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Wissenschaftlicher Rat: Reform/Abschaffung der Rundfunkgebühr

Startbeitrag von CBS am 24.12.2014 23:57

Nach vielen "Easy-to read" Schlagzeilen, die heute auftauchten, soll es bald mit der Rundfunkgebühr vorbei sein. Es soll nach einem Gutachten des wissenschaftlichen Rates weniger ÖR Sender geben, diese mit einer Steuer grundfinanziert werden und ansonsten werbefrei durch nur wirkliche Zuseher zusätzlich finanziert werden.

Man kann sich die Schlagzeilen leicht selbst ergoogeln. Das zugehörige Gutachten ist schon etwas älter und nun zu finden hier:

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/2014-12-15-gutachten-medien.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Es darf darüber diskutiert werden :-)

Wurde alles bedacht? Z.B. bei Verweis aufs Internet wird irgendwie übersehen, dass sich vieles aus offenen Fernsehquellen speist. Es wird auf erfolgreiche weltweite Vermarktung von US Serien verwiesen, was sich durch Bezahlfernsehen refinanziert. Der Fernsehmarkt wird mit dem Zeitungsmarkt verglichen. ÖR Sender sollten nur die Dinge zeigen, die die Privaten nicht zustande bringen, wobei unklar bleibt, wie das definiert werden sollte.

Die Reaktionen in Zeitungskommentaren sind dem oftmals positiv gegenüber eingestellt. Doch käme hier nicht das Fernsehen den Verwertern entgegen? Es läuft auf weitere Schranken in Europa hinaus, grenzüberschreitendes freies Fernsehen abzuschaffen. Alles doch nur noch (Grund)verschlüsselt? Der Traum der Privaten würde wahr.

EDIT: Satzzeichen und erneut Rechtschreibung für besseres Verständnis korrigiert.

Die 50 interessantesten Antworten:

Die Rundfunkgebühren werden nicht aus den Etats der Länder finanziert, sondern aus den Haushaltsabgaben. Von daher ist die Schuldenbremse bei den Bundesländern für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht relevant.

Auch wenn das Gutachten vom Bundesfinanzminisierim in Auftrag gegeben wurde, das in Sachen Rundfunk keinerlei Kompetenzen hat, ist es doch inhaltlich diskussionswürdig. Nach meinem Eindruck scheint es vorwiegend aus der neoliberalen Ecke zu kommen.

Wenn man das empfohlene Subsidiaritätsprinzip anwenden würde, dann müssten die Öffis wohl auf teure Sportübertragungen, amerikanische Serien, Kochshows und auf Hitdudler im Radio verzichten. In allen anderen Bereichen und insbesondere bei Nachrichten, Hintergrund und Kultur bringen doch die privaten Programme nicht mal ansatzweise etwas Brauchbares zustande.

Das Problem bei solch einem Modell wäre, dass dann alle massenwirksamen Sendungen privatisiert würden und für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur noch der nicht massenwirksame Rest übrig bleiben würde. Die Kommerzprogramme dürften mit den Massenprogrammen Geld verdienen, und den Rest bezahlt die Allgemeinheit oder Beitragszahler - siehe USA. Wie wollte man die Finanzierung dieses Rests langfristig sicherstellen?

73 de Uli

von ulionken - am 25.12.2014 09:05
- Viele(?) bundesweite Spartenprogramme statt immergleicher Hitdudler auf Landesebene -> klingt ok, wenn im Gegenzug starke landesspezifische Informations- und Kulturwellen geschaffen werden.
- Steuerfinanzierung? Paßt die Berichterstattung nicht -> Finanzen kürzen. Nein Danke! Sowas sollte man von mir aus Putin, Berlusconi und Co überlassen. Aber bitte nicht bei uns.
- Pay-Radio -> unterstützt keiner der jetzigen Standards. Nein Danke. Brauch ich dann irgendwann für jedes europäische Land eine eigene Radiokarte?
- Pay-TV -> Mein Abschied vom TV. Der Schuß würde nach Hinten los gehen. Siehe auch Pay-Radio. Zum Kotzen! Nur bei SAT verständlich aufgrund der Rechteproblematik.

Allgemein: Das Finanzministerium hat zuerst die Finanzseite im Blick zu haben. Rundfunk ist Kultur. Kultur und Finanzpolitik, das ist wie Feuer und Wasser. Eine reiche Gesellschaft sollte Kultur nicht an Kosten messen. Privatwirtschaftliche Interessen sollten dabei nicht Maßstab politischen Handelns sein.
So oder so: Es ist garnicht in der Hohheit des Finanzministeriums bzw. der Bundesregierung, hier irgendetwas zu entscheiden.

Ansonsten teile ich die Bedenken von Uli Onken. Ich könnte auch gut ohne ÖR-Hitdudler leben, erwarte dann aber, daß Hitdudler in ihrem Niveau noch weiter absinken. Das kann schon bildungspolitisch nicht gewollt sein. Betrachtet nur das Niveau der heutigen Allgemeinbildung. Dazu haben die verflachenden Medieninhalte ihren Beitrag geleistet. Bringen die ÖRs da schon zu wenig, bringen die Privaten noch viel weniger. Viele Leute kennen heute zwar zig B-Promis beim Namen (weil darüber alle paar Minuten bei Antenne Bayern, RTL und Co berichtet wird), haben aber keine Ahnung von wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen...

von DH0GHU - am 25.12.2014 15:38
Eine Teilprivatisierung des ZDF würde sich hier anbieten.

Ausserdem sollte man sich die Frage stellen, ob man wirklich das DLR in seiner jetzigen Form neben den LRA benötigt.

Desweiteren könnte man ja mal die Nachtprogramme im Radio angehen, hier liegt auch noch Sparpotential.

Die Digitalkanäle kosten praktisch kein Geld. Gerade Tagesschau 24, die Redaktion ist so oder so den ganzen Tag besetzt.

Aber das läuft meines Eachtens wieder auf den Fehler hinaus, den man auch bei den Kommunen gemacht hat, es wird alles privatisiert mit dem sich Geld verdienen lässt und die öffentliche Hand darf den Rest tragen. Ein negativ Beispiel sind hier ja die Amerikaner.

Schaut euch doch mal unsere Kommunen an, früher wurde über Stromrechnung der ÖPNV etc mitfinanziert auch Schimmbäder etc. Heute ist kein Geld mehr da, wäre es früher auch nicht gewesen.

In AUT ist auf der Rundfunkabgabe, ja auch noch Länderabgaben für Kultur mit drin. Das wäre auch mal was für Deutschland. Berlin leistet sich ja (nur weil es Hauptstadt ist und deshalb alles da sein muss) jede Menge Kultur und wer finanziert das? Genau die bayern, hessen und BW über den Länderfinanzausgleich.
Wenn man Berlin im Länderfinanzausgleich aussen vor lässt, sieht die Rechnung schon wieder ganz anders aus und das System würde auch viel besser funktionieren. Leittragende Länder sind hier natürlich das Saarland und Bremen, die mit Ihren finanzen wesentlich Besser umgehen als Berlin.
Im Rundfunk ist es auch ähnlich der SR und RB sind im gegensatz zu anderen LRa wesentlich sparsamer.

von Marcus. - am 25.12.2014 16:05
Zitat

@Marcus.
Gerade das DLR macht ein Programm, das wohl gerade im Sinne der Studie weiterhin "öffentlich-rechtlich-würdig" wäre.


Habe ja nicht den DLR grundsätzlich in Frage gestellt, sondern neben den LRA. Man könnten DLR auch in die Kulturprogramme der LRA integrieren.

Zitat

Dein Vergleich zur Kultur: Ich finde es toll, was sich in Berlin an Museen, Konzerthäusern etc. angesiedelt hat. Berlin ist damit DAS europäische Kultur-Aushängeschild geworden. Was mir momentan noch fehlt, ist eine schnelle ICE-Verbindung nach Berlin (ich fliege nicht gerne), um das auch häufiger nutzen zu können...
Ehrlich, ich zahle gerne meine Steuern (und Abgaben, z.B. die für Radio/TV), wenn davon Infrastruktur, Kultur, Bildung und Wirtschaftsförderung finanziert wird. Nicht gerne zahle ich sie, um damit die "Privatisierung von Verlusten" neoliberaler Unternehmer/Unternehmen zu finanzieren, etc.


Da bin ich ja bei dir, nur sollte das auch das Land Berlin oder von mir noch aus der Bund direkt finanzieren und nicht die Hessen, Bayern und BW über den Länderfinanzausgleich.

Hier wird der Länderfinanzausgleich dafür misbraucht, wofür er nie gedacht war.

Der SR und RB nutzen den ARD Finanzausgleich ja auch nicht dafür 2 Programme alla WDR4 und WDR5 oder BR2 und BR4 Klassik zuveranstalten.

von Marcus. - am 25.12.2014 17:02
Als "reisender zwischen den Bundesländern" fände ich einen Verzicht auf bundesweite Hörfunkprogramme auch nicht gerade prickelnd.

Die Intention des Finanzministeriums ist natürlich ökonomisch und fiskal getrieben und kein Werk der Kundenorientierung.

Was aus Kundensicht für mich durchaus interessant wäre, würde sich tatsächlich die Forderung nach einem "Weg von der Masse" und "Weg von Landesrundfunkanstalten" durchsetzen:

- 1 Wort-Welle pro Bundesland mit starkem Fokus auf das Land, Mix aus Infos & Kultur (wort) und mit viel Regionalisierung (z.B. jeweils mindestens eine Stunde Lokal-infos morgens, mittags und abends)
- 1 nationale Info-Welle (= DLF)
- 1 nationale Kultur-Welle (= DKultur), wortlastig
- 1 nationale Kultur-Welle, musiklastiger Gemischtwarenladen für nichtformatierbares
- 1 nationale E-Musik-Welle ("BR Klassik für alle")
- 1 nationale Jugend-Welle, die dabei NICHT Chart-orientiert sein darf, sondern eher den Geschmack jener Jugendlichen anspricht, die nicht auf die kommerziell tragfähigen Jugendradioformate setzt, und dabei relativ viel Wortanteil enthält
- 1 nationales Kinder-Programm
- 2-3 nationale Musik-Programme (z.B. auch Konzertmitschnitte jeder Couleur, etc.)

Das ganze würde dann wohl einen Bundesmux füllen und die Landesmuxe zu einem Drittel.
Hitradioformate und Ähnliches sehe ich dort NICHT vertreten, sie wäre Sache der Kommerziellen, die dann aber auch einen Versorgungsauftrag zu erfüllen hätten. Dass ein Anbieter dann nur in wenigen Großstädten verfügbar ist, darf es dann nicht geben. Ansonsten haben wir schnell die Situation wie z.B. in den USA, wo auf dem Land auf UKW oft fast garnichts zu empfangen ist.

Ich glaube aber NICHT, dass dieser Weg funktionieren würde. In den Großstädten gäbe es sicher eine tolle Auswahl an Programmen, auf dem Land wäre Rauschen angesagt. Ein "ökonomisierter Rundfunk" kennt eben keine "Versorgungsaufträge", er kennt nur noch "Shareholder Value". Das Ziel eines kommerziellen Anbieters MUSS es immer sein, mit möglichst wenig Aufwand möglichst hohe Quoten zu erzielen. Das geht am besten, indem man Journalismus und aufwändige Redaktionen abschafft, und stattdessen auf "Effekthascherei" setzt. Inhalte kann man zur Not outsourcen, die "Vielfalt" besteht dann aus unterschiedlichen Playlists und 1-2 Nachrichtenzulieferern.

von DH0GHU - am 25.12.2014 18:38
Zitat
DH0GHU
Was aus Kundensicht für mich durchaus interessant wäre, würde sich tatsächlich die Forderung nach einem "Weg von der Masse" und "Weg von Landesrundfunkanstalten" durchsetzen:

- 1 Wort-Welle pro Bundesland mit starkem Fokus auf das Land, Mix aus Infos & Kultur (wort) und mit viel Regionalisierung (z.B. jeweils mindestens eine Stunde Lokal-infos morgens, mittags und abends)
- 1 nationale Info-Welle (= DLF)
- 1 nationale Kultur-Welle (= DKultur), wortlastig
- 1 nationale Kultur-Welle, musiklastiger Gemischtwarenladen für nichtformatierbares
- 1 nationale E-Musik-Welle ("BR Klassik für alle")
- 1 nationale Jugend-Welle, die dabei NICHT Chart-orientiert sein darf, sondern eher den Geschmack jener Jugendlichen anspricht, die nicht auf die kommerziell tragfähigen Jugendradioformate setzt, und dabei relativ viel Wortanteil enthält
- 1 nationales Kinder-Programm
- 2-3 nationale Musik-Programme (z.B. auch Konzertmitschnitte jeder Couleur, etc.)


Das müsste nicht mal ein komplettes "Weg von Landesrundfunkanstalten" bedeuten, denn einzelne Landesrundfunkanstalten könnten ja Spartenprogramme fürs ganze Bundesgebiet anbieten. Dabei könnten Musik-Programme sein, die auch Minderheiten-Geschmäcker abdecken (siehe BBC 6 Music). Die Anstalten müssten sich auf eine Arbeitsteilung bei den nationalen Programmen einigen.

Riesige Einsparungen sind aber beim Hörfunk nach meinem Eindruck gar nicht drin. Der Wegfall der Massenprogramme wie SWR3 oder WDR 4 mit ihren Werbeeinnahmen müsste ja auf der Einnahmenseite auch erstmal kompensiert werden. Immerhin, das Angebot könnte nach einer solchen Arbeitsteilung deutlich vielfältiger sein als bisher, und das flächendeckend.

Zitat
Marcus.
Warum soll ein ÖR Anstalt wieder nur Programme machen, die sich privatfinanziert nicht rechnen ?


Es ist das altbekannte Dogma der neoliberalen Hütchenspieler: Angeblich sind private Systeme immer besser als staatliche oder öffentliche Systeme. Um das, was sich nicht rechnet, darf sich natürlich die Allgemeinheit auf Kosten der Steuerzahler kümmern. Das gleiche gilt, wenn die privaten Systeme versagen und wie im Fall der Privatisierung von British Rail oder einiger kommunaler Wasserversorgungen das Ergebnis offensichtlich Murks ist, aber die privaten Eigentümer ihren Gewinn rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben.

73 de Uli

von ulionken - am 26.12.2014 07:39
Zitat
ulionken
Es ist das altbekannte Dogma der neoliberalen Hütchenspieler: Angeblich sind private Systeme immer besser als staatliche oder öffentliche Systeme. Um das, was sich nicht rechnet, darf sich natürlich die Allgemeinheit auf Kosten der Steuerzahler kümmern. Das gleiche gilt, wenn die privaten Systeme versagen und wie im Fall der Privatisierung von British Rail oder einiger kommunaler Wasserversorgungen das Ergebnis offensichtlich Murks ist, aber die privaten Eigentümer ihren Gewinn rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben.
73 de Uli


Exakt das ist es.
Ausgeführt von überbezahlten und anscheinend gelangweilten Beamten, die sich Themen selbst suchen.
Das Gute daran ist, nichts davon wird umgesetzt, da in der Politik das Thema schon lange durch ist. Jetzt wird es noch ein paar kleine Anpassungen hier und da geben, generell wird die Rundfunkabgabe bleiben, wie sie ist.

Ich sehe da auch kein Problem drin, denn ein öffentlicher Rundfunk hat in ganz Europa Tradition.
Verglichen damit, was in anderen Ländern so angeboten wird, kann sich Deutschland auch nicht beschweren.
Stelle mir gerade vor die ARD würde ein Programm wie ORF1 veranstalten, oder das ZDF wie die RAI. DANN gäbe es was zu hinterfragen. So nicht.

Wenn man der Meinung ist, es gibt zuviel öffentlich-rechtliches Programm, läuft das sowieso nur auf die Abschaffung der Zentralprogramme (ZDF & DR) hinaus. Auf was anderes werden sich die 16 Bundesländer nie und nimmer einigen. Die Bayern schon gar nicht, die führen ja gerade noch neue Programme im Radio ein...

von vossi68 - am 26.12.2014 08:09
Zitat
pfennigfuchser-quote
- 1 Wort-Welle pro Bundesland mit starkem Fokus auf das Land, Mix aus Infos & Kultur (wort) und mit viel Regionalisierung (z.B. jeweils mindestens eine Stunde Lokal-infos morgens, mittags und abends)

Zitat
pfennigfuchser
- hier fehlen aber die lokalen bzw. regionalen Sender, die aus den Regionen berichten

Äh hä?
Lies nochmal ;)
Ansonsten: Wenn man nur EIN landesprogramm veranstalten würde, dürfte das kein musiklastiger Gemischtwarenladen sein. Ich mag keine Musik, die mir nicht gefällt, als Pausenfüller zwischen Informationen. Deshalb kann ich mir z.B. keine Regionalisierung auf SWR4 anhören.


@Ulionken: Klar ist das neoliberaler Dünnpfiff. Witzig wirds immer dann, wenn die sonst so auf Staatsferne der Wirtschaft bedachten Manager um Staatshilfe buhlen, wenn sie sich mal wieder verzockt haben.
Bei Hörfunk halte ich die Forderungen nach Einsparungen auch für totalen Quatsch. Beim TV wärs mir egal. Ich möchte aber nicht den Aufschrei hören, wie unsozial es doch sei, daß die Fußball-WM nur noch im Pay-TV kommt, etc.
Gleichwohl: Eine UMVERTEILUNG von Mitteln hin zu mehr Vielfalt wäre heute sinnvoll, zumal nun in Zeiten von DVB-S, DAB und Internet auch die Kapazitäten verfügbar wären.
Wesentlich attraktiver als mein provokatives Modell fände ich übrigens, wenn jede Landesrundfunkanstalt ein bundesweites "special interest"-Programm produzieren würde, das jeweils EINES ihrer Programme ersetzt - und sowas dann in den Bundesmux.
Mit Ausnahme des Bundesmux wäre sowas sogar heute schon ohne Staatsvertragsänderung möglich, es müßte einfach nur jede Anstalt jeweils ein Programm so umgestalten, daß es ein Alleinstellungsmerkmal hat. Zumindest stationär bei Nutzung von Internet, DVB-S und DVB-C wärs mir ja egal, ob ich nun (hypothetisch) "D-Radio Klassik" oder "BR Klassik", bzw "D-Radio Jazz" oder "RB Jazz" höre....

von DH0GHU - am 26.12.2014 12:09
Schade, daß es hier keine "Gefällt mir"-"Button" gibt ;-)

Mal ernsthaft: Finanz- und wirtschaftswissenschaftlicher Rat ansich ist sicher sinnvoll, denn eine wissenschaftliche Basis politischen Handelns ist eine bessere Basis als rein politisches Handeln.
Allerdings muss die Politik Leitlinien vorgeben - und da steht die Frage ganz vorne, ob wir nun alle Dinge des Alltags nach rein ökonomischen Gesichtspunkten regulieren bzw. deregulierungen wollen, oder ob die menschliche Kultur nicht durch mehr als reine Ökonomie geprägt wird.
Rundfunk betrachte ich NICHT als reines Mittel zur Umsetzung wirtschaftlicher Ziele, sondern als Kulturgut. Die Finanzpolitik hat ausschließlich seine Finanzierung und, für die privatwirtschaftliche Komponente, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die bitteschön von der Kulturseite (= gemäß Grundgesetz die Bundesländer, dort im Wesentlichen die Kultusminister) vorzugeben sind!

Die Finanzpolitik hat hier eigentlich erst ein Wörtchen mitzureden, wenn beispielsweise die Kultusministerkonferenz einen Auftrag erteilt, ein steurfinanziertes Modell für öffentlich-rechtlichen Rundfunk auszuarbeiten.

