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Knast wegen nicht gezahlter Rundfunkgebueren

Startbeitrag von 102.1 am 04.04.2016 10:01

Unglaublich.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article153966392/Die-erzwungenen-Einnahmen-werden-rausgeschmissen.html

Zitat:

"Ich fühle mich bevormundet, bekomme die Entscheidung abgenommen, wofür ich mein Geld ausgebe. Und die erzwungenen Einnahmen werden dann rausgeschmissen ohne Ende. Mit Fußball kann ich zum Beispiel gar nichts anfangen. Und wenn ich dann lese: Eine Minute Sportschau kostet 40.000 Euro, da frage ich mich, warum ich dafür nur einen Cent investieren soll."

"Aber irgendwann ist es mir dann langweilig geworden, zu Hause habe ich heute weder Fernseher noch Radio, meine Informationsquelle ist das Internet." Und das sei im Gegensatz zu ARD und ZDF "vielseitig und umfassend".

Interessant, dass dies sogar jemand auf Hilfsarbeiterniveau erkennt. Ich sehe das schon lange so.

Die 50 interessantesten Antworten:

Ach?
Ich werde doch auch nicht gefragt, ob meine Konsumausgaben von Werbetreibenden zur Finanzierung des hirnbefreiten Schrotts auf Antenne Bayern, RTL2 und Pro7 (oder gar der Champions League auf RTL - läuft das noch dort?) genutzt werden dürfen. Ich will z.B. Milch kaufen, kaufe damit aber ein Stückchen Sendezeit auf den genannten Schrottanbietern mit (falls dort mein Milchproduzent werben sollte). Entziehen könnte ich mich dem nichtmal, wenn ich ALG2-Empfänger wäre, während es bei den Gebühren für sozial Schwache wenigstens Beitragsbefreiungsmöglichkeiten gibt.

Ansonsten: Wie soll denn sonst eine eine von Wirtschaftsunternehmen, Parlamenten und Regierungsbehörden halbwegs unabhängige Finanzierung von Massenmedien ohne Rückkanal und ohne Werbung erfolgen, wenn nicht durch fixe Gebühren? Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem die Leitmedien von Politgangstern wie den Kochs in den USAs massiv finanziell beeinflußt werden.

von DH0GHU - am 04.04.2016 10:36
Zitat
102.1
Ich bin eher ueberrascht, wie viel Unterstuetzung die Rundfunkgebuehren hier finden.

In der Filterbubble fühlt sich das natürlich ganz anders an, da die Anti-"GEZ"-Fraktion eine recht lautstarke ist. Aber die meisten haben gar eben nichts gegen die "GEZ" bzw. den Haushaltsbeitrag als "Demokratieabgabe" einzuwenden - nur müssen sie das nicht tagtäglich irgendwo posten...

Auch ich zahle gerne für das, was mir geboten wird. Natürlich könnte auch ich auf Fussball und Musikantenstadl verzichten, aber es sei auch diesen Zuschauern gegönnt. Dafür nehme ich dann die Dokus sowie Hubert & Staller und Doctor Who mit...
Bei dann aber doch der Einwand, daß man nicht auf jede Preisforderung eingehen muss - wenn's unverschämt wird, kann man da auch ruhig mal nein sagen und den Fussball den Privaten überlassen.

von iro - am 04.04.2016 12:08
Zitat
Habakukk
Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich Ich !!!!!!
Und die Solidargemeinschaft geht zunehmend flöten!

Ich zahle gerne meine Rundfunkgebühren/-abgaben/-wasauchimmer, weil ich trotz vieler Inhalte, die mir nicht gefallen, auch immer noch sehr Vieles im öffentlich-rechtlichen Rundfunk finde, was mir gut gefällt und das es NUR DORT gibt! Und ich vergönne es den entsprechenden Leuten auch, dass von meinen Gebühren Musikantenstadl und Co. mitfinanziert wird, obwohl ich sowas überhaupt nicht anschaue.


Naja, WEIL du dort etwas findest, hast du kein Problem damit. Aber angenommen, dir würde kein Inhalt der ÖR ansprechen, wie ständest du dann dazu? Früher konnte man wenigstens einfach aussteigen, wenn man ganz auf TV/Radio verzichtet hat; jetzt müssen auch Leute ohne Fernseher/Radio zahlen. Besonders lustig sind Zweitwohnsitze; obwohl eine Person entweder am einen oder am anderen Ort ö.r. Inhalte nutzen kann, muss sie für beide Orte zahlen.

Und zum Solidarmodell möchte ich sagen: Wenn schon alle zahlen wie bei Steuern, dann bitte auch abhängig vom Haushaltseinkommen. Muss ja nicht exakt proportional sein wenn das zu aufwendig ist, aber zumindest leicht geschichtet; z.B. so*:

0-499€: 0 oder 1€
500-899€: 5€
900-1199€: 10€
1200-2499: 17,50€
2500-2999: 20€
3000-3499: 25€
ab 3500: 30€

*Die konkreten Intervalle sollten natürlich von Experten ermittelt werden.

von Zwölf - am 04.04.2016 12:40
@Zwölf: Müllgebühr und Wasser dann vielleicht auch abhängig von Haushaltseinkommen? Oder Spritpreise? Abgaben sind Abgaben, und keine Steuern. Mit der Beitragsbefreiung für Berechtigte gibts schon eine soziale Komponente. Wie viel will man Leistungsträgern noch abzwacken? Mit progressiven Einkommenssteuertarifen wird bereits mehr als genug für Gerechtigkeit getan. Deine Grundannahme ("wenn schon alle zahlen wie bei Steuern") ist auch falsch, wer sehr wenig Einkommen hat, zahlt auch keine (Einkommens)steuern.

@sup2: Selten so einen Quatsch gelesen, auch wenn ich Deinen Frust über den WDR nachvollziehen kann. Der BR ist dann in Deinen Augen wohl auch linkspopulistisch?

@102.1: Nichts außer D-Radios? Mir fallen z.B. spontan BR Klassik oder Bayern 2 ein. Und ein SWR1 oder Bayern 3 ist immernoch einig Stufen weniger unerträglich als der Mist auf manchen Privatsendern.

von DH0GHU - am 04.04.2016 13:14
Zitat
DH0GHU

@102.1: Nichts außer D-Radios? Mir fallen z.B. spontan BR Klassik oder Bayern 2 ein. Und ein SWR1 oder Bayern 3 ist immernoch einig Stufen weniger unerträglich als der Mist auf manchen Privatsendern.


Stimmt alles, nur: Der derzeitige Betrag umfasst alles, auch Fernsehen, auch Fussball, auch Musikantenstadel und dgl. D.h. die Wahl Radio alleine gibt es nicht, daraus resultiert die Bevormundung.

Der Betrag ist meines Erachtens auch nicht gerade niedrig, insbs. wenn jemand Hilfsarbeiter ist.

Die in dem Artikel genannte Dame hat auch offenbar nachweislich wirklich weder Radio noch Fernsehen ( ! ) Da helfen auch wenig Vergleiche ueber Muellgebuehren, Abwassergebuehren und dgl.

Ihr deswegen Knast zu drohen fuer etwas das sie weder hat, noch will, ist da wenig sinnvoll. Da zerstoere ich mehr, als das ich gut mache.

von 102.1 - am 04.04.2016 13:47
Zitat
Winnie2
Meine Haltung dazu ist:
Ich halte solidarisch finanzierte Inhalte u. Medien durchaus für sinnvoll, was mir allerdings missfällt ist dass wir Nutzer zu wenig Möglichkeiten haben dieses Medium mitzugestalten u. über die Inhalte mitbestimmen können.
Weil nur zahlen dürfen aber nicht mitbestimmen dürfen wofür bzw. für welche Inhalte unser Geld, das Geld der Gebührenzahler, verwendet wird halte ich nicht für demokratisch.

Des Weiteren kann es nicht angehen, dass Gebührengelder für Dinge wie Mutantenstadel oder Bundes-Schiebung verschleudert werden. Seichte Rentner-Unterhaltung gehört ebenso wie ausufernde Sportberichterstattung oder pseudointellektuelle Eigenproduktionen nicht zur Grundversorgung mit Informationen.
Außerdem stößt es nicht nur mir unangenehm auf, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu einer Pensionskasse für abgehalfterte Politiker verkommen sind. Ich möchte denen nicht ihre Pension zahlen müssen, werde aber dazu gezwungen.

Beste Grüße
DAC324

von DAC324 - am 04.04.2016 13:59
Zitat
Zwölf

Naja, WEIL du dort etwas findest, hast du kein Problem damit. Aber angenommen, dir würde kein Inhalt der ÖR ansprechen, wie ständest du dann dazu? Früher konnte man wenigstens einfach aussteigen, wenn man ganz auf TV/Radio verzichtet hat;

Ich jammere doch auch nicht rum, weil ich für TV mitbezahle.

Zitat
Dr. Antenne
Zahlen ok, aber warum doppelt und dreifach für Radioprogramme wie z.B. NDR 1, NDR 2 und N-JOY, deren Überschneidungen Jahr für Jahr größer werden? Eine regionalisierte Unterhaltungswelle reicht, der Rest ist eh ob WDR, NDR, HR, BR, MDR etc. häufig gleich, also ließe sich das auch durch ein einziges bundesweites Angebot jeweils mit Pop, Klassik, Nachrichten usw. abdecken.

Das kann ich nicht nachvollziehen. In einem föderalen Staat müssen auch Informationsmedien föderal aufgebaut sein - irgendwelche Opern-Streitereien in Hamburg interessieren mich genauso wenig wie den Holsteiner die jüngste Trunkenheitsfahrt eines FWV-Landtagsabgeorneten in Bayern.
Manch eine Mundart-Sendung, die im BR läuft (z.B. Mundart-Pop auf Bayern 3, Folklore auf BR Plus, Mundart-Hörspiel auf Bayern 2) würde beim norddeutschen Hörer wohl nicht sonderlich Zustimmung finden, so wie wir hier im Süden mit Platt oft nicht viel anfangen können.

