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Radioforum
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Chris_BLN, Marc_RE, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, Robert S., PowerAM, NurzumSpassda, B.Zwo

MDR-Sounddesign

Startbeitrag von B.Zwo am 29.11.2015 22:28

Hört man MDR über Brocken im Vergleich mit Inselsberg dann hört man klangliche Unterschiede. Selbst bei MDR1 wenn die mal ein gemeinsames Programm senden. Woran liegt das? Vielleicht weil das Signal aus unterschiedlichen Funkhäusern kommt? Leider bekomme ich keinen Sender aus Sachsen um zu prüfen ob es da nochmal anders ist.

Antworten:

Alle MDR-Landesprogramme haben ein eigenes Soundprocessing und damit ein ganz individuelles Klangbild. Falls die Moeglichkeit besteht, dann vergleiche mal ueber DVB-S (Astra-Satellit) die drei MDR-Landesprogramme in der gemeinsam ausgestrahlten "Dreilaendernacht"! Alternativ ueber die Webstreams.

Den gleichen Effekt kannst du auch auf den NDR1-Wellen waehrend der "NDR 1-Nacht" beobachten. Je nach Verfuegbarkeit musst du dann auch auch UKW oder DVB-S zwischen NDR1 Niedersachsen, NDR1 Welle Nord, NDR 90,3 und NDR1 M-V wechseln.

von PowerAM - am 30.11.2015 05:26
Den Effekt erlebe ich beim hr auch, da die Popnacht sowohl auf hr1 als auch auf hr3 ausgestrahlt wird.

Krass war es in den 90ern, da hr3 hier sowohl das eigene Processing als auch das des abgegriffenen Senders, der gerade "Dienst" hatte, ausgestrahlt hat. Es klang dann nach einem äußert breiten (und teilweise blecherndem) Stereo. Ich hab noch Cassettenaufnahmen aus dieser Zeit, wo man es deutlich hört. ;-) Wie es heute ist, weiß ich nicht. Den Vergleich zwischen SWR3 (Geber) und dem hr habe ich noch nicht gemacht.

von NurzumSpassda - am 30.11.2015 05:34
Kann ich so bestätigen,vergleiche ich Brocken mit Bleß bzw Chemnitz klingen alle drei unterschiedlich.
Vor Jahren hat mir die Sachsenversion klanglich am Besten gefallen,daß hat sich nun aber irgendwie geändert,diese klingt irgendwie etwas dumpfer.

von Robert S. - am 30.11.2015 10:53
Das Prozessing von MDR Sachsen-Anhalt ist seit ca. einem Vierteljahr unter aller Sau, es ist für mich nicht erträglich so plattgekloppte Musik zu hören, jahrelang klangen die noch ordentlich, jetzt ist es nur nach flachgekloppter Klangbrei, ähnlich auch NDR oder RBB. Im Radio Musik hören ist für mich nur noch der Schnee von gestern... .:sneg: Ich habs aufgegeben, nur noch Nachrichten, ein paar Features von den Kulturwellen, bissel Deutschlandradio, der Rest kann mich mal... .

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 01.12.2015 06:31
In Magdeburg mußten die Techniker nach dem, was man so zu hören bekam, vor einiger Zeit sogar einen neuen Soundprozessor einbauen, um die Klangverbiegungswünsche der Programmverantwortlichen zu erfüllen. Es sollte metallisch-grell klingen, das bekam man angeblich nur mit einem anderen Gerät hin. Das müßte aber schon 2 Jahre oder so her sein. Vorher hatte man jahrelang halbwegs erträgliche Einstellung auf UKW und auf DVB war es nahezu perfekt sauber und dennoch lautheitstechnisch gut gepegelt. Thüringen klingt (oder klang zumindest vor Monaten, ich höre da nicht rein) so verrotzt, daß mein Vater in der Küche die Nachrichten nicht mehr verstand und sich bei mir beschwerte, der Empfang wäre schlecht. Ist er nicht - es ist das grollend-zerrige Schweineprocessing aus Erfurt. Ein kleiner Dreh von der 97,8 auf die 96,6 und seitdem gibt es sauberen Klang und auch inhaltlich anständige Nachrichten vom DLF. Und MDR Sachsen war früher der rüpelhaft lauteste und unangenehmste von allen, heute ists fast noch der "dezenteste" von den dreien - auf ebenfalls unanhörbarem Niveau.

