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Wiedervereinigung und ihre Folgen: Frequenzanpassung Ost an West

Startbeitrag von Frankfurt am 02.12.2014 08:05

Durch die Angliederung Mitteldeutschlands wurden meines Wissens nach nur die Frequenzpläne Westdeutschlands übernommen. In welchem Zeitraum lief dieser Anpassungsvorgang ab ?
Das UKW Band wurde dadurch ja auch schlagartig um 4 Mhz in Mitteldeutschland größer.
Auf welchen Frequenzen tummelte sich denn die Stasi und wie schnell wurden Funkdienste auf die Westnorm umgestellt ?
Das damals aktive B-Autotelefonnetz funktionierte nur in der BRD und Westberlin, wurde aber nicht mehr auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR aufgebaut. Das C-Netz war glaube ich schon vor der Wende einmal während der Leipziger Messe dort "on Air".

Welche Frequenzen hatten Linkstrecken, Reportagefunk, etc ?

Die 50 interessantesten Antworten:

Mitteldeutschland? Ich kenne nur Ostdeutschland. Mitteldeutschland war das mal vor der Geburt meiner Eltern, und auch ich bin schon über 40...

von Noch'n Saarländer - am 02.12.2014 14:35
Zitat

Mitteldeutschland? Ich kenne nur Ostdeutschland. Mitteldeutschland war das mal vor der Geburt meiner Eltern, und auch ich bin schon über 40...

Der Begriff ist mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze auch durch die Bundesrepublik etwas seltsam und überholt.
Der MDR als Hauptträger dieses Namens (der bei Jump den "besten Verkehrsservice im Osten" anbietet) begründete das 1990 ja mit der MIRAG.
Außerdem wollten die 3 CDU-geführten ostdeutschen Länder TH, SN, und ST 1990 wohl weg von dem Begriff Ostdeutschland als Synonym für DDR und sich auch von dem roten Brandenburg und dem damals noch roten Berlin abgrenzen.

von Schwabinger - am 02.12.2014 16:53
Zitat
mittendrin
Zitat
Schwabinger
...damals noch roten Berlin abgrenzen.

damals ???, im übrigen alles OT.

Schon mitbekommen, dass Diepgen von der CDU als Reentry den Senat nach Momper wieder übernommen hat? Und das war "damals". :o

von Schwabinger - am 02.12.2014 18:48
Zitat
Frankfurt
Durch die Angliederung Mitteldeutschlands wurden meines Wissens nach nur die Frequenzpläne Westdeutschlands übernommen. In welchem Zeitraum lief dieser Anpassungsvorgang ab ?
Das UKW Band wurde dadurch ja auch schlagartig um 4 Mhz in Mitteldeutschland größer.
Auf welchen Frequenzen tummelte sich denn die Stasi und wie schnell wurden Funkdienste auf die Westnorm umgestellt ?
Das damals aktive B-Autotelefonnetz funktionierte nur in der BRD und Westberlin, wurde aber nicht mehr auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR aufgebaut. Das C-Netz war glaube ich schon vor der Wende einmal während der Leipziger Messe dort "on Air".

Welche Frequenzen hatten Linkstrecken, Reportagefunk, etc ?


Die Fragen als solche sind berechtigt und können von mir aus dem Stehgreif auch nicht beantwortet werden. Aber wie schon einige Post zeigen solltest Du auf Deine Begriffswahl achten:

"Stasi" und "Mitteldeutschland" stammen aus dem westdeutschen Wortschatz und ich halte es auch für einen Erfolg von den damaligen reaktionären Kräfte die südostdeutsche Rundfunkanstalt "Mitteldeutsch" zu nennen.

"Westberlin" ist eine DDR-Wortschöpfung der damals herrschenden Polit-Kaste, um den Ostteil der Vier-Mächte-Stadt als "Berlin - Hauptstadt der DDR" hervorzuheben.

Nun aber zu den eigentlichen Fragen: Kann diese jemand beantworten?

von Murky - am 02.12.2014 18:53
Mir ist bekannt, dass die DBP Telekom damals relativ schnell das C-Netz ausgebaut hat, um eine Versorgung mit Telefon sicherzustellen. Das Festnetz war wohl in einem derart schlechten Zustand, außerdem gab es neben dem öffentlichen Telefonnetz wohl auch noch seperate Netze des MfS oder von Betrieben.

von Alqaszar - am 03.12.2014 01:28
Zitat
Alqaszar
Mir ist bekannt, dass die DBP Telekom damals relativ schnell das C-Netz ausgebaut hat, um eine Versorgung mit Telefon sicherzustellen. Das Festnetz war wohl in einem derart schlechten Zustand, außerdem gab es neben dem öffentlichen Telefonnetz wohl auch noch seperate Netze des MfS oder von Betrieben.

Es soll wohl noch heute Regionen in Ostdeutschland geben, wo die Telekom nur eine 28,8k-Verbindung bieten kann (!!!), weil das Telefonnetz so schlecht ist, dass selbst ISDN oder gar 56k nicht möglich sind. Damit kann man natürlich das Internet völlig vergessen.

Ansonsten fällt mir ja der Kanal 12 ein, der war im Westen für das Militär reserviert, im Osten nicht und da wurde er dann auch für zwei Grundnetzsender verwendet (Bleß und Dequede). Mit der allfälligen Modernisierung kamen diese Kanäle ins UHF-Band.

von RheinMain701 - am 03.12.2014 02:10
Auch wenn es jetzt vollkommen OT wird: Das C-Netz wurde in den fruehen 1990ern auch in meiner Heimat schnell aufgebaut, hatte in dieser Struktur aber nicht mehr viel mit einem Mobiltelefonnetz zu tun. Mobil konnte man es praktisch nicht gebrauchen. Die groesseren Siedlungsgebiete innerhalb der Nachbardoerfer waren einigermassen versorgt, mein Wohnort sogar vergleichsweise gut. Wo kurzfristig kein Festnetztelefon realisierbar war, da wurden gern Festnetzanschluesse durch Zufuehrung in das C-Netz gebastelt. Als Gewerbetreibender hatte man recht gute Chancen, so etwas aufgebaut zu bekommen. Es gab auf dem Dach oder am Haus aussen eine vertikale UHF-Yagi zum naechsten Grundnetzsender, wobei da die Entfernungen gern auch jenseits der 15 - 20 km lagen. Wenn es denn funktionierte, dann funktionierte es gut. Ich habe dabei sowohl Kleinvermittlungsanlagen mit normalen analogen Endgeraeten als auch direkt angeschlossenen C-Netz-Koffer gesehen. Unser Landarzt war nach meinen Erinnerungen einer der letzten Nutzer dieser Technik.

