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Randfunker, 102.1, DJ Taifun, radio56, PowerAM, Jobi, pg09, hg, DX-Project-Graz

MW-DX Atlantik / Erfahrungen, Bandscans

Startbeitrag von Randfunker am 21.01.2016 23:18

Bin auf der Suche nach Berichten/Bandscans zum nächtlichen Mittelwellenempfang in den Atlantik-Regionen Kanarische Inseln, Kapverden, Azoren, Westirland, Island ...

Eigene Erfahrungen konnte ich bislang an der holländischen Küste machen (einzelne US-Amerikaner), an der Algarve (einzelne Brasilianer, Lighthouse, Caribb. Beacon), sowie in der Karibik (Guadeloupe). Möchte gerne mal demnächst von Teneriffa aus checken, falls sich das lohnt, auf die Azoren oder Madeira.
Wie sieht es dort mit den Raster-Mischungen Eur./Afrika - Amerika aus, ist das typische 1-kHz- bzw. 2-kHz-Pfeifen da draußen stark ausgeprägt?

Antworten:

Zitat
Randfunker
Bin auf der Suche nach Berichten/Bandscans zum nächtlichen Mittelwellenempfang in den Atlantik-Regionen Kanarische Inseln, Kapverden, Azoren, Westirland, Island ...

Eigene Erfahrungen konnte ich bislang an der holländischen Küste machen (einzelne US-Amerikaner), an der Algarve (einzelne Brasilianer, Lighthouse, Caribb. Beacon), sowie in der Karibik (Guadeloupe). Möchte gerne mal demnächst von Teneriffa aus checken, falls sich das lohnt, auf die Azoren oder Madeira.
Wie sieht es dort mit den Raster-Mischungen Eur./Afrika - Amerika aus, ist das typische 1-kHz- bzw. 2-kHz-Pfeifen da draußen stark ausgeprägt?


Ich verbrachte viel Zeit in Westirland sowie in Newfoundland in Canada. Beide Standorte sind DX-technisch auf MW sowie LW hochinteressant.

Gerade in Irland hast Du wenn nur nachts und im Winter gute Chancen aus USA div. Mittelwellensender zu empfangen. Ganz voran ist allerdings Canada mit VOCM aus St. John's, allerdings sind die MW Sender aus Nordamerika in der Regel schwaecher als umgekehrt, aus Europa.

Problematisch fand ich in Irland immer Spanien und tlw. Frankreich. Mittelwellensender aus beiden Laendern gingen in Irland immer sehr sehr gut, meist zu gut, und insbs. Spanien hatte oft eine Sendeleistung auf der MW, die vieles aus den USA eher blockierte. Dies war insbs. bis vor einigen Jahren so, heute ist das vermutl anders.

In Newfoundland gehen immer noch recht problemlos bei Dunkelheit fast alle MW Grossender aus Europa, insbs. aus UK, etwa Talk Sports und Absolute Radio, sowie BBC Radio 5, sowie die bekannten LW Sender aus div. westeurop. Laendern.

Mit dem Pfeifen hatte ich da nie Schwierigkeiten. Vermutl. liegt es aber eher an meinem Geraet.

von 102.1 - am 22.01.2016 00:01
Die Erfahrungen mit Neufundland kann ich bestätigen. Vor allem die UK-Sender kommen relativ problemlos an, gerade Absolute Radio habe ich als ziemlich stark in Erinnerung, wenngleich St. John's auf 1210 gerne rüberdrückt. Da die 1210 allerdings meiner Erfahrung nach nicht sooo die super Reichweite hat (ganz im Gegensatz zur erwähnten 590, die auch hier in Deutschland ein häufiger Gast ist), hält sich der beeinträchtigte Bereich zum Glück in Grenzen. Absolute Radio konnte ich zudem unmittelbar an der Küste auch noch auf 1197 schwach empfangen. Mit einfachem Equipment nicht wirklich anhörbar, aber durch Abgleichen mit der 1215 eindeutig zu identifizieren.

