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Warum sind die meisten SAT.Bücher so dünn?

Startbeitrag von Bruder_M am 28.06.2016 07:28

Moin,

meine Freundin hat sich ein Haus gekauft und da war auch schon eine Satanlage installiert. Da der Fernseher auch einen Tuner hat, schlossen wir ein Kabel an und nachdem wir das richtige erwischt hatten, brachte ein Suchlauf auf Astra 19,2 tatsächlich über 640 Sender zum Vorschein -- erstaunlich viele Spanier. Radio habe ich noch nicht rausgefunden, wie das geht.
Die Anlage ist ein bisschen umfangreicher: insgesamt drei Twin-LNBs, die auf verschiedene SATs ausgerichtet sind und über zwei blaue Switches verschaltet sind.

Ich würde mich jetzt gerne intensiv in die Materie einlesen, musste aber enttäuscht feststellen, dass am Markt praktisch nur Pille-Palle-Literatur vorhanden ist, die im Seitenumfang sogar vom Lustigen Taschenbuch übertroffen wird.

Beispiele:
* Satellitenfernsehen - das neue Praxisbuch: 201 S.
* Digitale Sat-Anlagen: Planen, montieren, ausrichten, nachrüsten: 160 S.
* Satellitenanlagen installieren: 96 S.
* Optimierung von Satellitenanlagen: Von der Antenne bis zum Receiver: 112 S.
* Digitale Sat-Anlagen: selbst installieren: 112 S.
* Satellitenanlagen selbst installieren: Alles von der Planung bis zur Montage: 87 S.
* Die erfolgreiche Montage einer digitalen Sat-Anlage: 256 S.
* usw...

Gegenbeispiel:
* aktuelles Lustiges Taschenbuch: 304 S.

Ich meine, im Studium hatten wir richtige Hardcore-Literatur zur Nachrichtentechnik mit 800 bis 1000 Seiten, wo jede Gleichung exakt hergeleitet wurde.

Darum frage ich:
Welches Buch ist also geeignet, um sich intensivst in die Grundlagen der Satanlagen einzuarbeiten?

Antworten:

Das Internet ist voll von Antworten.

von andimik - am 28.06.2016 07:40
Zitat
Bruder_M

Darum frage ich:
Welches Buch ist also geeignet, um sich intensivst in die Grundlagen der Satanlagen einzuarbeiten?


Ich denke, ein Werk, das sowohl die technologischen Grundlagen als auch die Anwenderseite betrachtet, wirst Du nicht finden. Für den Anwender sind 200 Seiten doch schon viel zu viel. Für den Techniker sind eher Bücher über digitale Datenübertragungsverfahren (neben allgemeinen Grundlagen wie Meinke/Gundlach: Taschenbuch der Hochfrequenztechnik, oder Antennenliteratur) interessant. Es scheint aber auch Fachbücher speziell zu D*B-Xn zu geben. Eine Google-Suche mit DVB-S und dem Namen des führenden Technikbuch-Fachverlags in D (witzigerweise der sonst garnicht als seriös verschriene Springer Verlag), also "Springer DVB-S", führt hier weiter, z.B. auf

http://www.springer.com/de/book/9783642150470

Über die inhaltliche Qualität kann ich Dir aber nichts sagen! Die Auflage scheint von 2010 zu sein, könnte also schon veraltet sein.

von DH0GHU - am 28.06.2016 07:57
Bei manchen Fragen kann ich einfach nur noch den Özil machen...:eek:

von Peter Schwarz - am 28.06.2016 08:04
Wobei die Frage ist, wofür man bei einer so simplen Anlage ein Fachbuch benötigt.

Die drei blauen Umschalter sind Diseqc-Switches, vermutlich von Spaun. Gibt es auch in grau, grün, rot oder anderen Farben, von anderen Herstellern, wobei die Farben natürlich keinen Einfluß auf die Funktion haben.
Belegung kann man anhand der LNB-Position nachsehen, auf eine Beschriftung hoffen oder durch probieren herausfinden. Einige Receiver biten auch die Funktion Diseqc-Scan an, und finden selbst raus, was wo drauf liegt.

