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Einige persönliche Erinnerungen aus Anlass der AM-Abschaltungen

Startbeitrag von Metthi am 25.12.2015 08:13

Aus Anlass der baldigen Abschaltung der letzten großen Mittelwellensender in Deutschland denke ich gerade über die Rolle nach, die die Mittelwelle in meinem Leben gespielt hat, und ich schwelge etwas in Erinnerungen.
Mein erstes eigenes Radio war ein Transistor-Taschenradio von Grundig (Micro Boy oder so ähnlich, gab es mit schwarzem und weißem Gehäuse). Dieses Radio hatte nur den Mittelwellenbereich. Hier in der Region Braunschweig konnte ich mit diesem Gerät sehr gut den Deutschlandfunk auf zwei Frequenzen hören (damals wurde glaube ich von Cremlingen aus noch auf zwei Frequenzen gesendet), des weiteren ganz links auf der Skala den Norddeutschen Rundfunk (damals noch bei 520 kHz) sowie Stimme der DDR. Ganz schwach war auch nach meiner Erinnerung Radio Bremen zu hören. An weitere Sender kann ich mich nicht bewusst erinnern (es müssten aber auch der HR und weitere DDR-Sender tagsüber empfangbar gewesen sein, aber ich war ja damals noch ein Kind). Das Radio war batteriebetrieben, und so mussten von Zeit zu Zeit zwei neue Mignonzellen gekauft werden. Meistens hörte ich den Deutschlandfunk, manchmal auch den NDR, der damals sein erstes Hörfunkprogramm noch gemeinsam mit dem WDR gestaltete.
Mein Großvater, den wir damals oft besuchten, wohnte in der Nähe des Harzes und hatte eine röhrenbestückte Musiktruhe. Diese enthielt ein Radio mit allen vier Wellenbereichen sowie einen Plattenspieler. Das Radio hatte auf UKW einen sehr guten Klang (die Trennschärfe war aber etwas grenzwertig, zwischen Brocken 91,5 MHz (damals Berliner Rundfunk) und Torfhaus 92,1 MHz (damals schon NDR2) war kein Rauschen zu hören, sondern die Sender gingen quasi ineinander über, waren aber jeder für sich klar zu empfangen, wenn man die Frequenz genau einstellte).
Der UKW-Bereich ging nur bis etwa 104 MHz, damals waren aber hier in der Region Braunschweig nur Sender unterhalb 100 Mhz zu finden (privaten Hörfunk gab es hier noch nicht).
Das Radio hatte zwei getrennte Skalen, eine für die AM-Bereiche und eine für UKW. Soweit ich mich erinnern kann hat mein Großvater stets nur den Deutschlandfunk auf Mittelwelle gehört (er war damals auf UKW hier in der Region ja noch nicht zu empfangen). Ich kann mich nicht erinnern, dass er den UKW-Teil benutzt hätte oder einmal einen anderen AM-Sender eingestellt hätte. Wenn er nicht Deutschlandfunk hörte spielte er gerne Schallplatten mit klassischer Musik ab.
Als mir später, nach dem Tod meines Großvaters, einmal die Bedienungsanleitung für die Musiktruhe in die Hand fiel, sah ich, dass man sogar ein Zusatzmodul zum Stereo-Empfang auf UKW hätte erwerben können, dieses Zusatzmodul hatte er aber nicht gekauft.
Später bekam ich dann ein Kofferradio mit vier Wellenbereichen geschenkt (Grundig Music Boy 1000 oder 1100 oder 1200 oder so, glaube ich). So lernte ich Radio Luxemburg auf 6090 kHz kennen und hörte dort unter der Woche nach der Schule um 14:00 Uhr „die großen Acht“ (eine kleine Hitparade) sowie sonntags dann die eigentliche Hitparade. Ich hörte die „Kindertage“ auf Radio Luxemburg, das waren einzelne Tage im Jahr, an denen Kinder das Programm gestalteten, Desiree Nosbusch begann in diesem Rahmen auch ihre Karriere. Abends kamen dann auch die Europawelle Saar (1422 kHz) und die Luxemburger Mittelwelle (1440 kHz) durch, beide habe ich gerne und viel gehört, aber z.B. auch die „Schlager der Woche“, die auf RIAS1 (990 kHz) und RIAS 2 (855 kHz) liefen. Natürlich hörte ich damals auch schon viel UKW, aber es gab dort noch keinen privaten Hörfunk, so dass die Ortssender NDR/WDR1, NDR2, NDR3 sowie das Gastarbeiterprogramm waren, das nur wenige Stunden am Tag über Torfhaus 99,5 Mhz (heute NDR Info) ausgestrahlt wurde. Natürlich waren auch Radio DDR 1 und 2, Berliner Rundfunk und Stimme der DDR, alle vier vom Bocken, Ortssender und wurden von mir des öfteren gehört, zudem natürlich BFBS vom Drachenberg im Elm. Der HR und der WDR waren auf UKW eher schwach zu empfangen, aber durchaus hörbar.
So waren die AM-Sender eine deutliche Bereicherung des Programmangebotes. Ich hörte auch Kurzwellen-Auslandsdienste wie z.B. Radio Schweden, Stockholm. Das Lied „Lay all your love on me“ von ABBAs Album „Super Trouper“ hörte ich das erste Mal über Kurzwelle von Radio Schweden und habe es sogar auf Kassette mitgeschnitten. Später bekam ich dann die Langspielplatte geschenkt.
Mit dem Starten des privaten Hörfunks in Niedersachsen wurde es dann auch auf UKW wieder interessanter, Radio FFN wurde nach meiner Erinnerung im Sommer 1987, zeitgleich mit dem Deutschlandfunk, am Torfhaus-Mast der deutschen Bundespost aufgeschaltet.
Aber auch Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre habe ich abends noch oft die 2-0-8 aus Luxemburg gehört.
Und während ich dies schreibe, hörte ich im Tuner der Stereoanlage auf 1440 kHz zunächst ein recht peppiges Musikprogramm und dann China Radio International.

Die 50 interessantesten Antworten:

Ja, es geht tatsächlich eine Ära zu Ende. Für mich hat sie eigentlich schon aufgehört. Früher war ich eifriger Nutzer aller vier Wellenbereiche. Was natürlich auch das Autoradio unterstützen musste. Der DLF und die Stimme der DDR waren auf Langwelle fest eingespeichert. Gibt es nicht mehr. Auf Mittelwelle wurden AFN und VoA Europe, Bayern 1, RTL und Ö1 abgespeichert. Auf Kurzwelle Bayern 1/3, SWR3, RTL, DW und RÖI. Auch alles längst Geschichte.
Früher bot die Mittelwelle Abends eine große Auswahl deutschsprachiger Programme, die damals sicher halfen, den eigenen Horizont zu erweitern. Heute geht das auf anderen Wegen leichter. Aber das besondere Flair des AM-Bereichs ist heute längst verflogen. Es war jedenfalls schön, diese Zeit noch miterlebt zu haben.

von delfi - am 25.12.2015 09:43
"Die großen Acht" liefen Ende der 70er werktäglich ab 14 Uhr auf allen "fröhlichen Wellen" nach "12 Uhr mittags" und vor "Die blaue Stunde". Moderator war in den allermeisten Fällen Axel Fitzke, der die Werbespots gerne mit "Was steht denn da an der Studiowand?" anmoderierte. Ich habe die Sendung so oft ich konnte und die 6090 kHz das zuließen nach der Schule gehört. Später leistete ich mir Anlagen, die den UKW-Empfang aus Luxemburg sogar in Bayern (bei Aschaffenburg) gewährleisteten. Es kamen 88.9, 92.5 und 97.0 MHz, wobei letztere zuverlässig und aussetzerfrei ging.

von effemm - am 25.12.2015 12:00
Zitat
effemm
"Die großen Acht" liefen Ende der 70er werktäglich ab 14 Uhr auf allen "fröhlichen Wellen" nach "12 Uhr mittags" und vor "Die blaue Stunde". Moderator war in den allermeisten Fällen Axel Fitzke, der die Werbespots gerne mit "Was steht denn da an der Studiowand?" anmoderierte. Ich habe die Sendung so oft ich konnte und die 6090 kHz das zuließen nach der Schule gehört. Später leistete ich mir Anlagen, die den UKW-Empfang aus Luxemburg sogar in Bayern (bei Aschaffenburg) gewährleisteten. Es kamen 88.9, 92.5 und 97.0 MHz, wobei letztere zuverlässig und aussetzerfrei ging.

Dann bin ich zu alt als 60er Jahre RL hörer, als es besagte Sendung wirkl nur SA gab.
War das Jahre später m Axel denn auch noch eine Verkaufshitliste mit Angaben der Läden?
oder wurde hier nur der alte Titel übernommen?


von satjay - am 25.12.2015 14:02
Bei mir hat das AM-Hören auch mit meinem ersten Radio engefangen, einem kleinen batteriebetriebenen MW-Empfänger. Dort liefen dann abends unter der Bettdecke AFN (872), Europawelle Saar (1421), SDR1 (575), BR (1602) und für mich zunächst überraschend auch ausländische Sender. Später habe ich einen Grundig City-Boy 1000 mit vier Wellenbereichen benutzt, und mein Interesse hat sich dann mehr auf die Kurzwelle verlagert. Die Mittelwelle wurde wieder zum 23.11.1978 interessant, als der Genfer Wellenplan (GE74) in Kraft trat und viele Änderungen beobachtet werden konnten.

Als Empfänger habe ich zwei Grundig Satelliten benutzt, dazu eine Rahmenantenne oder eine Aktivantenne, die den Störnebel vermied. Mit diesen Antennen waren auch Fernempfänge möglich (BBC Oman auf 1413 kHz, WINS 1010 kHz ind viele andere). Ineressant waren auch die Auswirkungen des kalten Kriegs, mit den Programmen von Radio Moskau, RIAS und anderen und den Störsendern.

In den Jahren darauf habe ich dann auf den AM-Bändern auch viele Programme gehört, den DLF auf 756, 549 oder 153 kHz, DT64 auf 657 kHz oder Stimme der DDR auf 783, RIAS auf 990 und 855 und besonders die BBC auf 648 kHz. Auf Reisen waren oft der WDR auf 1593 kHz oder der DLF Nachrichtenquellen. Die Feldstärke von Langenberg 1593 kHz habe ich in Münster über Wochen systematisch beobachtet - die Nahschwundereffekte und die beiden benutzten Sendeantennen liessen sich neben den Leistungsumschaltungen gut verfolgen.

Dann war ich einige Zeit in den USA, wo ich allerdings UKW-FM von den Inhalten her interessanter fand als die Mittelwelle. Aber auch dort war die Mittelwelle auf Reisen nützlich, z.B. der Empfang von CBC (CBK Regina) auf 540 kHz, das zwischen Minnesota und Montana über ein riesiges Gebiet mit einem werbefreien Programm empfangbar ist.

In Europa habe ich die Mittelwelle danach vor allem auf Reisen nach Schweden oder Norwegen und während eines langen Aufenthalts in Nordengland genutzt. Dort waren der DLF und der NDR (972) fast immer empfangbar und haben das Angebot an jounalistisch anspruchsvollen Programmen ergänzt. Den SWR (666 oder 1017 kHz) habe ich vor allem in Frankreich empfangen, neben dem DLF.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass die AM-Empfangsmöglichkeiten der deutschen Sender nun verloren gehen! Es ist zu befürchten, dass das Radio endgültig zu einem Nebenbei-Medium wird und vor allem seine grenzüberschreitende Funktion verschwindet.

