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Bayern will Must-Carry für Analog-TV abschaffen (Novelle BMG)

Startbeitrag von Manfred Z am 26.09.2015 08:26

Am 30. September findet im Landtag die erste Lesung für das Gesetz zur Änderung des Bayerischen Mediengesetzes statt.

Dazu gibt es bei promedia ein Interview mit Ilse Aigner:

http://www.medienpolitik.net/2015/09/medienpolitikkeine-unregulierte-offnung-von-beteiligungen/

Zitat

Bayern will sein Mediengesetz der fortschreitenden Medienkonvergenz anpassen. Dadurch würden, wie es zur Begründung des Gesetzentwurfes heißt, die in Deutschland und Bayern angesiedelten Medienunternehmen zunehmend Konkurrenz bekommen. Diese Entwicklungen bedeuten beispielsweise, dass sich lokale und regionale Radiosender in Bayern mehr auf programmliche Alleinstellungsmerkmale stützen müssen, da Digital- und Internetradios den Radiowerbemarkt für eine Vielzahl von konkurrierenden Sendern öffnen. Verlagshäuser würden sich aufgrund der Konkurrenz zu Online-Angeboten noch stärker crossmedial aufstellen müssen (z.B. Online-Zeitung).


Zum Wegfall der Must-Carry-Regelung (Art. 36), die einen Beitrag zur Vielfaltssicherung geleistet hat, sagte Aigner:

Zitat

Tatsächlich hat die Must-Carry-Regelung für die Verbreitung analogen Fernsehens in den Kabelnetzen zu Zeiten des Kapazitätsengpasses einen wichtigen Beitrag zur Vielfaltssicherung geleistet. Angesichts der nahezu vollständigen Digitalisierung der Kabelnetze ist diese Regelung jedoch überholt. Die wenigen verbleibenden analogen Röhrenfernseher in den Wohnzimmern können diese Zwangsregulierung nicht mehr rechtfertigen, auch vor dem Hintergrund europarechtlicher Erfordernisse. Die bestehende Must-Carry-Regelung im Rundfunkstaatsvertrag sichert weiterhin die Vielfalt bei der digitalen Verbreitung.

Antworten:

Womit die Bayern Recht haben. Über Antenne und Satellit wurde die Must-Carry Regelung schon vor langer Zeit abgeschafft, aus welchem Grund gibt es sie noch für's Kabel?

von Bolivar diGriz - am 26.09.2015 09:26
Wäre ja mal zeit das es Bundesweit umgesetzt wird.
Dann kann die Digitalisierung schneller erfolgen.

von _Yoshi_ - am 26.09.2015 10:03
Zitat
Bolivar diGriz
Womit die Bayern Recht haben. Über Antenne und Satellit wurde die Must-Carry Regelung schon vor langer Zeit abgeschafft, aus welchem Grund gibt es sie noch für's Kabel?


Sowas gab es bei Terrestrik und Satellit nie.

von Terranus - am 26.09.2015 11:51
Doch. Oder gibt es irgendwo noch ARD, ZDF und das dritte Programm analog per Antenne oder Satellit zu empfangen? Es wurde einfach gesagt, dass nicht genug freie Kanäle für eine Parallelbetrieb da sind, hat dann die analogen Sender nach kurzem Simultanbetrieb abgeschaltet, und einen Teil der freien Frequenzen als sogenannte "Digitale Dividende" verhökert. Das wäre nicht möglich gewesen bei einem "Must Carry". Auch beim Satellitenfernsehen hat der Gesetzgeber nicht eingegriffen, als man analoges Fernsehen mit einer Stichtagregelung schon vor vielen Jahren abgeschaltet hat.

von Bolivar diGriz - am 26.09.2015 12:09
Terranus meint wohl, dass es nie ein Must-Carry gab bei Ter. und Sat. Die Sender haben über diese Verbreitungswege freiwillig ihr Programm ausgestrahlt ohne Zwang.