So schlecht war das Telefonnetz in meinem Heimatdoerfchen eigentlich nicht. Alle verfuegbaren Nachteile wurden lediglich durch das beharrliche Setzen der Telekom auf eine dafuer ungeeignete Technologie verursacht. Wir haben nach wie vor Glasfaser bis ins Haus. Die Anbindung zur Ortsnetzvermittlungsanlage im Nachbarort lief ebenfalls ueber Glasfaser - und das noch aus den letzten DDR-Jahren. So weit, so gut! Dieses Kabel wurde in meinen Augen unsinnigerweise durch Kupferadern ersetzt, was anfangs immerhin DSL light und mit etwas Mut des Netzbetreibers auch an einigen Anschluessen DSL 2000 erlaubte. Die Glasfasertrasse wurde bei den Erdarbeiten dafuer mehrfach beschaedigt und ausgebaut, wo das Kabel erreichbar war. Vor zwei Jahren begann man, bei erneuten Erdarbeiten, eine neue Glasfaserverbindung zu legen. Dabei wurde das Kupferkabel ebenfalls mehrfach beschaedigt, weshalb einige wenige zwischenzeitlich sogar fuer DSL 6000 freigeschaltete Anschluesse wieder deutlich langsamer wurden. Die Kundschaft wurde auf die Formulierung "bis zu 6 MBit" hingewiesen und durfte fortan mit 1,5 bis 2 MBit zufrieden sein. Etwa 1 Jahr mussten sie das durchhalten, dann wurde VDSL ueber die neue Glasfaser angeboten. Die Ports sind inzwischen aber vollkommen belegt und nur wer "Entertain" bucht, der bekommt noch mehr als einen 6 MBit-Anschluss.

Mein Internetzugang war bis 2008 ein minutengetakteter 56 k-Zugang, der real zwischen 1/3 und der Haelfte davon anbot. Knappe 9 Jahre hatte ich also mit "Smartsurfer" und Konsorten Spass. Fuer ein Forum wie dieses, das gewollt schlank auftritt, war das nicht zwingend ein Nachteil. Das mal so als Lob am Rande.

Die Alternativen hiessen dann lange Zeit GPRS, spaeter dann UMTS/HSDPA und seit kurzem HSDPA+. LTE wird seit diesem Jahr ebenfalls angeboten, ist aber nur ortsfest in einigen Ortsteilen wirklich brauchbar. Das geht auch noch rasend schnell, da diese Technologie noch nicht vollkommen mit irgendwelchen Prepaidkarten ueberbucht ist. Bis zu 7 MBit gingen in guten Zeiten ueber HSDPA/HSDPA+ auch mal, inzwischen sind alle verfuegbaren Funknetze aber so ueberbucht, dass selten noch mehr als 1 MBit zu haben ist. Zudem haben sich die Pingzeiten vom Millisekunden- in den Sekundenbereich verlaengert, an einem verregneten Wochenende auch gern mal auf ueber 10 Sekunden. Wenn fast jeder auf seinem Smartphone oder Tablet herumdaddelt, dann ist an manchen Tagen das Aufbauen einer Datenverbindung, die ueberhaupt Datenuebertragung zulaesst, ueber Stunden unmoeglich. Und: Laengere Inaktivitaet einer Datenverbindung fuehrt dazu, dass sie irgendwann nicht mehr funktioniert. An jedem Wochenende reproduzierbar!

von PowerAM - am 03.12.2014 05:48
Zitat
PowerAM

Mein Internetzugang war bis 2008 ein minutengetakteter 56 k-Zugang, der real zwischen 1/3 und der Haelfte davon anbot. Knappe 9 Jahre hatte ich also mit "Smartsurfer" und Konsorten Spass. Fuer ein Forum wie dieses, das gewollt schlank auftritt, war das nicht zwingend ein Nachteil. Das mal so als Lob am Rande.


Ich denke, Du wirst wohl irgendwo auf dem Land leben, wo Internetzugang nur sehr schlecht oder langsam realisiert wurde.

Ich hatte mir damals in Deutschland bewusst einen Ort ausgesucht, an welchem bereits eine Flat Rate verfuegbar war, und zwar eine richtige Flatrate.

Dass dieses Forum sehr schlank auftritt schaetze ich auch sehr, und vermutl. viele hier.

von 102.1 - am 03.12.2014 10:29
Zitat
Frankfurt
Durch die Angliederung Mitteldeutschlands wurden meines Wissens nach nur die Frequenzpläne Westdeutschlands übernommen. In welchem Zeitraum lief dieser Anpassungsvorgang ab ?
Das UKW Band wurde dadurch ja auch schlagartig um 4 Mhz in Mitteldeutschland größer.


Das ist so nicht richtig.
Bei der Wellenkonferenz Genf 84 wurden sowohl für die (alte) Bundesrepublik einschl. Berlin (West) als auch für die DDR einschl. Ost-Berlin UKW-Frequenzen von 87,6 bis 107,9 MHz geplant. Dieser Plan gilt im Prinzip heute noch; wird natürlich ständig modifiziert. Durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 03.10.90 hat sich bei den UKW-Frequenzen nichts geändert, da der Wellenplan bereits zum 01.07.87 inkraft trat.



Zitat
RheinMain701
Ansonsten fällt mir ja der Kanal 12 ein, der war im Westen für das Militär reserviert, im Osten nicht und da wurde er dann auch für zwei Grundnetzsender verwendet (Bleß und Dequede). Mit der allfälligen Modernisierung kamen diese Kanäle ins UHF-Band.


Nicht der Kanal 12, sondern der Kanal 13, war/ist für die NATO reserviert. Wegen der Nähe zum K13 gab es im Westen im K12 keine Grundnetzsender, aber ca. 150 TV-Umsetzer mit Leistungen < 1 kW. Die wurden dann in den 90er-Jahren häufig wegen der Einführung von DAB auf andere Kanäle - oft auf niedrigere VHF III-Kanäle, um die bestehenden Antennen weiter nutzen zu können - verlegt. Der Rest verschwand mit der Abschaltung des analogen Fernsehens.

von Manager. - am 03.12.2014 18:18
Zitat
Murky
"Stasi" und "Mitteldeutschland" stammen aus dem westdeutschen Wortschatz und ich halte es auch für einen Erfolg von den damaligen reaktionären Kräfte die südostdeutsche Rundfunkanstalt "Mitteldeutsch" zu nennen.

Stime ich dir bis auf den Begriff "Stasi" vollkommen zu.
M. E. war es ein Fehler, den rechts-reaktionären Begriff "Mitteldeutschland" bei dem Namen eines Öffi zu verwenden (zumal der Begriff ja heututage nirgends mehr auftritt, da es ein "richtiges" Ostdeutschland gibt (= ex-DDR) und ein früheres "Ostdeutschland" in den Grenzen von 1937 mit Ostpreußen & Co. ganz offiziell seit 1990 ja nicht mehr).

"Stasi" für das MfS, bzw. Staatssicherheit, war m. E. der gebrauchte Namen vor allem in der DDR und keine Erfindung des Westens ("BRD").