73 de Uli

von ulionken - am 25.12.2015 17:08
Zitat
satjay
In den 60ern habe ich Radio Luxemburg noch nicht gekannt. Als kleineres Kind hatte ich zwar genau so ein Mittelwellenradio wie eingangs beschrieben, aber in der Nähe von Hannover kam RTL nicht so gut. Ich habe dann immer Deutschlandfunk gehört.

In diesem Artikel steht übrigens einiges über "Die großen Acht" in den 60er-Jahren, damals tatsächlich nur samstags. Mo-Fr lief um 14 Uhr noch die Sendung "Autofahrer unterwegs". Wie lange, weiß ich nicht. Und ich wusste auch nicht, dass der große Camillo Felgen die großen Acht moderiert hat. Die Titelmelode "The Swinging Creeper" von "The Ventures" ist auf der Seite auch verlinkt. So weit ich mich erinnern kann, war das die Titelmelodie bis zum Schluss. Und auch die Verkaufshitliste war ebenfalls bis zum Schluss für die Title ausschlaggebend. Je länger ich nachdenke, desto mehr fällt mir ein: "Rivers of Babylon" wurde damals monatelang gespielt. Vergleichbares gabe es mit "My Way" von Elvis in der RTL-Hitparade mit Oliver Spiecker. Der Titel hielt sich dort mindestens ein Jahr, eher noch länger. Der Inhalt der Sendung war begrenzt manipulierbar, da über Postkarten und Stimmzettel, die bei Lottoannahmestellen und Sparkassen im Sendegebiet ausgelegt waren, abgestimmt wurde.

Hier übrigens ein Bild, das bestätigt, dass die Sendung anfangs nur samstags gesendet wurde. Einen Hinweis darauf, dass später werktags gesendet wurde, habe ich auf die Schnelle nicht finden können. Es war aber so.

von effemm - am 25.12.2015 17:30
Zitat
effemm
Zitat
satjay
In den 60ern habe ich Radio Luxemburg noch nicht gekannt. Als kleineres Kind hatte ich zwar genau so ein Mittelwellenradio wie eingangs beschrieben, aber in der Nähe von Hannover kam RTL nicht so gut. Ich habe dann immer Deutschlandfunk gehört.

In diesem Artikel steht übrigens einiges über "Die großen Acht" in den 60er-Jahren, damals tatsächlich nur samstags. Mo-Fr lief um 14 Uhr noch die Sendung "Autofahrer unterwegs". Wie lange, weiß ich nicht. Und ich wusste auch nicht, dass der große Camillo Felgen die großen Acht moderiert hat. Die Titelmelode "The Swinging Creeper" von "The Ventures" ist auf der Seite auch verlinkt. So weit ich mich erinnern kann, war das die Titelmelodie bis zum Schluss. Und auch die Verkaufshitliste war ebenfalls bis zum Schluss für die Title ausschlaggebend.

Hier übrigens ein Bild, das bestätigt, dass die Sendung anfangs nur samstags gesendet wurde. Einen Hinweis darauf, dass später werktags gesendet wurde, habe ich auf die Schnelle nicht finden können. Es war aber so.


RTL PR. NOV.82:
14.00 SA DIE GR. ACHT VIKTOR WORMS
SO HITPARADE JÖRG
MO HITS BEI RTL JÖRG
DI GEFRAGT GESPIELT JÖRG
MI DIE GR ACHT AXEL
DO DIE 4 VON DER SCHULBANK
FR HITS BEI RTL JÖRG

Bei Interesse kann ich noch weiter zurückblättern.

von satjay - am 25.12.2015 19:44
Schöne Geschichten.

Ich bin ja auch son alter Knacker, der früher sogar auf vom DLF (756 kHz) Lieder auf Tape über ein Mikrofon aufgenommen hat.

Man, waren das Zeiten.

Und heute? Zeige mal diesen Thread einen Jugendlichen. Der fragt sich wahrscheinlich, ob wir unsere Tabletten auch richtig eingenommen haben. :-)

Gerade vor ein paar Tagen ist mir das wieder in der Straßenbahn aufgefallen: Heute haben die jungen Leute immer ihre Knöpfe in den Ohren und hören wahrscheinlich ihre mp3-Rappmukke oder was weiß ich, was das ist.

Früher sagten mir die Alten immer: Früher war die Zeit irgendwie schöner. Ja, wenn ich so zurückdenke, dann sehe ich das auch so.

von RalphT - am 26.12.2015 07:21
Zitat
effemm
Demnach kamen die großen Acht nur samstags und mittwochs? Wie man sich täuschen kann...
Zu "meiner Zeit" wurde die Hitparade sonntags von Oliver Spiecker moderiert. Ganz sicher nicht von Jörg Ebner, der übrigens vor sechs Wochen gestorben ist.
Wenn es nicht allzu viel Mühe macht: Wie sah es denn Mitte/Ende der 70er aus?


Der Blick ins Progr v April 1978 belegt, dass Deine Erinnerung richtig war, aber auch, dass in der Zeit diese und andere Sendungen umgestaltet wurden.

SA
1200 Luxemburger UNKkantine, 1300 Superclub mit den SUPERACHT, 1500 Hitbox, 1530 RTL
Torparade m F.Walter
SO
1400 Hitparade Oliver, 1600 Wunschkonzert Camillo
MO - FR
1400 DIE GROSSEN ACHT m Axel, DO m d Zusatz Alle spielen gegen RTL.

Ich vermute,dass man mehr und mehr v Original mit Ladendurchsagen abgekommen ist...

von satjay - am 26.12.2015 08:58
Icb habe MW-Erinnerungen aus den 2000ern:
Denn hier in Hessen gabs es dann doch wieder gleich mehrere Programme exklusiv auf Mittelwelle:
hr-chronos
SWR-ContRa
Power Net
Rtl und
ERF
In Koodinierung befanden sich Megaradio und Truck Radio.
Parallel zu DAB fand ich das total spannend.
Meine Kindheit habe ich auch viel mit MW (vor allem LUX)
und Kurzwelle (Rias, DW usw) verbracht.
Hansawelle fand ich auch cool, weil so weit weg ;)
Spannend waren die Stimme der DDR und die Zahlensender.
SWR3 uf KW habe ich in Frankfurt kaum empfangen können.

von Nordi - am 26.12.2015 09:50
Zitat
RalphT
Früher sagten mir die Alten immer: Früher war die Zeit irgendwie schöner. Ja, wenn ich so zurückdenke, dann sehe ich das auch so.


Das hängt mit der jeweiligen Sozialisation zusammen. Jene Regeln und Bräuche, mit denen man aufgewachsen ist, werden idealisiert, wenn sie vom Zeitgeist überholt werden.

Für uns - ich gehöre auch zu den 50+ - war das Radio die wichtigste Möglichkeit, uns von den traditionellen Ansichten und Geschmäckern der Eltern abzugrenzen. Woher hätte man sonst "seine" Musik hören können? Platten und Konzerte waren zu teuer. Vom Radio wurde auf Kassette aufgenommen. Und alles war schön überschaubar mit den wenigen Programmen. Doch diese Form des Radios, die wir in der Jugend gewohnt waren, hätte heute keine Chance mehr.

Für mich war die Mittelwelle das Tot zur Radiowelt, als ich nämlich AFN, BBC Radio 1 (damals noch auf 1214 kHz), 2-0-8 und "Capital Radio" entdeckte. Mit einer zufällig gehörten deutschsprachigen Sendung von "Radio Canada International" dehnte sich mein Interesse auf den Kurzwellenrundfunk aus. Ca. 10 Jahre lang war ich dann enthusiastischer DXer, habe Drähte durch den Garten gespannt, einen Empfänger gekauft, der bei Besuchern meist Unverständnis hervorrief (Häufige Frage: Und zu was ist das gut?), viele Nächte vor dem Radio gesessen und fleißig Empfangsberichte geschrieben. Die Mittelwelle kam dadurch sogar manchmal aus den USA, Venezuela, Brasilien und Namibia.

Man hat durch den Fernempfang auch viel erfahren, was sonst kaum jemand wusste: Was man in anderen Ländern isst, was es an Attraktionen gibt, welche Politiker dort regieren, etc. Noch heute kann ich die Leute damit beeindrucken, dass ich sehr viele Sprachen am Klang erkennen kann. Das habe ich auch durch das DXen gelernt.

von Wasat - am 26.12.2015 19:14
Neulich sah ich in der Stadt, in der mein Großvater auf seinem röhrenbestückten Musikschrank den Deutschlandfunk auf Mittelwelle hörte, dass die Telekom die ersten V-DSL-Verteilerschränke aufgestellt hatte. Das ist halt die technische Entwicklung. Vom AM-Empfang auf Röhrenradios bis zu V-DSL. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht.
Kommende Generationen in Deutschland werden wohl kaum noch wissen, dass sich Mittelwellen tagsüber eher als Bodenwellen und nachts zusätzlich auch als Raumwellen ausbreiten, und falls sie es doch wissen sollten, werden sie keinen persönlichen Bezug mehr dazu haben.

von Metthi - am 27.12.2015 07:49
Zitat
RalphT
Ich bin ja auch son alter Knacker, der früher sogar auf vom DLF (756 kHz) Lieder auf Tape über ein Mikrofon aufgenommen hat.
...
Gerade vor ein paar Tagen ist mir das wieder in der Straßenbahn aufgefallen: Heute haben die jungen Leute immer ihre Knöpfe in den Ohren und hören wahrscheinlich ihre mp3-Rappmukke oder was weiß ich, was das ist.
.

Wobei die Jugendlichen ihre mp3s oder Youtube-Videos oftmals in einer Audioqualität hören, die "von der Mittelwelle über ein Mikrofon aufgenommen" recht nahe kommt - und nicht mal merken, dass das schlecht klingt ;-).

von WiehengeBIERge - am 27.12.2015 10:14
Mein erstes eigenes Radio war ein Stereo-Kassetten-Radio eines No-Name-Herstellers, damals etwa Anfang der 1980er Radio. gab es irgendwie als Werbegeschenk für ein Abo oder so etwas, und dementsprechend war die Qualität. UKW ging durch bis 108; das Radio war aber eine absolut taube Nuss, nicht einmal Ortssender wie Langenberg kamen sauber, von schwächeren Sendern fehlte jede Spur.

Aber für Mittelwelle war wohl eine Ferritantenne verbaut und das Ding empfing ganz gut. Der lokale AFN-Sender auf 1143 klang nicht schlechter als eine UKW-Station.

1986 dann eine Stereoanlage von Sanyo, mit einem ordentlicheren Tuner, mit PLL, allerdings auch kein High-End. Mit Wurfantenne kamen Ortssender, das damals gewünschte SWF 3 gerade mal an der Grasnabe, aber auch schwächere Sender (oh, DX!).

Die UKW-7-Elemnet war im Zuge der Dachsanierung gerade abgebaut worden, also kam das Ding an den Kabelanschluss. Der Tuner hatte hinten eine Ferritamtenne montiert, die Statione aus Ost-Nord-Ost bevorzugte (der Hifi-Turm war schwer zu drehen), was aber den Bolshakovo-Empfang allabendlich in Ortssenderstärke auf 1386 kHz ermöglichte.