Bei 3 Satelliten wird, abhängig vom Vorbesitzer, vermutlich auf 1 Astra, auf 2 Hotbird und auf 3 Türksat liegen. Die Belegung ist so häufig das die Receiver so vorprogrammiert ausgeliefert werden.

von Marc_RE - am 28.06.2016 10:21
Die Frage, welche du dir Bruder_M zuerst stellen müsstest ist folgende: Welche Frage will ich beantwortet wissen?

Wenn du dir und uns diese Frage unterbreiten kannst, dann kann man nach der passenden Literatur bzw. Hilfe suchen. Für mich ist es jedenfalls nicht klar, was du gerne wissen möchtest.

Falls es die Verschaltung der Switches sein soll, dann hilft meist das dabei liegende Datenblatt um die Verschaltungsmöglichkeiten zu verstehen. Das ist eine DIN-A4 Seite. So schwer ist das alles nicht, selbst 100 Seiten sind in meinen Augen schon zuviel, denn das meiste Wissen ist schlichte Logik. Und ehrlich gesagt habe ich noch nie auch nur ein einziges Buch über den Aufbau einer Satanlage gelesen, und ich habe eine Anlage mit 4 Quad-LNBs, Motor, DVB-T in der Leitung usw. ... Ein Buch braucht man schlicht und einfach eigentlich nicht.

von Jens1978 - am 28.06.2016 10:28
Zitat
Marc_RE
Die drei blauen Umschalter sind Diseqc-Switches
es sind nur zwei... das reicht ja auch.
Vermutlich beides DiSEqC-4/1-Schalter.
Funktionsweise: http://satellitenempfang.info/diseqc.html
(mehr muss man darüber gar nicht wissen)

Die Anlage ist wahrscheinlich gemäß folgendem Bild aufgebaut:
[attachment 7630 Sat3.PNG]

von iro - am 28.06.2016 10:46
Vermutlich, ich gehe auch davon aus. Allerdings verstehe ich diese Aussage hier dann nicht:
Zitat
Bruder_M
[...] und nachdem wir das richtige erwischt hatten,[...]

Beide Anschlüsse müssten doch gleich funktionieren ... wie kann man da ein falsches Kabel erwischen :confused:

Wenn Bruder_M wissen will, welche Satelliten angesteuert werden: Einfach über jede Position einen automatischen Suchlauf machen und dann bei lyngsat z.B. nachgucken wo die entrsprechenden Programme ausgestrahlt werden.

Ach ja: hier gibt es nahezu alle Infos, die man braucht: http://www.satzentrale.de/thema8.shtml

von Jens1978 - am 28.06.2016 11:10
Zitat
DH0GHU
(witzigerweise der sonst garnicht als seriös verschriene Springer Verlag), also "Springer DVB-S", führt hier weiter, z.B. auf

http://www.springer.com/de/book/9783642150470

Über die inhaltliche Qualität kann ich Dir aber nichts sagen! Die Auflage scheint von 2010 zu sein, könnte also schon veraltet sein.


Die Springer-Verlag GmbH bringt schon seit Jahrzehnten (so lange ist meine Uni-Zeit her) wissenschaftliche Fachliteratur heraus. Etwas Unseriöses ist mir dabei noch nicht aufgefallen, eher schon Monographien über Spezialthemen mit einer vermutlich recht überschaubaren Anzahl von Lesern.

Du verwechselt ihn nicht etwa mit dem Axel-Springer-Verlag, bei dessen Produkten die Leserzahl etwa umgekehrt proportional zur Seriösität ist?

73 de Uli

von ulionken - am 28.06.2016 15:59
Genau das Buch hatte ich mir übrigens auch vor einigen Wochen in der aktuellen Ausgabe zugelegt (im Buchladen bestellt und gekauft). Allerdings auch gleich wieder zurück gegeben ...