Man sollte nicht wegen ein paar € mehr oder weniger im Monat kulturelle Errungenschaften aus Jahrzehnen Aufbau einer Institution über Bord werfen.

von DH0GHU - am 04.04.2016 15:14
Zitat
DH0GHU
Nur Grundversorgung mit Information? Lies mal den Rundfunkstaatsvertrag, da sind die Aufgaben des Rundfunks beschrieben.
Dein persönlicher Geschmack ist dabei irrelevant.

Musikantenstadel und Bundesliga gehören zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? An welcher Stelle im Rundfunkstaatsvertrag steht das?
Zitat
DH0GHU
Die Politikerpensionsfrage ist ein Thema für die, die sich gerne aufregen, ohne große Praxisrelevanz.
Warum soll ich denen aber die Rente zahlen? Oder, anders gefragt: Warum soll ich in eine Pensionskasse einzahlen, die für mich nicht zuständig ist und mir deshalb auch niemals etwas auszahlen wird? An anderer Stelle ist die Rentenversorgung sehr strikt geregelt - z.B. sind bestimmte Berufsgruppen Pflichtmitglied in den jeweiligen berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Nur hier schert sich plötzlich keiner mehr darum, weil es darum geht, noch einige Schmarotzer auf Kosten der Allgemeinheit durchzufüttern.

Beste Grüße
DAC324

von DAC324 - am 04.04.2016 15:48
Grundsätzlich: Was soll dieses unwürdige Schauspiel? Werden festgesetzte Zahlungen nicht geleistet, so werden diese ab einer gewissen aufgehäuften Höhe beigetrieben. Da interessiert es nicht ob die durch Falschparken oder nicht gezahlte Rundfunkgebüren entstanden sind. Und wer es überhaupt nicht kapiert, für den gibt es Zwangsmaßnahmen. Auch das ist Gleichheit vor dem Gesetz.

Schaut man in den Focus, so wird jetzt mit "Ohne neue Geräte können Hunderttausende Haushalte bald nicht mehr fernsehen" getrommelt. Es geht, wie man hier im Forum sofort vermuten wird, um DVB-T2. Bestimmt nur Zufall, daß genau jetzt die Überschrift so formuliert wurde.
Nachtrag: Falsch! Es geht um die analoge Kabelabschaltung. Dennoch könnte man eine gewisse Themensteuerung vermuten. Der Zeitpunkt paßt ja.

von Thomas (Metal) - am 04.04.2016 15:51
Zitat

Musikantenstadel und Bundesliga gehören zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? An welcher Stelle im Rundfunkstaatsvertrag steht das?

§11 "Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen."

Das, was Du suchst, steht aber auch z.B. im "Programmauftrag". Beim NDR ist das der §5 des NDR Staatsvertrags und sieht so aus:
"§ 5
Programmauftrag
(1) Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern
und Rundfunkteilnehmerinnen einen
objektiven und umfassenden Überblick
über das internationale, europäische,
nationale und länderbezogene Geschehen
in allen wesentlichen Lebensbereichen
zu geben. Sein Programm hat der
Information, Bildung, Beratung und
Unterhaltung zu dienen. Er hat Beiträge
insbesondere zur Kultur anzubieten und
ist berechtigt, sich an Filmförderungen
zu beteiligen. Er kann auch Spartenprogramme
veranstalten."

Beim WDR ist es der §4 des WDR-Gesetzes:
"(2) Der WDR hat in seinen Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Die Angebote haben der Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Der WDR hat Beiträge zur Kultur und Kunst anzubieten. "

Es steht aber auch in Gerichtsurteilen, wie dem "Niedersachsenurteil":
http://www.ard.de/home/intern/fakten/abc-der-ard/Grundversorgung/554762/index.html

Andere Gerichte haben auch schon mitgemischt:
http://www.br.de/presse/inhalt/intendant/wilhelm-interview-donaukurier100.html
"Warum müssen ARD und ZDF 50 oder 100 Millionen Euro für die Rechte an der Fußball-Bundesliga oder an der Champions League ausgeben? Das könnte man sich auch bei den Privaten angucken.
Wilhelm: Die Berichterstattung über sportliche Großereignisse ist durch den Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender gedeckt. Dies haben das Bundesverfassungsgericht und auch die EU-Kommission ausdrücklich bestätigt. Fußball gehört zur Grundversorgung. Die weit überwiegende Mehrheit der Zuschauer erwartet große Fußballereignisse bei ARD und ZDF. "

von iro - am 04.04.2016 16:24
Zitat
_Yoshi_
Es ist schon Häftig das man wegen einer Unterschriftenverweigerung in den Knast kommt.
Das kommt schon fast einer Erpressung gleich.

Wieso ist die Durchsetzung von Gesetzen heftig (nicht häftig, auch wenn sie in Haft sitzt)?


@DAC324: §11 RStV. Unterhaltung ist darin explizit aufgeführt.
Ein Angestellter eines öffentlichen Arbeitgebers ist berechtigt, Altersbezüge zu erhalten. Unabhängig davon, ob er vorher Politiker war.


Richtig passend finde ich diese Zitate aus der WELT:
Zitat
welt.de
Und deren Ansichten zur Putin-Medienberichterstattung denen der AfD-Anhänger ähneln.[...]

Ihre private Forderung nach mehr Esoterik im TV-Programm könnte als Aufruf zur Gründung eines neuen Spartenkanals verstanden werden.

Nunja, vielleicht ist eine Knastkarriere in manchen Kreisen ja auch als Karrieresprung zu betrachten ;)

von DH0GHU - am 04.04.2016 16:28
Achja die Springerpresse macht mal wieder Propaganda und es gibt immer noch Deppen, die fallen drauf rein. Dabei wird natürlich nicht die Wahrheit verbreitet.
Diese wäre, das nach repäsentativen Umfragen über 80% der Bevölkerung einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk wollen und diesen auch finanzieren.

Das Spinger, Burda & Co eigene Interesse verfolgen, da sie selber an zahlreichen kommerzielen TV & Radiosendern beteidigt sind, wird natürlich auch gerne dem Leser verschwiegen.

Grundsätzlich hat Deutschland ein Problem mit der Printlandschaft.
Fast alle überregionale Zeitungen gehören 5 (!) Familienclans, die alle über einige 100 Mio. € Vermögen verfügen und nach Lust & Laune die Ausrichtung ihrer Zeitungen festlegen können.
Deshalb braucht man ein Gegengewicht, welches demokratisch kontrolliert wird.

Übrigens:
Die Frau ging nicht wegen der nicht gezahlten Rundfunkabgabe in den Knast, sondern weil sie sich weigerte, gegenüber dem Gerichtsvollzieher ihre Einkommensverhältnisse offen zu legen. Ein völlig anderer Sachverhalt.

Somit steht fest Springer & Welt/Bild sind Teil der "Lügenpresse" und ihr fallt drauf rein...

von vossi68 - am 04.04.2016 16:36
Zitat
DH0GHU
@Zwölf: Müllgebühr und Wasser dann vielleicht auch abhängig von Haushaltseinkommen? Oder Spritpreise? Abgaben sind Abgaben, und keine Steuern. Mit der Beitragsbefreiung für Berechtigte gibts schon eine soziale Komponente. Wie viel will man Leistungsträgern noch abzwacken? Mit progressiven Einkommenssteuertarifen wird bereits mehr als genug für Gerechtigkeit getan. Deine Grundannahme ("wenn schon alle zahlen wie bei Steuern") ist auch falsch, wer sehr wenig Einkommen hat, zahlt auch keine (Einkommens)steuern.

Müllgebühren, Wasser und Sprit sind abhängig vom eigenen Verbrauch. Wie viele Haushalte gibt es schon, die weder Müllentsorgung noch Wasser benötigen? Und es wäre mir neu, dass Leute ohne Auto monatlich einen Fixbeitrag an Spritkosten zahlen müssen. - Besser wäre es aber natürlich trotzdem, man würde auch hier einkommenabhängige Preise verlangen.

Ich finde es sehr merkwürdig, dass sogar Leute Rundfunkbeitrag zahlen müssen die gar kein Einkommen haben - z.B. weil sie zu lange studieren/zu reiche Eltern haben um vom BAFöG gefördert zu werden. Für manche ärmeren Leute sind die monatlichen gut 17€ viel Geld, während sie für Reichere oft nur Peanuts sind. Ein System, das sich als Solidarsystem bezeichnet sollte meiner Meinung nach in erster Linie die Menschen berücksichtigen und nicht die Finanzierung von Champions League-Rechten. Deshalb darf man von mir aus trotzdem CL & Co. zeigen - aber nicht dadurch, dass man arme Leute dazu zwingt diesen Luxus mitzufinanzieren. Die meisten Leute jammern nur über den Rundfunkbeitrag, aber eigentlich tun ihnen die nicht mal 20€ im Monat gar nicht weh. Andere merken das aber schon viel mehr und würden vlt. sogar ganz auf Fernsehen verzichten, wenn sie dadurch das Geld einsparen könnten.

von Zwölf - am 04.04.2016 18:05
@ WiehengeBIERge

Zitat

Nanu, noch kein Eintrag von Kay B. hier :D?


Gäääääääähn! Aber wenn du mich schon dazu aufforderst, meine Meinung zum tausendsten Mal hier zu schreiben...


Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ja, aber
- nur mit Inhalten, die die privaten Sender nicht anbieten können und irgendwelchen Sportverbänden keine Millionen zuschieben (auch wenn im Rundfunkstaatsvertag etwas von Unterhaltung steht und damit derweil alles gerechtfertigt wird ... ist halt noch aus einer Zeit, als es nur die Öffentlich-Rechtlichen gab und hat mit "Demokratiebeitrag" rein gar nichts zu tun)
- ohne irgendwelche Parteienvertreter oder irgendwelchen Parteien nahestehenden Leuten in den Sendern
- nicht in diesem Umfang, wo derweil jeder Landesfürst seine eigene Flut an öffentlich-rechtlichen Programmen braucht und dann obendrein ARD und ZDF noch mit Spartenkanälen aufgebläht sind
- mit einer einkommensabhängigen Finanzierung.

von Kay B - am 04.04.2016 22:23
Die Diskussion ist alt und meist sehr einseitig.