... natürlich gibt es Interessengruppen, die vermutlich ihre Interessen eher von neoliberalen Wirtschaftspolitikern vertreten sehen als von Kulturpolitikern. Insbesondere all jene, für die Rundfunk nur eines vieler möglicher Mittel ist, Kapital renditebringend zu investieren.
Auch nicht zu verachten: Die ganzen Musik- und Filmhändler. Denen ists natürlich lieber, wenn wir uns CDs oder MP3s kaufen, anstatt Beethovens 9. in voller Länge bei BR Klassik zu hören. (Bei Rock & Pop können sie eigentlich nicht unglücklich sein: Von AC/DC hört man z.B. im Radio fast immer nur Hells Bells oder Highway to Hell :-( ).

von DH0GHU - am 26.12.2014 21:05
Wollen die Menschen für den Blödsinn nicht bezahlen, den die Privaten ihnen anbieten? Die Premiumzuschauer wandern ab zu den VoD-Anbietern. Die Kunden können von den US-Produzenten direkt angesprochen werden. Wozu brauchen wir noch RTL & Co.? Gleichzeitig machen Hersteller und Versandhäuser ihre eigenen Fernsehsender auf und brauchen die ‚Privaten‘ nicht mehr. Im Internet ist der Tausenderkontaktpreis günstiger, der Streuverlust geringer. Mit dem Verkauf von Fernsehprogrammen in der HD-Qualität – die in SD kostenlos sind – wollen die Privaten Geld verdienen. Was sagen die Zuschauer dazu? Wir zahlen schon Rundfunkbeitrag. Also muss der Kuchen umverteilt werden, der Rundfunkbeitrag kleiner werden, damit die Zuschauer Geld für RTL und Sat1Pro7 haben.

„Die Zahl der Programmkanäle ist technologisch bedingt stark angestiegen, die Eintrittskosten für neue Programmanbieter sind rapide gesunken …“

Was heißt das? Das bedeutet nichts anderes, als immer mehr Anbieter sich die Werbeerlöse teilen müssen.

„ … durch die verstärkte Nutzung des Internets als Informationsmedium kommt es zu Überlappungen zwischen Print- und Rundfunkmarkt.“

Heißt nichts anderes, als dass die Menschen auf Zeitung und Fernsehen verzichten und statt dessen im Internet sich ihre Informationen holen. Zeitungsabo wird abbestellt, Fernsehen nicht mehr geschaut. Wichtige Einnahmequellen für Verleger, also die Besitzer der Medienlandschaft fallen weg.

Dieser Satz begeistert mich sehr:
„Angesichts der technischen Entwicklung gibt es kaum noch Gründe, warum der Rundfunkmarkt wesentlich anders organisiert sein sollte als der Zeitungsmarkt, der durch ein breites privates Angebot und Subskriptionsmodelle gekennzeichnet ist.“

Das heißt nichts anderes, als dass die Bundesregierung den Rundfunkmarkt so organisieren will, wie sich der Zeitungsmarkt in den vergangen Jahren entwickelt hat. Die Bundesregierung will Monopole. In vielen Regionalmärkten gibt es nur noch einen Verleger, der entweder mehrere Titel oder nur noch eine Zeitung herausgibt. Es gibt auch bereits Kommunen ohne Lokalzeitung. Will man die Monopole stärken? Will die GroKo und somit die SPD die DDVG stärken? Es gibt Regionen, wo die Zeitung und das Lokalradio der SPD gehören.

Auch dieser Satz ist wunderbar:
„Subsidiaritätsprinzip mehr Gewicht geben; die öffentlich-rechtlichen Anbieter sollten nur da auftreten, wo das privatwirtschaftliche Angebot klare Defizite aufweist.“

Bedeutet es, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jetzt auch Zeitung herausgeben sollen, wo ein Verleger ein Meinungsmonopol hat?

In NRW muss der WDR noch lange bestehen, denn die Privatfunkkapazitäten im DAB-Multiplex werden nicht genutzt. 13-14 öffentlich-rechtlichen Audiodiensten stehen 11 kommerzielle Audiodienste entgegen. Im regionalen Bereich werden nur 2 Programmplätze von den kommerziellen Anbietern genutzt, 3 bleiben frei. Ein Interesse am bestehenden Markt sieht anders aus. Wenn gefordert wird, dass die öffentlich-rechtlichen die Märkte besetzen, die die Privaten nicht wollen, sollen doch alle DAB-Kapazitäten an den WDR gehen. Die Privaten können dann von mir aus UKW bekommen. In ein paar Jahren spielt UKW keine Rolle mehr und der WDR hat dann alle Multiplexe und die Verleger jammern dann erneut. Jammern gehört bei denen zum Handwerk, nur tun können sie nichts.

Will die Bundesregierung ernsthaft der Stimme Russlands, sorry ich vergaß Radio Sputnik, den Vorrang geben? In NRW gibt es neben der Stimme aus dem Kölner Dom, noch die Stimme Kremls und die der Verleger (darunter der SPD-eigenen DDVG) im Äther. Stellt sich die GroKo so die neue Medienlandschaft vor?

Vielleicht herrscht in Berlin eine gewisse Verblendung? Denn dort gibt es bereits mehr private Hörfunkprogramme, als kommerzielle? Ist der RBB nicht bereits auf dem Rückzug und versorgt die Gebiet, die für die Privaten nicht lukrativ sind?

Wenn die ARD auf Werbung gänzlich verzichtet, muss der Rundfunkbeitrag nicht angehoben werden?

Wird der ö-r Hörfunk nicht noch attraktiver für die Hörer, weil diese einem werbefreien Programm den Vorzug geben werden? Wann schalten die Menschen um? Wenn es langweilig wird oder Werbung kommt. Für die Privaten bedeutet es doch Hörerverluste, denn wenn überall gleichzeitig Werbung läuft, gibt es keine Alternative zum Umschalten. Wenn die ARD-Hörfunkwellen auf Werbung verzichten, schalten die Menschen während der Werbung weg und bleiben bei der ARD hängen. Hier schaufeln sich die Privaten ihr eigenes Grab.

Noch mehr Verlegerunsinn:
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verliert nicht nur Marktanteile an private Programme, sondern verliert insgesamt durch das Internet an Bedeutung.“

Sicherlich verlieren ARD und ZDF seit der Einführung der Privatsender an Marktanteilen. Seit der Einführung des Internets verlieren die Zeitung an Bedeutung. Sollen sich die gedruckte Zeitung zu erst abschaffen, dann können wir darüber Reden, ob ARD und ZDF noch Sinn machen.

„Das Internet bietet dabei Sendeformate, die den klassischen Hörfunk- und Fernsehmedien vergleichbar sind und vermehrt über den Fernseher abgespielt werden können.“

Ich freue mich so sehr über Netflix & Co., damit ich auf die deutsche Verlegerpropaganda nicht mehr Angewiesen bin. In 20 Jahren haben die nichts auf die Beine gestellt. Weltweit stecken sie die Menschen in Dschungelcamps oder beobachten Menschen beim Fernsehen (SAT 1). Andere Menschen die fernsehen, sollen so einen Wiedererkennungseffekt erleben. Das ist so ärmlich, wie Affengaffen im Zoo. Da beobachten wir die letzten Zuschauer beim Fernsehglotzen.

Klar können die Menschen Inhalte über das Internet abrufen, nur was rufen sie ab? Wenige YT-Stars, viel Porno und Mediatheken der Fernsehsender, die Privaten verlangen noch Geld für den Abruf. Gleichzeitig führt die Telekom eine Traffic-Beschränkung ein. Da will die Regierung doppelt verdienen, an VoD und über den Aufpreis auf mehr Traffic.

Die ARD stellt kostenlos Informationen ins Internet, für die andere Geld gerne verlangen würden. Nur möchte jemand Geld ausgeben für RTL-Mitarbeiter, die auf Demos blöde Interviews geben?

http://www.der-postillon.com/2014/12/samtliche-pegida-anhanger-in-wahrheit.html
http://www.tagesschau.de/inland/panorama-pegida-103.html
http://meedia.de/2014/12/22/rtl-schmeisst-den-pegida-undercover-reporter-raus/

„Der deutsche Gesetzgeber überlässt die Bereitstellung von journalistischen Informationsdiensten im Bereich der Printmedien weitgehend dem freien Marktgeschehen. Dort konkurrieren in Deutschland lokal und überregional im Allgemeinen mehrere private Anbieter von Zeitungen und Zeitschriften.“

Stimmt nicht. Im lokalen gibt es kaum Konkurrenz und wo sie noch besteht, sind es häufig mehrere Titel aus dem gleichen Haus.

„Stattdessen gibt es viele Zeitungen; sie sind einfach und preiswert zu produzieren und stehen in Konkurrenz zueinander.“

Und deshalb gibt es Zeitungssterben? Regional und lokal gibt es auf vielen Märkten keine Vielfalt mehr. Wenn die Zeitung so billig zu produzieren ist, warum werde es immer weniger Titel und warum kämpfen die Verleger gegen die öffentlich-rechtliche Konkurrenz? Die soll doch besser mit ihrem Produkt überzeugen. Es ist die Vorstellung, wenn die Menschen für ARD und ZDF nicht bezahlen, dann bezahlen sie für die Zeitung, oder die Privatsender. Warum sollten sie? Sie könnten sich dem Medium auch abwenden, wie sie es bei der Zeitung nach Jahrzehnten machen.

Seite 15:
„Denn bloße Staatsfreiheit bedeutet noch nicht, daß freie und umfassende Meinungsbildung durch den Rundfunk möglich wird; dieser Aufgabe läßt sich durch eine lediglich negatorische Gestaltung nicht gerecht werden. Es bedarf dazu vielmehr einer positiven Ordnung, welche sicherstellt, daß die Vielfalt der bestehenden Meinungen im Rundfunk in möglichster Breite und Vollständigkeit Ausdruck findet und daß auf diese Weise umfassende Information geboten wird.“

Es stellt sich die Frage, ob durch Scripted-Reality auch Menschen ins Fernsehen gelangen, die dort sonst nicht vorkommen würden, doch mit freier Meinungsäußerung hat es wenig zu tun. Werden wir da nicht getäuscht. Einerseits ist es der Mensch von neben an, anderseits darf er seine wahre Meinung nicht äußern.

Vielleicht würde es dann so aussehen:
http://www.ardmediathek.de/tv/Panorama/Pegida-Die-Interviews-in-voller-L%C3%A4nge-/Das-Erste/Video?documentId=25442126

Seite 19:
„Würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein Programmangebot einschränken, würden dadurch zunächst Lücken entstehen. Nicht alle, aber viele dieser Lücken würden durch entsprechende neue Angebote der Privaten gefüllt werden.“

Warum entsteht nicht zuerst ein Angebot und dann ziehen sich die Öffentlich-Rechtlichen aus dem Marktsegment heraus? Das Angebot sollte jedoch von Dauer sein und nicht entstehen, um den ö-r Wettbewerber aus dem Segment zu verdrängen, um das Angebot kurze Zeit später einzustellen. Ein dauerhafte Angebot können die Privaten nicht garantieren, denn ohne Quote stellen sie das Angebot ein. Sollen und dürfen dann die öffentlich-rechtlichen dann das Segment wieder ausfüllen oder ist es zum sterben verurteilt? Als in Polen die Debatte über die Verwendung des Rundfunkbeitrags auch für hochwertige Produktionen der Privaten geführt wurde, produzierte ein Hörfunksender regelmäßig Hörspiele, die nach der Debatte abgesetzt wurden.

„Erstens kann das Argument die vollständige Duplikation von privaten Sendeformaten wie im Falle der Pop-Sender kaum rechtfertigen; diese Sender sind von außen praktisch ununterscheidbar von ihren privaten Pendants.“

Die Privaten besetzen viele Segmente im Hörfunk gar nicht und wenn, dann ist der Informationsgehalt wesentlich geringer.

„Die kostenlosen Nachrichtenangebote von ZDF.de oder tagesschau.de im Internet konkurrieren hier mit den Online-Angeboten der klassischen Printmedien. Die beitragsfinanzierten Angebote behindern in der Tendenz Prozesse, durch die sich ein selbst tragendes, qualitativ hochwertiges Subskriptionssystem privatwirtschaftlicher Anbieter (spiegel.de, faz.net, welt.de, ...) entwickeln kann.“

Stimmt nicht, denn die Stiftung Warentest ist sehr erfolgreich mit ihrer Internetstrategie und den Spiegel zwingt auch keiner seine Inhalte kostenlos darzubieten. Außerdem ist die „Printausgabe“ auch online käuflich zu erwerben und wird im Internet nicht verschenkt. Die Homepage ist ein anderes Produkt als der (Print-/PDF-)Spiegel selbst, hier werden zwei Sachen vermischt. Schließlich gibt es beim Spiegel eine Online- und eine Printredaktion und die Mitarbeiter werden unterschiedlich bezahlt. Also ist Online nicht mit Print gleichzusetzen.

„Die Zahl der möglichen Sender ist technisch für alle praktischen Belange unbegrenzt. Und in der Tat findet sich für praktisch jede Musikvorliebe inzwischen ein geeignetes Internetradio.“

Die Frage ist wie lange noch? Auch hier wird es eine Marktbereinigung geben, denn kaum ein Internetradio fährt gewinne ein, ist eher ein Zuschussgeschäft für die Betreiber. Es setzen sich sehr langsam Bezahlmodelle für individualisierte Abrufdienste durch. Das ist ein anderes Marktsegment als ein lineares Radio. Die Qualitätsunterschiede sind gewaltig. Viele Inhaltselemente fehlen (z.B. Kabarett/Comedy oder Hörspiele)

Fordern die Verleger nun, dass auf 1LIVE, WDR 2 und WDR 4 nun auch ein Programm ausgestrahlt wird, wie auf DLF und WDR 5? Denn der Verzicht auf Popwellen bedeutet doch nicht einen Verzicht auf UKW-Frequenzen.

Seite 31:
„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte deshalb als Anbieter nur dort auftreten können, wo die Privaten selbst bei Setzung eines geeigneten regulatorischen Umfeldes ein gesellschaftlich und bildungspolitisch gefordertes Angebot nicht von sich aus anbieten würden.“

Genau dieses System nennt man in NRW Veranstaltergemeinschaft. Ein Verein von Menschen mit mehr oder sehr häufig weniger Erfahrung im Medienmarkt, der Verantwortung trägt und Aufsicht ausüben soll. In Wirklichkeit hat die Veranstaltergemeinschaft nur wenig zu sagen, denn die Bedienungen diktiert immer der, der das Geld bereit stellt – die Betriebsgesellschaft.

„Um ein Angebot durch öffentlich-rechtliche Sender ökonomisch zu rechtfertigen, bedarf es einer aktiven Prüfung durch den Gesetzgeber, ob bestimmte Informationsinhalte von besonderem gesellschaftlichen oder bildungspolitischen Interesse erkennbar von den privaten Sendern vernachlässigt werden.“

Gibt es bereits, heißt Grimme-Institut und zeigt jedes Jahr auf, dass die Privaten nur wenig Vorzeigbares präsentieren.

Viele Vorschläge erfordern einer stärkeren Aufsicht des Staates, neue Gremien, die den Markt regulieren. Das Geld aus dem Rundfunkbeitrag fließt aus dem Programm in die Regulierung, denn der regulatorischer Aufwand wird durch Steuern (eher unwahrscheinlich) oder durch die Landesmedienanstalten durchgeführt werden müssen. Es ist ein Plan zur Umverteilung auf mehreren Ebenen.

von Seltener Besucher - am 27.12.2014 02:21
Sehe ich nicht so.
Eine Gebühr von jedem zu verlangen auch wenn manch einer das Angebot gar nicht nutzt oder nutzen will, ist in einem Rechtsstaat zumindest fragwürdig.

Und im Radio könnte -wie beim TV- auch eine zentrale ÖR-Anstalt ausreichen. Auch mit den vom DH0GHU geforderten Landesprogrammen.
Überall wird globales Denken gefordert, z. B. in Bildung, Internet, Jobs etc, nur in Sachen Radio ist (und bleibt wohl) Deutschland auf Nachkriegsniveau mit einem quasi Nazi-Verhinderungs-Förderalismus.
Dass der Spiegel oder die Bild deutschlandweit erscheint oder dass das ZDF deutschlandweit sendet (wie ja auch der Zusammenschluss der ARD-Sender unter seinem GEMEINSCHAFTSPROGRAMM namens ARD/das Erste), hat m. E. nicht dazu beigetragen, dass die Deutschen zentralistisch wieder ein Preußen oder gar ein neues 3. Reich wollen.
Nur in Sachen Radio droht anscheinend diese Gefahr, wenn es nicht "förderalistisch" veranstaltet wird. Denn ein "zentralistisches" ÖR-Radio-System würde ja sofort die Demokratie abschaffen und eine Klimaerwärmung bedeuten. Und für Staus auf den Autobahnen sorgen und die Preise für Butter um 150 % anheben.
Lächerlich.

Insofern ist der Vorstoß aus dem Bundesfinanzministerium gar nicht so schlecht. Und das schreibt einer, der mit der CDU oder ihrem rechten Bruder CSU eher wenig bis nichts anfangen kann.

von Schwabinger - am 28.12.2014 11:23
Ich verstehe die Aufregung nicht. Es gibt ausreichend bundesweite Hörfunkprogramme, sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich.
Es heißt immer „global denken, lokal handeln“.
Wir haben ein System das funktioniert und von den Hörern angenommen wird. Auch wenn mehr Programme gemeinschaftlich hergestellt werden, was heute schon passiert, heißt es doch nicht, dass die ARD UKW-Frequenzen abgibt.

Funkhaus Europa WDR/RBB/RB mit Übernahme durch den NDR. Also der gesamte Norden!
KinderRadioKanal WDR/SR/BR/RB
WDR 5, viele Sendungen werden gemeinschaftlich mit dem NDR produziert -> 5 Bundesländer
Die ARD-Nächte

Warum soll ein bundesweiter Hörfunk zentral produziert werden? Das Erste der ARD wird auch nicht zentral produziert. So ein Blödsinn kann nur von jemanden kommen, der in einem zentralistischen Bundesland lebt. Die Reaktionen auf die neue WDR Lokalzeit am Samstag zeigen, dass die Menschen es nicht wollen. Die Menschen in NRW interessiert Bayern oder Sachsen nicht. Die Niederlande ist wesentlich interessanter, weil die Menschen dahin fahren.

Es sollte Deutschlandradio mit den drei Programmen abgeschafft werden. Wir brauchen keinen zentralistischen Rundfunk, der sich zwar DeutschlandRadio nennt, in Wirklichkeit nur BerlinKölnRadio ist.

von Seltener Besucher - am 28.12.2014 12:21
Zitat
Seltener Besucher
Es gibt ausreichend bundesweite Hörfunkprogramme, sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich.

Und wie heißen die ausreichenden privaten Programme?
Mir fällt da nur ein bedeutungsloses RTL via Kabel und Klassik-Radio (teilweie terrestrisch, teilweise nur über Kabel) ein. Dann noch SSL (Kabel). Und das war es es (ohne Bundesmux DAB+ und so viel kommen da dann auch nicht mehr).

Und wie heißen die ausreichenden ÖR-Programme?
Mir fällt da nur Köln (DLF) und Berlin ("DeutschlandRadio Berlin" :D ) ein. Und das war es es (ohne Bundesmux DAB+).

Zitat

Funkhaus Europa WDR/RBB/RB mit Übernahme durch den NDR. Also der gesamte Norden!
KinderRadioKanal WDR/SR/BR/RB
WDR 5, viele Sendungen werden gemeinschaftlich mit dem NDR produziert -> 5 Bundesländer
Die ARD-Nächte

Wo ist da -bis auf die Nacht- z. B. Hessen, B-W, Thüringen oder Rheinland-Pfalz dabei?

Zitat

Es sollte Deutschlandradio mit den drei Programmen abgeschafft werden. Wir brauchen keinen zentralistischen Rundfunk, der sich zwar DeutschlandRadio nennt, in Wirklichkeit nur BerlinKölnRadio ist.

M. E. braucht es keinen kleingeistigen provinziellen Pfründe-Föderalismus. Weder in der Politik noch im Radio.
Im TV und Internet gibt es diesen Förderalismus-Müll eh nicht.
Und warum z. B. Bildung bundeslandabhängig ist, verstehe ich auch nicht. Und ist auch nicht mehr zeitgemäß (siehe z. B. die eingestampfte Studiengebühr aller Orten).
.

von Schwabinger - am 28.12.2014 13:03
Zitat
Schwabinger
Eine Gebühr von jedem zu verlangen auch wenn manch einer das Angebot gar nicht nutzt oder nutzen will, ist in einem Rechtsstaat zumindest fragwürdig.


Hat Du eine Krankenversicherung? Ich vermute: ja. Und ich hoffe: Du willst das damit verbundene "Angebot" gar nicht nutzen bzw. die Nutzung soll so minimal wie nur irgend möglich sein. Klar: wer will schon ernsthafter und dauerhafter medizinischer Versorgung bedürfen?

Dennoch höre ich nur sehr selten Kritik am System der Krankenversicherung. Ich habe noch nie jemanden gehört, der gesagt hätte, ich muß nur einmal im Jahr zum Zahnarzt, zahle aber jeden Monat ungefragt hunderte Euro in die KV ein, das ist ungerecht, ich will das nicht. Jeder weiß, daß das System, selbst wenn er es momentan nicht nutzt, wichtig für ihn selbst werden kann. Jeder weiß, daß das ein Solidarsystem ist.

