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Frage zur Frühzeit des Radios (technisch)

Startbeitrag von AnjaH am 05.08.2015 16:42

Für eine Science-Fiction-Geschichte (Parallelwelt) recherchiere ich zum Thema Frühzeit des Rundfunks:

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es ja nur Radio. Damals gab es große Sendemasten wie den in Königs Wusterhausen (https://de.wikipedia.org/wiki/Sender_K%C3%B6nigs_Wusterhausen), aber auch schon komfortable Aufnahmestudios wie das Haus des Rundfunks in Berlin (https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_des_Rundfunks).

Soviel ich weiß, wurde damals fast ausschließlich live gesendet. Aufzeichnen konnte man die Sendungen nicht. Was ich bisher nicht herausfinden konnte, ist mit welcher Technik die Tonsignale vom Aufnahmestudio zum eigentlichen Sender geleitet wurden, um dann ausgestrahlt zu werden.

Besonders wichtig für mich:
* Wie weit konnte damals das Rundfunkstudio vom Sendemast entfernt sein?
* Welche Technik wurde eingesetzt, um das Tonsignal vom Studio zum Sendemast zu übertragen?
* Wie hat man damals landesweite Ausstrahlungen realisiert, an der mehrere Sendemasten beteiligt waren?
* Wie funktioniert das heute bei analogen Sendern?

Wenn eine Erklärung zu umständlich oder zu kompliziert ist, würden mir auch Literaturangaben helfen.

Dieses Bild (http://www.panoramio.com/photo/60256139?source=wapi&referrer=kh.google.com) zeigt einen Mittelwellensendemast in der Stadt Elektrostal bei Moskau, über den früher Radio Moskau ausgestrahlt wurde. Welche Funktion haben die Drähte im Vordergrund und wie ist die Fachbezeichnung dafür?

Über eine Beantwortung der Fragen würde ich mich sehr freuen.

Antworten:

Literaturangabe: "Wunder der Wellen" von Eduard Rhein, erschienen in der ersten Auflage 1935. Das Buch ist populärwissenschaftlich geschrieben und daher flüssig zu lesen wie ein Roman. Es gibt Einblicke über den Stand der damaligen Radio- und Fernsehtechnik und man ist verblüfft, was damals schon alles erfunden war, auch wenn es noch nicht in normalen Radioempfänger eingebaut wurde. Das Buch wurde damals in vergleichsweise hoher Auflage verkauft (Rhein war damals schon bekannt, nach dem Krieg war er Chefredakteur der "Hörzu") und ist entsprechend im Antiqauriat leicht zu finden.

Konkret zu deinen Fragen: Es gab in den 1920ern bereits Telefonverstärker und weltweites Telefon. Für Radio konnte man entweder Telefonleitungen direkt nutzen, oder es gab auch direkt verlegte Koaxkabel. Mehrere hundert Kilometer waren also auch bei guter Tonqualität keine Kunst. So gab es Kabelverbindungen auch zu verschiedenen Großsendern. Üblicherweise waren aber besonders in der Anfangszeit oder bei Interkontinentalsendungen Kurzwellenempfangsanlagen in Gebrauch, die fast so groß waren wie der Sender. Damit wurde das Signal empfangen, verstärkt und dann zu den Ortssendern geleitet. So liefen beispielsweise schon in den 1920ern Konzerte gleichzeitig in Deutschland und in den USA. Der Schotte Baird schaffte schon 1928 die erste Fernsehübertragung über den Atlantik. Eingesetzt wurden unterwegs Schiffe und ein Flugzeug, die das Signal empfingen und verstärkt erneut abstrahlten.