Zitat
Murky
"Westberlin" ist eine DDR-Wortschöpfung der damals herrschenden Polit-Kaste, um den Ostteil der Vier-Mächte-Stadt als "Berlin - Hauptstadt der DDR" hervorzuheben.

Stimmt. Ist aber heutzutage (und damals auch!) auch überall gängig, auch in der Schreibweise mit dem einen Wort.
Nicht gängig im Westen war die Abkürzung auf den Transitstrecken mit "WB" für Westberlin.
Offizielle Schreibweise für Westberlin war einst "Berlin (West)". Ostberlin wurde als Berlin (Ost) oder genauso als "Ostberlin" bzw. "Ost-Berlin" bezeichnet.
Die Westberliner haben sich eher als eben "Westberliner" bezeichnet, als "Berliner aus Berlin (West)".
Negativ und SED-belastet ist die Schreibweise "Westberlin" daher nicht.

von Schwabinger - am 03.12.2014 19:54
Zitat
Murky
"Stasi" und "Mitteldeutschland" stammen aus dem westdeutschen Wortschatz und ich halte es auch für einen Erfolg von den damaligen reaktionären Kräfte die südostdeutsche Rundfunkanstalt "Mitteldeutsch" zu nennen.


Das ist - gelinde gesagt - Quatsch.
Leipzig liegt zum Beispiel in der Mitteldeutschen Tieflandsbucht. Es gibt da nicht nur den Mitteldeutschen Rundfunk sondern noch viele andere Firmen, die "mitteldeutsch" im Namen haben, zum Teil schon ewig. Das ist eben Geschichte, und wer seine Geschichte vergißt, hat keine Zukunft.

von 2-0-8 - am 03.12.2014 20:36
Zitat
2-0-8
Das ist eben Geschichte, und wer seine Geschichte vergißt, hat keine Zukunft.

diese Geschichte hat zum Glück keine Zukunft.

von Noch'n Saarländer - am 03.12.2014 21:14
Meine Güte. Wenn ich auf die Deutschlandkarte gucke, dann finde ich zum Beispiel Thüringen ziemlich in der Mitte. Genauso könnte man übrigens auch Sachsen-Anhalt noch als Mitte durchgehen lassen. Übrigens sind diese beiden Länder zusammen mit Hessen und den Stadtstaaten die einzigen Bundesländer, welche keine Grenze zu anderen Staaten sondern nur Bundesländern haben. Also mehr als Mitte geht ja fast gar nicht. Das immer bloß "Ostdeutschland" zu nennen weil es mal vor Ewigkeiten DDR war ist genauso Quatsch wie Mecklenburg-Vorpommern als Ostdeutschland heute noch ernsthaft zu bezeichnen. Für mich ist das Norddeutschland, fertig. Ansonsten möchte ich bitte, dass Bayern ab heute auch als Ostdeutschland bezeichnet wird, denn die gesamte Ostgrenze Bayerns ist eine ausländische Grenze und fällt somit in den östlichen Rand Deutschlands. Das macht kein Mensch ... :rolleyes:
Aber mal zum Thema:

Zitat
Frankfurter
Durch die Angliederung Mitteldeutschlands wurden meines Wissens nach nur die Frequenzpläne Westdeutschlands übernommen.

Was meinst du damit? Die UKW-Frequenzen wurden doch gar nicht geändert? Einzig die Farbnorm im analogen Fernsehen wurde auf PAL umgestellt. Selbst die TV-Kanäle waren schon auf "westlichen" Standard was den Tonträgerabstand sowie die Bildträgerfrequenz angeht. Polen und Tschechien waren da viel weiter "östlich" mit ihren R-Kanälen verortet,sozusagen. Manager hat zu UKW Frequenzplanung (Genf 1987 usw.) ja aber schon den Rest geschrieben.

von Jens1978 - am 03.12.2014 21:32
Bezüglich Frequenzanpassung Rundfunk war meiner Kenntnis nach nicht viel zu tun, die Bereiche und Normen waren doch weitgehend identisch, und der AM-Bereich schon 1978 geregelt. Unsere Dreiländereck-Nachbarn CZ+PL hatten da wohl mehr Umstellungen, z.B. beim UKW-Band und eventuell auch beim analogen Fernsehton?

Zitat
Schwabinger
Die Westberliner haben sich eher als eben "Westberliner" bezeichnet, ...


Ich stelle fest, dass sich die Westberliner mit ihrer Bezeichnung somit nicht korrekt verhielten. Ideologisch korrekt gewesen wäre Westberliner_innen. Inzwischen hat man vorgebaut und es kümmern sich bundesweit Leut_innen in gehobenen gut bezahlten Professuren um Schärfung der Sinne zur Einhaltung der korrekten Linie.

Musste heute einen Text lesen, der vor …_innen nur so strotzte und dachte nur, arme Muttersprache. Uns stehen also noch ganz andere Anpassungen bevor.

von RichtungBerlinRadiohörenderSachse - am 03.12.2014 21:50
Der gleiche Unfug ist es, das gesamte Gebiet der "Alten Bundesländer" als "Westdeutschland" zu bezeichnen. Cuxhaven liegt in Norddeutschland und Friedrichshafen in Süddeutschland.

Zum eigentlichen Thema:

Es gab auch umgekehrte "Frequenzanpassungen" : In der DDR war das 160m-Amateurband bis 2000kHz freigegeben, inzwischen gilt diese obere Bandgrenze im gesamten Bundesgebiet. Der Bayerische Rundfunk benutzt die der DDR zugeteilte Frequenz 729 kHz für die Sender Würzburg und Hof.

von hegi_ms - am 04.12.2014 01:42
Es heisst ja auch Mitteldeutscher Rundfunk. ostdeutschland ist geschichtlich jenseits der Oder-Neisse-Linie angesiedelt !

Polizeifunk war bei 153-156 Mhz wenn ich mir die Frequenzbestückungen alter im Surplus angebotenen Vopo Halfterfunkgeräte so ansehe.

Wurde da grenzüberschreitend koordiniert oder parallel von jeder Seite für sich selbst ein Frequenzplan erstellt ?

Schwierig wird es besonders in Berlin mit seiner Insellage gewesen sein.

von Frankfurt - am 04.12.2014 13:24
Zitat
Habakukk
Naja, die Lausitz ist aber schon nicht mehr so richtig Mitte. :D


Heute natürlich nicht mehr. Vor 100 Jahren aber war Spremberg in der Niederlausitz (liegt heute gefühlt kurz vor Sibirien) noch der geographische Mittelpunkt des Deutschen Reiches.

von Manager. - am 04.12.2014 18:45
Ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Aber auch Teile von Brandenburg und Hinterpommern sind heute polnisch.
1914/18 gab es ja nur einen kleinen Schnitt. Der große war 1945.