Die Springer-Lehrbücher, sie gibt es in der Tat schon seit Jahrzehnten und auch echte Klassiker wie Meinke-Gundlach sind in dem Verlag erschienen, werden leider nur noch per "print-on-demand" gedruckt. Die (Druck-)Qualität war äußerst schlecht, deutlich(!) schlechter als wenn man selbst ein .pdf-File mit dem Laserdrucker ausdruckt. Hab ich so auch noch nicht gesehen. Hab auch direkt mit dem Verlag und dem Autor gesprochen. Hoffentlich wird das wieder vom Verlag geändert, denn der Inhalt der Bücher ist bisher immer sehr gut gewesen und so eine Druckqualität sind sie nicht wert.

von Jens1978 - am 28.06.2016 16:18
Uli, die Bücher sind mir auch seit Jahrzehnten bekannt, dass das zwei komplett getrennte Firmen sind, war mir neu. Dachte immer, das wäre sozusagen die "High-Quality"-Schiene des berüchtigten Groß-Verlags ;-)

von DH0GHU - am 28.06.2016 16:55
Jens, Du hättest das auch unserem hiesigen Abfallentsorger geben können. Der heißt ebenfalls Springer...

von iro - am 28.06.2016 17:22
Zitat
Jens1978
Beide Anschlüsse müssten doch gleich funktionieren ... wie kann man da ein falsches Kabel erwischen :confused:


Indem man erst die vom stillgelegten Kabelanschluss und der stillgelegten Dachantenne probiert.
In einigen Häusern ist da ein hübsches Chaos aus diversen Jahrzehnten vorhanden.

von Marc_RE - am 28.06.2016 18:29
Servus,

an den Grundlagen der Sat-Empfangstechnik hat sich seit Einführung der digitalen Ausstrahlung und der allgemeinen Verfügbarkeit der "Universal LNB" nicht sonderlich viel geändert. Das lässt sich recht einfach vermitteln, da braucht es keinen Doktortitel und dicke Wälzer.

Die Problematik ist hierbei immer die Selbe geblieben: Wie kann man bei dem begrenztem Frequenzspektrum des Koax-Kabels dennoch möglichst viele Signale übermitteln?

Dabei entwickelten sich hauptsächlich die folgenden Schaltkriterien, die heute noch so üblich sind:

a) Vertikale und Horizontale Polarisation (13/18V)
b) Verschiedene Bänder - High und Low (0kHz/22kHz)

=> Macht vier Bänder pro LNB/Satellit (immer!, außer an Altanlagen, denen fehlt das Highband, sollten mittlerweile ausgestorben sein)

Das ist dann das einfachste Modell einer Sat-Anlage, also ein LNB und ein Empfänger.

Vom LNB geht also eine Ableitung direkt zum Empfänger. Der fordert mit den Schaltkriterien eine Ebene an, die wird dann "durchgeschalten". Deshalb funktionieren mehrere Empfänger an einer Ableitung nicht wirklich gut (man müsste immer auf der gleichen Ebene bleiben) - es handelt sich im Gegensatz zur Terrestrik / BK um eine "bi-direktionale" Verbindung

Kommen wir zum nächsten Schritt: Mehrere Satelliten, also mehrere LNBs, dann gibt es noch ein drittes Kriterium

c) Diseq-Kriterien Position und Option (schaltet zwischen maximal 4 verschiedenen LNB um)

Die Umschaltung übernimmt dann ein Diseqc-Schalter, also max. 4 Eingänge und ein Ausgang (zum Receiver).

Mehrteilnehmeranlagen werden analog dazu aufgebaut - Pro Empfänger immer eine Ableitung.

Es gibt LNB mit eingebautem Switch (Twin, Quad und Octo) oder LNB mit seperater Ausgabe aller 4 Ebenen (Quattro).

Für die LNB mit Ebenen-Einzelausgabe (Quattro) ist ZWINGEND ein Multischalter erforderlich, da man an jedem Ausgang sonst nur 1/4 des Spektrums zur Verfügung hätte.

Ob man eine Anlage mit vier Satelliten und vier Teilnehmern nun über 4x Quad-LNB (LNB mit eingebautem 4-fach Switch zum direkten Anschluss von 4 Empfängern) und 4 nachgeschalteten 4x1 Diseqc-Schalter aufbaut oder - statt dessen - mit einem Multischalter mit 17 Eingängen und x Ausgängen ist eine Geschmacks- und vor allem auch Geldfrage.

Multischalterlösungen wird nachgesagt, sie wären zuverlässiger und stabiler. Das rührt vor allem von billigen Diseqc-Schaltern und LNB mit mehreren Ausgängen (Übersprechen).