Auf Teneriffa konnte ich, als ich vor etwas über drei Jahren dort war, keine Sender aus den USA oder Kanada empfangen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich auch nicht explizit darauf geachtet habe. Aus der Karibik, Südamerika oder auch Afrika sollte aber durchaus etwas durchkommen, gerade wenn man bedenkt, dass schon an der Algarve relativ einfach Sender aus Brasilien empfangbar sein sollen.

Zitat
102.1
Spanien hatte oft eine Sendeleistung auf der MW, die vieles aus den USA eher blockierte. Dies war insbs. bis vor einigen Jahren so, heute ist das vermutl anders.


Vermutlich nicht. Spanien ist ja immer noch sehr aktiv auf MW und blockiert auch hier noch die ein oder andere interessante Frequenz. Das dürfte in Irland also nach wie vor ein Problem sein. Dennoch findet man auf YouTube zahlreiche Videos von Transatlantik-Empfängen aus UK und Irland, daher dürfte es dort trotz der Spanier doch um einiges einfacher sein als hier.

von pg09 - am 22.01.2016 01:26
Die 1210 in St. John's machte mir auch das DXer-Leben schwer, allerdings ist dieser Sender nicht sonderlich stark. Haelt man sich etwa auf Cape Breton Island auf ( das ist in Nova Scotia) geht die 1215 mit Absolute Radio auch wieder ganz gut.

Die ganzen Kanarischen Inseln haben ein Problem, und zwar die Geologie. Das relativ junge Gestein ist dort nicht gerade foerderlich fuer den MW Empfang. Ich hatte dort auch einiges immer wieder probiert, die Aussichten waren aber relativ schlecht, trotz der Lage im Atlantik. Da geht in Irland deutlich mehr,

Generell hast Du es beim Transantlantik DXen in Nordamerika leichter als in Europa, und dafuer sprechene gleich mehrere Gruende:

Die MW breitet sich bei Einbruch der Dunkelheit besser aus, und diese kommt nunmal von Ost nach West. So geht in Deutschland am Abend oft Osteuropa besser, als UK, und UK geht oft besser in den Morgenstunden. D.h. ist es in Newfoundland Abend, ist in Europa bereits Nacht

Was gleich zum naechsten Thema kommt, und zwar die Zeitverschiebung, die da auch Dein Vorteil in Nordamerika ist, es sei denn Du willst in Europa um 3 Uhr in der Frueh aufstehen um zu DXen.

Hinzu kommt noch, dass europaeische MW Sender tendenziell leistungsstaerker sind als jene in Nordamerika.

von 102.1 - am 22.01.2016 11:34
War vor einem Jahr auf den Kapverden, leider mit dem Tecsun 880, der nun wirklich nicht die erste Mittelwellengeige spielt.

USA klappte nicht, aber Brasilien kam immer mal rein, vor allem aus der Gegend um Recife, wenn ich mich recht entsinne.

von hg - am 22.01.2016 14:34
Zwei MW-DX-Videos von den Kapverden (Insel Sal):
https://www.youtube.com/watch?v=7LbR2m-8ouM
https://www.youtube.com/watch?v=53KmjzsrLhU

von Jobi - am 22.01.2016 14:37
@102,1: Mag sein, dass das junge Gestein nicht so empfangsförderlich ist, aber die Kapverden sind genauso vulkanisch, ebenso Island, Azoren - quasi alles, was so im Atlantik liegt. Guadeloupe übrigens auch, wo ich aber sehr gute Ergebnisse hatte. Glaube, dass das direkt an der Küste den MW-Empfang wohl nicht enorm beeinträchtigt.
Gehe allgemein davon aus, dass wenn schon in der Algarve Brasilien reinkommt, dann die Wahrscheinlichkeit auf den Kanaren noch etwas höher ist. Interessant scheinen effektiv auch die Kapverden.
Auf den Azoren wäre interessant, das europäisch-amerikanische "Mischungsverhältnis" kennenzulernen.

von Randfunker - am 22.01.2016 16:51
Nach einer Woche Teneriffa-Aufenthalt mit zwei Radios im Gepäck (Sangean ATS 909 und Grundig WR 5401 als "Backup") hier kurz meine Beobachtungen auf der Langwelle und dem darüber liegenden NDB-Bereich. Standort Teneriffa, Südwesten, Costa Adeje (La Caleta).