Aber man muss es auch mal so sehen, dank der DDR gab es hier RIAS und die anderen allierten Sender oder auch das Morgenmagazin im TV etc ....

Wäre natürlich interessant zu beobachten gewesen, wie es heute wäre, wenn es die DDR noch gäbe in Zeiten von internet und DAB und der digitalen Welt.

aber das führt in diesem Fred zu weit.

von Marcus. - am 04.12.2014 21:41
Um wenigstens eine der Eingangsfragen zu beantworten: die DDR hatte Ende 1989 6 landesweite UKW-Bedeckungen koordiniert (int. Wellenplan, also natürlich kein Alleingang) und davon 5 Ketten in Benutzung. Dabei bemühte man sich, mit den Hauptfrequenzen sowas zu machen, wie es die BBC macht: einzelne Frequenzbereiche wurden nur mit dem gleichen Programm belegt.

Unten ging es mit Radio DDR 1 los, das dann bald Radio aktuell hieß und in Sachsen ab 19 Uhr für Sachsenradio 3 ausgeknipst wurde. Im MDR-Gebiet wurden das später vorrangig Frequenzen von MDR Kultur / MDR Figaro. Prominente Ausnahme: die 89.0 auf dem Brocken, die nach wenigen Monaten im Jahre 1992 zum Privatfunk abgegeben werden mußte.

Darüber kam der Berliner Rundfunk. Der funkte noch bis Ende 1991 überregional als Programm aus der DDR-Restmasse. In Sachsen hatte man ihn da schon gekillt für Sachsenradio 2. Im MDR-Gebiet kam da vorrangig MDR Life / MDR Jump drauf.

Darüber kam Radio DDR 2 mit den Regionalprogrammen. Dort tummeln sich heute im MDR-Gebiet die "Einser".

Darüber kam Stimme der DDR, so 96-98 MHz. Später kam da der Deutschlandsender, später DS Kultur und ab 1.1.1994 dann D-Radio Berlin / D-Kultur. In Sachsen wurde handstreichartig der DLF draufgeschaltet, man erzählt sich, die Gtatin von Kurt Biedenkopf hätte das gewollt, kann freilich auch eines der typischen Wendemärchen sein. Deshalb in Sachsen auf diesen Frequenzen heute noch der DLF und D-Kultur auf Funzelkette, in Thüringen und Sachsen-Anhalt ists andersrum.

Und schließlich ab 100.0 Chemnitz aufwärts bis 104 MHz DT64. Heute weitgehend an den Privatfunk verschachert (PSR, SAW, AThü), die Wittenberger DT64-Frequenz 101.6 wurde erst nach der Wende fertiggestellt, kam dann sogar noch zu DT64, geriet ab 1992 aber genau wie Schöneck 101.2 MHz zu MDR Life und heute zu MDR Jump.

In Berlin funkt auf der 102.6 von DT64 heute Fritz.

UKW VI war koordiniert, aber nicht aufgebaut. Das war der Bereich 104-108 MHz, was da in der DDR geplant war, kann ich nicht sagen. Man baute das dann nach der Wende recht zügig basierend auf diesen Koordinierungen auf für das weitere Privatfunk-Gelumpe (HitradioAntenneHitradioRTLSachsen, Schandeswelle Thüringen), die 106.5 für MDR Sachsen-Anhalt aus Wiederau (Sachsen) dürfte auch aus diesem Fundus stammen.

UKW-Radios gingen in der DDR durchaus bis 108 MHz, aber noch recht lange wurden auch welche hergestellt, die nur bis 104 MHz kamen, z.B. die S3000 / S3900 aus Sonneberg. Ab etwa 1987 dürfte aber alles bis 108 MHz ausgelegt gewesen sein. Man hat Westempfang also nicht mutwillig unterbinden wollen.

Natürlich erfolgte nach dem Anschluß des Ostgebietes dann zügig die Zufunzelung, auch bedingt durch die neue Rundfunk-Kleinstaaterei. Gera wurde z.B. vorher vorrangig durch Wiederau und Chemnitz versorgt - nun beides "Feindesland". Also mußte Ronneburg aufgebaut werden, für das regional richtige Dritte und für den thüringer Dudelfunk. In der DDR war es üblich, für "UKW stereo" mit ordentlicher Dachantenne zu kalkulieren und nicht mit Funzel in jedem Dorf. Die Zufunzelung sorgt heute auch dafür, daß man die einstigen Ketten nicht mehr gut erkennen kann. Das System war durchaus genial, die DDR hatte sich dabei was gedacht.

von Chris_BLN - am 04.12.2014 22:20
Danke für diese sehr präzise und umfassende Schilderung.
Ich hatte zunächst einen Rema Arietta und dann den Rema Toccata. Beide reichten bis 100 MHz. Dann hatte ich u. a. den HMK-T 100, welcher schon bis 108 MHz reichte.

Ich fand das primär auf Dachantennen orientierte System ebenfalls recht gut.

"Privatfunk-Gelumpe" ist übrigens ein treffender Ausdruck für diesen Ätherschrott heute, an den sich auch öffentlich-rechtliche Sender z. T. schon sehr angenähert haben.
Ich höre fast nur noch über DVB-S, ergänzt durchs Internetradio, überwiegend ausländische Sender. Es ist ein Riesenunterschied zwischen Unterhaltungssendern z. B. der BBC und dem, was hier den Leuten vorgesetzt wird, die es aber mehrheitlich "schlucken". So abgestumpft sind sie schon.

von hetietz - am 05.12.2014 05:00
Zitat
Manager.
Zitat
Habakukk
Naja, die Lausitz ist aber schon nicht mehr so richtig Mitte. :D


Heute natürlich nicht mehr. Vor 100 Jahren aber war Spremberg in der Niederlausitz (liegt heute gefühlt kurz vor Sibirien) noch der geographische Mittelpunkt des Deutschen Reiches.

Tja, die Geschichte, und 1941/42 war Spremberg kurzzeitig sogar Westdeutschland :D ;-) ...

Zitat

Prominente Ausnahme: die 89.0 auf dem Brocken, die nach wenigen Monaten im Jahre 1992 zum Privatfunk abgegeben werden mußte.

