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Manfred Z, iro, Zwölf, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, Kay B, transponder, DH0GHU, RheinMain701, Chris_BLN, Georg A., rolling_stone, Bolivar diGriz

Der 20. KEF-Bericht ist erschienen

Startbeitrag von Manfred Z am 13.04.2016 10:00

Aus der Pressemitteilung:

Rundfunkbeitrag kann um 30 Cent auf 17,20 Euro sinken

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) stellt in ihrem 20. Bericht für 2017 bis 2020 einen Überschuss der Rundfunkanstalten von 542,2 Mio. € fest. Sie empfiehlt eine Absenkung des Rundfunkbeitrags um 30 Cent auf monatlich 17,20 €.

Am 13. April 2016 hat der Vorsitzende der KEF, Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, den 20. Bericht in Mainz an die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, übergeben.

Für die Beitragsperiode 2017 bis 2020 melden die Rundfunkanstalten einen Gesamtfinanzbedarf von 38.517,6 Mio. € an. Das sind 3.534,2 Mio. € oder rund 10 % mehr als in der vorherigen Periode. Dieser Mehrbedarf wird durch höhere laufende Erträge und die Anrechnung einer Sonderrücklage aus den Beitragsmehrerträgen der Jahre 2013 bis 2016 weitgehend gedeckt. Der danach verbleibende ungedeckte Finanzbedarf für 2017 bis 2020 beträgt 435,7 Mio. €. Davon entfallen auf die ARD 395,6 Mio. € und auf das Deutschlandradio 44,5 Mio. €. Das ZDF meldet einen Überschuss von 4,5 Mio. € an.

Die Kommission reduziert den angemeldeten Bedarf nach eingehender Prüfung um 965,7 Mio. €. Davon entfallen 276,5 Mio. € auf Ertragszuschätzungen, z.B. im Bereich Werbung und Sponsoring, 617,7 Mio. € auf Aufwandsreduzierungen, z.B. bei den Programmverbreitungskosten, und 71,5 Mio. € auf Veränderungen bei den Eigenmitteln. Im Ergebnis ergibt sich daraus ein Überschuss von 542,2 Mio. €. Vom festgestellten Gesamtfinanzbedarf für 2017 bis 2020 werden 32.986,5 Mio. € (87 %) aus Rundfunkbeiträgen einschließlich einmaliger Sonderrücklage aus Beitragsmehrerträgen finanziert.

Weiterlesen: http://www.kef-online.de/inhalte/bericht20/index.html

Zur schnellen Orientierung sollte man zuerst die PM und die Zusatzinformationen lesen.

-----------------------------

Edit: Die Aufteilung der empfohlenen Gebühr auf die Anstalten:

>> Die Kommission empfiehlt daher ab 2017 einen monatlichen Rundfunkbeitrag von 17,20 €.
Davon entfallen 12,10 € auf die ARD, 4,28 € auf das ZDF, 0,49 € auf das Deutschlandradio und
0,33 € auf die Landesmedienanstalten.

Antworten:

Hier noch ein interessanter Abschnitt zur geplanten SDTV-Abschaltung nach 2018 über Satellit [Bericht S. 83].
Die KEF rechnet damit, dass es eine Einigung mit dem Kartellamt zum vorzeitigen Ende der unverschlüsselten
SD-Ausstrahlung der Privatsender geben wird [entgegen der Vereinbarung SD bis Ende 2022 auszustrahlen].