Tagempfang:
kHz ITU Prog Sig/O
171 MRC Medi 1 2-3
Nachtempfang:
kHz ITU Prog Sig/O
162 F F. Inter 2
171 MRC Medi 1 4-5
183 D Europe 1 1
198 G BBC R4 1-2
207 MRC SNRT Al Idaa 4
234 LUX RTL F 1-2
252 ALG Chaîne 3 3-4

NDB-Beacons (Nachtempfang):
317 E "TES" (Teneriffa Süd)
338 POR "PST" (Porto Santo/Mad.)
365 E "VR" (Gran Canaria)
376 E "HIE" (El Hierro)
380 POR "FIL" (Horta/Az.)
389 E "BX" (La Palma)

Auf der Langwelle überraschte mich etwas, dass RTL im Schnitt (rechnet man die üblichen Signalschwankungen heraus) etwas besser ankam als Europe 1, was in der Algarve (2015) nicht der Fall war. Vielleicht spielt hier der ausgeprägtere West-Südwest-Beam von Beidweiler doch eine Rolle, wenn es in die hohen Distanzen geht, vielleicht aber auch die höhere Frequenz.
Bei den NDBs kam sogar eins von den Azoren, was die guten Atlantik-Bedingungen zeigt. Das sollte sich auch auf der Mittelwelle bestätigen, auf die ich dann noch ausführlicher zurückkommen werde. Jedenfalls wurde ich nicht enttäuscht ...

von Randfunker - am 24.10.2016 02:13
Zitat
Randfunker

Auf der Langwelle überraschte mich etwas, dass RTL im Schnitt (rechnet man die üblichen Signalschwankungen heraus) etwas besser ankam als Europe 1, was in der Algarve (2015) nicht der Fall war. Vielleicht spielt hier der ausgeprägtere West-Südwest-Beam von Beidweiler doch eine Rolle, wenn es in die hohen Distanzen geht, vielleicht aber auch die höhere Frequenz.
Bei den NDBs kam sogar eins von den Azoren, was die guten Atlantik-Bedingungen zeigt. Das sollte sich auch auf der Mittelwelle bestätigen, auf die ich dann noch ausführlicher zurückkommen werde. Jedenfalls wurde ich nicht enttäuscht ...


Mich ueberraschen Deine Empfaenge etwas. Ungewoehnlich ist das dennoch nicht, insbs. in der Nacht und auf einer Insel.

Welche MW Empfaenge konntest Du machen? War UK noch auf MW dort nachts empfangbar?

