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MW-Kleinsender

Startbeitrag von Randfunker am 19.02.2015 03:32

In Hof ist noch ein 200-Watt-Mittelwellensender aktiv. Früher gab es sogar 100-W-Sender auf der Mittelwelle. Wofür mag das gut gewesen sein?
Was sind überhaupt die kleinstmöglichen Sendeantennen für MW-Sender, sagen wir mal von 1-100 Watt?
Ab wie viel Watt können z.B. holl. oder sonstige Piraten überhaupt die Atmosphärenschichten erreichen, die für Reflexionen und somit Fernempfang nötig sind? Unter 50 W dürfte da doch wohl kaum was gehen, oder?

Antworten:

Das war für die lokale Versorgung des Gebiets um den Sender gedacht.


Definiere "Fernempfang". Wenn es nur um Einfachreflektion geht, reichen auch Leistungen unter 1 W aus, wenn auf der Gegenseite entsprechend aufwändige Empfangsantennen zum Einsatz kommen.
Die holländischen Piraten arbeiten wohl oft mit ~100W und Vertikalstrahlern von sicher meist nicht mehr als ca. 25m Höhe oder mit Drahtantennen und erreichen dennoch Süddeutschland.

Im SSB-Sprechfunk bei 1,8 MHz reichen 10W abgestrahlte Leistung für Interkontinentalverbindungen nach Kanada oder Afrika aus...

von DH0GHU - am 19.02.2015 08:09
Dazu ein Link zu einem sehr passenden Thread:

http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,1244833

von Mc Jack - am 19.02.2015 08:42
Zitat
Randfunker
In Hof ist noch ein 200-Watt-Mittelwellensender aktiv. Früher gab es sogar 100-W-Sender auf der Mittelwelle. Wofür mag das gut gewesen sein?


Solche kleine MW-Sender waren vor der UKW Einführung üblich um einzelne Städte mit einer sauberen Bodenwelle zu versorgen. Heute macht sowas wohl nur dann Sinn, wenn für ein Info- oder Spartenprogramm keine UKW Frequenz mehr bewilligt wird.

von Stefan Heimers - am 19.02.2015 08:51
In den USA gab/gibt es doch sehr viele solcher Low-Power Mittelwellesender im einstelligen Watt Bereich. Meist sind das irgendwelche Bürgerfunk- und Sekten ähm ich meine Kirchenfunk Programme. Mich würde mal interessieren was die für Sendeantennen benutzen. Die bauen ja bestimmt keinen 20 Meter Mast auf.

von Spacelab - am 19.02.2015 09:18
Warum nicht? Ordentliches Radialnetz unter eine Wiese legen (am besten im Sumpfland), und dann mal eben einige zig Meter Aluminium hinstellen und 3 mal abspannen. Einfacher gehts wohl kaum. Das teuerste dürften die Erdarbeiten sein.
20m? Da hat jeder "bessere" Funkamateur in den USA höhere Masten ;-)

von DH0GHU - am 19.02.2015 09:35
http://www.radiobrandy.com/PART15AMANTENNA.html

von Marc_RE - am 19.02.2015 10:21
Zitat
Spacelab
In den USA gab/gibt es doch sehr viele solcher Low-Power Mittelwellesender im einstelligen Watt Bereich. Meist sind das irgendwelche Bürgerfunk- und Sekten ähm ich meine Kirchenfunk Programme. Mich würde mal interessieren was die für Sendeantennen benutzen. Die bauen ja bestimmt keinen 20 Meter Mast auf.


Man muss unterscheiden:

Auf AM gibt es in den USA 3 Möglichkeiten zu senden:

1) "Part 15 Operation": Jeder darf ohne Lizenz und Anmeldung senden, sofern eine Reichweite 61 m nicht überschritten wird.

