Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
1003
Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 3 Wochen
Beteiligte Autoren:
Zwölf, Schwabinger, rolling_stone, DH0GHU, Marcus., Chris_BLN, Thomas (Metal), BieMa, DX OberTShausen, Peter Schwarz, ... und 96 weitere

Bayerischer Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Startbeitrag von Jassy am 29.01.2014 17:50

Das verwundert mich dass das hier noch nicht zu finden ist:

http://www.radioszene.de/64352/frequenzbasar-bei-der-ard-br-rundfunkrat-muss-umverteilung-verhindern.html

Der VPRT kritisiert die im Allgemeinen die ganze Frequenztauschen zwischen die Kulturprogramme zu die Jugendsender.

Die 50 interessantesten Antworten:

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Zitat
pfennigfuchser
Interessant finde ich diese Entwicklung schon. Wenn man mal überlegt, dass man Programme, die wenig gehört werden, auf DAB abschiebt, ist es ein wirtschaftlichen Handeln. Das bekräftigt meiner Meinung nach die Forderung, endlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk werbefrei zu gestalten, damit die Aufgaben, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat, auch umgesetzt werden.


Dann lies mal, was die Werbewirtschaft sagt (KEF-Gutachten, PM vom 28. Januar)):

http://www.kef-online.de/inhalte/presse/index.html

Zitat

Aus den Gesprächen und den Studien der Verbände lassen sich folgende Einschätzungen und Erwartungen ableiten:

- Der vollständige Entfall von Werbung und Sponsoring im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dürfte im TV-Bereich dazu führen, dass die freiwerdenden Werbebudgets nur teilweise zu den privaten TV-Anbietern wandern werden. Ein beachtenswerter Teil dürfte auf andere Werbeinstrumente umgeschichtet werden. Im Hörfunkbereich sehen einige Marktteilnehmer nicht nur die Gefahr substanzieller wirtschaftlich nachteiliger Folgen für regional begrenzt agierende private Hörfunkanbieter, sondern auch das Risiko des nachhaltigen Bedeutungsverlustes des gesamten Hörfunks als Werbemedium.

- Die Konsequenzen bei einem teilweisen Entfall von Werbung und Sponsoring im öffentlichrechtlichen Rundfunk werden für den TV- und den Hörfunkbereich ebenfalls unterschiedlich eingeschätzt. Im Falle weiterer zeitlicher Beschränkungen werden ARD und ZDF im TV-Bereich als Vermarkter von Werbezeiten weiterhin zur Verfügung stehen. Allerdings wird ein tendenziell rückläufiger wirtschaftlicher Nutzen als möglich erachtet. Für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk hingegen bestehen teilweise erhebliche Zweifel, ob er noch dauerhaft als Werbemedium aufrechterhalten werden kann. Dies hätte auch erhebliche negative Auswirkungen auf den privaten Hörfunk.

- Bei einem verstärkten Wettbewerb um die verbleibenden Werbefenster sind Preissteigerungen zu erwarten.

Das Meinungsbild der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu den einzelnen Alternativen ist im Bericht gesondert dargestellt.


von Manfred Z - am 30.01.2014 05:32

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Zitat
rolling_stone
Mooment... Dass Klassik auch kommerziell gut funktioniert, beweist KlassikRadio. Das Einzige, was mich dabei wirklich nervt, ist das ständige Geclaime und (vor allem) das grauenhafte Soundprocessing, was eher zu Popwellen passt. Und im Gegensatz zu den ÖR-Kulturwellen werden keine vollständigen Werke gespielt.

Eben. Leichte Klassik funktioniert kommerziell, aber nicht ernsthafte Klassik. Es gibt ja bisher auch keinen kommerziellen Rock-Sender in D, der hauptsächlich komplette Konzertmitschnitte als Programminhalt hat (komme mir keiner mit den gelegentlichen Einzelsendungen, sowas gibts bei KlassikRadio auch).
Die Übertragung kompletter Werke in kommerziellen Klassiksendern KANN auch garnicht vernünftig funktionieren, da die Unterbrechnung zwischen zwei Werbeblöcken damit zu groß würde.

Zitat
plueschkater
Man müsste ja nicht alle BR-Klassik-Frequenzen durch BR Puls belegen, z.B. kann die 102,3 vom Wendelstein an den Jugendsender gehen, und 103,2 von Ismaning weiter von BR Klassik genutzt werden.

Keine Ahnung, wie es andernorts aussieht, aber hier sind vier (!) BR-Senderstandorte zu empfangen (Wendelstein, Ismaning, Hochberg/Traunstein und Untersberg), was viele Frequenzen belegt und andere, potentielle Empfänge zunichte macht...


Der BR darf insgesamt 5 Programme ausstrahlen (plus Regionalisierungen). Das ist nunmal Gesetz. Er kann nicht einfach weitere Programme ausstrahlen, indem er Frequenzen an einzelnen Standorten umwidmet (wäre ja zu verlockend...5 pro Standort. Also B1-5 vom Wendelstein, und PLUS, PULS und 3 weitere aus Ismaning ;-) ).

Achja: Bei mir zuhause geht genau ein BR-Standort rauschfrei in Stereo auf UKW. Hier in der Firma keiner (aber das liegt am Gebäude... da kommt auch kaum ein Handysignal vernünftig rein). Mobil geht an den meisten Orten genau einer, aber alle paar Meter ein anderer.
Irgendwo müssen ja Verbreitungsgebiete aneinandergrenzen, da wird es IMMER eine scheinbare Überversorgung geben. Spätestens in einer zweidimensionalen Welt müssen das an manchen Punkten auch mal mehr als 2 Standorte sein...
Versuch' mal eine Fläche mit Kreisen so abzudecken, dass KEINE Lücke entsteht.

von DH0GHU - am 30.01.2014 08:03

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Sorry, alles lese ich mir jetzt nicht durch, aber was ich gelesen habe, wirkt auf mich sehr bedenklich. Es ist inzwischen offenbar schon so weit Selbstverständlichkeit, daß sich reale Werte und Errungenschaften der menschlichen Zivilisation einer simplen, stupiden Massenlogik unterzuordnen haben, daß ich mich ernsthaft frage, wann man endlich so ehrlich ist, die Wahrheit auszusprechen: daß diese Welt doch nur zu gerne auf diese lästigen Kulturmenschen verzichten mag. Also, wann legt man ihnen nahe, von selbst rückstandsfrei zu gehen?

Es ist übrigens leicht, situativ willkürlich für jeden Menschen eine Konstellation zu finden, in der er in der Minderheit ist. Würde man das dann zum Anlaß nehmen, ihn schlechter zu stellen als die "Mehrheit", könnten wir jegliche Rechtsstaatlichkeit sofort aufgeben.

Ich sehe Barbarei kommen, zu mehr wirds die Menschheit offenbar bald nicht mehr bringen. Barbarei ist zwingende Folge von Kulturlosigkeit. Anzeichen gibt es genug, Tendenz schnell steigend. Noch schieben sie nur ab aus dem öffentlichen Raum. Wann werden wieder Bücher (und Notenbücher) brennen?

Es geht hier nicht um Klassik gegen Pop oder um Alt gegen Jung: es geht um Kultur gegen Kommerz. Die Popkultur wurde bereits anfangend vor über 20 Jahren aus dem Hörfunk vertrieben und ist inzwischen beinahe komplett raus, in manchen Regionen restlos. Jetzt ist halt die Klassik dran. Was übrigbleibt, ist immer nur das, was keine öffentlich-rechtliche Finanzierung braucht, weils von der Mehrheit gewollt wird und damit auch über Marktmechanismen finanzierbar wäre.

Also bitte so ehrlich sein: der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht mehr gewollt. Wäre er es, gäbe es nicht solche perversen Entscheidungen. Dann bitte abschalten und auch nicht mehr ungefragt für etwas kassieren, das immer weniger und immer schwerer / nur mit weiteren Kosten zugänglich ist.

Solange UKW der Hauptverbreitungsweg von Hörfunk ist (und das ist er), solange hat die kulturelle Versorgung - also ein wesentlicher Teil des öffentlich-rechtlichen Kernauftrages - dort stattzufinden und nicht ausschließlich auf irgendwelchen Verbreitungswegen, die massive Barrieren aufstellen, angefangen von erzwungenen Geräteneukäufen durch Entwertung der vorhandenen Empfänger bis zum Zwang von kostenintensiven Vertragsabschlüssen. Es ist schlichtweg irrsinnig zu glauben und pervers zu erwarten, daß sich z.B. kulturell interessierte Menschen (teils in hohem Alter) noch kostenpflichtige Internetzugänge zulegen, um darüber die auch aus ihren Gebühren finanzierten Kulturprogramme empfangen zu können. Ich kenne zahlreiche Menschen aus diesem Umfeld, für die die Lösung einfach heißt: dann halt nicht mehr. Man akzeptiert, daß man nicht mehr erwünscht ist und zieht sich faktisch zum Sterben zurück. Klingt dramatisch, ist aber in der Altersklasse 70+ nicht selten Realität. Offenbar ist man sich dessen bewußt und arbeitet gezielt darauf hin.

Es gibt nur einen erkennbaren Grund, Puls auf UKW zu bringen und BR Klassik dafür abzuschieben: die Hoffnung der BR-Oberen, damit ein paar Promille Quotenbewegung weg von den Privaten hin zum BR zu erreichen. Alles andere sind haarsträubende Vorwände, die keinem Reality-Check standhalten. Angefangen vom Märchen der Online-Geilheit der Kulturradiohörer über das Märchen von der Attraktivität von UKW für Durschschnittsjugendliche bis zum Märchen der hohen technischen Qualität der digitalen Angebote. Ein 128er Livestream ersetzt z.B. UKW klanglich nichtmal ansatzweise.

Ich hoffe, daß der BR richtig Feuer bekommt, von allen kulturellen Kräften in Bayern und hoffentlich vielen darüber hinaus. Wenn ich die Möglichkeit habe, einen Teil dazu beizutragen, werde ich das auch tun. Auch wenn ich kein hauptsächlicher Klassikhörer bin und Puls sogar als noch recht hochwertiges Angebot durchaus schätzen könnte, wenn es nicht, wie sich jetzt deutlich zeigt, als primären Existenzgrund die Abschaffung der lästigen Kulturwelle und die Bekämpfung der Privaten hätte. Dafür ist jeder Gebühren-Cent einer zuviel. Die Erträglichkeitsgrenzen sind nun auch in Bayern deutlich überschritten und wenn BR Klassik erst einmal von UKW runter ist, ist das Programm faktisch tot. Vermischt man es mit Bayern 2, geht dieses auch noch dabei drauf.

Es wäre alles anders, schalte man in Bayern sämtliche UKW-Frequenzen sofort ab. Dann würde wieder Gleichheit in der Versorgungssituation gelten und es gäbe von dieser Seite aus nichts mehr zu kritisieren. Will man schnellstmöglich dorthin? Nun zu... das Volk giert ja angeblich geradezu nach den digitalen Spielzeugen.

von Chris_BLN - am 31.01.2014 00:25

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Zitat
Chris-BLN
Es gibt nur einen erkennbaren Grund, Puls auf UKW zu bringen und BR Klassik dafür abzuschieben: die Hoffnung der BR-Oberen, damit ein paar Promille Quotenbewegung weg von den Privaten hin zum BR zu erreichen. Alles andere sind haarsträubende Vorwände, die keinem Reality-Check standhalten. Angefangen vom Märchen der Online-Geilheit der Kulturradiohörer über das Märchen von der Attraktivität von UKW für Durschschnittsjugendliche bis zum Märchen der hohen technischen Qualität der digitalen Angebote. Ein 128er Livestream ersetzt z.B. UKW klanglich nichtmal ansatzweise.

Das ist ein guter Grund. Denn der BR hat nun mal das Problem, dass ihm die Jugend schlichtweg seit Jahren weg gelaufen ist. In Mehrfrequenzstandorten wie M, N, WÜ, A, R zu den Locals, in Galaxystandorten eben zu diesem Sender. Und andere Bundesländer wie Hessen und BW machen es ja vor. Und da ist der BR zumindest in Nordwestfranken auch betroffen.
Und dann noch das Problem, dass egoFM viel mehr "richtiges" Radio bietet, als Puls. Schlichtweg UKW.

Zitat
Franken
So da ist der BR nun auch endlich mal aus den Tiefschlaf erwacht und hat gemerkt, dass klassische Musik nicht mehr am PULS der Zeit ist und kaum noch gehört wird. Die 4. und 5 BR-Kette sendet ja sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sollte doch mal das Autoradio auf BR-Klassik und B5 Aktuell beim Sendersuchlauf stehen bleiben, so dauert das keine 10 Sekunden und man schaltet entnervt weiter.
Aber warum der BR ausgerechnet PULS aufschalten will ist schon komisch, die sollten lieber mal Bayern Plus auf UKW bringen wäre viel gescheiter.
Die Privaten und die VPRT würden da sicher keinen Alarm schlagen, denn diese Musikfarbe von Bayern Plus wird ja von den Privaten überhaupt nicht bedient und aus den Programm von Bayern1 könnte man dann die 1 Stunde Volksmusik auch spielend endfernen. Das hat ja der BR schon lange vor.

Wenn der BR die Radiolandschaft in Bayern wirklich verbessern will dann wäre das hier die Optimale Lösung

1. Kette: Bayern 1
2. Kette: Bayern 2
3. Kette: BAYERN 3
4. Kette: Bayern +
5. Kette: PULS

Somit hätte man dann das Hessische, Badenwürttembergische und Rheinlandpfälzische Model.

Da stimme ich dir voll zu. :spos:

Zitat
Li24
B5 akt finde ich wichtig. Zumindest vorerst sollte der noch auf UKW bleiben für das Auto ohne DAB.

B5aktuell ist in Internet-Smartphonezeiten mehr als unwichtig/veraltet. Das Konzept dieses Senders stammt m. W. von 1992. Gut, über MW würde diese Dauerfestplattennewsdudlerschleife noch Sinn machen. Nicht aber über UKW, da der BR massive Probleme mit den Jungen (BR Puls) und den Alten (BR Plus) hat.

Zitat
rollender Stein
Es geht doch nur um die Verbreitung, nicht um ganze Programme umzuwerfen. Kein Programm muss abgeschafft oder fusioniert werden, und man kann es trotzdem anders verbreiten. Der BR ist mit seinen Programmen schon vergleichsweise gut aufgestellt. Man kann hier und da optimieren, aber ganz umwerfen brauchen die inhaltlich nichts. B5 übertreibt es ein wenig mit dem 15min Takt, 30min würden es auch tun, aber die Grundsatzidee des Senders (nach BBC radio 5 live) ist richtig. Der DLF ist damit gar nicht vergleichbar.

Nee. Der BR ist denkbar schlecht aufgestellt. Seit Jahren führt ABY in der werberelevanten Zielgruppe und Bayern 3 ist der ewige Dauerverlierer.. So was gibt es bei Sendern außer RBB nur noch noch in Hessen mit FFH gegen hr3.

von Schwabinger - am 31.01.2014 18:06

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Der BR sollte sich lieber mal Gedanken darum machen Bayern+ auf die BR-Klassik Frequenzen aufzuschalten.
Erstens hat Bayern+ einen viel weiteren Hörerkreis.
Zweitens ist es von Frühmorgens bis spät in den Abend hinein informativ und durchmoderiert. (Kann man von Puls nicht so behaupten dort bekommt man nur zu hören was so aktuell im Internet los ist aber aus dem Welt geschehen eher weniger)
Drittens: Fehlt diese Musikfarbe (Schlager) in Bayern auf UKW.

Und ich denke bei Bayern+ werden sich auch Antenne Bayern und co. nicht dagegen stören. PULS können ja Antenne Bayern und co nicht ausstehen wegen Konkurrenz somit hätte man dann 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Jeder wäre dann zufrieden.

Voraussichtlich ende 2014 fällt ja Bayern+ auf Mittelwelle eh weg also wäre das der einzig und richtige Weg, denn DAB+ ist leider noch nicht bei jeden angekommen und bei vielen neuen Automobilen soll das angeblich nicht nachrüstbar sein wie ich hörte. Also ist man sozusagen auf UKW angewiesen wenn man nicht vorhat sich die nächsten 5 Jahre ein neues Auto mit DAB+ zukaufen.

Es gibt viele Argumente für DAB+ only Ausstrahlungen es gibt aber auch einige dagegen und die überwiegen halt vor allem im Auto unterwegs. Zuhause im Wohnzimmer ist das nicht so gravierend, da kann ich zu jederzeit meine Stereoanlage DAB+ tauglich machen für ca 50 –80 € gibt es DAB+ Stettopboxen.:)

Ein bekannter hat sich im letzten Jahr einen Jahreswagen natürlich ohne DAB+ gekauft. Als er dann von Bayern+ erfuhr und nach der Frage wie man das empfangen könne wollte er einen DAB+ Empfänger im Auto nachrüsten lassen. Er war bei 4 Autohändlern in der nähe und alle sagten bei diesen Modell kann kein DAB+ Empfänger nachgerüstet werden, denn das ist nur bei einer Neubestellung ab werk möglich. Na gut dann muss man halt auf DAB+ verzichten. :mad:

Soviel dazu.

von Franken - am 01.02.2014 15:11

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Die Stellungnahme von der BLM ist draußen:

Zitat
BLM
Medienrat verabschiedet Resolution zu aktuellen Hörfunk-Planungen des Bayerischen Rundfunks

Der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat in seiner Sitzung am 20. Februar 2014 folgende Resolution zu den Planungen des Bayerischen Rundfunks, das Jugendradio Puls künftig auch über eine UKW-Frequenzkette auszustrahlen, verabschiedet:

„Mit großer Sorge hat der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien Diskussionen beim Bayerischen Rundfunk zur Kenntnis genommen, das Jugendradio Puls künftig auch über eine UKW-Frequenzkette im Austausch gegen BR Klassik ausstrahlen zu wollen.

Durch die Pläne des BR besteht die Gefahr, dass das über Jahrzehnte gewachsene austarierte Gleichgewicht im dualen System zwischen den Hörfunkprogrammen des Bayerischen Rundfunks und denen der privaten Anbieter aus dem Lot gerät. Nachdem die Ausstattung mit UKW-Frequenzen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk historisch bedingt ohnehin wesentlich besser ist als für die privaten Anbieter, würde ein Jugendradio des BR über UKW zu einer Wettbewerbs¬verzerrung auf dem Hörermarkt gegenüber den jugendorientierten Programmen der privaten Anbieter führen. Dies hätte auch dann schwerwiegende Auswirkun¬gen, wenn das Programm des BR werbefrei ausgestrahlt würde, da weniger Hörer für die privaten Anbieter automatisch weniger Werbeeinnahmen zur Finanzierung ihrer Programme bedeuten.

Darüber hinaus würde die nachträgliche Versorgung eines vom BR digital konzipierten Programms mit analogen Frequenzressourcen auch einen Schlag für die weitere erfolgreiche Entwicklung des digitalen Radios bedeuten und die bisherige Vorreiterrolle Bayerns bei der Digitalisierung des Hörfunks in Frage stellen. Der Austausch eines digital verbreiteten Programms gegen ein analog verbreitetes Programm ist deswegen nach dem Rundfunkstaatsvertrag auch ausgeschlossen; das Bayerische Rundfunkgesetz ist in dieser Frage rechtlich widersprüchlich. 
In den vergangenen Wochen hat der BR durch seinen Intendanten mehrfach Gesprächsbereitschaft in der Sache signalisiert. Der Medienrat erwartet eine baldige Aufnahme dieser angekündigten Gespräche. Gleichzeitig appelliert er an den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks, die UKW-Verbreitung von BR Puls nicht durch vorzeitige Beschlüsse zum medienpolitischen und medienrechtlichen Streitfall zu machen.“

http://www.blm.de/de/pub/aktuelles/pressemitteilungen.cfm?eventPress=press.DisplayDetail&pressrelease_ID=1975

von Zwölf - am 20.02.2014 14:34

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Ich zitiere mal aus einer der PMs:
Zitat

Die Reichweite des bundesweit erfolgreichsten Kultur- und Informationsprogramms steigt von 3,5 Prozent auf 4,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 20 Jahren. Der Reichweitenerfolg von Bayern 2 geht zu einem großen Teil auf jüngere Hörer zurück, für die das vielfach preisgekrönte Programm immer attraktiver wird.

Mal schauen, ob der Anteil junger Hörer erhalten bleibt, wenn der Klassik-Anteil erhöht wird.