von 102.1 - am 25.10.2016 19:34
Auf der Mittelwelle ging mehr, als ich es aufgrund einzelner Aussagen, die ich im Netz so aufgefischt hatte (Kanaren lägen ungünstig für DX usw. - weiß nicht mehr, wo ich das gelesen hatte), gedacht hatte. Ich würde sagen, dass meine eigenen Erwartungen schon etwas höher waren - und sich auch bestätigt haben.
Ich wollte noch ein paar Abklärungen zu meinen etwas chaotischen Zettel-Aufzeichnungen vornehmen, bevor ich das Gros hier poste, aber eins vorweg: Es war ein bisschen Karibik in abgeschwächter Form, das heißt dass sowohl Süd-, Mittel- als auch Nordamerika zahlreich zu hören sind, sobald die entsprechenden Dunkelheitsbrücken stehen. Als Erste kommen ein paar Brasilianer an, in die Nacht hinein dominieren dann immer mehr "W-Stations" aus den USA. Ich muss das noch etwas sortieren, denn auf vielen QRGs gab es einen ständigen Wechsel zwischen mehreren dominanten Sendern. Eines erinnerte mich an Guadeloupe: Durch 90-Grad-Drehen des Geräts bzw. meiner AN-200 konnte man meist zwischen Nord- und Südamerika Switchen. Es erwies sich in der Nacht als durchaus sinnvoll, den Sangi auf 10-kHz-Raster zu stellen.
Ach ja, zu deiner zweiten Frage: Aus UK kamen die 693 (teils recht brauchbar, im Mix mit was Arabischem), die 810 aus Schottland (eher schwach, aber aus Amerika-Mix rauszuhören), die 909 ziemlich gut hörbar, die 1089 Talk Sport mit 1-kHz-Pfeifen durch 1090-Sender aus Brasilien bzw. USA. Absolute auf 1215 kHz kam verständlicherweise recht sauber, aber doch pegelmäßig nicht mehr so doll wegen der hohen Entfernung. Was dort für das halbe Band gilt (Gesamtpegel eher niedrig), aber mit der AN-200 kein Problem war.
Wie gesagt, Details folgen noch ;)

Vorziehen kann ich mal den Tages- Bandscan Mittelwelle Teneriffa in nicht ganz korrekt tabellierter Form (nur mit eingebauter Ferrit, Sangean ATS-909):
576 CNR RNE Mesas de Galaz/Gran Canaria O=3+
621 CNR RNE Parque Las Mesas/Teneriffa O=4+
711 AOE/Westsahara Al Idaa al Amazighia El Ayoun O=3-4
720 CNR RNE Radio 5 La Laguna/Teneriffa O=2-3
747 CNR RNE Radio 5 Mesas de Galaz/Gran Canaria O=2-3
882 CNR COPE Canarias/Teneriffa O=2
1008 CNR esRadio Canarias Arucas/Gran Canaria O=3+
1179 CNR Cadena SER Santa Cruz/Teneriffa O=2

von Randfunker - am 27.10.2016 21:12
Teneriffa - Mittelwelle, Nachtempfang

Zunächst ist anzumerken, dass außer den "örtlichen" spanischen Sendern aus der Kanaren-Region und ein paar benachbarten Norwestafrikanern der nächtliche Gesamt-Bandpegel dort etwas schwächer als in Mitteleuropa ist (im Gegensatz zum Tagempfang, der auf den Kanaren durchaus noch was bietet - siehe Bandscan im vorigen Post). Vorteil: Das Band kann besser auf DX-Ebene durchforstet werden, weil sich im Umkreis von 500-1000 km weniger Sender befinden, und man zudem am offenen Atlantik liegt. Für den groben Überblick eignete sich gut mein Grundig-WR5401-Kompaktradio, mit dem sich stufenlos-analog die ganze Skala "durchdrehen" lässt und der zudem einen guten AM-Sound bietet. Fürs frequenzgenaue DXen diente mir der Sangean ATS909 unter gelegentlicher Zuhilfenahme einer AN-200. (Anm.: Um dem Hotel-Störnebel zu entgehen, musste man sich etwas entfernter auf der schönen Anlage ein ruhiges Plätzchen suchen)
Nach Einbruch der Dunkelheit:
Manche der im westl. Mitteleuropa so omnipräsenten "Festlands-Spanier" sind auch auf den Kanaren noch fester Bestandteil der Skala, kommen aber hier deutlich schwächer an. Die höchsten Pegel (3-4+) erreicht RNE aus Sevilla auf 684 kHz, was logisch erscheint. RNE Madrid (585) kam dagegen sehr schwankend mit Maximum weit unter dem in Westeuropa. Von Barcelona (738) war nur sporadisch bis fast gar nichts zu hören (hat der Richtwirkung nach Norden?). Auf den Gleichwellen 774 und 855 war Radio Nacional nur phasenweise brauchbar. Auf der 774 mischten sich arabische Klänge darunter, wahrscheinlich aus Ägypten. An Sendern aus Europa waren neben spanischen eigentlich nur englische zu empfangen (siehe Posting vom 27.10.) Aus UK kamen lediglich die 693 und die 909 ziemlich gut hörbar, d.h. ohne Zusatzantenne. Die 1089 Talk Sport und Absolute auf 1215 kHz gingen nur mit der AN-200 in brauchbarer Qualität. (Ich fand es übrigens besonders schade, dass France Info alle Mittelwellen abgeschaltet hat, denn ich bin fast überzeugt, dass Bordeaux (1206) hier ganz gut funktioniert hätte.) Ach ja, Portugal kommt auch rein, am besten allerdings vom (schwachen, aber sauber empfangbaren) Azoren-Sender von Antena 1 auf 828 kHz. Von den Festlands-Portugiesen geht (mit Schwankungen) Radio Sim Vilamoura (891) noch halbwegs verständlich, zum Programmabgleich reichten die 981 und die 963 aus Lissabon aber nur knapp.