2) "Travelers' Information Service": Diese Stationen (ca. 1400) haben üblicherweise 10 Watt Leistung. Mehr als die Hälfte davon tummelt sich auf den beiden Frequenzen 530 und 1610 kHz. Die Antennenhöhe darf 15 m nicht überschreiten. Nur öffentliche Betreiber sind zugelassen (Straßenerhalter, Städte, Nationalparkverwaltungen, Flughäfen).

3) Reguläre AM-Lizenzen: Wer unbedingt auf AM einen größeren Kreis als sein Grundstück versorgen möchte, braucht eine reguläre Lizenz, die aber ein kompliziertes und teures Genehmigungsverfahren erfordert. Die minimale Leistung ist 250 Watt.

Bürgerfunk wird daher über Low Power FM ausgestrahlt. Dafür gibt es ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren. Die Leistung ist maximal 100 Watt. Grundsätzlich gilt, dass in 6 km Entfernung ein Signalpegel von 60 dBu nicht überschritten werden darf.

Die meisten Kirchensender findet man zwar auf AM, allerdings mit regulärer Lizenz mit 1 kW Leistung und mehr.

von Wasat - am 19.02.2015 11:38
Zitat
Wasat

1) "Part 15 Operation": Jeder darf ohne Lizenz und Anmeldung senden, sofern eine Reichweite 61 m nicht überschritten wird.


Aus den USA weis ich, dass man lediglich man mit einer niedrigen Leistung ohne Lizenz und Ameldung senden darf, allerdings nicht auf Reichweite, sondern auf Sendeleistung beschraenkt.

Ich hatte irgendwo mal gehoert, dass es in UK auch eine solche Moeglichkeit im AM Bereich gibt. Ofizielle Informationen habe ich aber dazu nie gefunden.

von 102.1 - am 19.02.2015 12:24
Für die USA:

http://www.wikihow.com/Start-a-Micro-Powered-Radio-Station

Es gilt §15.219:

Operation in the band 510-1705 kHz.

(a) The total input power to the final radio frequency stage (exclusive of filament or heater power) shall not exceed 100 milliwatts.

(b) The total length of the transmission line, antenna and ground lead (if used) shall not exceed 3 meters.

(c) All emissions below 510 kHz or above 1705 kHz shall be attenuated at least 20 dB below the level of the unmodulated carrier. Determination of compliance with the 20 dB attenuation specification may be based on measurements at the intentional radiator's antenna output terminal unless the intentional radiator uses a permanently attached antenna, in which case compliance shall be deomonstrated by measuring the radiated emissions.


von hegi_ms - am 19.02.2015 13:32
Was sind überhaupt die kleinstmöglichen Sendeantennen für MW-Sender, sagen wir mal von 1-100 Watt?
Ab wie viel Watt können z.B. holl. oder sonstige Piraten überhaupt die Atmosphärenschichten erreichen, die für Reflexionen und somit Fernempfang nötig sind? Unter 50 W dürfte da doch wohl kaum was gehen, oder?

Mehr dazu im Thread GB-Empfang mit 1 W QRP. Etwas weiter unten!

sj

von satjay - am 19.02.2015 14:40
So was könnte man eigentlich auch in unseren Gegenden erlauben - das MW-Band lichtet sich ja immer mehr von "offizieller" Seite ...
Gibt es Fotos von solchen US-Micro-Power-Anlagen und was dafür als Antenne benutzt wird?
@DH0GHU: Ging mir v.a. darum, zu wissen, was der geringstnötige Aufwand wäre, um z.B. à la "Holländer" oberhalb von 1600 kHz überhaupt reflektiert zu werden und so nachts ca. 80-200 km zu erreichen - ohne große Qualitätsansprüche.

von Randfunker - am 19.02.2015 14:44
Zitat

Gibt es Fotos von solchen US-Micro-Power-Anlagen und was dafür als Antenne benutzt wird?
SuFu benutzen, irgendwo im Forum ist ein Bild davon versteckt... ich weiß nur nicht mehr wo. War aber glaube ich irgend einThread mit "USA".