Das Langwellenteil war in 9-kHz-Schritten abstimmbar, man konnte über einen Schiebeschalter an der Rückseite aber noch einen 2-kHz-Shift nach oben machen, so dass man 155, 164, 173.. empfangen konnte. Auf 173 kam dann Stimme der DDR sauber (auf 171 schon zu stark verzerrt, auf der 180 natürlich wegen Europe 1 unhörbar, obwohl 1 kHz näher an der Sollfrequenz), und ich entdeckte Atlantic 252, welches dank der Ausblendung von Algerien auch recht sauber reinkam.

Damals war das UKW-Angebot im Kabel noch recht mager; es gab zwar mein geliebtes SWF 3, außerdem HR 3 (in Mono) sowie Radio 3 aus den Niederlanden in Stereo (was für mich wegen der nach Westen abgeschatteten Lage auch ein Novum war). Allerdings ließ mich das damals schon die beiden anderen Knöpfe bedienen.

Der Anschluss an das Kabelnetz bewirkte tagsüber bei schwachen Sendern einen massiven Anstieg des Signalpegels, vermutlich über die Abschirmung des Koaxkabels in die 75-Ohm-Buchse eingespeist. Besonders deutlich trat der Effekt bei Bonn 774 kHz auf, der ziemlich genau in der Nullstelle der Ferritantenne lag und komplett ausgeblendet war und nur hörbar wurde, wenn das Kabel eingesteckt war.

Damals habe ich gedacht, die DBP würde auch mit MW-Einspeisung experimentieren, bis mir der eigentliche Effekt klar geworden ist.

Als Besonderheit gab es dann, wie vileroerts auch, noch Mittelwelle über Kabel UKW: Der lokale AFN-Sender wurde auf Kabel UKW umgesetzt. Dabei benutzte die Telekom am kabelkopfb im Empfänger wohl recht breite Filter, jedenfalls breitere als der Sanyo-Tuner, denn das Signal war von UKW wirklich kaum zu unterscheiden. Damals haben sich die Amerikaner noch um den Klang ihrer Sender geschert.

Immerhin, AFN auf der 1143 kHz dürfte zu den letzten Sendern gehören, die von Deutschland aus noch auf MIttelwelle aktiv sind. Dann wird das Mittelwellenteil doch noch mit einem Ortssendersignal versorgt.

von Alqaszar - am 30.12.2015 01:42
Als 1966 Geborener bin ich größtenteils mit UKW aufgewachsen. Wir hörten zumeist den Saarländischen Rundfunk, Radio Luxemburg und den Südwestfunk. UKW eignete sich auch zum Experimentieren, ich stellte eines Tages fest, dass jedes Radio einen Leerträger produziert, und baute mit Transistorradios von Zimmer zu Zimmer eigene „Sendegebiete“. Der Leerträger meiner alten Philetta reichte, wenn man das Radio quer über sein Netzkabel stellte, mehrere hundert Meter weit.
Die Mittelwelle war völlig anders, aber nicht minder interessant. Ich glaube, dass ich zu der Zeit, in den 70ern bis 80ern, in meiner Familie einer der ganz wenigen war, die auch Mittelwelle hörten. Hauptbeweggrund für mich, die MW einzuschalten, war, dass ich dort das Schweizer Radio, den Südfunk Stuttgart, die Flamen und Holländer recht gut hören konnte, die es bei uns auf UKW nicht gab. Es waren Reichweiten möglich, die UKW nicht hergab. Bei meinen Großeltern in Süddeutschland hörte ich den Deutschlandfunk auf Mittelwelle (Ravensburg, 756 kHz). Bei uns war der DLF am Tag fast nur auf Langwelle zu empfangen - Saarburg auf UKW kam erst später. Meine Mittelwellen-Favoriten waren DRS1 aus Beromünster auf 531 kHz am Tag und abends vom Sender Sarnen auf 1566 kHz, der richtig stark ankam. Tagsüber gehörten neben RTL und der Europawelle Saar auch die Franzosen aus Nancy mit France Inter (1350 kHz) und France Culture (837) zu den stärksten Sendern. Nachts hörte ich gerne auf der Mittelwelle von Radio Luxemburg (1440 kHz) „The Great 2-0-8“.
UKW bot zwar mehr Qualität, aber die Mittelwelle liess einen in einen wahren Kosmos an Programmen aus aller Herren Länder eintauchen, man hörte andere Musik, andere Sprachen, damals auch noch viel Staatspropaganda – es gab noch den „Eisernen Vorhang“. Radio Moskau, Radio Tirana, Radio Monte Carlo, Radio Vatikan beherrschten dann das obere Wellenband. Im mittleren bis unteren MW-Band hörte man die BBC, die starke RAI aus Mailand (900 kHz) und Rom (846), Kroatien, AFN aus Frankfurt, Kvitsoy/Norwegen – und dazwischen den einen oder anderen Nordafrikaner - wie es sie bis heute gibt. Deutscherseits waren speziell bei Dunkelheit der WDR aus Langenberg (1593 kHz) und der NDR aus Hamburg (972 kHz) am auffälligsten, aber auch der BR (801 kHz), Radio Bremen (936 kHz), Rias Berlin (990 kHz) und mehrere DDR-Programme (u.a. 783 kHz) waren abends gut zu hören. Unter den Deutschsprachigen natürlich nicht zu vergessen Österreich 1 auf 1476 und 1026 kHz. Zugegeben, es war nicht immer nur Hörgenuss in den 1980ern und 90ern. Das Mittelwellenband war völlig überbelegt, auf einigen Frequenzen „kämpften“ die Sender mit hohen Leistungen gegeneinander an und man musste das Radiogerät oft drehen, um einen „unliebsamen Störer“ auszublenden. Wenn beide aus derselben Richtungsachse kamen, gab’s heftigen Interferenz-Salat. Wenn ich Istanbul auf 1017 kHz hören wollte, musste ich irgendwie den SWF-Rheinsender ausgeblendet kriegen – kein leichtes Unterfangen – und quasi unmöglich war es, bei Dunkelheit noch den Flamen BRT2 auf 540 kHz zu hören, der dann vollkommen von Solt aus Ungarn „zugedeckelt“ war.
Jetzt, an der Schwelle zu 2016, bleibt nicht mehr viel von alledem. Dreht man heute nächtens durch das Mittelwellenband, so fällt einem die noch immer massive Präsenz der Spanier auf, staatliche RNE-Sender mit bis zu 300 kW Leistung sowie auf vielen Frequenzen private Senderketten. Das Band wird von Spanien beherrscht! Des Weiteren sind die Engländer stets präsent; hier spielt z.B. Absolute Radio auf 1215 kHz heute die dominante Popmusik-Rolle auf Mittelwelle – dort funktioniert das wohl noch, in Deutschland war seinerzeit das Projekt Megaradio über MW gescheitert. Unbedingt erwähnenswert ist der Rumänische Rundfunk, der so ganz im Gegensatz zum hiesigen Digitalisierungskredo munter weitermacht auf vielen MW-Frequenzen (RomâniaActualitati) und zudem auch auf der Langwelle 153 kHz noch typische rumänische Folklore anbietet.
Von den frankophonen Nachbarn ist Nancy auf 837 kHz schon länger abgeschaltet, die RTBF aus Brüssel sendet noch auf 621 kHz. Radio France schaltet jetzt auf einen Schlag sämtliche restlichen Mittelwellensender ab. Dabei werde ich v.a. den tollen Europa-Nachtempfang von Bordeaux (1206 kHz) und Lille (1377 kHz) mit France Info vermissen.

von Randfunker - am 31.12.2015 04:06
Die große Abschaltungswelle sollte uns einmal vor Augen führen, daß alles endlich ist - auch das Leben ! Ich kenne verstorbene DXer, die tagtäglich nur mit mehreren "braunschen Röhren" bewaffnet im Shack saßen und in die Ferne gelauscht haben, die Öffentlichkeit gemieden haben und die Welt nur über die Radiowellen entdeckt haben. Wenn in Deutschland die MW-Zeit praktisch beendet wird, lebt dieses Band doch irgendwo anders noch weiter und gibt uns damit noch mehr exotische DX-Möglichkeiten. Trotzdem: Nicht trauern-schaltet dann auch mal ab und genießt das Leben ! Irgendwie geht es weiter und irgendwann wird das Band sicherlich von einer anderen Anwendung verwendet werden. Vielleicht wrd es eine Stromzählerkommunikation oder digitale Communityradios sein. Wir lassen uns überraschen. :xcool:

von Frankfurt - am 31.12.2015 07:51
Die Lang- und Mittelwelle hat uns über viele Jahrzehnte hinweg die Möglichkeit geboten, Inlandsradios aus ganz Europa und darüber hinaus zu hören, als dies auf anderen Wegen noch nicht möglich war. So gesehen war der AM-Bereich schon spannend, um den eigenen Horizont erweitern zu können.
Freilich ist bekannt, dass AM-Ausstrahlungen teuer sind und kaum mehr heutigen Qualitätsansprüchen genügt. So gesehen, ist es nur logisch, wenn man sie nach und nach aufgibt. Abgesehen davon geben uns solche Tage noch einmal die Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen und das alte Mittelwellenradio anzuwerfen.

von delfi - am 31.12.2015 09:13
Meine Beziehung zur Mittelwelle begann auch mit einem kleinen Taschenradio, das nur die MW empfing. Dieses Radio nutzte ich oft draußen oder unter der Bettdecke. Daneben besaß ich noch ein Kofferradio mit allen Wellenbereichen von Sharp, das allerdings schon nicht mehr ganz funktionstüchtig war.
Tagsüber war auf dem kleinen Taschenradio nicht viel zu hören, DLF aus Königslutter, die 747 und noch eine andere QRG aus Hilversum, das wars. Nachts ging natürlich mehr. Ich erinnere mich an lange MW-Nächte während der Schulferien in denen ich Europawelle Saar und Radio Luxemburg hörte bis zum Fade Out am Morgen. Später, so im Alter von ca. 12 Jahren bekam ich dann einen Radiowecker von Nordmende geschenkt. Dieser hatte LMKU, wobei die Kurzwelle, glaube ich, nur 49 m und 41 m (?) umfasste. Dieses Radio hatte einen außergewöhnlich guten Empfang, sowohl auf UKW als auch auf den AM-Bereichen. Außerdem hatte es Anschlüsse für externe Antennen. Für UKW baute ich auf dem Dachboden einen Dipol, den ich mit einem von mir gebauten Rotor aus Fischertechnik drehen konnte. Für LMK hing auf dem Dachboden ein Langdraht, als Erde diente der Heizkörper im Zimmer.
Ich hörte öfters den deutschen Dienst von Radio Moskau, was von meinen Eltern und Großeltern mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wurde. Es war ja noch mitten im kalten Krieg. Als Zwölfjähriger ging es mir natürlich nicht um Politik, sondern um die Faszination, Reportagen aus einem "feindlichen" Land zu hören, aus einer ganz anderen Welt. Die Erkenntnis aus diesen Radionächten war unter anderem, dass in der Sowjetunion auch nur Menschen wie wir lebten, mit normalen Empfindungen und ähnlichen Alltagsproblemen. Auch Ungarn und Polen gehörten zu meinem Programm. Die Megawattschleuder von Radio Tirana ließ ich allerdings "links" liegen, die stundenlangen Propagandatiraden waren einfach zu eintönig. Aus dem Westen interessierten mich Radio Schweden, Belgien und natürlich die BBC. RTL auf 234 kHz hauchte meinem Schulfranzösisch Leben ein, wofür ich den Luxemburgern/Franzosen bis heute sehr dankbar bin.

von Zintus - am 31.12.2015 09:38
Fuer mich ist es auch heute noch total entspannend, im Schein einer nicht HF-stoerenden Tischlampe am Roehrenradio zu sitzen. Man merkt sehr deutlich, dass diese Geraete aus einer Zeit stammen, in der Lang-, Mittel- und Kurzwelle noch eine grosse Bedeutung hatten. Ab der sog. "Mittelklasse" aufwaerts beschraenkt sich die Kurzwelle nicht nur auf 49 und 41 m. Hinzu kam, dass mit umschaltbaren Bandbreiten zwischen klanglich vollem Ortssenderempfang oder hoher Trennschaerfe gewaehlt werden konnte. Und nicht zu vergessen, dass bei den Oberklasseempfaengern die Ferritantenne fast immer im Geraet geschwenkt werden konnte, ohne das Geraet selbst drehen zu muessen.