Bin mal gespannt, ob dann die ö.r. raus fliegen, wenn sie kein Geld für die Einspeisung ins analoge Kabelnetz zahlen...

von Zwölf - am 26.09.2015 14:47
@Zwölf: ich meine, es gab nie eine Vorrangregelung bei Satellit und Terrestrik. Also SES Astra wurde nie verpflichtet bestimmte Programme auf den Satelliten zu lassen - das ging ja auch gar nicht. Die sitzen in Luxemburg... und per Terrestrik war die Nachfrage ehh so nie da, die wenigen analogen Funzeln wurden da einfach per Ausschreibung verteilt.
Im Kabel gab es aber harte Konkurrenz um die knappen Plätze, und da überließ man es eben nicht den Kabelbetreibern, was sie einspeisen wollen, sondern regelte das teilweise gesetzlich.

Theoretisch könnten die ÖR dann rausgeworfen werden. Aber praktisch wird man das wohl kaum machen, zumindest nicht bei ARD,ZDF und dem Dritten. Damit würde man die Kundschaft verprellen, vor allem aber die Wohnungsbaugesellschaften würden laut anklopfen... und die darf man nicht vergraulen, das sind die geldbringenden Kunden.

von Terranus - am 26.09.2015 15:50
Wobei das mit den analogen Funzeln ja so nicht stimmt. Im Norden wo es weniger Füllsender gebraucht hat, bekamen auch die Private leistungsstarke Kanäle.

oder auch in NRW und Hessen durch Abgabe bzw Aufgabe der ÖR.

Im Süden in den hügeligen Bundesländern waren erstens keine Leistungsstarke kanäle mehr verfügbar und zweitens hätte sich das ganze gar nicht gerechnet ohne ein Füllsender Netz.

und im Osten wären wieder Kanäle wieder verfügbar gewesen, allerdings hatte hier der Sat Empfang eine gtößere Rolle gespielt und deshalb gab es hier kaum Privaten, von berlin natürlich abgesehen.

Ich bin gegen eine Abschaffung von Must Carry. Entweder man stellt die analoge Verbreitung komplett ein oder wenn der Betreiber analoge Sender anbietet, dann müssen Must Carry Sender eingespeist werden.

von Marcus. - am 26.09.2015 16:13
Ich denke, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn Kabelanbieter die nicht für Internet oder DVB-C verwendeten Kanäle für ein analoges Grundangebot nutzen können, und nicht ganz oder gar nicht analog senden müssen. So ein reduziertes Angebot ist durch die derzeitige Must-Carry-Regelung teils schwer umsetzbar, weil Programme mit niedrigem Marktanteil enthalten sind, und manche reichweitenstarken nicht. So ist beispielsweise in Bayern HSE24 Must-Carry, ProSieben aber nicht.

Zitat

Im Kabel gab es aber harte Konkurrenz um die knappen Plätze, und da überließ man es eben nicht den Kabelbetreibern, was sie einspeisen wollen, sondern regelte das teilweise gesetzlich.

Weshalb eigentlich knappe Plätze? Man hatte doch dutzende Kanäle zur Auswahl (im Prinzip alle Kanäle, die auch terrestrisch genutzt wurden). Man musste wohl nur aufpassen, dass man keinen Kanal wählt, der terrestrisch durch einen Ortssender belegt ist. Aber so viele Ortssender gab es nun auch wieder nicht. Oder sehe ich das falsch?

von Zwölf - am 26.09.2015 21:25
Das UHF-Band war im Kabel nicht nutzbar wegen der hohen Frequenz und der dadurch bedingten hohen Dämpfung. So gab es nur VHF-Band I und III und das Sonderband S2-S20. Das Hyperband S21-S41 kam auch erst später.

von RheinMain701 - am 26.09.2015 21:33
Wo bei die Sonderkanäle in bereiche liegen wo Terrestrisch Betriebsfunk (z.b. BOS, Flugfunk u.s.w.) läuft.
Und wenn das Kabelnetz undicht ist werden diese Dienste gestört.