Zum Vgl. noch den weitesten Hörerkreis, der m.E. bei Einschaltprogrammen nicht ganz unerheblich ist:

Reichweite der Programme nach der ma Radio II (Juli 2013) im Vergleich zur ma Radio I (März 2013):

Bayern 1 45,2 % (45,9 %)
Bayern 2 15,5 % (13,3 %)
Bayern 3 55,8 % (52,5 %)
BR Klassik 11,1 % (10,2 %)
B5 aktuell 21,6 % (19,4 %)
BR: Tagesreichweite (Mo-Fr): 47,7%, Weitester Hörerkreis: 77,4%


Zum Vergleich WDR:

1LIVE 52,3 % (52,0%)
WDR 2 48,4 % (46,8%)
WDR 3 11,4 % (10,4%)
WDR 4 28,4 % (28,0%)
WDR 5 10,5 % (9,8%)
FHE 3,8% (3,9%)
(SWR3 in NRW 10,1% (10,7%))

WDR: Tagesreichweite (Mo-Fr): 51,3%, Weitester Hörerkreis: 81,2%

Quellen:
http://reichweiten.de/index.php?mode=whk&output=pro&key=602013101.1.1.7113.10001115.1&stichprobe=1&pwert=0
http://reichweiten.de/index.php?output=pro&key=602013101.1.1.7108.10001115.1&mode=whk&stichprobe=1&pwert=0

Meines Erachtens zeigt dies vor allem, dass alle Programme ihre Berechtigung haben, da ein zweistelliger Prozentsatz an Sendernutzern nicht marginal ist. (FHE ist eine Ausnahme, weil hier die UKW-Frequenzausstattung nicht so gut ist) Eine Umwidmung würde einen durchaus beträchtlichen Teil der Bevölkerung treffen.

von Zwölf - am 22.02.2014 10:00
Nochmal etwas Radio Utopia, zumindest derzeit in Bayern:

BR Klassik

Bild #1: REI(89-9)_Berchtesg(99-6)_Brotj(100-9)_Ebbs(91-1)_GAP(95-9-100W)_Gelbels(88-0)_Hochb(97-0-5kW)_HPeiß(100-4)_M-Ism(103-2-200m)_Mittenw(98-3)_LA(93-2-250W)_Reit(93-1)_Teg97-9-100W)_TÖL(100-7)(12e00_48n15).jpg


Bild #5: Brotj100-9_Di87-6_Gelb88-0_HBogen88-3_LA93-2_185_div(12e38_49n14).jpg

http://www.bilder-hochladen.net/files/9jd1-4ai-02a3-jpg.html


B5aktuell

Bild #2: Burgbg(90,2)_Herzogst(104-1)_Hühnerbg(25kWND)_Oberammerg(93-1_10W)_Pfornten(102-4)_Wendelst(102-3)_Weiler(96-5)_185_div(10e54_48n14).jpg

http://www.bilder-hochladen.net/files/9jd1-4af-f127-jpg.html

Bild #3: Di102-5_HLinie(25kWND110m)PA95-6_Wendelst102-3_Untersbg100-7_185_div(12e38_48n31).jpg

http://www.bilder-hochladen.net/files/9jd1-4ag-59b8-jpg.html

Bild #4: Di(102-5)_Ochsenk(102-3-50kW-80m)_Hühnerb96-1_HoheLinie(25kW-110m)_185_div(11e56_49n14).jpg

http://www.bilder-hochladen.net/files/9jd1-4ah-4cef-jpg.html


...möglich wäre also vieles.

von Thomas (Metal) - am 02.03.2014 13:56
Zitat
RheinMain701
Klassikhörer haben ein Einkommen jenseits der 100.000


You made my day!

Schauen wir auf die Alten: es gibt - möglicherweise vor allem in Ostdeutschland - unzählige "Kulturenschen", die von einer hundserbärmlichen Rente vegetieren müssen und nicht einmal 100 EUR für ein Radio auszugeben in der Lage sind, wenn ihr vorhandenes kaputtgeht. Ich kenne solche Fälle aus Berlin. Die, die einst in künstlerischen Bereichen gearbeitet haben, bekommen oft kaum genug zum Überleben.

Schauen wir auf die Jungen und da sogar mal auf die "Täterseite": wenn Du wüßtest, wie beschissen z.B. junge Opernsänger finanziell dran sind, würdest Du nicht solche Aussagen verbreiten. Mit Intendantenwechsel fliegen sie raus, ansonsten siehts auch eher so aus, daß sie jährlich in einer anderen Stadt / einem anderen Land arbeiten. Sie leben aus dem Rollkoffer und hausen teils in WGs, an Familienplanung ist nicht zu denken. Für ihren knochenharten Job bekommen sie so wenig Geld, daß frisch absolviert habende schwäbische Maschinenbaustudenten dafür früh nicht aufstehen würden.

Ein paar Zitate aus der Realität:

"Immerhin haben sich die deutschen Bühnen auf 1650 Euro brutto Mindestgage geeinigt. Die höchste Gage liegt an kleinen und mittleren Bühnen zwischen 2500 und 2800 Euro."
http://waz.m.derwesten.de/dw/kultur/opernsaenger-hauptsache-billig-aimp-id9045660.html?service=mobile

Gehalt Opernsänger Jahresgehalt (brutto) 32.500 €
http://www.gehalt.de/einkommen/Opernsaenger/1231647

„Ich habe an einem großen Haus Königin der Nacht, Blonde, Zerbinetta gesungen, eben all die Partien, die man als Koloratursopran können muss. Und das für 1000 Euro netto im Monat.“
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.die-oper-in-der-kritik-opernsaenger-beklagen-knebelvertraege.b6adea92-04a9-4c84-8240-84a7d09caf01.html

Das Berufsunfähigkeitsrisiko ist dabei nicht unerheblich - zumidnest mehr als in vielen anderen Branchen. Dazu eine Sendung von... ähm, BR Klassik: http://www.nmz.de/taktlos/2009/takt138.shtml


Die Klassikhörer in meinem Umfeld lassen sich auch nicht nach Einkommen herauspicken, sondern nach ganz anderen Kriterien, die mit Geld nicht korrelieren. Aber z.B. mit bestimmten ethischen Dingen und gewisser Reife. Unabhängig vom Alter.

von Chris_BLN - am 02.03.2014 22:26
Der BR Informiert am 1. April über die Zukunft von BR-Klassik:

"Jung – Stark – Zukunftsorientiert

Der Bayerische Rundfunk widerspricht dem Deutschen Kulturrat, der in Sorge ist, dass BR-Klassik an Bedeutung verlieren werde.

Der Bayerische Rundfunk widerspricht dem Deutschen Kulturrat, der in Sorge ist, dass BR-Klassik an Bedeutung verlieren werde. Martin Wagner, ab 1. Mai BR-Hörfunkdirektor, betont: „Der Bayerische Rundfunk will seine Klassikangebote stärken, auf die Zukunft ausrichten und ein noch jüngeres Publikum für die Klassik gewinnen. Unser Ziel ist, die Klassikkompetenz zu erhöhen und unsere Angebote für das Digitalzeitalter fit zu machen. Wir sind überzeugt, mit dem Wechsel zu DAB+ und durch zusätzliche Internetangebote den Kreis der Klassikhörer in Bayern zu erweitern. Bayern ist Vorreiter beim Digitalradio: Von bundesweit verkauften 3 Millionen Digital-Radios, wurden 1 Million in Bayern angeschafft. Zudem werden im Jahr 2016 deutlich mehr Bürger in Bayern BR-Klassik über DAB+ empfangen können als über UKW. Erst dann stünde ein Wechsel zu DAB+ an. Fest steht, dass der BR seine unbestrittene Klassikkompetenz weiter pflegen und ausbauen wird. Zugleich hätte ein junges Radio wie PULS die Chance, über UKW noch mehr junges Publikum zu erreichen. Insgesamt würden wir jünger und unserem Grundversorgungsauftrag noch besser gerecht."

Als ein entscheidendes Argument für DAB+ nannte Wagner eine Untersuchung des in der Rundfunktechnik führenden Instituts für Rundfunktechnik (IRT), wonach ein Wechsel der Welle BR-Klassik von UKW zu DAB+ eine deutliche Verbesserung der Klangqualität zur Folge hätte. Das IRT kommt zu dem Ergebnis, BR-Klassik über DAB+ sei „nicht mehr von der CD-Qualität zu unterscheiden und damit deutlich besser (…) als UKW“.

Der Bayerische Rundfunk wird alle Argumente zu der bevorstehenden Entscheidung sorgfältig und differenziert darlegen."

Zum vorletzten Absatz: Wollen die etwa mit 128 kbit/s AAC (144 mit Bildchenübertragung) senden? Wenn nicht, ist es wirklich eine Meldung für den 1. April.

http://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/br-klassik-musikrat-stellungnahme-100.html

von Manfred Z - am 01.04.2014 22:51
Zitat
DigiAndi
Nur weil andere Landesrundfunkanstalten Klassik und Wortprogramm (zur Info: bei hr2 gibt es nicht mehr viel intelligentes Wort), also das, was die öffentlich-rechtlichen herausstehen lässt, auf ein Programm quetschen, heißt das nicht, dass der BR das auch machen muss.

Wenn man Aufwand (Kosten) und Nachfrage (Hörerzahl) anschaut, ist das im grunde verständlich. Warum soll eine Minderheit (BR2 und 4 und BR 5 = 3 Programme) gegenüber einer Mehrheit (BR 1 und 3 = 2 Programme) und eine ganze Zielgruppe (Puls) benachteiligt werden? Weiter gefasst könnte man den "Kulturbegriff" auch auf Puls beziehen. Außerdem gibt es immer noch DLF und DLR (im ARD-Verbund wohlgemerkt).

Zitat

mit insgesamt zehn Programmen ist ja im Moment fast alles unterzubringen.

Aber nicht auf UKW...

Zitat

Dann könnte man gleich B5 aktuell einstellen, Bayern 2 zu B5 machen und BR-KLASSIK zu Bayern 2 machen. Wenig sinnvoll. ;)

Wenn der billige Newsdudler zu einer Art WDR 2/Bayern 2 würde, sehr gerne! Dann wäre das Problem ja gelöst. Bayern Klassik kann bleiben und auf B5 kommt Puls.

Zitat
DH0GHU
Trio Bayern 2 - BR Klassik - B5 Aktuell

Von dem Trio ist B5 aktuell der austauschbare Newsdudler und wie ich meine in heutigen Zeiten mit Smartphone & Co. auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Und daher verzichtbar (zugunsten eines Wortprogramms von Bayern 2).

Zitat

Welche Programme der BR nun auf UKW und welche er nur digital verbreitet, ist zumindest mir herzlich egal.

Dir ja, dem BR und diesem Thread aber ganz und gar nicht. Was auch verständlich ist, da eine Bedeutung derzeit nur über UKW erzielt wird. Und ohne UKW verliert der der BR die Jugend ganz (wenn die nocht schon weg ist) und kriegt die später auch nicht mehr zurück.

von Schwabinger - am 09.04.2014 16:05
Zitat
Schwabinger
Wenn man Aufwand (Kosten) und Nachfrage (Hörerzahl) anschaut, ist das im grunde verständlich. Warum soll eine Minderheit (BR2 und 4 und BR 5 = 3 Programme) gegenüber einer Mehrheit (BR 1 und 3 = 2 Programme) und eine ganze Zielgruppe (Puls) benachteiligt werden?

Sie wird doch nicht benachteiligt. Sie bekommt PULS sowie diverse kommerzielle Sender, die sich um sie kümmert.
Quote allein ist nicht Maßstab des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich sehe den Nutzen des ÖRs gerade darin, auch Inhalte zu verbreiten, die im kommerziellen Betrieb nicht refinanzierbar wären.

Zitat

Von dem Trio ist B5 aktuell der austauschbare Newsdudler und wie ich meine in heutigen Zeiten mit Smartphone & Co. auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Und daher verzichtbar (zugunsten eines Wortprogramms von Bayern 2).

Ob das die netten Damen und Herren mit der STOP-Kelle auch so sehen, wenn ich zukünftig unterwegs nicht mehr kurz die Nachrichten auf B5aktuell checke, sondern bei Tempo 180 auf der Autobahn das Smarthphone zücke?
Nur weil für Dich etwas verzichtbar ist, ist das für andere noch lange nicht zwingend der Fall.

Immerhin liegt die Einschaltquote bei B5aktuell durchaus im signifikanten Bereich. In der Durchschnittsstunde schalten 144k Zuhörer ein. Bei Bayern 2 sinds 132k, beim Massenprogramm Bayern 3 auch nur 768k!


Zitat

Zitat

Welche Programme der BR nun auf UKW und welche er nur digital verbreitet, ist zumindest mir herzlich egal.

Dir ja, dem BR und diesem Thread aber ganz und gar nicht. Was auch verständlich ist, da eine Bedeutung derzeit nur über UKW erzielt wird. Und ohne UKW verliert der der BR die Jugend ganz (wenn die nocht schon weg ist) und kriegt die später auch nicht mehr zurück.

Jaaa, deshalb ist es ja auch irgendwo verständlich, daß der BR PULS auf UKW aufschaltet. Ich halte hingegen garnichts davon, dass am ProgrammZUSCHNITT rumgedreht wird. Der ist gut wie er ist!

von DH0GHU - am 09.04.2014 16:39
OT:

Zitat
Zwölf
Zitat
Marcus.
Die Deutschen mögen halt Dudelfunkt. In den franz. Ländern ist das zum Beispiel anders, dort haben Programme alla DLF sehr gute Einschaltquoten.

Quelle?


Der folgende Zeitungsartikel aus "L'express" über die Rundfunknutzung in Frankreich ist nicht mehr ganz neu, aber man bekommt eine Idee davon, was in Frankreich so anders ist im Radio als in der BRD:
http://lexpansion.lexpress.fr/actualites/1/actualite-economique/rtl-repasse-devant-nrj-europe-1-devance-france-info_1187059.html

Zusammenfassung:

Höreranteile im Jahr 2012:
RTL 12,3%
NRJ 11,6%
France Inter 10,6%
Europe1 8,9%
France Info 8,8%
RMC 7,5%
France Bleu 7,3%.

Radionutzung in Frankreich gesamt:
täglich 43,551 Millionen Hörer
werktags um 8h00:14 Millionen Hörer
mittlere Hördauer werktags: 2h53
mittlere Hördauer am Wochenende: 2h27

Zitat
DH0GHU

Zitat
Japhi
OT: Die o.g. französischen Sender sind alle Wortprogramme. Nur Hörspiele oder Features senden sie wenige. Geredet wird trotzdem den ganzen Tag.

Als jahrelanger Kenner der ostfrnazösischen Rundfunklandschaft kann ich das bestätigen. Dagegen ist der DLF ein Musikprogramm ;-)
Tagsüber Musik kommt dort eigentlich nur, wenn mal gestreikt wird.


Die französischen Programme mit deutschen Stationen gleichzusetzen ist reichlich schwierig. "France Inter = DLF" funktioniert ebensowenig wie der Versuch, ein "Wortprogramm" nach deutscher Gewohnheit auszumachen. Aus jahrelanger Hörerfahrung beschreibe ich es so:
France Inter würde man mit den Worten deutscher Programmdirektoren als "Gemischtwarenladen" oder "Kraut-und-Rüben-Programm" bezeichnen. Viel Wort in Form von Interviews, Unterhaltungen, Kommentaren; Musik tagsüber recht wenig, dann aber gezielt. Pop, Schlager, Klassik, Jazz, ..., alles in unterschiedlichem Anteil nebeneinander vertreten. Ebenso unterschiedlich der inhaltliche Anspruch: Voriges Jahr z. B. folgte einmal auf eine mittägliche Live-Unterhaltungssendung mit viel Gejohle und Getrampel nachmittags dann ein einstündiges Feature über den Nato-Angriff auf Serbien.
RTL ist France Inter nicht unähnlich bezüglich Themen- und Musikmischung, insgesamt aber stärker unterhaltend ausgerichtet und mit weniger Tiefgang in den Bereichen "Kultur" und "Hintergrund".
Programme der Art von RTL und France Inter kann es also in Deutschland in dieser Form nicht geben, weil sie nicht in die dogmatischen Schubladen - "Zielgruppe", "Durchhörbarkeit", "Profil" - deutscher Programmverantwortlicher passen.
Europe 1 und RMC sind beide vom Typ Info- und Talkradio, auch ohne Entsprechung in Deutschland; France Info hingegen ist ähnlich NDR 4 oder HR info.
NRJ ist im groben ein Hitdudler (allerdings mit mehr Wort und größerer Rotation als vergleichbare Programme in D), France Bleu eine pop- und schlagerlastige Regionalprogrammkette mit durchaus viel Wort, tagsüber Info/Gespräche/Unterhaltung, abends "Wunschkonzert" (anrufende Hörer dürfen sich Titel, die ihnen die Redaktion vorgibt, wünschen) mit superschmieriger Moderation.
Bezüglich der o. g. Quoten heißt das, über 40% der französischen Hörer schalten Wortprogramme im weiteren Sinne ein und mögen also Wortbeiträgen über 1min30 oder einer genreübergreifenden Musikmischung folgen. Andersherum: über 40% hören keine Hitdudler!

von W28 - am 11.04.2014 08:35
Zitat
HansEberhardt
Zutreffend finde ich
Zitat

Irreführung
Die Petition trägt den falschen Titel! Es geht nicht darum, BR Klassik abzuschalten, sondern darum, dass BR Klassik seinen UKW-Frequenzplatz behalten kann. Aber scheinbar geht es hier ja darum, die Zuhörer ins Bockshorn zu jagen indem man so tut als ginge es um die Abschaltung um möglichst viele Unterzeichner zu finden, auch wenn die ggf. gar nicht verstehen/mitbekommen, worum es eigentlich geht. Ein Click ist schnell gemacht, wenn man denkt, es ginge darum, einen Sender zu \"streichen\". Stattdessen sollte man sich eher damit beschäftigen, ob die UKW-Frequenzvergabe gerecht erfolgt.


Für viele Hörer in Bayern ist eine UKW-Verbannung aber nunmal gleichbedeutend mit "Abschaltung".

Ich sehe es doch schon an meinen Thüringer Eltern (75 & 79), auch wenns da nicht primär um BR Klassik geht: Radio ist UKW. Internetradio wäre nichtmal möglich, es gibt hier (Stadt mit 100.000 Einwohnern) nichtmal DSL, weil man in den 90ern auf Glasfaser gesetzt hat. Gäbe es DSL, käme meinen Eltern keins ins Haus, kostet Geld, ist ein Vertrag und braucht Strom / läuft wieder ein Gerät / Brandgefahr / verstehen wir nicht mehr / können wir nicht bedienen.

Formal könnten meine Eltern via DVB-C Radio hören. Tun sie auch nicht, ein DVB-Receiver an der Wohnzimmeranlage wurde abgelehnt, wieder eine häßliche Kiste. Paßt da nicht hin - sehe ich selbst auch so. Steht sowieso schon zuviel Technik dort herum. Letztlich ist die vorhandene Anlage auf CD-Abspielen reduziert, meine Eltern trauen sich nichtmal eine Quellenumschaltung zu, können deshalb den eingebauten UKW-Tuner nicht nutzen und auch nicht den Plattenspieler. Und dabei ist die Anlage einfach aufgebaut, darauf habe ich schon geachtet:



Vater (einst Hochfrequenzingenieur, kennt wohl auch noch die Sockelschaltbilder der gängigsten Röhren auswendig) benutzt beim CD-Player nichteinmal den Titelsprung, da bei einem solchen sein alter Discman (den er in den 90ern mit 2 Adaptern an einer Eigenbau-Anlage aus DDR-Zeiten betrieben hatte) den Geist aufgegeben hat. Das hat sich bei ihm so im Kopf festgesetzt, daß er davon ausgeht, ein CD-Player sterbe zwangsläufig bei einem Titelsprung. Man kann es ihm nicht ausreden, funktioniert einfach nicht mehr.

So, und nun erkläre solchen Menschen mal, daß sie jetzt auf DAB oder Internetradio umsteigen müssen und dabei von übertragenen CD-Hüllen-Fotos oder anderem Krempel profitieren können. Beides würde eine neue Komponente erfordern, das sieht nicht gut aus, also läßt mans, ist ja nur Radio und man stirbt ja eh bald.

Genau das gleiche erlebe ich bei einem exakt gleichaltrigen Paar aus der Nachbarstadt, beides Akademiker, die Frau mit Konzertflügel im Wohnzimmer. Bis heute gehen sie davon aus, daß die Nutzung von DVB-T zum Fernsehen (der 26er Sharp, den man ihr mal im örtlichen Medimax aufgeschwatzt hatte, kann nur analog und DVB-T und das regionale Kabelnetz hat analog nichtmal mehr arte und ist schauderhaft), die ich ihnen mit 30 cm Draht in der Antennenbuchse eingerichtet habe, illegal sei und bestraft werden könnte, wenns rauskommt. Der Mann war ganz früher mal Lehrer (u.a. Physik) und hat dann Jahrzehnte lang die Chemielehrer-Didaktik der dortigen Universität gemacht. Nun wurde ihnen der Kabelanschluß, den sie ja nur noch für UKW-Radio verwendeten, gekündigt, weil das Netz modernisiert werden müßte und der Netzbetreiber den Aufwand nicht macht für eine handvoll in dieser Straße angeschlossene Häuser, sind alles Einfamilienhäuser und die könnten ja auf Sat. Die Leute sind in Panik, weil dann BR Klassik (auf "1"!), WDR 3, hr 2 und NDR Kultur wegfallen und nur noch DLF, D-Kultur und Figaro bliebe. Sie fühlten sich "wie amputiert". Aber eine andere Lösung? Nee, dazu müßte ja etwas verändert werden. Es gibt ein Alter, ab dem Sterben offenbar als weniger problematisch empfunden wird.

Und so geht das hier munter weiter. Wenn etwas nicht mehr geht, wird halt verzichtet. Die Hemmschwelle für Investitionen in "Nebensächlichkeiten" ist hoch. Die Hörer, die Radio nicht als überlebenswichtig empfinden, verliert man, wenn man von UKW weggeht. Selbst bei TV sind die Leute radikal: eine Nachbarin hat sich ein Jahr lang mit 3 Programmen (Das Erste, ZDF, MDR) begnügt, weil das nach der Sat-Analogabschaltung die einzigen im regionalen Netz verbliebenen analogen Programme waren. DVB-C? Neuen Fernseher? Nö - nach einem Jahr dann buchte die Frau auf Anraten ihrer Verwandten aus der Innenstadt Kabel Deutschland, da gibt es ja Analogempfang... das habe ich dann aber gewaltsam beendet, Vertrag storniert, beim alten Betreiber geblieben (KDG liegt parallel, nutzt aber niemand, der noch halbwegs klar in der Rübe ist) und neuen TV gekauft.