Aufgewachsen bin ich am Stadtrand Berlins. Seit meiner Kindheit begleitet mich der Rundfunkempfang. Bereits zu DDR-Zeiten boten Sender aus beiden Teilen Berlins eine Programmvielfalt, die im krassen Gegensatz zu anderen Gegenden der DDR stand. Mein erstes eigenes Radio hiess "Cora" und war aus rumaenischer Produktion. Ein transistorisiertes Taschenradio, das nur Mittelwelle empfing und mit zwei R6-Batterien unvorstellbar lange spielte. Eher liefen sie aus, als dass sie verbraucht waren. Die Empfindlichkeit muss ganz gut gewesen sein, auch wenn das gesamte Band auf einer halben Umdrehung des direkt auf den Drehkondensator geschraubten Abstimmrades lag. Ebenso grob war die Abstimmskala. Man fand aber "seine Sender" trotzdem wieder, wenn man ihre Nachbarn kannte und erkennen konnte und wenn man sich an den staerksten Sendern im Band orientierte. Tags wurde damit meist RIAS 2 auf der Britzer 990 kHz gehoert. Nachts gab es praktisch alles, was Vorautoren bereits nannten und was in den 1980ern so empfangbar war. In Erinnerung blieben mir u. a. die starken Sender von Radio Vatikan oder Radio Tirana - vor allem wegen ihrer markanten und oft elend lange ausgestrahlten Pausenzeichen. Ich kann mich auch noch daran erinnern, oftmals irgendeine live ausgestrahlte Schlagersendung oder -parade im Deutschlandfunk gehoert zu haben. Am unteren Bandende, wenn ich mich recht entsinne.

Spaeter kam ein abgelegtes Roehrenradio von meinen Eltern in meine Nutzung. Es war, wenn man es bewerten mag, ein sog. "Einsteigergeraet" mit recht karger Ausstattung, ein "Stern Intimo". Neben Lang-, Mittel- und Kurzwelle kam damit auch UKW-Empfang bis knapp unter 102 MHz hinzu. Das aergerte mich, denn damit blieb mir Jugendradio DT64 auf 102,60 MHz vorenthalten. Einen Kick fuer das Hobby "Fernempfang" gab der mit einem Dipol auf der Schrankwand moeglich gewordene Empfang des Senders Frankfurt/Oder auf 101,50 MHz, was schon den am Skalenende anliegenden Zeiger bedeutete. Ging maessig, reichte mir aber. Mit diesem Radio entdeckte ich, dass der Zehlendorfer Langwellensender 177 kHz die ganze Langwelle einnahm und mir den Empfang anderer Sender unmoeglich machte. Kein Wunder, ich wohnte und wohne nur wenige Kilometer davon entfernt.

Ab den 2000ern ging mir die Lust an Mittel- und Langwelle ein wenig verloren. Einen Anteil daran hatten die massiv zugenommenen Stoerungen aus der Nachbarschaft. Bis hinauf in die Kurzwelle darf offensichtlich alles zugeprasselt oder zugeheult werden und man kann nichts dagegen machen. In diesem Jahr ist das erheblich weniger geworden. In der Nachbarschaft wurde ein mehrere Jahre vornehmlich in der dunklen Jahreszeit frueh ein- und erst nach Mitternacht ausgeschalteter Plasmafernseher ersetzt. Das war wie eine Befreiung! Eine Garagentorsteuerung in der Nachbarschaft heulte im Umkreis einiger 100 m zwischen 800 und 1200 kHz herum, sie bekam in diesem Jahr ein anderes Netzteil und stoert nicht mehr. Inzwischen hoert man hier nur noch das Krachen von Lichtschaltern im Lautsprecher.

Auch wenn ich ein wenig traurig wegen der zunehmend leerer werdenden Mittelwelle bin, so bietet uns das doch die Chance auf Fernempfaenge, die zuvor wegen dichtester Belegung unmoeglich waren. Man wird sich nur daran gewoehnen muessen, tags u. U. nichts mehr empfangen zu koennen. Ferner bedeutet das auch, die jahreszeitlichen Ausbreitungsbedingungen akzeptieren zu muessen, nach denen sich die Moeglichkeit des Fernempfangs auf die dunkle Jahreszeit konzentriert. Und zuletzt moechte ich noch daran erinnern, dass diese Bedingungen nicht nur am Empfangsort so sein muessen. Der Sender muss fuer erfolgreichen Weitempfang zeitgleich auch in der dunklen Zone liegen.

von PowerAM - am 31.12.2015 09:56
Zitat
Randfunker
Dreht man heute nächtens durch das Mittelwellenband, so fällt einem die noch immer massive Präsenz der Spanier auf, staatliche RNE-Sender mit bis zu 300 kW Leistung sowie auf vielen Frequenzen private Senderketten. Das Band wird von Spanien beherrscht! ... Unbedingt erwähnenswert ist der Rumänische Rundfunk, der so ganz im Gegensatz zum hiesigen Digitalisierungskredo munter weitermacht auf vielen MW-Frequenzen (RomâniaActualitati) und zudem auch auf der Langwelle 153 kHz noch typische rumänische Folklore anbietet.

Kommt immer auf den Empfangsstandort an. Im Westen ist Spanien auf zahlreichen Frequenzen vertreten; hier im Äußersten Osten ist Spanien eher seltener, da hier das halbe Band von Rumänien belegt ist. Hier ist außerdem Ungarn sehr stark bei Dunkelheit.


von Cha - am 31.12.2015 10:55
Zitat
PowerAM
Fuer mich ist es auch heute noch total entspannend, im Schein einer nicht HF-stoerenden Tischlampe am Roehrenradio zu sitzen. Man merkt sehr deutlich, dass diese Geraete aus einer Zeit stammen, in der Lang-, Mittel- und Kurzwelle noch eine grosse Bedeutung hatten. Ab der sog. "Mittelklasse" aufwaerts beschraenkt sich die Kurzwelle nicht nur auf 49 und 41 m. Hinzu kam, dass mit umschaltbaren Bandbreiten zwischen klanglich vollem Ortssenderempfang oder hoher Trennschaerfe gewaehlt werden konnte. Und nicht zu vergessen, dass bei den Oberklasseempfaengern die Ferritantenne fast immer im Geraet geschwenkt werden konnte, ohne das Geraet selbst drehen zu muessen.

Aufgewachsen bin ich am Stadtrand Berlins. Seit meiner Kindheit begleitet mich der Rundfunkempfang. Bereits zu DDR-Zeiten boten Sender aus beiden Teilen Berlins eine Programmvielfalt, die im krassen Gegensatz zu anderen Gegenden der DDR stand. Mein erstes eigenes Radio hiess "Cora" und war aus rumaenischer Produktion. Ein transistorisiertes Taschenradio, das nur Mittelwelle empfing und mit zwei R6-Batterien unvorstellbar lange spielte. Eher liefen sie aus, als dass sie verbraucht waren. Die Empfindlichkeit muss ganz gut gewesen sein, auch wenn das gesamte Band auf einer halben Umdrehung des direkt auf den Drehkondensator geschraubten Abstimmrades lag. Ebenso grob war die Abstimmskala. Man fand aber "seine Sender" trotzdem wieder, wenn man ihre Nachbarn kannte und erkennen konnte und wenn man sich an den staerksten Sendern im Band orientierte. Tags wurde damit meist RIAS 2 auf der Britzer 990 kHz gehoert. Nachts gab es praktisch alles, was Vorautoren bereits nannten und was in den 1980ern so empfangbar war. In Erinnerung blieben mir u. a. die starken Sender von Radio Vatikan oder Radio Tirana - vor allem wegen ihrer markanten und oft elend lange ausgestrahlten Pausenzeichen. Ich kann mich auch noch daran erinnern, oftmals irgendeine live ausgestrahlte Schlagersendung oder -parade im Deutschlandfunk gehoert zu haben. Am unteren Bandende, wenn ich mich recht entsinne.


@PowerAM
Habe deinen Artikel eben mit Interesse gelesen. Ich schwelge heute auch angesichts der heutigen Abschaltungen in auch wehmütigen Erinnerungen.
Meine Radiogeräte-"Karriere" begann 1963 mit dem doch schon recht gut ausgestatteten "Stern 111"
von Sternradio Berlin. Der hatte immerhin schon drei Wellenbereiche.

Ich denke aber, dass RIAS 2 doch immer auf 854/55 kHz gesendet hat. War an meinem QTH, wie auch RIAS 1, bis Nov. 1978 sowieso immer gestört worden.
Meine Alternative war damals, immer mobil RIAS 1 auf 6005 kHz zu hören. Später dann, hatte ich entdeckt, daß mit einem empfindlichen Gerät und entspr. ausgerichteter UKW-Antenne wider Erwarten relativ guter UKW- Empfang möglich ist. Das war zwar wetterabhängig, aber das Signal war aber immer mehr oder weniger gut empfangbar.
Irgendwann konnte ich dann gar nicht mehr verstehen worin der Sinn, der intensiven Störungen auf MW bestehen sollte ?
Naja kurz und gut es war einmal...

von Rostocker. - am 31.12.2015 11:14
Zitat
PowerAM
Mein erstes eigenes Radio hiess "Cora" und war aus rumaenischer Produktion.


Exakt so war es bei mir auch...! Ab 1981 der SFB auf 567 (oder gar 1449 ?) mit "Hits für Fans", ABBA, NDW und damit die Einleitung der Pop-/später Rockmusik-Begeisterung. UKW dann auf dem R4200-Recorder (Kassettenaufnahmen von MW waren bei uns dank Berlinempfang nicht nötig).

Die unnachahmliche Athmosphäre vor dem schwach leuchtenden Röhrenradio mit den vielen Wellenbereichen und Sprachen brachte mich auch einige Jahre zum Fernempfang samt bergeweise Post an/von internationalen Sendern zwischen LW und UKW.