Tonaufzeichnung gab es schon: Es wurden zunächst Schallplatten aus Wachs verwendet. Diese waren größer als normale Platten. Damit konnte bis zu einer Stunde aufgenommen werden. Allerdings konnte man diese Platten nur ein bis maximal 3 mal abspielen, bevor sie verschlissen waren.

von Bolivar diGriz - am 05.08.2015 18:14
Die Drähte im Vordergrund sind insgesamt in dieser Anordnung eine Reusenleitung. Das ist quasi eine Koaxialleitung wie das Antennenkabel zwischen Fernseher und Steckdose an der Wand, nur halt mit Luft als Dielektrikum anstelle irgendeines Kunststoffs. Für den Frequenzbereich, in dem dieser Sender arbeitete, war das eine gut verlustarme Zuführungsleitung der kilowatt- oder megawattstarken Hochfrequenz vom eigentlichen Sender zum Sendemast / zu den Sendemasten. Der Transport der Sendeenergie erfolgt dabei im Zwischenraum zwischen inneren und äußeren Leitern(!). Die leitung verläuft also zwischen eigentlichem Senderhaus (mit den Sendern drin) und den Antennenanlagen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reusenleitung

Zitat

Aufzeichnen konnte man die Sendungen nicht.


Ganz zu beginn tatsächlich nicht. Später konnte man auf Wachsplatten mitschneiden, in schlechter Qualität und immer paar Minuten am Stück, aber besser als nichts. Abgespielt wurden die Wachsplatten mit einer Holznadel, um die Rillen nicht zu zerstören.

Später folgte Stahldraht (bleischwere Maschinen, größer als ein Kinoprojektor) als Vorläufer des Tonbands. Dann kam das Tonband und das wurde in den 40er Jahren in Berlin durch die Erfindung der Hochfrequenz-Vormagnetisierung durch die Truppe um Herrn Weber schlagartig studiotauglich und auf Jahrzehnte der beste Tonspeicher überhaupt.

http://www.theimann.com/Analog/History/Vormag/
http://www.tonbandmuseum.info/rrg-dr-weber.html

Die Amis wunderten sich gegen Kriegsende über sehr live klingende Konzertsendungen im Radio und über einen ebenfalls offensichtlich live zu Ansprachen anwesenden Adolf Hitler. Die Qualität war so gut, daß alle bekannten Speichermedien ausschieden, es mußte live sein. Nur: wie kam Hitler in den Kriegswirren noch so viel herum? Er kam nicht: die Ansprachen kamen vom Band. Es war weitaus bessere Qualität als die damalige Mittelwelle zu übertragen vermochte. Als man das den Amis nach dem Krieg in Nürnberg vorführte (bzw. sie es sich vorführen ließen), kippten sie fast um und konfiszierten die Technik.

Mir liegen Klassikaufnahmen in Stereo (!!!) vor von 1943 und 1944: Beethoven Konzert Nr. 5, Brahms Serenade für Orchester Nr. 1 D-dur, Bruckner Sinfonie Nr. 8 c-moll, jeweils einzelne Sätze. Aufgenommen im bereits durch den Krieg geschädigten Funkhaus Berlin Masurenallee (heute RBB Berlin). Diese Aufnahmen sind bis auf leicht erhöhte "Körnigkeit" des Klangbildes und teils leichte Verzerrungen bei Fortissimo-Passagen perfekt und zum Weinen schön. Spielt man das jemandem ahnungslosem vor, erkennt der nie und nimmer, daß die Aufnahmen nicht aus den 60er, sondern aus den 40er Jahren stammen. Mitten im Krieg aufgenommen, aus der gleichen Zeit soll es Aufnahmen geben, bei denen man im Hintergrund leise die FLAK nahe des Funkturmes schießen hört. Nach dem Krieg waren die Aufnahmen teils auch noch in die Sowjetunion entführt worden und lagerten in einem Archiv nahe Moskau. SFB-Kulturredakteur Dr. Klaus Lang hat zufällig eine Schallplatte (!) mit verdächtigen Aufnahmen bei einem Besuch in der UdSSR gefunden (späte 80er Jahre) und zu recherchieren begonnen. 1991 kamen die Aufnahmen dann nach Berlin zurück.


Zitat

Was ich bisher nicht herausfinden konnte, ist mit welcher Technik die Tonsignale vom Aufnahmestudio zum eigentlichen Sender geleitet wurden, um dann ausgestrahlt zu werden.