Auch deutlich jüngere (40): UKW ist Schrott, aber was anderes beschaffen? Nee, dann lieber kein Radio mehr hören. Man muß offenbar schon sehr Freak sein, um Programmvertreibungen im Jahre 2014 noch zu folgen. Oder Radio ist das generell nicht mehr wert. Selbst bei mir liegt seit Umbauarbeiten in meinem Zimmer im Hause meiner Eltern kein Antennenkabel mehr, damit habe ich keinerlei Radioempfangsmöglichkeit mehr (UKW schon lange nicht mehr, dBox 1 nun ohne Signal tot). Und in meiner eigenen Wohnung in Berlin habe ich zwar Sat, aber dieses Jahr wohl auch noch nicht mehr als zwei, drei Stunden Radio gehört.


Dieser Satz stößt mir dann noch sehr sauer auf:

Zitat

Stattdessen sollte man sich eher damit beschäftigen, ob die UKW-Frequenzvergabe gerecht erfolgt.


Ja, sollte man. Antenne Bayern ist kulturfrei, Bayern 1 ist kulturfrei, Bayern 3 ist kulturfrei und Puls wäre auch kulturfrei. In den größeren Städten laufen zig weitere kulturfreie Wellen und bieten faktisch identischen Inhalt zu diesen überregionalen Wellen. DLF ist leidlich, D-Kultur ist überhaupt nicht flächendeckend auf UKW. B5 ist ein Nachrichtendudler, bleiben Bayern 2 und BR Klassik, die das kulturelle Geschehen abbilden, vor allem mit Schwerpunkt Bayern. Beide ergänzen sich aus meiner Sicht prima, beide sollen unter der UKW-Bevorzugung von Puls leiden und werden Schaden nehmen. Da soll mir bitte keiner mit "gerecht" kommen. Es gibt wahrlich genug UKW-Ketten mit verzichtbaren Angeboten.

von Chris_BLN - am 18.04.2014 21:15
Der Super-Gau sind die Qualitätszeitungen?
Mal wieder werden hier Tatsachen falsch dargestellt und falsch eingeordnet, dass es einem die Haare an allen Körperregionen sträubt:
Ich zitiere aus dem verlinkten Beitrag der SZ:
"Warum aber ist der Fall BR-Klassik von überregionaler, bundesweiter Bedeutung? Weil BR-Klassik der einzige reine Klassik-Sender im ARD-Konzert ist."
So gesehen richtig, aber was hat die UKW-Abstrahlung in Bayern mit der überregionalen Bedeutung zu tun? Überregional wird das Programm über Satellit, Kabel und Internet gehört. Sinnvoll wäre diesbezüglich die bundesweite terrestrische Abstrahlung in einem ARD-Bundesmux!

Auch diese Sender stehen immer wieder unter dem Druck quotenfixierter Intendanten. Vor zwei Jahren erst wandte sich die Initiative "Die Radioretter" in Nordrhein-Westfalen gegen einen Umbau von WDR 3;
Das eine hat mit dem anderen weniger als nichts zu tun. Da ging es um Änderungen im Programm, hier geht es um einen technischen Übertragungsweg!

Auch deshalb erscheint es widersinnig, BR-Klassik vorzeitig aus dem Äther zu verbannen.
BR Klassik würde doch nicht aus dem "Äther" verschwinden...oder sendet DAB neuerdings drahtgebunden?????

Ich kann die Strategie des BR durchaus nachvollziehen. Um Werbeerlöse geht es jedenfalls nicht, da BR Puls werbefrei ist (im Gegensatz zu BR Klassik, wo zugegebenermaßen aber sehr sehr wenig Werbung läuft). Ein etabliertes Programm mit treuem Stammpublikum lässt sich sicherlich eher auf eine neue Übertragungstechnik lotsen als ein Programm, dass sein Publikum erst noch finden und aufbauen muss, wie BR Puls.
Es gäbe natürlich Alternativstrategien: BR Puls als tägliches Fenster bei Bayern 3 (oder Bayern 2), quasi als Appetithappen für das 24h-Programm im Digitalradio. Diese Strategie verfolgte vor 15 Jahren der HR mit seinem XXL-Programm.
Eine weitere Alternative wäre: B5 nur noch auf DAB, Puls auf die fünfte UKW-Kette.
Letzte Alternative: Eine Senderkette auseinanderreißen, z.B. jene von B5. Einige Sender herausnehmen (in den Ballungsräumen) und auf diese BR Puls geben. Kann aber sein, dass dies nach Rundfunkstaatsvertrag nicht zulässig ist, weil der nur 5 UKW-Ketten vorsieht.

von Peter Schwarz - am 22.04.2014 18:32
Zitat
Zwölf
Von einem Chart-Dudler als Jugendradio halte ich allerdings auch nicht viel; dann hätte man nur Bayern 3-Musik in zwei Verpackungen - einer für die jüngeren und einer für die älteren. Beide Verpackungen würden zwar ihre Hörer finden, in Sachen Vielfalt wäre es aber raus geworfenes Geld.

Machen aber alle anderen ARD-Anstalten auch. Und warum soll der BR hier besser sein als der Rest (ok, es gibt hier eine CSU die sich auch als besser als der Rest ansieht und die trotzdem nie meine Stimme kriegen wird).
Zitat
Zwölf
Wobei Bayern 1 schon noch einen verhältnismäßig recht verschiedenen Musikmix hat. Ein Chart-Jugendradio wäre aber schon irgendwie fast die dritte "Stufe". Der SWR hat mit SWR1, SWR3 und DasDing ja schon drei Verpackungen für mehr oder weniger ähnliche Musik; das sollte m.E. kein Vorbild sein.

Das ist nun mal der Trend. Und nicht 3 mehr oder weniger Kulturwellen (BR2, 4 und 5) vs. DLF/DLR.
Und bevor da jetzt Einwände aus NRW kommen: Ok, ihr habt WDR 3, FHE und WDR 5 (ABER AUCH 1LIVE).

Zitat
Chris_BLN
Man schlachtet die beiden Programme, die öffentlich-rechtliche Aushängeschilder sind.

Mag sein. Aber auch die "Jugend" hat ein Anspruch auf "Aushängeschilder".
Und der hier so oft gemachte Verweis hier auf private Angebote ist in dem Zusammenhang lächerlich. Immerhin geht es um einen gebührten -äh haushaltsabgabenen finanzierten Sender, den auch "Jugendliche" (z. B. Studenten, Azubis) zahlen.

@all
Der Zündfunk hat m. E. eine Breitenwirkung gleich null. Kein unter 30 jähriger Normalo hört sich Bayern 2 an. Und kein "normaler Bayern 2-Hörer" hört sich den ZF an.

von Schwabinger - am 23.04.2014 20:31
Kabel gibt es in den städtischen Gebieten, nicht unbedingt im ländlichen Raum. Und selbst wenn: nur Kabel-UKW wäre da praktikabel, schon DVB-C erfordert häufig Receiverkauf oder Mitlaufenlassen des Fernsehers - beides unpraktisch, zumal es keinen auf Radioempfang für Normalmenschen optimierten DVB-C-Receiver gibt (außer dem Restek, der aus ganz pragmatischen Gründen nicht in Frage kommt).

Für Sat gilt beinahe das gleiche. Es gibt ein paar mehr Satreceiver als Kabelreceiver, die sich manierlich als Radio verwenden lassen, auch günstige gebrauchte (Technotrend S845 z.B. schlanke Kiste im 43er Rastermaß) - aber ohne Bildschirm geht da auch nix. Es gäbe sogar einen Satempfänger mit eingebauten Lautsprechern - für unter 200 EUR zu haben. Aber Sat-Anschlüsse haben viele nur einen und den im Wohnzimmer - wie wird dann z.B. in der Küche gehört, evtl. im Schlafzimmer oder im Arbeitszimmer?

Radiohören über Sat ist oft mit Gebastel verbunden - und das traue ich Jugendlichen eher zu als Senioren, die dann schnell in die "ich sterbe ja sowieso bald"-Rolle fallen. Das Altersspektrum von PULS dürfte deutlich unter dem von BR Klassik liegen, auch wenn BR Klassik Angebote für alle Altersgruppen hat.

Für mich bleibt es dabei: die Argumentation des BR ist völlig befremdlich und erreicht kein bißchen das, was damit bezweckt wird. Man merkt überdeutlich, daß hier eine Entscheidung aus völlig anderen Gründen (Quotenoptimierung der UKW-Ketten und den Privaten paar Hörer wegnehmen) auf "Gutmenschenart" alimentiert werden soll. Und damit macht sich der BR mehr als nur lächerlich. Es ist geradezu schäbig, wie hier Kultur gegen Indie/Popdudel ausgespielt wird und dabei auch noch an Bayern 2 gesägt wird. Und das sage ich als bekennender Indie-Fan, dem PULS heute gewiß musikalisch von allen jungen ARD-Wellen am meisten zusagen würde. Würde, wenn ich denn noch Popradio hören würde.

von Chris_BLN - am 25.04.2014 11:38
Zitat
Digi Andi
Mt dem Argument könnte man auch gleich sämtliche Klassik-, Kultur- und Wortprogramme der Landesrundfunkanstalten einstellen...

Nee. Man könnte nur DLF/DLR (und ggf. DRW) mal in die Überlegungen der Landesrundfunkanstalten mit einschließen. Also ein Erkennen dort, das es neben der eigenen Kulturwelle (in Bayern und NRW: Der Kulturwellen) eben auch noch einen anderen öffentlich-rechtlichen Sender gibt, der auch dieses Segment abdeckt.
Mehr nicht und nicht weniger.

Etwas OT/Träum: Warum nicht DLR als bundesweite Klassikwelle? Klassik braucht nun wirklich nicht auf Bayern beschränkt werden. Oder warum nicht eine bundesweite Klassikwelle der Öffis und den "Wortkulturpart" übernimmt das DLR?
OT/Träum aus.

Zitat
Chris_BLN
Für mich bleibt es dabei: die Argumentation des BR ist völlig befremdlich und erreicht kein bißchen das, was damit bezweckt wird. Man merkt überdeutlich, daß hier eine Entscheidung aus völlig anderen Gründen (Quotenoptimierung der UKW-Ketten und den Privaten paar Hörer wegnehmen) auf "Gutmenschenart" alimentiert werden soll. Und damit macht sich der BR mehr als nur lächerlich. Es ist geradezu schäbig, wie hier Kultur gegen Indie/Popdudel ausgespielt wird und dabei auch noch an Bayern 2 gesägt wird. Und das sage ich als bekennender Indie-Fan, dem PULS heute gewiß musikalisch von allen jungen ARD-Wellen am meisten zusagen würde. Würde, wenn ich denn noch Popradio hören würde.

Sehe ich anders. Der BR macht sich doch im Konzert der ARD-Anstalten und sonstwo dermaßen lächerlich, dass er als einziger keine Jugendwelle auf UKW anbietet.
Frei nach dem Motto "wir können alles, außer Jugend". Und der BR hat nun mal das Problem (genauso wie z. B. der hr), dass der private Platzhirsch seit Ewigkeiten in Sachen Popradio mit sehr sehr großem Abstand führend ist. Konkret ABY vs. BR 3 (oder in Hessen FFH vs. hr3). Irgendwann stellt sich da mal ein Argumentationsproblem für den haushaltsabgabenfinanzierten Sender.

Und noch mal: Alle anderen Öffi-Sender haben eine Jugendwelle auf UKW.. Nur der BR nicht.

von Schwabinger - am 25.04.2014 16:15
Zitat
Zwölf
Zitat

Davor kommen also vor allem Themen wie Ausbildung & Schule, erste Jobs & Ämterkontakte, Sexualität & Freundschaft, Drogen & Alkohol etc. dran.

Hm... ich finde das klingt irgendwie langweilig, obwohl ich nach deiner Def. noch zur Zielgruppe gehören würde. Aber auch früher hätte ich das nicht unbedingt im Radio hören wollen; ich hätte/würde vielleicht nicht gleich umgeschalten, aber extra deshalb ein bestimmtes Programm hören, hätte und würde ich nicht. Aber gut, das ist natürlich meine subjektive Sichtweise; anderen geht's da vielleicht anders.


Stimmt. Klingt langweilig. Und ist es vielleicht sogar auch. Deshalb schrieb ich auch dazu "Schwierige Frage, deren Beantwortung zudem sehr stark vom Alter des Beantworters abhängen dürfte. " Da aber ein reiner Musiksender kein "Jugendradio" ist, sondern eben nur ein Musiksender, der aus Beratersicht vermutlich jüngere Leute anspricht, müssen schon im Wortanteil eines "Jugendradios" vorrangig (nicht ausschließlich!) jugendaffine Themen vorkommen. Mit fast 50 denkt man sich dann halt, daß obige "Classix" wohl dazugehören könnten... (die Intendanten sind auch kaum jünger :D ). Es gibt aber sicherlich noch weitere Themen - ein Teil davon steht seit 50 Jahren unverändert in der "Bravo" (und interessiert keinen >18J. mehr).

Zitat
Peter Schwarz
Ein "Jugendradio" müsste schon alle Musikrichtungen spielen, die Jugendliche hören: Pop, Rock, Indie, Punk, Metal, Rap, Reggae, DubStep, Drum'n'Bass, Soul, Electro, House, Techno und alle möglichen neuen Ausprägungen usw. und dazu thematisch so aufgestellt sein, dass er die Jugend auch anspricht.
da fehlt aber noch was... Es gibt einen gar nicht mal so kleinen Anteil an Jugendlichen, die unerwarteterweise ganz andere Musik hören wie "Klassik", sich dazu aber niemals auf dem Schulhof outen würden! Die würde ich allerdings auf einem Jugendradio nicht unbedingt erwarten... warum auch. Noch gibt es ja eine Klassikversorgung über UKW, die von diesen auch genutzt wird [Ja, betreffende Personen sind mir bekannt]. Die Grunddefinition muss schon von den Themen herkommen, die Musik ist nur Verpackung und Transportmittel und sollte aktuelle Trends abbilden.

Und mit den Themen wird es um so schwieriger, je breiter man die Gruppe "Jugend" altersmäßig definiert. Wenn ich da z.B. an diese Schülerradios denken. Man sollte ja meinen... Ok, das sind also die Themen, die diese Altersgruppe interessieren... nur würde sich das außer Mitschülern, Eltern, Onkels und Tanten auch keiner anhören wollen...

Wenn also Ausbildung & Schule, erste Jobs & Ämterkontakte, Sexualität & Freundschaft, Drogen & Alkohol und Schülerradiothemen allesamt langweilig sind, was bleibt?
Stars, Sternchen & Comedy? Also das gleiche, wie für die 25-49 Jährigen - nur mit anderer Musikverpackung? Wozu dann überhaupt ein extra Jugendradio...?

von iro - am 26.04.2014 20:01
Zitat

Stimmt. Klingt langweilig. Und ist es vielleicht sogar auch. Deshalb schrieb ich auch dazu "Schwierige Frage, deren Beantwortung zudem sehr stark vom Alter des Beantworters abhängen dürfte. " Da aber ein reiner Musiksender kein "Jugendradio" ist, sondern eben nur ein Musiksender, der aus Beratersicht vermutlich jüngere Leute anspricht, müssen schon im Wortanteil eines "Jugendradios" vorrangig (nicht ausschließlich!) jugendaffine Themen vorkommen. Mit fast 50 denkt man sich dann halt, daß obige "Classix" wohl dazugehören könnten... (die Intendanten sind auch kaum jünger ). Es gibt aber sicherlich noch weitere Themen - ein Teil davon steht seit 50 Jahren unverändert in der "Bravo" (und interessiert keinen >18J. mehr).


Ich denke, dass vieles bereits vom Internet abgedeckt wird. Kaum einer hört Radio um sich zu informieren (außer vlt. Nachrichten), persönliche Ereignisse werden eher in den sozialen Netzwerken zelebriert und Alkohol und Drogen können auf einem öffentlichen Sender nur beschränkt thematisiert werden, ohne sie einerseits zu verherrlichen und andererseits nicht wie die x. Präventionsmaßnahme rüberzukommen.
Ich glaube im Mainstreambereich ist es eher eine Sache der Verpackung; manche wollen es möglichst grell, schnell usw., aber nicht alle. Ansonsten gibt es halt noch die Szenen; der Horror von gewinnorientierten Unternehmen. Denn diese Szenen sind weit gestreut, ihre Anhänger haben oft eine entsprechende Identität und damit meist verbunden der Wunsch sich vom Mainstream oder anderen Szenen abzuheben und gerade nicht zusammenfassen zu lassen. Den Schuhplattler, Klassikfan, Twilight-Freak, Mode-Fan, Rocker, Gothik-Anhänger usw. mit einem Programm zufrieden zu stellen, wird nicht funktionieren, sowohl was die Musik als auch die Themen betrifft.

von Zwölf - am 27.04.2014 00:05
Zitat
Schwabinger
Ob die Macher von Puls viel Arbeit reinstecken etc. spielt doch keine Rolle. Vom Auftrag her beim BR sollen sie ein Jugendradio machen. Und das ist es nach der Definition aller anderen "Jugendradios" der ARD und "jugendradioähnlichen Angeboten" der ARD nun einfach schlichtweg nicht.

[...]

Eben nein. Beim BR (und in diesem Thread) geht es um ein Jugendformat. und nicht um ein Anti-Dudelfunkmodell und Abdeckung einer Sparte. Denn bei letzterem könbnte der BR noch 20 Programme aufschalten und es würden immer nioch einige Sparten fehlen.


Dann behaupte ich: das, was heute bundesweit (offenbar überall außerhalb des BR-Gebietes) unter einem "Jugendformat" verstanden wird, brauchen wir nirgendwo gebührenfinanziert. Sowas läßt sich allerbilligst und mit saftig brüllender Werbung garniert privat veranstalten. Man nehme als Musik den gut getesteten "heißen Scheiß", dazu eine grelle Verpackung und blöde, blökende Ausrufer mit provozierendem Getue, sage 10 mal pro Stunde "cool" und "Facebook", mache als "Wortbeiträge" Stau- und Blitzermeldungen, sende samstags aus einer Großdisco, jage sein Programm durch einen mit dem härtesten Preset verbogenen Optimod und lasse alles andere weg - auch das Horoskop. Das kostet fast nichts. Und es hat nichts, das einen öffentlich-rechtlichen Status rechtfertigen würde.

Übrigens: so was (gelaufen auf Bayern 2) zielt auf eine nicht so unwesentlich ältere Zielgruppe als die, die sogenannte "Jugendwellen" erreichen. Wer hat Kinder im Alter von vielleicht 5-6 Jahren? Richtig: oft Leute im Alter um die 30-40. Fast noch Jugendwellenalter, zumindest reales Jugendwellenalter (die ARD-Jugendwellen wollen ja jünger sein, als sie sind). Merkt ihr den Unterschied? Genau dafür gibt es öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und das Programm ist bereits auf UKW, man muß es nur nutzen - solange es noch nicht hingerichtet wurde.

Aber der Thread ging nicht darum, sondern um BR Klassik auf UKW. Und da erschließt sich mir die "Argumentationskette" des BR weiterhin nicht. Die "Alten" steigen nicht um auf digital, die steigen aus. Die jungen Hörer von BR Klassik steigen vielleicht um, wenns ihnen das Programm wert ist. Neue Hörer kommen aber dann auch kaum hinzu: "Alte" sowieso nicht und junge nach Argumentation des BR auch nicht, denn wenn PULS für mehr Zuspruch UKW braucht, warum sollte das bei BR Klassik anders sein?

von Chris_BLN - am 29.04.2014 07:52
Zitat

Dann kannst du genauso fragen: Warum brauchen die Älteren ein Klassikradio?

Weshalb die Älteren? BR-Klassik hat in der Altersgruppe 10-29 nur ein halbes Prozent weniger Tagesreichweite als bei der Gesamtbevölkerung.
Zwischen Bayern 1 und BR-Klassik gibt es musikalisch ja auch überhaupt keine Überschneidungen. Bei einem mainstreamigen Jugendradio gäbe es zahlreiche Überschneidungen mit Bayern 3; und wenn man den MAs und FABs zumindest ein bisschen trauen darf, sind es auch genau diese mainstreamigen Programme, die die Mehrheit der Jugend gerne hört.
Ich zitierte einmal aus einem TAZ-Artikel von Mai letzten Jahres:
Zitat

Puls verjüngt sich, schraubt die Zielgruppe auf Anfang 20

und die Welt schrieb:
Zitat

Mit einem Vollprogramm im Radio, einem Onlineauftritt, einem eigenen Magazin im Bayerischen Fernsehen und einer App sollen junge Leute ab 19 Jahren angesprochen werden.

"Wir wollen eine neue Zielgruppe erobern und deutlich mehr Nutzer haben als bisher", sagte der Jugend-Chef des BR, Thomas Müller, in München.

Im Wikipedia-Artikel zu Bayern 3 steht:
Zitat

Bayern 3 ist ein modernes AC bis Hot-AC Programm, das als Kernzielgruppe HörerInnen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren anspricht. [...] Noch bis Mitte des Jahres 2005 war die Auswahl noch stärker an den vermeintlichen Hörgewohnheiten einer jüngeren Zielgruppe (ab ca. 19 Jahren) ausgerichtet; der Anteil aktueller Titel hatte seitdem deutlich abgenommen. Durch diese Zielgruppeneinengung wollte der Bayerische Rundfunk Gerüchten zufolge Platz schaffen für eine eigene Jugendwelle. Ein solches ist mittlerweile unter dem Namen PULS via Satellit, DAB und bis 10. Januar 2011 via Mittelwelle sowie im Kabelnetz auf Sendung.