An sich ist die Frage eher, wo man die Grenze der solidarischen Geimeinschaftsfinanzierung setzt. Steuern/Abgaben zahlt jeder. Dabei sind grundsätzliche Dinge wie die Finanzierung von Straßen, öffentlichen Gebäude dadurch abgedeckt und allgemein akzeptiert. Auch die Finanzierung von Bibliotheken, welche auch nicht von jedem benutzt werden wird noch akzeptiert, denn der Beitrag von z.B. 10€ deckt nie die Anschaffungskosten von Büchern und die sonstigen Nebenkosten (Gehälter, Mieten). Die nächste Stufe sind öff-recht Medien. Und genau hier gehen die Meinungen auseinander.
Im Rahmen diesen Themas sollte dann auch mal darüber nachgedacht werden, ob z.B. der ÖPNV kostenfrei angeboten und über eine gemeinschaftliche Abgabe gefördert wird. Völliger anderer Bereich aber an sich gleicher Hintergrund und nahezu austauschbare Argumente. Wobei dieser Bereich meiner Meinung nach sogar noch sinnvoller wäre, als Medien. Wie gesagt, es ist immer eine Frage der Grenzziehung.

von Jens1978 - am 05.04.2016 06:34
Zitat
Kay B

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ja, aber
- nur mit Inhalten, die die privaten Sender nicht anbieten können und irgendwelchen Sportverbänden keine Millionen zuschieben (auch wenn im Rundfunkstaatsvertag etwas von Unterhaltung steht und damit derweil alles gerechtfertigt wird ... ist halt noch aus einer Zeit, als es nur die Öffentlich-Rechtlichen gab und hat mit "Demokratiebeitrag" rein gar nichts zu tun)

So ein Quatsch, die Novelle des RStV ist aus diesem Jahrhundert.

Zitat

- ohne irgendwelche Parteienvertreter oder irgendwelchen Parteien nahestehenden Leuten in den Sendern

Berufsverbot für Parteimitglieder? hatten wir schon mal, betraf damals aber nur KPD-Mitglieder, die z.B. Lehrer werden wollten ;-)

Zitat

- mit einer einkommensabhängigen Finanzierung.


Das übliche sozialistische Geschwafel von Leuten, die den Unterschied zwischen Steuer und Gebühr nicht kennen. Wenn bei mir vorm Haus die Straße oder der Kanal neu gemacht wird, wird bei der Kostenbeteiligung auch nicht hinterfragt, wie viel Einkommen ich habe. Wieso sollte für einen Gutverdiener Rundfunk wertvoller sein als für einen Geringverdiener? Zumal es für wirklich knappe Kassen (Bezieher von ALG II, Sozialhilfe, Grundsicherung, Ausbildungsförderung, Behinderte, ...) Beitragsbefreiungsmöglichkeiten gibt. Außerdem zahlt der, der keinen Fernseher, sondern nur ein Radio und einen PC besitzt, witzigerweise nur den Grundbetrag von 5,83 € pro Monat (obwohl er mit dem PC auch Livestreams nutzen kann, was ich wiederum ungerecht finde).
Davon abgesehen: Gutverdiener können sich Kultur zur Not auch kaufen. Vom Gegenwert einer Konzertkarte kann ich aber ganz schön viele Monats-Beiträge für Bayern 2 oder BR Klassik finanzieren, und das kommt dann auch Geringverdienern zu Gute, die sich vor-ort-Kulturangebote nicht leisten können. Oder die dann kostengünstige Konzerte z.B. der Klangkörper der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie dem RSO des SWR besuchen.

@Jens1978: Siehe oben: Für innerörtliche Straßen werden Besitzer von Grundstücken einkommensunabhängig herangezogen.

von DH0GHU - am 05.04.2016 07:35
Zitat
Jens1978
An sich ist die Frage eher, wo man die Grenze der solidarischen Geimeinschaftsfinanzierung setzt.

Oder auch: was WILL sich eine Gesellschaft leisten?

Ein anderes Beispiel: http://www.tagesspiegel.de/berlin/subventionen-land-foerdert-jedes-ticket-mit-100-euro/4002276.html
"Wer in die Oper, ins Konzert oder Theater geht, wird in Berlin hoch subventioniert. Im vergangenen Jahr gab der Senat für jedes Ticket durchschnittlich 100 Euro dazu. Dabei sind die Unterschiede zwischen den öffentlich geförderten Kultureinrichtungen sehr groß. Ein Abend in der Staatsoper wurde mit 248 Euro aus der Landeskasse bezuschusst, der Besuch des Friedrichstadtpalastes mit knapp 17 Euro. Bei den Sprechtheatern lag die Volksbühne mit 141 Euro pro zahlendem Besucher vorn, das Renaissance Theater kam mit 25 Euro aus"

Anderswo nicht anders: http://www.steuerzahler-niedersachsen-bremen.de/Bis-zu-145-Euro-Zuschuss-fuer-den-Theaterbesuch/43296c51894i1p1685/index.html
"Beim Oldenburgischen Staatstheater zahlte der Besucher durchschnittlich 18,97 Euro und der Steuerzahler noch einmal 128,36 Euro je Karte. Das Theater Bremen konnte je Besucher Erlöse von 26,55 Euro verzeichnen, für die jedoch auch Betriebszuschüsse von 144,30 Euro anfielen."

Wird hier den sowieso Reichen auch noch der Theaterbesuch subventioniert oder wird den nicht-so-Reichen dadurch der Theaterbesuch überhaupt erst ermöglicht. Will man sich Kultur leisten, obwohl es nur ein Vergnügen für wenige ist? Die Antworten sind vermutlich auch passend für die Kulturprogramme der ÖRA.

von iro - am 05.04.2016 07:49
Zitat
iro
Wird hier den sowieso Reichen auch noch der Theaterbesuch subventioniert oder wird den nicht-so-Reichen dadurch der Theaterbesuch überhaupt erst ermöglicht. Will man sich Kultur leisten, obwohl es nur ein Vergnügen für wenige ist? Die Antworten sind vermutlich auch passend für die Kulturprogramme der ÖRA.

Eher den Nicht-so-Reichen, ich kenne genug Leute, die solche Veranstaltungen besuchen, sich aber nie den unsubventionierten Eintrittspreis leisten könnten. Auch ich würde keine 250 € für einen Konzertabend ausgeben.
Gemessen an den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte sind das aber Wasserglasdebatten für Leute, die von tatsächlichen Problemen ablenken wollen, oder, wie im Fall der AfD, einfach auf Stunk aus sind. Das Storchennest kann man eh inhaltlich nicht ernst nehmen, was diesen Misthaufen aber nicht weniger gefährlich macht.

Übrigens: die Verursacherin des Knastthemas ist wieder auf freiem Fuß. Für den Steuerzahler sicher die beste Lösung, und sie kann dann mal schauen, wie sie mit ihrer Selbstjustizlegislative weiter kommt. Ach nein, wir müssen sie ja möglicherweise dennoch weiterfinanzieren, denn ihen Job ist sie nun ja auch los.

von DH0GHU - am 05.04.2016 12:46
Zitat

Jede andere Flat Rate bietet doch auch keinen Anstoß zur Kritik.

Zu jeder anderen Flatrate gibt es aber Alternativen. Ne Flatetrate nimmt nur, für wen es sich rentiert; ich schreibe wenige SMS, von daher hab ich auch keine SMS-Flatrate - aber weshalb sollte ich mich beschweren, dass es SMS-Flatrates gibt?

Zitat

Wieso sollte für einen Gutverdiener Rundfunk wertvoller sein als für einen Geringverdiener?

So wie die Regelung derzeit ist, muss man fragen: Weshalb sollte Rundfunk für Geringverdiener mehr wert sein als für Gutverdiener? Denn z.B. 17,50€/500€ = 3,5% ist doch mehr als 17,50€/3000€=0,58%. Mal ganz davon abgesehen, dass die Anzahl "Vergnügungs- & Luxuseuros", die bei den jeweiligen Einkommen übrig bleiben bei dem mit 3000€ überproportional mehr sind als bei dem mit 500€ und sich der Abzug des Beitrags von daher beim Gutverdiener weniger stark bemerkbar macht.

von Zwölf - am 05.04.2016 13:22
Zitat
Manfred Z
In AfD-Wahlprogramm aufgenommen: Abschaffung des Rundfunkbeitrags:

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/04/berliner-afd-landesparteitag.html


In der Flüchtlingskriese haben viele Medien ihre Maske fallen lassen. Vor allem bei den Zeitungen wurde deutlich wo welches Blatt steht. Und beim ÖR wurde auch deutlich, daß es mit der vom Gesetzgeber gewollte Staatsferne nicht so weit her ist. (z.B. Berichterstattung ZDF Silversternacht Köln). :kotz:

Isofern paßt dazu auch gut, daß man mit mißliebigen Personen (z.B. Nichtzahlern) mit äußerster Härte vorgeht - wegen ein paar hundert Euro jemanden zu inhaftieren und dieser Person noch die berufliche Zukunft zerstören dürfte wohl absolut nicht verhältnismäßig sein. Und damit eigentlich gegen die Verfassung verstoßen. Das ist stattliche Repression wie man sie aus der DDR kennt. :bloed:

Insofern kann ich die AfD Forderung nach Abschaffung der "Rundfunksteuer" nur unterstützen. Allerdings schätze ich, die die Damen und Herren wohl kaum auf die Macht dieses Mediums verzichten würden und alsbald ihre eigene neue Version davon installieren würden. Das wäre wohl nicht besser, nur mit anderen Vorzeichen...

Ansonsten ist dieses Thema absolut Off Topic da es rein gar nix mit Technik zu tun hat.

von raeuberhotzenplotz1 - am 05.04.2016 18:40
Zitat

Jemand, der viel arbeitet (mehr verdient) und wenig Zeit zum TV-Konsum hat, zahlt die gleiche Haushaltsabgabe wie jemand, der nicht arbeiten kann, darf oder will (wenig verdient), aber einen x-fachen TV-Konsum hat?


Das ist ja mal ne Argumentation.
Menschen, die viel arbeiten, verdienen viel.
Menschen, die wenig arbeiten, verdienen weniger.

In dem kurzen Satz da oben stecken derart viele Klischees auf kürzestem Raum drin, das nennt man wohl Verdichtung, oder massive Vereinfachung.

