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Funkamateure bitten Bundespräsidenten um Hilfe

Startbeitrag von uhf am 18.11.2016 16:44

[Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Funkamateure-bitten-Bundespraesidenten-um-Hilfe-3491729.html]

Funkamateure bitten Bundespräsidenten um Hilfe
heise online
18.11.2016 15:55 Uhr Urs Mansmann

Der Runde Tisch Amateurfunk, ein Zusammenschluss verschiedener Amateurfunkorganisationen, hat sich an den Bundespräsidenten gewandt und ihn gebeten, das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) nicht zu unterzeichnen
....



[Edit by Chief : Bitte kein Fullqoute, Urheberrechte beachten.]

Die 50 interessantesten Antworten:

Zitat
Languedoc
Inhaltlich ist das Ganze eine Lobby-Ente, denn im neuen EMVG wird ggü. dem alten EMVG inhaltlich zu dem hier diskutierten Thema Störungsbearbeitung / Funkschutz rein gar nichts geändert (siehe Seite 56: https://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Gesetz/gesetz-ueber-die-elektromagnetische-vertraeglichkeit-von-betriebsmitteln-referentenentwurf,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf)


Eben.
Das bisherige EMVG war in dieser Hinsicht bereits unzureichend, was für mehr als nur einen Funkdienst ein Problem darstellt.

von DH0GHU - am 21.11.2016 14:19
Zitat
Languedoc
Vielleicht kann der Papst noch helfen (mein Gott was nehmen die ihr Hobby wichtig).:rolleyes:


Es zeugt nicht gerade von großem Geschick, in einem Radiohörer- und DXer-Forum solche Kommentare zu schreiben. Wenn für dich dein Hobby (oder warum bist du sonst hier angemeldet?) nicht wichtig ist, hast du ja immer noch das Briefmarkensammeln als Alternative. Wir haben diese Alternative nicht, weil unser Herz nun mal am Empfang bestimmter Signale (und manchmal deren Aussendung) hängt.

Die störungsfreie Funktion von z.B. Netzteilen, Straßenlampen, abgeschirmten Netzwerken und dadurch ungestörte Frequenzen sind für viele Funkdienste wichtig, unter anderem für Funkamateure und Radiohörer.

Zintus, DL7BK

von Zintus - am 21.11.2016 15:18
Es geht generell um den Anspruch auf Abhilfe, wenn der Empfang durch irgendein Gerät gestört wird. Das kann z.B. Powerline sein, ein Plasma-Fernseher, eine Straßenlaterne oder ein nicht entstörtes Steckernetzteil. Manchmal werden Bauteile im Wert eines "Pfennigbruchteils" weggelassen, was dann massive Störsignale zur Folge hat.
Noch kürzer zusammengefasst: bei vielen Herstellern von Elektronik werden heute Entscheidungen nur noch von BWL'ern gefällt, ohne dass ein Techniker/Ingenieur hinzugezogen wird. Das führt zu immer mehr vermeidbaren Störungen im Frequenzspektrum, vor allem der Kurzwelle.

von Zintus - am 21.11.2016 16:14
Es wird aus volkswirtschaftlicher Sicht immer unwirtschaftlicher große Summen in die Entstörung von Frequenzbändern zu stecken, die keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr als Rundfunkbänder haben (sehr wohl aber noch z.B. als Schmalband Powerline Kanäle), da sie technisch überholt sind und hinsichtlich ihrer Bandbreite mickrig sind im Vergleich zu dem was man z.B. im GHz Bereich erschließen kann.

Man kann froh sein, wenn der heutige digitale Rundfunk und TV (DAB+ DVB-T2) noch längerfristig erhalten bleibt.

Und ganz erhlich Herrn Gauck traue ich da schon gar kein Urteil zu, der hätte bei den Stasiunterlagen bleiben sollen. Außerdem tut und sagt der doch eh nur was die große Vorsitzende vorgibt. Not my president!

von raeuberhotzenplotz1 - am 22.11.2016 07:16
In allererster Linie geht es darum, dass die EU-Richtlinie zur elektromagnetischen Verträglichkeit nicht 100% korrekt in deutsches Recht umgesetzt wird. Die nicht korrekte oder häufig auch verspätete Umsetzung von EU-Richtlinien ist übrigens auch für die Industrie ein großes Ärgernis. Das betrifft nicht nur EMV, sondern z.B. auch die für Funk genauso wichtige RED.

Der Kommentar zum volkswirtschaftlichen Nutzen ist kompletter Blödsinn. Es ist volkswirtschaftlich hirnrissig, große Teile des Spektrums für Funkanwendungen ungenutzt zu lassen. Das auch noch mit der Möglichkeit der PLC-Nutzung zu begründen ist einfach nur dumm. Es gibt genug kommerzielle und öffentliche Anwendungen auch unterhalb 30 MHz. Außerdem gibt es auch keine "volkswirtschaftliche Notwendigkeit" für PLC.