Für mich klingt das wie ein schlechter Scherz. Für was braucht man ein extra Jugendradio, das nicht mehr abdeckt, als Bayern 3 früher und das an der U20-Jugend eigentlich vorbei geht?

von Zwölf - am 29.04.2014 08:10
Mein Beitrag war kein Plädoyer für 100 verschiedene durchformartierte Programme - natürlich wird man für ganz spezielle Geschmäcker nicht rund um die Uhr senden können / müssen. Sonderlich speziell sind klassische Musik oder Rock oder elektronische Musik aber nicht - eher wiederum deren Untergliederungen. Der "klassische" 4-Programme-öffentlich-rechtliche-Rundfunk kann hier nur eine grobe Aufteilung auf wenige Kanäle vornehmen und aufgrund des Kundenverhaltens damit viele Richtungen garnicht bedienen: Wenn er schon für die 3 großen Altersgruppen Halbjung/Mittelalt/Alt (z.B. HR3/1/4, SWR3/1/4, BR3/1/Plus) je ein "zielgruppenorientiertes" Programm ohne Abschaltreflexe liefern muß, bleibt in der Regel nur noch der eine große Kultur-Gemischtwarenladen, in dem aber meist alles andere als Klassik "weggebissen" wird.
Sprich: Selbst für gutmütige Hörer, die ihren Tagesablauf nach dem Rundfunkprogramm richten, bleibt nur wenig Auswahl. Wer sich nicht in die Ecken "Kuschelpoprock, jugendlicher Pop, Alt-Dauerhits mit gelegentlichem Schlageranfall" drängen lassen will, wird bei SWR1-3-4, HR1-3-4 und Co nicht glück sein, er WIRD woanders hin abwandern und WDR2-4-Live allenfalls noch als Nebenbeiberieselung im Büro (dem Kollegen zuliebe, der kein Sunshine Live mag) nutzen.

Schauen wir doch mal die technische Realität an:
Per terrestrischem Rundfunk sind heute pro Versorgungsgebiet in der Fläche maximal ca. 100 Programme ausstrahlbar (DAB+ mit 14 Programmen pro Mux). Sinnvollerweise werden die ÖRs dabei mit höherer Qualität, aber auch mit mehr Regionalisierungen arbeiten. Ich gehe jetzt garnicht auf die Finanzierbarkeit von sagen wir mal der Hälfte der Kapazität durch Kommerzielle und nichtkommerzielle Anbieter ein. Schauen wir uns nur mal die "öffentlich-rechtliche Hälfte" an. Da ist auch bei hohen Qualitätsansprüchen Platz für mehr als zwei Dutzend Angebote. 30 ist realistisch, wobei wir 10 davon gleich mal wieder wegen Regionalisierung wegstreichen.
Mindestens 20 Programme warten also auf Füllung mit Inhalt.

Warum, um alles in der Welt, sollte ein öffentlich-rechtlicher Anbieter also zukünftig NICHT dazu berechtigt sein, diese 20 Inhalte auch zu liefern? Und zwar so, daß der Anhänger von Jazz, Hardrock oder Hörspielen nicht von vorne herein dem Medium Radio "Adieu" sagt, und sich nur noch in Audio-Kaufhäusern des Internets herumtreibt? Das heißt ja nicht, daß man gleich 24h/Tag Jazz spielen muß - aber warum nicht jeden Abend? Warum nicht für die unbestritten hohe Zahl an Klassiklieberhabern ganztägig Klassik wie in Bayern? Mit einem Jazzfenster jeden Abend?
Die Kapazitäten geben das locker her. In den Audioarchiven lagert man teure hauseigene Produktion (auch an Hörspielen), die mangels Programmplatz nur ein mal ausgestrahlt wurde.
Habt ihr euch mal die riesigen Archive des BRs angeschaut? Hunderttausende Sendestunden ohne Wiederholung, die bereits bezahlt sind, liegen dort. Und ja, ich würde diese schon gerne mit Moderation zum Thema (!) serviert bekommen. Mich interessiert schon, was das für eine Band ist, die ich noch nie gehört habe. Der zusammengeklickte Konservenstream liefert das nicht, zumindest nicht aufs Ohr.

Technisch ist diese Vielfalt heute bei terrestrischem Hörrundfunk möglich - nicht auf UKW, weshalb ich diesem Medium auch keine Träne nachweine. Also sollten meine Gebühren verdammt nochmal auch dafür genutzt werden, zu liefern - und nicht für 3-4 plattformatierte Hitradios.

von DH0GHU - am 06.05.2014 19:17
Zitat
DH0GHU
Ich sehe das überhaupt nicht so. Das ist 90er-Jahre-Denke. Wenn nicht gar noch die aus den 70ern.

Wer, wenn nicht öffentlich-rechtliche Anbieter, soll denn bitteschön "nicht-mainstream" in der Fläche verbreiten? Private können / wollen das aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Die Lösung ist daher: Mehr öffentlich-rechtliche Spartenprogramme.
Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Kunden mit 4 Programmen begnügen. Das war vor 20 Jahren kein Problem, denn die Kunden konnten allenfalls auf Overspill sowie teure, in der Spieldauer begrenzte CD, LP oder MC ausweichen (und das im Auto noch recht selten bzw bei MC in "Naja-Qualität"). Heute kehren sie einfach dem Rundfunk insgesamt den Rücken zu und konsumieren Musik außerhalb des Rundfunksystems. Kein normaler Hörer wartet heute X Stunden, bis endlich mal Klassik auf dem Kultur-Gemischtwarenkanal kommt, oder gar Y Tage, bis endlich mal elektronische Musik auf dem Pop-Kanal. Wäre das so, würde ich jedenfalls gleich auf Konserve resprektive Internet umsteigen.


Wenn Rundfunk als Musikübertragungsmedium eine Zukunft haben möchte, muß er sich dieser Herausforderung stellen, und nicht den Herausforderungen von vor 20 Jahren.
Ansonsten kann man ihn gleich auf "Aktuelles Wort" reduzieren. Dann brauchen wir nur noch 87,5 MHz bis 100 MHz und ein paar LW/MW-Frequenzen.


Zumindest ich bezog mich mit meiner Aussage nicht darauf Mainstream aus den ÖR-Programmen zu verbannen! Aber:
es ist ein himmelweiter Unterschied ob man das auf eine interessante Art und Weise macht wie es in Deutschland in Ansätzen nur vom rbb praktiziert wird jedoch im Ausland oftmals gang und gäbe ist; oder aber ob man solch lieblos gestaltete Minirotationsdudler ohne jegliche Innovation betreibt und mit dieser geschuldeten Tatsache jegliche Musik- und Stilrichtungen in digitale Spartenprogramme abschiebt!

Da werden einfach Ressourcen verschwendet die anderweitig besser und vor allen Dingen strukturierter verwendet werden müßten. Spartenkanäle meinetwegen ja und gern, aber es müßen doch jetzt nicht für jegliche Musikrichtungen Spartenprogramme geschaffen werden!

von Anonymer Teilnehmer - am 06.05.2014 20:40
Zitat
Nordlicht2
Nun, die paar Klassikhoerer duerfen gern ihre Klassikwelle auf UKW behalten, wenn auch die Rockmusikhoerer, die Jazzmusikhoerer usw. ihr eigenes Programm bekommen.
Du siehst, es geht eigentlich nur darum, dass hier eine Fraktion ihren Bestandsschutz wahren moechte. Und mit welchem Recht wird klassische Musik als etwas hoeherwertigeres angesehen als die zig anderen Musikrichtungen, die mindestens genauso viele Anhaenger haben?


Das mag durch die Verkürzung der Debatte (besser: durch Sparen an Tiefgang) so rüberkommen, ist es real aber nicht. Der Jazz läuft beim BR nämlich wo? Richtig: auf BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/jazztime/jazztime108.html
http://www.br.de/radio/br-klassik/orchester-chor/konzertkalender/buehne-frei-uebersicht100.html
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/jazz-und-mehr/jazz-und-mehr108.html

Und der Blick in die kulturelle Welt - auch über Klassik hinausgehend, wo läuft der? Richtig: in BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/contrapunkt/contrapunkt100.html
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/musik-der-welt/musik-der-welt108.html

Und das Thema Film und Filmmusik? BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/cinema/cinema108.html

Und liebevoll gemachtes, schund-freies Kinderprogramm, für Zuhörer in einem Alter, in dem noch nicht nach Massen und Mehrheiten, nach Hypes und Trends geschaut wird? BR Klassik.
http://www.br-online.de/kinder/radio-tv/doremikro/

Aufwendig produzierte Features, die Hintergrundwissen vermitteln, an das man durch Kauf von (Klassik-)CDs nicht rankäme? BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/das-musik-feature/das-musik-feature-102.html

Der überaus lebendige, breit gefächerte und zuweilen bitterböse kommentierte Blick in die musikkulturelle Welt, von Klassik bis Jazz, vom Thema Musizieren im Kindergarten bis zum Thema "was wird aus Musikern, die krankheitsbedingt nicht mehr spielen können" (nicht selten, im Gegenteil...), garniert mit Livemusik aus Studio 9: BR Klassik, in Form des Taktlos-Magazins der NMZ.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/taktlos/taktlos102.html
Mal sehen, wie lange noch, denn auch von da gibt es berechtigte Kritik: http://www.nmz.de/artikel/wettbewerbsverzerrung-verhindern-kulturauftrag-staerken

Neue E-Musik? BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/horizonte/horizonte100.html

Junge Szene: BR Klassik.
http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/u21/u21_x108.html
(Warum dürfen die nicht auf UKW bleiben, sind doch Jugendliche, die das hören sollen, und die sind ja laut BR nicht digital unterwegs...)

Da steckt also noch viel mehr dahinter als nur das Abspielen von Klassik. Das alles soll vom nach wie vor einzigen relevanten Radioverbreitungsweg weggenommen werden. Hinzu kommen vermutlich inhaltliche Verluste bei Bayern 2, da dort Sendezeit für das Abspielen von Klassik freigeräumt werden soll.

Und das alles nur, weil man sich zu fein ist, die inhaltsfreie Popwelle Bayern 3 zu verjüngen, was PULS womöglich sogar hätte überflüssig machen können, wenn man damit rechtzeitig begonnen hätte.

Das eigentliche Problem liegt doch ganz woanders: die öffentlich-rechtlichen sind formal zumindest aus ihrer Tradition heraus zur Bedienung kultureller Nischen verpflichtet. Einige tun das heute schon längst nicht mehr (MDR, hr), an der Pflicht hat sich dadurch aber formal nichts geändert. Hinzu kommt heute aber noch, daß angeblich / offenbar heute niemand mehr bereit ist, seine erwartete Versorgung weniger als rund um die Uhr zu bekommen. Das ist der Unterschied zu früher, wo es dann halt einmal am Tag eine Stunde für die Jugend gab. Heute muß das alles 24 Stunden am Tag laufen - und dafür gibt es keine UKW-Kapazitäten.

BR Klassik ist, wie oben gezeigt, durchaus ein Kiosk, der mehrere "Nischen" bedient. Das ist nicht 24/7 Klassik. Das ist Jazz, das ist Weltmusik, das ist allgemeines kulturelles Wort, das ist politisches Wort. Letztlich sind BR Klassik und Bayern 2 die beiden Programme, die dem Auftrag am nächsten kommen und aufgrund ihrer thematischen Vielfalt wesentlich mehr abdecken als die Monokulturen Bayern 3 und Bayern 1 - und als es PULS auf UKW tun würde. Diese 3 UKW-Ketten wären am Ende für das gleiche da: simple Unterhaltung ohne relevanten Inhalt. Davon unterscheiden sich die beiden Programme, die nun eingeschränkt werden sollen.

Dahinter steckt System. Es geht um die Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Beseitigung aller Werte und Funktionen, für die der öffentlich-rechtliche Rundfunk geschaffen wurde. Ich traue heute den "Entscheidern" in solchen Einrichtungen so etwas durchaus zu. Wenn man ihnen eine Beschleunigung der Karriere verspricht, sollten sie auch eine Aufgabe der Zerstörung "gut" erfüllen, sind sie dazu bereit. Ich habe genau das in der Industrie kennengelernt. Es gibt Geschäftsführer, die werden nur zum Abwickeln der eigenen Firma eingesetzt und fallen dennoch immer nur nach oben. Das sind die Auswirkungen eines Systems, das andere Ziele als das des Gemeinwohls hat.

Ein Zitat ist mir noch eingefallen, zuerst begegnet bin ich ihm 1993 in einer Toncollage auf DS Kultur. Damals ging es um den noch zu schaffenden "Nationalen Hörfunk", also das, was heute als D-Radio Kultur unter der Wahrnehmbarkeitsgrenze herumdümpelt.

„Hier im Rundfunk wird der Mehrheit ihr Recht. Zu jeder Tages‐ und Nachtzeit serviert man ihr jenen Ohrenschmaus, ohne welchen sie scheinbar heute nicht mehr leben kann. Und so ist sie immer wild entsetzt, wenn sie einmal für eine kurze Zeit auf diesen Ohrenschmaus verzichten soll. Ich mache diesem Unterhaltungsdelirium gegenüber das Recht einer Minderheit geltend: man muß auch die notwendigen Dinge verbreiten können, nicht bloß die überflüssigen. Und die Tätigkeit der Höhlenforscher, Nordpolfahrer, Ozeanflieger gehört zu diesen Notwendigkeiten. Und in aller Bescheidenheit sei es gesagt: auch die Tätigkeit jener, die auf geistigem und künstlerischem Gebiet Ähnliches wagen. Auch diese haben Rechte, auch diese haben einen Anspruch auf den Rundfunk.“ (Arnold Schönberg, 1931)

von Chris_BLN - am 11.05.2014 07:22
Zitat
Nordlicht2
In den letzten 25 Jahren ist dagegen aber der Anteil an Hoerern klassischer Musik deutlich kleiner geworden. Die heute 60-70 jaehrigen sind mit Beatles gross geworden und nicht mehr mit klassischer Musik. Somit ist es nur konsequent, Klassik auf UKW zu reduzieren und durch eine echte Jugendwelle zu ersetzen. Das entspricht alles genau der Altersentwicklung und des Musikgeschmacks der Bevoelkerung je nach Alter.


Das stimmt vorne und hinten nicht. Sender mit klassischer Musik wenden sich nicht an die 60- bis 70-jährigen Hörer. Es gibt Aktionen, wie jedem Kind ein Instrument in der Schule, es gibt mittlerweile an normalen Schulen Musikklassen, die von Anfang an ein Instrument lernen und viele Studenten spielen Musik an der Uni. Doch egal wie viele es sind, sie hören nicht die Ö-R-Klassikwellen. In Dortmund stehen immer Schüler der Musikschule in der Fußgängerzone mit einem Klavier und spielen Musik. Es sind ausschließlich junge Menschen. Vivaldis Vier Jahreszeiten – Frühling haben in die Top 750 der Radio-NRW-Ostercharts auf einen der vorderen Plätze geschafft (16 oder 17). Die Hörer erwarten aber, dass die klassische Musik – wie Popmusik – nur Ausschnittsweise gespielt wird und nicht ein Konzert über 2 Stunden. Das wollen wiederum die alten Hörer. Klassik Radio gäbe es nicht, wenn die ARD-Anstalten keinen Raum für so einen Sender gelassen hätten. Den Misserfolg der ARD-Klassikwellen haben sich die Anstalten selber zuzuschreiben. Gegen eine Verjüngung der Wellen wenden sich alle treuen Hörer. Gutes Beispiel dafür ist WDR 3. Wird an den Klassikwellen etwas verändert, dann wird das mit dem Untergang des Abendlandes gleichgesetzt.

Zitat
Chris_BLN
Ein Freund (nichtmal 30) von mir singt auch klassisch im Chor und schneidet live Konzerte mit, an denen er beteiligt ist. Ein ex-Kollege, damals um die 30, war nicht nur ein exzellenter Physiker, Mathematiker und Programmierer, sondern auch Elektroniker und Komponist sowie Sänger und spielte mehrere Instrumente.


Hört es eine ARD-Klassikwelle? Oder hört er eigene Musik und die Musik von Freunden?

Zitat
Chris_BLN
Das ist der Unterschied zu früher, wo es dann halt einmal am Tag eine Stunde für die Jugend gab. Heute muß das alles 24 Stunden am Tag laufen - und dafür gibt es keine UKW-Kapazitäten.

Da kann man nur vom Versagen der Politik sprechen, die keinen Termin für UKW-Abschaltung nennen wollen. Bei 50 - 100 Sendern müssen die ÖR-Sender dann nicht alle Sparten abdecken, das können die Privaten übernehmen. Eine Jazz Welle muss nicht die ARD produzieren.

Zitat
Chris_BLN
BR Klassik ist, wie oben gezeigt, durchaus ein Kiosk, der mehrere "Nischen" bedient.

Wenn ich Zartbitter drauf schreibe, dann soll es nicht nach Vollmilch schmecken. Der NDR ist klüger und nennt die seine Welle NDR Kultur. Gegen eine Kulturwelle gibt es weniger Argumente, denn dann regen sich alle Kulturfreunde auf.

Zitat
Chris_BLN
Es geht um die Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Beseitigung aller Werte und Funktionen, für die der öffentlich-rechtliche Rundfunk geschaffen wurde.

Das ist Blödsinn, dafür ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht geschaffen worden. Es gab noch keine andere Musik, bzw. es haben sich die Weltverbesserer durchgesetzt, die anderen ihre Kultur aufgedrückt haben. Vor Schlagerparadies gab es keine richtige Schlagerwelle in vielen Teilen Deutschlands. Es gab Pseudoschlagerprogramme, die alles mögliche spielten. Das es den Menschen nicht gefällt sieht man daran, dass Spotify & Co. erfolgreich sind.

Zitat
Chris_BLN
Ich traue heute den "Entscheidern" in solchen Einrichtungen so etwas durchaus zu. Wenn man ihnen eine Beschleunigung der Karriere verspricht, sollten sie auch eine Aufgabe der Zerstörung "gut" erfüllen, sind sie dazu bereit. Ich habe genau das in der Industrie kennengelernt.

Das grenzt an Klassikhörer-Faschismus. Alle anderen sind schlecht nur Klassische Musik ist wertvoll. Ich fordere dann einen ARD-Sender mit Indietronic und Heavy Metal.

von Seltener Besucher - am 11.05.2014 16:53
Zitat
Seltener Besucher
Doch egal wie viele es sind, sie hören nicht die Ö-R-Klassikwellen. In Dortmund stehen immer Schüler der Musikschule in der Fußgängerzone mit einem Klavier und spielen Musik. Es sind ausschließlich junge Menschen. Vivaldis Vier Jahreszeiten – Frühling haben in die Top 750 der Radio-NRW-Ostercharts auf einen der vorderen Plätze geschafft (16 oder 17). Die Hörer erwarten aber, dass die klassische Musik – wie Popmusik – nur Ausschnittsweise gespielt wird und nicht ein Konzert über 2 Stunden. Das wollen wiederum die alten Hörer.


Hast Du dafür eine zuverlässige Quelle? Ich kenne nämlich sehr wohl junge Leute, die Kulturwellen der ARD hören - und sich dann beschweren, weil auch dort tagsüber heute häufig nur noch Häppchen gespielt werden.

Zitat
Seltener Besucher
Klassik Radio gäbe es nicht, wenn die ARD-Anstalten keinen Raum für so einen Sender gelassen hätten. Den Misserfolg der ARD-Klassikwellen haben sich die Anstalten selber zuzuschreiben.


Ich sehe das etwas anders. Im Gegensatz zu Klassikradio, das ich als einen inhaltlich und auch tontechnisch üblen Ramschladen der untersten Privatfunkdudel-Schublade erachte, haben die öffentlich-rechtlichen eigentlich einen Auftrag. Und der hat auch mit etwas zu tun, was Klassikradio nicht hat: Kultur. Wenn die Öffis diesen Auftrag noch auf irgendeiner Welle ansatzweise ernstnehmen, dann auf der Kulturwelle. Also läuft dort auch mal ein ganzes Werk. Die Quote eines solchen Hinhör-Radios ist gering, weil das Volk großteils inzwischen kulturlos ist und weil viele andere mögliche mehr oder weniger sinnvolle Beschäftigungen mit dem Hörfunk konkurrieren. Zumal es passieren kann, auf der Kulturwelle auch mal in eine Lesung zu geraten oder in eine Diskussionsrunde. Sowas stört beim Nebenbeihören. Da kommt dann Klassikradio: dort wird der sich für etwas besseres (Klassik!) haltende Hörer mit seinem Edeldudel versorgt und merkt nicht einmal, daß der einzige Unterschied zum Popradio die Musik und die angezogene Handbremse bei der Verpackung ist.

Schäbiger als Klassikradio kann man Klassik eigentlich gar nicht behandeln.

Klassikradio ist aus meiner Sicht mit einer ARD-Kulturwelle, die noch halbwegs intakt ist, nicht zu vergleichen. Also auch nicht quotenmäßig.

Zitat
Seltener Besucher
Gegen eine Verjüngung der Wellen wenden sich alle treuen Hörer. Gutes Beispiel dafür ist WDR 3. Wird an den Klassikwellen etwas verändert, dann wird das mit dem Untergang des Abendlandes gleichgesetzt.


Und bei jeder Herumbastelei ist die Einschaltquote weiter zurückgegangen. Sagt doch alles aus, oder?