Soweit mir untergekommen ist, gibts unterschiedliche Stundenlöhne :eek:
Also es soll tatsächlich vorkommen, dass es doch Menschen gibt, die arbeiten 40 Stunden in der Woche und kriegen 2000 Euro. Und dann soll es solche geben, die arbeiten auch 40 Stunden und kriegen dafür 5000 Euro. Soll so sein, wirklich.
Die haben also beide gleich viel Zeit, um TV zu konsumieren, nach der Lesart...

mann, mann, mann.

@Manfred Z:
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ard-und-zdf-im-visier-der-afd-auch-die-fdp-will-das-das-zdf-privatisieren/13340080-4.html

In der FDP wird eine Privatisierung des ZDF diskutiert...

von Terranus - am 05.04.2016 18:59
Zitat
DH0GHU
...die Novelle des RStV ist aus diesem Jahrhundert.


Wobei allerdings viele Regelungen dennoch aus den 1950er Jahren stammen... und aus Zeiten bevor privater Rundfunk in Deutschland erlaubt wurde.
Ich bin durchaus der Ansicht dass reine Unterhaltungsinhalte eher Sache der Privaten sein sollte. Wozu müssen die ÖR auf dem Gebiet TV-Unterhaltung eine Konkurrenz zu den Privaten sein?

Ein Grund könnte natürlich sein dass die Privaten keine wirklich interessanten Inhalte für die Mehrzahl der Zuschauer über 60 Jahre im Programm haben – sind ja keine werberelevante Zielgruppe.
Und da müssen die ÖR dann doch wieder TV-Angebote für diese Leute im Programm haben weil die Privaten für die Leute Ü60 keine Grundversorgung anbieten.


Zitat

Zitat

- mit einer einkommensabhängigen Finanzierung.


Das übliche sozialistische Geschwafel von Leuten, die den Unterschied zwischen Steuer und Gebühr nicht kennen...


Nicht nur das. Weiteres Argument:
Die wohlhabenderen Leute können alle möglichen Tricks zur Steuervermeidung nutzen u. über Steuerberater ihre eigenen Einkünfte kleiner rechnen.
Oder wie kürzlich bekannt wurde Geld über Briefkästenfirmen am Fiskus vorbei schaffen, so dass diese Leute auch deutlich weniger zur Finanzierung des Rundfunks beitragen würden, selbst wenn die Rundfunkgebühren einkommensabhängig wären.

Rundfunksteuer halte ich an dieser Stelle für problematisch, dazu müsste überhaupt erstmal Steuergerechtigkeit geschaffen werden.

von Winnie2 - am 05.04.2016 19:08
Zitat
Terranus
Also es soll tatsächlich vorkommen, dass es doch Menschen gibt, die arbeiten 40 Stunden in der Woche und kriegen 2000 Euro. Und dann soll es solche geben, die arbeiten auch 40 Stunden und kriegen dafür 5000 Euro. Soll so sein, wirklich.


Es gibt auch den Fall, daß manche hart arbeiten und dabei Werte schaffen oder die Gesellschaft mit erhalten (vom Müllfahrer über die Kindergärtnerin und die Krankenschwester bis zum Bauarbeiter), aber viel, viel weniger Geld bekommen als Leute, die schon nur dafür eingestellt werden, Werte und Stützen der Gesellschaft zu zerstören. Ich hatte mal so einen GF, der wurde immer geholt, wenn Unternehmen auszuschlachten und abzuwickeln waren. Der Konzern hat ihn dafür in den USA eingesetzt und danach an deutschen Standorten. Stets mit großartigem Erfolg: Standort platt. Der Mann dürfte mehr als 100 kEUR Jahresbrutto haben. Deutlich mehr. Sehr deutlich mehr.


Thema "Knast": was wäre denn passiert, wenn die Frau z.B. die Zahlung eines Verwarngeldes wegen eines Verstoßes gegen die StVO bis zum bitteren Ende nicht bezahlt hätte? Oder die Grundsteuer für ihr Anwesen, so sie Eigentümer ist? Ich bin kein Jurist, aber läuft das nicht aufs gleiche hinaus?

Thema "Steuer" und Gerechtigkeit: mal ins AfD-Programm schauen, was die vorhaben. Ob das den 25% Wählern im Wohlstands-Paradies Sachsen-Anhalt so bewußt war?

Und nochmal Thema "AfD" und "öffentlich-rechtlich": da war diese PM von 2014
http://www.afd-brandenburg.de/afd-pm-das-ende-der-gez-gebuehr-in-der-mark/ - dann mal unten schauen, wer da Kontaktperson ist. Und dann erinnern... da war doch was... stimmt: MDR Life. Ein einst öffentlich-rechtlich bezahlter Mann schießt gegen seinen ehemaligen Geldgeber. Ok, ja, heute muß man ja flexibel sein...

von Chris_BLN - am 05.04.2016 19:30
Zitat
DH0GHU
@Zwölf: Für sowas wie Transfer von Starken zu Schwachen gibts die Einkommenssteuer. Wer nur 500 € im Monat hat, wird keine 17,50 zahlen müssen. Dafür gibts die schon erwähnten Regelungen zur Beitragsbefreiung.
Gebühren sind nunmal Gebühren, weil sie Gebühren sind und keine Steuern. Steuern können Einkommensabhängig erhoben werden, Gebühren typischerweise nicht.

Ja, gut 500€ sind vlt. etwas niedrig bedacht, weil die staatl. Leistungen ja schon den Regelbedarf 404 € (alleinstehende Person)+ Wohnung abdecken. Also müsste man statt 500€ halt 700€ hinschreiben, was die Sache aber nicht wirklich besser macht. "Sozialer Weise" können Leute die knapp über der Bemessungsgrenze liegen (also z.B. 10€ zu viel verdienen um staatliche Zuschüsse zu erhalten) einen Antrag auf Ermäßigung stellen. Im Beispiel müsste die Person dann nur 10€ statt 17,50€ zahlen. Sehr großzügig, wirklich.
Und wie gesagt, von Studierenden, die die Regelstudienzeit überschreiten und deshalb kein BAFöG mehr erhalten werden die vollen 17,50€ verlangt, als ob sich ihre finanzielle Lage durch den Wegfall des BAFöGs plötzlich verbessern würde.

Nur weil Gebühren derzeit nicht einkommensabhängig erhoben werden, heißt das noch lange nicht, dass das gut ist oder so bleiben muss.
Außerdem wäre ja auch eine Aufsplittung möglich - Bereiche, bei denen politische Unabhängigkeit wichtig ist (z.B. Nachrichten usw.) werden per Gebühr finanziert und der Rest über Steuern. Die Gebühr würde wahrscheinlich rund 1€ betragen (25Ct ARD aktuell, 25ct Nachrichten und Reportagen vom ZDF, Nachrichten der ARD-Regionalstudios (v.a. wohl Hörfunk) und Verbreitungskosten von 2-3 Basis-Fernsehprogrammen und min. einem Radioprogrammen geschätzt auf weniger als 50ct, sowie geschätze 15-20ct für den DLF)
Und bevor jetzt das Argument kommt "Dann können die Politiker ja jederzeit vom Rundfunk-Budget was abzwacken" - das machen sie bei der Kirchensteuer auch nicht und genauso sollte die Rundfunksteuer in dieser Hinsicht auch behandelt werden.

von Zwölf - am 05.04.2016 19:38
Zitat
Manfred Z
Ich kann den Stuss, den Zwölf hier mit immer absurderen Vorschlägen verzapft, nur so verstehen, dass er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht verbessern, sondern abschaffen will.


Ich denke, die Mehrheit ist sich einig, dass der oeffentlich rechtliche Rundfunk zwar eine Berechtigung hat, und so auch die damit verbundene Gebuehr, nur:

dass der oeffentl. rechtliche Rundfunk auf weniger Programme reduziert wird, und nur das bringt, was private nicht bringen, Bildungsauftrag, Kultur, Dokumentationen und zumindest halbwegs neutrale Nachrichten, ( sollte dies ueberhaupt moeglich sein)

dass der Beitrag, die Gebuehr oder Abgabe niedriger sei, bzw. wieder die Wahl zwischen Nur Radio oder Radio und TV besteht.

und dass Diejenigen die wirklich weder Fernsehen noch Radio haben auch nichts zahlen sollten.


Was aus dem Rechtsfall nun fuer mich nicht hervorgeht, ist ob der Freiheitsentzug nicht eigentlich deswegen kam, weil die Dame keine Rundfunkgebuehren zahlen wollte, oder weil sie keine Angaben ueber ihr Vermoegen haette machen wollen. Lebt man am Existenzminimum koennte ja der Richter sich nachsichtig zeigen, nur kann man oder will man keine Angaben machen und verhaelt sich stur, kann auch nicht von Existenzminimum gesprochen werden und der Richter wird da wenig nachsichtig sein. Ich denke eher dort liegt der Dreh und Angelpunkt in diesem Rechtsfall.

von 102.1 - am 05.04.2016 21:25
@ Erich Hoinicke

Zitat

Hm? Jemand, der viel arbeitet (mehr verdient) und wenig Zeit zum TV-Konsum hat, zahlt die gleiche Haushaltsabgabe wie jemand, der nicht arbeiten kann, darf oder will (wenig verdient), aber einen x-fachen TV-Konsum hat?


Ist Terranus schon drauf eingegangen. Einkommen und Arbeitszeit hängen nicht unbedingt zusammen. ;-)


Zitat

Ein gesetzlich verordneter TV-Konsum-Zähler ist ähnlich unrealistisch wie der Versuch einer einkommensgestaffelten Haushaltsabgabe.


Das erste ist unrealistisch (und wurde doch gar nicht gefordert). Das zweite ist realistisch, da z.B. mit den SV-Beiträgen abführbar.



@ DH0GHU

Zitat

So ein Quatsch, die Novelle des RStV ist aus diesem Jahrhundert.


Ist Winnie2 schon drauf eingegangen. Ich hätte schreiben müssen, daß man den Rundfunkstaatsvertrag mal entrümpeln sollte. Öffentlich finanzierte Privatsendernachäfferei ist genau so sinnvoll, wie neben einen Aldi, einen Lidl und einen Penny einen aus öffentlichen Mitteln finanzierten Supermarkt zu bauen.