Bei deinen "blauen Boxen" tippe ich auf Spaun, da sollte alles OK sein.

Die Belegungen der Sat-Positionen findet man auf www.lyngsat.com - das hilft dann auch beim Ermitteln, welches LNB "wohin" schaut. Der Kenner sieht das schon am Abstand der LNBs zueinander. Das lernt man durch Erfahrung und zig aufgebaute Anlagen, weniger durch ein Buch.

Einfach mal eine Schüssel im Garten aufbauen und mit Multifeed Astra1 und Hotbird anfangen. Dann kompliziertere Sachen ausprobieren. So lernt man das -> Praxiserfahrung.

Für den Anfang tut es die Signalstärke/Signalqualitätsanzeige des Receivers, nach dem Auffinden des Satelliten auf maximale Qualität ausrichten.

Terrestrik / Kabel ist übrigens zu Sat "kompatiblel". Man diese Signale mit einem "Combiner" - oder auch Terrestrik-Weiche genannt - mit auf die Sat-Ableitung geben. Die 3-Loch-Dose trennt es dann wieder. Jedere Multiswitch hat deshalb i.d.R. auch einen terrestrischen Eingang.

Wer sich schon mit der Planung von terrestrischen bzw. BK-Anlagen auskennt, der muss wissen, dass ein Multischalter wie ein Abzweiger funktioniert. Das heisst danach folgen Stichdosen (Einzelanschlussdosen, fälschlicherweise oft "Enddosen" genannt). Der Rest ist 1:1 das Selbe (vom DC-Durchlass abgesehen, der prinzipbedingt möglich sein muss)

Zu so Späßen wie teilnehmergesteuerten Einkabelsystemen ("Unicable" / SatSCR) oder statischen Einkabelanlagen kommen wir dann später.

Bei Fragen einfach Fragen einfach fragen!

Wolfgang

von Wolfgang R - am 01.07.2016 12:02
Und um das zu beschreiben braucht man noch nicht mal eine Seite in einem Buch ;-).

von WiehengeBIERge - am 01.07.2016 12:39
Eben. Und die Beschreibung von Wolfgang sieht doch sehr gut aus.

Was Bücher usw. aber dennoch angeht: Wenn es darum geht die Sat.anlage in einem Bereich aufzubauen, wo auch der Blitz einschlagen könnte ist das etwas anders. Dafür sollte man dann schon spezielle Literatur durchlesen, da das Thema schon etwas spezieller ist und ich würde nicht raten das einfach auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber meist kann man die Antenne geschützt aufstellen.

von Jens1978 - am 02.07.2016 11:06
In der Anfangszeit des Sat-TV gab es auch dicke Bücher. Damals musste man sich den LNB und den Receiver nämlich selber bauen. Das zu beschreiben erforderte viele Seiten. Mich hat das, obwohl damals mit einschlägiger Praxis, immer davon abgeschreckt.

von Wasat - am 02.07.2016 15:06
Zitat
Jens1978
Eben. Und die Beschreibung von Wolfgang sieht doch sehr gut aus.

Was Bücher usw. aber dennoch angeht: Wenn es darum geht die Sat.anlage in einem Bereich aufzubauen, wo auch der Blitz einschlagen könnte ist das etwas anders. Dafür sollte man dann schon spezielle Literatur durchlesen, da das Thema schon etwas spezieller ist und ich würde nicht raten das einfach auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber meist kann man die Antenne geschützt aufstellen.


Ja, wenn man es selbst macht. Diejenigen, die beruflich Sat-Anlagen aufstellen, lernen auch das über satte ~ 1-2 Seiten die sich damit beschäftigen in einem Fachbuch ;-).

von WiehengeBIERge - am 02.07.2016 19:25
Ihr dürft nicht vergessen, dass Ihr hier wisst, worum es geht. In der Welt da draußen ist es mit dem Fachwissen zu Sat und DVB-T/T2 oft ganz anders bestellt. Wenn ich alleine daran denke, was mir ein Fachhändler jüngst zum Thema T2 an "Wissen" vermittelt hatte... da graut jeder Sau.

von delfi - am 03.07.2016 15:12
Zitat
delfi
Ihr dürft nicht vergessen, dass Ihr hier wisst, worum es geht. In der Welt da draußen ist es mit dem Fachwissen zu Sat und DVB-T/T2 oft ganz anders bestellt. Wenn ich alleine daran denke, was mir ein Fachhändler jüngst zum Thema T2 an "Wissen" vermittelt hatte... da graut jeder Sau.