Btw., ich habe mich früher auch immer gegen eine "Verjüngung" der Jugendwelle gewandt, als ich so etwas noch hörte. Weil "Verjüngung" bei der ARD seltsamerweise immer mit "Verblödung" übersetzt wird, obwohl es eigentlich da keine zwingende Verbindung gibt. Eine intelligente Jugendwelle hat dann halt bloß auch das nicht, wonach die ARD-Bosse gieren: Quote.

Zitat
Seltener Besucher
Hört es eine ARD-Klassikwelle? Oder hört er eigene Musik und die Musik von Freunden?


Von ersterem weiß ichs: er hört Radio und da nur öffentlich-rechtliche. Welche das sind, dürfte klar sein. Den zweiten kann ich nicht mehr fragen, Kontakt vor Jahren abgebrochen. Seine ex-Partnerin fand ich hingegen letztens im Netz wieder: Sie ist jetzt knapp 30, hat äußerst erfolgreich im In- und Ausland ihr Instrument studiert, hat sich durch alle möglichen Orchester in Deutschland gespielt, hat Musikfestivals (mit)organisiert. Berlin, Hamburg, München. Arbeit für den SWR, ...

Natürlich wird auch Konserve gehört und garantiert nicht nur Klassik. Gerade die jüngeren Leute in meinem Umfeld, die klassikinteressiert sind, hören oft auch Rock/Pop und haben dort die gleichen Vorlieben/Abneigungen wie andere auch. Ich habe allerdings auch einen Fall im Freundeskreis (40) mit Totalverweigerung gegenüber Rock/Pop. Das war früher nicht so, das ist so gekommen, weil Popradio so unterirdisch Scheiße ist in Deutschland und weil die Popradios nun die Kulturwellen restlos rausschieben.

Zitat
Seltener Besucher
Da kann man nur vom Versagen der Politik sprechen, die keinen Termin für UKW-Abschaltung nennen wollen. Bei 50 - 100 Sendern müssen die ÖR-Sender dann nicht alle Sparten abdecken, das können die Privaten übernehmen. Eine Jazz Welle muss nicht die ARD produzieren.


Es könnte sein, das wir aneinander vorbeireden. Eine private Jazzwelle wäre in Deutschland vermutlich nicht finanzierbar, genau wie ein Dutzend andere Stilrichtungen als Radio-Monokultur auch. Es kommt ja erschwerend hinzu: diejenigen, die "Kulturfunk" irgendwelcher Art hören wollen, sind vermutlich wesentlich allergischer auf Werbung als Popfunk-Nebenbeihörer. Damit fällt die im deutschen Privatfunk-Modell vorherrschende Finanzierungsform faktisch weg.

Und eine "Jazzwelle", die den ganzen Tag Jazz-Schnipsel spielt, braucht die ARD gar nicht anzubieten. Es wäre wieder Dudelfunk, da ohne redaktionelles Fundament, ohne aufwendige Sendungen, ohne Wort, ohne Hintergrundinformationen. Da sind 2 oder 4 Stunden Jazz pro Woche, die dann liebevoll gestaltet und redaktionell betreut werden, doch ein wesentlich wertvollerer Beitrag zur breitgefächerten Versorgung als ein Jazzdudler, den man sich auch über einen personalisierten Onlineplayer basteln könnte. Sowas geht ja nicht nur mit Pop.

Zitat
Seltener Besucher
Wenn ich Zartbitter drauf schreibe, dann soll es nicht nach Vollmilch schmecken. Der NDR ist klüger und nennt die seine Welle NDR Kultur. Gegen eine Kulturwelle gibt es weniger Argumente, denn dann regen sich alle Kulturfreunde auf.


Die BR-hörenden "Kulturfreunde" wissen vermutlich auch so, wo sie zu Hause sind: BR Klassik und Bayern 2. Der Name BR Klassik ist trotzdem unglücklich, da stimme ich Dir zu. Aber hätten sie das Programm BR Friseur nennen sollen, wie es der MDR tat?

Zitat
Seltener Besucher
Das ist Blödsinn, dafür ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht geschaffen worden. Es gab noch keine andere Musik, bzw. es haben sich die Weltverbesserer durchgesetzt, die anderen ihre Kultur aufgedrückt haben. Vor Schlagerparadies gab es keine richtige Schlagerwelle in vielen Teilen Deutschlands. Es gab Pseudoschlagerprogramme, die alles mögliche spielten. Das es den Menschen nicht gefällt sieht man daran, dass Spotify & Co. erfolgreich sind.


Der öffentlich-rechtliche Rundfunk entstand in einer Zeit, in der nicht einmal das schreckliche Wort "Belehrung" einen üblen Beigeschack hatte. Das bitte nicht vergessen. Und er drückt heute weniger denn je anderen seinen Geschmack auf - es gab immer schon den Ausschaltknopf und heute gibt es zig andere Beschallungsmöglichkeiten. Ich lasse mich ja auch nicht freiwillig mit ARD-Popfunk oder Privatfunk beschallen, weils so schäbig ist. Im Schwimmbad bitte ich darum, es auszuschalten und wenn dem nicht Folge geleistet wird, verlasse ich auch schonmal das Bad. Da verzichte ich lieber aufs Schwimmen.

Thema "Aufdrücken": daß wir als Gesellschaft heute an einem Punkt angekommen sind, an dem bereits Lehrer in der Schule Gefahr laufen, Probleme zu bekommen, weil sie den bedauernswerten Kindern etwas vermitteln wollen und eventuell sogar gewisse Leistungen erwarten, dafür kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk doch nichts. Heute gilt es doch schon beinahe als normal, daß jemand, der in der S-Bahn 3 junge Männer ermahnt, das Rauchen zu unterlassen, an der nächsten Station aus dem Zug geprügelt und mindestens halbtot geschlagen wird und die Begründung "der hat uns nichts zu sagen" wird vom Volk offenbar inzwischen weitgehend verstanden. Heute ist es auch normal, daß diejenigen, die wegen bestimmter gesamtgesellschaftlicher Verhaltensweisen zum Maßhalten mahnen, als Verbreiter "rot-grüner Tagesbefehle" an die Wand gestellt werden. Wenn wir das als normal akzeptieren, können wir den Öffi-Funk auch wirklich bleibenlassen. Dann hat dieses Volk aber auch keine Zukunft mehr. Es ist inzwischen nämlich längst dabei, Naturgesetze genauso zu ignorieren wie menschengemachte Gesetze. Dumm nur, daß sich Naturgesetze um diese Ignoranz einen Dreck scheren.

Ein Volk, das keine Zukunft will, wird sich den Untergang wählen, auch wenn noch so viel gemahnt wird. So gesehen hast Du recht. Wenn ich das deutsche Volk beobachte (und das muß ich zwangsläufig tagtäglich, ich lebe ja noch hier), merke ich ganz klar, wo der Zug hinfährt. Die Mehrheit fährt das Ding an die Wand. Für die Minderheiten ist nur noch zu hoffen, daß sie den Absprung schaffen. Das Thema habe ich gestern gerade mit einem ex-Mitschüler (promovierter Physiker, Geschäftsführer einer kleinen Hightechfirma) besprochen. Er entgegnete nur, ja, habe ich auch schon drüber nachgedacht. Nur wohin sollte man heute noch gehen? Das Thema ist ein weltweites. Wir laufen auf sehr intensive, womöglich auch bei uns kriegerische Zeiten zu. Die Endphase der derzeitigen Gesellschaftsstrukturen ist weltweit eingeläutet, das kracht in den kommenden Jahren überall.

Nun geht an einem eingestellten Kulturprogramm die Welt nicht gleich unter, aber ein Schritt in diese Richtung ist es. Menschen, die in einer zunehmend verrohten Gesellschaft nicht mehr klarkommen, verlassen das Land. Ich kenne das aus Ostdeutschland, da ist in manchen Regionen der Brain Drain ja weit fortgeschritten. Wer weiß, wie es dort zugeht, bekommt eine kleine Vorahnung von dem, was einer kulturlosen Gesellschaft generell blüht.

Zitat
Seltener Besucher
Das grenzt an Klassikhörer-Faschismus. Alle anderen sind schlecht nur Klassische Musik ist wertvoll. Ich fordere dann einen ARD-Sender mit Indietronic und Heavy Metal.


Ach, da bin ich ganz entspannt. Ich komme ja schließlich aus der Punk- und Indie-Ecke - mit Vinyl von Schleimkeim und anderen alten Punk-Helden im Schrank. Gegen solchen Blödsinn wie "der macht alles außer Klassik schlecht" bin ich immun. Es ist ja auch erst 3 Jahre her, daß ich das erste mal in einer Oper war. Hätte ich früher nie gemacht. Ist übrigens jemand aus dem Radio-Umfeld schuld.

Mir geht es bei meiner Einstellung zu "BR-Klassik und UKW" übrigens nicht um die Klassik. Mir geht es schlciht darum, daß auf BR Klassik und auf Bayern 2 noch Wertmaßstäbe und handwerkliche Fähigkeiten gezeigt werden, die mir prinzipiell - unabhängig von Musikfarbe und genre - ein Zuhören ermöglichen würden. Das ist bei den ganzen Popwellen inklusive Puls nicht der Fall. Die sind einfach eine Beleidigung für mich, so möchte ich nicht angesprochen werden, mit solchen "Themen" möchte ich nicht belästigt werden. Ich akzeptiere, daß es Menschen gibt, die da andere Vorlieben haben, aber an einer bestimmten Stelle wird Widerstand gegen das weitere Um-sich-Greifen dieser Art Programme für mich zur Pflicht.

von Chris_BLN - am 11.05.2014 18:43
Zitat
Peter Schwarz
Das liegt daran, dass die überbehütete 17-jährige Klassikhörerin gleich nach der Schule von ihrer Mutti im SLK-Cabrio abgeholt und zum Geigenunterricht kutschiert wird. Deshalb triffst Du die nie an der Bushalte! :D


Auch wenns hier schon geschrieben wurde: das entspricht vielleicht dem Klischee, aber nicht der Realität. Auch ich kann keine statistisch relevanten Zahlen bieten, aber doch einige Einzelfälle beisteuern, die es anders zeigen.

Die pinkfarben gekleideten Tussis, die in der Nachbarschaft meiner Eltern herangezüchtet werden und denen jeder Schritt Fußweg abgenommen und durch das Auto ersetzt wird (von Eltern, die teils jünger sind als ich es jetzt bin), sind vollkommen auf Konsum und Kommerz getrimmt - sie kennen es nicht anders. Dazu gehört neben weitgehend "synthetischer" Ernährung mit allerlei Supermarkt-Retortenkram auch die übliche Ausstattung mit Smartphone und der daraus schallenden Standardmucke. Die Mütter dazu wirken mit 35 so, wie ich mir eine eingebildete Pute mit 50 vorstelle, so fein Büro-Outfit, alles geregelt, alles synthetisch, nichts natürlich. Makellos gepflegt, faltenfrei, wie frisch aus der Maske für die HDTV-Nachrichten. Ich habe Probleme damit, sie in der Nachbarschaft natürlich (also mit "du" ) anzusprechen, weil ich immer eine Personalchefin oder anderweitig "weisungsberechtigte Person" von mir vor meinem geistigen Auge sehe (soviel zu meinen Klischeevorstellungen...). Und ich hätte nie, nie, nie auch nur geringstes Interesse an so einer Frau. Ich würde dort verkümmern wie eine Pflanze, die in der falschen Klimazone ausgesetzt wird. In diesem Umfeld läuft natürlich keine Kulturwelle, dort läuft MDR Jump, das moderne anspruchsvolle Familienprogramm des MDR... alternativ auch Antenne Thüringen.

Die Mutter in meinem Freundeskreis, die ausschließlich Kulturprogramme hört (so sie denn mal Radio hört) und die neben Gundermann, Dota und Hole auch ganz selbstverständlich ein paar Klassik-CDs im kleinen staubigen Regal stehen hat, die wohnt in einer unsanierten, ofengeheizten Wohnung. Das Holz zum Beheizen der alten DDR-Öfen holt sie selbst im Wald und hackt es hinterm Haus. Was anderes kann sie sich gar nicht leisten - mit 3 Kindern. Auto? Hat sie nicht, will sie nicht. Ein doppelt breiter Fahrrad-Kinderanhänger für die kleinen Zwillinge, der Große (7) muß bitteschön mit dem eigenen Rad fahren, lange Strecken werden per Bahn zurückgelegt, der Weg vom Bahnhof zu den Schwiegereltern sind so 6 oder 7 km. Die Hände der Frau sind rissig von der Gartenarbeit, sie versucht soviel wie möglich in Selbstversorgung zu realisieren und kann mit der Sense umgehen. Vegetarier ist sie aus ethischen Gründen. Nein, die Frau ist kein Penner, sie ist Akademikerin, diplomierte Biologin, dann noch Lehramt Gymnasium draufgesattelt, derzeit wegen der Kleinen zu Hause. Und einfach wundervoll.

Der größte Klassik-Kenner in meinem privaten Umfeld ist Neueinsteiger. Er kam als Hörer von DT64, geriet dann 1992 zu Radio Bandenburg und hatte sein einschneidendes Erlebnis 2011, als er es nach langem quälenden Drumherumschleichen dann doch noch schaffte, in die Semperoper reinzugehen, statt sich wie bis dahin weiterhin wegen "ich gehöre hier nicht hin" zu verdrücken. Nach diesem Erlebnis (das einem Totalabriss seiner Welt gleichkam und ihm wohl das Leben gerettet hat) gab es dann keine Ausreden mehr. Ich weiß nicht, zu wievielen Aufführungen in Dresden und Berlin er seitdem gegangen ist. "Gegangen" ist das richtige Wort, denn er reist per Bahn und zu Fuß an und streift nach einer Spätvorstellung auch schonmal die Nacht durch stundenlang durch die winterlichen Außenbezirke Dresdens, bis der erste Zug nach Hause fährt. Ein Auto besitzt er nicht, einen Führerschein meines Wissens nach auch nicht, auf dem Handy (war mal Prepaid) kann ich ihn wegen "ist kaputt" seit langem nicht mehr erreichen. Der Computer, auf dem bis heute auch journalistische Beiträge entstehen, läuft unter Windows 98. Die intensive Befassung mit Klassik brachte ihn inzwischen an den Punkt, an dem er Gesangsleistungen in Opern auch realistisch einschätzen kann.

Der nächste in der Runde schreibt ab und an sogar mal hier, interessierte sich für Radio, ist inzwischen diesbezüglich aber auf dem Rückzug. Außer 100,7 Letzebuerg (bei ihm auf UKW zu haben) und WDR 3 läuft da nicht mehr viel - weil alles andere nicht mehr erträglich ist. Damit läufts auch da im wesentlichen auf Klassik hinaus, obwohl er sich natürlich auch für andere Musik interessiert, solange sie spannend und authentisch ist. Ein Auto besitzt auch er nicht, mit Mitte 20, aber studiert hat er und tut er noch, was naturwissenschaftlich-technisches.

Der nächste war bei uns mal wissenschaflticher Mitarbeiter. Keine 30 damals, exzellenter Mathematiker, Physiker, Elektronikentwickler, Informatiker, Programmierer - nebenbei komponierte er, spielte mehrere Instrumente und sang im Chor, den ich dann mal mit einem für mich extrem schwierig anmutenden Werk in der Berliner Kirche zum heiligen Kreuz erleben durfte. Ein Auto besaß er meines Wissens nach auch nicht und seine Wohnung war eher vom bescheidenen Hinterhof-Typ. Inzwischen promoviert er glaube ich, so er nicht schon fertig damit ist.

Und wie passen diese Einzelfälle zum Bonzen-Klischee? Genausowenig wie die Gehälter vieler Opernsänger oder Orchestermusiker. Gehälter, für die FH-Absolventen Maschinenbau in Stuttgart frühmorgens gar nicht erst aufstehen würden.

von Chris_BLN - am 19.05.2014 13:45
Zitat
Alqaszar
Es geht ja auch immer noch nicht darum, Bayern Klassik abzuschalten, sondern einem Programm, dem man eine bessere technische Reichweite geben möchte zusätzliche Frequenzen auf UKW zu geben. Da der BR dazu keine neuen Frequenzen in Betrieb nehmen darf, muss eben eines der vorhandenen Programme exklusiv auf die digitalen Verbreitungswege ausweichen.


Und warum hat der BR dann nicht soviel Arsch in der Hose, bei den belanglosen, weitgehend austauschbaren Programmen anzusetzen? Wenn Bayern 3 nun schon zu alt ist für eine junge Welle und beinahe bei Bayern 1 anklopft, warum also nicht daraus was neues gemeinsames machen und unten Platz für eine jüngere Unterhaltungswelle (nix anderes ist Puls) schaffen?

Ach so, ja... geht ja um die Quoten. Man greift sich das Programm mit der niedrigsten Quote. Da hat man ja den geringsten Widerstand zu befürchten, glaubt man. Außerdem hat das Programm ein Alleinstellungsmerkmal. Ein BR-Klassik-Hörer hat faktisch nur die Wahl zwischen "mitgehen" oder "nichts mehr hören". Das wäre bei Bayern 3 z.B. deutlich anders und davor hat man Angst.

Man schlägt mit der UKW-Abschaltung von BR Klassik mehrere Fliegen mit einer Klappe. Man schützt seine zwei Dudelwellen und stellt ihnen noch eine dritte auf UKW zur Seite, um die Privaten ein bissl anzupissen. Man reduziert mit einem Schlag die Zahl der Hörer von BR Klassik in Bayern um geschätzt 80% (grobe, launige Schätzung von mir, betrifft alle, die nicht auf den Exotenwegen DAB, DVB-S, DVB-C, Internet oder Kabel-UKW hören, selbst Kabel-UKW ist dann fraglich, KDG kabelt Puls in München z.B. auch nicht mehr analog aus). Damit hat man ein gutes Argument, das Programm künftig komplett einzustellen. Außerdem verhindert man mit der DAB-only-Ausstrahlung neue Zufallshörer für BR Klassik und gräbt dem Programm somit die Zukunft ab - mit genau der Argumentation will man ja Puls überhaupt erst auf UKW bringen. Und wenn man noch Bayern 2 angreift und mit BR Klassik vermischt, hat man gute Chancen, auch dieses Programm empfindlich zu treffen. Auch so ein teurer Kandidat, den man gewiß in den Chefetagen lieber heute als morgen erledigt wissen will. Wenn man beispielsweise den Zündfunk rausnehmen und in Puls integrieren würde, wäre das der Tod eines anhörbaren Zündfunks, denn dann erfolgten Anpassungen an Puls. Der Zündfunk ist aber Erwachsenenprogramm und kein Kinder-Unterhaltungsfunk. Er gehört in das erwachsene Umfeld von Bayern 2.

Die ganze Strategie ist, egal wie der BR sie zu rechtfertigen versucht, zutiefst widerwärtig und eine klare Ansage: das Anliegen, für das öffentlich-rechtlicher Rundfunk einst ins Leben gerufen wurde, ist diesen Quotenverwaltern in den Intendanzen völlig egal. Ich sagte es schon vor Jahren: der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist fest in den Händen seiner Feinde. Inzwischen gilt das sogar schon für den BR. Die sind erst zufrieden, wenn auf allen Wellen Privatfunksubstitute laufen, zzgl. eines Infohäppchendudlers. Dafür braucht dieses Land aber keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Zitat
Alqaszar
Niemandem wird etwas weggenommen.


Interessant. Wenn sämtliche Radios im Haushalt plötzlich das bevorzugte Programm nicht mehr spielen, dann nenne ich das Enteignung. Und es ist eben nicht damit getan, eine Plastedose für 30 Euro zu kaufen, wenn ein hochwertiger UKW-Tuner ersetzt werden soll. Selbst ein hochwertiges altes Kofferradio kann damit klanglich nicht ersetzt werden. Und ich kenne mehrere Senioren-Haushalte, in denen die Zumutung, mit kleiner DAB-Büchse, Klinke-auf-Cinch-Adapter, Aux-in und Steckernetzteil eine Ersatzlösung zu basteln, mit "danke, ich verzichte" quittiert würde. Und genau darauf spekulieren die Verwalter des BR.

von Chris_BLN - am 21.05.2014 20:33
@Chris_BLN
Deine Argumente könnten genauso auch pro Puls auf UKW sein.

Zitat

Die ganze Strategie ist, egal wie der BR sie zu rechtfertigen versucht, zutiefst widerwärtig und eine klare Ansage: das Anliegen, für das öffentlich-rechtlicher Rundfunk einst ins Leben gerufen wurde, ist diesen Quotenverwaltern in den Intendanzen völlig egal. Ich sagte es schon vor Jahren: der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist fest in den Händen seiner Feinde. Inzwischen gilt das sogar schon für den BR. Die sind erst zufrieden, wenn auf allen Wellen Privatfunksubstitute laufen, zzgl. eines Infohäppchendudlers. Dafür braucht dieses Land aber keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Stimmt nicht.
Wenn Puls 1-1 wie jetzt auf UKW laufen würde, wäre das garantiert keine Quotenmaschine. Ist egoFM ja auch nicht in den 5 egoFM-Städten.
Und außerdem gibt es neben dem BR ja noch das weitere öffentlich-rechtliche Angebot aus Köln und Berlin.
Aus den beiden genannten Städten gibt es kein Angebot auf UKW für Jugendliche.