Mal sehen, wie man das der nächsten Generation vermitteln kann, ohne dabei wie eine MDR-Damals war's-Sendung zu klingen...

von LWie - am 31.12.2015 11:17
In meiner Kindheit hatten wir in der Küche ein Röhrenradio aus den 50ern, auf dem meist der Ortssender SWF1 auf MW 1017 oder auch mal HR1 via UKW lief. Dann und wann stellte ich auch mal auf AFN 98,7 ein. Anfang der 70er bastelte ich mir ein Detektorradio (mit ner Germaniumdiode) ausschließlich auch Schlachtteilen zusammen. Alsdann requirierte ich auf unserem Scheunenboden gefundende Reste von sog. "AMI-Kabel" (alte, in der Landschaft zurückgelassene Fernmeldekabel der US-Streitkräfte) und lötete die Stücke zu einer Langdrahtantenne zusammen, die ich zig Meter durch unsere Scheune zog. Anstelle einers Kopfhörers verwandte ich am Detektorempfänger eine Lautsprecherbox.So war der Hausfrauensender (...ähem: SWF1) ohne explizite Stromquelle in Zimmerlautstärke hörbar. Mein damaliger Zimmermitbewohner, also älterer Bruder, insistierte durch Inaussichtstellung schlagender Argumente auf die Nachrüstung eines Schalters in die Lautsprecherleitung, was ich dann auch schnell umsetzte. Als ich dann mit 15J. mein erstes Casettenradio bekam, saß ich, wie viele meiner Schulkameraden, Donnerstagabends vor dem Gerät, um die Hits aus der HR3 Hitparade aufzunehmen.SWF3 sendete seinerzeit coolere Musik; kam aber damals mit lediglich 500W vom Donnersberg und daher nur mit deutlichem Rauschen empfangbar.
Durch die immer weitere Verbreitung von Transistorgeräten verschlimmerte sich im Umkreis der 1017 Wolfsheim zusehends das Problem (z.B. bei: Filmprojektoren, Alpha-Telefonen, Plattenspielern, Kompaktanlagen, etc.) unfreiwillig immer den SWF1 hören zu müssen. Das erledigte sich erst weitgehend, nachdem die erste Generation dieser Geräte ersetzt wurde.
Für mich war AM qualitativ und inhaltlich damit erst mal abgemeldet.
Als ich dann Ende 20 regelmäßiger den DLF zu hören begann und dieser mittlerweile mein täglicher Begleiter ist, wurden die Mittelwelle und Langwelle wieder interessanter. Die 153 war bis Ende 2014 die einzige Frequnz auf dem der DLF im Rhein-Main-Gebiet unterbrechungfrei und akzeptabel empfangbar war. Bis zum Frühjahr 2015 (dann kam DAB ins Auto) bin ich dann auf die 1422 umgestiegen und habe letzten Herbst diese Frequenz tatsächlich auf La Palma für ca. 1 Stunde empfangen (mit dem Degen) können. Das dürfte das letzte mal gewesen sein dass, ich einen Deutschen Sender per AM im Ausland hören konnte. Die Deutsche Welle komme ich in den letzetn 30 Jahren empfangen in Tunesien, Türkei, Spanien, Bali, Costa Rica, USA, Italien, Frankreich, Dänemark, Polen, Österreich, Kanaren und was weiß ich wo noch. Das Schöne an der AM- Ausstrahlung war, dass es keinerlei regionaler Infrastruktur bedurfte und es quasi für umme jedem zur Verfügung stand.
Diese Ära ist nun vorbei und Geschichte. Schade.

von Salvator - am 04.01.2016 00:51
hallo,
mein erstes Radio, ein Stern T100, Bj 1961, mit LKM-Welle.
Tagsüber gehörte es der Familie, abends oder nachts dann mir.
Gehört wurde auf MW Europawelle Saar, die Hitparade mit Manfred Sexauer, kam freitags ab 18 Uhr.
Mittwochs ab 20 Uhr Schlagerderby, das war die Hitparade vom DLF, die Kurzwiederholung kam donnerstags ab 18 Uhr.
Natürlich auch KW RTL die großen 8 am Sonnabend, die Hitparade am Sonntag Nachmittag.
Der deutsche Soldatensender auf MW mit seinen 4 oder 5 halbstündigen Sendungen zu verschiedenen Tageszeiten.
Das alles Ender der 60er Anfang 70er, bevor ich UKW entdeckte...

[attachment 6665 t100.jpg]

von schnappdidudeldey - am 04.01.2016 13:22
Die Masten in Marnach sind, wie ich an anderer Stelle hier im Forum gelesen habe, inzwischen abgebaut worden. So bleibt nur die Erinnerung an den Empfang des deutschsprachigen Radio Luxemburg und natürlich der 2-0-8 auf Mittelwelle. Aber auf dem Weg zur Arbeit komme ich ja noch regelmäßig an den drei Masten des Senders Cremlingen vorbei, dessen Signale damals zu den ersten gehörten, die ich als Kind mit meinem Mittelwellen-Taschenradio empfangen habe. Immer noch schön, die drei Masten mit Flugwarnbeleuchtung im Dunkeln zu sehen.

von Metthi - am 13.02.2016 07:09
Radiohören begann für mich in meiner Schulzeit.
Hab immer gern die Schulfunksendungen am frühen Nachmittag gehört. Die kamen auf NDR/WDR 1.
Durfte eigentlich nur das Radio anmachen und meine Sendungen hören. Nicht verdrehen ;)

Fing dann später doch an, am Radio rumzudrehen. Das elterliche Dampfradio besaß übrigens UKW/MW/LW/KW.
Radio Luxemburg auf MW 1439 (1440) KHz war das Erste, was ich spannend fand und gern hörte. Begeisterte auch meine Mutter.
Was gabs da so auf Mittelwelle ausser DLF und NDR/WDR? Europawelle Saar, hr1, Bayern 1 und SWF1 und weiß Gott was sonst noch. Hansawelle aus Bremen ging auch so einigermaßen. SFB schlechter und Stuttgart garnicht, wegen Leipzig auf gleicher Frequenz
Via Kurzwelle 49m hörte ich gern RIAS Berlin, Südfunk Stuttgart,
Südfunk Stuttgart war für meinen Vater interessant, da der SDR bereits Sonntag mittag die Lottozahlen bekanntgab. Während NDR/WDR1 diese erst um 19.00 h sendeten.

Ein kleines Transitorradio mit MW (Made in Honkong) hatte ich als erste eigens Gerät.
Nach der Lehre konnte ich mir ein gescheites Kofferradio kaufen. Mit allen Wellenbereich und für's 49m-Band eine eigen Taste. Funzt immer noch. :spos:
Mittels Autohalterung war es auch als Autoradio tauglich Hatte ich aber nicht. Wozu auch, In der Familie gab es kein Auto, wo man es mal mitnhemen konnte.
Daneben bekam ich aus Rückläufer eines damals bekannten Wolfenbütteler Rundfunk- und Fernsehgeräteherstellers eine Muskitruhe für wenig Geld. Für's Radio gab es einen Nachrüstsatz für Stereo, den ich mir natürlich besorgte.

Nach der Bundeswehrzeit und von einem der ersten Gehälter kaufte ich mir dann eine UKW-Antenne (7 Elemente).
Da gab's dann Bayern 3 und Bayern1 - meist in Stereo - was natürlich besser war, als auf MW. Vor allem, da die gutgehende 1601 (1602) nach der Wellenkonferenz von 1978 wegfiel und nur noch auf 800 (801) KHz gesendet wurde.
Südfunk1 kam auch auf UKW durch. Heute geht SWR1 BW auf selbiger Frequenz deutlich besser. OK, das nur am Rande.

[attachment 7636 koffer.jpg]
[attachment 7637 musikschrank.jpg]
[attachment 7638 I664-5.jpg]
Im unteren Bild sieht man den Stereo-Decoder, (von der helle Kasten) den ich nachträglich eingesezt hatte.

QTH: 52° 08' 43'' Nord; 10° 46' 08'' Ost (Eulenspiegeltown, 23 Km südöstlich von Braunschweig)
Band I Antenne: Teleskopantenne 2 x 1,22 m-Stäbe im Dachgebälk deponiert; Empfänger: Casio TV-8700L
UKW Antennen: 7 + 9 El. unter Dach; Empfänger: Autoradios aus Hyundai i10 + i40
DAB Antenne: LogPer Skyplus DTA 13A unter Dach; Empfänger: Phillips AE 9011
Weitester Tropo-Empfang: 12 B Norwegen (706 Km)
DVB-t Antenne: Tripol ATX 91 über Dach; Empfänger: Grundig DTR 2420
Weitester Tropo-Empfang: K 37 Nibe/DK (542 Km)


von bikerbs - am 01.07.2016 22:56
Wirklich sehr schöne Geschichten.
Auch wenn ich Jahrgang 68 bin, habe ich nicht so viele Erinnerungen, die mich mit dem AM- Bereich verbinden, da ich bereits als kleines Kind, mit einem Grundig- Röhrendampfradio, dem UKW- Funk gelauscht habe (Seinerzeit vornehmlich Radio Bremen Hansawelle).

Jedoch war ich in den 70ern mit meinen Eltern einmal im Jahr in Italien im Urlaub. Dort habe ich dann, mit dem Grundig Satellit 1400 meines Vaters und einem eigenen Transistor- Radiorekorder (von Telefunken, mit grüner "LUX"- Taste) versucht, heimische Sender auf MW & Kurzwelle zu hören. Radio Luxemburg auf 6090 war natürlich kein Problem, komplizierter wurde es da schon mit der 936 von Radio Bremen - aber in den frühen Morgenstunden oder am Abend konnte man das Programm dort immer wieder hören.
Dann und wann hatte ich sogar die Möglichkeit, auf 6190 Samstag Vormittags "Bremen 1 - Am Wochenend" mit Monika Kluth & dem leider viel zu früh verstorbenen Karl- Heinz Calenberg zu lauschen. Das war damals zu Hause quasi "Pflichtprogramm".
Die Frequenz hat sich Radio Bremen seinerzeit stundenweise mit dem RIAS Berlin SFB geteilt.

von HAL9000 - am 05.07.2016 14:30
Zitat
iro
Radio Bremen sendete ab Juni 1961 auf der 6190 kHz in Richtung Skandinavien (50°).
Im August 1971 stieg der SFB mit ein, Ziel war dann die DDR (140°).
Nach der Stilllegung in Bremen ging der Sender an den SWF/SWR und wurde ab Ende 1997 auf 7265 kHz aus Rohrdorf eingesetzt.


Für die 6190 kHz gab es sogar mal eine gemeinsame QSL-Karte von Radio Bremen und SFB:
[attachment 7654 QSLKW6190RB.jpg]

Nachdem der SFB aus der gemeinsamen Nutzung der 6190 kHz Anfang der 90iger Jahre ausgestiegen war, lief dort bis zur Abschaltung 24 h die Hansawelle. 1993 konnte ich die 6190 kHz auf den Kanarischen Inseln abends sehr gut empfangen.

Ich habe auf meinen Reisen die 936 kHz immer beobachtet und die ging in Nordeuropa ( Britische Inseln, Skandinavien, Nordfrankreich, Benelux-Staaten ( hier sogar z.T. tagsüber)) besonders gut. Nach Süden war der Empfang durch Gleichkanal-Sender in Italien schwieriger.

von Router - am 05.07.2016 18:00
Genau. Der DLF ging allerdings gefühlt stärker als DRadio Kultur, von daher hätte ich die Leistunganders vermutet (damalige QTH 69488).

Ich erinnere mich auch noch an die unmittelbare Nachbarschaft der KW aus Ismaning des BR zu der 6075 kHz der DW - für meinen Empfänger kein Problem, in manchen Gebieten aber offenbar doch. Zu Zeiten als der BR seine Frequenz nur noch mit B5 aktuell bespielte, erinnere ich mich an Hörerpost an die DW, demzufolge der Empfang der DW bis zur Unverständlichkeit gestört werde. Die Bayern würden zwar manchmal auch interesante Beiträge bringen, aber dadurch die Deutsche Welle nicht mehr hören zu können, ts ts.