* Welche Technik wurde eingesetzt, um das Tonsignal vom Studio zum Sendemast zu übertragen?


Wenn gar nix mehr ging: Boten mit Tonband hinschicken und dort mit einer Tonbandanlage spielen - so geschah es teils unmittelbar nach dem Krieg, als die leitungen zum Sender zerstört waren. Da ist der Fahrradkurier los, über Trümmerberge und mit Umweg wegen gesprengter Brücken. Man war froh, irgendwann die halbe Stunde gesendet zu bekommen...

Regulär waren das Leitungen. Für Ton reicht ein verdrillter isolierter Doppeldraht. Alle paar km entzerrt man den verbogenen Frequenzgang wieder. Letztlich war das nichts anderes als das, was man beim Telefonieren anwendete. Schließt man das symmetrisch (Symmetriertrafo auf beiden Seiten) ab, ist das brumm- und erdschleifenfrei und spielt prima. Der DLF hat so angeblich teils quer übers Feld Gottesdienste vom Dorf übertragen - bis in die 80er Jahre hinein.

Bitte beachten: der Rundfunk war in Deutschland immer Postsache! In der DDR waren bis 1990 Postmitarbeiter am Mischpult, im Schaltraum, in den Ämtern und auf den Sendeanlagen. Wenn ein Redakteur einen Beitrag selbst schneiden wollte, brauchte er eine Genehmigung ("Cutterschein"). Die Technik war in Post-Hand und alte Hasen sagen, solange das so war, wars auch ordentlich.

http://www.bayern-online.com/v2261/artikel.cfm/203/Pupinisierung-von-Freileitungs-und-Kabellinien.html

Telefon gab es ja eher als den Rundfunk. Für Mittelwelle reichte das. Spätere Entwicklungen nutzten die sogenannten "Kernvierer", die innersten Leiterbündel in den dicken Telefonkabeln, die entlang der Reichsautobahnen verlegt wurden. Damit gehen bei guter Entzerrung auch UKW-Qualität problemlos. Die Leitungen liefen aber durch die Telegrafenämter und mußten dort durch (Röhren)verstärker wieder im Pegel aufgepäppelt werden. Bereits kurz nach Beginn des Rundfunks gab es ein weitverzweigtes Leitungsnetz in (Groß-)Deutschland. Spätestens zur Olympiade war das Netz perfekt.

http://www.dra.de/rundfunkgeschichte/75jahreradio/nszeit/img/ue_netz_143_grafik.gif

http://fernsehen.bplaced.net/pdf/Heft-05_Kabel.pdf

Zitat

* Wie weit konnte damals das Rundfunkstudio vom Sendemast entfernt sein?


Wenn die Leitungen technisch intakt waren und genug Ämter dazwischengeschaltet wurden, tausende Kilometer. Passiv (nur Draht, keine Elektronik) vom Funkhaus zum Sender vielleicht einige 10 km.

Müßte man Herrn Walde fragen, der meines Wissens nach noch lebt und geistig voll rege ist - 96 Jahre alt, war wohl sogar bei Olympia 1936 als Tonmensch dabei.


Zitat

* Wie hat man damals landesweite Ausstrahlungen realisiert, an der mehrere Sendemasten beteiligt waren?


Mit ebensolchen Leitungen. Die Sender waren letztlich wie an den Wurzelspitzen eines Baumes. Von dort zurückverfolgt: Einzelleitungen - Knotenämter, die mehrere solcher Leitungen (z.B. Ostgebiete, Südgebiete, Westgebiete) versorgten und an je nur einer Leitung hingen - Knotenämter, die das wieder zusammenfassten - am Ende eine Leitung aus dem gebenden Funkhaus. Sinnvollerweise waren die Knoten in einzelnen Regionen die ohnehin dort vorhandenen Funkhäuser, die das zentral ankommende Signal im Schaltraum an stelle von eigenem Programm auf die Ausgangsleitungen legten.