Die Nichteinhaltung von EMV-Vorschriften bevorteilt übrigens auch nur Firmen, die auf "billig" statt auf Qualität setzen. Das kann volkswirtschaftlich auch nicht gewünscht sein.

von DH0GHU - am 22.11.2016 07:22
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Es wird aus volkswirtschaftlicher Sicht immer unwirtschaftlicher große Summen in die Entstörung von Frequenzbändern zu stecken, die keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr als Rundfunkbänder haben (sehr wohl aber noch z.B. als Schmalband Powerline Kanäle), da sie technisch überholt sind und hinsichtlich ihrer Bandbreite mickrig sind im Vergleich zu dem was man z.B. im GHz Bereich erschließen kann.

Aus "volks"wirtschaftlicher Sicht ... soso. Wieso wird dann eine weltweite Ressource aller Völker durch lokale Signale einiger Weniger verschwendet? Die Frequenzen unter 30 MHz sind die einzigen Frequenzen, welche eine weltweite Kommunikation, welcher Art auch immer, ohne dritte Anbieter ermöglichen. Und das schon mit sehr geringen Leistungen. Wenn überall Powerline und dergleichen in Betrieb sind, werden diese (Summen-)signale ebenfalls weltweit verteilt, auch resultierend durch die hohen sinnlosen Bandbreiten. Demnach steigt auch der Störpegel weltweit immer weiter an, demnach müssen dann die Leistungen erhöht werden ... Ein schöner Kreislauf.
Die schreibst etwas von Volkswirtschaft, obwohl du nur die Betriebswirtschaft einiger weniger Nutznießer (Betriebe) meinst. Bewusst?

Zitat
raeuberhotzenplotz1
[...]da sie technisch überholt sind und hinsichtlich ihrer Bandbreite mickrig sind im Vergleich zu dem was man z.B. im GHz Bereich erschließen kann.[...]

Ah ja ..
Wer braucht hohe Bandbreite? Powerline.
Wer braucht geringe Bandbreite? Die heutigen Nutzer der

von Jens1978 - am 22.11.2016 07:43
Die schlechte Entstoerung von immer mehr Consumer Electronic hat z.B. schon dazu gefuehrt, dass bei DAB+ die fuer In Door und mobilen Empfang erforderlichen Mindestpegel innerhalb der letzten Jahre nach oben korrigiert wurden. Mit dem Effekt, dass das Netz unnoetig teurer ist da eben mit mehr Leistung und von mehr Sendestandorten gesendet werden muss. Die Kosteneinsparungen chinesischer Grossproduzenten fuehren somit zu zusaeztlichen Kosten hier in Deutschland.

Frage an die Experten, hat sich an den zulaessigen Stoerpegeln in den letzten 30 Jahren etwas geaendert oder ist es nur so, dass es inzwischen durch den technischen Fortschritt einfach mehr Stoerer gibt und deren Summe es einem so erscheinen laesst, als wuerden gesetzliche Vorgaben geaendert bzw. nicht mehr eingehalten?

von Nordlicht2 - am 22.11.2016 10:40
PLC wird hier ja nicht explizit genannt. Das ist noch eine sinnvolle Nutzung die ich mir vorstellen kann für diesen Bereich. Rundfunk auf AM hört praktisch niemand mehr in Deutschland. Und für die Kommunikation gibt es eben auch andere Möglichkeiten, wozu KW Sprechfunk, wenn ich das auch per What's App machen kann? Für den ganzen Störteppich ist ja alles mögliche verantwortlich, ich arbeite auf diesem Gebiet. Wenn man die tiefen Frequenzen ruhig halten will im Sinne von MW und KW soll auch noch Fernempfang mit ZSB-AM gehen, das ist das richig teuer! Geld wird nur noch für das UKW Band und darüber ausgegeben (zumindest im Automobilbau). Und auch da hat man alle Hände voll zu tun, um hier noch guten Empfang zu gewährleisten...

Wenn von einem Produkt mal Millionen hergestellt werden, dann tut jeder extra Kondensator für 5ct. weh! Und jede extra EMV-Meßsession mit einem Gerät für 15.000€ in einem Labor tut auch weh!

Und die Zukunft bringt nur eins: noch mehr Elektronik, Industrie 4.0 läßt grüßen :rolleyes:

von raeuberhotzenplotz1 - am 22.11.2016 12:17
Zitat:
Und für die Kommunikation gibt es eben auch andere Möglichkeiten, wozu KW Sprechfunk, wenn ich das auch per What's App machen kann?