Zitat

Berufsverbot für Parteimitglieder?


Zwischen in einer Partei sein und die Interessen einer Partei am Arbeitsplatz durchsetzen ist ein riesiger Unterschied. Genau so wie es z.B. zwischen Mitglied im DARC zu sein und seinen DARC-fremden Beruf dazu zu nutzen, kräftig Werbung für den DARC zu machen sowie dessen Interessen dort durchzusetzen ein riesiger Unterschied wäre.


Zitat

Das übliche sozialistische Geschwafel von Leuten, die den Unterschied zwischen Steuer und Gebühr nicht kennen.


Eher die Reaktion auf die oft gestellte Behauptung, daß die Haushaltsabgabe fair und solidarisch sei. Das ist sie nunmal mit einer aufgezwungenen Gebühr nicht. Hinzu kommt der Irrsinn, daß man bei einem arbeitsplatzbedingten Zweit- und Drittwohnsitz die Haushaltsabgabe doppelt bzw. dreifach zahlen muß. All dem hätte man einfach mit einem einkommensabhängigen Beitrag (das hätte man ja gar nicht mal als Gebühr deklarieren müssen) aus dem Weg gehen können.


Zitat

Außerdem zahlt der, der keinen Fernseher, sondern nur ein Radio und einen PC besitzt, witzigerweise nur den Grundbetrag von 5,83 € pro Monat (obwohl er mit dem PC auch Livestreams nutzen kann, was ich wiederum ungerecht finde).


Schön, wenn es noch so wäre.


(Wieso kommt es mir so vor, als hätte ich das alles schonmal geschrieben? :confused: )

von Kay B - am 05.04.2016 21:52
Zitat
Manfred Z
Ich kann den Stuss, den Zwölf hier mit immer absurderen Vorschlägen verzapft, nur so verstehen, dass er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht verbessern, sondern abschaffen will.

Hauptsache mal wieder gepoltert. In meinen Ideen würde das derzeitige Angebot in keinster Weise eingeschränkt, lediglich die Kosten würden anders (m.E. gerechter) verteilt werden. Wie kommst du darauf, dass ich den ö.r. Rundfunk abschaffen möchte? - Weil ich gewagt habe festzustellen, dass ca. 94% des Beitrags für Inhalte ausgegeben werden, die m.E. keines besonderen Schutzes bedürfen? Sicher, die Umstellung wäre schwer durchführbar (es müsste wahrscheinlich das Grundgesetz geändert werden um den ö.r. Rundfunkanstalten die Erhebung einer Steuer zu ermöglichen wie es die Religionsgemeinschaften können) und kompliziert wenn man die bestehenden Reglementierungsmaßnahmen (KEF, Einfluss der Länder auf die Höhe) erhalten möchte.

von Zwölf - am 06.04.2016 00:18
Ein Link zu Heise zur Qualität im ö. r. Rundfunk. Leider wollen diese, ähm, Rebellen wie die Dame hier wohl weniger ein anspruchsvolles Programm wie dort formuliert. Näheres bedarf keiner weiteren Beschreibung. Man sollte sich daher genau überlegen wessen Kritik am ö. r. Rundfunk man unterstützt!
Und vergleicht man, die die Frau aus dem mdr-Gebiet stammt, den Rundfunk der drei mdr-Länder mit dem des ORB/RBB-Landes, so sollte jedem klar werden wer hierfür Verantwortung trägt. Und wer in Hessen. Und wer in Baden-Württemberg/Rheinland-Pfalz. Sicher, den Niedergang von WDR und NDR kann man so kaum erklären. Aber waren die schon jemals oben auf :D ? Gut, es gab z. B. für die Popkultur WDR1 von 1986 - 1995 ;-) . Und beim NDR dann die Tagesschau, wie in diesem Artikel zu lesen ist.

von Thomas (Metal) - am 06.04.2016 06:14
So, mal insgesamt etwas lockerer durch die Hose atmen. ;-)

Zunächst ist die geschichtliche Entwicklung, die man bei dieser Diskussion hinzuziehen sollte. Die ARD ist von Anfang an recht groß gewesen, weil durch die Erfahrungen des Dritten Reiches die Mediengewalt in die Hände der Länder gelegt werden sollte. Also ein Bundesland - eine Anstalt. Durch Staatsverträge hat man sich teilweise auf einen Sender für mehrere Bundesländer verständigt (NDR, SWF). Es gab mit Baden-Württemberg aber auch ein Land mit zwei Anstalten (SWF im Süden, SDR im Norden des Landes). Wenn man den RIAS hinzuzählt, gab es auch in Berlin zwei (neben dem SFB, wobei der RIAS aber nicht zur ARD gehört hat).

Das ging viele Jahre gut, da sich der Empfang vor Ort bis auf die heimischen Sender, von Overspill und LW/KW/MW-Empfang mal abgesehen, beschränkte. Privatfunk war ebenso wenig verbreitet wie Satellitenempfang. Dies änderte sich in den letzten 30 Jahren. Mit der Einführung des Privatfunks wurden zunächst Begehrlichkeiten nach Frequenzen deutlich, später breitete sich die ARD über den Astra-Satelliten aus. Folge: Heute ist alles empfangbar, die Eigenständigkeit der Anstalten wird bis auf die regionale/lokale Berichterstattung nicht mehr deutlich.

Man kann sich natürlich die Frage der Existenzberechtigung des ARD-Konstrukts in der heutigen Zeit oder Sinn und Unsinn des Fortbestands einzelner Anstalten stellen. Aber seien wir mal ehrlich: Niemand sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Daher wird weder an einem Beitragsmodell an sich, noch an einzelnen Anstalten gerüttelt werden. Eher werden weitere Erhebungsmethoden bei der Erhebung der Gebühr oder Einsparungen bei der Unterhaltung der Anstalten vorgenommen.

Was wären aus meiner Sicht realistische Aussichten für den ÖR-Funk in Deutschland für heute und später? Der Hörfunk muss wieder mehr Minderheiten bedienen. In den 90ern und Zweitausendern fing man an, gewisse Sparten auf einzelne Sender auszulagern (ich spreche nur den hr-Funzelwahnsinn an) - um später dann festzustellen, dass sich diese nicht 24/7/365 rechnen. Also strich man diese - teilweise ersatzlos. Es würde sich also anbieten, wieder Einschaltsendungen einzuführen, welche dann mit journalistischem und unterhaltungstragenden Hintergrund spezielle Interessen bedienen.

Im Fernsehen sollte man die Anzahl der TV-Sender reduzieren. Warum? Mehr und mehr verlagert sich ins Internet. Selbst führende Privatsender schaffen es oft nicht mehr, eine 24/7-Sendezeit mit einer breiten Auswahl anzubieten, teilweise laufen Serien an einem Vormittag in Dauerschleife. Hier könnten sich die Dritten wieder die Aufgabe ins Gedächtnis rufen, eine Ergänzung zum Ersten und Zweiten Fernsehen darzustellen, die gerade regional betrachtet, die Besonderheiten darstellt und repräsentiert. Das Gleichgewicht zwischen Journalismus und Unterhaltung muss wieder hergestellt werden (dies gilt übrigens auch für die Muttersender Erste und Zweite).

Wovon ich aber nichts halte - und damit komme ich zum Thema der Rundfunkgebühren (welches ja eigentlich in diesem Faden diskutiert wird) zurück, ist eine Abschaffung des Systems. Gerade heute, wo es Konkurrenz gibt, die sich aus verständlichen Gründen der Gewinnmaximierung auf eine Mehrheit fokussiert, ist es wichtig, ein Gegenpol zu haben, welches solidarisch für die Interessen eintritt, welche sonst nicht bedient werden könnten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat seine Daseinsberechtigung, er muss sich nur seiner Stärken wieder bewusst werden und diese einsetzen. Damit meine ich sowohl Bildungsauftrag als auch Unterhaltung.

Apropos Unterhaltung: Wenn man diese allein den Privaten überließe, wie hoch wäre dann das Niveau? Es ist zwar bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auch schon um einiges gesunken, aber denkt Euch mal ARD, ZDF, die Dritten weg und stellt Euch vor, es gäbe nur RTL, SAT. 1 oder Pro Sieben: Was bliebe dann noch an Unterhaltung, die einem vom Stuhl reißt? Nein, ich möchte nicht meine Meinung als die allgemeingültige hinstellen, jeder kann Sendungen wie DSDS gern gut finden, wenn er/sie möchte. Nur sollten diese eben nicht allein ohne Ausweichmöglichkeit existieren, da es auch genug Menschen gibt, die sich lieber ein politisches Kabarett als eine Castingshow ansehen möchten.

Soweit meine 50 Cents zu dem Thema.

von NurzumSpassda - am 06.04.2016 06:52
Zitat
NurzumSpassda
Privatfunk war ebenso wenig verbreitet wie Satellitenempfang. Dies änderte sich in den letzten 30 Jahren. Mit der Einführung des Privatfunks wurden zunächst Begehrlichkeiten nach Frequenzen deutlich, später breitete sich die ARD über den Astra-Satelliten aus.

