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18
Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 3 Monaten
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ulionken, uhf, Manfred Z, RADIO354, FunkTom, DH0GHU, Marcus., w_weinmann, Zintus, Wolfgang R

EU-Satelliten- und Kabel-Richtlinie

Startbeitrag von ulionken am 26.08.2015 18:06

Die EU-Richtlinie 93/83/EWG ist hier im Forum schon öfters angesprochen worden. Sie sorgt u.a. dafür, dass ausländische Programme in den TV-Kabelnetzen der EU nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Sendeanstallten verbreitet werden. Dieses Einverständnis erteilen die Sender in der Regel nicht. Deshalb gibt es für die Kabelzuschauer in Deutschland keine ORF- oder BBC-Inlandsprogramme, während sie z.B. im Nicht-EU-Land Schweiz ohne Einverständnis des ORF bzw. der BBC in den Kabelnetzen übertragen werden.

Laut einer Meldung bei heise.de wird diese Richtlnie überarbeitet. Dabei geht es allerdings hauptsächlich über die Verbreitung im Internet. Die Online-Umfrage der EU-Kommission zum Thema läuft bis zum 16. November und eröffnet die Chance, auch die Weiterverbreitung von TV-Programmen drahtlos, über Satellit oder im Kabel im Sinne der Zuschauer zu liberalisieren. Diese Konsultation steht allen Interessenten offen, sie ist also nicht nur auf Organisationen, Firmen oder Politiker beschränkt.

Meine Erfahrungen mit solchen Konsultationen (700 MHz; TTIP/ISDS) sind nicht so schlecht: Die eigene Stellungnahme wird auf Wunsch neben vielen anderen publiziert. Substanzielle eigene Positionen findet man tatsächlich in der schriftlichen Zusammenfassung der Konsultation wieder. Klar, man wird als Einzelperson keine Entscheidungen beeinflussen können, aber Sachargumente werden durchaus im Entscheidungsprozess berücksichtigt.

Also, jetzt ist die Gelegenheit da. Ein paar gute Argumente und eine genügende Anzahl von Teilnehmern an der Konsultation haben sicher mehr Auswirkungen als zig Beiträge zum Fehlen von ORF oder BBC in diesem Insiderforum! In die deutsche Version der Konsultation gelangt man hier:

https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/consultation-review-eu-satellite-and-cable-directive#Deutsch

73 de Uli

Antworten:

Die deutschlandweite ORF-Verbreitung ohne dessen Zustimmung wäre das Ende von ORF1 wie wir es heute kennen.

Die sublizenzierenden deutschen Privatsender, welche die Rechte für die deutschsprachigen Sprachraum inne haben, würden diese nicht mehr für den ORF als Österreich-Rechte sublizenzieren.

Der ORF müsste dann zusammen mit den deutschen Privaten um die teuren Rechte für den gesamten deutschsprachigen Raum pokern - undenkbar bei den klammen ORF-Kassen.

Der ORF sollte lieber ORF2Europe als ein komplett durchschaubares Programm ohne Teletexttafeln umbauen. Das was es jetzt ist, ist doch nix halbes und nix ganzes.

Da wären die Leute, die wirklich an Österreich interessiert sind, besser dran.

Doch sind wir doch mal ehrlich: Den meisten geht es bei ORF um werbefreies Material aus Hollywood bzw. Sport. Das wäre mit einer deutschlandweitern Verbreitung dahin.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 28.08.2015 11:39
Klasse - danke für den Hinweis. Ich werde mich da mal ein wenig auslassen hinsichtlich eines erleichterten Zugangs zu den öffentlich-rechtlichen bzw. FTA Sendern anderer Länder, um sich als sprachlich/kulturell an bestimmten Sprachen/Regionen Interessierter auf dem Laufenden halten zu können. :spos:

von Zintus - am 28.08.2015 21:28
Zitat

Der ORF sollte lieber ORF2Europe als ein komplett durchschaubares Programm ohne Teletexttafeln umbauen. Das was es jetzt ist, ist doch nix halbes und nix ganzes.