Ganz einfach: Ein Funkgerät kannst Du auch über Batterien/Akkus betreiben. Außerdem ist zwischen Sender und Empfänger niemand dazwischen, der die Übermittlung der Nachricht unterbinden kann.

Immer wieder hörte man, dass soziale Netzwerke zu bestimmten Anlässen in verschiedenen Ländern immer wieder mal abgeschaltet wurden. Oder was machst Du, wenn im Katastrophenfall Handynetze und Co ausgefallen sind? Etwa, weil die Basisstation abgesoffen ist oder weil das Netz hoffnungslos überlastet ist?

von delfi - am 22.11.2016 12:26
Zitat
delfi
Zitat:
Immer wieder hörte man, dass soziale Netzwerke zu bestimmten Anlässen in verschiedenen Ländern immer wieder mal abgeschaltet wurden. Oder was machst Du, wenn im Katastrophenfall Handynetze und Co ausgefallen sind? Etwa, weil die Basisstation abgesoffen ist oder weil das Netz hoffnungslos überlastet ist?


Ja ganz richtig. Das ist ja auch bei uns der Fall (Herr Maas würde z.B. gerne bestimmen wer sich wie zu was äußern darf und was gelöscht wird). Aber hier wurde ja der Bundespräsident gebenten ein Gesetz nicht zu unterzeichnen. Ich glaube da ist man mit so einer Argumentation an der falschen Adresse...

Meine Darstellung ist hier ganz einfach die realitätsnahe Sicht, so wird es kommen, weil so die die Interessenlage der Mehrheit ist. Die Bevölkerung interessiert sich für What's App nicht für KW Sprechfunk. Und sie will möglichst wenig für immer tollere Produkte zahlen...

von raeuberhotzenplotz1 - am 22.11.2016 12:32
Sollte sich das induktive Laden von Elektrofahrzeugen weiter verbreiten dann gibt es auch schöne Antennen....aktuell hat man 85kHz als Lade-Frequenz auserkoren, ich denke aber dass mit weiteren Wirkungsgradsteigerungen und noch kürzeren Ladezeiten, diese sicher weiter nach oben verschoben wird....


- http://www.justpark.de/news/qualcomm-tueftelt-prototyp-fuer-fussgaenger-und-fahrzeugerkennung-kabelloses-laden-mit-85-khz

- http://articles.sae.org/12647/

- https://www.welt.de/motor/article156366653/So-tanken-Elektroautos-Strom-ohne-Kabel.html

von Seegi - am 22.11.2016 14:26
... ja und auf den kabelgebundenen Ladeleitungen ist heute schon überall Powerline Kommunikation drauf. Von der Ladesäule zum Auto. AUf Wunsch auch vom Privathaus zum Auto.

Stichwort ISO 15118-3:2015 "Road vehicles -- Vehicle to grid communication interface -- Part 3: Physical and data link layer requirements" -> das ist übrigens nichts anderes als ein abgewandeltes HomePlug AV in Deutschland bekannt als Devolo DLAN bekannt. :cheers:

Ist doch klar wo die Regierung Prioritäten setzt!

von raeuberhotzenplotz1 - am 22.11.2016 15:17
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Wenn von einem Produkt mal Millionen hergestellt werden, dann tut jeder extra Kondensator für 5ct. weh! Und jede extra EMV-Meßsession mit einem Gerät für 15.000€ in einem Labor tut auch weh!

Wenn ich sowas hier lese, kann ich nur den Kopf schütteln. Nicht jedes Gerät wird getestet, sondern nur eines der Gruppe. Selbst schreibst du von Millionen Geräten. Gehen wir mal von einer Million aus: 15.000 € / 1.000.000 = 0,015€ pro Gerät. Also 1,5 Cent. Und auch die 5 Ct. für Kondensatoren ... Kannst du mir bitte mal die Gewinnmarge bzw. die Cross-Margin für ein Produkt nennen? Ist der Gewinn lediglich 6,5 Cent? Wie groß ist der prozentuale Anteil der 6,5 Cent am Gesamtgewinn pro Produkt. Das wäre die Zahl, welche überhaupt die ganze Argumentation begründen würde. Ein Produkt, wo 6,5 Cent am Gewinn das ganze Produkt nicht gewinnträchtig machen, da sollte man mal schleunigst über das Unternehmen nachdenken, ob der Wasserkopf nicht zu groß oder das ganze Produkt einfach nicht für die Marktwirtschaft konform ist. Mir ist wohl bewusst, dass im Automotive-Bereich so gerechnet wird. Dennoch wissen wir auch, was genau in diesem Bereich los ist ... Die gleiche Diskussion kannst du auch mit Löhnen und Gehältern machen. [Sarkasmus an] Es ist ja ein Unding, dass die Mitarbeiter einen angemessenen Lohn verlangen, der Gewinn reicht so einfach nicht für die Bedürfnisse des Unternehmensinhabers. Das geht so nicht![Sarkasmus aus] Das ganze nennt sich Marktwirtschaft, ich denke die liegt dir so am Herzen: Wenn die Produkte keinen Gewinn abwerfen, dann sind sie nicht wirtschaftlich. Das gleiche gilt für Unternehmen.