Die Begehrlichkeiten gab es offensichtlich schon früher, siehe ZDF-Einführung als Privatfernsehen. Man hat dann wohl eine ganze Zeit im Hintergrund weiter daran gearbeitet. Mit der gestig-moralischen Wende (Kohl) wurde dann auch der Privatfunk zugelassen. Was mich in diesem Zusammenhang wundert sind neue UKW-Ketten in Rheinland-Pfalz. Dort hat man bei Genf 84 bereits mit zwei privaten Ketten geplant. Anders wären Standorte wie Ahrweiler anstelle Linz oder Hohe Wurzel anstelle Donnersberg/Mainz nicht zu erklären. Da man vermutlich derartige Planungen nicht auf einmal aus dem Hut gezaubert hat gab es im Hintergrund offensichtlich schon eine längere Vorbereitungszeit für den Privatfunk. Auch in Baden-Württemberg muß das wohl so gewesen sein.
Aber es scheint hier auch wie beim Betreuungsgeld zu sein: Hoch-emotional. Einige Bürger wollen lieber entscheiden wie sie ihr Geld ausgeben, auch wenn es noch so sinnbefreit wäre. Beim Betreuungsgeld ist es böse gesprochen dann so, daß man wohl das Kind um sich rum hat, aber die Zigaretten schon durch das Geld bezahlt sind :D .

von Thomas (Metal) - am 06.04.2016 07:24
Programmchef Weber und Intendant Steul haben beim DRadio vor zwei Jahren mit der Abschaltung der Jahrzehnte lang gelaufenen wochentäglichen Sendung 2254 „Nachtgespräche am Telefon - Ihre Meinung ist gefragt“ das Symbol schlechthin geliefert, dass in den ÖR-Medien die Meinung der Hörer weggekappt werden soll – und zwar ausgerechnet dann, wenn auf Grund sich zuspitzender Entwicklungen Diskussionen umso wichtiger werden.

Solange Rias, DLF und der ARD-Funk noch voneinander zu unterscheiden waren, hat man gerne seine Rundfunkgebühren gezahlt. Heute wo alles eine Soße ist, verdienen die aus meiner Sicht nicht einen Penny mehr. Weil viele das offenbar auch so sehen, hat man die Zwangssteuer eingeführt. Der Skandal könnte daher nicht größer sein.

Für wie beschränkt halten uns Hörer die oben genannten zwei gut Bezahlten eigentlich, wenn sie z.B., und zwar regelmäßig wiederkehrend, 7:15-7:30 jemanden interviewen und dann in den 7:30-Nachrichten das gerade beendete Interview wieder vermelden lassen, als gäbe es nichts anderes, womit man die kurzen fünf Minuten Nachrichten füllen kann. Wer soll sich da nicht veralbert vorkommen bei dem Widersinn und wer soll so ein Medium dann noch ernst nehmen.

Der echte Rias und der echte Deutschlandfunk und zwar mit voneinander und auch zur ARD unabhängigen Redaktionen müssen wieder her, dann gäbe es zumindest die Minimalchance für Diskurse und Meinungsvielfalt zwischen ÖR-Medien hierzulande. Das jetzige Konstrukt dient zu nichts anderem als zur Einschränkung der Meinungsvielfalt.

von RichtungBerlinRadiohörenderSachse - am 06.04.2016 07:27
Zitat
Habakukk

Aber dass heute Kommerz und Quote im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr viel wichtiger sind als der eigentliche Auftrag, daran gehört schon etwas geändert, finde ich.


Diesem Satz und dem Beitrag von NurzumSpassda kann man durchaus zustimmen. Vielleicht mit Ausnahme der Anmerkung zur Zahl der Programme. Gerade bei "Sparte" fände ich bundesweite AR-Lösungen viel attraktiver - rechtlich sind sie leider derzeit nicht möglich. Einschaltsendungen sind schön und gut, aber ich möchte ganz ehrlich nicht in eine Zeit zurück, in der ich bestimmte Inhalte nur dann bekomme, wenn ich meinen Tagesablauf vom Rundfunk- oder TV-Programm diktieren lassen muß, damit ich es nutzen kann.
Heute bietet mir z.B. der BR Abwechslung auf 10 Programmen, zusammen mit den 3 DRadio-Angeboten und ein paar wenigen ausgewählten Privatsendern ist dann fast immer was für mich dabei. Es ist ja keineswegs so, dass eine Verdopplung der Programmzahl auch eine Verdopplung der Kosten bedeutet.
Werbefreien ÖR-Rundfunk würde ich persönlich sehr begrüßen. Allerdings müssen die dadurch bedingten Einnahmeausfälle auch irgendwie kompensiert werden, entweder durch einen langsamen Übergang, oder durch Beitragserhöhungen. Andernfalls hätte das existenzbedrohende Folgen für die Anstalten oder aber für die Mitarbeiter. Höhere Sozialabgaben und Steuern zur Finanzierung der Folgen eines werbefreien Rundfunks sind auch nicht sinnvoll...

von DH0GHU - am 06.04.2016 07:31
Zitat
Chris_BLN
Aber dann bitte auch das "echte DT64" (Wann war es "echt"? Bis Sommer 1989? Herbst 1989 bis Herbst 1990? Herbst 1990 bis Ende 1991?) und der echte Deutschlandsender / DS Kultur.
Danke.


Selbstverständlich!
Heutige Masse der Beliebigkeit wegzuschrumpfen und durch Klasse-Radios von damals zu ersetzen wäre das Gebot der Stunde. Zwangssteuern bei gleichzeitigem medienpolitischem Totalversagen (inhaltsfreies Jump usw.) muss man nicht mehr hinnehmen.

Wer für ör Rundfunkgebühren eintritt, wofür es gute Gründe gibt, sollte insgesamt genauer hinschauen, was sich hierzulande abspielt. Zu beobachten ist insbesondere auch, wie man ör-Medien benutzt und versucht, die Links-Recht-Schemata auf Teufel komm raus aufrechterhalten. Es wird regelrecht darauf hingetrimmt, dass es gefälligst rechts und links zu geben hat, wenn eine Talkshow nicht so verlaufen will. Offenbar nutzt das denen, die heute Schlüsselpositionen besetzt haben. Da hilft nur noch abschalten, aber warum soll man dann dafür noch zahlen.

von RichtungBerlinRadiohörenderSachse - am 06.04.2016 08:54
Zitat
RichtungBerlinRadiohörenderSachse
Programmchef Weber und Intendant Steul haben beim DRadio vor zwei Jahren mit der Abschaltung der Jahrzehnte lang gelaufenen wochentäglichen Sendung 2254 „Nachtgespräche am Telefon - Ihre Meinung ist gefragt“ das Symbol schlechthin geliefert, dass in den ÖR-Medien die Meinung der Hörer weggekappt werden soll – und zwar ausgerechnet dann, wenn auf Grund sich zuspitzender Entwicklungen Diskussionen umso wichtiger werden.

Also kürzlich habe ich noch genau so eine Hörer-anruf-Aktion auf einem Nachrichtensender gehört. Da gings um Flüchtlinge, somit sogar um ein "heißes Eisen". Ich weiß nicht mehr, ob es der DLF oder B5Aktuell war, aber es war vor allem tagsüber, und nicht irgendwann mitten in der Nacht, wo das eh kaum einer mitbekommt.

Zitat

Solange Rias, DLF und der ARD-Funk noch voneinander zu unterscheiden waren, hat man gerne seine Rundfunkgebühren gezahlt. Heute wo alles eine Soße ist,

Kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne z.B. kein gleichwertiges ARD-Pendant zur Informationstiefe, die der DLF bietet, und auch kein gleichwertiges D-Radio-Pendant zur Info-Schnelligkeit, die B5Aktuell (z.B.) bietet.

von DH0GHU - am 06.04.2016 09:35
In jedem Thread, der mit dem Rundfunkbeitrag zu tun hat, kommt ziemlich schnell die Forderung nach der Reduzierung der Programmanzahl (Dritte zusammenlegen, Spartenkanäle abschaffen etc), so auch hier (oben auf der Seite)

Zitat

Ich denke, die Mehrheit ist sich einig, dass der oeffentlich rechtliche Rundfunk zwar eine Berechtigung hat, und so auch die damit verbundene Gebuehr, nur:

dass der oeffentl. rechtliche Rundfunk auf weniger Programme reduziert wird, und nur das bringt, was private nicht bringen, Bildungsauftrag, Kultur, Dokumentationen und zumindest halbwegs neutrale Nachrichten, ( sollte dies ueberhaupt moeglich sein)


Mir scheint, dass einige User falsche Vorstellungen über die Kosten der Spartenkanäle haben. Tatsächlich sind sie Nebenprodukte, die nur möglich sind, weil es die Hauptprogramme gibt. Im 19. KEF-Bericht werden die Kosten dafür erläutert. Ich zitiere die Zusammenfassung (Seite 230):

Zitat

ARD und ZDF reduzieren die Aufwendungen aller Partnerprogramme gegenüber der Periode 2009
bis 2012 mit Ausnahme von ARTE. Sie weisen für die Jahre 2013 bis 2016 bei den Partnerprogrammen
folgende Aufwendungen aus: 3sat 303,8 Mio. €, Phoenix 145,3 Mio. € und KiKA 345,4 Mio. €.

Die ARD erhöht gegenüber der Periode 2009 bis 2012 die Aufwendungen für tagesschau24 und
EinsPlus und reduziert diese für Einsfestival. Die Aufwendungen betragen in der Periode 2013 bis
2016: für tagesschau24 43,2 Mio. €, für EinsPlus 55,9 Mio. € und für Einsfestival 36,1 Mio. €.

Das ZDF erhöht gegenüber der Periode 2009 bis 2012 die Aufwendungen für ZDFinfo und ZDFneo
und reduziert diese für ZDFkultur. Die Aufwendungen betragen in der Periode 2013 bis 2016: für
ZDFinfo 82,8 Mio. €, für ZDFneo 157,7 Mio. € und für ZDFkultur 28,9 Mio. €.


Zusammenfassung der Kosten pro Jahr:
- 3sat, Phoenix, KIKA 198,6 Mio.
- ARD digital 33,8 Mio.
- ZDF digital 67,3 Mio.

Eine Streichung solcher Programme würde sich nur marginal auf den Rundfunkbeitrag auswirken.
Die Aufwertung von ZDFneo und -info hat sich in den Marktanteilen niedergeschlagen.

Kosten der Hörfunkprogramme: Die KEF hat im 19. Bericht rückblickend die Kostenstruktur der Klassik- und Kulturprogramme untersucht (Seite 272 ff).

Für das Jahr 2012 werden diese Einzel- u. Redaktionskosten (inkl. Altersversorgung) festgestellt:

BR-Klassik 20,3 Mio
Bayern 2 35,8 Mio.
hr 2 11,9 Mio.
NDR Kultur 12,1 Mio.
SWR 2 34,9 Mio.
WDR 3 27,5 Mio.