Meiner Erinnerung hat sich der BR in seiner Ausrichtung der Kurzwelle auf die südlichen Nachbarn und die Mittelmeerregion konzentriert.

Radio Schweden, BBC World Service auf Deutsch (u.a. 9915 kHz, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht) und natürlich das markante Chopin-Thema vom Polnischen Rundfunk Warschau, wie es selbst Mitte der 90er noch hieß waren meine Hauptwellen - erst auf dem Empfänger meiner Mutter, ab 1997 auf meinem eigenen zu meiner Konfirmation. Hinzu kam vereinzelt Radio Österreich International auf der 6155 und RFI (damals schon nicht mehr auf der Kurzwelle auf Deutsch zu finden, ich hab mich dann auf der nur schwach zu empfangenden Radioropa 261 versucht. RTL 1440 war erst in späteren Jahren durch die ausführliche Ausstrahlung der Chinesen Thema. Andere Stationen habe ich schon wieder vergessen, aber für mich war es faszinierend, dass sich tatsächlich Radiowellen rund um den Erdball ausbreiten und man sogar Radio aus Australien hören konnte. Internet war mir zwar da schon bekannt, und die BBC war eine der ersten Stationen, die im Real Audio-Format streamten, aber das klang sogar noch schlechter als auf Kurzwelle und war (dank Analogmodem bzw.fehlender Flatrate) sehr störanfällig und teuer, ganz zu Schweigen von der Blockade für andere Anrufe. Ich hätte mir selbst am Beginn der 200er noch nicht vorstellen können, dass ein recht bequemer Weg, die Sichtweise anderer Länder zu erfahren und auf Entdeckungsreise zu gehen in dem Sinne, sich einfach mal überraschen zu lassen, so schnell verschwinden würde.

RFI habe ich später übrigens über Internet gehört. Als Radioropa aufgab, hatte ich zwar die Ausstrahlungen auf Antenne Saar entdeckt, aber Heusweiler wurde ständig von den ebenfalls auf 1179 kHz sendenden Schweden plattgemacht und hatte in den Abendstunden endgültig die Kontrolle übernommen.

von rolling_stone - am 06.07.2016 13:11
Liebe Freunde der Mittelwelle, ich bekam einen link gesendet zur Abschaltung der Mittelwelle und
habe alle Beiträge mit einem weinendem Auge genossen. Eigentlich sollte ich auch etwas zugeben.
Jedoch bei RTL kann ich kaum mitreden.
1959, ich war 10 Jahre alt, hatten wir ein Akkord Motorette. Mein Vater erlaubte mir, es abends in mein Schlaf - und Bastelzimmer mitzunehmen. Es hatte LMU. Im Langwellenbereich stand Moskau, Warschau Prag und einige anderen Sendernamen. Auf dem Balkon im Hochparterre hörte ich dann die fremden Sprachen. To Warszawa und говорит Москва. Diese fremden Laute waren mir so unheimlich. Englisch konnte ich fließend durch die Besatzungssoldaten, weil wir in Oldenburg in der englischen Siedlung wohnten und die einzigen Deutschen dort waren. Außerdem lief in der Wohnküche AFN Bremerhaven rund um die Uhr. Ich dagegen hörte auf BFN (noch vorhanden) die englische Hitparade und den Saturday Club. Das war in FM. AFN kam auf 1143 mit 5kW, aber eine enorme Reichweite hatten die. Später mal angesehen: Klarer Fall, die Antenne war hinterm Deich, fast in der Weser. Später im Jahr reifte mein Wunsch, Russisch zu lernen. 30 Stunden Russisch, ein Buch zum Selbstlernen bekam ich von meiner Mutter. und es ging durch die 60er Jahre mit BFN AFN und einen Nordmende Condor sowie Philips Nicollette. Man konnte überall auch mit diesen 6 Transistorradios besonders abends ca. 2000km entfernte Sender empfangen. Und es gab Deutsch von Moskau, von Warschau , von Prag und Budapest. Dann kamen die Piratensender. Das ging bei Radio Caroline zB. am 15.8.1966 um 15h00 leicht angerauscht mit dem Condor im Süden von Oldenburg. Sie stellten das allerneuestes Stück der Small Faces vor - All or nothing, war 4 Wochen später Platz eins in Britain. 100kW und die Antenne auf dem Wasser! status quo bis 1971 - da kam Radio Nordsee International auf Kurzwelle im 49 m Band. Mein Standort Oldenburg,i/O.
1973 interessierte mich das Radio hören und reparieren nicht mehr, weil ich eine Prüfung zum Funkamateur Klasse A bestanden hatte. Es blieb bei BFBS und Relaisfunk auf 2m UKW. So habe ich die 80er verschlafen mit BFBS aber nachmittags hörte ich oft die Entenjagd oder Show mit Tommy Ohrner. Bin dankbar für Hinweise. Ab 1978 machte ich nuur noch Telegraphie auf KW.
Für meine Hilfe beim Einbau einer Funkstelle auf einer Segelyach bekam ich einen Braun T 1000
geschenkt. Damit und 1989 ging es wieder mit der Mittelwelle los. Aber toll. Wenn man 1989 nach Greetsiel an die Küste fuhr, konnte ich dort den 4kW Sender Caroline mit weit über S9 empfangen. Erst in der Innenstadt von Aurich riß das ab. Inzwischen mußte ich nach England umziehen - da war sie wieder - meine Mittelwelle. Erst alles toll. Nach zwei Monaten sucht man nach deutschen Sendern.
Kofferadio Grundig Satellit 400 - nicht gut - der Digitalteil störte zB RTL 1440.. Aber dank der Mittelwelle DLF, Abends S9 Hamburg 972 und morgens um 6h nach dem "wake up" from Caroline gleich wieder auf Bremen 936 kHz Wetter von Oldenburg gehört. Wunderschön. Oldie Show auf WDR 1 1594 . Es war eine schöne Zeit. Das geht alles auch heute. Außer Caroline - sie habe ich aufgenommen im Januar 2006? mit Satellit und Rahmenantenne mit erp 1 Watt in Hamburg!. Fast alles geht heute auch.. Internet usw . nicht geht im Auto Empfang nicht regionaler Stationen. Ich kann mir kein Bild mehr machen, ob die Nachrichten unabhängig sind. Ich kann spazieren gehen, aber keine MW Fernsender mehr hören. Ich halte das für den falschen Weg.
Nun bin ich ja Funkamateur. DF9QM.
Also habe ich natürlich viel getan, um jungen Menschen etwas beizubringen. Als Physik, Chemie nd Techniklehrer unterrichte ich mit 67 Jahren als Teilzeitlehrer. Und die Probleme sind: absolut mangelnde Geduld bei Schülern. Das schlimmste Hemmnis.
In der Tat wissen Schüler nicht mehr was das MW bedeutet, fast alle kannten den assettenrecorder nicht, bzw wußten nicht, wie die Cassetten eingelegt werden. Diskman war fast allen bekannt.
Ich habe im Physikunterricht mein Telefunken bajazzo mitgebracht und auch mein Auto gezeigt, dort kann man heute noch Polen auf Langwelle hören, in Polen hat man einen 1 Millionen
Watt Sender in der Mitte des Landes auf 225 kHz laufen, das ist die Grundversorgung. Scheint aber nicht mehr so stark wie früher. Genauso BBC 198 kHz und Atlantic 252 in Irland, France Inter 162 kHz und 177kHz in DL. Nein, in dem roten Auto hatte ich LMKU. 49 - 25m Digital und leider ging später der FM Teil kaputt. Das Grundig Autoradio kostete mich 800 DM. Wir hatten im Physikbuch 10. Klasse ein Kapitel über Radio und Wellenausbreitung. Das habe ich immer gründlich durchgenommen und bin mit den Klassen an die Kurzwellenschulstation. Aber wenn ich dann auf 40m ein Gespräch mit zwei Funkamateuren eingestellt hatte, das SSB Hören war für die Schüler ein Problem, dann sagten die S. sofort:
Sprechen Sie mal dazwischen. Na ich habe dann ab und an ein QSO selber in Deutsch geführt. Ein Schüler kam immer in die Amateurfunk AG, der setzte sich an den Empfänger und hörte erst mal alle Funkfrequenzen in Ruhe ab. Als er abging, habe ich ihm einen Philips SSB/AM RX geschenkt.

Heute abend, 6.7.2016: 5 Sender höre ich auf LW, in Telegrphie HOS, GT, Warszawa, 225, BBC 198, und France Inter mit sehr gutem Klang auf 162 kHz. (bajazzo TS) Starke Störungen durch Computersignale. Auf 189 ist ein unbekannter Sender.
Tomasz
Für mich hat es sehr gute und gute Kenntnisse in mehr als 10 Fremdsprachen gebracht.
Mit 20 konnte ich durch glückliche Umstände bereits 5 Sprachen. Ich besitze ca. 40 bis 50 Koffer - Transistorradios.
Ich hoffe, dies war nicht zu langweilig. Radios haben mich fasziniert, seit ich говорит Москва hörte.
(gawarit Moskwa -> es spricht Moskau)

von Tomek66 - am 06.07.2016 20:57
DW & BR war zumindest in unserer norddt. Gegend kein Problem. Wesentlich schlimmer gestaltete sich der Empfang von BR 6085 und RTL 6090. Letzterer war gewöhnlich deutlich stärker und man konnte mit diesen beiden Sendern recht gut die Güte des Empfängers bestimmen.
Als dann der "Synchron- Detektor" beim Grundig Sat700 ins Spiel kam, war das Problem mit mangelhafter Trennschärfe bzw. reinfadende Signale aus Luxemburg deutlich minimiert. Seinerzeit ein echtes Wunderwerk, dass wohl nur der Sony ICF 2001 noch sauberer hinbekam.

von HAL9000 - am 07.07.2016 09:29
Mein erstes vernünftiges Radio war eine riesige Phonotruhe mit Radio von "Imperial", die ich Ende der 1970er von meiner Oma geschenkt bekommen habe. Das Radio war schon in Stereo, aber noch mit Röhren. Mittelwelle bot besseren RTL-Empfang als UKW, wo es bei mir im Kinderzimmer gar nicht ging. Beim Suchen des Kurzwellensenders von RTL sind mir aber sehr viel andere interessante Sachen aufgefallen, wie die Zahlensender, und die zahlreichen Auslandsdienste. Besonders Moskau war ja sehr gut zu empfangen. Mit diesem Radio begann meine Leidenschaft für's DXen. Später bekam ich einen "Ghettoblaster" mit Kassettendeck, da hatte die große Phonotruhe leider ausgedient, aber dafür begann das Zeitalter der Piraten aus den Niederlanden und Ostbelgien auf UKW :D .
Ich hatte noch die Lautsprecher aus der Truhe ausgebaut und dafür Boxen gebastelt, der Rest ging leider auf den Sperrmüll. (Mitte der 1980er war die Truhe aus den 1960ern ja nicht antik, sondern alt.) Die Lautsprecher hatte ich noch sehr lange genutzt, bis irgendwann die Membranen sich anfingen aufzulösen. Bei meinem zweiten Auto (das erste musste nach wenigen Monaten zum TÜV, was es nicht überlebte), war aufgrund des nicht entstörten Motors kein UKW-Empfang möglich. Da wurden Mittel- und Langewelle wieder richtig interessant. Neben RTL (damals leider schon "der Oldiesender") habe ich vor allem Radioropa Info auf Langewelle gehört. Oder halt Kassetten...

von Bolivar diGriz - am 07.07.2016 14:00
Unser zweites Radio an das ich mich erinnern kann und glaube um 1962 ins Haus kam war dieses

(das dunkelbraune rechts im Farbton ähnlicher)

http://www.radiomuseum.org/r/stern_stas_onyx_ii_8e156i_8_e_156_i.html

Zuvor hatten wir da glaube noch einen Volksempfänger, aber einer wo links und rechts eine Skala war, darüber hörten meine Großeltern vom jaulen eines Störsenderns übertönt, die Nachrichten über den Mauerbau in Berlin, erinnern kann ich mich auch daran das wir über eines der beiden Geräte oft den Bayrischen Rundfunk hörten.

von astranase - am 07.07.2016 14:48
Naja, ich hab den Sat700 auch noch in Betrieb, die Displaybeleuchtung auf LED umgerüstet, nachdem die letzte Glühfunzel ihren Geist aufgegeben hatte.
Aber den AM- Teil kann ich bei dem Gerät leider komplett vergessen: Ich wohne in nem Hochhaus mit allerlei Richtfunkstrecken und Handymasten auf dem Dach. Was die Nachbarn im Haus so alles betreiben, will ich gar nicht erst wissen. Jedenfalls, das Ergebnis ist ein konstanter Rauschteppich, den kaum Signale durchdringen können.