Zitat
raeuberhotzenplotz1
Meine Darstellung ist hier ganz einfach die realitätsnahe Sicht, so wird es kommen, weil so die die Interessenlage der Mehrheit ist.
Das wird wohl so sein. Nur die Interessenlage der Mehrheit ist eben kein guter Grund. Weswegen wird denn zum Beispiel der Bundespräsident nicht vom Volk, also der Mehrheit gewählt? Eben. Und die Mehrheit ist bestimmt auch dafür, dass man den Müll einfach so in den Mülleimer werfen kann und rote Ampeln gehört sowieso abgeschafft. Und 30km/h vor Schulen und Kindergärten? Also 70km/h tun's doch auch. So ist das eben mit den "Mehrheiten" ... Die Mehrheit kennt eben nicht die Hintergründe und Physik, das ist einfach so. Denkst du etwa nur die Hälfte weiß, wie ein Handy, Smartphone usw. tatsächlich funktioniert? Aber in einem gebe ich dir Recht, es wird so kommen. Nur nicht wegen der Mehrheit: Wegen der Lobby der Industrie, die dann die gleiche, in meinen Augen sinnfreie Argumentation wie deine vorträgt und der Mehrheit einen vom Pferd erzählt.

Zitat
raeuberhotzenplotz1
Ist doch klar wo die Regierung Prioritäten setzt!
Jepp, wo die größte Lobby dahinter ist. Was soll ich sagen, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Und das schon langsam tiefe Risse in den Krügen sind, ist ja wohl zu merken.

von Jens1978 - am 22.11.2016 18:18
Zitat
Jens1978
... Kannst du mir bitte mal die Gewinnmarge bzw. die Cross-Margin für ein Produkt nennen? Ist der Gewinn lediglich 6,5 Cent? Wie groß ist der prozentuale Anteil der 6,5 Cent am Gesamtgewinn pro Produkt. Das wäre die Zahl, welche überhaupt die ganze Argumentation begründen würde. Ein Produkt, wo 6,5 Cent am Gewinn das ganze Produkt nicht gewinnträchtig machen, da sollte man mal schleunigst über das Unternehmen nachdenken, ob der Wasserkopf nicht zu groß oder das ganze Produkt einfach nicht für die Marktwirtschaft konform ist. Mir ist wohl bewusst, dass im Automotive-Bereich so gerechnet wird. Dennoch wissen wir auch, was genau in diesem Bereich los ist ... .


Ich wundere mich immer wieder was für seltsame Einstellungen oder Vorstellungen viele zu banalem betriebswirtschaftlichem Handeln haben. Sorry...

Das oben war ein Beispiel. Unsere Produkte (ich meine jetzt die dt. Industrie) sind komplex. Nehme mal ein Auto, da sind bis zu 100 Steuergeräte drin. Nimm mal an jeder Verantwortliche für das jeweilige Gerät will 5ct extra für EMV! Und jeder der für irgendein Teil am Motor verantwortlich ist will 5ct für besseres Vibrationsverhalten. Und jeder der für irgendwas an der Karosserie zuständig ist 5ct für besseren Korrosionsschutz usw. usf. Merkst Du was?

von raeuberhotzenplotz1 - am 23.11.2016 20:40
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Das oben war ein Beispiel. Unsere Produkte (ich meine jetzt die dt. Industrie) sind komplex. Nehme mal ein Auto, da sind bis zu 100 Steuergeräte drin. Nimm mal an jeder Verantwortliche für das jeweilige Gerät will 5ct extra für EMV! Und jeder der für irgendein Teil am Motor verantwortlich ist will 5ct für besseres Vibrationsverhalten. Und jeder der für irgendwas an der Karosserie zuständig ist 5ct für besseren Korrosionsschutz usw. usf. Merkst Du was?


Ich hoffe nur, dass Du nicht für einen relevanten Teil der deutschen Industrie sprichst, denn dann: Gute Nacht, Deutschland.

Mal abgesehen davon, dass die Automotive-EMV-Standards schon so streng sind, dass sie aus Funkschutzsicht kein Problem außerhalb des KFZ darstellen: 5 Cent mal 100 sind auch gerade mal 5 €. Also 0,02% des Basisspreises eines Kompaktwagens der Mittelklasse.