Von der Feldstärke her dominiert auf den Kanaren im oberen Band erwartungsgemäß der Saharaoui-Rundfunk aus Tindouf auf der 1550 kHz. Immer wieder seltsam, diese "amerikanische" QRG - aber nicht außergewöhnlich für den afrikanischen Kontinent mit oft krummen Frequenzen - siehe die 595 aus Marokko oder die 677 aus Libyen (beide auch auf Teneriffa zu hören). In diesem Sinne ging mir auch die 917 kHz von Radio Gotel Yola aus Nigeria ins Netz. Auf der 747, dominiert von R5 Gran Canaria, war nachts im Hintergrund deutlich Afrikanisches zu hören, entweder Nagarta Radio aus Nigeria, eine Station aus Banjul, Gambia, oder Radio Burkina aus Ouagadougou. Das beste Signal aus Westafrika kommt aus Nouakschott: Die 783 von Radio Mauritanie erreicht nachts auf Teneriffa fast Ortssenderqualität (4-4+). VOA Africa aus São Tomé (1530) kommt auch passabel an, aber leicht schwächer als beispielsweise in der Algarve. Hat wohl mit dem Strahlungsdiagramm zu tun, das nicht so westwärts ausgelegt ist. Ein gutes Signal mittlerer Stärke mit afrikanischen Sendungen kam auch auf der 1566, was wohl der TWR-Sender aus Parakou, Benin, war. Ansonsten fiel mir noch die 1161 kHz auf, muss Tamanrasset aus dem südl. Algerien gewesen sein. Recht gut mit eingebauter Ferrit waren auch die Jil-FM-Sender (531 u. 549) von der algerischen Nordküste zu empfangen sowie die 612 aus Marokko (gleiches Programm wie auf 595). Und die 711 aus El Ayoun (Westsahara) haut nachts mindestens genauso rein wie tagsüber.
So weit, grob zusammengefasst, was im Laufe des Abends so aus Europa und Afrika in La Caleta, Teneriffa, zu hören ist. Das nächste Kapitel ist dann dem Transatlantik-Empfang gewidmet. ;)

von Randfunker - am 02.11.2016 00:36
Transatlantisch gibt die Mittelwelle an der Südwestküste von Teneriffa einiges her.