Zitat

Interessant. Wenn sämtliche Radios im Haushalt plötzlich das bevorzugte Programm nicht mehr spielen, dann nenne ich das Enteignung. Und es ist eben nicht damit getan, eine Plastedose für 30 Euro zu kaufen, wenn ein hochwertiger UKW-Tuner ersetzt werden soll. Selbst ein hochwertiges altes Kofferradio kann damit klanglich nicht ersetzt werden. Und ich kenne mehrere Senioren-Haushalte, in denen die Zumutung, mit kleiner DAB-Büchse, Klinke-auf-Cinch-Adapter, Aux-in und Steckernetzteil eine Ersatzlösung zu basteln, mit "danke, ich verzichte" quittiert würde. Und genau darauf spekulieren die Verwalter des BR.

Das genau gleiche könnte jeder andere Hörer einer der "Dudelwellen" des BR sagen, wenn eine Veränderung anstehen würde. Also z. B. wenn sich Bayern 3 radikal verjüngen würde.
Der BR hat nun mal nur 5 UKW-Ketten. Und wenn es nicht für 1000 Jahre festbetoniert werden soll, was heute so vor sich hin sendet -und der BR hat da trotz Traumquoten bei BR 1- ein immenses Akzeptanzproblem gegenüber den privaten Mitbewerbern und scheint tatsächlich den Nachwuchs gänzlich zu verlieren, kann es nicht ohne Opfer am bestehenden Programmen ablaufen.
Und wenn dem BR langfristig die Hörer gänzlich aussterben, ist BR Klassik am Ende auch nicht geholfen.

Und dann die generelle Frage: Warum hat ein Klassikhörer generell das Anrecht nahezu 24/7 seine Spartenmusik auf UKW geliefert zu bekommen, andere Musikgenres aber nicht? Ein "Bayern Jazz" oder "Bayern Schlager" gibt es auch auf UKW nicht.
Andere ARD-Sender haben auch keine Klassikluxusversorgung auf UKW.

von Schwabinger - am 22.05.2014 16:00
Zitat
Schwabinger
@Chris_BLN
Deine Argumente könnten genauso auch pro Puls auf UKW sein.


Durchaus. Pro BR Klassik und eingeschränkt (dafür ist mir Puls dann doch etwas zu substanzlos) auch für Puls. Was bliebe? Genau das, was ich schrieb: Bayern 1 oder Bayern 3 müssen herhalten. Wieso zweimal weitgehend inhaltsfreier Unterhaltungsfunk? Das wäre ok, wenns nicht öffentlich-rechtlich wäre. Aber das ist es - und da steckt mehr dahinter. Zumindest vom ursprünglichen Anliegen her.

Zitat
Schwabinger
Wenn Puls 1-1 wie jetzt auf UKW laufen würde, wäre das garantiert keine Quotenmaschine. Ist egoFM ja auch nicht in den 5 egoFM-Städten.


Hatte ich das behauptet? Meine Quoten-Erwähnung bezog sich auf das geplante Abwürgen des UKW-Programms mit der niedrigsten Quote, nicht auf Quotenerwartungen bei Puls. Und selbst wenn BR Klassik die niedrigste Quote hat, so hat es doch zusammen mit Bayern 2 den höchsten Wert aller BR-Wellen.

Zitat
Schwabinger
Und außerdem gibt es neben dem BR ja noch das weitere öffentlich-rechtliche Angebot aus Köln und Berlin.


...welches hin und wieder tatsächlich Klassik bietet, aber keinen regionalen Bezug hat. Das ist in nicht wenigen Sendungen von BR Klassik anders. Und das wäre alles dann faktisch weg, zumindest für normale Menschen, die keine Radiofreaks sind und Empfangsgerätekauf als Hobby haben.

Zitat
Schwabinger
Aus den beiden genannten Städten gibt es kein Angebot auf UKW für Jugendliche.


Wieso nicht? Wo steht, daß DLF oder D-Kultur für Jugendliuche verboten wären?

(Ja, ich weiß, es geht um Dudel für Jugendliche, also sowas wie ein etwas schrägeres, jüngeres, "schnelleres" Bayern 3 mit paar jugendlichen Buzzwords und im Onlinezeitalter unentbehrlichen Modernitätsaccesoires.)


Zitat
Schwabinger
Das genau gleiche könnte jeder andere Hörer einer der "Dudelwellen" des BR sagen, wenn eine Veränderung anstehen würde. Also z. B. wenn sich Bayern 3 radikal verjüngen würde.


... könnte man ja zu Antenne Bayern wechseln. Außer den Claims ändert sich dabei doch fast nichts. Da bleibe ich konsequent - Programme wie Bayern 3 gehörten in einem intakten öffentlich-rechtlichen System überhaupt nicht veranstaltet. Sowas können die Privaten und beweisen das tagtäglich eindrucksvoll. Kulturfunk können sie nicht, das widerspricht in mehrfacher Hinsicht ihrem Finanzierungsmodell.


Zitat
Schwabinger
Der BR hat nun mal nur 5 UKW-Ketten. Und wenn es nicht für 1000 Jahre festbetoniert werden soll, was heute so vor sich hin sendet -und der BR hat da trotz Traumquoten bei BR 1- ein immenses Akzeptanzproblem gegenüber den privaten Mitbewerbern und scheint tatsächlich den Nachwuchs gänzlich zu verlieren, kann es nicht ohne Opfer am bestehenden Programmen ablaufen.


Eben. Deshalb dort ansetzen, wo es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht schadet. Bayern 1 und Bayern 3 zusammenlegen, was neues draus machen. Und unten Puls nachschieben, so bliebe die Zahl der Unterhaltungswellen gleich. Was haben wir sonst? Irgendwann ist Bayern 3 bei Bayern 1 angekommen und Puls ist da, wo derzeit Bayern 3 ist: angepasstes "Familienprogramm" für dann 40-jährige. Dann muß unten wieder was nachgeschoben werden, in der Hoffnung, die Kiddies, die vom Puls ihrer Eltern angeödet sind, greifen dort zu. Also ein weiterer Dudler, nur mit der dann angesagten Mucke und den dann angesagten Sprüchen. Was killen wir dann dafür? Bayern 2 oder B5? Das wäre - gäbe es dann noch dieses Land und die ARD - in spätestens 15 Jahren der Fall. Aber bis dahin hat sich das sowieso alles erledigt, vermute ich. Genauer: hoffe ich inzwischen.

Zitat
Schwabinger
Und dann die generelle Frage: Warum hat ein Klassikhörer generell das Anrecht nahezu 24/7 seine Spartenmusik auf UKW geliefert zu bekommen, andere Musikgenres aber nicht? Ein "Bayern Jazz" oder "Bayern Schlager" gibt es auch auf UKW nicht.


Der Jazz läuft auf BR Klassik. Die Kindersendung auch. Die kultur-relevanten Wortsendungen ebenso. Manches religiöse ebenfalls. Weltmusik auch. Einfach mal weiter oben schauen.

Aber - um bei dieser Argumentation zu bleiben - warum soll es auf 3 UKW-Ketten 24/7 belanglosen Pop mit belanglosen Worthäppchen geben dürfen? Und nicht auch nur meinetwegen eine Stunde Pop am Tag? So wie früher, "Musik für junge Leute"? Nur mal rein provokativ gefragt.

Klar: weil die Quote so hoch ist. Quoten lasse ich bei den öffentlich-rechtlichen aber nicht gelten. Und es wird Zeit, daß da mal brutal eingegriffen wird.

von Chris_BLN - am 22.05.2014 20:22
Herrschaft, es ist doch so:
Bayern 4 war und ist bereits ein "Luxusprogramm".
Gut, so kann man weiterargumentieren, bis man irgendwann bei einem Programm ist. :xcool:
Der BR hatte die Ausrichtung wie seine benachbarten Anstalten SDR, SWF und HR bis Anfang der 1980er:
1. Programm: Gemischtwarenladen mit eher traditioneller Unterhaltungsmusik
2. Programm: Kultur, Wortsendungen, Kunst, E-Musik
3. Programm: Servicewelle mit Populärmusik (damals beileibe nicht nur Charts-Pop, sondern auch Soul, Blues, Country, Jazz, Liedermacher, Folk...)

Dann kam der BR als erste ARD-Anstalt mit einem vierten Programm daher, einer reinen E-Musik-Welle. Die anderen zogen mit Schlagerprogrammen nach und entwickelten die ersten Programme zu Informationsleitwellen mit älterer Popmusik um. Der BR blieb im ersten Programm bei traditioneller U-Musik und im dritten bei Rock/Pop (zunehmend formatiert). Bayern 2 wurde mehr und mehr zum Wortprogramm umfunktioniert, E-Musik verschwand dort immer mehr. Es wurde eigentlich ein "Nicht-Formatradio". Dann kam noch das fünfte Programm mit Nachrichten.
Der BR merkte dann, das die Hörer von Bayern 1 und Bayern 3 immer mehr alterten. Bei Bayern 1 behob er das mit Reformen hin zu einer Oldiewelle und verbannte Schlager und volkstümliche Musik auf die Digitalwelle Bayern plus. Die eine Stunde Volksmusik lies man drin, weil es sonst Ärger gegeben hätte. Bei Bayern 3 wollte das nicht so recht gelingen. Zu unterschiedlich die Interessen jener, die mit diesem Programm aufgewachsen waren und jenen, die nachwachsen.
Eigentlich hatte der BR dann nur zwei Möglichkeiten:
- den Nachwuchs mit einem neuen Programm versorgen
- Bayern 3 komplett zu relaunchen und dann wieder eine Lücke zu hinterlassen
Also hat man sich für ein siebtes Programm entschieden.
Ein reines Klassikprogramm ist aber ebenso schwer zu rechtfertigen wie ein reines Schlagerprogramm, ein reines Rockprogramm, ein reines Nachrichtenprogramm usw...
Das ist eben das Dilemma. Und eine weitere Frequenzkette gibt es nicht.
Also stellt sich eigentlich nur die Frage:
Welches Programm strahlen wir auf UKW aus und welches rein auf DAB. Nur darum geht es doch.
Welche Hörerschaft taugt eher, um den Umstieg von UKW auf DAB einzuleiten? Die "elitäre" Hörerschaft des Klassikprogramms oder das eher jugendlich-alternative Publikum von BR Puls?

von Peter Schwarz - am 22.05.2014 21:07

Re: Bayrische Rundfunk will BR PULS auf BR Klassik Frequenzen ausstrahlen

Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Es ist schon traurig wenn UKW die ÖR Kulturprogramme nach und nach verliert, der HR hat angefangen der BR zieht auch noch nach, dann kommen sicher die anderen Landesanstalten auch noch. Dann ist auf UKW noch mehr gleich klingender Mainstream, als Ausrede kommt dann natürlich, kannst Dir ja ein DAB-Radio kaufen. Alles was kein Geld einspielt und trotzdem recht viel kostet im Verhältnis zu den Hörerquoten, so wie die Kulturprogramme der ÖR, wird auf DAB abgeschoben.

Diese Sache kann nicht förderlich für DAB(+) sein, da die Mehrheit die Mainstreamprogramme auf UKW hört, braucht die Mehrheit keine DAB-Empfänger anzuschaffen, da es für diese Leute kaum Mehrwert im DAB geben wird. "Da gibts ja sowieso nur Klassik und Kultur zusätzlich, das brauch dann auch nicht". "Auf UKW kommt mein Sender ja sowieso auch"

Die paar Leute die sich wegen der Kultursender dann DAB(+) anschaffen, fallen bei den Verkaufszahlen kaum noch ins Gewicht. Und in ein paar Jahren wird das DAB+ Sendernetz wegen Nichtbenutzung wieder ausgeknippst, FM-UKW wird so noch ewig leben bleiben. Alle FM-Abschalttermine sind sowieso schon vom Tisch.




An genau dieser Problematik (fast nur hochwertige Programme für Minderheiten, mangelnde Nachfrage) ist doch auch DSR gescheitert, obwohl es qualitativ die beste digitale Sendetechnik (ohne Datenreduktion!!!) war, die es je gegeben hat.
http://de.wikipedia.org/wiki/Digitales_Satellitenradio

Damals übrigens als Ergänzung zum UKW-Sendenetz gedacht! (Diese ganze Abschaltdiskussion von UKW finde ich sowieso abwegig. Bei der Einführung von UKW gab es auch keine MW-Abschaltung obwohl die damals in Deutschland zumindest Nachts größtenteils unbrauchbar war). Nur als Randbemerkung.

von Radionicki - am 04.06.2014 23:27
Zitat
HansEberhardt
Laut http://www.br.de/unternehmen/inhalt/rundfunkrat/bayerischer-rundfunk-rundfunkrat-termine100.html ist der Termin am 22.5. noch aktuell.
Und das Thema gehört doch wohl zu zu diesem Tagesordnungspunkt:
4. Zukunft der BR-Hörfunkwellen

Nachtrag:
Sooeben noch ein paar Unterstützer von Puls auf UKW gefunden:
Claudia Stamm (Grüne) per offenem Brief: http://claudia-stamm.de/2014/05/offener-brief-puls-auf-ukw-ja-bitte/
Zitat

Ich freue mich – als jugendpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion – sehr, dass sich unsere Fraktion eindeutig für die Jugendwelle auf UKW ausgesprochen hat. Und da PULS ein ganz anderes Format als die Privatradios in der Region hat, gibt es hier sicherlich auch keine Einbußen.

BJR(bayerischer Jugendring)-Präsident und Matthias Fack: http://www.wuv.de/medien/br_droht_ein_ukw_mix_unter_ausschluss_der_jugend
Zitat

Es geht darum, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender auch Programm für Jugendliche machen und ihnen einen notwendigen und unverzichtbaren medialen Raum öffnen, in dem sich junge Menschen genauso wie alle anderen Altersgruppen bewegen können.



Schönes Zitat: "......in Österreich kann neben einer hervorragenden Jugendwelle eine große Anzahl an Privatradios bestehen."

Hervoragende Jugendwelle, gemeint ist FM4! Warum bekommen die gesammten ARD Anstalten so ein Programm nicht hin?

Im Grunde genommen ist es der Kulturauftrag der Öffentlich-Rechtlichen Sender, sowohl eine anspruchsvolle Kulturwelle wie Bayern2, ein Klassikprogramm wie Bayern Klassik und ein echtes Jugendprogramm wie FM4 zu veranstalten. (Auch ein gutes Nachrichtenprogramm, meinetwegen auf Mittelwelle gehört dazu. Ein News-Dudler aber nicht). Auf den restlichen Ketten kann dann ja versucht werden, all den Antenne Bayern, RTL Radio und Co. dieser Welt Paroli zu bieten.

von Radionicki - am 05.06.2014 01:23
Zitat
Radionicki
Schönes Zitat: "......in Österreich kann neben einer hervorragenden Jugendwelle eine große Anzahl an Privatradios bestehen."

Hervoragende Jugendwelle, gemeint ist FM4! Warum bekommen die gesammten ARD Anstalten so ein Programm nicht hin?


Weil sie quotengeil sind, auch bei den Jugendwellen. MDR Sputnik hatte zwischen Ende 2006 und Sommer 2010 eine Phase, in der man Budget gab und der damalige Chef Eric Markuse versuchte, etwas Niveau und Spirit ins Programm zu bringen. Er hatte auch Kontakte zu FM4, kannte die Leute dort. Und er wußte auch das, was diejenigen, die sich wundern, daß neben FM4 auch Private bestehen können, offenbar nicht wissen: FM4 ist ein Nischenprogramm. Es kratzt nicht an den Quoten der Privaten, es hat ganz andere Hörerschaft.

Zitat
Radionicki
Im Grunde genommen ist es der Kulturauftrag der Öffentlich-Rechtlichen Sender, sowohl eine anspruchsvolle Kulturwelle wie Bayern2, ein Klassikprogramm wie Bayern Klassik und ein echtes Jugendprogramm wie FM4 zu veranstalten. (Auch ein gutes Nachrichtenprogramm, meinetwegen auf Mittelwelle gehört dazu. Ein News-Dudler aber nicht). Auf den restlichen Ketten kann dann ja versucht werden, all den Antenne Bayern, RTL Radio und Co. dieser Welt Paroli zu bieten.


Eben. Und deshalb heißt das einzige für mich nachvollziehbare Szenario: Bayern 1 und Bayern 3 zusammenlegen und Puls auf diesem Wege auf UKW bringen. Diskutieren könnte man dann noch darüber, ob dieses Puls eher so werden soll, wie es wohl auch jetzt werden wird, wenns auf UKW kommt (massentauglicher) oder eine echte Jugendkulturwelle. Meinetwegen muß es das nichtmal sein, denn Jugendkultur gibt es etwas angegraut, aber keinesfalls schlecht, ja auf Bayern 2 im Zündfunk. Und damit gibt es auch einen guten jungen Einstieg in die Welt von Bayern 2.

von Chris_BLN - am 05.06.2014 10:49
Zitat
Radionicki
Würden wir in einer DDR leben

Würden, hätten...
Wir schreiben das Jahr 2014. Und zwischen 1989/90 und heute hat sich auch der Kulturbegriff ggf. etwas verändert.

Zitat

Gute Idee! Zumal Bayern 3 nicht wirklich originell ist. Es war immer ein müder Abklatsch von Ö3. Dort wo Ö3 in Bayern empfangen werden kann, ist eine UKW Ausstrahlung eigentlich überflüssig. Wenn die BLM dem BR eine "Nordkette" auf UKW genehmigt, würde das für Bayern 3 genügen. Auf der bisherigen B3 Kette könnte dann Puls oder wie es früher hieß on3-Radio (passender Name) gesendet werden.

Ist ja vollkommen absurd. Schon mal nachgedacht, dass Hitradio Ö 3 für Bayern ein Sender aus dem Ausland ist? Und die seriösen Nachrichten -ein doch so hohes Gut öffentlicher-rechtlicher Grundversorgung- sind bei Ö 3 logischerweise aus Österreich. Und der VF auch.

Zitat

Im Grunde genommen ist es der Kulturauftrag der Öffentlich-Rechtlichen Sender, sowohl eine anspruchsvolle Kulturwelle wie Bayern2, ein Klassikprogramm wie Bayern Klassik und ein echtes Jugendprogramm wie FM4 zu veranstalten. (Auch ein gutes Nachrichtenprogramm, meinetwegen auf Mittelwelle gehört dazu. Ein News-Dudler aber nicht). Auf den restlichen Ketten kann dann ja versucht werden, all den Antenne Bayern, RTL Radio und Co. dieser Welt Paroli zu bieten.

1. Wo steht so was?
2. Die Mittelwelle ist langfristig keine Alternative, da Abschaltung bevorsteht (und die ganz Bayern doch gar nicht versorgt, siehe Verwirrungsgebiet).
3. Bei der Rechnung wären keine Ketten, sondern nur noch eine Kette übrig.

Zitat
Chris_BLN
Und deshalb heißt das einzige für mich nachvollziehbare Szenario: Bayern 1 und Bayern 3 zusammenlegen und Puls auf diesem Wege auf UKW bringen.

Auch vollkommen absurd und weit ab jeglicher Realität. Außerdem würde denn dann ein -zumindest im Ansatz- auch für die Senioren geeignetes Radioprogramm vollkommen fehlen.

@all
Teilweise sind die Argumente der BR-Klassik-Freunde doch etwas seltsam und an den Haaren herbei gezogen.
Und wenn der Untergang des Abendlandes bei einer möglichen Abschaltung von Bayern Klassik auf UKW bevorstehen würde, warum investieren dann diese ganzen Kulturgutmenschen nicht in ein (teilweise simples) DAB+-Radio? Und warum muss alles immer soo verdorben schlecht sein, was nicht mit "Kultur" im von den Gutmenschen selbst festgelegten Begriff gerade hinein passt? Mal ist es Radio X aus Frankfurt, mal FM4, mal Bayern Klassik, mal DRW, mal DRK und dann auch mal das alte DT64 von 1990. Und vielleicht auch mal irgendwann der NWDR aus dem Jahr 1948 oder die MIRAG aus dem Jahr 1928.

von Schwabinger - am 05.06.2014 15:57
Zitat
Schwabinger
Wenn det ör den Generationenabriss verliert, verliert er letztendlich seine Daseinsberechtigung. Immerhin sind die kommenden Beitragszahler ja auch Beitragszahler.


Für etwa 85% der Rundfunkhörer in Deutschland hat der ÖR bereits seine Daseinsberechtigung verloren. Warum? Weil 50% der Hörfunknutzung auf die Privaten gehen und etwa 35% auf die öffentlich-rechtlichen Dudler, bei denen keine Unterschiede zu den Privaten mehr zu erkennen sind. Die restlichen 15% teilen sich auf alle "teuren" Programme auf, von denen manche noch nichtmal wirklich gut sind: DLF, D-Kultur, regionale Kulturwelle, ggf. regionales Vollprogramm (Bayern 2, eingeschränkt noch WDR 5), Nachrichtendudler. Wenn man den rauslässt, siehts noch schlimmer aus.

Das ist bitter, aber nunmal Realität.

Das ganze System gehört hinterfragt. Die Frage lautet meiner Meinung nach: "will sich die deutsche Gesellschaft noch Kultur und Wichtiges im Hörfunk leisten oder will sie es nicht?"

Was dabei rauskäme, kann man sich vorstellen: genau das, was wir jetzt bei BR Klassik erleben - weg mit der Kultur. Das wäre die Antwort der Mehrheit. Manchmal bin ich froh, daß dieses Land noch nicht ganz so funktioniert mit der schnellen "direkten Demokratie". Denn die einzig sinnvolle Antwort der Minderheit auf solche Einschnitte ist leider logistisch nicht so einfach: das Land verlassen. Brain Drain also - irgendeine Fundstelle im Netz listet glaube ich tatsächlich sogar Kunst- und Kulturschaffende Betroffene. Moment... tatsächlich: Wikipedia.