Außerdem schützt die Durchsetzung von Standards außerdem seriöse Anbieter vor dem ruinösen Wettbewerb mit skrupellosen Dumping-Herstellern, die durch bewußtes Unterlaufen von Standards Marktvorteile rauszuholen versuchen.

Es geht bei dem aktuellen Vorgang ja nicht um die Grenzwerte in EMV-Standards, sondern ausschließlich um deren Durchsetzung (bzw. die Verfolgung von Gesetzesverstößen). Das bedeutet für die deutsche Industrie keine Kostensteigerung.

Im Gegenteil: Wenn ich sehe, wie viel Ärger wir mit unseren Produkten (im professionellen HF-Bereich) mit EMV-Störungen durch Dritthersteller (z.B. auch am Installationsort beim Kunden) haben, hätten wir schon sehr sehr viel Geld sparen können, wenn weniger -sorry- Scheiße auf dem Markt wäre - und auch dann, wenn die Standards ansich deutlich strenger wären.

Firmen im Massenmarkt leiden massiv unter der Billigkonkurrenz, die mal eben eine Gleichtaktdrosse für 1 € einspart, deshalb im Endverkauf 3 € weniger verlangen kann, und sich somit Marktvorteile ergaunert.

Man muss es ganz klar sagen:
Das aktuelle EMV-Recht (auch bisher schon) bevorzugt Betrüger, da diese in der Praxis kaum Folgen zu fürchten haben. Es schädigt seriöse Hersteller und versucht mit viel (v.a. für Kleinserienproduzenten unzumutbar teure) Bürokratie das zu flicken, was durch mangelhafte Durchsetzung von Standards kaputt gemacht wird.
Was Du verlangst, raeuberhotzenplotz1, ist der Schutz der Betrüger.

.. und Deinen Korrosionsschutz-Kommentar hättest Du Dir besser gepart. Für ein Auto, das dann 30% länger hält, zahle ich auch gerne einen Aufpreis von 5%.

Marc_RE hat in seiner Darstellung absolut recht.

von DH0GHU - am 24.11.2016 07:46
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Ich wundere mich immer wieder was für seltsame Einstellungen oder Vorstellungen viele zu banalem betriebswirtschaftlichem Handeln haben. Sorry...

Das oben war ein Beispiel. Unsere Produkte (ich meine jetzt die dt. Industrie) sind komplex. Nehme mal ein Auto, da sind bis zu 100 Steuergeräte drin. Nimm mal an jeder Verantwortliche für das jeweilige Gerät will 5ct extra für EMV! Und jeder der für irgendein Teil am Motor verantwortlich ist will 5ct für besseres Vibrationsverhalten. Und jeder der für irgendwas an der Karosserie zuständig ist 5ct für besseren Korrosionsschutz usw. usf. Merkst Du was?

Ja, ich merke das die von dir angesprochenen Produkte die Vorgaben einer Verträglichkeit mit der Umwelt nicht erfüllen. Demnach sind sie nicht wirtschaftlich realisierbar. Du kannst doch nicht verlangen, dass sich das Umfeld ändert, wenn du nicht in der Lage bist verträgliche Produkte zu entwickeln und herzustellen. Das ist der pure Egoismus. Und komischerweise schreibst du jetzt wieder etwas von Betriebswirtschaft. Ja was denn jetzt? Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft? Hier wäre nämlich Volkswirtschaftlich durchaus angebracht, denn die Ergebnisse dieses Pfusches, denn auf sowas laufen deine Ansichten raus, zeigen sich in der Volkswirtschaft. Dem Betrieb geht es, bis er in Regress genommen und dann ganz schnell dicht gemacht wird und lediglich mit geringen Summer haften kann, nämlich bis dahin recht gut. Der Volkswirtschaft wurde aber duch das Inverkehrbringen dieser mangelhaften Produkte grob geschadet. Hier zeigt sich das typische Verhalten, die Kosten und Nachteile der eigenen Produkte und Entwicklungen auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Bewusst so dargestellt?

