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Der russische Specht - Bericht über das Duga / Woddpecker System auf Kurzwelle

Startbeitrag von Frankfurt am 27.04.2016 06:30

Der Bericht lief gestern auf Arte und ist jetzt auf Arte+7 abrufbar.
Viele erinnern sich noch an das 10 Hz-Geräusch auf den AM-Bändern bis 1986.
Im Film wird das Atomunglück von Tschernobyl mit dem Versagen des Duga Überhorizontradars in Verbindung gebracht. :rolleyes:

Eine interessante Aussage ist: "nachdem man SOS-Aussendungen störte hat man die Frequenz geändert, konnte dann aber nicht mehr den Polarlichtgürtel in Richtung USA überwinden"
Welche Frequenzen waren es vorher / nachher ?

Antworten:

Diese Bauart von Ueberhorizontradar gab's ja in der gesamten damaligen Sovjet Union, etwa in Belarus, dann unten am Schwarzen Meer bis hin nach Sibirien.

Ich denke, das Radar war ganz einfacher Bauart, man sendete einfach Radiowellen mit sehr starker Energie aus, und hat gemessen, ob es irgendwo reflektierte, um etwa kommende Angriffe rasch erkennen zu koennen. Das 10Hz Geraeusch war da nur ein Nebenschauplatz. Radiojamming sollte es etwa nicht sein, auch div. andere Sender aus dem damaligen Ostblock waren davon betroffen.

Ich hatte dieses Geraeusch auch nie wirklich wahrnehmbar empfangen.

von 102.1 - am 27.04.2016 07:36
Um das Ding ranken sich mehr Legenden als sonstwas. Den Zusammenhang mit dem Atomunglück würde ich in die Kategorie "Bunte Verschwörungstheorien unterm Aluhut" einordnen. Aber Stoff für einen netten Thriller hat die Sache allemal...

von Peter Schwarz - am 27.04.2016 11:19
Sichtkontakt zum alten Meiler besteht jedenfalls. Die Sendeenergie war sehr hoch.
Was spricht dagegen, das die starke HF auf das Kraftwerk eingewirkt hat ?
Eine V-Theorie immer nur als solche zu bezeichnen, weil es von der staatlichen Meinung abweicht, ist da auch nicht hilfreich. Ich finde diese Idee durchaus interessant, und wer von euch hat nicht die Berichte über sprechende Töpfe gesehen, wenn es um die VOA in Holzkirchen ging.

Und nur, weil diese V-Theorie nicht bestätigt wird, so kann sie dennoch der Wahrheit durchaus nahe dran sein. Zumindet ist es eine interssante Theorie. ( und eine Doku wert )

von sup2 - am 27.04.2016 16:00
Ich habe den Themenabend auf Arte gestern nur bis zur zweiten Doku verfolgt und "Der russische Specht" aufgenommen. Das werde ich mir heute Abend noch anschauen :spos:

von DX OberTShausen - am 27.04.2016 16:03
Zitat
sup2
Was spricht dagegen, das die starke HF auf das Kraftwerk eingewirkt hat ?


Die Kernaussage der Doku war jedoch, dass der Initiator des Duga-Systems den Misserfolg unbedingt vertuschen musste. Das System kostete nämlich immens viel Geld. Dieser Herr wollte nun seine Karriere als Mitglied im ZK der KPdSU nicht gefährden und soll daher unmittelbar vor einen eingehenden Überprüfung des Duga-Systems telefonisch die Anweisung gegeben haben, den bekannt instabilen Reaktor hoch zu fahren und so in die Luft zu sprengen, womit auch das Duga-System erledigt war und nicht mehr überprüft werden konnte. Von der Einwirkung von Radiowellen war nie die Rede. Außerdem strahlten die Antennen nicht in Richtung des Kraftwerks.

Diese Aussage ist jedoch reichlich absurd, da ja scheinbar viele Leute über die Probleme mit dem Duga-System wussten. Außerdem gab es 2 Vorgängersysteme.

Nachtrag:
In etlichen Englisch-sprachigen Berichten steht, dass Chernobyl die Empfangsstation war. Die Sendestation befand sich demnach in Lyubetsch ca. 60 km nordöstlich. Die Antennen dort wurden aber schon 1989 abgetragen, wie auch jene der Stationen in Fernost (Bolshya Kartel und Lian bei Komsomolsk am Amur).

von Wasat - am 27.04.2016 16:12
Zitat

Diese Aussage ist jedoch reichlich absurd, da ja scheinbar viele Leute über die Probleme mit dem Duga-System wussten.