Zitat
http://de.wikipedia.org/wiki/Braindrain
Denn nicht nur Medizinern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern bieten sich deutlich bessere berufliche und einkommensbezogene Chancen und Lebensperspektiven im Ausland, sondern auch Sozial- und Geisteswissenschaftlern, die beim derzeitigen Arbeitsmarkt in Deutschland als „Sorgenkinder des Arbeitsmarktes“, als nicht fachbezogen vermittelbar bis unerwünscht oder gar quasi als überflüssig angesehen werden.


Die Folge des Zerstören des Lebensraumes kulturell interessierter Menschen ist zunehmende Barbarei. Einfach mal mit offenen Augen durchs Land gehen (und auch mit offenen Ohren) - man kann es schon deutlich merken. Ich war heute das erste mal seit geschätzt 20 Jahren an einem Badesee in der Nähe meiner Heimat (Thüringen). Der See ist noch so, wie er einst war. Das Publikum ist ein anderes. Dumpf, stockdumpf. Dumpf und 100% von sich überzeugt. Sie haben inzwischen schon Kinder, es wächst eine verlorene Generation heran. Teils waren die Großeltern dabei, Leute um die 50 und nicht wirklich anders. Nur ganz wenige echte Senioren (75+) wirkten so, wie ich es von anderswo als "intakt" kenne. Es gruselte mich.

von Chris_BLN - am 09.06.2014 17:38
Zitat
SagittariusA
Auf Bayern-Klassik wird auch Jazz gespielt, nicht nur um 23:00 , sondern auch nachmittags mitten zwischen den klassischen Stücke.
Vielleicht sollte man sich die Programme, über die man sich äußert, auch mal gelegentlich anhören.

Habe ich hier schon gelesen, dass da jazzige Einspränkel laufen. Das Programm heißt und ist aber Klassik. Auf Antenne Bayern läuft hin und wieder auch mal etwas ganz anderes (z. B. an Weihnachten oder an irgendwelchen Thementagen). Und trotzdem ist und bleibt ABY der Hitdudler schlechthin. Und Bayern 1 spielt ja auch nicht nur Oldies, sondern auch Volksmucke. Und trotzdem ist und bleibt Bayern 1 der Oldiesender schlechthin.

Zitat
RudiP
Bei den "Unterhaltungsprogrammen" kommt es eben genau darauf an, was man daraus macht. Auf der Pop-Welle Ö3 kam von 1967 bis in die 90er Jahre um 15.03 die Musicbox. Das wurde nicht nur Musik gespielt, sondern das Umfeld journalistisch hochqualifiziert aufgearbeitet. Ich kann mich z.B. noch eine Sendung "Pop-Geographie Belfast" erinnern, in der in einer Stunde das Nordirland-Problem in Feature-Form dargestellt wurde und die Musiktitel nicht nur gespielt, sondern der Text erklärt wurde. Eine Sendung von vergleichbarem Niveau hörte ich kürzlich auf dem HR, aber auf HR 2 im Schulfunk. Das ist der Niedergang: Dass in den Popwellen nur noch gedudelt wird.

Wir haben weder 1967 noch bis in die 90er. Die Zeiten, Programme, die Medien (z. B. TV und ab eben der 90er das Internet) und der Geschmack hat sich nun mal gewandelt. Oder böse: Entwickelt. Und auch in Österreich gibt es nicht einzig mehr Ö 3 die die Sparte "populäre Musik" alleine bedienen dürfen.
Zitat
Rudi P
Ich bin jetzt nicht gerade ein Stammhörer von Puls. Aber wie wäre es denn, wenn Puls eben auch wieder mehr Tiefgang in einen Unterhaltungskanal bringt? Wenn der Kanal eben genau (wie vom BR erklärt) keine Konkurrenz zum Kommerzfunk ist, dann bestünde ja die Chance, dass der Kanal nicht nur dudelt, sondern auch Niveau bringt.

Kultur findet nicht nur in Klassik und Literatur statt.

Da stimme ich dir zu. Wobei ein weiterer "Minderheitenkanal" im Jugendbereich abseits der anderen ARD-Jugendradios doch nicht so das Erfolgsmodell für den BR wäre. Insbesondere wenn dann noch weniger Hörer als auf Bayern Klassik erreicht würden :D

@ all
Wie hier schon richtig erkannt, ist das Ganze eine Peinlichkeit für den BR. Man knickt vor der -doch das Klischee zum typischen BR Klassik-Hörer passt- besser verdienenden "Spießbürgergesellschaft" ein, die sich -auch das Klischee scheint stimmig- am ehesten eine neue Radioausstattung als z. B. ein 17 jähriger Schüler leisten kann. Die hat die Lobby bei der Presse (Welt, SZ, FAZ) und auch noch bei dem ex-Kunstminister Goppel aus LL.
Die Jugend, die das Produkt Puls i. d. R. gar nicht kennt (woher auch? im Netz gibt es ganz andere Kaliber für eben diese Jugend), hat diese Mittel und dieses Interesse nicht.
Außerdem ging es um einen an sich recht seltsamen weit entfernten Termin des "Festbetonierens" der UKW-Sender bis ins Jahr 2016. Selbst bis dahin (und nicht erst ab 2018) wird sich in Sachen Medienkonsum wohl noch viel ändern (LTE statt DVB-T. :D ).


Da waren SWR und insbesondere der hr einfach schlauer.

von Schwabinger - am 13.06.2014 15:32
Da der Frequenztausch ein UKW-Thema und kein DAB-Thema ist, hier der letzte Stand:

Meldung des BR vom 10. Juli:

Zitat

Entscheidung des Rundfunkrats

Der BR-Rundfunkrat unterstützt mit Nachdruck die Bemühungen des Bayerischen Rundfunks, mit seinen Programmangeboten weiterhin eine wichtige Klammer für die Gesellschaft in Bayern zu bilden und alle Generationen mit seinen unterschiedlichen Hörfunkwellen anzusprechen.

In der Sitzung des Gremiums am 10. Juli 2014 haben sich die Rundfunkratsmitglieder mit großer Mehrheit für die geplanten Maßnahmen zur Stärkung der Programmangebote für Jugend und Klassik ausgesprochen. Auf diese Weise soll dem beim BR stärker als bei anderen ARD-Anstalten ausgeprägten Generationenabriss entgegengewirkt werden.

Gemäß dem in Artikel 4, Absatz 1 des Bayerischen Rundfunkgesetzes festgehaltenen Programmauftrag hat der Rundfunkrat beschlossen, dass PULS von 2018 an als öffentlich-rechtliches Jugendangebot über die UKW-Frequenzkette von BR-Klassik ausgestrahlt wird, vorausgesetzt, folgende Bedingungen sind erfüllt:

Die Netzabdeckung von DAB+ erreicht diejenige von UKW bei BR-Klassik. Der BR weist diese Netzabdeckung mit unabhängigen Gutachten nach. Der Bayerische Rundfunk bereitet mit umfassenden Informations- und Werbemaßnahmen diesen Schritt so vor, dass die größtmögliche Zahl der BR-Klassik-Hörer bis zu diesem Zeitpunkt ausreichend über die Umstellung informiert und in der Lage ist, den Wechsel mitzugehen. Über eine Kampagne, von der auch die privaten Anbieter profitieren, wird über die Vorzüge des digitalen Antennenradios DAB+ so umfassend informiert, dass die DAB+-Gerätedurchdringung merklich verbessert werden kann. Ein entsprechendes Kommunikationskonzept wurde dem Rundfunkrat vorgelegt. Der Bayerische Rundfunk intensiviert seine Bemühungen, um gemeinsam mit der Automobilindustrie eine bessere DAB+-Geräteausstattung in Autos zu erreichen. [...]


Weiterlesen: http://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/wellentausch-klassik-puls-100.html

Stellungnahme der BLM vom 11. Juli:

Zitat

BLM-Präsident Schneider: Entscheidung des BR-Rundfunkrats verstärkt Schieflage im dualen System

BLM-Präsident Schneider zur gestrigen Entscheidung des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks, im Jahr 2018 einen Frequenzwechsel zwischen BR Klassik und BR Puls vorzunehmen: „Der Beschluss des Rundfunkrats für eine Umsetzung des Frequenzwechsels 2018 ohne konkrete Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Marktdurchdringung von DAB-Geräten und die tatsächliche Nutzung von DAB-Programmen ändert nichts an der von der BLM und den privaten Anbietern kritisierten Ausgangslage. Diese Entscheidung verstärkt die Schieflage im dualen System und gefährdet die Existenz lokaler Hörfunkanbieter.“


von Manfred Z - am 27.07.2014 10:30
Auf der Medienratssitzung am 24. Juli hat sich BLM-Präsident Schneider ausführlich zum Thema geäußert:

Zitat

Am 10. Juli hat der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) die Entscheidung zum Frequenztausch gefällt. „Von 2018 an“, heißt es in der Pressemitteilung dazu, soll das Jugendprogramm BR PULS über die Frequenzkette von BR-Klassik ausgestrahlt werden, während das Klassikprogramm terrestrisch nur noch über den Digitalradiostandard DAB+ verbreitet wird.

Die BLM hat ihre Positionierung in dieser Frage sorgsam abgewogen. Wir sind einerseits den Interessen der privaten Radioanbieter in Bayern verpflichtet, wollten andererseits aber auch einen Kompromiss mit dem BR finden. Im Rahmen dieser Vermittlerrolle hatten wir alle privaten Anbieter für einen Vorschlag gewonnen, der die Entwicklungswünsche des BR respektiert, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Privaten offen hält. Unter den Voraussetzungen einer Gerätedurchdringung von 50% und einer DAB+-Hörernutzung von 25% hätten die Privaten dem Frequenzwechsel zugestimmt, auch weil dann für einen fairen Wettbewerb der jeweilige Verbreitungsweg nicht entscheidend ist. Um diese Prozentsätze zu erreichen, wurde eine gemeinsame Werbe- und Marketingstrategie für DAB+ angeboten.

Leider hat der BR dieses maßvolle Junktim kategorisch abgelehnt und die ausgestreckte Hand der Privaten zurückgewiesen.

Einen überprüfbaren DAB-Höreranteil vor einer Umstellung festzuschreiben, ist in anderen europäischen Ländern, die beim Digitalradio führend sind, absolut üblich. So wird Großbritannien erst bei einer DAB-Nutzung von 50% festlegen, wann der Umstieg von UKW auf DAB erfolgt. Und Norwegen stellt 2017 nur unter der Bedingung um, dass im Jahr 2015 bereits eine DAB-Nutzung von 50% erreicht ist.

In Deutschland fordern ARD und Deutschlandradio die Abschaltung von UKW spätestens im Jahr 2025. Wer wirklich an den Erfolg von DAB+ glaubt, müsste auch das bescheidene Ziel von 25% Hörernutzung im Jahr 2018 erreichen können. Die Netzabdeckung, also allein die technische Reichweite, zur alleinigen Bedingung für den Frequenztausch zu machen, reicht nicht aus, um einen fairen Wettbewerb im dualen Rundfunksystem zu ermöglichen!


http://www.blm.de/de/infothek/medienrat/berichte.cfm?object_ID=3857

Die Aussagen Schneiders zu GB und NOR sind falsch:

• In GB muss der Marktanteil der digitalen Nutzung (DAB, DVB-T, Sat, Internet, ...) 50% erreicht haben, nicht der DAB-Nutzung allein, um einen Termin für die FM-Abschaltung festzulegen.

• In NOR zählt nicht die Nutzungsdauer (Marktanteil), sondern die technische Ausstattung der Radiohörer: "Before 2015 50% of the radio listeners must daily use a digital radio platform (currently this is 45%). This does not specify market share of listening, contrary to the UK requirement, only reach. “Digital platform” also includes listening via internet and via the digital tv-network. This condition is set in order to measure the listeners' independence of the analogue FM-platform."

von Manfred Z - am 27.07.2014 10:45
@ Chris_BLN

Zitat

Wie, sowas gibt es? Einen Auftrag, nachdem die Öffis Vollpfostenbeschallung (egal welche Altersgruppe) anzubieten haben? Wäre mir neu.


Leider haben die Öffentlich-Rechtlichen da offenbar einen extrem goßen Spielraum, was gerade den Bereich Unterhaltung angeht. Siehe den ganzen Unterhaltungshausfrauenkrimimüll, den die Öffentlich-Rechtlichen uns im Fernsehen vorsetzen und gefühlt 95 Prozent des Fernsehens ausmachen. Und das öffentlich-rechtliche Radio bewegt sich halt auch in diese Richtung.

Gerade der BR könnte das mit seinen fünf flächendeckenden Frequenzketten (was für einen öffentlich-rechtlichen Sender schon stark über dem Durchschnitt ist) ganz elegant lösen, indem er seine zwei Dudelwellen zusammenfaßt und somit eine Frequenzkette für Puls hätte.


Zitat

Für "die Jugend" (issn das?) hat der BR u.a. den Zündfunk, für manche Teile der Jugend durchaus weitaus größere Teile des Bayern-2-Programms, für einige sogar BR Klassik.


Das setzt voraus, daß man noch eine Hörerschaft wie in den 1970ern hat, die gezielt zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Sendung einschalten. Sowas geht heute also nicht mehr.


Zitat

Was ist denn ein "vollständiges Angebot"? Eine Welle, auf der 24/7/365 in der üblichen 4-Stunden-Rotation 50 sogenannte "Superhits" von heute rotieren, angereichert mit einem Ansager, der ständig eine neue Kombination aus den Begriffen "cool", "Facebook", "Smartphone", "Twitter" durchsagt, wenn nicht gerade die Ansage läuft, daß nur hier die beste aller 4-Stunden-Rotationen mit 50 sogenannten Superhits von heute rotiert, angereichert mit einen Ansager, der ständig eine neue Kombination aus den Begriffen "cool", "Facebook", "Smartphone", "Twitter" durchsagt, wenn nicht gerade...?


Da hört jemand heimlich Jump. :joke:

Dahin will Puls ja explizit nicht.


Zitat

Für den Rest reicht doch heute das Smartphone. Da sist sogar personalisiert und spielt immer nur die 50 Superhits, die wirklich gewollt sind.


Ja, in diese Richtung wird es wohl gehen.

Meiner Meinung nach sollten sich gerade die Öffentlich-Rechtlichen nur noch auf das konzentrieren, was nicht durch "personalisierte Medien" (so nenne ich das jetzt mal), also mp3-Player und iTunes (nicht nur Musik, sondern auch Filme und Serien) angeboten werden kann; also Nachrichten und Informationen.

von Kay B - am 07.09.2014 10:19
Zitat
bugi
Ich sehe da durchaus Parallelen zu Bayern. Natürlich hängt letztlich alles von der Landesregierung ab. Wenn die nicht will, will sie nicht. Aber wenn eine entsprechende Diskussion in der Öffentlichkeit sich ausweitet, wäre ja durchaus denkbar, daß man doch nachgibt. Immerhin wäre eine Aufschaltung von PULS auf die komplette 4. UKW-Kette eine ernsthafte Gefahr für die Existenz von EGO-FM.

Konkurrenz gut und schön, aber niemand kommt auf die Idee, Energy München wäre in Gefahr wegen Bayern 3 oder Arabella wegen Bayern 1......

Zitat
DX OberTShausen
Wie ich bereits schonmal sagte, finde ich es absolut richtig, ab 2018 Puls über die vierte Kette auszustrahlen. Die Klassik-Fans, die jetzt meckern, sollten lieber froh sein, dass sie 38 Jahre lang ein Programm über UKW hören konnten, das nie hohe Einschaltquoten hatte. Jetzt ist die Jugend mal dran. Der BR macht alles richtig.

:cheers::spos:
BTW: "Jugendlich" finde ich PULS nicht, sondern alternativ. Ein "richtiges Jugendradio" ist vorbildlich DASDING vom SWR.


Man könnte ja mal den PULS-Nutzerkreis selbst fragen, z. B. in der Sendung "DIE FRAGE". Vielleicht kommt der ein oder andere Hörer, dass es sinnvoll wäre, weil er es nur Zuhause hören kann, etc...
DIE FRAGE - Kritik? Fragen? Du bist der Reporter!
Okay, Jugendwelle hin oder her, ich würde es auch für sinnvoll finden, aber nicht mehr 2018. 2016 wäre das erste Mal okay gewesen, aber seit der Verschiebung auf 2018 verstehe ich den Sinn nicht mehr, wieso man PULS auf UKW schieben will. Jeder, der ab 2018 PULS auf UKW hören will, hat noch nicht verstanden, dass es DAB-Kastln gibt, mit denen man ihn 24/7 empfangen kann.

von BieMa - am 24.07.2015 10:11
Zitat
Digitaliban
So kann man sich streiten: meiner Meinung nach ist Bremen Next das einzige Jugendprogramm in der ARD, auch wenn es ja offiziell gar kein Programm sondern lediglich ein Telemediendienst ist - schönes Wort!


Man wird da nie eine gemeinsame Einigung finden. Jeder hat andre Ansprüche und Erwartungen an einen Programm. Man sollte auch mal vom Informationsgehalt ausgehen und nicht nur von der besten Musikmischung oder die besten alternativ Musik. Man sollte auch bei seiner Beurteilung mit einfließen laßen auf welchen Sender man besser Informiert wird? Auch das sollte man mal mit einfließen.

---------------------------------------------

Ich lese immer nur Dasting, Sputnix, Fritz. Was ist an BremenNext, Dasding so super Toll? Und was ist an Puls, DWissen, Zündfunk (B2) immer so schlecht? Nur weil nicht die Musik bringt die auf Dasding lauft sind das keine guten ARD Jugendwellen?! Oder wie darf ich das verstehen?. Ich finde es schwachsinnig einen Jungendsender nur an seiner Musikrichtung zu beurteilen. Demnach wären nur Sender wie Radio Galaxy guter Jungendsender, denn nur dort lauft das was die meisten Bayerischen Jugendlichen hören wollen und so super toll finden. Ein guter Bayerischer Jugendsender könnte in Bayern auch sein der viel Informiert und Beiträge aus Bayern bringt aber als Musikformat, Jungendliche Volksmusik, sowie Bayerische Jungesbänds bringt und im Studio hat. Die Breite Masse erreicht man Natürlich damit nicht aber auch so ein Jungendsender hätte sein Bereicherung und wäre nicht automatisch schlechter, besonders dann nicht wenn sie Mitarbeiter sich in den Sender reinhägen und sie mühe geben und nicht nur die Festplatte machen laßen würden. Für mich wäre das der bessere Jungsender als Radio Galaxy das nur ihre Festplatte spielt.

Wenn Dasding viel von dieser Galaxymusik bringt, ist es klar das es mehre Jugendliche Hörer hat als Puls oder DWissen. Aber ist das Programm von Dasding an sich dadurch Automatsch besser? hmmm.....

Wenn Ihr schon mit euren Musikgeschmark vergleicht, dann bitte auch nur Sender vergleichen die auch eure Musik bringt. Dasding ist ein Jungendchatssender mit Mainstreams anteil. Puls ein Jungendsender mit Alternative Musikmischung. Also kann man doch auch nur die Inhalte, Beiträge und Informationsgehalt vergleichen und beurteilen welcher nun besser ist bzw. mehr mühe gibt! Zu sagen Puls ist scheiße, nur weil nicht die Musik lauft die man Persönlich mag und dir Dasding spielt ist nicht gerade .. naja... oder nur weil einen der Sendenamen (PULS) nicht gefällt (jaja da gibt es auch wechle her!) ist auch nicht gerrade objektiv.

Nichts für ungut.

PS: Sollte ich statt „Puls“ öfter „Plus“ geschrieben haben, so ist das von der Autokorrektur zu Entschuldigen ;)

von Kohlberger91 - am 04.06.2016 13:12
Für mich war Fritz jahrelang das Nonplus-Ultra, einfach weil der Sender etwas rebellisches und frisches hatte - unvergessen die Fuck-Parade - aber auch etliche Moderatoren welche einen für deutsche Verhältnisse unkonventionellen Moderationsstil fuhren.

Sendungen von Berry Graves, Jürgen Kuttner oder Thomas Wosch waren zum Teil so einzigartig und manchmal auch absurd dass ich teils wie gebannt oder auch Tränen lachend vorm Radio saß, dazu viele tolle Musikspecials, Sendungsnamen die einprägsam waren (Phönix, Stahlwerk, Blue Moon, Bollmann uva.), desweiteren eine krachende progressive Aufmachung.

Heute ist nicht mehr vom alten Glanz geblieben, das einzig hörenswerte ist nach wie vor die Musik, eine gesunde Mischung aus recht aktuellem Mainstream, Neuentdeckungen und auch mal flottere Musikstile. Die Moderation wirkt immer noch recht "frei Schnauze" aber mittlerweile auch nur noch belangloses gekünsteltes Balinarisch wa?

Puls ist sicherlich ein hörenswertes Programm, die Moderatoren sind mir jedoch irgendwie zu gewollt verpeilt und farblos, irgendwie der Versuch FM4 zu kopieren bei denen es jedoch im Gegensatz dazu recht authentisch und charmant wirkt. Wohlwollend merke ich aber an, daß bei Puls auch mal mainstreamigere aber keinesfalls schlechte oder uninteressant ausgelutsche Musik läuft die man bei FM4 vermisst und wenn FM4 zum Mainstream geht dann sind es zum Teil grauslich ausgelutschte Songs.

Das Ding attestiere ich tatsächlich die jüngste Aufmachung wenn man es so nennen will, jedoch ist man da meiner Meinung nach nicht mutig genug, es ist zwar progressiver als der bundesdeutsche Durchschnitt aber auch dort bewegt man sich zu sehr im aktuellen Chart-Fahrwasser.