Und was die Kosten der Verträglichkeitsentwicklung an sich angeht: Meist ist es sogar so, dass eine andere, neue Entwicklung, welche auch verträglich ist sogar Kosten einsparen kann und besser ist. Aber das kostet Geld im Know-How und Wissen sprich Personal. Aber auch diese Kosten möchte die Industrie ja einsparen. Oder warum hinkt die deutsche Industrie beim Elektroauto so hinterher? Ist es nicht eher so, dass man die Cash-Cow z.B. Otto- und Diesel-Motor so lange wir möglich melken wollte ohne Investitionen durchzuführen? Dafür hat man doch gerne mal die Lobby spielen lassen. Aber die Probleme sieht man vor allem im Automotive-Bereich gerade jetzt. Nur BWLer machen eben keinen Staat bzw. Betrieb, das sollte man verstehen können, auch wenn das die BWLer Zunft gerne anders sieht.

von Jens1978 - am 24.11.2016 08:13
Zitat
Languedoc
Vielleicht kann der Papst noch helfen (mein Gott was nehmen die ihr Hobby wichtig).:rolleyes:


Ja, nehmen sie. Müssen auch für ihr Hobby recht viel Geld an die BNetzA bezahlen. Dies Problem geht leider aber auch Normal Bürger an, wie auch Radio Fans hier im Forum.
Habt ihr ein Kabel TV Netz dann könnt ihr auch schon bald euer Leid haben. Das analoge Radio im Kabelnetz soll 2017 abgeschaltet werden und durch DOCSIS ersetzt werden. Steht für schnelles Internet.

Geplante Sende Frequenz: 5-204 Mhz !

https://www.teltarif.de/kabel-netz-radio-ukw-frequenzen-docsis-zukunft/news/63231.html


Bei Kabel Lecks wird dann auch der analoge UKW Rundfunk gestört wie der DAB+ Empfang.

Ruft ihr die BNetzA an kann die sich raus reden mit " Unverhältnismäßig hoher Aufwand. Tut uns Leid.Tschüß".

Diie BNnetzA würde euch dann vermutlich empfehlen auf DVB-C umzusteigen und Radiosender darüber zu empfangen. Eure teuren UKW und DAB+ Radios werden dann Staub ansetzen...

von DO1HBK - am 24.11.2016 12:27
Ich nutze AM noch gelegentlich als Ergänzung, greife oft schon auf WEBsdr zurück. Mit echten Radio-DXern kann ich mich nicht vergleichen.
Die diskutierten Störungen und Störquellen sehe ich aber auch sehr kritisch.
Es ist mir klar, dass ich da zu einer Minderheit gehöre.
Warum soll ich mich aber einer (Einschaltquoten-)Mehrheit beugen, die solchen Schwachsinn wie diese "Morning Shows" bei den Dudelradios hört?
Es geht auch darum, totale Verblödung zu vermeiden.

Zu DVB-C sage ich nur: Nein danke.

Und dem Bundespräsidenten wünsche ich nach seinem Schwächeanfall in Jena gute Genesung und einen erfolgreichen Abtritt 2017. Es ist mir nicht bekannt, dass er sich jemals wesentlich für Belange von Bürgern eingesetzt hat.

von hetietz - am 24.11.2016 13:32
Zitat
DH0GHU

Ich hoffe nur, dass Du nicht für einen relevanten Teil der deutschen Industrie sprichst, denn dann: Gute Nacht, Deutschland.


Sorry ja ich arbeite in einem sehr relevanten Teil der deutschen Industrie und sogar noch in einem Teil der für die Qualität von Elektronikkomponenten zuständigt ist. Wenn wir überall wo es aus Bastlersicht sinnvoll erscheinen mag noch ein paar Euros verbauen würden, dann wären wir bald weg vom Markt. Was einzelne Maßnahmen brutto kosten schlagen als vielfacher Betrag beim Kund auf.

Optimiert wird da wo es notwendig ist. Und da wird viel mehr investiert als bei der Konkurrenz, daß weiß ich ganz genau! Aber eben da wo es Sinn macht und wo die Masse von Kunden etwas von hat. Aber ganz bestimmt wird nichts investiert, um z.B. ein totes AM-Band zu schützen.

Sinnlos verbautes Material geht ganz einfach zu Lasten von Arbeitsplätzen!

P.S. mir persönlich hat AM-Empfang auch Spaß gemacht und wenn es nichts kosten würde fände ich es auch noch lustig, wenn z.B. noch ein LW-Sender in Betrieb wäre und mein VE310 noch etwas zu empfangen hätte usw. Aber die Realität ist eben eine andere, das muß man zu Kenntnis nehmen. Abch wenn es persönlichen Hobbies zu wieder läuft...

von raeuberhotzenplotz1 - am 25.11.2016 07:30
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Sinnlos verbautes Material geht ganz einfach zu Lasten von Arbeitsplätzen!


Oh ja, die Arbeitsplätze, das Totschlagargument #1 - zieht bei der Politik immer.
Sicher, wenn sich die Produktion z.B. eines 15.000,- € Autos aufgrund besser entstörter Komponenten um vielleicht 10,- € verteuert dann gefährdet das massiv Arbeitsplätze, denn die Preissteigerung von 0,066 % kann schließlich kein Kunde mehr bezahlen.