Legendär war die Weihnachts-Ringsendung des großdeutschen Rundfunks im Krieg. Da nahm man der Propaganda wegen alles mit, was man hatte, bis hin zu fliegenden Relaisstationen in Flugzeugen. Zentrale war Masurenallee Berlin. Man brauchte da freilich Leitungen in beide Richtungen, man wollte ja miteinander reden. Die Verschaltung ist nicht trivial: niemand darf sein eigenes Signal auf der ankommenden Leitung haben. Immerhin gab es damals noch keine Echos bei sowas, das kam erst mit Satelliten- und Digitalverbindungen.

www.youtube.com/watch?v=NRW_dR0h3Cs
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsringsendung


Zitat

* Wie funktioniert das heute bei analogen Sendern?


Die dürften fast alle inzwischen digital angebunden sein: über Kabel (Kupfer oder Glasfaser), Richtfunk, Satellit. Analoge Tonleitungen gibt es kaum noch.

von Chris_BLN - am 05.08.2015 18:16
Zitat

Wie weit konnte damals das Rundfunkstudio vom Sendemast entfernt sein?

So weit wie die Leitungen reichten.
Zitat

Welche Technik wurde eingesetzt, um das Tonsignal vom Studio zum Sendemast zu übertragen?

Bis vor einigen Jahren wurde die Modulation analog per Zweidrahtleitung übertragen. Das waren letztendlich normale Telefeonleitungen, Das geht über viele Kilometer, mit Verstärkern dazwischen theoretisch weltweit, wie bei Telefonen auch.
Zitat

Wie hat man damals landesweite Ausstrahlungen realisiert, an der mehrere Sendemasten beteiligt waren?

Nicht viel anders als heute. Ob das Signal nun zu einem oder zu mehreren Sendern geschickt wird, macht kaum einen Unterschied. Desweiteren gibt es die Möglichkeit des Ballempfangs. Dabei empfängt Sender B mit einem Empfänger das Signal von Sender A und strahlt es auf anderer Frequenz wieder aus.
Hier in Deutschland gab es aber einzelne Sendeanstalten, aus denen letztendlich die heute noch existierenden öffentl. rechtlichen Anstalten entstanden sind. Eine Zusammenschaltung in großen Stil, mit Landesweiten Sendungen, gab es erst in den 30er Jahren mit der Verstaatlichung und dem Großdeutschen Rundfunk. Im Ausland sah das zum Teil anders aus, wenn es nur eine Rundfunkanstalt gab, wurde das halt zentral produziert (z.B. in London) und per Leitung oder Ballempfang an die Sender gebracht.
Zitat

Wie funktioniert das heute bei analogen Sendern?

Nicht viel anders :-) Die analogen Mietleitungen hat die Telekom noch bis 2009 angeboten. Die gab es für feste Verbindungen vom Studio zum Sender aber auch temporär für Übertragungen. Heute nimmt man stattdessen digitale Übertragungen in diversen Verfahren.
Programme werden über Leitungen, Satellit, Richtfunk, Internet, oder Ballempfang verbreitet.

Zitat

Welche Funktion haben die Drähte im Vordergrund und wie ist die Fachbezeichnung dafür?

Das ist die Speiseleitung vom Sender zur Antenne, hier in Form einer offenen Koaxleitung ausgeführt. Letztendlich genau wie dein Antennenkabel zuhause, nur das hier keine massive Ader in der Mitte und ein Geflecht außen verwendet wird, sondern mehrere einzelne Drähte.
Hier sind weitere Bilder dieser Technik. http://www.waniewski.de/Besucherstationen/Wachenbrunn%20MW%201323/index.htm

In den 20er Jahren hat das aber vermutlich anders ausgesehen.

von Marc_RE - am 05.08.2015 18:38
Zitat
Chris_BLN
Die Verschaltung ist nicht trivial: niemand darf sein eigenes Signal auf der ankommenden Leitung haben. Immerhin gab es damals noch keine Echos bei sowas, das kam erst mit Satelliten- und Digitalverbindungen.