Das kann/muss ich leider auch bestätigen. Die Fachhändler hier in der Gegend bauen nur Anlagen für eine einzige Position auf (19,2° Ost). Wenn man "spaßeshalber" 28,2°Ost ins Gespräch bringt, geht der Blick ins Leere. Fragt man nach englischem TV, heißt es "alles verschlüsselt" - nach 12 Jahren FTA!!! Letztes Jahr fragte ich den Inhaber eines TV-Meisterbetriebes nach einer VHF-Antenne für DAB. Antwort: "Häh, ist das da wo früher RTL und SAT1 sendeten?".

Multifeedanlagen werden fast immer von den Leuten selber aufgebaut, z.B. Russlanddeutsche oder technisch interessierte Leute so wie hier im Forum.

Diese Ignoranz gibt es aber schon seit vielen Jahrzehnten. Ende der Siebziger wollte der TV-Techniker einer anderen Firma bei uns eine zusätzliche UHF-Antenne installieren, weil meine Eltern niederländisches Fernsehen wollten. Die zweite UHF-Antenne für Ned. 2 war schnell installiert. Dann aber wurde sich gewundert, warum es nach dem Zusammenschalten mittels eines Splitters (!) nur Geisterbilder gab. Wir mussten dann jahrelang immer umstecken zwischen D und NL2! Von der Existenz einer VHF-Antenne fürs erste niederländische wussten die schon mal gar nicht. Wir bekamen erst 1981 vernünftigen NL-Empfang, als ich mit 14 Jahren alt genug war, das selber zu installieren.

von Zintus - am 05.07.2016 09:40
Zitat
Zintus
... Wenn man "spaßeshalber" 28,2°Ost ins Gespräch bringt, geht der Blick ins Leere. Fragt man nach englischem TV, heißt es "alles verschlüsselt" - nach 12 Jahren FTA!!!

Kommt mir bekannt vor. Ich hatte vor Jahren geplant mir eine Anlage von einem Betrieb in der Nähe aufbauen zu lassen. Angerufen, "Und 28,2? - Ja das geht hier gar nicht mehr". Das Gespräch habe ich dann relativ schnell beendet. Unweit von mir sind alte Britensiedlungen die seinerzeit unebwohnt waren (war kurz nach dem Abzug des Militärs). Die vielen Sat-Antennen dort waren ganz sicher nicht auf 19.2° ausgerichtet. Bis auf die HD-Programme läuft 28,2° seit einem Jahr bei mir störungsfrei, mit 28,2 im Fokus wären die HD-Transponder vmtl. stabiler.

Als Alternative zu Büchern gibt es viele gute Homepages und Blogs die sich mit diesem Thema beschäftigen (viele davon sind extra für Laien geschrieben). satellitenempfang.info ist beispielsweise hilfreich, in fünf Minuten kann ich Dir vmtl. 20 weitere Links präsentieren.

von Staumelder - am 05.07.2016 12:20
Vielen Fachhändlern fehlt da mittlerweile einfach das Fachwissen. Den Fernsehtechniker gibt es als Beruf ja nicht mehr. Viele, die den Beruf mal erlernt haben, sind mittlerweile im Rentenalter, arbeiten nicht mehr im Handel oder sind in andere Branchen abgewandert, wo sie besser verdienen.
Der Rest hat kaum die Zeit, sich mal eine Schüssel auf den Hof zu stellen und andere Sat-Positionen anzupeilen um mal zu sehen was so geht.
Viele Betriebe machen nur nebenbei Antennenbau, und wenn dann Sat aufgebaut wird ist das zu 99% eben 19,2°. Da fehlt dann oft die Erfahrung bei exotischeren Anlagen.