Bei diesen Primitivprogrammen gehen akustisches Erscheinungsbild und Inhalt eine perfekte Verbindung ein. Den ganzen Dreck sollte man nicht aus Gebühren finanzieren dürfen. Es ist eine Schande, wie hier das Gemeingut "UKW-Frequenz" sinnlos entwertet und verbrannt wird in inhaltlicher und akustisch-ästhetischer Hinsicht. Es paßt aber perfekt zur Zeit: verwesender Endzeit-Kapitalismus und eine Bevölkerungsmehrheit, die nicht nach Verbesserung, sondern nach Barbarei trachtet. Wieso sollte der Soundtrack dazu nicht ebenso verroht und primitiv sein? Lange geht das nicht mehr, dann krachts derbe. Vermutlich wird dabei aber nichts besser, weder in der Gesellschaft noch bei so Nebensächlichkeiten wie der Übertragungsqualität des Rundfunks.

So lange der Betrieb von Studiotechnik und Sendern in Ostdeutschland der Deutschen Post unterstand (also bis zum Ende des Rundfunks der DDR), solange klang es gut und solange wurde systematisch an Verbesserungen geforscht. Von Wissenschaftlern und Ingenieuren im RFZ Berlin, nicht von mit passendem Parteibuch oder heute zunehmend eher passender Privatfunk-Vorgeschichte ausgestatteten technisch inkompetenten und mit Hass und Verachtung für Ästhetik, Kunst und Kultur ausgestatteten Rundfunk-Managern.

Es wird Zeit, daß dieser Dreck ein für allemal verschwindet.

von Chris_BLN - am 01.12.2015 09:51
Wobei diese Wissenschaftler und Ingenieure auch das richtige Parteibuch brauchten, sonst wären sie nie dort gelandet.
Und schlechtes Soundprocessing auf das politische System zu schieben, ist auch schon extrem weit hergeholt.

von Marc_RE - am 01.12.2015 10:14
Stimmt nicht. Es gab nachweislich zahlreiche Parteilose unter denen, die dort gearbeitet haben, auch in Führungspositionen. Ich kenne selbst einige davon (heute hochbetagt) und erst gestern bekam ich die Geschichte eines weiteren geschildert. Aus anderem Umfeld, aber auch Technik (Elektronik-Komponenten): mir ist sogar der Fall eines Außenhandels-Menschen bekannt, der NSW-Außenhandel machte und in den 60er und frühen 70er Jahren ganz selbstverständlich zur Hannovermesse, nach München oder Paris fuhr. Ohne Parteibuch - und mit von ihm abgelehnten Mitarbeitsgesuch seitens der Stasi. Das gab es alles in der DDR.

Man kann perverses Soundprocessing aus meiner Sicht sehr wohl auf die gleichen Ursachen schieben wie ein perverses Gesellschaftssystem. Beides resultiert aus einer Bevölkerungsmehrheit, die seelenlos ist, die den Kontakt zum Ursprung verloren hat, die im wahrsten Sinne des Wortes "unnatürlich" geworden ist.

Dieses Grundleiden der "modernen", "westlichen" Welt äußerst sich in einem schweren seelischen Defizit, das den meisten unentdeckt bleibt, aber im Unbewußten seine Wirkung entfaltet. Die Menschen versuchen, den Schmerz der Trennung von der Welt durch "Zustopfen" der Lücken, durch Tilgen des Defizits zu kompensieren. Sie machen "Karriere" (wörtlich: "Rennbahn") in einem sinnlosen, den Planeten zerstörenden Job, sie fressen sich mit Junkfood voll, sie essen ohne Sinn und Verstand aus "Langeweile", sie nehmen schädigende chemische Substanzen zu sich - seien es "legale" Tabletten aus der Apotheke oder sogenannte "illegale Drogen", was nur heißt, daß der Staat an diesen nicht generalstabsmäßig verdient und ihren Handel deshalb verbietet. Sie versuchen, so viel wie möglich zu "erleben", weil sie nicht fähig sind, erfüllt zu leben. Sie überbieten sich mit ihren Autos, brauchen jedes Jahr ein neues Smartphone und verwechseln Liebe mit Besitz. Sie ertragen keine Stille (weil dann - zu Recht! - angsteinflößende Gedanken hochkommen), sie brauchen Dauerbeschallung.