Ist rechtlich aktuell nicht erlaubt, da es ein neues Programm wäre.

von Marcus. - am 28.08.2015 21:47
Bitte denkt an die Change bis zum 16. November 2015 an der Umfrage teilzunehmen.
Immerhin wird hier eine Möglichkeit geboten, dass

- östereichische (ORF) und schweizer (SRF) Sender endlich legal ins deutsche Kabelnetz kommen können, wenn sie terrestrisch empfangbar sind.

Es stärkt aber m.E. auch die anderen EU-Nachbarn bzgl. dem Einspeisen Ihrer terrestrischen Nachbarn.

Natürlich geht es auch um Geoblocking innerhalb der EU - aber dafür ist ja diesselbe Situation anzuwenden, also kein Geoblocking.

Ich bitte hier im o.g. Sinne aktiv teilzunehmen.
Danke.

von uhf - am 07.11.2015 05:23
Für den Terrestrischen Empfang der TV Programme aus A und CH in D sieht es sehr Düster aus.
Simpli TV ist ein Drahtloser Kabelanbieter. Die Schweiz hat am DVB- T Netz gerade die Totoptimierung
in Arbeit. Das Ende wird das Aus sein .
Das Ganze wird wohl wieder nur viel Heisse Luft produzieren.

von RADIO354 - am 07.11.2015 10:09
Proxyserver is your friend... Auf konventionellem Wege sieht es natürlich düster aus... Bis auf den Trick mit den berühmten Bekannten in A oder CH. Die Karre ist im Dreck festgefahren und wie Wolfgang bereits sagte, das ORF 1 währe nicht mehr das was es ist.

von w_weinmann - am 07.11.2015 10:42
Zitat
RADIO354
Das Ganze wird wohl wieder nur viel Heisse Luft produzieren.


Auch solche Kommentare sind allerdings nicht mehr als dasselbe, oder?. Leute, nutzt lieber Eure Chance und beteiligt Euch mit substanziellen Beiträgen und Kritik an der Behinderung des grenzüberschreitenden Empfangs bei dieser EU-Umfrage!

Der ORF 1 ist mir persönlich übrigens völlig schnuppe; die Serien dort interessieren mich nicht. Mir geht es um Programme aus anderen EU-Staaten, um mich informieren zu können, was sich dort so tut. ORF 2E ist mit seinen Teletext-Fenstern ein schlechter Witz; für andere Länder (u.a. Schweden, Irland, Finnland) sieht es noch schlechter aus, weil man ohne Wohnsitz von dort gar nichts legal über Satellit oder gar Kabel empfangen kann. Die EU-Regeln schützen vor allem die Interessen der Copyright-Eigentümer, nicht die der Konsumenten.

73 de Uli

von ulionken - am 10.11.2015 21:11
Ich teile ulionken`s Sicht vollumfänglich und bin ihm sehr dankbar für seinen Fleiß und die Bereitschaft uns die Möglichkeit zu geben an solchen Informationen bzw. Informationsaustausch aktiv teilzunehmen.

Demokratie lebt vom Mitmachen; genau das ist ja das Schöne.
Wer sich nicht in die Gemeinschaft aktiv einbringt, braucht sich meines Erachtens auch nicht beklagen, wenn manche Dinge nicht so laufen, wie man es als Verbraucher / Bürger gerne hätte.

von uhf - am 11.11.2015 08:41
Zur Zeit: Livestream eines Hearings in Brüssel:

The hearing will cover the three main pillars of the recently launched public consultation:

-- the network, with the aim to ensure a consistent and predictable regulatory environment that is supportive for infrastructure investments;
-- the service, with the aim to ensure a modernised regulatory regime for electronic communication services in a world of diverse online services;
-- the governance, with the aim to ensure that markets are regulated in a consistent manner, including as regards access to spectrum.

http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/public-hearing-evaluation-and-review-regulatory-framework-electronic-communications-networks

Es geht hier nicht um den kostenlosen Empfang ausländischer Programme. Es geht um europaweite Urheberrechte und die Vermeidung von Handelsbeschränkungen durch die Abschaffung länderspezifischer Lizenzen.