Beim Rundfunk geht es nun nicht um Leben oder Tod, zumindest derzeit noch nicht. Aber der Rundfunk als Ort von Kulturverbreitung, Informations- und Wissensvermittelung und etwas für mich schwer in Worte zu fassendem, ich nenne es mal eine "ethischen und spirituellen Ansprüchen genügende Begleitung der Gesellschaft" hat meiner Meinung nach eine sehr wichtige Aufgabe.

Die Privaten entsprechen dieser Aufgabe nicht, sie haben eine andere Aufgabe: Profit einfahren. Nur dazu sind sie gegründet worden, nur deswegen existieren sie. Sie spielen bei diesem Thema überhaupt keine Rolle. Sie werden gesellschaftlich nur dadurch relevant, weil sie mit ihren primitivstmöglichen Angeboten eine Gefahr für Ethik und Spiritualität werden bzw. sind.

Wenn die Öffis dieser Aufgabe auch nicht gerecht werden, dann stinkt was am System. Und es stinkt gewaltig. Einzelne Argumente aus dem dadurch entstehenden Fundus werden ja sogar in diesem Papier strapaziert - aber eben nicht, um künftig diese Fehlentwicklungen zu beenden und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu etwas zu machen, das obigen Kriterien genügt, sondern um ihn zu eliminieren, damit die Privaten freien Durchmarsch haben - bei ihrem Ziel, das mit obigen Kriterien noch weniger zu tun hat als derzeit die Öffis.

Da liegt die Gefahr. Es gibt etliche Punkte, denen man zustimmen kann, ja sogar muß. Aber die angepriesene "Lösung" dient nicht der Behebung der Mängel des Systems, sondern der weiteren Verschlimmerung des Zustandes.

Da ein Großteil der Bevölkerung allerdings vermutlich nichts mit "Kulturverbreitung, Informations- und Wissensvermittelung und einer 'ethischen und spirituellen Ansprüchen genügende Begleitung der Gesellschaft' anfangen kann, verschlimmert die Lage weiter. Es wird von der Bevölkerungsmehrheit ja nicht einmal der heute noch bestehende Wert erkannt (nur ca. 12-15% der Hörfunknutzung entfällt auf Angebote, die obigen Kriterien genügen), wie soll dann ein mögliches Potential erkannt werden?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat an zwei Fronten Feinde: zum einen braucht ihn mehr als 3/4 der Bevölkerung nicht, weil sie keinen Wert auf eine intakte, progressive, ethischen und spirituellen Kriterien genügende Gesellschaft legen, da ihnen schlichtweg (noch) egal ist, wie es da draußen weitergeht. Und die, die man eigentlich auf seiner Seite hätte, hat man weitgehend zum Nicht-Nutzer gemacht durch Vermüllung, Verprollung und inhaltlichen Kahlschlag in den Programmen.

von Chris_BLN - am 28.12.2014 13:25
Zitat
Schwabinger
Zitat
Seltener Besucher
Es gibt ausreichend bundesweite Hörfunkprogramme, sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich.

Und wie heißen die ausreichenden privaten Programme?
Mir fällt da nur ein bedeutungsloses RTL via Kabel und Klassik-Radio (teilweie terrestrisch, teilweise nur über Kabel) ein. Dann noch SSL (Kabel). Und das war es es (ohne Bundesmux DAB+ und so viel kommen da dann auch nicht mehr).


RTL ist für mich kein bundesweites Programm, weil es nicht terrestrisch empfangbar ist. Es ist ein starkes Stück die Wirklichkeit so auszublenden, wie Du es tuest. Der Bundesmux erreicht „63,4 Prozent der Bevölkerung auf 62,8 Prozent der bundesdeutschen Fläche“. Damit sind die Programme erst einmal verfügbar und empfangbar. Ich kenne Menschen, die mit dem Radio nichts zu tun haben, nach dem Kauf eines neuen Autos DAB plötzlich hatten und zufrieden sind.

  1. Absolut relax
  2. ENERGY
  3. ERF Plus
  4. Klassik Radio
  5. LoungeFM
  6. Schalgerparadies
  7. Radio Horeb
  8. sunshine live


Zitat
Schwabinger
Und wie heißen die ausreichenden ÖR-Programme?
Mir fällt da nur Köln (DLF) und Berlin ("DeutschlandRadio Berlin" :D ) ein. Und das war es es (ohne Bundesmux DAB+).

D-Radio strahlt vier Programme im Bundesmux aus.

Zitat
Schwabinger
M. E. braucht es keinen kleingeistigen provinziellen Pfründe-Föderalismus. Weder in der Politik noch im Radio.

Dann schafft doch die CSU ab. Ist doch das beste Beispiel für provinziellen Pfründe-Föderalismus.
In den Niederlanden mit weniger Einwohnern als NRW gibt es mehr regionale omroepen als der WDR Regionalfenster ausstrahlt.
Ist es auch Pfründe-Föderalismus? Alle Länder um Deutschland herum haben regionale Programme, Deutschland soll nur einen MerkelFunk haben, weil sich ein Schwabinger es so wünscht?

Zitat
Schwabinger
Im TV und Internet gibt es diesen Förderalismus-Müll eh nicht.

Nein? Wer übernimmt die Aufsicht des Internets in Deutschland? In NRW ist es die LfM.

Zitat
Schwabinger
Und warum z. B. Bildung bundeslandabhängig ist, verstehe ich auch nicht.
.

Damit alle nicht so denken wie Du!

von Seltener Besucher - am 28.12.2014 17:24
@Chris_BLN
Ich würde jetzt die Krankenversicherung nicht mit der Haushaltsabgabe vergleichen wollen. Ok, da habe ich mich falsch ausgedrückt.
Ich würde das nach deiner berechtigten Korrektur eher mit einer ÖPNV-Monatskarte bezeichnen. Nur wer wirklich da fährt, muss auch zahlen.

@Seltener Besucher
Zitat

RTL ist für mich kein bundesweites Programm, weil es nicht terrestrisch empfangbar ist. Es ist ein starkes Stück die Wirklichkeit so auszublenden, wie Du es tuest. Der Bundesmux erreicht „63,4 Prozent der Bevölkerung auf 62,8 Prozent der bundesdeutschen Fläche“.


Es geht hier nicht um ausschließlich DAB+. Wobei ich dir Recht gebe, dass nicht terrestrisches Radio als Radio nicht zählt.

Zitat


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Sorry, das sind alles andere als Programme die die Massen interessieren. Und bis auf die 2 Kirchenschleudern und Bob, SP, Klassik und SSL sind das schlichtweg Festplatten.
Alle (!) Programme sind bundesweit bei den jetzigen (!) Verbreitungswegen schlichtweg genauso unbedeutend wie z. B. lokal ein NKL in Wiesbaden oder Darmstadt.

Zitat

Dann schafft doch die CSU ab. Ist doch das beste Beispiel für provinziellen Pfründe-Föderalismus.

:spos: Das würde ich, wenn ich es könnte, lieber heute als morgen machen.

Zitat

Nein? Wer übernimmt die Aufsicht des Internets in Deutschland? In NRW ist es die LfM.

Ups, wenn ich Seiten aus FR, ES, UK etc. aufrufe, hat da keine deutsche LMA ihre Provinzpfündefinger drin.
Ein Webradio z. B. namens BBC 1 braucht keine Genehmigung z. B. der LfM in NRW. Und SpOn kann ich auch in München lesen. Ohne Genehmigung der hiesigen LMA (und des BR oder gar der CSU).
Der Vorteil des Internets ist -zumindest bei uns- dass es keine (kleinstaatliche und kleingeistige provinzielle) Aufsicht hat.
Ein Webradio aus BE oder den Kanaren kann z. B. die LfM in NRW NICHT verhindern...

von Schwabinger - am 28.12.2014 17:59
Zitat
Schwabinger
Zitat

Absolut relax
ENERGY
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Klassik Radio
LoungeFM
Schalgerparadies
Radio Horeb
sunshine live

Sorry, das sind alles andere als Programme die die Massen interessieren. Und bis auf die 2 Kirchenschleudern und Bob, SP, Klassik und SSL sind das schlichtweg Festplatten.

Dann schalten wir doch mal ENERGY, Klassik Radio, Radio Horeb oder Sunshine Live auf UKW ab, wenn Massentauglichkeit das einzige Kriterium ist. Die D-Radios und die ARD-Klassik- und -Wortwellen können wir auch ausknipsen. Wer braucht Programme, die nicht massentauglich sind? Das kann nicht ernst gemeint sein? Hatten wir nicht schon einmal die Zeit, als nur einen Sender in Deutschland gab?

Das Argument das einige DAB-Programme nur Festplatten sind, zeigt deine selektive Wahrnehmung. Es gibt Programme auf UKW, die Nachrichten einkaufen und den Verkehrsfunk entweder aus Textbausteinen zusammenbauen oder synthetisch erzeugen lassen.

Zitat
Schwabinger
Alle (!) Programme sind bundesweit bei den jetzigen (!) Verbreitungswegen schlichtweg genauso unbedeutend wie z. B. lokal ein NKL in Wiesbaden oder Darmstadt.

Was wir nicht wissen, denn es gibt keine verlässlichen Zahlen, den der Empfangsweg wird bei der MA nicht ermittelt. Ermittelt wird die Bekanntschaft und die Hördauer eines Senders in Stunden.

Zitat
Schwabinger
Zitat

Nein? Wer übernimmt die Aufsicht des Internets in Deutschland? In NRW ist es die LfM.

Ups, wenn ich Seiten aus FR, ES, UK etc. aufrufe, hat da keine deutsche LMA ihre Provinzpfündefinger drin.

Es unterliegt einer Aufsicht der nationalen Aufsichtsorgane des jeweiligen Landes. Das ist in anderen EU-Ländern nicht anders organisiert.

Zitat
Schwabinger
Ein Webradio z. B. namens BBC 1 braucht keine Genehmigung z. B. der LfM in NRW.

Über Satellit kann ich es auch empfangen ohne der Zustimmung der BLM. Ob Internet oder Satellit, irgendjemand hat Regeln für die BBC erstellt.
Ich habe die BBC in NRW auch über FM mehrfach gehört, ohne der Genehmigung der dt. LMA.

Zitat
Schwabinger
Und SpOn kann ich auch in München lesen. Ohne Genehmigung der hiesigen LMA (und des BR oder gar der CSU).

Der Zugang zu Medien ist seit der Abschaffung der Meldepflicht für den Sat-Empfang nicht mehr reglementiert. Da verwechselst Du etwas.

Der Verbreitungsweg ist doch völlig egal, erreicht ein Hörfunkprogramm aus Deutschland eine gewisse Einschaltquote im Internet, wird es auch Anzeigepflichtig. Die Genehmigung ist etwas einfacher als bei Satellit. Einige europäische Regulatoren des audiovisuellen Marktes denken bereits an eine Anpassung ihrer Gesetzgebung für Verbreitungswege ohne technische Engpässe. Internet, Satellit und Kabel sollen gleich behandelt werden. Nun fordern die UKW-Platthirsche eine Must-Carry-Regelung für das Internet, sehe VPRT-PM.

Zitat
Schwabinger
Zitat

Der Vorteil des Internets ist -zumindest bei uns- dass es keine (kleinstaatliche und kleingeistige provinzielle) Aufsicht hat.

Ein Webradio aus BE oder den Kanaren kann z. B. die LfM in NRW NICHT verhindern...

Das gilt aber auch für die Satellitenverbreitung. Wo ist da deiner Meinung nach der Unterschied.
Ein Hörfunk- oder Fernsehprogramm aus China kann ich auch hier ohne Genehmigung der LMA empfangen.

von Seltener Besucher - am 29.12.2014 00:43
Will uns dieses "Gutachten" auf das zur Zeit geheim ausgehandelte TISA-Abkommen vorbereiten, indem es uns die ungehemmte Privatisierung der Medien mit der Abschaffung des Rundfunkbeitrags schmackhaft macht?

Hierzu Wikipedia:

Das Trade in Services Agreement (TiSA; dt. Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen) ist eine in Verhandlung befindliche Sammlung von Vereinbarungen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags zwischen 23 Parteien, inkl. den USA und der Europäischen Union. Das Tisa-Abkommen soll weltweit Dienstleistungen liberalisieren. Die 50 Staaten, die über TiSA verhandeln, exportieren weltweit zwei Drittel aller Dienstleistungen, wozu Branchen wie Verkehr, Finanzen, Bildung oder Gesundheit zählen. ...
Ursprünglich war das Abkommen ein Vorschlag der USA. Die Verhandlungen über die verschiedenen Vertragsbedingungen laufen seit Anfang 2012. Alle Sitzungen finden in Genf statt. Seitdem haben verschiedene geheime Verhandlungstreffen stattgefunden. Diese fanden außerhalb von üblichen Orten, wie WTO-Einrichtungen statt, etwa in der australischen Botschaft. Die Teilnehmer wollen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, die Verhandlungspapiere frühestens fünf Jahre nach Abschluss des Vertrags an die Öffentlichkeit lassen

Am 19. Juni 2014 veröffentlichte die Enthüllungsplattform Wikileaks einen bisher geheimgehaltenen Vertragsentwurf zu TISA aus dem Kapitel zu Finanzdienstleistungen auf ihrer Website. Bis dahin verliefen TiSA-Verhandlungen beinahe vollständig ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Die Wikileaks-Veröffentlichung zeigte erstmals die von den Parteien vereinbarte Bestimmung zur Vertraulichkeit des Verhandlungsverfahrens auf: Die Geheimhaltung endet fünf Jahre nach Inkrafttreten oder - falls TiSA nicht in Kraft treten sollte - fünf Jahre nach Ende der Verhandlungen. Nur die Schweiz hat alle seit Juni 2012 eingegebenen Verhandlungspositionen veröffentlicht.

Am 17. Dezember 2014 veröffentlichte Netzpolitik.org in journalistischer Partnerschaft mit der NGO Associated Whistleblowing Press und ihrer lokalen, spanischen Plattform filtrala.org den Verhandlungsstand. Diese Dokumente zeigten, dass die von TiSA betroffenen Dienstleistungen noch weit über das hinausgehen, was bisher angenommen wurde und aus den Wikileaks-Veröffentlichungen hervorging. Für TiSA gehört zu freiem Wettbewerb auch freier Datenfluss, den enthüllten Vorschlägen nach soll generell kein Land eine Firma daran hindern können, Informationen aller Art außer Landes zu schaffen. Die Daten von Kommunikationsanbietern sollen ungehindert zwischen Ländern ausgetauscht werden können, so heißt es: Kein Unterzeichner darf einen Diensteanbieter eines anderen Unterzeichners daran hindern, Informationen zu übertragen, auf sie zuzugreifen, sie zu verarbeiten oder zu speichern. Das schließt persönliche Daten mit ein, wenn der Vorgang in Zusammenhang mit der Ausführung der Geschäfte des Diensteanbieters steht.
Ziele

Die Vereinbarungen dienen dem Ziel, Handelshemmnisse im Sektor „Dienstleistungen“ zu beseitigen – begleitet von bereits vom Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen (ACTA) und vom Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) bekannten und massiv kritisierten Geheimhaltungsvereinbarungen. Ein taz-Journalist charakterisiert die Verhandlungsziele: „Öffentliche Dienstleistungen zur Gesundheits-, Wasser- und Energieversorgung, bei der Bildung, im Finanzsektor sowie in allen anderen Bereichen sollen über das bereits in den letzten 20 Jahren erreichte Ausmaß dereguliert und internationaler Konkurrenz ausgesetzt werden.“ Demnach würde durch TiSA die Rückübernahme von privatisierten Energie- und Wasserunternehmen (Rekommunalisierung) ausgeschlossen. Eine solche Rückübernahme würde durch eine geplante Ratchet Clause (Sperre) verhindert.

Unternehmensvertreter verschiedener Dienstleistungsbereiche (Coalition of Services Industries) nannten Regelungen und Subventionen von Staatsbetrieben als Beispiele für Markteintrittsbarrieren.

Darüber hinaus sieht die Vereinbarung die Öffnung des Arbeitsmarktes für ausländische Dienstleister vor. Diese sollen berechtigt sein, ausländische Leiharbeiter beliebig für temporäre Einsätze in die einzelnen Unterzeichnerstaaten zu entsenden. Inwieweit hierbei die arbeitsrechtlichen Standards der Einsatzländer, insbesondere auch die tariflichen Gehälter, gewahrt bleiben müssen, ist fraglich.

Der Entwurfstext betont, dass jederzeit weitere Punkte einfließen werden. Nach Vertragsunterzeichnung können neue Marktchancen für Unternehmen eingerichtet werden – unter Umgehung einer demokratischen Einflussnahme der Bevölkerung.


"O brave new world, that has such people in’t!“ (W. Shakespeare)

von hegi_ms - am 29.12.2014 11:30
@Seltener Besucher
Du drehst einem das Wort im Mund herum. :sneg:
Erstens hast du nie betont, dass deine Argumentationskette hinsichtlich bundesweuitem Radio nur von terrestrischen Radio ausgeht. Und deshalb ist RTL sowohl ein deutschlandweites Angebot (halt nur im Kabel und das ist zumindest für mich kein "richtiges Radio", es ist aber Radio).

Dann bringst du plötzlich den Sat-Empfang daher. Was hat Sat-Empfang mit meiner Aussage zu Internet und Kontrolle der Landesmedienanstalten zu tun? Ich habe nichts gegen Sat, aber das ändert an der Aussage nichts, dass keine LMA bei z. B. Webradios und vor allem bei ausländischen Websites, ihre Finger darauf legen und wild regulieren kann. Dass sie das bei einem Sat-programm aus der VR China oder sonstwo auch nicht machen können ist bekannt. Und auch gut so.
und die Aussage, dass z. B. die BBC dann anderswo geregelt wurde, ist schlichtweg Quatsch. Es gibt auch Webradios die garantiert nirgends LMA-mäßig oder durch eine europäische Zulassungsbehörde welcher Art auch immer geregelt wurden. Vielleicht eines von den Cayman-Inseln oder aus Venezuela. Oder was weiß ich noch.

Zitat
seltener Besucher
Zitat
Schwabinger

Zitat

Absolut relax
ENERGY
ERF Plus
Klassik Radio
LoungeFM
Schalgerparadies
Radio Horeb
sunshine live

Sorry, das sind alles andere als Programme die die Massen interessieren. Und bis auf die 2 Kirchenschleudern und Bob, SP, Klassik und SSL sind das schlichtweg Festplatten.

Dann schalten wir doch mal ENERGY, Klassik Radio, Radio Horeb oder Sunshine Live auf UKW ab, wenn Massentauglichkeit das einzige Kriterium ist. Die D-Radios und die ARD-Klassik- und -Wortwellen können wir auch ausknipsen. Wer braucht Programme, die nicht massentauglich sind? Das kann nicht ernst gemeint sein? Hatten wir nicht schon einmal die Zeit, als nur einen Sender in Deutschland gab?

Das Argument das einige DAB-Programme nur Festplatten sind, zeigt deine selektive Wahrnehmung. Es gibt Programme auf UKW, die Nachrichten einkaufen und den Verkehrsfunk entweder aus Textbausteinen zusammenbauen oder synthetisch erzeugen lassen.


Wo steht geschrieben, dass Masse das einzige Kriterium ist? Massentauglichkeit ist aber eines der Kriterien, denn immerhin müssen NRJ, KR und SSL ja auch Geld verdienen. Und wenn die programme, die nun mal erwiesenermaßen die weit größte Mehrheit des Landes ansprechen bei der Technik DAB(+) nicht dabei sind, da interressiert diese Technik nun mal die breite "Masse" nicht.


Ein mit Textbaustein-VF und VT-fabriziertes Programm ist mir immer noch lieber, als eine reine Festplatte im Radio.

von Schwabinger - am 29.12.2014 17:48
@ DH0GHU

Zitat

Eine reiche Gesellschaft sollte Kultur nicht an Kosten messen.


Dann müßte die Finanzierung aber so wie bei jedem anderen finanzierungsbedürftigen Kulturgut erfolgen. Also eben durch die Kommune, das Land oder den Bund. Denn die "reiche Gesellschaft" wird durch die letztgenannten Institutionen repräsentiert.


Zitat

Ich könnte auch gut ohne ÖR-Hitdudler leben, erwarte dann aber, daß Hitdudler in ihrem Niveau noch weiter absinken. (...) Bringen die ÖRs da schon zu wenig, bringen die Privaten noch viel weniger.