Dafür haben sie sich u.a. den perversen heutigen Unterhaltungsrundfunk geschaffen, nur dafür. Einen anderen Zweck hat er nicht - er informiert nicht, er bildet nicht, er fügt der Seele nur weitere Schmerzen hinzu. Die empfindsamen oder empfindsam gewordenen Menschen, die ich kenne, ertragen den Unterhaltungsrundfunk nicht, er tut ihnen tatsächlich in der Seele weh. Damit ist der inhaltliche Teil des Unterhaltungsrundfunks erklärt. Der akustisch-ästhetische geht zwangsläufig damit einher, das Soundprocessing ist das "Glutamat für die Ohren", unnatürlich, entfremdet - wie die gesamte Außenwelt, die sich die "entseelten" Menschen schaffen. Unsere Wohnorte sind häufig auch ein Spiegel dessen. Wenn ich aus meinem "Exil" nach Berlin zurückkehre, bekomme ich jedes mal einen Schock - man kann hier gar nicht "artgerecht" leben. Wenn ich einmal mit der S-Bahn fahre (wie vorgestern abend geschehen, als ich zum Tom-Liwa-Konzert war), bin ich jedes mal aufs neue erschüttert über so viele wirklich kaputte, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich inzwischen schwer kranke Menschen. Normalerweise versuche ich, die Stadt zu meiden und mich lieber in der Natur aufzuhalten.

Ebenfalls dazu gehört die "passende" Regierung und das passende Gesellschafssystem. Auch das sucht sich die Bevölkerung aus und es ist so wie gewollt: zunehmend kulturlos, barbarisch, gewalttätig. Gewalt beginnt nicht erst da, wo Blut fließt.

Das hat alles miteinander zu tun, es ist alles miteinander verbunden. Und wenn man die Einschaltquoten hernimmt und sieht, wie die ARD-Kulturwellen inkl. DLF und DKultur (wo auch schon genug seelenloses Zeugs läuft) vielleicht auf insgesamt 5 - 8 % der Hörfunknutzung kommen, kann es einem Angst werden. Das alles ist aber Ausdruck des Mehrheitswillens, nicht ganzheitlich gesund leben zu wollen. Das einzige, was der einzelne derzeit dagegen tun kann: Raushalten und Rausnehmen so gut es geht, Verweigerung dabei mitspielen zu müssen, sei es bei solchen Jobs, sei es bei den Medien (also schlichtweg: nicht mehr benutzen). Und: die Gemeinschaft suchen mit anderen, die ähnlich empfinden, gemeinsame kulturelle Projekte initiieren, eventuell auch gemeinsame Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsprojekte anstreben. Deshalb fahre ich nach Weihnachten auch hoffentlich wieder für eine Woche an einen Ort, an dem es weder Radio noch TV gibt und es auch niemand vermisst, an dem wir stattdessen in die Natur gehen und an dem wir ohne Böller Silvester feiern werden.

Für mich gehört da auch dazu, darauf hinzuwirken, das den Menschen schädigende Dinge nicht von gemeinschaftlichen Geldern finanziert werden. Deshalb: weg mit dem öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsrundfunk heutiger Prägung! Man kann das gleiche (und sogar mehr) auch privatwirtschaftlichem Wege erreichen, wenn mans denn unbedingt zu brauchen glaubt man muß dafür keine wertvollen Gelder verbrennen. Die wären besser eingesetzt an den Stellen, an denen heute Jahr für Jahr wertvolle Radiosendungen verschwinden (Ende 2015 z.B. "taktlos" von BR Klassik), an denen Orchester zwangsfusioniert (und damit zerstört) werden, an denen regionale Theater zusammengestrichen werden.

von Chris_BLN - am 01.12.2015 11:59
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