In der ersten Dunkelheitsphase dominieren neben den regionalen Stationen wie erwähnt einzelne Sender von der Westseite Afrikas. Schon nach zwei Stunden Dunkelheit tauchen erste Brasilianer auf und ich war überrascht, auf 810 kHz ein Programm in gut verständlicher "Transistorqualität" mit dem kleinen WR5401 reinzubekommen. Dieser Sender unterliegt zwar im weiteren Verlauf des Abends mehrminütigen größeren Schwankungen (wie die meisten), erreicht aber immer mal wieder brauchbare Ferrit-Signalstärke. Die Station müsste Radio Verdes Mares aus Fortaleza sein. Generell ist anzumerken, dass vom amerikanischen Kontinent i.e.L. Sport- und News-Programme im AM-Bereich kommen, ansonsten religiöse Sendungen und Infomercials. Da sich zudem im Fernempfang oft gleichartige Programme auf einer Frequenz gegenseitig ablösen/verdrängen, ist ihre Bestimmung meist schwierig.
Regelmäßig gut zu hören aus Brasilien war Radio Globo auf 1220 kHz aus Rio de Janeiro, dessen Signal sich schwankungsbedingt manchmal knapp die Waage hielt mit dem benachbarten Absolute Radio, es gelegentlich aber auch wieder deutlich übertrumpfte. In den 900ern kam viel aus Brasilien: auf 920 Radio Novo Tempo aus Salvador de Bahia, auf 930 Radio Liberdade aus Sergipe (?) und auf 940 ein weiteres Programm, wahrscheinlich Super Radio Brasil/Rede Boa Vontade aus Rio. Weitere Brasilianer kamen zur Nacht hin auf 1110 (Tabajara?), 1310 (?/Sport), 1440 (?/religiös), 580 (?/rel.) und 900 kHz (?/rel.). Diese Programme bedurften allerdings der AN-200 zur Verstärkung.
Erwähnenswert waren dann noch 2 QRGs: Auf 1190 kam mit punktuell gutem Signal Radio CBN auf 1190 aus Natal - günstig gelegen, um aus gut 4.000 km übers Meer zu kommen. Später in der Nacht wurde CBN mit 90-Grad-Drehung dann gedeckelt von einem "Gospel-Billboard"-Sender aus New York, WLIB. Ähnlich "umkämpft" ist die 1090, wo mal ein brasilianischer Sender, mal ein US-amerikanischer dominierte - und wo fast gleich stark (oder schwach - wie man's nimmt) Talk Sport aus England im 1-kHz-Versatz "reinpfiff".
Ab dem späteren Abend werden dann die Nordamerikaner immer zahlreicher und spätestens gegen Mitternacht lohnt es sich, den Sangi aufs AM-10-kHz-Raster umzuschalten. Fast jede Nacht kommen US-Clear-Channel- aber auch schwächere US-Sender gut hörbar auf den Kanaren an. Allen voran die New Yorker auf 1130 (WBBR), 880 (WCBS), 770 (WABC) und 1010 (WINS). Letzterer sogar verständlich zu trennen von esRadio Canarias auf 1008! Der Bloomberg-Sender ging als stärkster mit der AN-200 bis auf Signal 4+ und ohne Zusatzantenne transistortauglich bis 3+. Das schaffte von der anderen Atlantikseite sonst nur unser bestbekannter Caribbean Beacon (1610 kHz), der vielleicht sogar noch etwas darüber lag, aber mit seiner etwas undeutlichen Modulation schlechter klingt als die meisten Amis.
Neben dem Raum NY gingen auch noch die Bostoner, z.B. WXKS ("Bloomberg 1200") und WMEX auf 1510 - auch ein alter DX-Bekannter. Jetzt alle US-Stationen aufzuzählen, die des Weiteren mit Hilfe der Rahmenantenne dort aufzunehmen sind, würde den Rahmen sprengen, man könnte noch WMVP (Chicago/1000 kHz), WQOM (Natick MA/1060) oder WWKB (ESPN Buffalo NY/1520) nennen. Selbst KMOX aus St. Louis auf 1120 war an zwei Abenden zu hören. Auf der 740 ging auch noch ein Ami mit guten Feldstärken-Phasen, das könnte WYGM aus Orlando FL gewesen sein. Auf vielen anderen "Zehnern" waren noch schwächere Amis zu hören, auch im hinteren Band zwischen 1600 und 1700, aber da dominierte meist nur kurz eine Station und ging dann wieder im Low-Power-Mix unter. Ach ja: Auch die 590 aus Gander, Kanada war schwach zu hören. Mit schwachem, aber verständlichem Signal ist auch Harbour Light (1400 kHz) aus Grenada in der Karibik zu hören.