Ja, daran kann ich mich auch noch erinnern als dann plötzlich Ende(?) 1992 Radio Brocken dort auftauchte. Interessant, das heute die Frequenz für genau diesen Sender gar nicht mehr genutzt wird. Und damals hat es dafür gereicht, ein anspruchsvolleres ÖR-Programm von der Frequenz zu drängen. Finde ich bis heute eine völlige Fehlentscheidung.
Kann es eigentlich sein, dass evtl. Radio Brocken vor dem Sendestart von SAW auf der 101,4 testete (kann ich mir aber kaum vorstellen), oder war die Frequenz 101,4 tatsächlich im Sommer 1992 aus? Das würde mich mal interessieren. War die 101,4 im Frühjahr '92 eigentlich schon mit 100kW für DT64 in Betrieb, oder wurde der Zeitraum genau dafür genutzt den Sender umzubauen. Weiß das jemand?

von Jens1978 - am 05.12.2014 08:16
Ich war zufällig im Juli 1992 in Bad Harzburg in einer Pension. Die 101,4 war da tatsächlich aus... Und während meiner Woche dort Mitte Juli 1992 wurde die Frequenz wieder eingeschaltet mit der Hinweisschleife für SAW! Allerdings ging der Sender nur bis Hannover, da noch nicht mit der vollen Leistung gesendet wurde.. Die kam erst später.

von Sarstedter - am 05.12.2014 09:11
Nicht nur im Gebiet der Ex-DDR nach der Wende wurde das C-Netz Mobilfunknetz auch für "Festnetzanschlüsse" verwendet. Mein Großvater der eine Außenstelle der Firma Knauf hier kurz vor der Deutsch-Französischen Grenze betrieb wurde mangels Telefonleitung über das C-Netz angeschlossen. Ich kann mich auch noch daran erinnern das auf dem Bürogebäude eine extra Antenne angebracht wurde und im Büro selbst stand ein riesiger Kasten der die Telefonanlage für die 3 analogen Telefone darstellte. Ich weiß noch das diese Telefonanlage sogar einen Notstromakku (eine kleine Bleibatterie wie aus einem Motorrad) eingebaut hatte. Das ganze lief viele Jahre absolut bombig. Keinerlei ausfälle oder Störungen und eine Klangqualität die man nicht wirklich von einem normalen Festnetzanschluss unterscheiden konnte. Gut damals gab es ja auch nur einen Bruchteil von Mobiltelefonnutzer. Da waren ja auch die Verbindungspreise der reinste Wucher.

von Spacelab - am 05.12.2014 09:47
Zitat
Sarstedter
Ich war zufällig im Juli 1992 in Bad Harzburg in einer Pension. Die 101,4 war da tatsächlich aus... Und während meiner Woche dort Mitte Juli 1992 wurde die Frequenz wieder eingeschaltet mit der Hinweisschleife für SAW! Allerdings ging der Sender nur bis Hannover, da noch nicht mit der vollen Leistung gesendet wurde.. Die kam erst später.



Das spräche dann für den 1kW, mit dem DT64 vorher abgestrahlt wurde. Ging bei mir Ende der 80er Radiorecorder-tauglich im Zimmer.

von Mc Jack - am 05.12.2014 09:47
Moin,

interessantes Thema.
Wie wurden denn eigentlich die anderen nicht-öffentlichen Frequenzzuteilungen gehandhabt?
Wie ich mal gehört habe, durften bundesdeutsche Funkamateure nicht mit DDR-Amateuren auf 2 m funken?
Welche Frequenzen hatten denn die anderen Funkdienste in der DDR?
Wäre doch mal interessant so ne Tabelle anzufertigen mit den Frequenzen von Ost und West. Fange mal ganz grub unter 30 MHz an.
* CB-Funk
* Fahrschulfunk
* Modellbau
* BOS 8 m
* BOS 4 m
* Landwirtschaftsfunk
* Energieversorger
* Rangierfunk
* Eurosignal
* Flugfunk
* Wettersatelliten
* 2 m Amateurfunk
* Betriebsfunk 2 m
* FreeNet
* TaxiFunk
* Verkehrsbetriebe
* Seefunk
* Energieversorger
* Heilberufe
* FahhradCouriere
* Justizfunk
* ERMES
* BOS 2 m

* Wettersonden
* Bündelfunk
* 70 cm Amateurfunk
* LPD
* Funkruf
* C-Netz
* Betriebsfunk 70 cm
* Zugbahnfunk
* BOS 70 cm
* PMR
* Personenrufanlagen
* McDrive

Könnte mir vorstellen, dass es kurz nach der Wende ein wahres Paradies für Scannerfreunde gewesen sein muss, plötzlich ganz legal die doppelte Ausbeute an Funkdiensten zu haben.

Beste Grüße, Marek

von Bruder_M - am 05.12.2014 09:53
@Sarstedter:
Dank dir für die Infos, sehr interessant.

@Bruder_M
Scanner gab es aber offiziell erst ab 1992(?) zu kaufen und seit diesem Zeitpunkt war der Besitz offiziell erlaubt (Gesetzesänderung). Vorher gab es die Geräte meines Wissens nach nicht offiziell zu kaufen, da verboten. Von daher gab es zur "Wendezeit" nicht sooo viele Scannerbesitzer.
Was deine Fragen/Tabelle angeht: Dazu bräuchtest du der Einfachheit halber einen Frequenznutzungsplan von ~1990, anders wird man die Infos kaum sicher zusammentragen können.

von Jens1978 - am 05.12.2014 10:44
Zum Thema CB-Funk:
Im Sommer 1990 hatten viele aufgrund fehlender Telefonverbindungen ein CB-Funkgerät im Auto, den sogenannten "AUTOFUNK" :bruell: Das war plötzlich total schick und es wurden anfangs sogar noch bestimmte Rufnamen rausgegeben. In Weimar war dies "impfe" soweit ich mich erinnere. Aufgrund der noch recht freien Frequenzen hatte man da sehr oft DX aus UK und nicht wie bei uns im Raum Frankfurt eher aus Italien. Wird wohl am passenden Abstand gelegen haben.
Heute ist dieses Band ja fest in osteuropäischer Hand, die sich damit vor mobilen Polizeikontrollen verständigen und hier vor Ort die Roamingkosten bei Kolonnenfahrten sparen.

von Frankfurt - am 06.12.2014 12:30
@ Chris_BLN

Wieso wurde die 89,0 MHz vom Brocken eigentlich an den Privatfunk abgegeben?


Zitat

(...) die Wittenberger DT64-Frequenz 101.6 wurde erst nach der Wende fertiggestellt, kam dann sogar noch zu DT64, geriet ab 1992 aber genau wie Schöneck 101.2 MHz zu MDR Life und heute zu MDR Jump.


Wieso gingen die eigentlich an MDR Life und nicht an den Privatfunk, wie die anderen DT64-Frequenzen auch?

von Kay B - am 06.12.2014 12:40
Villeicht hat das was mit der Reichweite bzw Sendeleistung zu tun?
Sinn würde es ja machen.
88,7 MDR JUMP
92,0 MDR 1 RADISCHO SAGGSN ;-)
101,2 RADIO PSR

von Robert S. - am 06.12.2014 15:30
Zitat
Kay B
Zitat

(...) die Wittenberger DT64-Frequenz 101.6 wurde erst nach der Wende fertiggestellt, kam dann sogar noch zu DT64, geriet ab 1992 aber genau wie Schöneck 101.2 MHz zu MDR Life und heute zu MDR Jump.


Wieso gingen die eigentlich an MDR Life und nicht an den Privatfunk, wie die anderen DT64-Frequenzen auch?