>> Ebenfalls unter „Sonstiges“ aufgeführt sind die Kosten in Höhe von 43,2 Mio. €, die auftreten
würden, falls die ARD die Satellitenausstrahlung in der Qualitätsstufe SDTV über das Jahr 2018
hinaus bis zum Ende der Periode aufrechterhalten sollte. Der Digitalisierungsbericht 2015 der
Landesmedienanstalten zeigt, dass 2015 bereits 55,5 % der Satellitenhaushalte HDTV nutzen.
Insofern ist damit zu rechnen, dass eine Beendigung der SDTV-Ausstrahlung nach 2018 möglich
sein sollte. Allerdings hat das Bundeskartellamt im Jahr 2012 die privaten Programmanbieter
Pro7Sat1 und RTL dazu verpflichtet, ab 2013 mindestens für 10 Jahre, also bis 2022, Programme
in SDTV ohne Grundverschlüsselung auszustrahlen. Eine Abschaltung der SDTV-Programme allein
der öffentlich-rechtlichen Programmanbieter ist aus Wettbewerbsgründen kaum vorstellbar. Da
es aber im Interesse aller Programmanbieter liegen dürfte, die Kosten der SDTV-Ausstrahlung
so früh wie möglich einzusparen, setzt die Kommission in Anbetracht des Zuwachses der HDTV-
Nutzung auf eine Einigung, auch mit dem Bundeskartellamt (s.o.). Die Kommission geht daher
davon aus, dass eine Fortführung der SDTV-Ausstrahlung über 2018 hinaus nicht erforderlich sein
wird. Für den Fall, dass sich die Abschaltung jedoch ein weiteres Jahr verzögern sollte, erkennt sie
für die Fortführung der SDTV-Ausstrahlung per Satellit im Jahr 2019 einen Betrag von 21,6 Mio. €
an. Die Kürzung durch die Kommission für die SDTV-Satellitenausstrahlung beträgt demnach
21,6 Mio. €.

von Manfred Z - am 13.04.2016 12:18
Da hoffe ich doch, daß das Kartellamt in dem Punkt hart bleibt und die Privat-TV-Zuschauer erst ab 2022 ausgesperrt werden dürfen.

Zitat

dass 2015 bereits 55,5 % der Satellitenhaushalte HDTV nutzen

...aber von 30.89 Mio. Digital-TV-Haushalten (alle Wege, Stand 12/2015) sind nur 1.84 Mio. (Stand 12/2015) Haushalte Kunde bei HD+. Der Rest nutzt also entweder überhaupt keine RTL-Sat1Pro7-usw. Programme oder guckt weiterhin diese Programme ohne Restriktionen in SD-Qualität.

von iro - am 13.04.2016 12:29
Damit dürften allenfalls Online TV-Recorderdienste unattraktiver werden, es sei denn man bezahlt in der Tat für die Aufnahme der Privaten zusätzlich. Frage ist dann nur, wer wäre bereit, dies zu tun? Und wofür hat man dann überhaupt noch eine Schüssel, wenn Programme dann nur noch nach Nutzung entsprechender Smartcards (die noch dazu meist nur dann erworben werden können, wenn - siehe Frankreich . ein Wohnsitz in dem Land nachgewiesen werden kann) empfangen werden können? Wäre es dann - ketzerisch gefragt, nicht sinnvoller, auf die Satellitenausstrahlung zumindest der Dritten Programme gleich ganz zu verzichten? Bis auf die Regionalberichterstattung werden doch eh nur Programme wiederholt, die bereits im Ersten liefen. Alternativ könnte man doch eine Grundverschlüsselung für ALLE einführen, und je nach Ort der registrierten Smartcard (an der sich Öffis wie Private gleichermaßen beteiligen) gibt es bei den Öffis das passende Regionalfenster. So verfährt meines Wissens bei den Regionalisierungen auf diversen Plattformen). Und selbst ohne Regionalisierung, alleine der WDR könnte sein Dutzend Satellitenplätze auf magisch einfache Weise reduzieren.

von rolling_stone - am 13.04.2016 13:00
Bzgl. SD-Abschaltung frage ich mich, wem die KEF damit einen Gefallen tun will. Die Anzahl Personen, die sich freut, wenn die privaten SD-Programme abgeschaltet werden damit man auch die ö.r. SD-Programme "guten Gewissens" abschalten kann dürfte sich in sehr engen Grenzen halten.

von Zwölf - am 13.04.2016 13:27
Vor allem hatte das Kartellamt ja sehr gute Gründe, die unverschlüsselte SD-Abstrahlung der Privaten bis MINDESTENS 2022 einzufordern.
http://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2012/28_12_2012_Grundverschl%C3%BCsselung.html

Die KEF lehnt sich ziemlich weit aus dem Fenster - und das ganz bestimmt nicht im Interesse der Zuschauer!