Und dann sind da noch die spanisch-sprachigen Mittel- und Südamerikaner. Generell sind diese auf den Kanaren nicht so auffällig und auch nicht so zahlreich wie die Sender aus Brasilien und den USA, aber interessante Fänge sind dennoch möglich. Neben dem leicht zu identifizierenden Faro de Santidad (WGIT) aus Puerto Rico auf 1660 - der zwar nicht ganz die Power von Anguillas Beacon auf 1610 erreicht, aber immerhin - ist es mit dem Bestimmen der meisten lat.-amer. Sender etwas schwieriger. So senden viele stundenlang Live-Sport, News, ab und an Musik. Aus Venezuela konnte ich Radio Notícias aus Maracaibo auf 850 sowie CNB aus Puerto la Cruz auf 870 kHz empfangen. Radio Caracas (750) ist auf Teneriffa problematisch wegen der Radio5-Nachbarschaft (747). Radio Puerto Cabello (1290) war dagegen trotz dünnerem Pegel klar zu identifizieren, ebenso wie ein religiöser Sender auf 1580 kHz, höchstwahrscheinlich Radio Verdad aus Kolumbien. Auf 1620 ging phasenweise und hart an der Verständlichkeitsgrenze (trotz AN-200) Radio Rebelde aus Kuba. Interessant waren schließlich noch zwei punktuell bessere Signale: Auf 950 kHz war "La 950" aus Buenos Aires zu hören - nicht dauerhaft zu verstehen, aber im Empfangs-Peak an Sportkommentaren zu "Racing Colón" und "Independiente" als Argentinier auszumachen. Das war wohl der entfernteste Empfang, der mir am 16. bzw. 17.10.2016 gelang. Zeitnah kam auch auf 1050 kHz ein Sport/News-Programm rein, wobei es wahrscheinlich ist, dass es Radio Uruguay aus Montevideo war, das an dem Abend mit seinen 100 kW wohl eher infrage kam als Radio Victoria aus Kuba mit 10 kW.
Das waren im Großen und Ganzen die AM-Empfänge, die mir Mitte Oktober auf Teneriffa möglich waren. Das Resultat lag im Endeffekt sogar leicht über meinen Erwartungen. Fazit: Die Kanarischen Inseln bieten nicht nur atemberaubende Landschaften am Tag, sondern auch dem nächtlichen Mittelwellen-DXer vollen Radiogenuss. Empfänge aus fast allen Atlantik-Anrainerländern sind möglich. :drink:

P.S.: 1) Hoffe, dass dieser Bericht ob seiner Überlänge niemanden überfordert ...
2) Hätte auch noch einen UKW-Bandscan, der käme dann aber in einen anderen Thread.

von Randfunker - am 04.11.2016 01:19
@Randfunker: Schöner Bericht!! :spos:

Zitat
Randfunker
Ach ja: Auch die 590 aus Gander, Kanada war schwach zu hören.


Kleine Berichtigung: Du meinst sicher VOCM aus St. John's (Newfoundland).

Fotos: http://www.dxpg.at/senderfotos/kanada/nl-stjohns-vocm.htm

von DX-Project-Graz - am 05.11.2016 08:08
:spos: Danke! Schoen geschrieben, gern gelesen.

von PowerAM - am 05.11.2016 10:37
Sehr interessanter Bericht und das Du auch die Zeit dafür genommen hast:spos:
Bin auf Dein Bericht über UKW auf Teneriffa gespannt:-)

von DJ Taifun - am 05.11.2016 11:00
Tnx für den guten Bericht:spos:

von radio56 - am 05.11.2016 13:27
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