Die Streichung einzelner Spartenhörfunkprogramme wird also auch nicht viel Kosten einsparen.

von Manfred Z - am 06.04.2016 09:51
Zitat
102.1
Was aus dem Rechtsfall nun fuer mich nicht hervorgeht, ist ob der Freiheitsentzug nicht eigentlich deswegen kam, weil die Dame keine Rundfunkgebuehren zahlen wollte, oder weil sie keine Angaben ueber ihr Vermoegen haette machen wollen. Lebt man am Existenzminimum koennte ja der Richter sich nachsichtig zeigen, nur kann man oder will man keine Angaben machen und verhaelt sich stur, kann auch nicht von Existenzminimum gesprochen werden und der Richter wird da wenig nachsichtig sein. Ich denke eher dort liegt der Dreh und Angelpunkt in diesem Rechtsfall.


Korrekt. Die "Beugehaft" wurde vom zuständigen Richter ausschliesslich deshalb angeordnet, da die Dame keine Vermögenserklärung abgegeben = unterzeichnen wollte. Dies ist im Gesetz für solche Fälle so vorgesehen. Um die Zahlung selbst ging es bei dem "Knastaufenthalt" primär überhaupt nicht, sie lehnt(e) hier das gesamte Zahlungssystem der "Haushaltsabgabe" ab. Offensichtlich hat der MDR nun auf eine solche Vermögenserklärung verzichtet und so kam sie nach 2 Monaten wieder raus. Zahlen muss sie die aufgelaufenen Beträge trotzdem. Eben dieser Sachverhalt wird immer wieder falsch dargestellt. Würde bei Nichtzahlung eines Knollen beim Auto und der anschliessenden Nichtabgabe der eigenen Vermögenserklärung ebenso laufen.

von Eckhard. - am 06.04.2016 10:31
Zitat
DH0GHU
Also kürzlich habe ich noch genau so eine Hörer-anruf-Aktion auf einem Nachrichtensender gehört.


Also dass es das gar nicht mehr gibt, hat auch keiner behauptet. Der Fall 2254, wo die Hörerschaft eleminiert wurde, war aber meines Wissens auch nicht der einzige.

Zitat
DH0GHU
Kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne z.B. kein gleichwertiges ARD-Pendant zur Informationstiefe, die der DLF bietet, ....


Das wird zwar so sein, ich stimme dem auch zu. Aber heut ist es doch weitgehend so, dass im Kern erst einmal überall dieselben Berichte abgespult werden, egal ob DRadio oder der Rest-ARD. Man hat zumindest das Gefühl, als sei es so, dass das was einmal genehmigt und für korrekt befunden ist, darauf darf munter zugegriffen werden und davon wird dann aber auch rege Gebrauch gemacht. Man vermeidet lieber Schererein und unnötige Verwicklungen durch mehr Vielfalt in der Berichterstattung. Der Eindruck ist zumindest da. Täusche ich mich?

Und im DRadio höre ich manchmal abends dasselbe, was früh oder spätabends zuvor auch schon kam. Man meint manchmal schon, mitsprechen zu können. Immer häufiger tauchen sogar Sachen auf, die paar Tage zurückliegend schon mal gesendet wurden. Das gab es nach meinem Eindruck früher in der Intensität nicht. In den 70ern hatte der Rias ein völlig eigenes Programm; wenn was aus der ARD, meist vom WDR, übernommen wurde, hat man das speziell vorher angekündigt.

Sogar die Raumfahrtereignisse wurden völlig selbst gestaltet und waren (vor allem durch die Person Harro Zimmer) von hoher Qualität .

von RichtungBerlinRadiohörenderSachse - am 06.04.2016 15:06
@ DH0GHU

Zitat

Bei zunehmender Schröpfung wird die Zahl der Gutverdiener zunehmen, die lieber auf volkswirtschaftlich verwertbare Erbringung von Arbeitsleistung verzichten und mehr Freizeit in Anspruch nehmen, z.B. durch Teilzeit, früheren Ruhestand, etc.


Wenn man mal von 0,00x vom Einkommen zur Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen ausginge kann man kaum von "Schröpfung" sprechen.

Ein Rechenbeispiel:

Es wird ein Durchschnittseinkommen (Brutto) von 31 981 Euro : 12 = 2665,08 Euro (pro Monat) zugrunde gelegt (http://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/ ). Darauf bezieht man die jetzige Haushaltsabgabe von 17,50 Euro (pro Monat).

Das wären dann aufgerundet 0,007 vom Bruttoeinkommen.

Beziehen wir uns auf jemanden, der ein sehr gutes Einkommen von 57 000 Euro im Jahr --> 4750 Euro im Monat hat, dann würde dieser mit 4750 Euro x 0,007 = 33,25 Euro pro Monat "geschröpft". Also immer noch weniger wie jemand mit einem Durchschnittseinkommen, der arbeitsplatzbedingt zwei Wohnsitze hat.

Gutverdiener lachen da eher drüber. Für Leute mit geringem Einkommen ist das hingegen ein großer Unterschied.

von Kay B - am 06.04.2016 23:18
Zitat
Kay B
Es wird ein Durchschnittseinkommen (Brutto) von 31 981 Euro : 12 = 2665,08 Euro (pro Monat) zugrunde gelegt (http://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/ ). Darauf bezieht man die jetzige Haushaltsabgabe von 17,50 Euro (pro Monat).

Das wären dann aufgerundet 0,007 Prozent vom Bruttoeinkommen.

Beziehen wir uns auf jemanden, der ein sehr gutes Einkommen von 57 000 Euro im Jahr --> 4750 Euro im Monat hat, dann würde dieser mit 4750 Euro x 0,007 = 33,25 Euro pro Monat "geschröpft".

Zitat
Otto Waalkes
Ich glaube, 10 von 100 Menschen verstehen nichts von Prozentrechnung. Das sind mehr als 17 Prozent...(Keiner lachte damals in der Show - den Gag hat niemand im Publikum verstanden.)

Wenn wir ein Brutto-Monatseinkommen von 2665,08 Euro annehmen, dann wären die 17,50 immerhin 0,65% und nicht 0,007 :D
Bei einem Brutto-Monatseinkommen von 4750 Euro haben wir immerhin noch 0,35%, also rund 53 mal so viel wie von Dir errechnet.

Du meinst mit den 0,007 den Anteil am Bruttoeinkommen ("das 0,007fache"). Das hat aber nichts mit "Prozent" zu tun.

Beste Grüße
DAC324

von DAC324 - am 07.04.2016 08:03
@ DH0GHU

Zitat

Ja und? Wenn die Straße vor meinem geerbten Haus (wenn ich eines habe) saniert wird, kostet mich das X €. Egal ob ich 0,25 mal X oder 1 mal X € pro Jahr verdiene.


Und selbst hier handhaben es manche Gemeinden so, daß dies zumindest von der Grundstücksfläche (und damit vom Vermögen) abhängig gemacht wird.


Zitat

Abgaben sind Abgaben, Steuern sind Steuern.


Wie gesagt, schon klar, wo der Unterschied liegt.

Und ich behaupte eben einfach nur, daß die Einordnung als Abgabe falsch, das Ergebnis eines "Durchwinkens" seitens des Gesetzgebers war und der Idee, die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen fair und solidarisch zu gestalten, widerspricht.



@ Felix II

Zitat

Ich geh mal heulen...


Steht zumindest so in der oben verlinkten Quelle und war nur für eine Beispielrechnung.



@ Thomas (Metal)

Zitat

Stellt sich die Frage grundsätzlich: Würden solche Haushalte dann auf ARD und ZDF verzichten um zu sparen? Auf das Sky-Abo dann auch? ;-)


Wie sollen die durch ARD- und ZDF-Verzicht sparen? Zahlen müßten sie trotzdem, nur eben einkommensabhängig.

von Kay B - am 07.04.2016 15:51
Zitat
Kay B
@ DH0GHU

Zitat

Ja und? Wenn die Straße vor meinem geerbten Haus (wenn ich eines habe) saniert wird, kostet mich das X €. Egal ob ich 0,25 mal X oder 1 mal X € pro Jahr verdiene.


Und selbst hier handhaben es manche Gemeinden so, daß dies zumindest von der Grundstücksfläche (und damit vom Vermögen) abhängig gemacht wird.


Au fein. Dann argumentierst Du am besten gleich für eine vermögensabhängigen Rundfunkabgabe. Was ein Krampf, sorry. Die Grundstücksfläche sagt nichts übers Einkommen aus, das Vermögen (das bei den meisten Hausbesitzern genau dadurch bestimmt wird) auch nicht. Vermögen und Einkommen sind unabhängig voneinander. Und beide erlauben keine Aussagen über einen Cashflow. Das Ganze ist eh nicht pauschalisierbar
Von 2000 € Netto läßt es sich in Teilen Nord- und Ostdeutschlands aber auch z.B. Nordbayerns oft formidabel leben, in München bist Du damit armutsgefährdet...

von DH0GHU - am 07.04.2016 16:03
@ DH0GHU

Zitat

Au fein. Dann argumentierst Du am besten gleich für eine vermögensabhängigen Rundfunkabgabe. Was ein Krampf, sorry. Die Grundstücksfläche sagt nichts übers Einkommen aus, das Vermögen (das bei den meisten Hausbesitzern genau dadurch bestimmt wird) auch nicht. Vermögen und Einkommen sind unabhängig voneinander.


Ging eigentlich nur darum, zu widerlegen, daß selbst bei Straßensanierungen (hattest du ja als Argument für eine Abgabe angeführt) eben keine Pauschalbeträge angesetzt werden, sondern es auch da Bemessungsgrundlagen gibt (auch wenn die nicht unbedingt sozial gerecht sein müssen).

Schon interessant, daß du mir da jetzt unterstellst, ich würde eine vermögensabhängige Rundfunkabgabe fordern. Hatte ich hier nie gefordert und du brauchst auch nichts irgendwo in meine Sätze hineinzuinterpretieren. Das Beispiel mit den Straßensanierungen hattest du gebracht.

von Kay B - am 07.04.2016 16:33
Zitat
Zwölf
Und bei der Kirche könnte man ja auch einfach sagen Mitgliedschaft ist Mitgliedschaft - trotzdem wird es als Steuer erhoben.