Die Vergabe europaweiter Lizenzen an einen einzigen Anbieter (wie Olympiarechte an Discovery) ist das Ergebnis dieser Vorstellungen.

von Manfred Z - am 11.11.2015 09:45
Zitat
Manfred Z
Es geht hier nicht um den kostenlosen Empfang ausländischer Programme. Es geht um europaweite Urheberrechte und die Vermeidung von Handelsbeschränkungen durch die Abschaffung länderspezifischer Lizenzen.

Die Vergabe europaweiter Lizenzen an einen einzigen Anbieter (wie Olympiarechte an Discovery) ist das Ergebnis dieser Vorstellungen.


Genau das ist doch der Punkt, der kräftigen Widerspruch verdient: Die EU sorgt dafür, dass die Anbieter ihre Urheberrechte europaweit vermarkten können, ohne Behinderung durch nationale Grenzen. Die Konsumenten werden mit EU-Regelungen (u.a. der Richtlinie 93/83/EWG) am grenzüberschreitenden, kostenlosen Empfang gehindert und schon gar nicht dabei unterstützt, etwa Smartcards aus anderen Mitgliedsstaaten erwerben zu können. Mit anderen Worten: Die EU setzt sich mal wieder für die Rechte grosser Unternehmen ein, ihre Urheberrechte möglichst einfach und effizient zu vermarkten, aber nicht für die Rechte der Konsumenten.

Der Fragebogen lässt genügend Spielraum, diese Argumentation auszuführen.

73 de Uli

von ulionken - am 11.11.2015 19:07
Bei Urheberrechten handelt es sich um Eigentum. Und Eigentum ist in einer Marktwirtschaft ein schützenswertes Gut. Wenn der ORF der Meinung ist, dass du seine selbstproduzierten oder lizensierten Sendungen nicht sehen darfst, dann ist das eben so. Und erst recht kannst du nicht verlangen, diese Sendungen als Schnorrer kostenlos zu sehen.

Und wenn RTL Eigentümer oder Lizenznehmer für die Sendeinhalte in Deutschland ist, kann RTL verlangen, dass die Möglickeit zum Schnorren unterbunden wird. Und komm mir nicht mit Kultur, die frei zugänglich sein soll. Bei RTL gibt es keine Kultur, die diese Bezeichnung verdient.

von Manfred Z - am 11.11.2015 21:10
Mir geht's nicht um ORF und erst recht nicht um RTL. Es geht mir auch nicht darum, dass ich kostenlos beziehen will, wofür andere Leute zahlen oder um "Schnorren", wie Du mir unterstellst. Und ob es Dir gefällt oder nicht, ich interessiere mich für Kultur und ganz sicher nicht für den Kram, den RTL sendet (und ebensowenig für ORF 1)!

Ich möchte einfach nur die gleichen Rechte wie andere EU-Bürger auch, unabhängig davon, wo man in dieser Union seinen Wohnsitz hat. Wenn Sender XYZ seine Programme nur gegen Bezahlung abgeben will, dann sollen sie das tun. Aber was sie nicht tun sollen, ist die Unterscheidung dabei nach Wohnsitzland. Ich empfinde das als Diskriminierung und Missbrauch der Eigentumsrechte. Wieso kann ich hier nicht (legal) eine Viewing Card zum Entschlüsseln von RTE oder SVT (oder ORF) zu den gleichen Bedingungen kaufen, als wenn ich in den betreffenden Ländern leben würde? Und wieso sorgt die EU nicht dafür, dass solche Diskriminierungen verschwinden? Wieso sind nicht wenigstens Sendungen ohne Copyright-Beschränkungen frei über die Grenzen empfangbar? Offene Grenzen sind ein wertvolles Gut, nicht nur für diejenigen mit viel Geld!