Ganz Echo- und Laufzeitfrei war das nicht. Die Sendungen sind telweise erhalten geblieben und im Internet zu finden. Da hört man schon Echos.
Man muß aber bedenken, daß das mitten im Krieg war und an den Mikrofonen nicht nur Profis standen. Es zeigt eindrucksvoll, wie weit man damals im dritten Reich bereits war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsringsendung
https://www.youtube.com/watch?v=OcblqbeOo4Q

von Marc_RE - am 05.08.2015 18:50
Wobei ich vor einiger Zeit mal einen Bericht im TV über diese Weihnachtsringsendung 1942 gesehen habe, in der man davon ausging, dass diese Sendung einfach ein vorproduziertes "Hörspiel" war und diese Störungen in Form von Echos und Rückkopplungen vorgetäuscht sind.

von WiehengeBIERge - am 05.08.2015 19:31
Vielen, vielen Dank für die kompetente Beantwortung der Fragen. Das hat mir echt weitergeholfen.

Allerdings haben sich bei mir noch einige weitere Fragen ergeben:
* Die auf diesem Bild erkennbaren (http://www.panoramio.com/photo/82942326?source=wapi&referrer=kh.google.com) gelben oder weißen zylinderförmigen Gebilde ganz am Fuße des Sendemastes, sind das Schwingungsdämpfer oder Isolatoren?
* Wie hier (http://www.panoramio.com/photo/64034322?source=wapi&referrer=kh.google.com) erkennbar ist, ragen ganz oben auf den Masten zwei Stahlträger über das Fachwerk hinaus. Welche Funktion haben sie?
* Kann man erkennen, ob die Masten in Elektrostal selbststrahlend waren?
* Die vier Masten in Elektrostal sind in einer geraden Linie von Nord nach Süd angeordnet. Die vier Masten des Senders Wachenbrunn in einem Quadrat. Hat diese Anordnung irgend eine Bedeutung?
* Was bringt es, die Sendungen mit mehreren identischen, zusammenstehenden Masten auszustrahlen? Was ist der Vorteil gegenüber einem einzelnen Mast?
* Haben Höhe der Masten und Sende-Reichweite etwas miteinander zu tun?

Ich hoffe, ich nerve euch nicht zu sehr. viele Grüße Anja

von AnjaH - am 05.08.2015 19:42
Ähmmm... wirklich sehr spezielle Fragen, ich muß bei einigen passen bzw. kann nur mutmaßen.

Was gerade witzig ist: ich suche krampfhaft nen Namen. Wir hatten hier mal im Forum jemanden mit ähnlich speziellen Fragen. Die gegebenen Antworten tauchten dann irgendwo in Artikeln auf. Bei Dir ja offenbar in einer Science Fiction-Geschichte, mal was anderes. ;)


Zitat

* Die auf diesem Bild erkennbaren (http://www.panoramio.com/photo/82942326?source=wapi&referrer=kh.google.com) gelben oder weißen zylinderförmigen Gebilde ganz am Fuße des Sendemastes, sind das Schwingungsdämpfer oder Isolatoren?


Puh... es gibt ja selbststrahlende, am Fußpunkt auf Isolator stehende Masten. Ob dieser ein solcher sit, weiß ich nicht. Die, die ich kenne, sehen anders aus. So z.B.:
http://www.radiomuseum.org/forumdata/users/133/Rias_Fusspunkt_Mast_855.jpg
(ex RIAS, Berlin Britz).

Da sieht man den Isolator und die Funkenstrecke, die Blitzeinschläge ableiten soll.


Zitat

* Wie hier (http://www.panoramio.com/photo/64034322?source=wapi&referrer=kh.google.com) erkennbar ist, ragen ganz oben auf den Masten zwei Stahlträger über das Fachwerk hinaus. Welche Funktion haben sie?


Ich habe den Eindruck, daß hier die eigentliche Antenne dran befestigt ist. Ähnlich sehen manchmal sogenannte "kapazitive Dachlasten" aus, aber die hier sehen doch bissl anders aus.


Zitat

* Kann man erkennen, ob die Masten in Elektrostal selbststrahlend waren?