Selbst wenn es komplett wirkungslos gewesen sein sollte hat es ja funktioniert in dem Sinne: Wenn die andere Seite (NATO) nicht sicher sein kann, daß es nicht funktioniert, ist der Abschreckungseffekt gegeben.

von iro - am 27.04.2016 17:37
Diese "Doku" war für mich verlorene 80 Minuten. Selten so einen Quatsch gesehen..

von DH3FBI - am 27.04.2016 17:45
Irgendwo las ich mal, daß eine Störung in der Stromzufuhr der Woodpecker-Anlage möglicherweise zu schweren Netz-Problemen geführt hätte, die dann wiederum zur Katastrophe von Tschernobyl geführt haben könnten. Aber auch das kann wilde Verschwörungstheorie sein.

von Chris_BLN - am 28.04.2016 09:29
Eins vorweg: es ist keine "echte" Doku über Duga 3. Wer also technische Dinge erwartet, kann sich das Ganze direkt schenken. Es gibt lediglich tolle Aufnahmen von der Antennenkonstruktion, einige davon sind mir aber schon auf Youtube begegnet (ich habe mich Anfang diesen Jahres zum ersten Mal mit dem Woodpeckersignal beschäftigt, ich kann mich sehr wohl noch an dieses und ähnliche Geräusche erinnern).

Mich hat dieser Film mit jeder Minute mehr gepackt. Anfänglich dachte ich, dass es um den Künstler geht und ich habe ein paar Seznen geskipped. Doch mit jeder Minute wurde das Ganze spannender und nach zwei Dritteln des Films habe ich ziemlich sparsam geschaut. Viel Verschwörungstheorie (finde ich von Zeit zu Zeit spannend), es kann aber vmtl. niemand das Gegenteil behaupten können.

von Staumelder - am 28.04.2016 15:39
Ich habe es mir gestern Abend auch angeschaut und fand es sehr interessant. Einige Verschwörungstheorien, aber auch viele Fakten, die ich zuvor noch nicht kannte.

Wie stark war das Signal damals eigentlich hier in Deutschland?

von DX OberTShausen - am 28.04.2016 16:12
Hier gibt es einen Mitschnitt aus Deutschland von 1987: https://youtu.be/9AlQ5sbSJwc

von Japhi - am 28.04.2016 17:22
Aus der Arte Mediathek
http://www.arte.tv/guide/de/061670-000-A/der-russische-specht?autoplay=1

Der Film ist von 2015. Das Ende der Dokumentation ist am interessantesten. Ob man das alles Glauben will soll Jeder selbst entscheiden. Wahrscheinlich interessiert sich heute keiner mehr für die Frequenzbereiche.

von pomnitz26 - am 28.04.2016 17:56
pomnitz26:

"Wahrscheinlich interessiert sich heute keiner mehr für die Frequenzbereiche"

Aber ja - siehe Wikipedia zum Thema "Überhorizontradar". Leider werden oft auch die Amateurbänder dazu missbraucht.

von hegi_ms - am 28.04.2016 18:27
Kann verstehen, daß die Leute in der Ukraine angesichts der Situation in der sich das Land befindet verrückt werden. Der SU traue ich vieles zu (da haben wir Deutscha auch so unsere Erfahrung) aber die vorsätzlich Herbeiführung der Reaktorkatastrope zur Vertuschung des Nichtfunktionierens der Überhorizontradars - absurd!

Außerdem bezweifle ich, das das System nicht funktioniert hat. Vielleicht nicht so gut wie gedacht. Aber alleine die psychologische wirkung des Spechts auf den Gegner war wohl nicht zu unterschätzen. Der KW Kanal ist ja unberechenbar, ich vermute die Probleme lagen bei der Signalauswertung. Mit der modernen Digitaltechnik und Algorithmik von heute könnte man sicher einiges erreichen mit dieser Anlage. Schade, daß sie kaputt ist...

von raeuberhotzenplotz1 - am 30.04.2016 20:58
"Schade, daß sie kaputt ist..."

nein, ein Segen für alle, die noch die Kurzwelle nutzen.

von hegi_ms - am 02.05.2016 07:24
Also war die im Film gezeigte große "Antennenwand" mit dem Array aus vielen, vielen keulenförmigen horizontalen Dipolen die Empfangsantenne? Der Antennengewinn muß bei phasenrichtiger Zusammenschaltung der Dipole ja gigantisch gewesen sein. Und die Bandbreite war aufgrund der "Dicke" der Metallgitterkeulen bestimmt auch nicht schlecht. Wie sah denn dann die Sendeantenne des Duga-3-Systems aus? Gibt es davon auch Fotos oder Filme im Netz?

von Optimierer - am 02.05.2016 08:43
Zitat
hegi_ms
nein, ein Segen für alle, die noch die Kurzwelle nutzen.