Im Falle Wittenberg dürften die massiven Störungen zwischen der 91,4 Berlin und der 91,5 Brocken ein Grund gewesen sein, weswegen man unbedingt eine starke Frequenz in Wittenberg haben wollte (die aber in der Praxis nicht ganz für Abhilfe sorgt, sodass es in Sachsen-Anhalt tatsächlich eine Jump-freie Zone gibt).

Bei Schöneck bin ich mir nicht sicher. Verträgt sich vielleicht die 92,0 dort nicht so gut mit der 92,1 Harz-West?

von RheinMain701 - am 06.12.2014 16:33
Zitat
Kay B
Wieso wurde die 89,0 MHz vom Brocken eigentlich an den Privatfunk abgegeben?


Keine Ahnung, da müßte man die Staatskanzlei Sachsen-Anhalt fragen.

Was aber später passierte, ist ja auch nicht ohne. Die Abgabe der 89.0 zu Project 89.0 war als DAB-Promo-Frequenz vorgesehen - eben um DAB populär zu machen (na klar, indem man eine reichweitenstarke UKW-Frequenz hernimmt und damit das Argument pro DAB (Neukauf) wegnimmt). Man gab die Frequenz aber nie zurück und etwablierte später mit 89.0 RTL einen weiteren UKW-Privatsender durch die Hintertür. Das ging natürlich nur, weil auch in der Medienpolitik niemand Einspruch erhob. Beim MDR waren manche noch Jahre später sauer darüber, damals nicht gegen den Start von 89.0 RTL geklagt zu haben.

Zitat
RheinMain701
Im Falle Wittenberg dürften die massiven Störungen zwischen der 91,4 Berlin und der 91,5 Brocken ein Grund gewesen sein, weswegen man unbedingt eine starke Frequenz in Wittenberg haben wollte (die aber in der Praxis nicht ganz für Abhilfe sorgt, sodass es in Sachsen-Anhalt tatsächlich eine Jump-freie Zone gibt).


Wirklich? Das kann ich leider von der A9 nicht behaupten. Wenn man per Mitfahrgelegenheit von Berlin (meist ab Nähe Funkturm) gen Thüringen fährt, läuft da oft schon Jump im Autoradio. Auf der Avus geht das schon schemenhaft, danach wirds immer besser. Ich ertrage das nicht - einer der Gründe, warum ich lieber teuer mit der Bahn fahre. Einmal Berlin - Thüringen mit Jump ist unbeschreibliche Folter und ich kann bis heute nicht verstehen, wie sich das ansonsten völlig normal wirkende Menschen reinziehen können. Was haben die, was mir fehlt? Sie sind auf jeden Fall "öffentlichkeitskompatibler" als ich.

von Chris_BLN - am 08.12.2014 21:26
Bei der Erweiterung des UKW-Bandes von 100 MHz auf 104 MHz gab es wohl noch ein Problem mit der Deutschen Reichsbahn. Auf ca. 103,0 - 103,5 geb es eine Art Steuerfunk (Weichen- oder Stellwerksteuerung?), der bestand aus einem einfachen diskontinuierlichen Piepton. Auf meinen Fahrten zwischen Lübz und Jena konnte ich dieses Signal mit meinem Radiorekorder im Zug in Nähe einiger Bahnhöfe häufiger empfangen. Als mir das am 31.8.1988 passierte, wurde ich vom Schaffner (nicht gerade freundlich) gebeten, einen anderen Sender einszutellen oder das Radio abzuschalten.
das Signal war zu dem zeitpunkt nur an eigien Bahnhöfen empfangbar, zum Schluss im Frühjahr 1991 war dieses SIgnal auf 103,5 nur noch am Bahnhof Osterburg (Nähe Stendal) zu hören.

von Analog-Freak - am 09.12.2014 00:49
Zitat
Chris_BLN
Zitat
RheinMain701
Im Falle Wittenberg dürften die massiven Störungen zwischen der 91,4 Berlin und der 91,5 Brocken ein Grund gewesen sein, weswegen man unbedingt eine starke Frequenz in Wittenberg haben wollte (die aber in der Praxis nicht ganz für Abhilfe sorgt, sodass es in Sachsen-Anhalt tatsächlich eine Jump-freie Zone gibt).


Wirklich? Das kann ich leider von der A9 nicht behaupten.

Auf der A9 funktioniert das bestens, klar, man fährt auch direkt an Wittenberg vorbei. Aber auf der A2 nicht. Da ist Wittenberg schon etwas weiter weg, und Brocken und Berlin machen sich gegenseitig platt.

Zitat
Chris_BLN
Wenn man per Mitfahrgelegenheit von Berlin (meist ab Nähe Funkturm) gen Thüringen fährt, läuft da oft schon Jump im Autoradio. Auf der Avus geht das schon schemenhaft, danach wirds immer besser. Ich ertrage das nicht - einer der Gründe, warum ich lieber teuer mit der Bahn fahre. Einmal Berlin - Thüringen mit Jump ist unbeschreibliche Folter und ich kann bis heute nicht verstehen, wie sich das ansonsten völlig normal wirkende Menschen reinziehen können. Was haben die, was mir fehlt? Sie sind auf jeden Fall "öffentlichkeitskompatibler" als ich.

Wenn wenigstens Fritz gehen würde... der schafft es aber nicht mal bis zur Grenze und verschwindet schon vorher im Rauschen. Belzig ist eine echte Lachnummer.

von RheinMain701 - am 09.12.2014 00:51
MDR Jump ist grauenvoll.

Ich kenne eine (frühere) Pendlerin, die als Nutzerin von Mitfahrgelegenheiten (Leipzig - Berliner Umland) glücklicherweise einen Fahrer fand, der im mitteldeutschen Raum gute CDs auflegte und erst in Nähe der Berliner/Brandenburger Sender dann auf UKW umschaltete.
Meist schaffte sie es, an den betreffenden Wochenenden immer bei ihm mitzufahren.

Ich flüchte möglichst schnell, wenn ich diesem bzw. anderen Primitivsendern ausgesetzt bin. In manchen Läden ist mir Jump auch schon "begegnet".

von hetietz - am 09.12.2014 06:21
Die Niederlausitz liegt in Brandenburg und ist Ostdeutschland; siehe auch ORB.
Die Oberlausitz liegt in Sachsen und ist ...
Sachsen liegt zumindest bei Blickrichtung Nord-Süd in der Mitte.

von Manfred Z - am 09.12.2014 09:26
Zitat
Chris_BLN
Um wenigstens eine der Eingangsfragen zu beantworten: die DDR hatte Ende 1989 6 landesweite UKW-Bedeckungen koordiniert (int. Wellenplan, also natürlich kein Alleingang) und davon 5 Ketten in Benutzung. Dabei bemühte man sich, mit den Hauptfrequenzen sowas zu machen, wie es die BBC macht: einzelne Frequenzbereiche wurden nur mit dem gleichen Programm belegt.