In den Abspannleitungen (Pardunen) scheinen Isolatoren drin zu sein. Deutet genau wie die vermutlichen Isolatoren drauf hin. Bin aber kein Profi bei sowas. Der Profi sitzt mailtechnisch um die Ecke, schreibt hier aber nicht...


Zitat

* Was bringt es, die Sendungen mit mehreren identischen, zusammenstehenden Masten auszustrahlen? Was ist der Vorteil gegenüber einem einzelnen Mast?


Man kann gezielt Ausblendungen in bestimmte Richtungen vornehmen bei geeigneter Verschaltung. Soweit mir das bekannt ist...


Zitat

* Haben Höhe der Masten und Sende-Reichweite etwas miteinander zu tun?


Höhe und Wellenlänge gehören zusammen. Reichweite käme bei Mittelwelle durch Leistung und eventuell (nochmal: bin kein profi) durch Abstrahlcharakterisitik, also wie steil nach oben abgestrahlt wird. Bei Kurzwelle ist das so, da kann man dadurch das Zielgebiet einstellen. Bei Mittelwelle kann ichs nicht sagen, kenne die Ausbreitungsphysik da nicht.

von Chris_BLN - am 05.08.2015 21:48
Zitat

ich suche krampfhaft nen Namen.

Obelix

Die Träger oben könnten die eigentliche Antenne tragen, man sieht das von dort was runterhängt. Das unten sieht mir nicht nach einem Isolator aus.

Das sind aber alles modernere Installationen. In den 20er Jahren war da eher ein Draht, oder mehrere, zwischen 2 Masten zu finden, Speisung in der Mitte.

http://www.oldtimeradio.de/sender-R-bln-magdeb.platz.php

von Marc_RE - am 05.08.2015 22:25
Irgendwo hab ich gelesen, dass es zu Anfangszeiten von TV schon Glasfaserkabel als Zuführungen gegeben hat. Ist da was dran?

von Cha - am 05.08.2015 22:38
Nein, Glasfaserkabel zur Informationsübertragung wurden erst Mitte der 60er möglich, der zur Übertragung benötigte Laser wenige Jahre vorher.
Kurze Lichtleiter zu Beleuchtungszwecken gab es allerdings schon vorher.

von Marc_RE - am 05.08.2015 23:00
Glasfaser ohne Laser kann ich mir schon vorstellen. Mit einer sehr konzentrierten und modulierten Lichtquelle vielleicht ? Analog natürlich so wie die Filmspur auf einem analogen Film.

von Frankfurt - am 09.08.2015 18:25
Das wäre zwar möglich, aber dann kannst du die Glasfaser gleich ganz weg lassen und nur mit moduliertem Licht senden. Damit hatte schon Alexander Graham Bell experimentiert.

von Bolivar diGriz - am 10.08.2015 04:28
Nur war die Glasfaser noch nicht erfunden. Selbst das Koaxkabel war damals was ganz neues.

von Marc_RE - am 10.08.2015 04:34
ein merkwürdiger Mast, aber zu Deinen Fragen:

*die zylinderförmigen Gebilde sind Isolatoren - von Interesse sind dabei die Stützen, die selbst wiederum gegenüber dem Mast isoliert sind (horizontale Tonnen) - so etwas habe ich noch nie gesehen
Schwingungstilger werden nur bei freistehenden Masten oder freistehenden Aufsätzen benötigt, in komplett abgespannten Systemen sind keine Tilger erforderlich

*an den Auskragungen sind wiederum Antennendrähte (vertikal) befestigt - mit dieser Info kann man sie auch erkennen
der Zweck warum man dies gemacht hat ist einfach: über diesen Mast werden (wurden) wohl extrem unterschiedliche MW-Frequenzen abgestrahlt. Hintergrund ist, dass bei selbststrahlenden Masten die Länge des Mastes auf die eine Frequenz abgestimmt ist - eine weitere Frequenz geht nur mit hohen Verlusten oder man installiert eben eine weitere Antenne. Dies erklärt auch, warum die Paardunen (Abspannseile) so oft isoliert sind - je kürzer die Seillänge zw. den Isolatoren, desto breitbandiger wird die Sache