Allerdings nutzen zahlreiche Staaten Überhorizontradar auf Kurzwelle, ohne dass es sonderlich stören würde. Es werden eben verträglichere Modulationsverfahren eingesetzt.

Speziell die beiden Anlagen der USA in Moscow, Maine und Christmas Valley, Oregon mit ihren über 1 km breiten Antennensystemen. Die Amis kommen aber mit wesentlich einfacheren Antennen aus.
Ein Foto davon: http://www.radomes.org/museum/showimage.php?name=photos%2Frecent%2FChristmasValleyOTH-B4.jpg

Die USA begannen schon 1961 mit einem solchen Überhorizontradar, genannt MADRE in Chesapeake Bay.
Ein Foto der Antenne: http://www.nrl.navy.mil/PressReleases/2011/image1_20-11r.jpg

Und hier eine Broschüre des neuesten US-Systems ROTHR: http://www.mobileradar.org/Documents/ROTHR.pdf

Die Antennen dafür sich sehr kompakt, stehen aber in einer Länge von 2,6 km: http://photos.wikimapia.org/p/00/02/03/06/49_big.jpg

Eine Seite vom Lockheed Martin, die das von Australien eingesetzte JORN-System entwickelt hat: http://www.lockheedmartin.com/us/100years/stories/jorn.html

Noch eine Seite zu JORN: http://www.baesystems.com/en-aus/feature/seeing-over-the-horizon

Eine Seite von ONERA, die das von Frankreich benützte System "Nostradamus" entwickelt hat: http://www.onera.fr/en/actualites/zoom-in-the-lab/lunar-radar-control
Man verwendet hier hunderte einfache Reusenantennen.

Etwas über die Physik des Überhorizontradars: http://conference-elbereth.obspm.fr/IMG/pdf/45_degurse_elbereth_2013_cle829f9b.pdf

Nett auch diese russische Anlage, die aber auf UKW läuft: http://www.signalspaning.se/ny_ohr/index.html

von Wasat - am 02.05.2016 21:26
Zitat
Optimierer
Der Antennengewinn muß bei phasenrichtiger Zusammenschaltung der Dipole ja gigantisch gewesen sein.


Ich vermute mal, daß die Anlage ein Phased Array war. D.h. man hat aus dem Phasenunterschied zwischen den einzelnen Elementen zusätzliche Information über den Übertragungskanal gewonnen, bzw. eine virtuelle Schwenkung der Antennenkeule bewirkt.

Beim Zusammenschalten mehrerer Antennen zu einem Super Array entstehen sogenannte Nebenzipfel im ANtennendiagramm die Dir den Spaß verderben. Die Kunst ist diese runterzubekommen in Relation zur Hauptkeule. Dazu muß man die Elemente nicht nur exakt phasenrichtig, sondern auch mit einer bestimmten Amplitudenbelegung versehen (z.B. Dolph-Tschebyscheff Belegung :xcool: ). Wenn man sich die mathematische Theorie dahinter genau anschaut, wird schnell klar, daß das System bei großer Anzahl von Einzelelementen sehr schell hochempfindlich gegen kleinste Toleranzen wird. Und dann war's das mit dem Supergewinn. Den kann man theoretisch rechnen aber in Realität wird es irgendwann unmöglich... (Ach wie schön war die Zeit als ich sowas berechnen, herstellen und sogar selbst messen durfte :hot: )

Zumindest ist das im Miktowellenbereich (meine Erfahrung 10-50GHz) so, im KW-Bereich wird das genau so sein, außer daß alles vieeel größer ist (und die Antenne quasi mit Gleichtrom angesteuert wird :D ).

von raeuberhotzenplotz1 - am 03.05.2016 11:21
Zitat

Beim Zusammenschalten mehrerer Antennen zu einem Super Array entstehen sogenannte Nebenzipfel im ANtennendiagramm die Dir den Spaß verderben. Die Kunst ist diese runterzubekommen in Relation zur Hauptkeule. Dazu muß man die Elemente nicht nur exakt phasenrichtig, sondern auch mit einer bestimmten Amplitudenbelegung versehen (z.B. Dolph-Tschebyscheff Belegung :xcool: ).

Das Pendant dazu wird ja aber noch immer, bzw. mehr denn je in der Signalverarbeitung verwendet, gleiches Prinzip ;-)

von Jens1978 - am 04.05.2016 06:26
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