Laut Genfer Wellenplan '84 gab es sogar 6-7 koordinierte Frequenzen je Standort.

Hier oben in MV hatten alle Grundnetzsender (Schwerin, Marlow, Bergen, Helpterberg) 7 zugeteilte Frequenzen, wie man es heute noch sieht (NDR1-4, D-Radio Kultur und 2x private Programme).

Einzige Ausnahme war Röbel, der nur 6 Frequenzen hatte, wo man leider 3 Frequenzen (91,7 99,9 103,1) nach Rhinow/Pritzwalk (104,3 und 106,6 stammen von Dequede) abgegeben hat. Auf Rügen hat sich der NDR 5 Frequenzen unter den Nagel gerissen und das D-Radio ging leer aus.

Korswandt auf Usedom waren 4 Frequenzen zugeteilt, wobei 2 (102,1 und 107,3) nach Casekow gingen und 1 (93,8) nach Röbel. Nur die 105,4 ist dort geblieben und mit Regiocast M-V auch aktiv.

Mit 7 Frequenzen je Standort hatte man wohl vor das Timesharing der regionalen Sender und Radio DDR 2 aufzuheben und beiden eine 24h Frequenuz zuzuteilen. Die 7. Kette hätte ggf. die Ferienwelle in MV bekommen inkl. der Frequenzen in Klütz (103,4) und Bad Doberan (103,7). Ende der 80er Jahre war ja die 102,8 aus Marlow schon mit der Ferienwelle/Sender Rostock aktiv und war damals der einzige Standort mit 6. Programmen.

Zitat
Chris_BLN
... die 106.5 für MDR Sachsen-Anhalt aus Wiederau (Sachsen) dürfte auch aus diesem Fundus stammen.

Die stammt vom Standort Weida, heute Ronneburg.

Leipzig, Dequede, Löbau und Sonneberg waren die einzigen Standorte mit 7 zugeteilten Frequenzen im mdr-Gebiet. Die 7. Kette hätte man in der Lausitz inkl. Cottbus ggf. mit einem sorbischen Programm belegt werden können.

von Steve-o1987 - am 09.12.2014 11:11
Ich kann mich noch an Dequede 91,7 Mhz erinnern.
Da lief das Regionalprogramm " Sender Schwerin " mit beträchlichem Overspill in den Bezirk
Magdeburg, der Späteren Nördlichen Hälfte des Landes Sachsen- Anhalt .
Auch in den Bezirk Potsdam, den Späteren Westteil des Bundesland Brandenburg reichte der
Sender Schwerin auf der 91,7 Mhz nun gut hinein.
Nachmittags kam DT 64. Die Tagungen vom Runden Tisch habe Ich auch über diese Frequenz mit
verfolgen können.
Diese QRG wurde dann als Folge der Bildung der Neuen Bundesländer In`s Land Brandenburg verschoben meines Wissens nach Pinnow.

von RADIO354 - am 09.12.2014 11:40
Zitat
RADIO354
Ich kann mich noch an Dequede 91,7 Mhz erinnern.
Da lief das Regionalprogramm " Sender Schwerin " mit beträchlichem Overspill in den Bezirk
Magdeburg, der Späteren Nördlichen Hälfte des Landes Sachsen- Anhalt .
Auch in den Bezirk Potsdam, den Späteren Westteil des Bundesland Brandenburg reichte der
Sender Schwerin auf der 91,7 Mhz nun gut hinein.
Nachmittags kam DT 64. Die Tagungen vom Runden Tisch habe Ich auch über diese Frequenz mit
verfolgen können.
Diese QRG wurde dann als Folge der Bildung der Neuen Bundesländer In`s Land Brandenburg verschoben meines Wissens nach Pinnow.


Mit der 91,7 aus Dequede wolte man wohl den Kreis Perleberg erreichen, der zum Bezirk Schwerin gehörte.

Die 88,5 hatte man vorher auch in Schwerin für DT 64 und morgens für einen regionalen Sender (Rostock?) genutzt. Damit wollte man wohl die Kreise Grevesmühlen und Wismar inkl. Stadt Wismar im Bezirk Rostock erreichen.

Die 99,9 war für Radio DDR 1 und die 103,1 für DT 64 in Pinnow oder Rhinow in Betrieb. Die Frequenzen des Senders Röbel, der erst 1991/92 gebaut wurde, hat man zu DDR Zeiten ausgeschlachtet.

Laut Genfer Wellenplan '84 sind die 88,5 91,7 94,7 und 99,9 alle mit 10 kW und die 103,1 und 107,0 mit 60 kW für Röbel (eigentlich Kambs bei Bollewick) koordiniert.

von Steve-o1987 - am 09.12.2014 12:48
Zitat
Jens1978
Zitat

108,0 mit 60 kW

Bist du dir sicher?

Nein. Sollte 107 MHz heißen, wie sie schon ewig in meinem Radio gespeichert ist für NDR 2.

von Steve-o1987 - am 09.12.2014 15:14
Zitat
hegi_ms
Der gleiche Unfug ist es, das gesamte Gebiet der "Alten Bundesländer" als "Westdeutschland" zu bezeichnen. Cuxhaven liegt in Norddeutschland und Friedrichshafen in Süddeutschland.

Die alten Bundesländer eben nicht als Westdeutschland zu bezeichnen, ist noch größerer Quatsch.
Immerhin gibt es noch eine Art "Trennung" zwischen Ost und West. Zum Beispiel bei Tarifverträgen im öffentlichen Dienst und bei den Renten.
Und Meck-Pom ist nun mal Übrigbleibsel aus der DDR (böse "Ostzone" oder gar nur "Zone") und die wurde gemeinhin auch als "Ostdeutschland" tituliert. Und alle alten Bundesländer waren nun mal "Westdeutschland", da die Einteilung politisch mit den Systemen Ost und West erfolgte.
Und die ganzen alten Bundesländer waren ja mal "made in Westgermany".

von Schwabinger - am 09.12.2014 17:29
"Die alten Bundesländer eben nicht als Westdeutschland zu bezeichnen, ist noch größerer Quatsch."

Geographen definieren anders als plakativ vereinfachende Politiker.

von hegi_ms - am 09.12.2014 18:07
Das "einfache Volk" hats nunmal nicht so definiert wie Geographen. Damit wird sich auch ein hegi_ms abfinden müssen. Allgemeiner Sprachgebrauch. Gewohnheitsrecht. Mehrheitsentscheid. Ganz ohne politische Maßgabe. Obs richtig ist oder nicht - egal. Beim Funken funkts auch schon seit fast 100 Jahren nicht mehr, und "Rundfunk" mit Funken wäre auch nie anhörbar gewesen ;-)

von DH0GHU - am 09.12.2014 19:02
Die Überschrift lautet: "Wiedervereinigung und ihre Folgen: Frequenzanpassung Ost an West"

Auch 25 Jahre "danach" wird immer noch der Ost-West-Gegensatz gepflegt und es ist noch lange nicht alles zusammengewachsen, was zusammengehört. Es darf offenbar allenfalls diskutiert werden, ob Leipzig zu Ostdeutschland oder Mitteldeutschland gehört. Aber es ist ja "Allgemeiner Sprachgebrauch. Gewohnheitsrecht. Mehrheitsentscheid.", da fehlt nur noch das "gesunde Volksempfinden". Damit findet aber nicht nur hegi_ms sich nicht ab.