*ja, aufgrund der Isolatoren am Mastfuß

*über eine geometrische Anordnung kann man ein Antennendiagramm erzeugen, dies ist z.B. wichtig um andere MW-Sender die auf der gleichen Frequenz senden nicht zu stören
Häufig werden diese geometrischen Zusammenschaltungen tageszeitabhängig durchgeführt, wegen den besonderen Ausbreitungsbedingungn in der Nacht
Ein einzelner selbststrahlender Mast hat immer ein rundes konzentrisches Antennendiagramm.

*die optimale Höhe eines selbststrahlenden Mastes ist abhängig von der abzustrahlenden Frequenz (Stichwort lambda) - nur dann wird auch die optimale Reichweite erzielt

von txer - am 13.08.2015 16:12
Zitat
Marc_RE
Nur war die Glasfaser noch nicht erfunden. Selbst das Koaxkabel war damals was ganz neues.


Das stimmt nicht! https://de.wikipedia.org/wiki/Glasfaser

Demnach wurden die technischen Eigenschaften der Glasfaser schon 1896 entdeckt (Glasfasern gab es da schon "ewig", allerdings nur zu Dekozwecken), für die technische Nutzung wurde es ab 1930 sogar schon industriell gefertigt!

von Bolivar diGriz - am 15.08.2015 09:00
Zitat
Bolivar diGriz
Das stimmt nicht! https://de.wikipedia.org/wiki/Glasfaser


Schauen wir dort unter "Datenübertragung" wird auf den Artikel Lichtwellenleiter verwiesen.
Und da steht:

Zitat

Mitte der 1950er Jahre wurden optische Leiter vor allem zur Beleuchtung innerer Organe in der Medizintechnik angewandt, für andere Anwendungen war der Lichtverlust im optischen Leiter noch zu groß. Erst mit der Entwicklung des ersten Lasers durch Theodore Maiman 1960 konnte man Licht konzentriert durch ein Medium transportieren. Die gezielte Informationsübertragung über Lichtwellenleiter trat nun aus der experimentellen Phase in die der technischen Realisierung.

Das erste optoelektronische Lichtwellenleiter-System erfand 1965 Manfred Börner.[1] Er entwarf ein optisches Weitverkehrs-Übertragungssystem, das Laserdioden, Glasfasern und Photodioden kombinierte. 1966 meldete er das System für das Unternehmen AEG-Telefunken zum Patent an. Alle optischen Weitverkehrs-Übertragungssysteme arbeiten noch heute nach diesem von Manfred Börner vorgeschlagenen Systemprinzip. Für seine Erfindung wurde Börner 1990 mit dem Eduard-Rhein-Preis ausgezeichnet.


Wenn es das also schon in den 20er und 30er Jahren gegeben hätte, hätte die Reichspost sich ja das, bis in die 70er Jahre genutzte, Koaxnetz sparen können.

von Marc_RE - am 18.08.2015 09:32
Wenn wir mal in die echte Wikipedia schauen: https://en.wikipedia.org/wiki/Optical_fiber
sehen wir, dass durchaus schon wesentlich länger die Glasfaser als Datenübertragungsmöglichkeit bekannt war. Dass sie vor Erfindung des Lasers nicht praktikabel war, steht auf einem anderen Blatt. Aber dem Threadersteller geht es ja um Science Fiction im Rahmen eine Paralleluniversums. So sind manche Erfindungen erst durch puren Zufall sehr viel später erfolgt, als sie technisch bekannt waren (LED, Transistor, Glasfaser), andere Ideen wiederum waren ihrer Zeit voraus und wurden früh praktisch genutzt.