73 de Uli

von ulionken - am 11.11.2015 21:41
:spos:Das kann ich nur vollumfaenglich unterstreichen!:spos:

von FunkTom - am 11.11.2015 22:08
Gegen die Position von Uli Onken, die ich gerne zu 100% durchgesetzt sähe, steht das Recht auf Vertragsfreiheit.
Die Frage ist, ob diese Vorgehensweise dann dem Diskriminierungsverbot entgegen steht. Es ist ja explizit kein Ausschluß aufgrund schützenswerter persönlicher Eigenschaften wie Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Religiosität, etc.
Wenn ich sehe, dass wesentlich zweifelhaftere Bevorteilungen (z.B. Einheimischenmodelle bei der Baugrundvergabe) offenabr unangefochten bleiben, sehe ich nur geringe Chancen, hier was zu ändern.

von DH0GHU - am 12.11.2015 07:47
Zitat
ulionken
Zitat
RADIO354
Das Ganze wird wohl wieder nur viel Heisse Luft produzieren.


Auch solche Kommentare sind allerdings nicht mehr als dasselbe, oder?. Leute, nutzt lieber Eure Chance und beteiligt Euch mit substanziellen Beiträgen und Kritik an der Behinderung des grenzüberschreitenden Empfangs bei dieser EU-Umfrage!

Der ORF 1 ist mir persönlich übrigens völlig schnuppe; die Serien dort interessieren mich nicht. Mir geht es um Programme aus anderen EU-Staaten, um mich informieren zu können, was sich dort so tut. ORF 2E ist mit seinen Teletext-Fenstern ein schlechter Witz; für andere Länder (u.a. Schweden, Irland, Finnland) sieht es noch schlechter aus, weil man ohne Wohnsitz von dort gar nichts legal über Satellit oder gar Kabel empfangen kann. Die EU-Regeln schützen vor allem die Interessen der Copyright-Eigentümer, nicht die der Konsumenten.

73 de Uli


Bitte meinen Eintrag nicht als Persönlichen Angriff interpretieren.
So habe Ich das nicht gemeint.

Vom " Fernsehen Ohne Grenzen " habe Ich schon in den 90`er Jahren in einem Infosatartikel
gelesen. Getan hat sich Nichts und das wird sich ( was Ich sehr bedauerlich finde ) auch nicht ändern.
Dafür wird " man " schon sorgen....
Das macht mich Ärgerlich. Daher die Äusserung mit der Heissen Luft Eingangs.

.

von RADIO354 - am 12.11.2015 17:16
Schon verstanden. :)

Die EU-Umfrage wird kurzfristig im Sinne der Konsumenten auch nichts bewirken, da soll sich hier niemand irgendwelchen Illusionen hingeben. Dazu sind die Interessenlagen und die Ausrichtung in der EU-Kommission auf die Interessen der Wirschaft zu eindeutig. An der geplanten Aufhebung von Handelshemmnissen für die Vermarkter der Copyrights über nationale Grenzen dürfte es auch kaum nennenswerte Kritik geben.

So ein Survey ist aber eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen der einzelne Bürger überhaupt konkret Anstösse zu Veränderungen geben kann. Einen rechtlichen Hebel gibt es in diesem Fall nämlich nicht (DH0GHU hat das mit dem Diskriminierungsverbot richtig dargestellt; das Wohnsitzland fällt gemäss EU-Regeln nicht darunter). Letztlich kommt es auf den politischen Willen der Kommission und des EU-Parlaments an. Abweichende, gut begründete Meinungen aus Sicht der Konsumenten werden von den Entscheidern durchaus zur Kenntnis genommen und könnten immerhin in Zukunft Veränderungen bewirken. Wenn aber niemand Kritik äussert, dann verbessert sich ziemlich sicher gar nichts...

73 de Uli

von ulionken - am 12.11.2015 20:03
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