Mit der SD-Abschaltung spart man jährlich 21,6 Mio. € an Gebührengeldern, dafür müssen dann ALLE (die private Sender sehen wollen), ein HD+-Abo abschließen.
Für die Rechnung nehme ich einfach mal alle 38 Mio. TV-Haushalte an: diese würden dann also 38.000.000 x 60 €/Jahr = 2.280.000.000 = 2,28 Milliarden Euro HD+-Gebühr bezahlen müssen.

Der einzelne TV-Haushalt (Basis 38 Mio. HH) spart bei der SD-Abschaltung also jährlich 0,56€ an Haushaltsgebühr ein und zahlt jährlich 60 € extra für die Privaten - 107 mal mehr als vorher.

von iro - am 13.04.2016 14:20
Zitat
Manfred Z
Hier noch ein interessanter Abschnitt zur geplanten SDTV-Abschaltung nach 2018 über Satellit [Bericht S. 83].
Die KEF rechnet damit, dass es eine Einigung mit dem Kartellamt zum vorzeitigen Ende der unverschlüsselten
SD-Ausstrahlung der Privatsender geben wird [entgegen der Vereinbarung SD bis Ende 2022 auszustrahlen].

>> Ebenfalls unter „Sonstiges“ aufgeführt sind die Kosten in Höhe von 43,2 Mio. €, die auftreten
würden, falls die ARD die Satellitenausstrahlung in der Qualitätsstufe SDTV über das Jahr 2018
hinaus bis zum Ende der Periode aufrechterhalten sollte. Der Digitalisierungsbericht 2015 der
Landesmedienanstalten zeigt, dass 2015 bereits 55,5 % der Satellitenhaushalte HDTV nutzen.
Insofern ist damit zu rechnen, dass eine Beendigung der SDTV-Ausstrahlung nach 2018 möglich
sein sollte. Allerdings hat das Bundeskartellamt im Jahr 2012 die privaten Programmanbieter
Pro7Sat1 und RTL dazu verpflichtet, ab 2013 mindestens für 10 Jahre, also bis 2022, Programme
in SDTV ohne Grundverschlüsselung auszustrahlen. Eine Abschaltung der SDTV-Programme allein
der öffentlich-rechtlichen Programmanbieter ist aus Wettbewerbsgründen kaum vorstellbar. Da
es aber im Interesse aller Programmanbieter liegen dürfte, die Kosten der SDTV-Ausstrahlung
so früh wie möglich einzusparen, setzt die Kommission in Anbetracht des Zuwachses der HDTV-
Nutzung auf eine Einigung, auch mit dem Bundeskartellamt (s.o.). Die Kommission geht daher
davon aus, dass eine Fortführung der SDTV-Ausstrahlung über 2018 hinaus nicht erforderlich sein
wird. Für den Fall, dass sich die Abschaltung jedoch ein weiteres Jahr verzögern sollte, erkennt sie
für die Fortführung der SDTV-Ausstrahlung per Satellit im Jahr 2019 einen Betrag von 21,6 Mio. €
an. Die Kürzung durch die Kommission für die SDTV-Satellitenausstrahlung beträgt demnach
21,6 Mio. €.


von transponder - am 13.04.2016 14:40
38 Mio. TV-Haushalte stimmt nicht, da es hier nur um den Satelliten geht.

Die Mitglieder der KEF haben wohl fälschlich das Vorhandensein eines Sat-HD-Empfängers mit dem Abschluss eines kostenpflichtigen HD+-Abonnements gleichgesetzt.

Bei DVB-T2 wird man ja im nächsten Jahr sehen, was die SD-Abschaltung für Folgen für die dann kostenpflichtigen Privatsender hat.

von Manfred Z - am 13.04.2016 14:46
Was sind denn die Kosten bei SDTV? Kann doch wohl nur Transpondermiete sein. Da könnte man doch sicherlich mit Eindampfen der Bandbreite oder dem Wegfall einiger Regionalvarianten ein paar Transponder einsparen, ohne SDTV gleich ganz zu opfern.

von Georg A. - am 13.04.2016 14:56
Zitat

38 Mio. TV-Haushalte stimmt nicht, da es hier nur um den Satelliten geht.
Ich benötigte eine Hausnummer für die Milchmädchen-Rechnung und habe daher einfach die Gesamtzahl der TV-Haushalte verwendet. Selbst wenn ich nur halb soviele HH angenommen hätte, wäre der Unterschied noch sehr krass.