Zitat

Ging mir v.a. darum, zu wissen, was der geringstnötige Aufwand wäre, um z.B. à la "Holländer" oberhalb von 1600 kHz überhaupt reflektiert zu werden und so nachts ca. 80-200 km zu erreichen - ohne große Qualitätsansprüche.
Wie geschrieben... 1Watt reicht schon in der Nacht...

von iro - am 19.02.2015 15:31
1995 sendete der BR mit seinen Kleinsendern im Norden noch auf 520 kHz - und so war die Reichweite trotz nur 100 W auch relativ richtig gross; auf dieser Exklusivfrequenz war er weiterhum zu hören, im Winter auch tagsüber bis in die Schweiz.

von dxbruelhart - am 19.02.2015 17:16
Zitat
102.2
Aus den USA weis ich, dass man lediglich man mit einer niedrigen Leistung ohne Lizenz und Ameldung senden darf, allerdings nicht auf Reichweite, sondern auf Sendeleistung beschraenkt.


Laut Fernmeldebehörde FCC ist die Entfernung ausschlaggebend. In der Praxis wird man aber, weil eine Messung umständlich ist und im Nahbereich örtlich starke Schwankungen ergeben kann, die Leistung heranziehen. Daher heißt es auch in Section 15.219 "shall" (soll). 100 Milliwatt und die niedrige Antenne werden aber genügend Sicherheit gegen Störungen bieten.

Hier steht es genau: http://www.fcc.gov/guides/low-power-broadcast-radio-stations

Zitat
Rundfunker
Gibt es Fotos von solchen US-Micro-Power-Anlagen und was dafür als Antenne benutzt wird?


Es reicht für AM, einen Draht zu spannen.

Beim Tag der offenen Tür bzw. Rundfunkflohmarkt in Ismaning hat man auch immer einen 1 Watt-MW-Sender auf 585 kHz betrieben. Als Antenne benutze man einen Draht, der vom Schuppen, in dem der Flohmarkt war, zum - damals noch alten - UKW-Sendemast gespannt war. Die Länge dürfte ca. 120 m betragen haben. Die Reichweite (mit VW-Autoradio etwa um die Mittagszeit festgestellt) war: bis 3 km gut, bis 8 km brauchbar, aber schon leicht durch Störungen beeinflusst (z.B. entlang der Bahnlinie zum Flughafen München). Bei etwa 20 km konnte man dann nichts mehr verständlich hören.

von Wasat - am 19.02.2015 17:23
Naja, shall im Sinne von Normen / Gesetzen etc. ist so viel wie eine verbindliche Forderung.
Eine Empfehlung wäre "should".
Letztenendes ist die Reichweitenbeschränkung (61m) nämlich nicht ohne Probleme messbar. Entweder definiert man daher eine Feldstärke in einem bestimmten Abstand (wie bei EMV-Normen) oder eben eine Leistung an einer bestimmten Antenne, mit der man das Ziel erreicht. Die resultierende Reichweite hängt ja in hohem Maß von Empfänger, Empfangsantenne und Umgebung ab. Was wiederum auch wieder auf eine Normumgebung rückführbar wäre. Wird zu kompliziert? Eben.

Anforderung für Ionosphärenreflektion: Müßte man mal genau nachrechnen - letztenendes muß dazu die Feldstärke größer sein als das atmospährische Hintergrundrauschen. Dann kann man über die Entfernung zur Ionosphäre und die typische Reflektionsdämpfung (dazu gibts garantiert irgendwo Standard-Werte, z.B. in ITU-Papieren) ausrechnen, wie hoch die EIRP richtung Ionosphäre sein soll... Für den reinen Nachweis eines Trägers dürften Milliwatts reichen. Für Sprachverständlichkeit dürften ein paar zig mW das Minimum sein. Nur mal so gefühlt...

von DH0GHU - am 19.02.2015 17:48
ich suche schon seit Jahren immer wieder einen USB betriebenen MW Sender, mit schwacher Leistung. Ausser irgendwelchen Bastel-Anleitungen ist allerdings nichts, gar nichts zu finden.

von 102.1 - am 19.02.2015 18:47
Von Kemo gab es in den 80ern einen MW Sender Bausatz.
Dieser hatte einige Meter Reichweite.