Siehe z.b. die S6 problematik im 2m AFU Band.


Auch im Rundfunkband können die Kabelsender bestimmte Terrestrische Sender Stören.
Selbst die Analogen TV Sender auf E5 - E12 können den DAB+ Empfang stören.

von _Yoshi_ - am 26.09.2015 21:54
Man kann nur hoffen, dass der analoge Museumsbetrieb zeitnah eingestllt wird Denn trotz aller Bemühungen und Fortschritte: das Kabel ist einfach nicht dicht zu bekommen, weil die Leute offenbar alles Mögliche hinter den Übergabepunkt bzw. an die Kabeldose hängen.

von Alqaszar - am 27.09.2015 18:42
In prinzip müssten die Hersteller nur noch reinst Digitale TV Tuner verbauen.
Analog kann man auch wenn es nur wenige Cent sind einsparen.

von _Yoshi_ - am 27.09.2015 19:45
Kann man als TV Hersteller überhaupt etwas sparen wenn man den analogen Empfang weglässt? Ich kenne das jetzt nur von DAB+ Radios. Da kostet der analoge UKW Empfang nichts extra weil das quasi sowieso (mehr oder weniger gut) aus dem Tuner rausfällt und der Rest eh nur noch per Software gemacht wird.

Zitat

Denn trotz aller Bemühungen und Fortschritte: das Kabel ist einfach nicht dicht zu bekommen, weil die Leute offenbar alles Mögliche hinter den Übergabepunkt bzw. an die Kabeldose hängen.

Als eine Ex-Freundin von mir in ihre neue zwangsverkabelte Wohnung gezogen ist hat ihr Vater beim verlegen und anschließen des TV Kabels peinlichst darauf geachtet das die Schirmung des Koaxkabels nicht die Stecker berührt. :rolleyes: Oder ein Arbeitskollege meines Vaters hat im Sommer immer eine alte passive Zimmerantenne an die Kabeldose angeschlossen und aufs Fensterbrett gestellt damit er im Garten auf dem alten Taschenfernseher Fußball schauen konnte. :wall:

von Spacelab - am 28.09.2015 07:15
Ja, wenn's funktioniert, warum denn nicht? :D

von DX-Fritz - am 28.09.2015 07:46
Zitat
_Yoshi_
In prinzip müssten die Hersteller nur noch reinst Digitale TV Tuner verbauen.
Analog kann man auch wenn es nur wenige Cent sind einsparen.


Können sie eben nicht weil die Hersteller ihre Geräte ja nicht nur in Deutschland verkaufen wollen. Und in anderen Ländern gibt es auch noch analoges Fernsehen und wird es wohl auch noch länger geben (denke da z.B. an afrikanische Länder mit wenig Geld).

von BetacamSP - am 28.09.2015 10:38
Ein kabelnetz MUSS dicht sein, da es keine Sendegenehmigung hat. Egal ob es analogen oder Digitalfunk gibt dürfen die verschiedenen Medien sich nicht gegenseitig stören !

von Frankfurt - am 28.09.2015 17:54
Zitat
BetacamSP
Und in anderen Ländern gibt es auch noch analoges Fernsehen und wird es wohl auch noch länger geben (denke da z.B. an afrikanische Länder mit wenig Geld).

Auch die Afrikaner müssen auf DVB-T umstellen, ob sie es wollen oder nicht. Einige Länder wollen ja einfach ganz abschalten, weil ihnen das Geld für DVB-T fehlt.

von RheinMain701 - am 28.09.2015 18:59
Das grenzt schon teilweise an Digitalisierungswahn. Digitalisierung ist doch nicht selbstzwecklich, sondern sollte nur als Nachfolger der analogen Technik auftreten, wenn sie für die Nutzer einen klaren Vorteil darstellt. Ist zumindest meine Meinung.

von Zwölf - am 28.09.2015 22:06
Zitat
BetacamSP
Zitat
_Yoshi_
In prinzip müssten die Hersteller nur noch reinst Digitale TV Tuner verbauen.
Analog kann man auch wenn es nur wenige Cent sind einsparen.