Geht es nur um den Satelliten?
Diese 38 Mio. HH zahlen die HH-Gebühr egal über welchen Weg sie schauen, die 0,56 €/Jahr spart also auch jeder dieser Haushalte.
Und falls diese 38 Mio. HH nach der Einführung von DVB-T2 und der Abschaltung von SD via Satellit weiterhin Private schauen wollen - in unverschlüsselter SD-Qualität - dann ist das nur noch den Kabel-TV-Kunden bis 2022 möglich. Alle anderen müssen zahlen.

von iro - am 13.04.2016 15:04
UKW-Abschaltung wird wohl deutlich später erfolgen und ist noch unrealistisch, während die SD-Abschaltung der ÖR via Sat doch kaum Probleme darstellen wird, die Schweiz hats ja vor gemacht, dass es funktioniert.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 13.04.2016 15:57
Die Privaten können ja nach der SD-Abschaltung der ÖR weiter in SD frei senden und dann auf DVB-S2 und H264 umstellen, das ist sowieso besser als MPEG2-Gepixel und spart dazu noch etwas Bandbreite und ein paar € Übertragungskosten.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 13.04.2016 16:03
Seltsam ist, dass die KEF an der DVB-T2-Einführung genau das kritisiert, was sie über Sat vorantreiben möchte. - Oder kann man etwa zwischen den Zeilen lesen, dass die KEF mit der SD-Abschaltung der Privatsender hofft, dass dadurch T2 weniger unattraktiv gegenüber Sat wirkt, weil dann über beide Verbreitungswege die Privaten in naher Zukunft nur noch verschlüsselt zu empfangen sind?

von Zwölf - am 13.04.2016 16:57
@ iro

Da ist noch die Frage, wie groß der Anteil der von dir genannten Anzahl der Haushalte bereit ist, für RTL, P7S1 & Co. zu zahlen. Es wird ja keiner gezwungen, sich ein Abo zu holen.

von Kay B - am 13.04.2016 18:29
Zitat
DLR...
UKW-Abschaltung wird wohl deutlich später erfolgen und ist noch unrealistisch, während die SD-Abschaltung der ÖR via Sat doch kaum Probleme darstellen wird.

Wird sie nicht? Für den Zuschauer mit SD-Box ist es auf jeden Fall ein Problem. Für mich mit älterem Rechner und SD-TV-Karte ein noch größeres bzw. nicht lösbares. Ebenso für meine (freie) SD-Schnitt-Software. Und für die vielen kleinen Kabelnetze, die immer noch von SD auf analog umsetzen, die eigentlich erst damit rechneten zu 2022 neu investieren zu müssen...
Zitat
DLR...
Die Privaten können ja nach der SD-Abschaltung der ÖR weiter in SD frei senden und dann auf DVB-S2 und H264 umstellen, das ist sowieso besser als MPEG2-Gepixel und spart dazu noch etwas Bandbreite und ein paar € Übertragungskosten.

Bring' die bloß nicht auf dumme Gedanken... :D

@ Kay B: habe ich bewusst außen vor gelassen, weil das für den hinkenden Vergleich keine Rolle spielt... ;)
Selbst eine Million Haushalte würde das ja schon jährlich das dreifache der eingesparten ARD-Summe kosten... 60 Mio. € bei der aktuellen HD+Gebühr.
Und wenn es keine SD-Alternative mehr gibt, kann man ja auch nochmal den Preis nach oben schrauben...
Über die Anzahl der HH, die bereit sind, für RTL, P7S1 & Co. zu zahlen, kann man nur spekulieren. Ich selber vermute, daß die Sender sich ziemlich wundern werden, wie wenige das sind... Und dem privaten DVB-T2 prophezeie ich eine höchstens 5stellige Abonnentenzahl (außer wenn's viele attraktive Fussballspiele gibt.)

von iro - am 13.04.2016 19:18
Zitat

Und dem privaten DVB-T2 prophezeie ich eine höchstens 5stellige Abonnentenzahl (außer wenn's viele attraktive Fussballspiele gibt.)