Und auch gefunden: http://www.jogis-roehrenbude.de/Bastelschule/MW-Sender.htm

Hier gibt es einen Quarzstabilisierten Sender: http://b-kainka.de/bastel73.htm

von _Yoshi_ - am 20.02.2015 18:14
Als ich vor rund 20 Jahren in Florida am Cape Canaveral im Kennedyspacecenter zu Besuch war, wurden die Gäste mittels eines MW-Senders zum (richtigen) Parkplatz dirigiert und weitere Besuchshinweise erteilt. Auf der Zufahrt zum Gelände stand ein unübersehbares Hinweisschild mit der entsprechenden AM-Frequenz. Bein Rausfahren ließ ich dann (zum Leidwesen meiner Beifahrerin) das Radio mit dem "Gebrabbel" noch solange an, bis nix mehr zu hören war. Bereits nach wenigen Kilometern war aber schon Schluss. Von daher vermute ich, dass dieser MW- Sender bestenfalls im einstelligen Wattbereich gesendet hatte.

von Salvator - am 20.02.2015 18:45
Wenn man also mit so wenigen Watt so weit senden kann, warum hat man dann damals beim Heusweiler ganze 1.200 kW in die Luft geblasen?

von PhanTomAs - am 20.02.2015 21:50
Damit Honecker heimlich Radio aus seiner alten Heimat hören konnte.

von iro - am 20.02.2015 21:56
Und damit das benachbarte Schwimmbad geheizt werden konnte.

von hegi_ms - am 20.02.2015 22:09
Zitat
_Yoshi_
Von Kemo gab es in den 80ern einen MW Sender Bausatz.
Dieser hatte einige Meter Reichweite.

Und auch gefunden: http://www.jogis-roehrenbude.de/Bastelschule/MW-Sender.htm

Hier gibt es einen Quarzstabilisierten Sender: http://b-kainka.de/bastel73.htm


Bastelanleitungen, Bausaetze und Schaltplaene gibts da mehr als genug. Nur weis ich halt nicht, warum man gerade bei Part 15 compliant MW Senderchen umbedingt herumbasteln will oder soll? - und man das Teil nicht vollkommen fertig bekommt.

Etwa wie das hier:

http://www.sstran.com/pages/AMT3000/overview.html

oder auch die Teile von Ramsay Electronics

http://www.ramseyelectronics.com/Synthesized-AM-Radio-Transmitter-Kit/dp/B0002NRJBS?field_availability=-1&field_browse=6290123011&id=Synthesized+AM+Radio+Transmitter+Kit&ie=UTF8&refinementHistory=brandtextbin%2Csubjectbin%2Cprice&searchNodeID=6290123011&searchPage=1&searchRank=salesrank&searchSize=12

von 102.1 - am 20.02.2015 23:00
Zitat
PhanTomAs
Wenn man also mit so wenigen Watt so weit senden kann, warum hat man dann damals beim Heusweiler ganze 1.200 kW in die Luft geblasen?


Weil die Tagreichweite über die Bodenwelle drastisch niedriger ist als die Raumwellenreichweite und weil die theoretische Mindestreichweite weit unterschritten wird, sobald Störungen ins Spiel kommen (wenn z.B. ein Empfänger in der nähe anderer elektronischer Geräte betrieben wird oder im Gebäude steht, oder Gleichkanalstörer vorhanden sind), die Empfangsantenne sehr klein wird (z.B. Ferritantennen),oder die Anforderungen höher sind als "Sprachverständlichkeit". Zwischen "ich verstehe Dich" und "ich höre mir Musik an" liegt bei AM locker mal eine Sendeleistungsfaktor zwischen 100 und 1000. Der 1200-kW-Brummer aus Saarbrücken wird bei Lieschen Müller in Dresden tagsüber vermutlich kaum vernünftig anhörbar gewesen sein...