Genau so dachten wohl auch die Manager von VW als sie der Meinung waren eine funktionierende Abgasreinigung wäre nur sinnlos verbautes Material. Dumm nur daß genau diese Entscheidung nun 30.000 Mitarbeitern den Arbeitsplatz kostet - 23.000 davon in Deutschland.

von Loger - am 25.11.2016 08:53
Ich habe in irgendeinem US-Forum gelesen, dass dort jetzt VW Rückläufer - wahrscheinlich die, welche von VW zurückgekauft wurden - stark verbilligt wieder verkauft werden und man da zum Schnäppchenpreis zu einem VW kommt.
Ob das auch stimmt weiß ich natürlich nicht; wenn ja, dann ist das eine doppelte Frechheit: VW kriecht den Amis in den A...., gibt großzügigste "Entschädigung" und hier werden die Leute rausgeschmissen aus Einsparungsgründen und die Käufer noch verar... dazu.

von martin2 - am 25.11.2016 09:45
Zitat
Loger
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Sinnlos verbautes Material geht ganz einfach zu Lasten von Arbeitsplätzen!

Oh ja, die Arbeitsplätze, das Totschlagargument #1 - zieht bei der Politik immer.


Nein, das ist nich aus Sicht des Staates gedacht, sondern aus Sicht des Unternehmens. Wenn ich z.B. pro jahr 1 Mio. Euro in sinnlose EMV Maßnahmen verbaue könnte ich anstatt dieses Geldes auch ca. 4 Vollzeitingenieure einstellen (ein Ingenieur kostet mit allen Umlagen usw. ca. 200k€), die etwas Innovatives entwickeln. Darum geht es.

Sinnlos verbautes Material ist ein Investment in die Vergangenheit, Ingenieure die etwas neues schaffen sind die Zukunft...

P.S. ich bin nicht bei VW, fall das jetzt gedacht wird :rolleyes:

von raeuberhotzenplotz1 - am 25.11.2016 13:50
Nein, Nein und nochmal Nein, raeuberhotzenplotz1. Du scheinst beruflich mit EMV-Normen nicht so viel zu tun zu haben, wie Du vorgibst. Denn Du widersprichst Dir selbst.

Es geht nicht um den Verbau sinnloser EMV-Maßnahmen, nicht um "Bastelei über das notwendige Maß hinaus", sondern einzig um allein um die Einhaltung von bestehenden EMV-Normen - also um die Einhaltung von Gesetzen. Beziehungsweise bei dem, was der DARC will, um die Behebung von Störfällen, wenn Gesetze nicht eingehalten wurden.

Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass Dein Arbeitgeber sehr wohl Normen einhält - und vielleicht noch mehr, was dann ja auch schon mehr als OK ist. Du scheinst damit aber wenig zu tun zu haben, sonst würdest Du nicht so Zeugs schreiben :-)



Nochmal allgemein zur Erklärung:

Die EMV-Richtlinie schreibt vor, dass Geräte, die in der EU in Verkehr gebracht werden, bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ein bestimmtes Maß an aktiver und passiver Störfestigkeit aufweisen, d.h. weder ihr normales Betriebsumfeld stören noch von diesem gestört werden.

Basierend auf der EMV-Richtlinie der EU (und analog dazu weiterer Richtlinie) gibt es für die Inverkehrbringung von Produkten auf dem harmonisierten Markt der EU eine Reihe von Normen, die JEDER Hersteller anwenden kann, um die Konformität nachzuweisen (es gibt auch noch weitere Methoden, speziell für den Fall, dass keine Normen direkt anwendbar sind - läuft aufs Gleiche hinaus).

Gleichzeitig wurde (zumindest bisher) in Normen anerkannt, dass es Fälle gibt, in denen das definierte Störfestigkeitsmaß nicht ausreicht, und eine fallweise Erhöhung der Störfestigkeit notwendig sein kann.

Die Aufgabe der BNetzA (aus Sicht der EU-RL und aus Sicht des DARC) ist nun ausschließlich, darüber zu wachen, dass die Richtlinien und Normen eingehalten und bei Nichteinhaltung durchgesetzt werden.
Es geht hier NICHT darum, sinnloses Material zu verbauen. Es geht schlicht um die Einhaltung allgemein anerkannter Standards der Technik.

Die BNetzA kann freilich dann, wenn das Umfeld ein höheres Störfestigkeitsmaß erfordert, als konforme Geräte haben, durchaus weitere Maßnahmen ergreifen. Im Zweifelsfall also z.B. dem Besitzer eines gestörten Fernsehers vorschlagen, ein Netzfilter zu verwenden... Aber auch darum gehts noch nichtmal.

von DH0GHU - am 25.11.2016 14:54
Zitat
DH0GHU
Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass Dein Arbeitgeber sehr wohl Normen einhält - und vielleicht noch mehr, was dann ja auch schon mehr als OK ist. Du scheinst damit aber wenig zu tun zu haben, sonst würdest Du nicht so Zeugs schreiben :-) .