Selbst in Satshops ist da nicht immer Fachwissen vorhanden. Oft werden die von Leuten geführt, die eine kaufmännische oder gar keine Ausbildung in dem Bereich haben. Auch die Monteure von denen sind oft ahnungslose Hilfskräfte.
Ich habe vor 2 Jahren mal eine Anlage von so einer Firma gesehen, Besitzerin war eine junge Polin, die einfach nur deutsche und polnische Programme sehen wollte. Was die Firma da abgeliefert hatte, war katastrophal!
Grund für meine Besuch war, das 13° nicht ging, und zwar noch nie! Der Händler aus der Nachbarstadt lies sich nicht mehr blicken.
Aufgebaut war ein Gigablue-Receiver, obwohl der Fernseher einen eingebauten Receiver hatte, eine total billige 80er Schüssel und ein Twin Monoblock. Und genau an dem sind die Monteure gescheitert, die östlichere Position (19,2°) lag da nämlich auf B, die westlichere (13°) auf A. Also genau umgekehrt als bei der Werksprogrammierung der hier verkauften Receiver. Die Antenne war daher falsch ausgerichtet, und das auch noch schlecht, selbst bei leichtem Regen gab es sofort Aussetzer. Ausgerichtet wurde per Zuruf vom Balkon aufs Dach und mit einem Sat-Finder. Die Fachfirma hatte nichtmal ein brauchbares Messgerät.
Die restliche Ausführung war genau so schlecht. Antennenleitungen einfach vom Flachdach runterhängen lassen, Loch in die Hauswand und durch. Keine Abdichtung, keine Befestigung der Leitung, Stecker bereits von innen nass.
Der Rest auf dem Dach sah allerdings nicht besser aus. Bei einem relativ neuen Mietshaus hätte man auch eine vernünftige Sat-Anlage einplanen können. Stattdessen gab es eine bunte Schüsselsammlung auf einem Teil des Dachs. Diverse Ein- oder 4 Plattenständer und mit Beton ausgegossene alte Autoräder mit angebratenem Mast.

von Marc_RE - am 06.07.2016 10:10
Zitat
Marc_RE
Bei einem relativ neuen Mietshaus hätte man auch eine vernünftige Sat-Anlage einplanen können.


Der Wohnungswirtschaft sind Sat-Anlagen ein Dorn im Auge.

Man lässt sich lieber Kabel ins Haus legen und bekommt eine saftige Provision für die zwangsverkabelten Mieter.

Du wirst kaum ein größeres Mietshaus (trifft im Übrigen auch auf Häuser mit Eigentumswohnungen zu) in der Hand von Wohnungsbaugesellschaften finden, dass eine "vernünftige Sat-Anlage" hat.

Da muss schon der Besitzer in die Richtung affin sein oder es sind Bauherren vom MFH, die sich die monatlichen Kabelgebühren sparen wollen und/oder die Schnauze voll haben von "Plattformstandard" oder sonstigen Gängeleien!

Zitat
Marc_RE
Stattdessen gab es eine bunte Schüsselsammlung auf einem Teil des Dachs. Diverse Ein- oder 4 Plattenständer und mit Beton ausgegossene alte Autoräder mit angebratenem Mast.


Und lass mich raten: Erdung und Potentialausgleich sucht man vergeblich. Freudig wird der Tag, an dem der erste Blitz- oder Überspannungsschaden reguliert werden soll, und der entsprechende Sachbearbeiter dieses Chaos fotografisch an die Zentrale übermittelt...

Wolfgang

von Wolfgang R - am 06.07.2016 10:30
Zitat
Marc_RE
Selbst in Satshops ist da nicht immer Fachwissen vorhanden. Oft werden die von Leuten geführt, die eine kaufmännische oder gar keine Ausbildung in dem Bereich haben. Auch die Monteure von denen sind oft ahnungslose Hilfskräfte.


Nicht immer? Eigentlich herrscht dort nie Kompetenz, zumindest, was den normgerechten Aufbau einer Anlage angeht!


Wenn mir ein Satshop erklären kann, was der Unterschied zwischen einer Enddose, einer Stichdose und einer Durchgangsdose ist, dann ist das schon mal viel wert.

Wenn der Satshop mich dann noch darauf hinweist, dass Antennenmasten bei Dachmontage erdungspflichtig sind, sofern sie sich nicht im Schutzraum einer isolierten Fangeinrichtung befinden, dann ist das schon überdurchschnittlich.