Die Logik geht irgendwie nicht so ganz auf. Das inhaltliche Niveau der Öffentlich-Rechtlichen ist ja erst kräftig den Bach runter gegangen als die private Senderflut in den 1990ern kam. Die Meßlatte für das Niveau haben also die Privaten selber gesetzt und die Öffentlich-Rechtlichen haben sich dem angepaßt und nicht andersrum. Und obwohl die Öffentlich-Rechtlichen der privaten Senderflut eine öffentlich-rechtliche Senderflut entgegen gesetzt hatten ging die Meßlatte sowohl bei den Privaten wie auch den Öffentlich-Rechtlichen selbst immer weiter nach unten.


Zitat

Dass ein Anbieter dann nur in wenigen Großstädten verfügbar ist, darf es dann nicht geben. Ansonsten haben wir schnell die Situation wie z.B. in den USA, wo auf dem Land auf UKW oft fast garnichts zu empfangen ist.


Läßt sich die Pampa in den USA mit der deutschen Pampa gleichsetzen? Pampa in den USA bedeutet mal gerne 100 km rein gar nichts. Sowas gibt's aber hierzulande nicht mal in Mecklenburg-Vorpommern.


Zitat

Rundfunk betrachte ich NICHT als reines Mittel zur Umsetzung wirtschaftlicher Ziele, sondern als Kulturgut.


Kommt auf die Inhalte an.


Zitat

Ich möchte aber nicht den Aufschrei hören, wie unsozial es doch sei, daß die Fußball-WM nur noch im Pay-TV kommt, etc.


Wieso unbedingt Pay-TV und nicht unverschlüsseltes Privatfernsehen?



@ Marcus.

Zitat

Eine Teilprivatisierung des ZDF würde sich hier anbieten.


Generell mal die Frage: Welche Existenzberechtigung hat eigentlich das ZDF noch? Wozu haben wir neben der ARD immer noch eine zweite bundesweite öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt? Das ZDF war doch eigentlich nur ein Kompromiß um das von Adenauer geforderte Privatfernsehen fernzuhalten.


Zitat

Warum soll ein ÖR Anstalt wieder nur Programme machen, die sich privatfinanziert nicht rechnen ?


Warum sollen sie einen Bedarf decken, der schon im Übermaß durch private Anbieter gedeckt wird? Das wäre so, als käme eine Kommune auf die Idee, direkt neben vorhandenen Supermärkten einen kommunal betriebenen Supermarkt zu eröffnen.



@ ulionken

Zitat

Der Wegfall der Massenprogramme wie SWR3 oder WDR 4 mit ihren Werbeeinnahmen müsste ja auf der Einnahmenseite auch erstmal kompensiert werden.


Wie groß sind denn diese Einnahmen? Und ist es wirklich so, daß unsere Öffentlich-Rechtlichen neben den 7,8 Milliarden Euro Haushaltsabgabeneinnahmen pro Jahr noch auf Werbeeinnahmen angewiesen sind?



@ Habakukk

Zitat

Und genau das ist der Punkt: der ÖPNV ist hier auf dem Land schlichtweg nicht nutzbar, weil man kaum in endlicher Zeit von A nach B kommt, wenn ueberhaupt irgendein Bus geht.


Seltsam nur, daß Rundfunk und Fernsehen per Pauschalabgabe finanziert werden, der eigentlich lebensnotwendigere ÖPNV (neben anderer Grundinfrastruktur im ländlichen Raum) jedoch nicht. Da läuft gewaltig etwas schief.

von Kay B - am 29.12.2014 20:56
Sorry, die Diskussion geht in eine Richtung, die ich nach dieser Antwort beenden werde. Schauen wir uns mal die Diskussionskette an:

Schwabinger (28.12.2014 14:03)
Im TV und Internet gibt es diesen Förderalismus-Müll eh nicht.


Seltener Besucher (28.12.2014 18:24)
Nein? Wer übernimmt die Aufsicht des Internets in Deutschland? In NRW ist es die LfM.


Schwabinger (28.12.2014 18:59)
Ups, wenn ich Seiten aus FR, ES, UK etc. aufrufe, hat da keine deutsche LMA ihre Provinzpfündefinger drin.


Antwort:
Die LMAs beschränken nicht den Konsum, sondern reglementieren die Anbieterseite. Wenn ich eine Zeitung auch China in Deutschland kaufe, hat der dt. Presserat auch seine Finger nicht drin. Wenn ich auf Kurzwelle Radio aus Nordkorea höre, haben die LMAs auch keinen Einfluss darauf. Dieser Vergleich hinkt, weil der Empfang keiner Einschränkung unterliegt. Das hat nichts mit dem Internet zu tun, es war bei Büchern, Zeitungen und –schriften, dem Radioempfang (z. B. Kurzwelle) oder Fernsehen über die Landesgrenzen hinaus oder per Satellit seit dem entstehen der LMAs nie jemand getan. Die LMAs haben nie den Empfang begrenzt. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Du das Internet hier hervorhebst.



Schwabinger (29.12.2014 18:48:00)
Dann bringst du plötzlich den Sat-Empfang daher. Was hat Sat-Empfang mit meiner Aussage zu Internet und Kontrolle der Landesmedienanstalten zu tun? Ich habe nichts gegen Sat, aber das ändert an der Aussage nichts, dass keine LMA bei z. B. Webradios und vor allem bei ausländischen Websites, ihre Finger darauf legen und wild regulieren kann. Dass sie das bei einem Sat-programm aus der VR China oder sonstwo auch nicht machen können ist bekannt. Und auch gut so.
und die Aussage, dass z. B. die BBC dann anderswo geregelt wurde, ist schlichtweg Quatsch. Es gibt auch Webradios die garantiert nirgends LMA-mäßig oder durch eine europäische Zulassungsbehörde welcher Art auch immer geregelt wurden. Vielleicht eines von den Cayman-Inseln oder aus Venezuela. Oder was weiß ich noch.


Antwort:
Besitzer von Satellitenantenne mussten in den 80er-Jahren ihre SAT-Antenne bei der POST anmelden. Das war eine Art Einschränkung, denn wenn ich eine Zeitung lese, muss ich mich auch bei niemanden melden. Unterschiedlichen Ausspielwege für Content wurden unterschiedlich behandelt. Das gibt es nicht mehr. Ich bringe den SAT-Empfang nur deshalb mit in die Diskussion ein, weil es dort eine Art Zensur gab, die abgeschafft wurde.

Ich habe bereits am 29.12.2014, um 01:43:00 Uhr Dir geschrieben, dass die Anzeigepflichtig für Internetradios abhängig ist von der Höreranzahl. Wenn wir das Ausland zum Vergleich heranziehen, dann wird es auch Sender auf AM oder FM geben, die ohne einer Marktregulierung und Zulassung aktiv sind, weil es diese in den entsprechenden Ländern nicht gibt.



Schwabinger (29.12.2014 18:48:00)
„und die Aussage, dass z. B. die BBC dann anderswo geregelt wurde, ist schlichtweg Quatsch.“


Antwort:
Also wird die BBC nirgendwo rechtlich geregelt? Es gibt also kein BBC Agreement?
http://www.bbc.co.uk/bbctrust/governance/regulatory_framework/charter_agreement.html
http://stakeholders.ofcom.org.uk/broadcasting/broadcast-codes/broadcast-code/background/#2



Schwabinger (28.12.2014 18:59)
Ein Webradio z. B. namens BBC 1 braucht keine Genehmigung z. B. der LfM in NRW.


Antwort:
Auch hier ist das Hervorheben des Internets unnötig, denn auch bei FM/AM/Satellit hat die LfM der „BBC 1“ keine Genehmigung erteilt. Das Programm gelangte über Wellen nach Deutschland, so wie es über das Internet von einem Server in UK nach Deutschland gelangt. Wo ist der Unterschied zu den früheren Verbreitungswegen, den Du hier anführst. Ich sehe keinen. Du betonst den angeblichen Vorteil des Internets, der hier im Bezug auf Regulierung nicht erkennbar ist.



Seltener Besucher (28.12.2014 13:21)
Es gibt ausreichend bundesweite Hörfunkprogramme, sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich.


Schwabinger (28.12.2014 14:03)
Und wie heißen die ausreichenden privaten Programme? Mir fällt da nur ein bedeutungsloses RTL via Kabel und Klassik-Radio (teilweie terrestrisch, teilweise nur über Kabel) ein. Dann noch SSL (Kabel).


Seltener Besucher (28.12.2014 18:24)
Absolut relax, ENERGY, ERF Plus, Klassik Radio, LoungeFM, Schalgerparadies, Radio Horeb, sunshine live


Schwabinger (28.12.2014 18:59)
Sorry, das sind alles andere als Programme die die Massen interessieren. Und bis auf die 2 Kirchenschleudern und Bob, SP, Klassik und SSL sind das schlichtweg Festplatten.


Seltener Besucher (29.12.2014 01:43)
Dann schalten wir doch mal ENERGY, Klassik Radio, Radio Horeb oder Sunshine Live auf UKW ab, wenn Massentauglichkeit das einzige Kriterium ist. (...) Das kann nicht ernst gemeint sein?


Schwabinger (29.12.2014 18:48)
Wo steht geschrieben, dass Masse das einzige Kriterium ist? Massentauglichkeit ist aber eines der Kriterien, denn immerhin müssen NRJ, KR und SSL ja auch Geld verdienen. Und wenn die programme, die nun mal erwiesenermaßen die weit größte Mehrheit des Landes ansprechen bei der Technik DAB(+) nicht dabei sind, da interressiert diese Technik nun mal die breite "Masse" nicht.


Antwort:
Das Problem ist, dass Du bei DAB+ einen anderen Maßstab anlegst, als bei UKW. Du bewertest DAB+-Programme nach Massentauglichkeit, die Du für UKW-Sender nicht anwendest. ENERGY muss auf UKW in Hamburg auch Geld verdienen und hat nur 26 Tsd. Hörer und Radio Hamburg 164 Tsd. (ma 2014 Radio II Update, Gesamt 10+, ⌀-Stunde 06:00-18:00, Mo-Fr).

Du gehst von der Annahme aus, dass jemand wegen DAB+ in den Laden läuft, weil dort ein interessantes Angebot existiert. Wer ein großes Angebot haben will, wird an den DAB+-Empfängern vorbei laufen und sich ein Internetradioempfänger kaufen. Viele Menschen sind mit einem Internetradioempfänger völlig überfordert und brauchen nicht so viele Sender. Außerdem sind in Bayern viele UKW-Sender auch bei DAB+ dabei. Was du da wieder konstruierst? Vielmehr werden DAB+-Empfänger in den Haushalten einzughalten, wie es Empfänger getan haben, die die Frequenzen über 104,0 MHz empfingen, auch wenn dort noch nichts gesendet wurde.


von Seltener Besucher - am 30.12.2014 01:35
Zitat
Kay B
Die Logik geht irgendwie nicht so ganz auf. Das inhaltliche Niveau der Öffentlich-Rechtlichen ist ja erst kräftig den Bach runter gegangen als die private Senderflut in den 1990ern kam. Die Meßlatte für das Niveau haben also die Privaten selber gesetzt und die Öffentlich-Rechtlichen haben sich dem angepaßt und nicht andersrum. Und obwohl die Öffentlich-Rechtlichen der privaten Senderflut eine öffentlich-rechtliche Senderflut entgegen gesetzt hatten ging die Meßlatte sowohl bei den Privaten wie auch den Öffentlich-Rechtlichen selbst immer weiter nach unten.

Schon mal daran gedacht, dass es auch ziemlich viele Hörer gibt, die genau das von ihrem Radio erwarten?
Was bribngt es dem ÖR, wenn sie stur qualitätsorientierten Belehrungsfunk im Stil der 1970er verbreiten, diese Art von Radio aber kaum noch welche hören wollen.
Und wenn ich die Wahl zwischen MDR Jump von heute und NDR 2 von damals hätte, würde ich MDR Jump vorziehen. ;)

Zitat
Seltener Besucher
Die LMAs beschränken nicht den Konsum, sondern reglementieren die Anbieterseite.

Und dadurch regeln sie schon irgendwie die Konsummöglichkeit (z. B. im Ruhrgebiet). Denn wo kein (anderer) Anbieter, da kein terrestrischer (UKW-) Empfang.
Wenn jemand in Bottrop per Web RTL 102,5 aus ITA hört, kann na klar die LfM da nichts machen. Und wenn jemand per Sat einen Sender aus Bratislava hört, auch nicht.

Zitat

Also wird die BBC nirgendwo rechtlich geregelt? Es gibt also kein BBC Agreement?

Na klar wird die BBC gergelt. Und zwar in UK, aber dort nicht stellvertretend für die regionale deutsche LMA. Und wenn ich mir -auf welchen Empfangswegen auch immer- einen Sender ans Ohr hole, der nirgends "geregelt" ist, dann kann die LMA (bei mir BLM) da nichts machen.

Zitat

Du gehst von der Annahme aus, dass jemand wegen DAB+ in den Laden läuft, weil dort ein interessantes Angebot existiert. Wer ein großes Angebot haben will, wird an den DAB+-Empfängern vorbei laufen und sich ein Internetradioempfänger kaufen. Viele Menschen sind mit einem Internetradioempfänger völlig überfordert und brauchen nicht so viele Sender. Außerdem sind in Bayern viele UKW-Sender auch bei DAB+ dabei. Was du da wieder konstruierst? Vielmehr werden DAB+-Empfänger in den Haushalten einzughalten, wie es Empfänger getan haben, die die Frequenzen über 104,0 MHz empfingen, auch wenn dort noch nichts gesendet wurde.

Da nicht überall Internet als Radioquelle verfügbar ist, gehen bestimmt welche in den Laden zum DAB+-Regal (z. B. wegen einem Programm namens SSL in Duisburg oder Bayern + in Fürth). Und dass in Bayern viele Sender von UKW auf DAB+ dabei sind, ist doch gerade sehr gut. Denn, so habe ich das zumindest verstanden, soll DAB+ langfristig UKW ablösen.
Was ich nicht ganz glaube ist, dass sich jemand der schlicht ein neues Büro- oder Küchenradio kaufen will, einen DAB+-Empfänger an Land holt, weil er dachte, dass da nur UKW heraus kommt (dann könnten die sich ja gleich einen internetradiofähiges Gerät andrehen lasse "damit empfangen sie wunderbar die Mittelwelle der Europawelle Saar in Farbe und Stereo..."

Soo, und nun zurück zum Thema. ;)

von Schwabinger - am 30.12.2014 16:25
Zitat
Kay B
@ ulionken

Zitat

Der Wegfall der Massenprogramme wie SWR3 oder WDR 4 mit ihren Werbeeinnahmen müsste ja auf der Einnahmenseite auch erstmal kompensiert werden.


Wie groß sind denn diese Einnahmen? Und ist es wirklich so, daß unsere Öffentlich-Rechtlichen neben den 7,8 Milliarden Euro Haushaltsabgabeneinnahmen pro Jahr noch auf Werbeeinnahmen angewiesen sind?


Laut einer Studie von Markenverband e.V. (Seite 24) waren es in 2009 bei den ARD-Radios etwa 370 Mio. €, das sind immerhin knapp 5% der heutigen Haushaltsabgabe; das ist sicher nicht vernachlässigbar.

Um die Zahlen etwas fühlbarer zu machen ein Vergleich: Der Betrieb eines LW-Senders mit 500 kW kostet laut KEF 389241 € pro Jahr (Quelle: hier im Forum). Mit den Hörfunk-Werbeeinahmen allein könnte die ARD also 950 Langwellensender rund um die Uhr betreiben, übrigens ohne nächtliche Leistungsabsenkung auf 250 kW :-) Die Zahlen zeigen auch, um welche Peanuts im Vergleich zu den Einnahmen es bei der von der KEF geforderten kompletten Abschaltung von MW und LW geht.

73 de Uli

von ulionken - am 30.12.2014 17:38
Nochmal zu den Plänen für bundesweite ARD-Radioprogramme:
DH0GHU hatte da ja schon eine Liste gemacht - Hier ist noch mal meine Liste, wie ich mir das schon mal gedacht hatte:

1. Ein Info/Nachrichten-Sender, mit Regionalisierung (ersetzt z.B. MDR Info, B5 aktuell, SWRinfo etc.)
2. Ein Kulturprogramm, welches verschiedenste Richtungen bietet (am ehesten wie Bayern 2), aber nicht zu viel Klassik
3. Ein Klassik-Sender (würde dann BR-Klassik und MDR Klassik ersetzen)
4. Ein Sender für Schlager und Volksmusik, evtl. mit Regionalisierung (Ersatz für hr4, Bayern plus & Co.)
5. Ein Oldie/Country-Sender, oder auch "Begleitwelle", evtl. mit Regionalisierung (ersetzt Bayern 1, hr1, SWR1 etc.)
6. Ein Hitradio (also "80er,90er und die Hits von heute"), mit Regionalisierung (als Ersatz für Bayern 3, SWR3, hr3 & Co.)
7. Ein Sender für neue/aktuelle Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Dance & Co. (als Ersatz für You FM, DasDing, Sputnik etc.)
8. Ein Alternativ-Musikprogramm (wie Puls, NDR Blue, radio eins)
9. Ein Kinderradio (KiRaKa kann man ja beibehalten)
10. Funkhaus Europa könnte man ja als Minderheitenprogramm/Auslandsender o.ä. beibehalten.
11. Einen Ereigniskanal (wie WDR Event oder Dok&Deb)

Somit komme ich auf 11 Sender, wenn alle von den Landesanstalten zur Zeit bedienten Genres berücksichtigt werden. Würde also prima in einen DAB-Mux passen.

von Cha - am 30.12.2014 17:39
Zitat
Schwabinger
Zitat
Seltener Besucher
Die LMAs beschränken nicht den Konsum, sondern reglementieren die Anbieterseite.

Und dadurch regeln sie schon irgendwie die Konsummöglichkeit (z. B. im Ruhrgebiet). Denn wo kein (anderer) Anbieter, da kein terrestrischer (UKW-) Empfang.
Wenn jemand in Bottrop per Web RTL 102,5 aus ITA hört, kann na klar die LfM da nichts machen. Und wenn jemand per Sat einen Sender aus Bratislava hört, auch nicht.


Sehr witzig. Schon mal in das bis 2014 geltende Gesetz geschaut. Wie sollte die LfM Frequenzen ausschrieben, die Ihr von der Staatskanzelei nicht übertragen wurden? Die LMA macht keine Gesetze, sondern führt diese aus. Das Parlament ist der Gesetzgeber. Die LMAs sind ausführende Organe. Schon mal etwas von Gewaltenteilung gehört? Gibt es wohl in Bayern nicht?
Das Gesetz in NRW sah so aus, dass die Staatskanzelei direkt an die öffentlich-rechtlichen Sender Frequenzen zugewiesen hat, weil diese einen Versorgungsauftrag haben und Bedarf angemeldet haben.

Zitat
Schwabinger
Zitat

Also wird die BBC nirgendwo rechtlich geregelt? Es gibt also kein BBC Agreement?

Na klar wird die BBC gergelt. Und zwar in UK, aber dort nicht stellvertretend für die regionale deutsche LMA. Und wenn ich mir -auf welchen Empfangswegen auch immer- einen Sender ans Ohr hole, der nirgends "geregelt" ist, dann kann die LMA (bei mir BLM) da nichts machen.

Schwabinger (29.12.2014 18:48:00)
„und die Aussage, dass z. B. die BBC dann anderswo geregelt wurde, ist schlichtweg Quatsch.“


Was heißt dann "anderswo"?

Zitat
ulionken
Laut einer Studie von Markenverband e.V. (Seite 24) waren es in 2009 bei den ARD-Radios etwa 370 Mio. €,

Was? Da geht es nur um die Werbeeinnahmen.

Zitat
ulionken
das sind immerhin knapp 5% der heutigen Haushaltsabgabe; (...) Der Betrieb eines LW-Senders mit 500 kW kostet laut KEF 389241 € pro Jahr (Quelle: hier im Forum). Mit den Hörfunk-Werbeeinahmen allein könnte die ARD also 950 Langwellensender rund um die Uhr betreiben,

Welchen Sinn macht das? Ich kenne niemanden der Langwelle hört. Die hätten die Sender schon vor 10 Jahren abschalten sollen und die Mittelwelle mit.

von Seltener Besucher - am 30.12.2014 18:24
@ Schwabinger

Zitat

Schon mal daran gedacht, dass es auch ziemlich viele Hörer gibt, die genau das von ihrem Radio erwarten?
Was bribngt es dem ÖR, wenn sie stur qualitätsorientierten Belehrungsfunk im Stil der 1970er verbreiten, diese Art von Radio aber kaum noch welche hören wollen.