Da wäre ich mir nicht so sicher. Das österreichische SimpliTV hat schon 100 000 Kunden. Es klingt so, als beträfe dies die Anzahl der Abonnenten (kann aber auch nur missverständlich formuliert worden sein). Eine fünfstellige Abonnentenzahl dürfte aber locker erreicht worden sein. Und das, obwohl Österreich deutlich weniger Einwohner hat, ein deutlich geringerer Anteil DVB-T nutzte als in den deutschen Kerngebieten, die mtl. Kosten 10€ betragen (und nicht weniger als 5 wie es in DE sein wird) und das HD-Angebot bislang nur das umfasst, was es im deutschen Pilotmux geben wird + je nach Region 5-8 Österreichsender.

von Zwölf - am 13.04.2016 21:31
Die SD-Abschaltung am Satelliten ist ein Randthema im KEF-Bericht, über das man nicht weiter spekulieren muss. Es genügt doch die Feststellung von iro, dass die Argumentation der KEF bezüglich der Privatsender nicht stimmig ist.

Die SD-Abschaltung Ende 2018, Anfang 2019 war schon früher mit ARD und ZDF vereinbart worden. Im 18. Bericht [Seite 162] heißt es zum Entwicklungsprojekt HDTV (in Bezug auf den 16. Bericht), dass die Kommission von einem Simulcast von 10 Jahren ausgeht, dass die SD-Ausstrahlung also mit dem Jahr 2019 zu Ende geht. Die Verlängerung des SD-Simulcasts bei den Privatsendern war damals natürlich noch kein Thema.

von Manfred Z - am 13.04.2016 21:52
Die KEF spielt den Pfennigfuchser und doktort bei den Übertragungskosten rum, und vergisst dabei, dass man Zuhörer/Zuschauer verliert. Bei den wirklich großen Batzen, wo nicht nur ein paar Euros, sondern fette Millionen oder gar Milliarden eingepart werden könnten wie den überzogenen Kosten für Sportübertragungen oder sogenannte "Promis", da gehen die gar nicht dran. Zynisch gesagt: Die Personalkosten der KEF übersteigen sogar die Kosten der eingestellten Mittelwellenausstrahlung.

von Bolivar diGriz - am 14.04.2016 08:29
Zitat
Manfred Z
38 Mio. TV-Haushalte stimmt nicht, da es hier nur um den Satelliten geht.


Stimmt auch nicht. Viele Kabelnetze holen sich die freien SD-Privaten 1:1 von Astra. Das betrifft nicht nur Klein-Netze, sondern auch Großanbieter wie z.B. TeleColumbus. Die SD-Zuführung via Kabelkiosk ist längst Geschichte, da keine Verschlüsselung mehr notwendig und auch nicht gestattet ist.

Mit Wegfall der SD-Abstrahlung der Privaten entfiele auch in vielen Kabelnetzen die freie Ausstrahlung der Privaten, da eine Formatwandlung wegen hoher Investkosten vermutlich nichtmal bei mittleren bis großen Netzen vorgenommen werden dürfte. Es gibt genug TV-Haushalte, die keine Smartcard besitzen und bei den Privaten mit SD vorlieb nehmen. Das wäre damit auch Geschichte.

Eine Anzahl der betroffenen Haushalte zu benennen ist schwierig. Man müßte schauen, wieviele Kabelhaushalte die Privaten im derzeitigen Tarif nur frei in SD empfangen können, man müßte schauen, wieviele Zweit- und Drittfernseher derzeit nur mit SD bei den Privaten laufen und Zusatzkarten bräuchten, man müßte schauen, wieviele nur-CI-Geräte wegen CI+ dann wertlos würden, für die Privaten müßten dann neue Empfangsgeräte angeschafft werden.