Können sie eben nicht weil die Hersteller ihre Geräte ja nicht nur in Deutschland verkaufen wollen. Und in anderen Ländern gibt es auch noch analoges Fernsehen und wird es wohl auch noch länger geben (denke da z.B. an afrikanische Länder mit wenig Geld).


Dann müssen es die hersteller eben knallhart über die Ländereinstellungen in der Firmware Lösen.
Wenn ein Europäisches Land ausgewählt wird ist kein Analog empfang möglich.
Wenn jedoch ein Afrikanisches Land gewählt wird ist Analog Empfang möglich.

Man braucht es ja nicht explizit in der Anleitung schreiben.
Obwohl so ein ähnliches vorgehen schon mal gab.
Da konnte man wenn man Schweden ausgewählt hatte DVB-C Freischalten obwohl der TV offiziell nur DVB-S und T konnte.

von _Yoshi_ - am 29.09.2015 03:40
Es ist eine weit verbreitete irrige Meinung, dass alle Länder das terrestrisch verbreitete Fernsehen digitalisieren müssen. Richtig ist, dass die alten analogen Frequenzpläne ungültig sind und dass die Senderdaten verbleibender analoger Sender an die digitalen Frequenzpläne angepasst werden müssen - zumindest bei den Sendern in der Nähe von Staatengrenzen, die im Nachbarland stören können.

von Manfred Z - am 29.09.2015 07:21
Zitat
_Yoshi_
Dann müssen es die hersteller eben knallhart über die Ländereinstellungen in der Firmware Lösen.
Wenn ein Europäisches Land ausgewählt wird ist kein Analog empfang möglich.
Wenn jedoch ein Afrikanisches Land gewählt wird ist Analog Empfang möglich.

Man braucht es ja nicht explizit in der Anleitung schreiben.
Obwohl so ein ähnliches vorgehen schon mal gab.
Da konnte man wenn man Schweden ausgewählt hatte DVB-C Freischalten obwohl der TV offiziell nur DVB-S und T konnte.


Habe selten solch einen Humbug gelesen.

Extremismus pur. Eine Diskussion erübrigt sich da.

von Manfred Z - am 29.09.2015 07:34
Naja es ist ja nicht so als ob dieser Extremismus nicht von unzähligen Geräteherstellern bereits gelebt wird. Yoshi hat ja bereits das gesperrte DVB-C genannt. Bei DAB+ Radios fällt der DAB+ Empfang weg wenn man als Land "UK" auswählt. Bei WLAN Routern fehlen bei bestimmten Ländereinstellungen Kanäle und/oder die Sendeleistung wird gedrosselt. Und so weiter...

von Spacelab - am 29.09.2015 07:40
Bei Sendern wie WLAN-Routern müssen natürlich die nationalen Regelungen eingehalten werden. Mir ist bisher nicht bekannt, dass es bei Analog-TV-Empfängern nationale Einstellungen zusätzlich zu den unterschiedlichen Analognormen gibt.

von Manfred Z - am 29.09.2015 07:49
Bei DAB+ Radios wäre mir das auch nicht bekannt. ;-)

von Spacelab - am 29.09.2015 07:50
Ich denke das wird man sicher wieder verschieben, da man "keine Eier" hat

von smid - am 30.09.2015 07:47
Daß sich einige Hersteller bei DAB-Geräten für den UK-Markt den dort (noch) nicht benötigten DAB+ - Empfang sparen hängt wohl mit den Lizenzgebühren zusammen welche für den (HE-)AAC-Decoder sonst fällig wären.

von Loger - am 30.09.2015 12:44
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