Nur mal so zum Vergleich. Im Autoradio gehen hier tagsüber nur noch DLF 756 kHz und BR 801 kHz brauchbar. An einer guten Stationsantenne sah das dann im Sommer mittags bei mir so aus:
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,1128373,1157042#msg-1157042

von DH0GHU - am 21.02.2015 09:04
Zitat
_Yoshi_
Von Kemo gab es in den 80ern einen MW Sender Bausatz.
Dieser hatte einige Meter Reichweite.

Und auch gefunden: http://www.jogis-roehrenbude.de/Bastelschule/MW-Sender.htm

Hier gibt es einen Quarzstabilisierten Sender: http://b-kainka.de/bastel73.htm


Diese Kemo-Schaltung ist großer Unfug.
Die erzeugt mehr FM als AM, was je nach Radio zu völlig verzerrtem Klang führt. Es geht mit minimalem Aufwand wesentlich besser, so dass es dem Radio auch normal klingt...

von WiehengeBIERge - am 21.02.2015 09:14
witzig sind die alten AM Kleinsender von Allied Electronics, besser bekannt als Knight Transmitter.

http://www.smecc.org/knight_kit_home_broadcasters_-_allied_electronics.htm

von 102.1 - am 21.02.2015 12:00
Zitat

Der 1200-kW-Brummer aus Saarbrücken wird bei Lieschen Müller in Dresden tagsüber vermutlich kaum vernünftig anhörbar gewesen sein...

In Ostfriesland ging der damals auch über Tag. Und ist sind nur 35 km näher dran als Dresden.

von iro - am 21.02.2015 16:31
Zitat
iro
In Ostfriesland ging der damals auch über Tag. Und ist sind nur 35 km näher dran als Dresden.


Das Emsland und Ostfriesland haben eine sehr gute Bodenleitfähigkeit (7-20 mS/m), während die Mittelgebirge zwischen dem Saarland und Dresden eine eher schlechte Bodenleitfähigkeit (2-5 mS/m) haben. Aber noch immer besser als die Alpen, die meist Werte unter 1 mS/m haben.

von Wasat - am 21.02.2015 16:42
Zitat

Das Emsland und Ostfriesland haben eine sehr gute Bodenleitfähigkeit (7-20 mS/m)

Spielt diese denn auch beim gutem Empfang eine Rolle? Ich dachte(!) bislang immer, daß diese nur beim Senden wichtig ist. Weshalb Norddeich Radio denn auch damals einer meiner Nachbarn war...

Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist?
Oder spielt nur die Bodenleitfähigkeit zwischen Sender und Empfänger eine Rolle?

von iro - am 21.02.2015 17:44
Zitat
iro
Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist.


Wenn die Bodenleitfähigkeit zwischen Sender und Empfänger gut ist, kommt beim Empfänger mehr an, als wenn dazwischen einige felsige Berge liegen, welche die Wellen kaum leiten. Folglich muss man bei niedriger Bodenleitfähigkeit deutlich mehr Sendeleitung aufbieten, um die gleiche Reichweite wie bei guter Bodenleitfähigkeit zu erreichen.

Wenn die Wellen aus dem Saarland einmal die Eifel (3 mS/m) und die Kölner Bucht (4 mS/m) überwunden haben, gibt es bis Ostfriesland nur mehr flaches feuchtes Terrain mit sehr guter Bodenleitfähigkeit.

von Wasat - am 21.02.2015 18:14
Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist?

Ja!

von R.Oberlahn - am 22.02.2015 09:13
Zitat
R.Oberlahn
Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist?

Ja!


Ich sehe das so.

Grunsaetzlich gilt: Entweder feuchter Boden, Naehe von ehemaligem Ueberschwemmungsgebiet, Ozean, oder geologisch altes Gestein sind zum DX-en fuer MW sowie LW das Beste !