Nein, dann würde es ja einen "Beitrag" geben, der für alle gleich ist + ggf. Studenten/Rentner/Schülerermäßigung...
Das Alte Testament verlangt aber den "Zehnten" aller Einkünfte, die christliche Kirche hat wesentlich die 10% Zahl des Alten Testaments übernommen und als ein “empfohlenes Minimum” auf Christen angewendet.
Das geht natürlich viel besser per Steuer, die sich ja auf das gesamte Einkommen berechnen lässt. Auch wenn da heutzutage keine 10% Kirchensteuer abgezogen werden - der gute Christ muss dann eben das was an den 10% fehlt, spenden, in den Klingelbeutel tun oder sonstwas soziales...

Zitat
Zwölf
Naja, es werden mit dem Rundfunkbeitrag z.B. auch Orchester finanziert, deren Auftritte nicht alle im Rundfunk übertragen werden; d.h. da brauch ich oft noch ne Extrakarte um was davon zu haben.

Ist das ein Problem? Du kannst Konzerte eines guten und geübten Orchesters im Radio hören, wenn Du live zuhören möchtest, kannst Du eine einigermaßen erschwingliche Karte erwerben.
(siehe auf der Vorvorseite 3 meinen Hinweis auf die Förderung fast jeder einzelnen Theater- und Opernkarte durch den Steuerzahler mit einem Betrag, der dem 7fachen des monatlichen Rundfunkbeitrags entspricht... )

Zitat
Thomas (Metal)
Vermutung: ARD/ZDF würde in der Masse solcher Haushalte zu Gunsten eines privaten Abos (Sky / HD+) hinten anstehen müssen

Vermutung: gäbe es nicht so ein großes freies Angebot an TV-Programmen in Deutschland, würde Sky deutlich mehr Geld für ein Abo verlangen (können).

von iro - am 07.04.2016 20:00
Zitat

Ist das ein Problem? Du kannst Konzerte eines guten und geübten Orchesters im Radio hören, wenn Du live zuhören möchtest, kannst Du eine einigermaßen erschwingliche Karte erwerben.
(siehe auf der Vorvorseite 3 meinen Hinweis auf die Förderung fast jeder einzelnen Theater- und Opernkarte durch den Steuerzahler mit einem Betrag, der dem 7fachen des monatlichen Rundfunkbeitrags entspricht... )

Das Problem liegt darin, dass ein Orchester, das viel mehr als das was im Rundfunk läuft darbietet, teilweise nur mit zusätzliche Kosten (Anfahrt, ggf. Übernachtung, Platzkarten je nach Geldbeutel) in Anspruch genommen werden kann und damit keine konrkete Gegenleistung ist, wie argumentiert wurde. Die Rundfunkbeiträge werden hier für etwas ausgegeben, das von Gutverdienenden leichter genutzt werden kann.

von Zwölf - am 07.04.2016 20:13
@ Thomas (Metal)

Zitat

Vermutung: ARD/ZDF würde in der Masse solcher Haushalte zu Gunsten eines privaten Abos (Sky / HD+) hinten anstehen müssen. Wäre dem so, wäre belegt, daß es nicht um Einsparpotential geht.


Was meinst du mit "hinten anstehen"? Zahlen müssen sie für die Öffentlich-Rechtlichen, auch wenn sie in der Nutzung hinten anstehen. Woher das Geld für Sky oder sonstwas kommt, ist eine andere Baustelle.

Und wieso Einsparpotential? Wer soll da etwas einsparen? Gehst du jetzt davon aus, daß sich einkommensschwache Personen, die weniger Rundfunkbeitrag zahlen müßten, dann zwangsläufig ein Sky-Abo holen würden?



@ iro

Zitat

siehe auf der Vorvorseite 3 meinen Hinweis auf die Förderung fast jeder einzelnen Theater- und Opernkarte durch den Steuerzahler mit einem Betrag, der dem 7fachen des monatlichen Rundfunkbeitrags entspricht...


Und das zeigt doch, daß solche Angebote, die kommerziell nicht tragbar sind, einkommensabhängig finanziert werden können.

von Kay B - am 07.04.2016 20:42
Zitat
Zwölf

Das Problem liegt darin, dass ein Orchester, das viel mehr als das was im Rundfunk läuft darbietet, teilweise nur mit zusätzliche Kosten (Anfahrt, ggf. Übernachtung, Platzkarten je nach Geldbeutel) in Anspruch genommen werden kann und damit keine konrkete Gegenleistung ist, wie argumentiert wurde. Die Rundfunkbeiträge werden hier für etwas ausgegeben, das von Gutverdienenden leichter genutzt werden kann.


Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ohne die Subventionierung von Orchestern wären diese nur für Gutverdiener bezahlbar. Gäbe es diese Finanzierung nicht, hätten wir viel weniger Orchester in Deutschland, und die wenigen Konzertkarten würden dreistellige Summen kosten - so sind sie auch für Geringverdiener finanzierbar.
Zumal auch die Kombination Bahnticket zum nächsten Darbietungsort+Eintrittskarte meist weniger kostet als der Eintritt marktwirtschaftlich wert wäre.
Und bevor nun der Vorwurf kommt, das sei ja nur für eine klassikhörende Minderheit interessant: So klein ist diese Minderheit nicht, und die Fördertätigkeit beschränkt sich nicht auf Klassik. Beispiel SWR3 New Pop Festival.

Abgesehen davon verstehe ich nicht, was daran schlimm sein soll, dass sich Geringverdiener weniger leisten können als Gutverdiener.

von DH0GHU - am 08.04.2016 07:20
Zitat

Abgesehen davon verstehe ich nicht, was daran schlimm sein soll, dass sich Geringverdiener weniger leisten können als Gutverdiener.

Es ging mir nur um deine Argumentation, dass der Rundfunkbeitrag eine Gebühr für eine konkrete Gegenleistung sei. Das ist eben im Bereich Orchester m.E. gerade nicht der Fall. Das heißt nicht, dass ich gegen die Subventionierung von Orchestern bin, aber eine Gebühr, die von allen, auch von Geringverdienern gezahlt werden muss, ist dafür der falsche Weg. Würde der Rundfunkbeitrag einkommensabhängig eingezogen, würde ich das weniger problematisch sehen.

Was das Thema Einkommensgerechtigkeit betrifft haben wir glaube ich sehr unterschiedliche Ansichten. Ich möchte darauf jetzt aber nicht weiter eingehen, da es einerseits zu sehr OT wäre und wir andererseits ohnehin nicht auf einen gemeinsamen Nenner kämen.

von Zwölf - am 08.04.2016 10:59
Der Gutverdiener zahlt dann also 1 Euro für ein Brötchen, der Geringverdiener 10 Cent - damit sich auch beide 10 Brötchen leisten können? Und wo bleibt der Bäcker mit 2 gutverdienenden Kunden und 100 Schlechtverdienern...?

Hier ist ja sehr viel von Gerechtigkeit die Rede. Meiner Meinung nach lässt sich eine solche zwar erstreben, aber niemals erreichen...

Dazu mal ein paar schöne Zitate:
Absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, und wenn jemand absolute Gerechtigkeit anstrebt, wird es furchtbar ungerecht.
Friedrich von Metzler, (*1943), Privatbankier - Quelle: FOCUS

Die Schwächsten sind der Maßstab für die Gerechtigkeit.
Margot Käßmann (*1958), evangelisch-lutherische Theologin & Pastorin - Quelle: PHOENIX, Kamingespräch

Gerechtigkeit entspringt dem Neid; denn ihr oberster Grundsatz ist: Allen das Gleiche.
Walther Rathenau (1867-1922), dt. Industrieller u. Politiker

von iro - am 08.04.2016 13:56
Zitat
DH0GHU
Bitte? D.h. wer wenig verdient, soll sich genau das Gleiche leisten können, wie ein Gutverdiener? Sozialismus 2.0 oder was? Für was dann noch in Ausbildung, Studium, Beruf, ... anstrengen? Gehts noch?

Ob es nun genau das Gleiche sein muss, sei mal dahingestellt wenn es um Luxusausführungen geht; man sollte aber auch nicht so tun, als sei ein hohes Einkommen immer nur das Ergebnis von Fleiß. Firmenerben, Leute mit den "richtigen" Interessen, hohem IQ, entsprechendem Talent usw. haben Vorteile, die von anderen ohne diesen Eigenschaften selbst mir viel Fleiß oft nicht erreicht werden können. Oder metaphorisch ausgedrückt: Für einen Tellerwäscher ist die Chance ein Millionär zu werden eine Farce, wenn dafür ein Talent erforderlich ist, über das er nicht verfügt.

Wenn wir diese Faktoren berücksichtigen, sind viele hohe Einkommen eigentlich nicht gerecht. Antworten darauf, wie eine gerechtere Einkommensverteilung aussehen könnte gibt es viele - nicht nur sozialistische.

von Zwölf - am 08.04.2016 14:32
@ iro

Zitat

Würden die ÖRA aus einer Steuer finanziert werden, würden die Verleger immer noch regelmäßig derartige Schlagzeilen präsentieren und für ihre eigenen Sender entweder Steuerermäßigungen, Fördergelder oder einen Verzicht auf Mindestentlohnung einfordern.


Es muß ja nicht als Steuer deklariert werden, sondern als "einkommensabhängige Gebühr" oder sonstwie. Die SV-Beiträge sind ja auch keine Steuern.

Und würden die Verleger mit den oben genannten Argumenten kommen, könnte man damit gegenargumentieren, daß sie dann nicht mehr kommerziell ausgerichtet sein dürften, ihre Sender nur noch extrem eingeschränkt Werbung senden dürften und sie obendrein ihre Zeitungen und Zeitschriften den Leuten "kostenlos" zur Verfügung stellen müßten. Das wäre dann ähnlich wie mit den großen Kabelanbietern, die ja auch weiterhin gerne tief in den Rundfunkbeitragstopf greifen würden, obwohl ihre Endkunden schon für die Leistungen bezahlen.

Und mit den Zeitschriften ist es ähnlich wie mit den Brötchen. Der individuelle Konsum von Zeitungen und Zeitschriften läßt sich genau ermitteln und individuell abrechnen.

von Kay B - am 09.04.2016 09:16
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