P.S.

Der Rundfunk ist inzwischen auch ganz ohne Funken kaum noch anhörbar.

von hegi_ms - am 10.12.2014 10:44
Zitat
Steve-o1987
Laut Genfer Wellenplan '84 gab es sogar 6-7 koordinierte Frequenzen je Standort.


Danke für die Info! Hast Du eventuell eine Liste aus dieser Zeit mit den Koordinierungen?

Zitat
Steve-o1987
Hier oben in MV hatten alle Grundnetzsender (Schwerin, Marlow, Bergen, Helpterberg) 7 zugeteilte Frequenzen, wie man es heute noch sieht (NDR1-4, D-Radio Kultur und 2x private Programme).


Da wurde also nichts nachträglich koordiniert?

Zitat
Steve-o1987
Zitat
Chris_BLN
... die 106.5 für MDR Sachsen-Anhalt aus Wiederau (Sachsen) dürfte auch aus diesem Fundus stammen.

Die stammt vom Standort Weida, heute Ronneburg.


Oha! Die Erinnerung... Es gab ja auch mal in Wiederau eine 98.5, soweit ich mich erinnere. Da lief glaube ich MDR Life drauf. Die kam dann weg, dafür zog MDR Life auf die 90.4 um und MDR Sachsen-Anhalt auf die neue 106.5 - damit wäre die 106.5 neu. War die jemals zu DDR-Zeiten im Einsatz? War sie wirklich für Weida koordiniert?

Weida hatte ja die 97.8, die dann nach Ronneburg umgelegt wurde.

Die 98.5 kam dann nach Keula. Was war da eigentlich zu DDR-Zeiten drauf? Ich erinner emich, da eventuell auch stundenweise DT64 (vor der eigenständigen Kette) gehört zu haben. Wo war die Messewelle?

von Chris_BLN - am 10.12.2014 23:43
Zitat
Chris_BLN
Zitat
Steve-o1987
Laut Genfer Wellenplan '84 gab es sogar 6-7 koordinierte Frequenzen je Standort.


Danke für die Info! Hast Du eventuell eine Liste aus dieser Zeit mit den Koordinierungen?

Eine Liste für die DDR wurde vor einiger Zeit hier gepostet und müsste sich mit der Suchfunktion auch finden lassen.

von RheinMain701 - am 10.12.2014 23:52
Zitat
RheinMain701
Zitat
Chris_BLN
Zitat
Steve-o1987
Laut Genfer Wellenplan '84 gab es sogar 6-7 koordinierte Frequenzen je Standort.


Danke für die Info! Hast Du eventuell eine Liste aus dieser Zeit mit den Koordinierungen?

Eine Liste für die DDR wurde vor einiger Zeit hier gepostet und müsste sich mit der Suchfunktion auch finden lassen.

Das Thema zur Liste läßt sich finden, aber der Link zur Excel-Datei funktioniert nicht mehr.
Original Genfer Wellenplan Ostdeutschland

Es gab auch vor Jahren mal Listen zu den koordinierten analogen TV-Frequenzen von Ost und West, aber die lassen sich nicht mehr finden. Hat ggf. noch jemand diese Listen?

von Steve-o1987 - am 11.12.2014 06:22
Besten Dank! Die Original-Liste ist zwar weg, aber Manager hatte ja eine Auswertung gemacht (Leipzig 96.6 ist freilich nicht DKultur, sondern DLF).

Wenn ich mir das so anschaue, kommt schlagartig das Flashback in die Wendezeit und mir kommt die Grütze hoch, wenn ich mich daran erinnere, wie der Rundfunk geschändet wurde. MDR Life, die Privaten, MDR Jump, die auf komplett debil gemachten "Einser" - soviel Müll im Äther. Was für eine Verschwendung der Ressourcen.

von Chris_BLN - am 11.12.2014 08:18
Inzwischen sehr interessanter Faden.
Ergiebig besonders auch der 2 Beiträge weiter oben verlinkte Thread. :spos:
Die Messewelle sendete lt. diesem Link auf 89,3 MHz aus Leipzig:
http://www.oldtimeradio.de/programm-R-messewelle-lpz.php
Ich hatte immer noch die Elbe-Saale-Welle in Erinnerung als Regionalprogramm für Halle und Magdeburg, aber das war wohl Radio DDR.
Zur Wendezeit gab es ein Tohuwabohu mit den Frequenzen des Leipziger Regionalprogramms (und Proteste in Leipzig), weil eine Urleipziger Frequenz plötzlich mit Studio Halle belegt war, bevor dann die 106.5 wirksam wurde. Weiß noch jemand, welche das war?
Der hier gepostete Ausriss stellt einen Stand zwischen den Zeiten dar, der nur kurz stimmte:
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,35157,1156922#msg-1156922
Freundliche Grüße

von mittendrin - am 11.12.2014 10:15
Das müsste die 90,4 gewesen sein, die Aufteilung bis Anfang / Mitte 1993(?) war meines Wissens nach so:
MDR 1 SN 93,9 => MDR 1 SN 93,9
MDR 1 SA 90,4 => MDR 1 SA 106,5
MDR Life 98,5 => MDR Life 90,4
MDR Kultur 88,4 => MDR Kultur 88,4
Die Leistung der 98,5 geringer als die der 90,4. Vermutlich wegen 98,6 Calau. Die genaue Leistung müsste ich mal nachsehen im MDR Senderverzeichnis 1992.

von Jens1978 - am 11.12.2014 13:27
Das würde dann mit dem von Analog-Freak geposteten FF Dabei-Ausriss übereinstimmen, bloß was mich daran stört:
Nach meiner Erinnerung ist 90,4 eine Urfrequenz des Berliner Rundfunks.
Sie sorgte mit dafür, dass auf dem Röhrensuper meines Vaters das magische Auge zwischen 89,8 und 90,4 (ja sogar bis 91,4/91,5) gar nicht zu ging und immer nur Berliner Rundfunk zu hören war.
Das System hat Chris_BLN weiter oben beschrieben.
Da hatte doch Radio DDRII mit den Regionalprogrammen nichts zu suchen.
Genauso wundere ich mich über die Messewelle auf 89,3, das ist für mich die RIAS1 Frequenz aus Hof.
Fragen über Fragen...

von mittendrin - am 11.12.2014 14:08
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