickelt sich dort rasant. Viele schaffen sich eine Box dafür zusätzlich zum Skyabo an, oftmals für den Zweitfernseher.
Schon interessant, dass hier DVB-T mit ITVdigital gleichgesetzt wurde. Das wäre so als wenn Premiere pleite gehen würde, und damit das ganze DVB-C in Deutschland gescheitert wäre.
MfG
Terranus

von Terranus - am 01.12.2002 20:04
Seit dem Start von DVB-T in Berlin häufen sich komischerweise tendenziöse Berichte gegen dieses Übertragungssystem, die direkt oder indirekt von Mitgliedern der 'Initiative Digitaler Rundfunk' = Träger der DAB-Lobby stammen.

Auf einmal wird behauptet, dass man mit DAB auch TV machen könnte und dass wir durch DVB-T alle zeugungsunfähig oder zumindest Krebspatienten werden.

Man sollte die Äußerungen von Herrn Professor Reimers mal nicht überbewerten.

;)

von Kai - am 01.12.2002 20:14
Die Darstellung von Freeview (DVB-T in UK) in Deutschland ist mit dem Verweis auf ITV digital ja immer recht grauenhaft. Wie TVGuy richtig anmerkt, ist das neue System "ein Renner" und wenn bereits vor dem Weihnachtsgeschäft die Regale leer sind, kann niemand mehr von einem Flop reden.

Wahrscheinlich haben gewisse Kreise gehofft, mit dem Ende von ITV digital sei auch der Abschied von DVB-T vollzogen worden. Tatsächlich aber sind 24-30 freie Fernsehkanäle mehr als ein hinreichender Grund, die 69 Pfund einmalig zu investieren.

Zur Rivalität zwischen deutschem Kabel und DVB-T: Wenn der Tuner auch ohne Scart-Kabel selbst an Uralt-Fernsehgeräte anzuschließen ist und neben Fernsehen auch noch ein Hörfunkangebot (Klassik Radio, D-Radios und wer sonst noch...) existiert, gibt es außer einer schlechten Empfangslage keinen Grund mehr, monatlich beträchtliches Geld für den Kabelanschluß auszugeben.

Es geht doch de-facto um die Top 10 der Einschaltquoten, andere Sender werden vom breiten Publikum nicht mehr entscheidend wahrgenommen. Bei DVB-T haben dann - nach UK Vorbild - immernoch 14+ andere Programme einen Platz.

Bei einer quasi ad-hoc Digitalisierung in Deutschland auf den überall (!) bestehenden 3 Kanälen von ARD, ZDF und Dritten stünden bundesweit an jedem Ort 12 Fernsehsender zur Verfügung. Ganz heiß darf dann folgende Beispielbelegung diskutiert werden...

ehemals "ARD Kanal"
- Das Erste
- ZDF
- örtliches 3. Programm
- Phoenix

ehemals "ZDF Kanal"
- KIKA/arte
- 3sat
- angrenzendes 3. Programm
- angrenzendes 3. Programm

ehemals "3. Kanal"
RTL
SAT 1
n-tv
N 24

Auf den vielorts vorhandenen privaten terrestrischen Kanälen würde das Angebot folgendermaßen gestaltet...

ehemals "RTL Kanal"
- RTL 2
- VOX
- MTV
- Super RTL

ehemals "SAT 1 Kanal"
- Kabel 1
- PRO 7
- VIVA
- Premiere Start (Fußball)

Dies als Gedankenspiel am 1. Advent.

von gb - am 01.12.2002 21:37
Heute mittag auf WDR5 war ein Kurzinterview mit Herrn Hoff von der WDR-Technik in der Sendung "Töne,Texte,Bilder" zu hören. Er nannte das Jahr 2004 und erwähnte 16 Programme für NRW, die zuerst im Raum Köln/Bonn, dann im Laufe jenes Jahres auch im Bereich Düsseldorf ausgestrahlt werden sollen. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, wollte er DVB-T nicht als Konkurrenz für Kabel und Satellit, sondern als Alternative für Zuschauer mit geringem Programmbedarf ansehen. So richtig überzeugt von DVB-T wirkte er nicht.

von Klausi - am 01.12.2002 21:53
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