Wieso denkst du, daß es nur die beiden Extreme Dudelfunk und Bildungseliten-Belehrungsfunk geben kann? Daß es dazwischen noch sehr viel mehr gibt, haben die öffentlich-rechtlichen Popwellen und die Privatsender in ihrer Anfangszeit mehrfach bewiesen. Innovative Konzepte und Sendungen gab es da auf beiden Seiten. Dann kam irgendwann die Durchformatierung mit der starken Begrenzung der Rotation in der Musikauswahl und schlecht geschauspielerten Moderationen. Eben die Dudelwellen, die wir heute haben.


Zitat

Und wenn ich die Wahl zwischen MDR Jump von heute und NDR 2 von damals hätte, würde ich MDR Jump vorziehen. ;)


Mal anders gefragt: Wie sähe der Vergleich zwischen MDR Jump heute und DT64 in den ersten Jahren nach dem Mauerfall aus? An letzterem Sender muß schon etwas dran gewesen sein, wenn er als einstiger FDJ-gesteuerter DDR-Sender aufeinmal eine starke Fangemeinde bis an die fränkische Alb hatte.



@ ulionken

Danke. Jetzt wäre es noch interessant, was die "Cashcows", also die öffentlich-rechtlichen Dudelwellen, die offenbar nur dazu betrieben werden um auf dem Werbemarkt mitzumischen, kosten.

Das Problem bei diesen "Cashcows" ist halt, daß Frequenzkapazitäten, die eigentlich für öffentlich-rechtliche und nichtkommerzielle Zwecke bestimmt waren, letztlich zur "Geldmacherei" zweckentfremdet werden.


Zitat

Die Zahlen zeigen auch, um welche Peanuts im Vergleich zu den Einnahmen es bei der von der KEF geforderten kompletten Abschaltung von MW und LW geht.


Es ist halt das Problem, daß die KEF offenbar nur auf diese "Peanuts" und nicht auf wahre Geldverbrenner bei den Öffentlich-Rechtlichen Einfluß hat.

von Kay B - am 30.12.2014 19:15
Zitat
Schwabinger
Schon mal daran gedacht, dass es auch ziemlich viele Hörer gibt, die genau das von ihrem Radio erwarten?


Dazu muß man nicht nachdenken, da muß man nur in die Media-Analyse schauen: 85% wollen genau das. Davon sind 50% bei den Privaten und 35% bei den Öffi-Privat-Nachahmern. Es gäbe keine Probleme, die auch zu den Privaten wechseln zu lassen - bis zu der Lösung, diese Öffis zu privatisieren, hätte ich keine Probleme damit. Es wäre ein großer Schaden für das öffentlich-rechtliche System behoben: der Ansehensverlust.

Zitat
Schwabinger
Was bribngt es dem ÖR, wenn sie stur qualitätsorientierten Belehrungsfunk im Stil der 1970er verbreiten, diese Art von Radio aber kaum noch welche hören wollen.


Darum geht es meiner Meinung nach nicht. Es bringt - ich bleibe bei diesem Vergleich - den Krankenkassen auch keine Pluspunkte bei der Mehrheit junger Menschen, wenn sie ständig gegen Rauchen und Alkoholkonsum agitieren und mit Karotten und Brokkoli drohen. Das ist alles dermaßen uncool, wie es uncooler nicht geht. Nach sowas richten sich ja nur die, die in der Schule gelernt haben, ihren Namen zu tanzen.

Es wäre - im Sinne des Mainstreams - viel cooler, wenn die Krankenkassen ihre Beitragseinnahmen verwenden würden für fette Drogen- und Alkoholparties mit Komasaufen-Contest. Sie tun es nicht und sie haben einen guten Grund dafür. Einen Grund, der auch durch (möglicherweise) Mehrheiten nicht unwichtiger oder falsch wird.

"Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln." (Jean Cocteau)

Die Öffis haben einen gesellschaftlich wichtigen Auftrag, und der heißt Wahrheit. Und Ästhetik. Und Kultur. Und Vielfalt. Aber bei all dem Ethik - oder nennen wir es einfach mal "Anstand". Wenn sie damit nur 5 oder 10% der Bevölkerung erreichten, spräche das gegen den Zustand der Gesellschaft, aber nicht unbedingt gegen den Zustand der Öffis. Kann es freilich auch: wenn sie es öde, dröge und vom hohen Ross herab angehen. Das muß man aber nicht, das kann man anders. Radio Brandenburg hat das bis 1997 faszinierend vermocht, Bayern 2 tut es heute noch faszinierend lebendig und bunt. Wenn das nicht mehr Menschen nutzen, ist es ein Armutszeugnis für die Gesellschaft und der "beste" Beweis, daß die Aktivitäten und die Verbreitung von Programmen wie Bayern 2 noch längst nicht ausreichend sind.

Zitat
Schwabinger
Und wenn ich die Wahl zwischen MDR Jump von heute und NDR 2 von damals hätte, würde ich MDR Jump vorziehen. ;)


Ich würde mir vielleicht "Musik für junge Leute anhören" auf NDR 2 und dabei spannendes entdecken. Redaktion Klaus Wellershaus, Paul Baskerville, ... heute muß man dafür bis Mitternacht aufbleiben oder NDR Blue hören. Jump käme bei mir nicht in Frage, weil ich mich nicht primitiv anprollen lasse von schleimigen, klebrigen gute-Laune-Dauergrinsern. Und weil mich die so schrecklich arme Welt der Zielgruppe dermaßen anwidert.

Zitat
DX-Fritz
Das hieße, wenn die Haushaltsabgabe nur 1 € pro Monat höher wäre, könnten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sofort auf die Werbung verzichten! Ach wie gerne würde ich diesen einen Euro berappen, wenn diese nervige Werbung bei den öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sendern entfallen würde!!!


Ich habe mit der Werbung kein Problem, zumindest nicht, solange ich nicht zum "Passivhören" genötigt werde (Schwimmbad, Friseur). Im Schwimmbad hatte ich schon einen Störsender mit, ins Handtuch eingewickelt im Regal direkt neben dem Raum, in dem das Radio steht. Selbiges hängt leider an einer Außenantenne oder einem Kabelanschluß, ich konnte das Geplärre auf keiner der in Frage kommenden Frequenzen wegdrücken.

Privat wie gesagt kein Problem: die Kulturprogramme sind fast alle werbefrei und auf Bayern 2 ist die Werbung 3 mal am Tag, davon 2 mal nur 2 Minuten. Nicht schön, kann gerne weg, aber auch keinW eltuntergang - der Rest des Programms ist sauber. Im TV nervt es kurz vor der Tagesschau, da ich mir aber deren Hofberichterstattung sowieso nicht gebe, ... später wäre nur Sponsoring, das bitte auch weg. Aber da ich so selten TV schaue (besitze keinen), ist mir das auch wurscht.

War letztens bei den Nachbarn, da läuft immer der 60-Zöller und manchmal noch der "kleine" 50er im Schlafzimmer. Da habe ich mal wieder grellbunte Bilder gesehen. Privat-TV. Eklig quäkige Frauen"stimmen" preisen arrogant irgendwelche wertlosen Produkte an und werben für eine künstliche, bedauernswerte Existenz, die von den Menschen dann mit "Leben" verwechselt wird. Bin schnell wieder weg, nachdem das geklärt war, was zu klären war. Ist nicht meine Welt. Kann aber so bleiben, ich gehe dem einfach aus dem Weg.

von Chris_BLN - am 31.12.2014 10:32
Zitat
Chris_BLN
Wenn sie damit nur 5 oder 10% der Bevölkerung erreichten, spräche das gegen den Zustand der Gesellschaft, aber nicht unbedingt gegen den Zustand der Öffis.

Dann müssten sich die Öffis einfach ein neues Volk suchen und neu starten :D

Ok, in der DDR hat das für die greise ZK-Führung mit dem neuen Volk suchen dann doch nicht mehr so ganz geklappt.

Und auch die Kirchen, Parteien oder Gewerkschaften haben ähnliche Probleme, dass sich ganze Teile der Gesellschaft darin nicht wieder finden.
Die können sich an die Wirklichkeit anpassen, oder sich auch ein neues Volk suchen.

Die deutschen Öffis haben als Auftrag Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Und nicht nur die 3 ersten Sachen.
Und Unterhaltung, oder was man darunter verstehen will, ändert sich nun mal im Lauf der Zeit. Das was hier als Primaten-Dudelfunk verteufelt wird, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, ist nun mal das, was sich derzeit die große Mehrheit unter Unterhaltung vorstellt. Ansonsten würden sie es nicht anhören und lieber Bayern 2 lauschen.

Und dann solltest du dir mal klar machen, dass es bei den elektronischen Medien heute nicht mehr nur Radio ("Rundfunk") und Fernsehen gibt. Und dass sich auch die Empfangsmöglichkeiten gegenüber den 1970er Jahren geändert haben.
Außerdem sollte dir bewusst sein, dass sich die Bedeutung des Mediums Radio auch deutlich verändert hat.

von Schwabinger - am 31.12.2014 11:59
@ Chris_BLN

Zitat

Dazu muß man nicht nachdenken, da muß man nur in die Media-Analyse schauen: 85% wollen genau das. Davon sind 50% bei den Privaten und 35% bei den Öffi-Privat-Nachahmern.


Wie sehr ist die Media-Analyse eigentlich ernst zu nehmen? Irgendwie kommt es einem so vor, daß nach jeder Media-Analyse jeder kommerzielle und pseudo-öffentlich-rechtliche Radiosender (MDR Jump...) behauptet, er sei der meistgehörte Radiosender im Zielgebiet. Es scheint fast so, als wäre die Media-Analyse nur dazu da, der Werbewirtschaft einen starken Dudelsendermarkt vorzugauckeln.


Zitat

Es gäbe keine Probleme, die auch zu den Privaten wechseln zu lassen - bis zu der Lösung, diese Öffis zu privatisieren, hätte ich keine Probleme damit.


:spos:



@ Schwabinger

Zitat

Und Unterhaltung, oder was man darunter verstehen will, ändert sich nun mal im Lauf der Zeit. Das was hier als Primaten-Dudelfunk verteufelt wird, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, ist nun mal das, was sich derzeit die große Mehrheit unter Unterhaltung vorstellt.


Ist das wirklich so? Wie gesagt, man hat letztlich im deutschen Radiomarkt größtenteils nur die Auswahl zwischen den beiden Extremen Bildungselitenfunk einerseits und Dudelfunk andererseit. Dazwischen klafft eine sehr große Lücke, die nur von ein paar Spartensendern gefüllt wird.

Oder anders gesagt: Der Dudelfunk ist so stark, weil es im Unterhaltungsbereich einfach nichts weiter gibt.

Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, wieso nicht gerade wenige Leute sich ein Internetradio anschaffen oder per eigenem Archiv berieseln lassen.

von Kay B - am 31.12.2014 13:52
Zitat
Schwabinger
Dann müssten sich die Öffis einfach ein neues Volk suchen und neu starten :D

Ok, in der DDR hat das für die greise ZK-Führung mit dem neuen Volk suchen dann doch nicht mehr so ganz geklappt.

Und auch die Kirchen, Parteien oder Gewerkschaften haben ähnliche Probleme, dass sich ganze Teile der Gesellschaft darin nicht wieder finden.
Die können sich an die Wirklichkeit anpassen, oder sich auch ein neues Volk suchen.


Ich kenne diese Haltung und ich weiß auch, wo sie hinführt. Die Wirklichkeit ist sehr einfach (sonst wäre es nicht für die Mehrheit eine verständliche Wirklichkeit): maximaler Spaß bei minimalen Kosten, eigene Passivität und andere mögen bitte die Drecksarbeit machen. Das Ding geht bloß nach hinten los, da eine kulturlose, in die Barbarei abrutschende Gesellschaft wichtige Stützen verlieren wird. Einzelfälle erlebt man heute schon, wenn man aufmerksam ist. Meine Heimatstadt kam voriges Jahr in die Schlagzeilen, weil anläßlich der Eröffnung einer neuen Augenarztpraxis eine Schlange von 400 (!) Termin-Begehrenden die Straße lang stand. Die Ärztin hat die Stadt inzwischen wieder verlassen. Das schaffte es dann schon nicht mehr in die Schlagzeilen. Das passiert leise. Auf diesem Wege werden ganze Landstriche austrocknen, da es am Ende kaum noch Ärzte, kaum noch Lehrer usw. geben wird. Nicht jeder ist bereit, sich komplett in seine inneren Kreise zurückzuziehen und auch auf die letzten Reste von Alltagskultur zu verzichten.

Ich mache auch keinen Hehl daraus: ich halte nichts von Demokratie. Aus einem ganz einfachen Grund: eine Demokratie führt, wenn nur die Wählermehrheit nach einer gewissen Zeit zu Verbrechern mutiert ist, zu einem "legalen Unrechtssystem". Die Sache läuft in Deutschland derzeit beschleunigt an. Demokratie ist eine Idealvorstellung, die von demokratiefähigen, allseits gebildeten Menschen ausgeht. Davon sind wir immer weiter entfernt. Daß bei uns (wohl aus Gründen der vollständigen Vermarktbarkeit) nur noch die MINT-Fächer Bedeutung haben, beschleunigt die Sache noch.

Wir leben nicht mehr in der Nachkriegszeit, in der die Menschen nach Frieden und Kultur dürsteten. Wir leben in der Vorkriegszeit, die zunehmend in eine Kriegszeit übergeht. Die Wirklichkeit heißt leider: die Mehrheit der Menschen ist dermaßen seelisch (das ist der Kern und darüber spricht fast niemand, weil es gar nicht mehr aufflllt) degeneriert, daß mit ihnen keine gesunde Zukunft zu machen ist. Es wird dann halt eine andere Zukunft geben. Eine, die für bestimmte Personenkreise eine ausdrückliche Ausladung darstellt.

Man muß dieser Realität ins Auge sehen. Wenn es den Anständigen (die heute schon als "Gutmenschen" verhöhnt werden) nicht gelingt, bestimmte Angebote für die Gesellschaft zu erhalten (ich erachte einen hochwertigen (!!!) öffentlich-rechtlichen Rundfunk als zugehörig, aber nicht als das einzige, es gehören noch Theater, Opernhäuser, Museen, ... dazu - alles, was sich nur in der Gemeinschaft finanzieren läßt), wird es bald ganz finster. Es wäre geschichtlich auch nichts neues, wenn wieder ganze Bevölkerungsgruppen ein Land verlassen würden, weil dort kein Leben mehr möglich ist. Die Entscheidung obliegt uns.

Zitat
Schwabinger
Die deutschen Öffis haben als Auftrag Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Und nicht nur die 3 ersten Sachen.


Können sie gerne machen. Gar kein Problem.

Zitat
Schwabinger
Und Unterhaltung, oder was man darunter verstehen will, ändert sich nun mal im Lauf der Zeit. Das was hier als Primaten-Dudelfunk verteufelt wird, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, ist nun mal das, was sich derzeit die große Mehrheit unter Unterhaltung vorstellt.


Da mag ich gar nicht streiten. Es ist so. Es führt aber auch zu all dem, worüber man nur noch den Kopf schütteln kann. Es führt z.B. dazu, daß Unternehmen keine geeigneten Bewerber für Lehrstellen mehr finden, weil nach abgeschlossener Schule weder halbwegs sauberes Deutsch noch elementarste Rechenkenntnisse (es geht da gar nicht mal um "Mathematik" ) noch akzeptable Ausdrucksformen vorhanden sind. Es gibt Gegenden in diesem Land, da schaffen all das nur noch die Türkenkinder, weil die noch was aus sich machen wollen und weil ihre Eltern darauf achten, daß das auf einen guten Weg kommt. Die Deutschen sind da bereits komplett aufgegeben worden, da ist nichts mehr zu erwarten. Und andernorts kann das Straßenbild dermaßen abschrecken, daß sich Menschen dazu entscheiden, bestimmte Regionen zu meiden, also dort auch nicht zu arbeiten usw. So sterben die verwarlosten Gebiete intellektuell komplett aus. Nennt man Brain Drain, läuft vor allem im Osten Deutschlands massiv. Aber die sind alle gut unterhalten, immerhin.

Zitat
Schwabinger
Und dann solltest du dir mal klar machen, dass es bei den elektronischen Medien heute nicht mehr nur Radio ("Rundfunk") und Fernsehen gibt.


Weiß ich. Auch, wenn es Gegenden gibt, in denen Breitband-Internet nicht bzw. nur mit Volumen-Restriktionen verfügbar ist. Aber sei Dir versichert: von den meistgenutzten Angeboten im Netz bin ich auch nicht sonderlich überzeugt, daß sie einen hochwertigen Beitrag zur Menschheitsentwicklung leisten. Nischenangebote können dies - nur findet die halt fast niemand. Sie können auch nicht Menschen verbinden, da sie aufgrund ihres Nischencharakters auf Einzelfall-Wahrnehmung beschränkt bleiben. Eine intakte Gemeinschaft ist aber Grundvoraussetzung für langfristig überlebensfähige Zivilisationen - dummerweise stellen wir uns unter "Gemeinschaft" nur noch sowas wie Facebook vor. Dazu hier ein feiner Artikel: http://www.cicero.de/salon/10-jahre-facebook-kommunikation-mit-dem-nichts/56998

Zitat
Kay B
Wie sehr ist die Media-Analyse eigentlich ernst zu nehmen?


Man kann sie gerne anzweifeln und es gibt gute Argumente, dies zu tun. Entscheidend ist aber für dieses Gewerbe, daß sie als "die Währung" gilt. Sie entscheidet über den Preis der Werbeminute, sie entscheidet bei den Öffis über "weiter so" oder "noch paar Sendungen plattmachen".

Man kann die MA lässig manipulieren, nichtmal unbedingt absichtlich, sondern weil die Erinnerung uns austrickst. Die MA wird telefonisch ermittelt und was ich gestern wann "gehört" (= eingeschaltet) habe, ist Sache der Erinnerung und kann täuschen. Warum ballern einen die Müllprogramme mit Claims zu? Damit der Spruch im Hirn bleibt und im passenden Moment abrufbar ist. Hinzu kommen riesige Schwankungen aufgrund der eher geringen Anzahl an Befragten. Einer mehr für ein kleines Programm und schon hat es 1000 Hörer mehr und gewinnt vielleicht 10%.

Zitat
Kay B
Irgendwie kommt es einem so vor, daß nach jeder Media-Analyse jeder kommerzielle und pseudo-öffentlich-rechtliche Radiosender (MDR Jump...) behauptet, er sei der meistgehörte Radiosender im Zielgebiet. Es scheint fast so, als wäre die Media-Analyse nur dazu da, der Werbewirtschaft einen starken Dudelsendermarkt vorzugauckeln.


Gauckeln kommt von Gauck, stimmts? ;)

Ja, die MA dient vor allem dazu, sich für die Werbetreibenden hübsch zu machen. Noch glauben die offenbar daran, daß alles so ist, wie es behauptet wird. Es gab (und gibt sicher auch noch) begleitende Untersuchungen zur Wirksamkeit von Radiowerbung. Erinnert sich noch jemand an die "Waren an der Müritz ist ne fette Chillout-Zone"-Spots? Man hat vor der (herrlich schrägen) Kampagne und danach Umfragen gemacht zum Bekanntheitsgrad des Städtchens an der Müritz. Es gab soweit ich mich erinner deutliche Steigerungen.

Was das "wir sind der meistgehörte Sender" / "wir haben den größten Zuwachs" betrifft: es werden so viele Zahlen und Unterkriterien erhoben, daß irgendwas fast immer paßt. Dann ist man halt Marktführer bei den alleinstehenden Frauen über 50 mit Kindern im Kindergartenalter. Oder so. Die PMs sind oft herzzerreißend komisch.

von Chris_BLN - am 31.12.2014 19:56
Und los geht die einseitige und vorgefärbte Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen wenn es um sie selbst geht. :-(

Alleine schon die Tatsache, daß man sich ausschließlich einen Gesprächspartner des Deutschen Journalistenverbandes ausgesucht hat, der natürlich schön brav im Sinne der Öffentlich-Rechtlichen argumentiert, spricht für sich. Da hat man sich bei der Aktuellen Kamera einiges abgeguckt.