Auch an dieser Stelle nochmals der Hinweis: auf einem SD-Transponder (der aber meines Wssens nach vertraglich erst nach 2020 ausläuft) liegen die Radioprogramme der ARD. Die sind im Direktempfang via Sat (oder indirekt via DVB-C) zwar nett, aber nur am Rande genutzt. Wesentlich wichtiger dürfte die Zuführungsfunktion für UKW-Umsetzungen in Kabelnetzen sein. Das ist massiv verbreitet. Mit Wegfall der SD-Ausstrahlung der öffentlich-rechtlichen wäre die Radioversorgung im Kabel sowohl auf UKW als auch auf DVB-C gefährdet. Für Sat-Direktnutzer bedeutet das u.U. auch den Rückfall in die Zeit von terr. UKW, ggf. auf DAB noch zwei, drei Programme dazu.

Es gibt Szenarien, die ARD-Radioprogramme in AAC auf den HD-Transpondern zu verteilen. AAC wird von kaum einem DVB-S/C-Receiver unterstützt und wenn doch, dann in oft mangelhafter Qualität. Die UKW-Kabelumsetzer können alle (!) derzeit kein AAC decodieren und ob Software-Updates das beheben können, bleibt fraglich. DVB-S2 können die meisten der da verbauten Tuner aber auch nicht, also ists ohnehin egal, ob AAC nachgepflegt werden kann oder nicht.

Es besteht also durchaus die Gefahr, daß die Radio-Verteilung wegbricht. Wir kämen damit in Zustände wie zu tiefen UKW-Zeiten.

Es bleibt zu hoffen, daß dieser Transponder bestehenbleibt, als Zuführung für Kabelnetze (DVB-Hörfunk, erst recht nach einem eventuellen Wegfall von UKW im Kabel), als interne backup-Versorgung der ARD und natürlich für den Direktempfang. Man sollte da die Programme des DRadios mit draufpacken, wenn der ZDF-SD-Transponder wegfällt. Auch möglich wäre eine HD-TV-Belegung des verbleibenden Platzes (würde nur für ein Programm reichen), solange es für den Transponder bei DVB-S mit QPSK bleibt.

von Chris_BLN - am 14.04.2016 08:43
Bei der SD-Abschaltung geht es um Fernsehen und nicht um den Radio-Transponder. Die Hörfunkverbreitung wird separat behandelt.

Die Probleme mit dem Empfang der Privaten wird die fünfzehn Herren und die Dame von der KEF nur am Rande interessieren. Bei Abstimmungen zwischen ARD/ZDF und den Privaten mischt sich neuerdings sofort das Kartellamt ein.

von Manfred Z - am 14.04.2016 08:56
Zitat
Bolivar diGriz
Die KEF spielt den Pfennigfuchser und doktort bei den Übertragungskosten rum, und vergisst dabei, dass man Zuhörer/Zuschauer verliert. Bei den wirklich großen Batzen, wo nicht nur ein paar Euros, sondern fette Millionen oder gar Milliarden eingepart werden könnten wie den überzogenen Kosten für Sportübertragungen oder sogenannte "Promis", da gehen die gar nicht dran. Zynisch gesagt: Die Personalkosten der KEF übersteigen sogar die Kosten der eingestellten Mittelwellenausstrahlung.


An den Inhalten KANN / DARF die KEF nicht rütteln. Das ist nicht in ihrer Macht. Sie KANN nur an den "Nebenkosten" herumschrauben. Also eigentlich kann sie nur sagen "das ist sinnvoll/nicht sinnvoll, und daher ist der sinnvolle Beitragssatz X".
Das mit den Personalkosten ist auch wirklich Zynismus pur. Die berufenen Mitglieder der KEF machen das im Nebenjob, und sind, wie das Beispiel Prof. Reimers zeigt, keine Sesselpupser, sondern Leute aus der Praxis.

von DH0GHU - am 14.04.2016 09:05
Wieso ist der Einflußbereich der KEF eigentlich nur auf die Nebenkosten beschränkt?

von Kay B - am 14.04.2016 20:09
Zitat
Kay B
Wieso ist der Einflußbereich der KEF eigentlich nur auf die Nebenkosten beschränkt?

Weil das Bundesverfassungsgericht das so angeordnet hat. Stichwort "8. Rundfunk-Urteil".

von RheinMain701 - am 14.04.2016 20:28
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