Wenn der Satshop dann noch den passenden Erdungsdraht in 16mm² Vollkupfer führt, ist das eine Seltenheit.

Ich persönlich kenne einen(!) Satshop, der mir diese Antworten aus dem Stehgreif geben könne.

Wenn man weiß, was man braucht und wie man es macht, kann man beim billigsten kaufen. Beratung darf man da aber nicht erwarten.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 06.07.2016 10:35
Moin,

danke für die Zahlreichen Antworten.

Ich versuche, zu sezieren.

Zitat
DH0GHU
[...] witzigerweise der sonst garnicht als seriös verschriene Springer Verlag)[...]


Der Springer Wissenschafts-Verlag hat nichts mit dem BILD&Welt-Springer zu tun sonst würde man im Tietze-Schenk folgende Schlagzeile lesen: "Skandal! Exzitonen rekombinieren in Raumladungszone! - Ferminiveau gesenkt!"

Den Meinke/Gundlach und Zinke/Brunswig sowie Kammeyer, Proakis und Haykin habe ich im Regal stehen und schmökere recht gerne drin, um in alten Erinnerungen zu schwelgen.
Hab gestern mal zum Spaß in meinen Vorlesungsmitschriften in "Microvawe Engineering" geblättert. Da haben wir noch händisch elliptische Integrale gelöst und Hohlleiter-Moden berechnet.
Ich überlege, ob ich mir als nächstes den Jackson-Electrodynamics besorgen soll. Ich interessiere mich auch für nicht-lineare Optik und nicht-klassische Optik/Photonik.

Ich finde einfach, dass das Grundverständnis für HF und Nachrichtentechnik verloren geht. Neulich aufm AFU-Flohmarkt wollte mir ein OM ein dickes Koaxkabel mit Luft-Dielektrikum (wahrscheinlich von ner Mobilfunk BTS gschlachtet) als "Hohlleiter" verkaufen. Da habe ich ihm erst mal gesagt, dass das kein Hohlleiter ist, denn im Hohlleiter können sich keine TEM-Moden ausbreiten, sondern nur E oder H-Moden und man mit einem Koaxkabel auch DC übertragen kann, während ein Hohleiter eine untere Grenzfrequenz hat. Da hat der mich angeguckt wie ein Auto...

Ich suche halt ein Buch, was mit den Basics anfängt, also klassiche HF-Technik: Herleitung der Wellengleichung aus den Feld-DGL, Leitungstheorie, Wellenausbreitung, dann Modulation und Codierung, Netze und Link-Budget und zum Schluss Himmelsmechanik und Bahnberechnung, damit man die Antenne optimal ausrichten kann.
Ich möchte mich eben intensivst mit dem Thema beschäftigen, damit ich auch verstehe, was da im Hintergrund passiert.

von Bruder_M - am 06.07.2016 11:48
Witzig, du hast anscheinend einen ähnlichen Bücherbestand wie ich. Aber in Ordnung, zu deinen Buchwünschen. Zu dem Thema Sat-Technik, also nicht bloß Aufbau usw. sondern eher Link-Budgets, Bahnberechnungen, Nutzlasten etc. kann ich das Buch hier auch empfehlen:
http://eu.wiley.com/WileyCDA/WileyTitle/productCd-0470714581.html

Thema Raumfahrt allgemein das hier, auch in deutsch:
http://www.dlr.de/rb/en/desktopdefault.aspx/tabid-8049/15062_read-37621/
https://www.amazon.de/Handbuch-Raumfahrttechnik-Wilfried-Ley/dp/3446411852

Thema Modulationen usw. ist das hier auch ganz nett (weiß nicht, ob es da nicht mittlerweile auch was neues gibt):
https://www.amazon.de/Analoge-digitale-Modulationsverfahren-Rudolf-M%C3%A4usl/dp/3826650247

Vielleicht hilft dir das weiter, allerdings sind wir meiner Ansicht nach doch ganz wo anders gelandet, als es deine Ausgangsfrage vermuten lässt. Für Otto-Normal Sat-Antennen-Aufbauer sind das Bücher, die dieser nie lesen wird.

von Jens1978 - am 06.07.2016 11:59
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