YouFM ist für mich unerträglich, sei es daß man für diesen Schund hr XXL geopfert hat - was für mich nur schwer verzeihlich war - oder aufgrund der eintönigen und langweiligen Musikauswahl (zu den Mods kann ich nichts wirklich sagen).

1Live war mal interessant, vor allen Dingen am Abend und bei Plan B, jedoch scheint man irgendwo auf dieser schnarchigen, rudimentär-alternativen Schiene hängengeblieben zu sein.

N-Joy ist von einem trashigen aber flotten Programm zu einem Magneten für anscheinend Gerontophil veranlagte Mitmenschen verkommen zu sein. Was man da als Jugendprogramm verkauft ist eine Frechheit sondergleichen und selbst die in den Spezialsendungen am Abend als brandneu angepriesene Musik setzt schon kalk an.

Bremen Next ist sicherlich weit davon entfernt ein Radioprogramm im eigentlichen Sinne zu sein, es ist eine Festplatte ohne Inhalte, jedoch tatsächlich mit der Musik welche sich auf den Abspielgeräten der anvisierten Zielgruppe befinden dürfte. Da ist man dann tatsächlich mit Mitte- Ende 20 schon zu alt für - es sei denn man hat eine hohe Toleranzschwelle gegen Prolliges - aber dennoch das, woran sich jedes Programm für Jugendliche und junge Erwachsene orientieren sollte wenn es sich nicht überflüssig machen möchte!

von Anonymer Teilnehmer - am 04.06.2016 13:40
Zitat
Zwölf
BR-Klassik hat die wenigsten Hörer von den UKW-Programmen; deshalb hat man sich wahrscheinlich für dieses Programm entschieden.


Das ist einerseits marktwirtschaftlich verständliches, andererseits psychologisch völlig falsches Handeln. Man dezimiert damit vermutlich die Hörerschaft (auch 2018 dürfte kaum DAB-Vollausstattung gegeben sein, nichtmal in Bayern) und hat dann kaum noch Hörer übrig. Damit hätte man eine Handhabe, BR Klassik komplett abzuwürgen als Radioprogramm und es z.B. ausschließlich als Marke für Videostreams von Klassikkonzerten zu benutzen. Damit wäre dann eine Tagesbegleitung nicht mehr möglich.

Zitat
Zwölf
Das Argument mit dem Alter klingt interessant. Es könnte schon was dran sein. Die Älteren sind mit einer Technik aufgewachsen, die relativ viel Zuwendung verlangt hat (Beim Fernsehen z.B. mehrere Dachantennen für eine Hand voll Programme, die nur zu bestimmten Zeiten interessante Inhalte zeigten).


Das war ja im Osten noch schlimmer, wie sie auf den Dächern rumgeturnt sind, was für Konstruktionen damals entstanden. Nur: die "Älteren", die das getan haben, waren damals jung. Ich kenne einen Chemie-Doktor, der gerne Klassik hört und in den frühen 80er Jahren selbst mit Spitzhacke und Schaufel im Wald stand, um die Kabelanlage zu verlegen, die in Wohngebiets-Initiative entstand. Heute duldet er keine Veränderung mehr im Haus und UKW ist das, was ihm Programm liefern muß. Sat wäre längst fällig gewesen (Fernsehen kommt derzeit nur via DVB-T), aber Handwerker, Löcher bohren, ...? Niemals wieder! Und diese Haltung kenne ich von vielen Senioren.

Zitat
Zwölf
Zum Anderen muss der BR bei den älteren Leuten weniger befürchten, dass sie ihm davon laufen. Denn wo sollen sie denn hin?


Ins Heer der Nicht-Hörer beispielsweise. "Kommt halt nichts mehr für uns" - und abgeschaltet wird.

von Chris_BLN - am 07.06.2016 22:15
Zitat
PhanTomAs
Das ist das, was ich bei vielen (hauptsächlich Älteren) nicht verstehen will. Alle 5 Jahre ein neues Auto, alle 3 Jahre ein neuer Fernseher, jedes Jahr ein neues Smartphone. Aber das Radiogerät, das muss mindestens 10.000 Jahre halten. Es ist nur ein verfluchtes Radio, wie kann man nur so borniert und stur sein?


Nein, es sind andere Senioren. Es sind z.B. die, die seit Jahren Parkinson haben, unter heftigen Nebenwirkungen der Medikamente leiden und zunehmend körperlich abbauen. Oder die, die ohne eine genau benennbare Krankheit mit 80 faktisch nur noch ganztags im Sessel sitzen und schlafen wollen, weil keine Lebenskraft mehr da ist. Das sind viele! Wie sollen die, wenn die Energie gerade noch zum Überleben reicht, sich mit neuer Technik behängen? Die kommen schon mit dem Alltag nicht mehr klar.

Die Frage nach Auto oder Smartphone stellt sich da nicht, auch nicht die nach Internet. Hat man dort einfach nicht. Fernseher würde gewiss neu gekauft, wenn der alte kaputtginge, Auto gibt es schon lange nicht mehr, Smartphone ebenfalls nicht. U.U. liegen daheim 2 Mobiltelefone mit teurem Monatsvertrag und leerem Akku, die nicht genutzt werden, weil man sie sich mal vor 7 Jahren hat aufschwatzen lassen, dann aber nicht damit klarkam.

Die Häuser verrotten derweil - in einem mir bekannten Fall wurden 2 Zimmer bereits "aufgegeben", also werden einfach nicht mehr betreten, weil sie vom Moder befallen sind. Vor Handwerkern hat man Horror, zieht sich ins letzte Zimmer zurück und wartet, bis sie wieder weg sind. Das einzige, was in solchen Häusern noch ggf. installiert werden darf, ist der Treppenlift. Und da stehen dann die noch agileren Senioren (die, die das Haus noch verlassen können) auf der Straße beim Nachbar und der erzählt, wie übel er beim Einbau des Treppenliftes über den Tisch gezogen wurde.

Dieses Trauerspiel haben wir in Thüringen extrem oft und es betrifft teils Leute deutlich unter 80. Dort kann man von Glück reden, mit Mitte 70 nicht schon tot zu sein oder im Pflegeheim zu sitzen. Bei meinen Eltern in der Nachbarschaft sind viele über 75 dermaßen kaputt, daß man sie nie auf der Straße oder im Garten sehen kann und daß oft der Pflegedienst kommt.

In Berlin kenne ich hingegen interessanterweise fast ausschließlich absolut agile, geistig jung gebliebene 80- bis 90(!)-jährige, für die das alles kein Thema ist. Die haben Handy, teils Smartphone. Die arbeiten ganz selbstverständlich mit dem Laptop. Der Herr Steinke, DDR-Rundfunktechnik-Koryphäe, macht noch Vortragsreisen und arbeitet u.a. für diese Webseite zu: http://www.rundfunkschaetze.de/landessender-dresden-1945/

Andere Kollegen aus dieser Zeit singen mit über 80 noch im Chor und schneiden die Auftritte mit selbstgebauten Mikrofonvorverstärkern mit. Auto haben etliche der Mitt-Achtziger auch noch, doch das VBB-Umweltticket ist bequemer.

Ich weiß nicht, was im harten, aggressiven, lauten, dreckigen Berlin anders ist als in Thüringen. In Thüringen erlebe ich in Stadt und Land ab spätestens 75 oft geistiges und körperliches Siechtum. Und schon die 55-jährigen "haben fertig" und interessieren sich für gar nichts mehr. Die kommen müde von der Arbeit und liegen nur noch platt herum.

Den von Dir beschriebenen Fall gibt es freilich auch. Wie wäre es mit alleinstehender Dame um die 65-70, die sich nun zusätzlich zum ca. 40"-TV noch einen größeren gekauft hat ("sind ja so billig heute"), damit sie im Schlafzimmer noch einen TV hat. Aber die kleine Stereoanlage ans Kabelnetz anschließen und die Sender programmieren (43 sinds dort auf UKW)? "Nein, lass mal, brauch ich nicht, ist zuviel Aufwand."

Zitat
Terranus
Richtig innovativ wäre eben gewesen, die Klassik Kette zu einem DAB Promokanal zu machen. Zeitpartagierung in PULS, Klassik und auch Heimat. Und dann kräftig Werbung für DAB gemacht: alle diese Sender hören sie 24h via DAB.
Aber das traut sich der BR selbst im Jahr 2018 leider noch nicht.


Das ist ja mal eine richtig geile Idee, zumindest für eine befristete Zeit (z.B. 1 Jahr)! Das hat echt was! In der Nachtschiene gäbe es nichtmal einen Verlust, da das Nachtkonzert eh parallel auf Bayern 2 läuft.

von Chris_BLN - am 08.06.2016 06:21
Zitat
Terranus
Zitat
Kohlberger91
Zitat
DigiAndi
z. B. im Auto. Und dort muss man auffindbar sein, wenn der Hörer den automatischen Sendersuchlauf betätigt - genau das wird PULS dann sein.


Schon und Gut, man hätte die 5 Welle (B5) auch nehmen können und hätte nicht auch noch die Klassikhörer ihr Programm aus dem UKW verbannt.


Richtig innovativ wäre eben gewesen, die Klassik Kette zu einem DAB Promokanal zu machen. Zeitpartagierung in PULS, Klassik und auch Heimat. Und dann kräftig Werbung für DAB gemacht: alle diese Sender hören sie 24h via DAB.
Aber das traut sich der BR selbst im Jahr 2018 leider noch nicht.

Naja, sowas Ähnliches hatten wir ja im Prinzip schon. Nur, dass BR-Heimat auf Bayern 1 lief (Volksmusik-Stunde) und Puls auf Bayern 3 (Freitagabend oder so). Das scheint nicht wirklich zu ziehen.

Zitat

Wenn der BR mit Bayern 3 trotz "Auffindbarkeit" die Jugendlichen nicht erreichen kann, dann wird das mit "PULS" auch nix. Denn dazu ist es viel zu Minderheiten orientiert.Die würde man nur dann erreichen, wenn man genau das macht weshalb die Privaten klagen: diesen Hörer wegnehmen und einen Sender wie Galaxy oder Energy veranstalten.

Da gebe ich dir recht. Auch der Vergleich mit anderen Sendern zeigt ja, dass Alternative Musik eher eine Nische ist. Man würde zwar vlt. mehr Leute als mit BR-Klassik erreichen, aber nicht so viele mehr, dass man sagen könnte, damit "die Jugend" festhalten zu können. In Österreich erreichte FM4 2002 nur 3,8%, auch ego-FM erreicht in seinen bayerischen Sendegebieten nur durchschnittlich 3,2% der Bevölkerung bzw. 7,3% in der Zielgruppe 14-29 (Wobei EgoFM im Süden anscheinend erfolgreicher als in Franken ist, wo man bei der Gesambevölkerung Werte holt, die unter 2% liegen).
Angesichts dessen, kann man sich fragen, was sich der BR von dem Format verspricht - einem Format, das im Süden gegen zwei Konkurrenzprogramme ansenden muss und um Norden anscheinend nicht wirklich gefragt ist.

von Zwölf - am 08.06.2016 09:25
Zitat
Chris_BLN
Zitat
PhanTomAs
Das ist das, was ich bei vielen (hauptsächlich Älteren) nicht verstehen will. Alle 5 Jahre ein neues Auto, alle 3 Jahre ein neuer Fernseher, jedes Jahr ein neues Smartphone. Aber das Radiogerät, das muss mindestens 10.000 Jahre halten. Es ist nur ein verfluchtes Radio, wie kann man nur so borniert und stur sein?


Nein, es sind andere Senioren. Es sind z.B. die, die seit Jahren Parkinson haben, unter heftigen Nebenwirkungen der Medikamente leiden und zunehmend körperlich abbauen. Oder die, die ohne eine genau benennbare Krankheit mit 80 faktisch nur noch ganztags im Sessel sitzen und schlafen wollen, weil keine Lebenskraft mehr da ist. Das sind viele! Wie sollen die, wenn die Energie gerade noch zum Überleben reicht, sich mit neuer Technik behängen? Die kommen schon mit dem Alltag nicht mehr klar.

Die Frage nach Auto oder Smartphone stellt sich da nicht, auch nicht die nach Internet. Hat man dort einfach nicht. Fernseher würde gewiss neu gekauft, wenn der alte kaputtginge, Auto gibt es schon lange nicht mehr, Smartphone ebenfalls nicht. U.U. liegen daheim 2 Mobiltelefone mit teurem Monatsvertrag und leerem Akku, die nicht genutzt werden, weil man sie sich mal vor 7 Jahren hat aufschwatzen lassen, dann aber nicht damit klarkam.

Die Häuser verrotten derweil - in einem mir bekannten Fall wurden 2 Zimmer bereits "aufgegeben", also werden einfach nicht mehr betreten, weil sie vom Moder befallen sind. Vor Handwerkern hat man Horror, zieht sich ins letzte Zimmer zurück und wartet, bis sie wieder weg sind. Das einzige, was in solchen Häusern noch ggf. installiert werden darf, ist der Treppenlift. Und da stehen dann die noch agileren Senioren (die, die das Haus noch verlassen können) auf der Straße beim Nachbar und der erzählt, wie übel er beim Einbau des Treppenliftes über den Tisch gezogen wurde.

Dieses Trauerspiel haben wir in Thüringen extrem oft und es betrifft teils Leute deutlich unter 80. Dort kann man von Glück reden, mit Mitte 70 nicht schon tot zu sein oder im Pflegeheim zu sitzen. Bei meinen Eltern in der Nachbarschaft sind viele über 75 dermaßen kaputt, daß man sie nie auf der Straße oder im Garten sehen kann und daß oft der Pflegedienst kommt.

In Berlin kenne ich hingegen interessanterweise fast ausschließlich absolut agile, geistig jung gebliebene 80- bis 90(!)-jährige, für die das alles kein Thema ist. Die haben Handy, teils Smartphone. Die arbeiten ganz selbstverständlich mit dem Laptop. Der Herr Steinke, DDR-Rundfunktechnik-Koryphäe, macht noch Vortragsreisen und arbeitet u.a. für diese Webseite zu: http://www.rundfunkschaetze.de/landessender-dresden-1945/

Andere Kollegen aus dieser Zeit singen mit über 80 noch im Chor und schneiden die Auftritte mit selbstgebauten Mikrofonvorverstärkern mit. Auto haben etliche der Mitt-Achtziger auch noch, doch das VBB-Umweltticket ist bequemer.

Ich weiß nicht, was im harten, aggressiven, lauten, dreckigen Berlin anders ist als in Thüringen. In Thüringen erlebe ich in Stadt und Land ab spätestens 75 oft geistiges und körperliches Siechtum. Und schon die 55-jährigen "haben fertig" und interessieren sich für gar nichts mehr. Die kommen müde von der Arbeit und liegen nur noch platt herum.

Den von Dir beschriebenen Fall gibt es freilich auch. Wie wäre es mit alleinstehender Dame um die 65-70, die sich nun zusätzlich zum ca. 40"-TV noch einen größeren gekauft hat ("sind ja so billig heute"), damit sie im Schlafzimmer noch einen TV hat. Aber die kleine Stereoanlage ans Kabelnetz anschließen und die Sender programmieren (43 sinds dort auf UKW)? "Nein, lass mal, brauch ich nicht, ist zuviel Aufwand."

Zitat
Terranus
Richtig innovativ wäre eben gewesen, die Klassik Kette zu einem DAB Promokanal zu machen. Zeitpartagierung in PULS, Klassik und auch Heimat. Und dann kräftig Werbung für DAB gemacht: alle diese Sender hören sie 24h via DAB.
Aber das traut sich der BR selbst im Jahr 2018 leider noch nicht.


Das ist ja mal eine richtig geile Idee, zumindest für eine befristete Zeit (z.B. 1 Jahr)! Das hat echt was! In der Nachtschiene gäbe es nichtmal einen Verlust, da das Nachtkonzert eh parallel auf Bayern 2 läuft.


Du solltest ein Buch schreiben!

Wieso zum Teufel wird nur immer DAB als neue Technik verstanden, was hat denn der alte Opa getan, wenn auf einmal das analogSAT abgeschaltet wurde? Neuen Fernseher? Also bitte...

von BieMa - am 17.06.2016 08:49
Zitat
Kohlberger91
Zitat
Scrat
Zitat
Kohlberger91
Wobei so mancher Tschechischer Klassiklieber/in im Genzgebiet selber lieber BR-Klassik bevorzugen als ihr eigens Programm. Insgesammt scheint der Tscheche viel offener zu sein als wir. Ein Ottonormaler Bayer hört in der Regel Freiwillig keine CZ Sender. Auch können viele im Genzgebiet Deutsch und Englsich und wir Bayern überhaupt kein Tschechisch. Genau genommen auch Peinlich wenn ein Nachbarland deine Sprache kann und man selbst ihre nicht.


OT:
Tschechisch ist eine sehr schwere Sprache. Sieben Fälle (wir haben vier) und für deutsche erstmal unaussprechliche Buchstaben wie ř. Jeder Deutsche liest da ein r. Ist jedoch ausgesprochen ein stimmhaftes J wie im Journalisten. Ein Wort wie Skříň (Schrank) sind garanten für nen Zungenknoten. Nicht umsonst heisst es bei uns : "Das sind böhmische Dörfer" wenn man etwas ganz und gar nicht Lesen/Deuten kann.
OT Ende


Das weiß ich und auch die Technischen selbst , ist aber kein Hindernisgrund ein paar bocken zu versuchen zu erlehren und oft reicht es schon aus und man wird schon ganz anders behandelt bzw. sie freuen sich auch und dann könnte man sich immer noch auf Englisch unterhalten aber auch das schafft der bayerische Michel ja nicht, was glaubst du wie viel Bayerische Beatme nicht mal vernünftig Englisch können obwohl sie es ohne große mühe er lehren könnten. Schade ist halt auch unser Schulsystem, als 2. Fremdsprache (wenn überhaupt) habt man nur die Wahl von Französisch. Ich weiß noch als wir unsere Partnaschtschule in Stříbro besuchten und die hatten „deutsch“ als freiwillige Fremdsprache als Unterrichtfach, sowas würde ich mir auch in unser Bildungssystem wünschen, zumindest an Schulen die im Grenzgebiet sind. OT Ende


Ich weiß zwar nicht, was die Heulerei soll, aber in punkto Schulsystem geb ich dir recht. Französisch anzubieten ist zwar gut und schön, aber wo liegt dir in der Osthälfte Bayerns der Sinn... - abgesehen vom internationalen Nutzen.

Zitat
12
Mit Tschechisch im Abi kann man kaum einen Arbeitgeber beeindrucken. Zumindest wenn es um Jobs für Abiturienten/Akademiker geht.

Das stimmt, das ist natürlich die andere Sicht!

von BieMa - am 18.06.2016 14:59
Zitat
Jens1978
Zitat
DH0GHU
Du kennst den Unterschied zwischen "besonders" und "nur"?

Bevölkerungszahlen vs. Programmangebot, übrigens bestimmt nicht nur beim BR, von 4:1 passen nicht zusammen. Da komme ich auch mit einer weiten Auslegung der Begrifflichkeit "besonders" nicht weit. Außerdem ergibt sich die von dir verwendete Begrifflichkeit "besonders" meines Wissens nach nicht aus der rechtlichen Grundlage des BR, oder auch jeder anderen ÖR Anstalt. Vielmehr entspringt es deinem Wortschatz und ist somit nicht für eine tiefergehende Auseinandersetzung diesbezüglich verwertbar.

Zitat
DH0GHU
Der BR liefert adäquate Inhalte für unsere Altersgruppe primär in Bayern 3 und in PULS, aber auch in allen anderen Programmen, denn auch DEINE Altersgruppe nutzt diese Programme, nur eben weniger.

Welche ist denn "unsere" Zielgruppe? "Meine" kann es nicht sein, denn die erwähnst du separat. Im Übrigen ist deine Argumentation nicht schlüssig.


Wenn Du richtig lesen würdest, würdest Du merken, dass sie schlüssig ist, weil ich von Altersgruppen geschrieben habe. "Unsere Altersgruppe" ist 14-49, da fallen wir beide rein. DEINE Altersgruppe, von der Du geschrieben hast, war 30 bis 40, da bin ich knapp daneben. Somit ist diese Unterscheidung absolut korrekt, und wenn Du zwischen 30 und 40 bist, ist die Darstellung auch unbestreitbar korrekt. Wobei wir nahezu gleich alt sind, wenn man mal die 40er-Grenze wegläßt.


Dann lies bitte nochmal die Aufgaben des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks nach. Da steht nicht drin, dass Inhalte nach Einschaltquote zu gestalten sind, sondern ein gewisses Spektrum abzudecken haben. Abseits dieser Argumentation ist es auch nicht sinnvoll, dass der ÖR sich in den Programm-Bereichen besonders stark aufstellt, die genauso gut am Markt refinanzierbar sind, also garkeine öffentlich-rechtliche, gebührenfinanzierte Trägerschaft benötigen, um überhaupt zu existieren.
Udo Lindenberg braucht ja auch keine Zuschüsse aus dem Kulturhaushalt der Freien und Hansestadt Hamburg, während die Münchner Philharmoniker nicht ohne die Trägerschaft des Kulturreferats Münchens existieren könnte, sofern Tickets noch für Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bezahlbar bleiben sollen. Niemand käme auf die Idee, diese Förderung abzuschaffe, so wie niemand auf die Idee käme, Lindenberg-Konzerte müssten von der Stadt bezahlt werden.

von DH0GHU - am 28.07.2017 11:42
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.