von Bolivar diGriz - am 18.08.2015 10:00
Die Glasfaserfrage kam aber von Cha und bezieht sich auf diese Welt. Und da gab es in den 30er Jahren noch keine Fernsehübertragung per Glasfaser.
Ob es in irgendeiner gedachten Parallelwelt nun in den 30er Jahren mechanisches 2000 Zeilen 3D HDTV mit Übertragung per Glasfaser gab, kann ich allerdings nicht beantworten :-)

von Marc_RE - am 19.08.2015 12:50
Ich zitiere aus der Wikipedia: "Practical applications, such as close internal illumination during dentistry, appeared early in the twentieth century. Image transmission through tubes was demonstrated independently by the radio experimenter Clarence Hansell and the television pioneer John Logie Baird in the 1920s. "

Es wurde also sehr wohl in "unserem Universum" in den 1920ern mit Fernsehen über Glasfasern experimentiert. (Dabei war bislang von Fernsehen in diesem Thread noch gar keine Rede.)

von Bolivar diGriz - am 19.08.2015 13:32
Zitat
Bolivar diGriz
Es wurde also sehr wohl in "unserem Universum" in den 1920ern mit Fernsehen über Glasfasern experimentiert. (Dabei war bislang von Fernsehen in diesem Thread noch gar keine Rede.)

Nein? Komisch... Bei mir steht da oben:
Zitat
Cha
Irgendwo hab ich gelesen, dass es zu Anfangszeiten von TV schon Glasfaserkabel als Zuführungen gegeben hat. Ist da was dran?


Wir reden also nicht von Experimenten mit irgendwelchen Lichtleitern über ein paar Zentimeter, wir reden von langen Kabeln vom Studio zum Sender. Hatte Baird ein Glasfaserkabel als Zuführung? Nein, nur ein Telefonkabel. Hatte die Reichspost schon Glasfaserkabel, oder gingen da Koaxkabel quer durch Deutschland?

von Marc_RE - am 19.08.2015 15:23
https://www.tep.ch/Ihr-Kabelanschluss/LWL-Datendienste/Geschichte-LWL.69.html

Hier geht es im speziellen um die Datenübertragung, aber letztendlich scheint plausibel, dass es für eine sinnvolle Nutzung von Lwl auch Halbleiter Technik bedarf, welche in den 1930er Jahren noch sciencefiction waren. Somit kann mich das mit der Glasfaser hier nicht überzeugen.

von janosch79 (Ex.w_weinmann) - am 22.08.2015 19:42
In den zwanziger Jahren waren zur Tonaufzeichung bereits der Lichtton erfunden (Film). Die Firma Tri-Ergon nahm auch (zur Umgehung von Patenten der Firma Westinghouse) Schallplatte statt mit Mikrophon mit Licht auf: Ein Spiegel wurde schwingend an Federn aufgehängt, und drei gebündelte Lichtstrahlen (daher der Name der Firma) über diesen Spiegel auf eine Fotozelle, bzw. auf einen Streifen am Kinofilm reflektiert. Der Spiegel war sozusagen das "Mikrophon", gegen das gesungen wurde. Durch die Schallschwingungen wurde der Spiegel bewegt und die Lichtstrahlen abgelenkt. Auf diese Weise wurden optomechanische Tonaufzeichnungen gemacht. Statt eines Filmes konnte das Licht natürlich auch über eine Glasfaser in einen anderen Raum transportiert werden.

Bei Bairds Fernsehversuchen wurde die Glasfaser in Kombination mit Nipkowscheiben eingesetzt: Anstelle der anfangs nicht ausgereiften Kombination Fotozelle-Verstärker-Glimmlampe wurde eine Glasfaser eingesetzt. Nachteile waren die fehlende Verstärkung, und damit ein sehr dunkles Bild, außerdem brauchte jeder Empfänger eine eigene Glasfaser zum Studio, die damals zudem noch nicht sehr lang sein durfte. Vorteil war, dass das Bild auf diese Weise farbig übertragen wurde, weil das Licht ja direkt ohne Verstärkung durch die Glasfaser ging.

Stimmt, das war alles keine gängige Technik, aber es war mögliche und bereits erfundene Technik. Es soll ja um einen Sciencefiction, nicht um ein Sachbuch gehen.

von Bolivar diGriz - am 23.08.2015 06:14
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