Hendrik Zörner: "(...) eine Diskussion über die Rundfunkgebühren vom Zaun brechen wollen. Eine Diskussion, die völlig überflüssig ist."
--> Oder anders gesagt: Der Haushaltsabgabenzahler möge die jetzige Situation bitte keinesfalls in Frage stellen, den Mund halten und weiterzahlen.

Hendrik Zörner: "Wir haben nämlich eine lange Debatte darüber hinter uns, wie der Rundfunkbeitrag aussehen soll, wie er geregelt sein soll."
--> Die eher im versteckten Kämmerlein unter fraglichen Rahmenbedingungen als "Geschenk" der Ministerpräsidenten für die Öffentlich-Rechtlichen ohne Mitbeteiligung der Haushaltsabgabenzahler ausgehandelt wurde. Und daß dieses "Geschenk" der Ministerpräsidenten an die Öffentlich-Rechtlichen ohne Gegenleistung seitens der Öffentlich-Rechtlichen bleibt, ist sehr unglaubwürdig. Oder anders gesagt: Das riecht sehr stark nach Ausrichtung der Öffentlich-Rechtlichen zur Hofberichterstattung der Ministerpräsidenten, die obendrein durch die Allgemeinheit finanziert wird.

Hendrik Zörner: "Aber diese Rundfunkanstalten die machen Journalismus."
--> Das tat man in der Masurenallee von 1933 bis 1945 und Adlershof sowie in der Nalepastraße bis zum Herbst 1989 auch.

Der Gesamttenor dieses Interviews ist also Mund halten, bloß nicht selbst anfangen zu denken und schön weiterzahlen. :-(

von Kay B - am 03.01.2015 14:24
@ ulionken

Zitat

Fallen nach Deiner Meinung die Propagandamaschinerien der Nazis und der kommunistischen Diktaturen unter den Begriff "Journalismus" ?


Man konnte damals zumindest Journalismus studieren und hatte dann auch als Journalist gearbeitet. Ob das dann bedeutet, wirklich unabhängig, unvoreingenommen, ausgewogen, neutral und objektiv zu berichten oder es nach dem Motto "Wessen Brot ich freß, dessen Lied ich sing..." geht, steht auf einem anderen Blatt. Meiner Meinung nach gab es ersteres weder bei den Nazis, noch während der SED-Diktatur und heute gibt es das immer noch nicht. Mehr wollte ich damit nicht sagen. Also nicht gleich überreagieren. ;-)


Zitat

Dann bin ich allerdings froh um die Haushaltsabgabe, die über die Öffis wenigstens einen journalistischen Mindeststandard ermöglicht, in dem auf solche Vergleiche verzichtet wird.


Und dieser "journalistische Mindeststandard" sieht nicht vor, bei so einem Beitrag, wie dem des WDR, mal zu erwähnen, wieso die Haushaltsabgabe überhaupt in der Kritik steht, was daran nicht in Ordnung ist und was noch zu verbessern ist?

In jeder Diskussion und in jedem Beitrag gehören Pro und Contra gleichermaßen berücksichtigt. Das funktioniert in diesem Forum eigentlich ganz gut, daß alle Seiten zu Wort kommen. Auch wenn manche, die die Meinungen anderer nicht akzeptieren können, gerne mal herablassend werden. Die Öffentlich-Rechtlichen schaffen das bei einigen Themen aber irgendwie nicht, gleichermaßen Pro und Contra zu Wort kommen zu lassen oder überhaupt zu erwähnen. Die für sie unbequemen Argumente werden einfach völlig ausgeblendet.



@ DH0GHU

Zitat

Uli,
richtiger Journalismus wird eben nur von libertären Freigeistern gemacht, die keiner Organisation angehören, die von irgendwoher kontrollierbar ist, schon garnicht von einem Staat. Auch nciht von einem demokratischen Staat, denn der ist ja auch nur eine Mehrheitsdikatur in den Augen von Libertären. Versetze Dich in deren verschrobenes Weltbild hinein, kombiniere es mit den Interessen von Wirtschaftsliberalen, und Du wirst diesen Unsinn von Kay schon ein bischen besser verstehen :-)
Man darf diese Leute nur nicht ernst nehmen, dann ist das ok ;-)


Und das meine ich mit herablassend werden. Wenn du jemandem, der mit dir nicht einer Meinung ist, gleich ein "verschrobenes Weltbild" unterstellst und seine Argumente gleichmal pauschal als Unsinn deklarierst, dann hat das nichts mehr mit Argumentation zu tun.

Erkläre mir bitte mal, wieso ich zu einem "Libertären" werde, nur weil ich die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen in ihrer jetzigen Form kritisiere? Das würde ja bedeuten, es gäbe nur entweder Haushaltsabgabe oder RTL & Co.? Es geht mir nicht um die Abschaffung oder Öffentlich-Rechtlichen, sondern um dieses seltsame Finanzierungsmodell und um die Inhalte.

Die Haushaltsabgabe in ihrer jetzigen Form hat nunmal sehr viele Schieflagen (unsozial, unabhängig von der Haushaltsgröße, Benachteiligung derer mit Mehrfachwohnsitz, Verdacht der Gefälligkeiten in der politischen Berichterstattung, Benachteiligung von Radio- und Fernsehverweigerern...) und wird solange ein Thema bleiben, bis daran gearbeitet wurde.

von Kay B - am 03.01.2015 16:25
ich wuerde es schon als "Reform" ansehen, wenn man Fernsehgebuehren auch NUR DANN verlangt, wenn jemand auch ein Fernsehen hat, und nicht "rein theoretisch" Fernsehen empfangen koennte.

Hat jemand einen Computer und nutzt den nicht fuers Fernsehen, sollten auch keine Gebuehren anfallen.

Auch wuerde ich mir wuenschen, wieder die Option "nur Radio" bei den Rundfunkgebuehren vorzusehen.

Alleine dies wuerde schon eine Reform darstellen.

Eine weitere Reform wuerde ich auch sehen, wenn der oeffentlich rechtliche Rundfunk sich im Fernsehen auf etwa 3 bis 4 Programme beschraenken wuerde, und nicht endlos viele Spartenkanaele betreibt, und unsinnig hohe Gebuehren versucht dadurch zu rechtfertigen.

ARD, ZDF, in Drittes Regionalfernsehen, und vielleicht noch ein 4. Programm, das ist genug.

Die derzeitige Haushaltsabgabe kostet an die 200 Euro im Jahr, diesen Betrag empfinde ich, fuer dass was heute geboten wird, extrem hoch. Es ist eine reine "Abzocke". Selbst die BBC kann das besser und billiger, zumal Radio kostenlos ist, - allerdings nicht so sehr regionalisiert, wie in Deutschland, (HR, BR, SWR, NDR, etc...)

Ein Betrag um die 120 bis 130 Euro pro Jahr, waere wirklich fair, so fair, dass es auch der Kunde als fair empfindet, bzw. etwa 50 Euro pro Jahr fuer das Radio alleine.

von 102.1 - am 03.01.2015 16:39
Zitat
Kay B
Man konnte damals zumindest Journalismus studieren und hatte dann auch als Journalist gearbeitet. Ob das dann bedeutet, wirklich unabhängig, unvoreingenommen, ausgewogen, neutral und objektiv zu berichten oder es nach dem Motto "Wessen Brot ich freß, dessen Lied ich sing..." geht, steht auf einem anderen Blatt. Meiner Meinung nach gab es ersteres weder bei den Nazis, noch während der SED-Diktatur und heute gibt es das immer noch nicht. Mehr wollte ich damit nicht sagen. Also nicht gleich überreagieren. ;-)


Sorry, aber mit Deiner Behauptung "heute gibt es das immer noch nicht." sind Du und ich wirklich grundsätzlich anderer Meinung, und ich sehe nicht, dass ich da überreagiert habe.

Es gibt bei den Journalisten in der schreibenden Zunft, im Hörfunk und im TV welche, die vor allem das Lied des Arbeitgebers singen, aber es gibt auch solche, die beharrlich nachfragen, auch wenn im eigenen Haus ein anderer politischer Wind weht. Das war schon beim Regierungswechsel 1982 beim damals schwarzen DLF so, und auch heute gibt es in den tagesaktuellen Sendungen der Öffis tagtäglich Beispiele für guten Journalismus, die in einem diktatorischen System zur sofortigen Kündigung führen würden.


Zitat
Kay B
Zitat

Dann bin ich allerdings froh um die Haushaltsabgabe, die über die Öffis wenigstens einen journalistischen Mindeststandard ermöglicht, in dem auf solche Vergleiche verzichtet wird.


Und dieser "journalistische Mindeststandard" sieht nicht vor, bei so einem Beitrag, wie dem des WDR, mal zu erwähnen, wieso die Haushaltsabgabe überhaupt in der Kritik steht, was daran nicht in Ordnung ist und was noch zu verbessern ist?

In jeder Diskussion und in jedem Beitrag gehören Pro und Contra gleichermaßen berücksichtigt. Das funktioniert in diesem Forum eigentlich ganz gut, daß alle Seiten zu Wort kommen. Auch wenn manche, die die Meinungen anderer nicht akzeptieren können, gerne mal herablassend werden. Die Öffentlich-Rechtlichen schaffen das bei einigen Themen aber irgendwie nicht, gleichermaßen Pro und Contra zu Wort kommen zu lassen oder überhaupt zu erwähnen. Die für sie unbequemen Argumente werden einfach völlig ausgeblendet.


In dem Interview wurde die Meinung des DJV-Vertreters zum auch hier diskutierten Gutachten erfragt und hinterfragt. Er hat zu Recht darauf verwiesen, dass es um ein Gutachten aus rein finanzierungstechnischer Sicht handelt und die Autoren praktisch alle aus dem neoliberalen Umfeld kommen. Das lässt sich wohl kaum bestreiten, wenn man sich die Namenliste auf Seite 40 des Gutachtens ansieht und ein wenig recherchiert, welche Professoren sich dahinter verbergen. Ich habe allerdings beim sechsten oder siebten Namen in der Liste aufgehört...

Wieso müssen in einem Interview, d.h. im gleichen Beitrag, Pro und Contra gleichermassen zu Wort kommen? In Interviews dominiert nun mal die Meinung des Interviewten, und es ist Aufgabe des Journalisten, die Gedankengänge herauszuarbeiten und idealerweise Widersprüche darin aufzudecken. Der Hörer bildet sich seine Meinung aus den Interviews verschiedener Meinungsrichtungen.

Ich würde allerdings vom WDR erwarten, dass er es bei diesem Thema nicht bei diesem einen Interview bewenden lässt, sondern auch jemanden vom Wirtschaftsministerium interviewt, ihn z.B. nach den Motiven hinter dem Gutachten befragt und mit den Äusserungen des DJV-Vertreters konfrontiert.

In einem Punkt hat das Gutachten nach meiner Meinung Recht: Die Knappheit von Sendekapazitäten kann heute anders als vor 60 Jahren nicht mehr als Begründung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk herhalten. Es gibt offensichtlich genügend Platz für Dutzende bis Hunderte von Programmen.

Das heisst nicht, dass es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr braucht. Im Gegenteil, der privat finanzierte Rundfunk versagt nach meiner Meinung so ziemlich bei allem, was über Hitradios, massenwirksame Unterhaltung im TV und kommerzielle Sportsendungen hinausgeht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk würde sich einen Dienst erweisen, wenn er an einer vernünftigen, zeitgemässen Begründung für seine Existenz arbeitet und nicht nur auf die Diskussionen zur Haushaltsabgabe bei den Ministerpräsidenten verweist. Gründe gibt es genug, warum stellt man sie nicht mal plakativ als "Gegengutachten" zusammen?

Ich finde die Haushaltsabgabe auch nicht als zu hoch, würde mir aber mehr Spartenprogramme (z.B. Musik), mehr anspruchsvolle Unterhaltung (z.B. Produktionen, wie sie die BBC immer wieder anbietet) und mehr Hintergrund-Journalismus wünschen - wegen mir zu Lasten von teuren Sportrechten, trivialer Unterhaltung und Hitdudlern.

73 de Uli

von ulionken - am 03.01.2015 17:55
@ hegi_ms

Zitat

Das rechtfertigt aber noch lange nicht den Vergleich mit totalitären Systemen.


Der Vergleich kam daher, weil mich eben die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen zu einigen Themen sehr stark an die Berichterstattung der Aktuellen Kamera erinnert. Also daß eben so extrem einseitig berichtet wird, daß dem Zuseher oder Zuhörer eine bestimmte Meinung regelrecht aufgedrückt werden soll. Wie eben schon erwähnt beim obigen WDR-Bericht. Da ging alles in die Richtung, daß die Haushaltsabgabe keinesfalls in Frage gestellt werden darf. Kein Pro und Contra. Keine Ansatzpunkte, wo der Zuhörer selbst drüber nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden soll. Ein Gesprächspartner, der nur die den Öffentlich-Rechtlichen bequemen Argumente wiedergibt. Alles nur eine klare, vorgefertigte Linie.


Zitat

Die Privaten habe ich erwähnt, da sie doch eine erhebliche Konkurenz zu den öffentlich-rechtlichen Medien darstellen. Sie hätten doch die Möglichkeit, wie du es forderst "wirklich unabhängig, unvoreingenommen, ausgewogen, neutral und objektiv zu berichten", und damit zu beweisen, dass sie den besseren Journalismus darstellen.


:joke: Schön wäre es. Die Privaten sehen nur Möglichkeiten der Gewinnmaximierung. Die Inhalte dazu sind nur Mittel zum Zweck. Deswegen ist es ja auch so schlimm, daß die Öffentlich-Rechtlichen diesen Inhalten noch hinterheräffen. Nur eben auf Kosten der Allgemeinheit.

Dann kommt halt noch hinzu, daß der Privatfunk nur aufgrund bestimmter Parteien groß werden konnte. Eine Hand wäscht die andere. Ist aber bei den Öffentlich-Rechtlichen leider auch so, daß da sehr viele Parteienvertreter in hohen Positionen vertreten sind. Und da wäscht auch eine Hand die andere. :-( Bei letzterer Einrichtung hat die Politik rein gar nichts verloren.

von Kay B - am 03.01.2015 17:59
@ ulionken

Zitat

Es gibt bei den Journalisten in der schreibenden Zunft, im Hörfunk und im TV welche, die vor allem das Lied des Arbeitgebers singen, aber es gibt auch solche, die beharrlich nachfragen, auch wenn im eigenen Haus ein anderer politischer Wind weht.


Alleine schon, daß in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt überhaupt irgendein politischer Wind weht, gibt einem echt zu denken. Da dürfte politisch überhaupt nichts wehen.


Zitat

Er hat zu Recht darauf verwiesen, dass es um ein Gutachten aus rein finanzierungstechnischer Sicht handelt und die Autoren praktisch alle aus dem neoliberalen Umfeld kommen.


Bevor ich gleich wieder in irgendeine Schublade gesteckt werde, ich bin kein Neoliberalist. Aber der Standpunkt dieser Autoren sollte genau so Berücksichtigung finden, wie der Standpunkt der Haushaltsabgabenbefürworter (in der jetzigen Form) berücksichtigt wurde.


Zitat

Wieso müssen in einem Interview, d.h. im gleichen Beitrag, Pro und Contra gleichermassen zu Wort kommen?


Weil man sonst einfach nur noch Leute interviewen kann, die die gewünschte Meinung wiedergeben und so dem Zuhörer eine Wirklichkeit, die so nicht existiert, vorgauckelt. Aktuelle Kamera eben.


Zitat

Im Gegenteil, der privat finanzierte Rundfunk versagt nach meiner Meinung so ziemlich bei allem, was über Hitradios, massenwirksame Unterhaltung im TV und kommerzielle Sportsendungen hinausgeht.


Das ist auch nicht seine Aufgabe. Hier geht es ausschließlich um Gewinnmaximierung.


Zitat

Ich finde die Haushaltsabgabe auch nicht als zu hoch (...)


Es geht ja nicht mal um die Höhe. Es geht um das Finanzierungssystem an sich. Hätte man es sich hier nicht so extrem einfach gemacht und dieses haushaltsgrößen- und einkommensunabhängige System eingeführt, gäbe es diese ganze Diskussion hier wahrscheinlich gar nicht.

von Kay B - am 03.01.2015 18:15
Zitat
Kay B
@ ulionken

Zitat

Es gibt bei den Journalisten in der schreibenden Zunft, im Hörfunk und im TV welche, die vor allem das Lied des Arbeitgebers singen, aber es gibt auch solche, die beharrlich nachfragen, auch wenn im eigenen Haus ein anderer politischer Wind weht.


Alleine schon, daß in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt überhaupt irgendein politischer Wind weht, gibt einem echt zu denken. Da dürfte politisch überhaupt nichts wehen.


Ein politischer Wind weht doch überall, wo Du hinguckst. Wie willst Du das verhindern? Entscheidend ist, dass der Journalist seine Arbeit machen kann, ohne dass er wegen "Gegenwind" um seinen Job fürchten muss. Klar, solche Fälle gab es (Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur als prominentes Beispiel), aber die Regel ist es zum Glück nicht.


Zitat
Kay B
Zitat

Er hat zu Recht darauf verwiesen, dass es um ein Gutachten aus rein finanzierungstechnischer Sicht handelt und die Autoren praktisch alle aus dem neoliberalen Umfeld kommen.


Bevor ich gleich wieder in irgendeine Schublade gesteckt werde, ich bin kein Neoliberalist. Aber der Standpunkt dieser Autoren sollte genau so Berücksichtigung finden, wie der Standpunkt der Haushaltsabgabenbefürworter (in der jetzigen Form) berücksichtigt wurde.


Der Standpunkt der Autoren wurde erwähnt, ein Gegenstandpunkt kam aus dem DJV-Interview. Wo ist da das Problem? Wie erwähnt, ich würde ein weiteres Interview eines BMWi-Vertreters erwarten.


Zitat
Kay B
Zitat

Wieso müssen in einem Interview, d.h. im gleichen Beitrag, Pro und Contra gleichermassen zu Wort kommen?


Weil man sonst einfach nur noch Leute interviewen kann, die die gewünschte Meinung wiedergeben und so dem Zuhörer eine Wirklichkeit, die so nicht existiert, vorgauckelt. Aktuelle Kamera eben.


Nein, das tut man nicht. In der AK wurden nur Leute aus einer gewollten Richtung interviewt und andere konsequent geschnitten. Ich bestreite, dass das beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk so ist. Im DLF, WDR oder SWR kommen Leute verschiedener Parteien und Meinungsrichtungen zu Wort. Mit etwas Erbsenzählerei wird man wahrscheinlich pro Anstalt unterschiedliche Gewichte finden, aber was soll's?


Zitat
Kay B
Zitat

Im Gegenteil, der privat finanzierte Rundfunk versagt nach meiner Meinung so ziemlich bei allem, was über Hitradios, massenwirksame Unterhaltung im TV und kommerzielle Sportsendungen hinausgeht.


Das ist auch nicht seine Aufgabe. Hier geht es ausschließlich um Gewinnmaximierung.


Richtig. Aber dann braucht es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, damit all die Lücken gefüllt werden, die beim Prinzip der Gewinnmaximierung offen bleiben.

Zitat
Kay B
Es geht ja nicht mal um die Höhe. Es geht um das Finanzierungssystem an sich. Hätte man es sich hier nicht so extrem einfach gemacht und dieses haushaltsgrößen- und einkommensunabhängige System eingeführt, gäbe es diese ganze Diskussion hier wahrscheinlich gar nicht.


Wenn man alles möglichst "gerecht" machen will, dann wird es beliebig kompliziert. Ich bin auch hier anderer Meinung als Du und finde bei knapp 20 € im Monat die extrem einfache Lösung als die bessere. Es ist klar, dass man in dem Punkt auch anderer Meinung sein kann. Die Tendenz des Gutachtens geht im übrigen doch erheblich weiter als die Erhebungsgrundlage für die Öffi-Gebühr: "gibt es kaum noch Gründe, warum der Rundfunkmarkt wesentlich anders organisiert sein sollte als der Zeitungsmarkt" (auf Seite 6).

73 de Uli

von ulionken - am 03.01.2015 18:46
Bedenkt bitte die Solidargemeinschaft, jeder zahlt und bekommen eine Menge dafür. Was bekommt man bei den Wettbewerbern dafür?