Somit bleibt für AM "nur" mein Perseus, der mit ner kleinen Aktiv- Aussenantenne recht gute Empfänge macht, auch wenn hier unter Tage so manches mal Störer "ausm Haus" unterwegs sind, die wirklich große Bereiche des LW, MW & KW- Bandes "lahmlegen".

von HAL9000 - am 07.07.2016 15:25
Zitat
Marc_RE
Einen Volksempfänger mit 2 Skalen gab es nicht.


Das war eine Doppelskala, der Zeiger saß in der Mitte und wenn man drehte lief er sozusagen links nach unten, rechts nach oben, auf beiden Seiten waren die Sender vermerkt, welche Farbe weiß ich nicht mehr, glaube grün, schwarz und /oder rot.
Ich muss mal suchen ich hatte durch Glück irgendwo mal ein vergleichbares Bild im Weg gefunden, unter der Skala hatte das Teil glaube drei Drehknöpfe, war insgesamt aus Bakelit (oder so), unten eckig, oben aber eine Art halbrundes Dach, ... bedenke aber das sind gut 55 Jahre her das ich das Teil das letzte mal sah.

von astranase - am 07.07.2016 17:05
Hallo Zusammen,

Mein Vater kaufte sich in den 70`er Jahren Diese Anlage Damit übergab er mir Dieses zur Weiteren Verwendung.
Der kam in meine Stube. Eine Tote Telefonfreileitung wurde als AM Antenne verwendet.
Damit kamen sehr Viele Sender herein. Ausserdem war in dem Radio eine Zuschaltbare ( FA- Taste )
und von Aussen Drehbare Leistungsstarke Ferritantenne Drinnen. Ich hatte Jahrelang viel Freude mit dem Radio.
Daran erinnere Ich mich immer gerne. Aktueller Plattenteller und das Schlagerderby vom DLF waren
immer mit dabei....

von RADIO354 - am 08.07.2016 14:44
Kindheit Jugend 60er am radio Erinnerungssplitter

Philips Philetta Braun Schneewittchen, Grundig Export Boy m KW 13 bis 120m,
Grundig Satellit m Trommelrevolver f KWbänder

Wdr 2 swf1 kinderfunk stars und hits
wdr 2, swf 2 Sport und Musik, Fußball konferenzen, WM66 Herbert Zimmermann Wembley
Wdr 3 Kritisches Tagebuch
hr2 teens twens toptime
KW dienst des ORF erste Empfangsberichte
ÖRegional 6000, 1475 Autofahrer unterwegs, ÖRallye
R Luxemburg Funkkantine Grossen 8, BravoMusikboxetc SR1
NDR WDR1 17 und 4
Div. RIAS Allein geg alle, Wer fragt gewinnt Sonntagsrätsel
R Portugal, Stimme des Westens, "der Westen kann und wird gewinnen"
Norddeich u Rügen Radio, Portishead R etc
Überseeamt Berlin, DDR
RDDR Schlagerrevue
DSS 935
WNYW R NEW YORK WORLDWIDE m CBS news 13m band
AFN BFBS
BBC R 1,2,3,4 1215Tony Blackburn, R Caroline
R Veronica 1562 557
Moskau, Peking Der Osten ist rot, Kanada, RSA, Tirana Propaganda m Internationale etc auf KW
HCJB damals wie heute Sa DX Programm
Jamming
Afu 80m SSB zusatz Satellit 210

R Andernach mit Musik auf UKW 101 +MHz 1969 70?
...................ETC PP............

Und trotzdem noch Zeit f tv, schule, modellbahn, Fußball u.a. !?
nur 1mal sitzengeblieben,☺

Danke f den schönen thread!

von satjay - am 08.07.2016 19:49
Zitat
satjay
...Peking Der Osten ist rot, Kanada, RSA, Tirana Propaganda m Internationale etc auf KW


Ja bei dieser Sache und der Stationskennungsmusik "Osten erglüht, China ist jung, Rote Sonne grüßt Mao Tse tung" muss ich immer schmunzeln.

https://www.youtube.com/watch?v=S4yGMZH9_HQ

Das der Osten erglüht .. na OK da komme ich ja noch mit, das China jung ist ... mmm ist wohl bei über 1000 Jahren Geschichte eine philosophisch kommunistische Ansichtssache aber OK OK, aber wie und wieso die Rote Sonne ausgerechnet Mao Tse tung grüßen soll bleibt mit schleierhaft :bruell::bruell:
Aber naja ich lese das wir fast die gleichen Sender hörten, daß geglaubt was über Radio Peking und Tirana kam? ... manchmal gehofft das der Kommunismus dort besser war als der bei uns ... vielleicht, ohne wissen zu können das dort noch mehr Blut floss und Köpfe rollten als bei uns, .. PS oder ich sage mal das dort nicht nur alte Zöpfe sondern gleich die Köpfe mit abgeschnitten wurden.
Nur wir konnten es auch kaum wissen weil der Nachrichtenfluss von dort fast 0 war, in der DDR waren das fast unbekannte Länder, im Westen wo man es wissen konnte aber oft nicht wissen wollte, hatten die reguläre Anhänger und manche unserer heutigen oder bis vor wenigen Jahren Volksvertreter die Massenmörder wie Pol Pot hofierten und zum Sieg der Revolution in Kamdodscha vor Ort gratulierten sind heute an Schalthebeln der Macht und haben sich ach wie fein ... nur geirrt.

von astranase - am 09.07.2016 08:51
Zu den unangenehmen Erinnerungen gehörte das mit Rundfunksendern - vor allem durch Radio Peking und Radio Tirana - zugemüllte 40m-Amateurband, ferner die Störsenderketten der Ostblockländer auf allen KW-Rundfunkbändern. Auch der grässliche 4kHz-Pfeifton, mit dem der DLF auf 151 kHz überlagert war, störte bei der Aufnahme von Musiksendungen (Interferenz mit Brasov auf 155 kHz). Ja, man machte damals Mitschnitte von beliebten DLF-Sendungen (z.B. aktueller Plattenteller) von AM-Sendern. In NRW war der DLF-Empfang sehr schlecht, bis 1976 wenigstens für den Raum Köln/Bonn der erste UKW-Sender (88,1 MHz, 1 kW) aufgeschaltet wurde.

von hegi_ms - am 09.07.2016 10:05
@astranase:

Ich erinnere mich an die mehrlagige Schicht Flugblätter auf den Tischen der Mensa, in denen wir über die unmittelbar bevorstehende Weltrevolution, vor allem aber über die Machenschaften der Viererbande informiert wurden.

Naja, jetzt ist China unsere "verlängerte Werkbank" und Superschiffe, die durch keinen Kanal mehr passen, decken unseren Bedarf an Billigstprodukten.

Aber die Rote Sonne wird die Erde endgültig erobern. Zum Glück erst in einigen Milliarden Jahren.

P.S.

Die Weltrevolution heißt jetzt "disruptive innovation"

von hegi_ms - am 09.07.2016 10:22
Zitat
satjay
Danke f d Peking YT link,
"Liebe Genossen und Freunde, zu Beginn die Worte des großen Vorsitzenden Genosse Mao TseTung.
Der Vorsitzende Mao sagt..."
Zitat wurde dann zur "besseren Einprägung" immer wdh., bevor die Nachr kamen.
muss ich noch auf irgendeinem alten Band haben....

@hegi ms
Dlf Bonn damals wie heute 89.1,
leistung später erhöht und dann trotz Feldberg 89.3 bis Nordhessen hörbar.


Prägend für Sender aus Peking und Tirana war ja auch die Ausdrucksweise

Die UdSSR und die Ostblockstaaten (zeitweise wurde Rumänien ausgeklammert) waren Sozialimperialistische Staaten, deren Regierungen eine Revisionistenclique.
Jugoslawien wurde von einer Titoclique regiert.
USA und UdSSR waren Papiertiger, noch krasser wurden dann die Nachrichten von Radio Tirana als es auch noch zum Riss zwischen Albanien und China kam und die Chinesen ebenfalls plötzlich als eine Sozialimperialistische Verräterclique bezeichnet wurde.
UdSSR und USA waren Papiertiger
Es wurden die Worte des Großen Vorsitzenden bzw Enver Hodschas endlos wiederholt und so weiter, auf Radio Tirana wurde 1978 verkündet das man der einzige Sozialistische Staat auf der Welt sei, man aber bereit sei seinem eigentlich Todfeind Tito zur Seite zu stehen wenn die Sowjetischen Imperialisten Jugoslawien angreifen sollten.
Krass war auch wie Radio Peking im Februar 1979 während des Chinesisch-Vietnamesischen Krieges in den Äther schickte das die Volksbefreiungs Armee in den besetzten Gebieten den Vietnamesischen Bauern beim einbringen der Ernte selbstlos in Kampfpausen behilflich sei.
Dieses hören der MWn und KWn Sender aus Peking, Tirana, Belgrad, Pjöngjang, aber auch Moskau und anderen mit ihren deutschen Programmen wäre mir fast zum Verhängnis geworden, weil ich dies während meiner Armeezeit (auch noch heimlich im Wachdienst) tat und mich im Politunterricht verquatschte in dem ich u.a. über den Bruch zwischen Peking und Tirana erzählte und auch so informierter war als unser Politoffizier, ich konnte mich zum Glück herausreden weil ich kurz zuvor im Urlaub war und mir dies angeblich ein Bekannter erzählt hätte ... das hätte für mich verdammt dumm ausgehen können, den auf das hören von Feindsendern und die Verbreitung deren Meldungen hätte durchaus Militärhaft stehen können.

von astranase - am 09.07.2016 13:39
Gelegentlich hatte ich diese Auslandssender auch gehört.
Gab es eigentlich einen nennenswerten Einfluss des rumänischen Auslandsfunks? Trotz eifrigen Kurbelns durch die MW-Skala ist mir damals nichts aufgefallen.
Der Genosse Nicolae Ceaușescu war ja im Westen schliesslich nicht unbeliebt. Stichwort: Teilnahme an der Olympiade in Los Angeles 1984 trotz des Olympiaboykotts des übrigen Ostblocks.
Durch London hatte man ihn in einer goldenen Kutsche chauffiert (Staatsbesuch 1978). Seine Ehefrau Elena wurde ehrenhalber als "bedeutende Wissenschaftlerin" ins britische Royal Institute of Chemistry aufgenommen.
Ich höre lieber auf, sonst wirft man mir noch konservativ-feindliche Stimmungsmache vor.
Gerade im hiesigen Bundesland gilt ja "CDU über alles".

von hetietz - am 09.07.2016 15:45
Eigentlich habe ich keinen passenden Thread dafür gefunden, irgendwie passt es aber doch hier hinein:

Ich bin durch Zufall darauf gestoßen, dass dieses Jahr ein Buch über die Geschichte des Senders Langenberg erschienen ist:

Jürgen Lohbeck - Der Langenberger Sender - 1926 bis heute

Ich habe mir das gute Stück besorgt und bin beeindruckt, ohne das Buch schon im Detail gelesen zu haben. Auf 264 Seiten im Format 21 x 27 cm gibt es viel ausführlichen Text und sehr viele zum größten Teil historische Bilder rund um diesen Standort.