In Europa faellt mir dabei ganz besonders Irland auf.

von 102.1 - am 22.02.2015 10:32
Zitat:
"Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist?"

Genauso wie im Umkehrschluß ein solcher Boden für die Abstrahlung ungünstig ist und gemieden wird.

"102,2" hat das oben sehr gut beschrieben.

Optimal soll eine leichte (und feuchte)Hanglage in Richtung des Senders sein.

von R.Oberlahn - am 22.02.2015 20:20
Nunja, als Küstenbewohner kenn ich das ja nicht anders - mir fehlt ein wenig der Vergleich zu andernorts, da im Urlaub eher selten mal Zeit für DX übrig ist.
4km hinterm Deich habe ich immer recht guten Empfang gehabt auf der MW, abgesehen von den Einstrahlungen durch Norddeich Radio.
Dort habe ich damals auch das schwache 1W-Signal aus UK empfangen und meine beiden weitesten MW-Empfänge ever in einer Januarnacht gemacht, Buenos Aires 1070 kHz und Montevideo 930 kHz.

Noch eine Frage:
spielt denn die Bodenleitfähigkeit vor Empfangsort bei nächtlichen Empfängen via Ionoshpäre auch noch eine Rolle?

von iro - am 22.02.2015 22:09
Zitat
iro
Noch eine Frage:
spielt denn die Bodenleitfähigkeit vor Empfangsort bei nächtlichen Empfängen via Ionoshpäre auch noch eine Rolle?


Ich schätze schon. An der Küste ist es Nachts z.B. wesentlich einfacher, Sender von jenseits des Atlantiks zu empfangen. In Cuxhaven kann man direkt in Meeresnähe selbst bei durchschnittlichen Bedingungen mit den bekannten Degen und Tecsuns transatlantische Signale empfangen. Hier im Ruhrgebiet braucht es dafür schon bessere Bedingungen oder besseres Equipment. Und in Gebieten, die noch weiter vom Wasser entfernt sind und auch sonst keine gute Bodenleitfähigkeit haben, dürfte es noch schwieriger sein.

Ich habe auch noch ein schönes Beispiel dafür was ein guter Sendestandort ausmacht: KVNS aus Brownsville, TX sendet nachts auf 1700kHz mit nur 880 Watt. Dennoch wurde der Sender schon massenhaft in Europa (auch in Deutschland) empfangen. Grund dafür ist, dass der Transmitter sehr nahe am Golf von Mexiko steht. Dadurch ist die Reichweite um ein vielfaches höher als von Sendern, die mit vergleichbarer Leistung weiter landeinwärts senden.

von pg09 - am 22.02.2015 22:50
Zitat
R.Oberlahn
Zitat:
"Bedeutet das dann unterm Strich, daß der MW-Empfang in Gebieten mit schlechter Bodenleitfähigkeit grundsätzlich schlechter ist?"

Genauso wie im Umkehrschluß ein solcher Boden für die Abstrahlung ungünstig ist und gemieden wird.

"102,2" hat das oben sehr gut beschrieben.

Optimal soll eine leichte (und feuchte)Hanglage in Richtung des Senders sein.


Newfoundland ist da ein aehnlicher Kandidat, zumal die Lage im Atlantik und Naehe zu Europa die leistungsstaerkeren MW Sender aus Europa sehr problemlos bringt.

Umgekehrt, in Irland, ist das zwar auch moeglich MW aus Nordamerika zu bekommen, allerdings nicht ganz so einfach.

Was die Bodenleitfaehigkeit betirfft, so hat man gerade in Nordamerika oft den Standort des Senders neben einem Sumpf oder einem Muendungsgebiet eines Flusses gewaehlt.