Was kostet ein Zeitungsabo? Die waren früher sehr verbreitet, auch ohne Zwang. Die Leute kündigen, weil die Zeitung sich den Begebenheiten nicht angepasst hat. Alles was im Mantel steht, wurde einen Tag zuvor im Radio und Fernsehen gesagt. Die Artikel sind immer kürzer, Vertiefung ins Thema findet in der Regionalzeitung nicht mehr statt. Den Mantel braucht kein Mensch, das Lokale ist das Alleinstellungsmarkmal, aber weil es teuer ist, wird es knapp gehalten. Den Mantel kann man einmal in der Zentralredaktion erstellen und mit verschiedenen Layouts Bundesweit unter verschiedenen Titel verkaufen. Wird es auch bei ARD und ZDF so sein und wir werden darauf eingestimmt? Kommt 1LIVE demnächst aus Berlin? Kein Regionalbezug mehr?

Nehmen wir mal eine Regionalzeitung wie die Neue Westfälische aus Bielefeld, die es nur montags bis samstags gibt für 28,90 € oder als E-Paper für 19,90 €. ARD und ZDF gibt es 7 Tage die Woche rund um die Uhr, Zeitung nur einmal am Tag auf Papier oder als E-Paper.

Abo bei Sky beginnt bei 12,90 € für das Starter Paket mit 20 Themensendern, andere Pakete sind gleich doppelt so teuer, wie die Haushaltsabgabe von ARD und ZDF.

ARD und ZDF ungefähr

  • 20 Fernsehprogramme
  • 55 Hörfunkprogramme
  • 16 Orchester, 8 Chöre, die die Länder nicht nach dem 2. Weltkrieg nicht unterhalten konnten und die es heute nicht mehr gebe, die aber wichtige Bildungsarbeit in einem Kulturland leisten.
  • Korrespondentennetz in der ganzen Welt


Wer bietet das noch?

Den Vergleich mit HD+ schenke ich mir. Auch die 60 Euro für HD+ müssen die Menschen irgendwie einplanen. Sinkt der Rundfunkbeitrag, dann wird die Verlockung groß sein HD+ zu abonnieren. Den Politikern passt es, denn auf die HD+-Gebühr entfällt eine MwSt. auf die „GEZ“ nicht.

Nur wozu brauch ich noch die Zwischenhändler, also die privaten Fernsehsender? Ist es nicht so, dass über Unternehmen aus den USA ich an den Content genauso komme? Klar nicht umsonst, aber ohne Werbung.

Was heißt denn "gibt es kaum noch Gründe, warum der Rundfunkmarkt wesentlich anders organisiert sein sollte als der Zeitungsmarkt"?

Bedeutet es, dass es nur noch überall Monopole geben soll, wie es bei der Zeitung bereits gibt?
Eine Stadt = eine Zeitung = ein privates Lokalradio, dass dem Verleger gehört = ein lokales Nachrichtenportal, das auch dem Zeitungsverleger gehört = eine Meinung? Stören ARD und ZDF bei der Einführung der Bezahlschranke im Internet? Sind die öffentlich-rechtlichen weg, kann dann fröhlich für jeden Artikel-Zugriff im Internet abkassiert werden?

Was glaubt Ihr wie lange es noch Nachrichten im Internet kostenlos gibt? Die größte Konkurrenz der Zeitungen ist die ARD, die auch einige Lokalnachrichten aufgreift. Die Verleger glauben, wenn die Menschen für ARD und ZDF nicht bezahlen, werden sie für die Zeitung und ihre Portale bezahlen. Das ist der einzige Grund dafür. Wir haben eine massive Marktverschiebung auf dem Zeitungsmarkt. Der Markt wird erneut neu aufgeteilt, so dass es kaum noch Konkurrenz gibt. Es entstehen lokale Zeitungsmonopole. Betroffen sind nicht nur Kreise, sondern auch Großstädte. Die Tendenz hat in den letzten Monaten an Geschwindigkeit zugenommen. Wenn zwei Titel in einer Stadt erscheinen, bedeutet es nicht, dass es zwei Verleger sind.

Hier ein Artikel aus dem Jahr 1981:
http://www.zeit.de/1981/30/wuppernachrichten

Wenn heute der öffentlich-rechtlicher Rundfunk massiv beschnitten wird, dann stehen wir in eine paar Jahren vor einem Trümmerfeld. Die Umverteilung des Geldes wir nicht zu mehr Qualität führen, sondern zu noch dümmeren Programmen der Privaten.

Bei Eurer Diskussion wird vergessen, dass die Zeitungsverleger unbedingt Fernsehen und Hörfunk produzieren wollten, um ein weiteres Standbein zu haben. Wenn sie behaupten, sie können es, dann sollen sie es tun. Ich öffne meine Lauscher, stelle Privatradio ein und hören das Gegenteil.
Als die Verleger den Markt betraten, war die öffentlich-rechtliche Konkurrenz und die GEZ schon da, sie wussten worauf sie sich einlassen.

In NRW gibt es Radio NRW und 45 Lokalradios. Mit einem Anspruch gestartet, verkommt der Sender zum Festplattendudler. Pro Stunde gibt es NRW-weit nur noch zwei Wortbeiträge von 90 Sekunden. Wenn der Sender eine wochenlange Gewinnaktion durchführt, dann gibt es nur noch einen oder gar keinen Wortbeitrag mehr in der Stunde. Es gibt nur noch Werbung für die Aktion. Ihr könnt es mit 1LIVE oder WDR 2 vergleichen. Dort gibt es mehr Wort.

Wenn die Verleger Rundfunk genauso produzieren können, warum gibt es keinen deutschlandweiten privaten Nachrichtenhörfunksender? In einem Land dessen Wirtschaft belächelt wird, gibt es so einen Sender. Seit 15 Jahren sendet in Polen TOK FM ein wortlastiges Nachrichten und Talk-Programm. Die größte Tageszeitung und ein auflagenstarkes Nachrichtenmagazin betreiben den Sender gemeinsam. In Warschau ist der Sender mit 7,2 % in der Top 5 aller Hörfunksender, meistgehörter Sender ist Radio Zet mit 14,1 %. TOK FM hat nur leistungsschwache Stadtfrequenzen. Dass die deutschen Privatsender und Verleger es nicht können, zeigt sich daran, dass alle Versuche einen Informationssender über längeren Zeitraum auf dem Markt zu halten gescheitert sind.

In Bayern funktionieren private Lokalsender. Wo noch? Wie wichtig die regionale Berichterstattung der ARD ist, zeigen Quoten, die des NDRs:

Das «Nordmagazin» aus Mecklenburg-Vorpommern erreichte 2014 in seinem Bundesland im Jahresschnitt 32,0 Prozent Marktanteil und liegt damit vor allen anderen regionalen Magazinen der Bundesrepublik.
http://www.quotenmeter.de/n/75441/regionalmagazine-ndr-liegt-an-der-spitze

Dort wo sich die Menschen eine Tageszeitung nicht leisten können, springt schon heute die ARD ein. Die Privaten haben versagt. Ihr Geschäftsmodell ist gescheitert. Schade eigentlich!

von Seltener Besucher - am 03.01.2015 23:09

Re: Wissenschaftlicher Beirat: Reform/Abschaffung der Rundfunkgebühr

Der Rundfunkbeitrag (Haushalts- sowie Betriebsstättenabgabe) ist erst im Januar 2013 von den Ländern eingeführt worden. Im April 2015 wird der Beitrag gesenkt,

Es ist völlig abwegig jetzt schon eine erneute Änderung zu fordern, die einen völligen Modellwechsel beinhaltet. Steuerfinanzierung bedeutet übrigens, dass die Rundfunkfinanzierung jährlich neu festgelegt wird und von der Haushaltslage abhängig wird.

Hier eine Stimme aus der Politik von den größten Sparfüchsen in der Staatskanzlei Sachsen:

Zitat

Sachsen drängt auf weitere Einsparungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk

22.12.14 Interview mit Dr. Fritz Jaeckel, Staatsminister und Chef der Sächsischen Staatskanzlei

Sachsen will auch weiterhin in der Medienpolitik mitmischen. Wie der neue Staatskanzleichef Dr. Fritz Jaeckel in einem medienpolitik.net-Gespräch deutlich machte, will die Regierung des Freistaates auch nach dem politischen Abschied des medienpolitisch umtriebigen Kanzleichefs Johannes Beermann hier weiter Akzente setzen – auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. So zeigte sich Jaeckel unzufrieden mit dem bisher Erreichten: „Freilich hätte sich Sachsen für die Beitragsstabilität eine weitergehende Konsolidierung der digitalen Zusatzangebote von ARD und ZDF und darüber hinaus eine umfassende Neuordnung der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme gewünscht. Die Anstalten müssen weiter an der Verbesserung ihrer Ausgabenpolitik arbeiten.“ Im Zusammenhang mit dem neuen Online-Jugendangebot rechnet der sächsische Politiker mit „Kollisionen“ mit den privaten Medien. Ein „more of the same“ sollte aber vermieden werden. Die Notwendigkeit eines Jugendangebotes stellt aber auch Jaeckel nicht infrage.


Zum Interview: http://www.medienpolitik.net/2014/12/medienpolitik-wir-hatten-uns-noch-mehr-gewunscht/

von Manfred Z - am 04.01.2015 00:02
@Seltener Besucher:

:spos: :spos: :spos:

Ergänzend hierzu möchte ich auf den Wikipedia-Artikel zum Privatsender VOX, vor allem den Abschnitt 1.1 Start als Informationssender hinweisen:

Im Januar 1993 startete VOX (lat. vox = „Stimme“) sein Programm mit dem Anspruch, als ereignisorientierter Privatsender mit vielen Live-Sendungen im Nachrichten- und Informationsbereich den öffentlich-rechtlichen Sendern Konkurrenz zu machen und Fernsehsendungen zu gestalten, die sich durch ein ungewöhnlich hohes Niveau auszeichnen. Dazu hatte man sich führende Köpfe von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten geholt (u. a. Ruprecht Eser, Wibke Bruhns), von denen aber nach den schlechten Quoten keiner bei VOX blieb.
........

Das Konzept des Senders scheiterte jedoch; die ehrgeizig gesteckten Ziele (Einschaltquoten) konnten nicht erreicht werden. In der Zielgruppe 3+ konnte der Sender im Schnitt nur 0,3 % Marktanteil erreichen. Die Fachpresse wie Konkurrenten sprachen vom "Senden unter Ausschluss der Öffentlichkeit".
Zudem liefen den Programmverantwortlichen die Kosten aus dem Ruder, weil weltweit ein aufwendiges Korrespondentennetz mit entsprechender fernsehtechnischer Ausstattung zu unterhalten war.
Die Gründe des Scheiterns waren vielfältig: Die ARD hatte zuvor ihr Sendeschema umgestellt und sendete nahezu stündlich die Tagesschau, sodass der Bedarf für einen Nachrichtensender begrenzt war. Hinzu kam, dass für VOX neue Mitarbeiter eingestellt werden mussten, die nicht über ausreichende journalistische Erfahrung und sicheres Auftreten im Fernsehen verfügten.


Inzwischen gilt laut Wikipedia:

Samstags und sonntags strahlt der Sender als einziges Vollprogramm in Deutschland keine Nachrichten aus.

von hegi_ms - am 04.01.2015 00:13
Zitat
Seltener Besucher
Bedenkt bitte die Solidargemeinschaft, jeder zahlt und bekommen eine Menge dafür.

Und das ist gerade das falsche an der Haushaltsabgabe als "verkappte Steuer".
Wenn jemand keinen Fernseher hat, zahlt sie/er trotzdem.
Der Beitrag ist als eine Art Steuer einkommensunabhängig.
Leute mit Zweitwohnsitz zahlen doppelt.
Teilweise wird der Betrag doppelt oder dreifach fällig (zuhause, am Arbeitsplatz und im Hotel - obwohl jeder das Angebot nur einmal gleichzeitig nutzen kann).

Zitat

ARD und ZDF ungefähr


16 Orchester, 8 Chöre, die die Länder nicht nach dem 2. Weltkrieg nicht unterhalten konnten und die es heute nicht mehr gebe, die aber wichtige Bildungsarbeit in einem Kulturland leisten.

Warum brauchen wir unbedingt 16 Orchester und 8 Chöre? Hat die BBC oder Frankreich auch nicht. Und dass auf der Insel oder westlich des Rheins kulturelles Brachland deswegen herrscht, glaube ich nicht wirklich.
Die Zahl der Chöre und Orchester ergibt sich doch nur daraus, dass es -bis auf das ZDF (aber das irgendwie auch)- so viele regionale Öffi-Anstalten gibt, die ihren Zuschnitt und Größe im Westen im wesentlichen den Besatzungsmächten verdanken.


Zitat

Wenn die Verleger Rundfunk genauso produzieren können, warum gibt es keinen deutschlandweiten privaten Nachrichtenhörfunksender? In einem Land dessen Wirtschaft belächelt wird, gibt es so einen Sender. Seit 15 Jahren sendet in Polen TOK FM ein wortlastiges Nachrichten und Talk-Programm.

Das liegt ggf. gar nicht nur an den Verlegern, sondern daran, dass wir 16 Bundesländer haben und es deutschlandweiten Privatfunk auf UKW gar nicht gibt (und wegen dem hehren überkommenen Provinz-Verhinderungs-Förderalismus auch gar nicht geben darf, da sonst in Deutschland sofort die Demokratie auseinander bricht).

Aber irgendwie hast du hier auch recht. Die FAZ hat es einmal in 3 Großstädten probiert. Und sie hat es erdenklich schlecht gemacht und gezeigt, dass zumindest die FAZ schlichtweg kein Radio machen kann.

von Schwabinger - am 04.01.2015 09:27
Zitat
Schwabinger
Zitat
Seltener Besucher
Bedenkt bitte die Solidargemeinschaft, jeder zahlt und bekommen eine Menge dafür.

Und das ist gerade das falsche an der Haushaltsabgabe als "verkappte Steuer".

Der „Soli“ hält sich auch hartnäckig und Städte im Westen verschulden sich, um diese Abgabe zu zahlen.

Zitat
Schwabinger
Wenn jemand keinen Fernseher hat, zahlt sie/er trotzdem.

Dann hat er Radio und wahrscheinlich nicht nur eins. Ich kenne Menschen, die behaupten sie schauen nicht mehr fern, sie nutzen nur noch die Mediatheken. Man kann sich so einfach selbstbetrügen.

Zitat
Schwabinger
Leute mit Zweitwohnsitz zahlen doppelt.

Und es ist gut so, wer sich zwei Wohnsitze leisten kann, soll auch doppelt zahlen. Eigentum verpflichtet! Das ist wie früher mit der GEZ und den Kindern die im Haus der Eltern erneut GEZ zahlen sollten. Wer hat es getan? Keiner!

Zitat
Schwabinger
Teilweise wird der Betrag doppelt oder dreifach fällig (zuhause, am Arbeitsplatz und im Hotel - obwohl jeder das Angebot nur einmal gleichzeitig nutzen kann).


Wie groß soll die Bürokratie aufgebaut werden? Wer Zuhause zahlt und einen Monat im Hotel lebt, dem wir es nicht an Geld fehlen. Wer soll überprüfen, ob Zuhause keiner ist, der Radio oder Fernsehen nutzt. Vielleicht wohnt die Person im Hotel, aber der Radiowecker Zuhause wurde nicht abgestellt und schaltet sich jeden Morgen ein. Das ist auch Nutzung! Frag doch die Nachbarn, ob sie sich nicht belästigt fühlen, wenn jeden Morgen der Wecker beim Nachbarn spielt, ob wohl dort keiner ist.

Zitat
Schwabinger
Zitat

ARD und ZDF ungefähr 16 Orchester, 8 Chöre, die die Länder nicht nach dem 2. Weltkrieg nicht unterhalten konnten und die es heute nicht mehr gebe, die aber wichtige Bildungsarbeit in einem Kulturland leisten.

Warum brauchen wir unbedingt 16 Orchester und 8 Chöre? Hat die BBC oder Frankreich auch nicht. Und dass auf der Insel oder westlich des Rheins kulturelles Brachland deswegen herrscht, glaube ich nicht wirklich.


Die BBC hat vielleicht weniger Orchester, aber auf eins lässt sich die Anzahl auch nicht reduzieren. Ich komme allein bei der BBC auf 7 Klangkörper.

BBC Concert Orchestra (http://www.bbc.co.uk/concertorchestra)
BBC Symphony Orchestra (http://www.bbc.co.uk/symphonyorchestra)
BBC Philharmonic (http://www.bbc.co.uk/philharmonic)
BBC Scottish Symphony Orchestra (http://www.bbc.co.uk/bbcsso)
BBC National Orchestra of Wales (http://www.bbc.co.uk/bbcnow)
BBC National Chorus of Wales (http://www.bbc.co.uk/programmes/profiles/4Kj19qxQxH7lqrD6qBkpRFt/chorus)
BBC Singers (http://www.bbc.co.uk/singers)

Zitat
Schwabinger
Die Zahl der Chöre und Orchester ergibt sich doch nur daraus, dass es -bis auf das ZDF (aber das irgendwie auch)- so viele regionale Öffi-Anstalten gibt, die ihren Zuschnitt und Größe im Westen im wesentlichen den Besatzungsmächten verdanken.

Das ist doch auch nicht mehr aktuell, was Du hier schreibst.

Aus SDR/SWF wurde der SWR, Baden-Württemberg war früher geteilt.
Den NWDR gibt es nicht mehr, es gibt dafür den NDR und WDR. Dafür bedient der NDR nun auch Mecklenburg-Vorpommern. Vielleicht ist dein Blick einfach falsch.

Wo nach willst Du den Zuschnitt machen?
Anstalt: Einwohner im Verbreitungsgebiet TV-Bereich

Also bei den drei Anstalten gibt es glaube ich keinen Bedarf im TV-Bereich etwas zu ändern
WDR: 17.572.000
SWR: 14.626.000
NDR/RB: 13.948.342

Fangen wir doch mit dem BR an. BR + HR zusammenlegen oder doch lieber BR + Thüringen?
BR: 12.604.000
MDR: 8.452.000
HR: 6.045.000
RBB: 5.871.829
SR: 991.000

Die ARD-Anstalten sind da bereits weiter als die Politik:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neugliederung_des_Bundesgebietes

von Seltener Besucher - am 04.01.2015 12:47
@ ulionken

Zitat

Richtig. Aber dann braucht es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, damit all die Lücken gefüllt werden, die beim Prinzip der Gewinnmaximierung offen bleiben.


Die Abschaffung der Öffentlich-Rechtlichen steht meinerseits auch nicht zur Debatte. Es geht mir um die Reform der Finanzierung, der Inhalte und der Programmanzahl. Mit der Abschaffung der Rundfunkgebühr hätte man jetzt eine Chance gehabt, ein Modell einzuführen, an dem alle gleichermaßen (d.h. nicht mit dem selben Betrag, sondern nach ihren finanziellen Kräften) hätten beteiligt werden können. Man hat es sich mit dem jetzigen Modell extrem leicht gemacht. Daß ein gerechteres Modell zu aufwändig wäre, ist nicht so richtig nachvollziehbar. Denn dann wäre die Demokratie an sich abzuschaffen, da sie schließlich auch aufwändiger ist als eine Monarchie oder eine Diktatur. Oder unser ganzes Rechtssystem könnten wir dann auch gleich kippen, wenn es nur darum geht, ob ein gerechteres System zu aufwändig ist. Das Beispiel mit dem Soli-Zuschlag, bei dem auch geringere Summen einkommensabhängig eingezogen wurden, habe ich ja auch schon tausendmal hier gebracht.

Und was die Inhalte angeht habe ich schon mehrfach geschrieben, daß die Öffentlich-Rechtlichen einfach einen extrem hohen Anteil an Berieselungsunterhaltung im Vergleich zu ihren anderen Aufgabengebieten (speziell in den Hauptprogrammen) haben. Da müßte man ordentlich reduzieren (d.h. nur ein Mindestmaß an Unterhaltung), könnte dadurch extrem einsparen und jegliche Diskussionen, daß die Öffentlich-Rechtlichen zu teuer seien oder den Privatsendern auf Kosten der Haushaltsabgabenzahler Konkurrenz machen, kämen gar nicht erst zustande.

von Kay B - am 04.01.2015 13:26
Zitat
Seltener Besucher
Das ist doch auch nicht mehr aktuell, was Du hier schreibst.

Deswegen steht da "im wesentlichen".
Und SDR+SWF sind aus den Besatzungszonen/Ländern hervorgegangen. Genauso wie der NWDR, der sich dann als Sender für die gesamte britische Zone (inkl. den Westen Berlins) in WDR und NDR (und in Berlin in SFB) geteilt hat.
Der SWR wurde durch einen Zusammenschluss von SWF (französische Zone in RP und Südwürttemberg und Südbaden) und SDR (Nordwürttemberg/Nordbaden) gegründet und die Gebiete beider Sender basierten eben auf den Besatzungszonen.