Für Leute, die Spaß an diesem Thema haben, aus meiner Sicht absolut empfehlenswert. Erhältlich über die verlinkte Seite oder auch über einen sehr großen und sehr bekannten Internet-Versandhändler.

von Funkohr - am 17.08.2016 16:52
Und für noch ältere....

Kennmelodie: The Belle of the Ball v Leroy Anderson,
hingebungsvoll gespielt zum 12 uhr start der
Luxemburger Funkkantine, Sa immer gern gehört
mit der Bundesligavorschau Vor dem Anpfiff.

Das war auch die Zeit von Operettenplatte, roten Karten f
Wünsche an den fröhlichen Wecker, Muntere Musik zum
Munterwerden,
Der Großen Acht m Camillo, Hj Bäumlers kleiner Party,
Hörergrusslotterie, den Nachrichten von Rhein und Ruhr
v d Zeitung Mittag,
und der allgegenw. Persilzeit....

von satjay - am 26.11.2016 08:43
Zu Ende der 1970er Jahre war ich öfter mal bei meinen Großeltern am anderen Ende der Stadt Lübz. Etwa 1977 kauften sie sich ein Kofferradio, welches fast die gesamte Kurzwelle hatte - vom 49m-Band bis einschließlich des 13m-Bandes. Und das Gerät war alles andere als taub! Ich kenne dessen genauen Namen nicht mehr, es begann wie alle DDR-Kofferradios mit "Stern ...". Werde in den nächsten Tagen mal danach googeln. Da es nur einen Kurzwellenknopf hatte (neben LW, MW und UKW), brauchte man bei der Abstimmung sehr viel Feingefühl, drehte man den Abstimmknopf nur um einen halben Millimeter, war man schon 2 oder 3 KW-Sender weiter.

Leider hat dieses Radio auch längst das Zeitliche gesegnet. Als ich es vor etwas 10 Jahren bei meinen Großeltern ein letztes Mal ausprobierte, konnte man keinen Sender mehr vernünftig einstellen, es kratzte und quietschte bei jedem dDehen am Abstimmknopf auf allen Wellenbereichen. Wahrscheinlich lag es daran, dass es als Küchenradio benutzt wurde und jeden Tag die Feuchtigkeit und den Wrasenaus der Küche abbekam. :-(

Interessant war, was sich um 1978 herum jeden Mittag auf der 6065 kHz (49m-Band) abspielte. Von 11.30 Uhr bis 11.57 Uhr sendete Radio Schweden sein deutschsprachiges Programm. Darauf folgte um 12.00 der Deutschlandfunk mit einem Programm für die CSSR. Über die KW-Sender der Deutschen Welle wurde das Programm (mit dem legendären DW-Pausenzeichen) ausgestrahlt, dieses wurde aber gestört. Das spielte sich täglich so ab (Angaben in MEZ, Sommerzeit gab's damals noch nicht):

11.28: Radio Schweden wird aufgeschaltet, um 11.30 beginnt das deutsche Programm
11.52: Der Sender der Deutschen Welle wird aufgeschaltet, zunächst mit 1 kHZ-Messton -> stört Radio Schweden. (Hatte der DLF/ die DW etwas gegen Radio Schweden?)
11.55: Der Messton im Hintergrund wird durch das DW-Pausenzeichen ersetzt
11:57: Radio Schweden verabschiedet sich von seinen Hörern. Ca. 20 sek lang gab es noch Pausenzeichen, dann wurde der Sender abgeschaltet
11:58: Jetzt ist nur noch der DW-Sender auf 6065 kHz zu hören. Schon wenige Sekunden nach der Abschaltung von Radio Schweden hört man, wie der Störsender (aus der CSSR?) auf die 6065 kHz abgestimmt wird. Noch ist das Störsignal unmoduliert.
11:59: Bei der Ansage "Hier ist die Deutsche Welle über die Sender in der Bundesrepublik Deutschland" vor dem letzten Pausenzeichen hörte man, wurde die Modulation des Störsenders allmählich lauter wurde.
12:00: Die Ansage "Vom Deutschlandfunk hören Sie eine Sendung in tschechischer bzw. slowakischer Sprache über die Kurzwellensender der Deutschen Welle" verschwand im immer lauter werdenden Rauschen. Von der anschließenden Begrüßung in tschechisch konnte man dann kaum noch etwas wahrnehmen.
Die Störsender wurden mit Ende des CSSR-Programmes (ca. 12.40 Uhr) abgeschaltet. Der DW-Sender blieb aber noch on air mit einem ungarischen Programm (12.45 Uhr) sowie einem polnischen (13.15 Uhr). Die wurden m.E. nicht gestört, jedenfalls waren in Lübz dann keine Störsender auf der QRG zu hören.

von Analog-Freak - am 24.12.2016 18:34
Damals (1977-1979) hatte Radio Schweden noch ein anderes Pausenzeichen, Das gängige "To the wide wide world" wird m.E. erst seit 1985 genutzt.
Bei YT habe ich eine entsprechende historische Aufnahme gefunden: eine DX-Sendung von Radio Schweden (Englisch) auds dem Jahre 1980 mit anschließender Pause: https://www.youtube.com/watch?v=wCaXi0EU9Qw
Der Xylophon-"Dreiklang" ganz am Ende ist heute noch das Erkennungszeichen für die Nachrichten (halbe und volle Stunde) bei SR P1 auf UKW. Schade, ich kann nirgendwo ein Programmbeginn mit der Swedish Rhapsody finden. Mit der fing auch das deutsche PX. an.

von Analog-Freak - am 25.12.2016 08:56
Zitat
Analog-Freak
Damals (1977-1979) hatte Radio Schweden noch ein anderes Pausenzeichen, Schade, ich kann nirgendwo ein Programmbeginn mit der Swedish Rhapsody finden. Mit der fing auch das deutsche PX. an.


Einen Mitschnitt des deutschen Programms von Radio Schweden vom 19.01.1980 mit dem alten Pausenzeichen und der "Swedish Rhapsody" gibt es hier:

http://www.de.intervalsignals.org/db/ergebnis.php?KontAus=.*&SprachAus=de&TypAus=.*&ReihAus=Land

Die "Swedish Rhapsody" bei You Tube:

https://www.youtube.com/watch?v=Rtw78l0LO0k


Erinnert sich noch jemand an die "Pop Party" Samstags im deutschprachigen Programm von Radio Schweden, moderiert von Witold Bieszk ? Lief dort so ca. 1976 nach meiner Erinnerung...

von Router - am 25.12.2016 23:25
Als ich Jugendlicher war (schon dreieinhalb Jahrzehnte her) begann die deutschsprachige Sendung aus Frankreich stets mit der Melodie Mammagamma von the Alan Parsons Project. Hier in der Region Braunschweig konnte man diese Sendung sogar auf UKW hören, da die Franzosen einen UKW-Kleinsender auf dem Berg Schalke im Harz betrieben. Dieser Sender versorgte die französischen Soldaten, die im Harz stationiert waren, mit ihrem Heimatprogramm, es wurde aber auch die deutschsprachige Sendung des französischen Auslandsdienstes übernommen. Lange ist es her.

von Metthi - am 26.12.2016 07:29
@Zintus:

Das gab es auch bei der Deutschen Bundespost. Vor der Zulassung "privater" Medien in Deutschland wurden nur "ortsüblich empfangbare" Hörfunkprogramme im Kabelnetz übertragen. Das waren hier - neben der "eigenen" Landesrundfunkanstalt WDR - der NDR und der Hessische Rundfunk (nur mono). Als ortsüblich galten auch der DLF(Nordkirchen auf 549 kHz) und Radio Luxemburg auf 1440 kHz.

Beide wurden auf UKW-Frequenzen im Kabelnetz verbreitet. Das Signal aus Luxemburg hatte eine grottenschlechte (technische!) Qualität - schlechter als im eigenen Radio. Nachdem die ersten UKW-Sender des DLF zu empfangen waren, hatte dieses Programm auch im Kabelnetz die entsprechende Qualität.

von hegi_ms - am 27.12.2016 10:20
Die Europawelle habe ich als Kind entdeckt an einem Abend wo wir bei meinem Onkel zu Besuch waren.Das war für uns Kinder langweilig.Im Esszimmer stand ein großes Röhrenradio.Da bin ich dann über Hilversum 3,was hier damals immer Standarte war zu SR1 gelangt am anderen Ende der Mittelwelle und da lief die Top 75 mit Wolfgang Hellmann.Es war also ein Mittwoch.Das Radio hatte nur eine eingebaute Antenne und der Empfang war schwankend.Zuhause hat mei Vater mir dann eine Hochantenne aufgespannt von Dach in den Garten.Da konnte ich den SR mit meiner Anlage ständig empfangen.In meinem Kofferradio hatte ich den kurzen Ferritstab von 6 cm gegen eine ca 20 cm langen Stab gewechselt.Das Radio neu abgeglichen und der SR Empfang war laut und deutlich.Das Radio habe ich heute noch.Ein Tramp 3 von hgs.

von Radio10 - am 08.01.2017 08:07
Zitat

zu SR1 gelangt am anderen Ende der Mittelwelle und da lief die Top 75 mit Wolfgang Hellmann.Es war also ein Mittwoch.


Top75 war zu DDR-Zeiten die Informationsquelle zu dem, was man mit ca. 14-16 Jahren wissen musste... die Liste wurde von mir wöchentlich mittwochs vorm Radio notiert und mit den aktiv musikhörenden/-aufnehmenden Mitschülern diskutiert.

"Der Hass!": Unvollständige Listen, weil im Sommer abends noch zu wenig Signal ankam oder im Winter der Gleichkanalsender aus dem Baltikum (oder auch damals schon Rumänien?) stärker war. Was man einmal verpasst hatte, war ja nicht wiederholbar (die Älteren erinnern sich noch an diese Zeit...).

Wer Mittelwelle hörte, war schon Mitte der 80er ein leichter Freak. Musik aufgenommen wurde natürlich aus Berlin(W) über UKW (ca. 90 km) auf Kassette, zumeist in Mono. Aber die Top75 war bei mir persönlich ja schon eine der Sendungen mit der besseren akustischen Qualität... Ich sage nur 60m-Tropenband.

von LWie - am 09.01.2017 07:36
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