Die ehemalige Station Sackville ist so ein Fall, aber auch andere grosse Sender in den USA gelten hier als Beispiel.

von 102.1 - am 22.02.2015 23:57
Dann sind Senderstandorte wie der Monte Ceneri doch absolut schlechte Senderstandorte ?

von Frankfurt - am 23.02.2015 08:03
Im Prinzip ja. Ein anderer Standort hilft im Fall des Monte Ceneri aber bei der Bodenwellenausbreitung nicht, da ja das ganze Empfangsgebiet in den Alpen liegt. Am besten setzt man in so einem Fall den Sender mitten in das Versorgungsgebiet und gibt ordentlich Dampf auf die Antenne ;-).

Ein anderes Thema ist die notwendige Bodenleitfähigkeit für die Strahlungseffizienz der Antenne. Relevant ist das allerdings v.a. für die Raumwellenausbreitung. Hier kann man schlechtleitende Böden durch entsprechende Erdnetze oder durch Wahl von Antennen mit hoher Fußpunktimpedanz dennoch für effizient strahlende Antennen nutzen. Die Leitfähigkeit in größeren Distanzen spielt vor allem für die Bodenwellenausbreitung eine Rolle, nicht für die Raumwellenausbreitung (Eine Ausnahme ist der Bereich um die Antenne, der für die Reflektion des Sendesignals eine Rolle spielt - interessiert aber bei der Nahversorgung auf Mittelwelle nicht).
Umgekehrt spart man bei Aufstellung des Senders (auch für Raumwellenausbreitung) in gut leitfähiger Umgebung das teure Erdnetz und erfährt z.B. bei Kurzwellensendern durch die Reflektivität des Bodens im Nahbereich den erwähnten zusätzlichen "Ground Gain".

von DH0GHU - am 23.02.2015 09:20
Zitat
Frankfurt
Dann sind Senderstandorte wie der Monte Ceneri doch absolut schlechte Senderstandorte ?


Kann ich so pauschal nicht sagen, da ich vermute, dass die anfaengliche Motivation war rein den Tessin abzudecken mit einem Programm, dass sich rein auf den Tessin bezieht, und da hat man einen Standort gesucht, der wohl in der Naehe eines Sees und eines Flusses lag. Der Lago Maggiore ist gleich ums Eck dort und ein Fluss, und zwar der Ticino geht auch dort vorbei.

Grundsaetzlich ja, ein schlechter Senderstandort, wenn man es weitraeumiger betrachtet, wenn man es auf den Tessin bezieht, vermutl. der beste Standort in der Region.

von 102.1 - am 23.02.2015 09:26
Gut möglich, dass am Monte Ceneri die Bodenleitfähigkeit nicht ganz so schlecht ist wie an anderen Stellen (in den Hochalpen sicher noch schlechter als auf diesem erdig-feuchten Hügel...), aber ausschlaggebend für den Standort dürfte eher die Nähe zu den Bevölkerungszentren rund um Lugano und Locarno gewesen sein. Die möglicherweise gute Bodenleitfähigkeit rund um den Lago Maggiore hilft den Zuhörern im Norden des Tessin nicht weiter...

von DH0GHU - am 23.02.2015 10:02
Im Nahbereich (optische Sicht) dürfte die Bodenleitfähigkeit eine untergeordnete Rolle spielen. Der Ausbreitungsmechanismus "Bodenwelle" wird erst hinter dem quasi-optischen Horizont interessant. Bei der Vorbereitung auf die Genfer Wellenkonferenz soll in der DDR ernsthaft diskutiert worden sein, einen 1000kW-MW-Sender auf dem Brocken zu installieren. Aber so viele "Brüder und Schwestern", äh, "fortschrittliche Kräfte in Westdeutschland" gab es dann doch nicht, dass sich dieser Aufwand gelohnt hätte.

von hegi_ms - am 23.02.2015 16:17
Das stimmt vermutlich hinsichtlich Wellenausbreitung.
Das stimmt je nach Antennentyp nicht hinsichtlich Antenneneffizienz! Erdverluste durch zu hohe Erdübergangswiderstände bei Monopol-Antennen führen IMMER zu einer Reduktion der abgestrahlten Leistung.

von DH0GHU - am 23.02.2015 16:44
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