Zitat

Wo nach willst Du den Zuschnitt machen?

An den Grenzen des Landes. Also ein Sender für ganz Deutschland.
Funktioniert in Österreich, Frankreich, Spanien, Polen, Großbritanien, Portugal usw. auch. Und im TV seitens ARD (und ZDF) auch.
Und dass die Deutschen wegen einem zentralistischen RADIOSender sofort wieder Nazis werden und Frankreich und Russland angreifen, glaube ich nicht.
Zumal die Deutschen das in Sachen bundesweites TV ja quasi auch DEUTSCHLANDWEIT tun dürfen (siehe ARD und ZDF). Nur im Radio nicht.

Dann schon lieber 16 Orchester und 8 Chöre und wir sind so einmalig wunderbar förderalistisch (bzw. kleingeistig, dumm und provinziell) mit dem regionalen Öffi-Senderwust und so bösen unzivilisierten, unkulturellen, undemokratischen und vor allem zentralistischen Staaten wie Frankreich oder UK deshalb auf 1000 Jahre überlegen.

von Schwabinger - am 04.01.2015 13:30
Zitat
Seltener Besucher
Und es ist gut so, wer sich zwei Wohnsitze leisten kann, soll auch doppelt zahlen. Eigentum verpflichtet!

Vollkommener Blödsinn. :sneg:
Auch wer 2 oder gar mehr Wohnsitze hat, kann NUR EINMAL an EINEM Ort Fernsehen schauen oder Radio hören.Oder sich ins Internet einloggen.

Auch wenn der Radiowecker in der Wohnung 1 sich morgends anstellen würde, wenn die Person in Wohnung 2 sich aufhält, kann die Person das nir EINMAL nutzen. Schon rein technisch und physisch.
Es geht technisch nun mal nicht, dass man als Mensch an 2 deutlich verschiedenen Orten gleichzeitig ein Programm anschaut/anhört und nutzt.

Und das mit dem Hotel bezieht sich nicht auf Dauerwohngäste wie Lindenberg im Atlantis, sondern darauf, dass wenn z. B. ich 2 Tage in Düsseldorf im Hotel bin (und schlichtweg technisch und physisch dann in M kein TV/Radio nutzen kann), das Hotel pro so und so viel Betten eine Abgabe zu zahlen hat AUCH WENN DER GAST DAS GAR NICHT ZWEIFACH NUTZEN KANN. Ich kann nun mal in Berlin und München nicht GLEICHZEITIG die "Tagesschau" anschauen.
Und logischerweise legt das Hotel die Abgabe auf den Hotelpreis um.

Und wenn ich für meinen Hauptwohnsitz zahle, ist es doch vollkommen egal, ob mein Radiowecker auch dann anspringt wenn ich gar nicht da bin. Ich zahle ja eh.

von Schwabinger - am 04.01.2015 14:05
Fusionen bedeuten nunmal nicht zwingend eine Verbesserung des Programms und Verringerung des Verwaltungs-overheads. Der läßt sich nur langsam abbauen: Aus Buchhaltern kann man nicht einfach mal Journalisten machen, und von heute auf morgen Kündigen geht nunmal auch nicht. Zumal ja die jeweilige Landes-Lobby jeden Personalabbau am "eigenen Standort" verhindern wird. Hier ist leider der Einfluß der Politik mitunter wirklich zu hoch.

Praktisch ist nur ein langsamer Abbau von "Wasserköpfen" möglich. Allerdings, und das muß man der ARD anlasten, sollte dieser tatsächlich langfristig deutlich kleiner werden. Wobei man auch hier aufpassen muss: Externe Dienstleistungen sehen in einer Bilanz natürlich besser aus als "Personalkosten Verwaltung", sind aber oft das Gleiche: Man könnte z.B. die Sendetechnik komplett ausgliedern und dadurch Personalkosten sparen. Dann wird man allerdings zukünftig nicht nur die Personalkosten beim Dienstleister, sondern auch noch dessen Profit finanzieren... (bzw. den seiner Shareholder).

Klar ist: Bei der Fusion zweier Anstalten summieren sich die finanziellen Mittel, d.h. es müßte möglich sein, MEHR Content zu produzieren. Was ich mir eigentlich wünsche, sind nicht niedrigere Kosten (zumindest beim Hörfunk), sondern mehr Gegenleistung - wobei ich persönlich das derzeit auch bekomme: die hier (auch mobil) empfangbare Zahl an ÖR-Programmen wird dieses Jahr auf 13 steigen, vor einigen Jahren gabs hier derer 6.

Beim TV gab es in den letzten 20 Jahren ein viel größeres Content-Wachstum als im Hörfunk, bei einem wesentlich höheren Anteil bundesweiter, also nicht mehr fusionierbarer, Angebote. Insofern gibts es beim TV auch kein wirklich großes Fusionspotential, denn EINE regionalisierte Welle wird man auch dort behalten müssen. Das verlangt einfach der Zuschauer (der möchte nicht in der Landesschau BaWü einen Bericht übers Gründkohlessen in Oldenburg sehen müssen, so wenig wie den Rostocker eine Diskussionsrunde über die 2. Münchner S-Bahn-Stammstrecke interessieren würde. Alle diese Inhalte haben in einer Tagesschau aber keinen ausreichenden Platz).
Übrigens gönnen sich auch andere Länder regionale TV-Programme bzw große Regionalanteile in ihren regionalisierten Ketten. France3 in Frankreich ist regional aufgesplittet, FR3 Alsace etc. Wobei ja auch unsere Dritten voneinander Sendungen übernehmen, d.h. auf der Kostenseite sind das keine Vollprogramm-Kosten.

von DH0GHU - am 06.01.2015 10:52
Zitat
Noch'n Saarländer
[OT zum Thema Länderfusion]
Weil mir hier dauernd erzählt wird, wie unfassbar viel Geld man mit einer Länderfusion spare: wann um alles in der Welt soll denn diese Einsparung einsetzen? Wenn sich beispielsweise das Saarland und RLP nach einer VOLKSABSTIMMUNG, die in beiden Wahlgebieten getrennt, eine Mehrheit erbringen muss (und nochmal für die Langsamen: anders KANN es in D keine Länderfusionen geben) für ein gemeinsames BVundesland entscheiden, dann habe ich in Saarbrücken wie auch Mainz zwei komplette Landesverwaltungen. Und das lange. Sehr lange. Verflucht lange. Für Jahrzehnte. Ich werde diese Leute nämlich nicht los. Das sind Beamte. Und Angestellte im öffentlichen Dienst mit zumeist Kündigungsschutz. Und die wollen bezahlt werden. Und die werden bezahlt. Und das zum Teil, auch nach einer Fusion, noch für Jahrzehnte.
[/OT zum Thema Länderfusion]

Mit der Länderfusion kann man ja noch warten, aber man könnte ja den SR mit dem SWR schon mal fusionieren:
SR 1 -> SWR 1 SL. Wenn aus der ehrwürdigen Europawelle wieder etwas gescheites würde wie in BW oder RP, dann würden sich auch sicherlich viele Saarländer freuen. Landesbezogen und musikalisch recht abwechselungsreich, da kann eigentlich niemand etwas gegen haben.
SR2 -> SWR 2. SWR 2 ist meiner Meinung nach der beste Kultur und Infosender nach DRadio Kultur. Kann eigentlich auch keiner meckern.
SR3 -> SWR4. Schlagerlastig und regional, könnte man in SL auch sicherlich in 2 bis 3 Regionen unterteilen.
Unser Ding -> Das Ding. Macht bis auf den Namen keinen großen Unterschied und ist eines der besten Jugendradios Deutschlands.
Antenne Saar. Kann man wegen der Zweisprachigkeit sicherlich irgendwie per Gesetz zementieren daß es erhalten bleibt. Davon würden auch die anderen SWR Länder profitieren die an
Frankreich grenzen. Bräuchte dann natürlich einen neuen Namen.
Neu: SWR 3. Dann hättet ihr auch den beliebtesten Deutschen Öffi der den Dudelfunk simuliert.
Neu: SWR Info. Sicherlich kein Highlight im Vergleich mit ehemaligen Programmen (SWR.contra) oder anderen Infoprogrammen (MDR Info) aber mit einer weiteren Landesmedienanstalt wird das Programm hoffentlich besser. Und ein Infosender ist besser als kein Infosender ;)

von Mr. DABelina - am 06.01.2015 11:33
@ Manfred Z

Interessante Zahlen, was das Verhältnis zwischen Verwaltungs- und Programmkosten angeht. Welcher Anteil an den 17,98 Euro geht eigentlich für den Beitragsservice drauf?


Zitat

Beim Fernsehen sind die Einsparmöglichkeiten praktisch Null. Beim Hörfunk gibt es etwas Optimierungspotential, ebenso in der Verwaltung.


Wieso das? Es würde doch schon einen Unterschied machen, wenn z.B. hr und MDR 24/7 jeweils getrennt eigene Fernsehprogramme mit Studios und Playoutcenter oder nur ein gemeinsames Fernsehprogramm mit regionalen Auseinanderschaltungen betreiben. Das gleiche gilt für die Kultur- und Infowellen.


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Die Altlasten (Pensionen!) bleiben.


Ja, aber es werden nicht mehr. Solche Einsparungen rechnen sich im Personalbereich freilich nicht sofort. Es wäre auch unsozial, Leuten deswegen zu kündigen. Da müßte man wohl solche Transfermodelle anwenden, wie sie nach der Privatisierung ehemaliger staatlicher Unternehmen zum Einsatz kamen. Wie ist das eigentlich beim MDR und beim rbb geregelt? Sind da die gleichen Konditionen für die Arbeitnehmer wie bei den altbundesdeutschen Anstalten eingeführt worden?


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Lohnt sich das?


Müßte man erstmal die konkreten Zahlen dazu haben. Ansonsten ist alles nur Spekulation.

Irgendetwas muß aber dran sein. Andernfalls wäre man nicht so extrem scharf auf Kommunen- und Landkreisfusionen, wie sie hier gerade durchgeführt wurden bzw. noch zur Debatte stehen.



@ DH0GHU

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Zumal ja die jeweilige Landes-Lobby jeden Personalabbau am "eigenen Standort" verhindern wird. Hier ist leider der Einfluß der Politik mitunter wirklich zu hoch.


Das geht sogar auf Kommunal- und Landkreisebene so zu. Letztlich hilft da nur die Anordnung der jeweils übergeordneten Institution.


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Man könnte z.B. die Sendetechnik komplett ausgliedern und dadurch Personalkosten sparen. Dann wird man allerdings zukünftig nicht nur die Personalkosten beim Dienstleister, sondern auch noch dessen Profit finanzieren... (bzw. den seiner Shareholder).


Das ginge wahrscheinlich in die Hose, weil man auf die Defakto-Monopolisten Mädchen & Brotkasten und die Deutsche Funkturm und deren Preisgestaltung angewiesen wäre. Da wären die Erfahrungen von Radio Bremen, das seine UKW- und TV-Sendetechnik Ende der 1990er komplett zur damaligen Telekom ausgelagert hatte, mal interessant.

Und gerade in der Sendetechnik wird - soweit ich da bisher mal reingucken durfte und das überhaupt beurteilen kann - meiner Meinung nach bei den Öffentlich-Rechtlichen noch vernünftig gearbeitet und verantwortungsvoll mit den Geldern umgegangen. (Z.B. Technik wird noch selbst repariert, die anderswo wegen Auslagerung der Fachkräfte einfach in den Container gekloppt und neu angeschafft worden wären. Unterhalt von Ersatzteillagern um Sender auch nach der Abschreibung weiter betriebsfähig halten zu können. Umbau und Einsatz der Röhrenendstufen alter analoger VHF-Sender für DAB+. Und die Räumlichkeiten und die Ausstattung sind zweckmäßig.)

In den Inhalten, gerade im Unterhaltungsbereich, und in der Programmanzahl würde ich das hohe Einsparpotential sehen. Aber da wiederhole ich mich jetzt gleich schon wieder.


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Beim TV gab es in den letzten 20 Jahren ein viel größeres Content-Wachstum als im Hörfunk, bei einem wesentlich höheren Anteil bundesweiter, also nicht mehr fusionierbarer, Angebote.


Wie sähe es mit der Einstellung der ARD- und ZDF-Spartenkanäle aus? Die Inhalte stattdessen auf Phoenix, 3sat und arte auslagern. Zudem ARD und ZDF fusionieren und die beiden Hauptprogramme profilieren, z.B. ARD für ein jüngeres Publikum (Inhalte von zdf neo und dem geplanten Jugendkanal) und ZDF zur Seniorenberieselung. Und wie wäre es, ein bundesweites Drittes zu veranstalten, daß nur für Regionalmagazine auseinandergeschaltet wird? Also wie es z.B. bei France 3 gemacht wird.

von Kay B - am 06.01.2015 22:50
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Kay B
@ Seltener Besucher
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Und es ist gut so, wer sich zwei Wohnsitze leisten kann, soll auch doppelt zahlen. Eigentum verpflichtet!

Bei den meisten Leuten wird es kein "leisten kann", sondern ein "leisten muß" sein. Denn einen zweiten oder gar dritten Wohnsitz werden die meisten Leute nicht zum Spaß, sondern aus beruflichen Gründen haben.


Ich kenne Leute, die sich einen zweiten Wohnsitz als Rentner zum Spaß leisten, auch welche, die mit zwei Wohnsitzen nicht auskommen. Wer will nachhalten, ob der Zweitwohnsitz nicht vermietet wird. Ihr regt Euch über die Verwaltung bei den Rundfunkanstalten auf, wer soll diese ganze An und Abmelderei verwalten? Außerdem ist die Nutzung auch gegeben, wenn ein Festplattenrekorder in unserer Abwesenheit die Lieblingsserie aufnimmt. Strom stellt auch keiner während der Abwesenheit ab und beim Strom zahlen wir auch eine Grundpauschale, die Verbrauchsunabhängig ist. Da regt sich keiner auf.


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Schwabinger
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Wo nach willst Du den Zuschnitt machen?

An den Grenzen des Landes. Also ein Sender für ganz Deutschland.
Funktioniert in Österreich, Frankreich, Spanien, Polen, Großbritanien, Portugal usw. auch.


Also BBC Scotland muss sich da als Regionaleinheit der BBC nicht verstecken. In Glasgow werden drei Fernsehprogramme produziert und zwei Hörfunksender. Zusätzlich zur Zentrale gibt es 9 Regionalstudios und –Büros in Schottland. Da wird der RBB aber neidisch.

Die 16 TVP-Regionalsender in Polen werden tatsächlich zentral verwaltet. Die 16 Hörfunksender haben alle einen regionalen Aufsichtsrat und Intendanten. Neben den landesweiten Hörfunksendern aus Warschau, produzieren einige Regionalsender auch 3 regionale Hörfunkprogramme. Die Hörer können also auch 7-9 ÖR-Hörfunkprogramme empfangen. Das Regionalradio für Masowien unterteilt sein Programm in 5 Lokalprogramme auf, ähnlich wie Bayern 1. Allerdings ist Masowien von der Fläche halb so groß wie Bayern und die Einwohnerzahl entspricht etwa 40 % im Vergleich zum Freistaat. Polskie Radio will über DAB 10 landesweite Hörfunkprogramm ausstrahlen, 2 Regionalprogramme dürfen mit in den Digitalradio-Mux. Wenn man die Wirtschaftskraft von Polen und Bayern vergleicht, bietet Bayern ihren Bürgern viel zu wenig ö-r Hörfunk und Fernsehen an. Hier liegt wohl dein Problem.

In Portugal und in Österreich wohnen weniger Menschen, als in Bayern. Der Vergleich hinkt. Sollen 10 Millionen Portugiesen einen Sender haben aber 12 Millionen Bayern oder 18 Millionen Nordrhein-Westfalen nicht? Es gibt Länder, die Du absichtlich nicht erwähnst, wie die Niederland. Auch die Schweiz erwähnst Du nicht. Warum wohl?

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Manfred Z
Aus der Anhörung im Landtag NRW zwecks Gesetz zur Zustimmung zum Sechzehnten Rundfunkänderungsstaatsvertrag und zur Änderung des Landesmediengesetzes Nordrhein-Westfalen:
>> Gerhard Schmidt: Ich möchte meinen Antworten vorausstellen den Hinweis darauf, dass leider nur 40 % der Gebühren überhaupt noch in das Programm fließen, das heißt, 60 in die Verwaltung, Tendenz abnehmend. Es geht immer weniger Geld in das Programm.

So ist es, wenn keine Pensionsrückstellungen gemacht wurden und jetzt für Menschen Geld aufgewendet werden muss, die dort längst nicht mehr arbeiten. Da sind die öffentlich-rechtlichen nicht allein. Politiker, Lehrer und andere Beamte, überall der gleiche Mist.

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pfennigfuchser
Ich habe kein Verständnis dafür, dass Staaten wie Bremen oder Saarland eigene Rundfunkanstalten besitzen. Da reicht 1 regionales Radio aus. Zum Beispiel die Region Rhein Ruhr hat nur den WDR mit seinen "regionalen" Nachrichten.

Beim Fernsehen muss das Ruhrgebiet nicht zurückstecken, gleich drei WDR-Fernsehstudios gibt es allein im Ruhrgebiet: Duisburg, Essen und Dortmund. In Dortmund wird auch WDR 4 produziert. Anderseits im Vergleich zum RBB müsste im Ruhrgebiet mehr produziert werden. Aber da ist der Pott selber schuld, weil sich die Menschen als Wattescheider oder Rauxler verstehen aber nichts als Ruhrgebietler. Ohne Ruhrstadt als eine Stadt wird es nichts mit einem eigenen Radiosender. Das Ruhrgebiet hat als Ballungsraum weder einen kommerziellen noch einen öffentlich-rechtlichen Radiosender.

von Seltener Besucher - am 07.01.2015 01:41
@ Seltener Besucher

Zitat

Ich kenne Leute, die sich einen zweiten Wohnsitz als Rentner zum Spaß leisten, auch welche, die mit zwei Wohnsitzen nicht auskommen.


Mag ja sein. Die Mehrheit der Doppel- und Mehrfachwohnsitzler werden diesen Aufwand aber aus beruflichen Gründen treiben. Also den Wohlstand läßt sich definitiv nicht an der Anzahl der Wohnsitze fest machen. Eher am Wohnungseigentum.


Zitat

Wer will nachhalten, ob der Zweitwohnsitz nicht vermietet wird.


Du kannst einen Zweitwohnsitz nicht vermieten. Das geht nur mit einer Wohnung. Irgendwie bringst du Wohnsitz und Wohnungseigentum total durcheinander.

Wohnungseigentum --> Du bist Eigentümer einer Wohnung, mußt dort aber nicht zwangsläufig wohnen, sondern kannst sie an dritte vermieten, die dann auch die Haushaltsabgabe zu zahlen haben. --> Das machen einige als Geldanlage.

Zweitwohnsitz --> Du bist polizeilich an einem zweiten Ort gemeldet, mußt dort aber nicht zwangsläuftig Wohnungseigentum haben, sondern du bist irgendwo eingemietet. Dann mußt du an diesem zweiten Wohnsitz nochmals die Haushaltsabgabe zahlen. --> Das machen die meisten wohl eher gezwungenermaßen, weil es beruflich erforderlich ist.


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Ihr regt Euch über die Verwaltung bei den Rundfunkanstalten auf, wer soll diese ganze An und Abmelderei verwalten?


Was gibt es da großartig zu verwalten? Beim Einwohnermeldeamt ist sowieso registriert, ob dein Wohnsitz ein Erst- oder Zweitwohnsitz ist. Es müßten einfach nur jene Adressen an den Beitragsservice gemeldet werden, an denen ein Erstwohnsitz registriert ist. Fertig! Was ist daran so kompliziert.


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Außerdem ist die Nutzung auch gegeben, wenn ein Festplattenrekorder in unserer Abwesenheit die Lieblingsserie aufnimmt.


Da sollten wir jetzt aber mal auf dem Boden bleiben.


Zitat

Strom stellt auch keiner während der Abwesenheit ab und beim Strom zahlen wir auch eine Grundpauschale, die Verbrauchsunabhängig ist. Da regt sich keiner auf.


Der Vergleich paßt nicht. Strom kann ich jederzeit abmelden. Wasser ebenfalls. Sogar den Abfall, wenn ich nachweisen kann, daß ich mir mit jemand anderem eine Tonne teile (geht möglicherweise nicht in allen Landkreisen).

von Kay B - am 07.01.2015 22:18
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