Da muß ich Dich enttäuschen, ich sitze sogar in mehreren ISO und IEC Arbeitskreisen drin ;)

Fakt ist aber, daß wir mir den gesetzlichen Grenzwerten gar nicht viel zu tun haben, da wir diese teilweise um eine Zehnerpotenz unterbieten. Viele Grenzwerte hat sich die Branche selbst gesetzt, das interessiert den Gesetzgeber gar nicht. Meistens stören wir uns nur selbst :D Der einzige Fall wo uns gesetzliche Grenzwerte weh getan haben ist der von mir erwähnte Fall der Ladekommunikation (und an diem Kram habe ich selbst mitgemessen). Und das hat man schließlich gelöst durch Notching und Absenkung der Pegel usw.

Ansonsten habe ich unsere Arbeitsweise und Denkweise versucht auf die Allgemeinheit zu übertragen und versucht zu erklären warum manche Entscheidungen so getroffen werden, aber das wird von vielen hier nicht verstanden.

von raeuberhotzenplotz1 - am 25.11.2016 16:57
Zitat
DJ Taifun
Zitat: Welches vom Parlament bereits verabschiedete Gesetz wurde bisher vom Bundespräsident nicht unterzeichnet?
Wenn ich mich nicht irre hat Horst Köhler etwas nicht unterschrieben:gruebel: Schade das er damals das "Handtuch" geworfen hatte.

Hier ist zu lesen, daß dies bei Köhler gleich 2x der Fall war: Flugsicherung und Lissabon-Vertrag, beides wegen vermuteter Grundgesetzwidrigkeit.
Was ich damit meinte: Man sollte nicht darauf bauen, daß der Präsident hier einschreitet, die Wahrscheinlichkeit schätze ich als sehr gering ein.

von Thomas (Metal) - am 26.11.2016 12:51
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Ansonsten habe ich unsere Arbeitsweise und Denkweise versucht auf die Allgemeinheit zu übertragen und versucht zu erklären warum manche Entscheidungen so getroffen werden, aber das wird von vielen hier nicht verstanden.

Woher nimmst du bloß deine "Weisheit"? Wenn man deiner Meinung nicht zustimmt oder diese Zustände als nicht erstrebenswert erachtet heißt das bei dir also, man versteht deine Meinung nicht. Ah ja, ein sehr interessanter Ansatz. Wie gesagt, dies zeugt von einer sehr fragwürdigen Denkweise (="meine Meinung ist die beste und müssen alle für gut befinden, andernfalls sind sie dumm").

Zitat
raeuberhotzenplotz1
Nein, das ist nich aus Sicht des Staates gedacht, sondern aus Sicht des Unternehmens. Wenn ich z.B. pro jahr 1 Mio. Euro in sinnlose EMV Maßnahmen verbaue könnte ich anstatt dieses Geldes auch ca. 4 Vollzeitingenieure einstellen (ein Ingenieur kostet mit allen Umlagen usw. ca. 200k€), die etwas Innovatives entwickeln. Darum geht es.

Mit genau dem gleichen Kram werden auch dauernd sämtliche Sozialabgaben, Löhne und alles mögliche als nicht tragbar bezeichnet. Etwas eintönige Begründungen immer wieder. Und wieso nicht aus Sicht der Staates? Das ist doch einfach falsch, denn die Industrie jammert doch permanent beim Staat wie ein quängeliges Kind rum, so dass dieser die Grenzwerte nach den Wünschen der Industrie anpasst.

Zitat
Thomas (Metal)
Was ich damit meinte: Man sollte nicht darauf bauen, daß der Präsident hier einschreitet, die Wahrscheinlichkeit schätze ich als sehr gering ein.

Das denke ich auch. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er bei diesem Thema nix machen.

von Jens1978 - am 26.11.2016 16:30
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Sinnlos verbautes Material ist ein Investment in die Vergangenheit, Ingenieure die etwas neues schaffen sind die Zukunft...


Das sehe ich anders. Wenn die Einhaltung der Vorschriften und Normen nicht mehr überwacht wird bzw. wenn ein Verstoß dagegen ohne Folgen bleibt (weil es niemanden mehr interessiert) dann wird das langfristig dazu führen daß die Hersteller die Vorschriften und Normen irgendwann einmal eben nicht mehr einhalten - wozu auch.

Man stelle sich z.B. einmal einen Mannschaftssport vor, z.B. Fußball, bei welchen es zwar Regeln gibt, aber keinen Schiedsrichter mehr. Ich kann mir lebhaft vorstellen wie die Partien dann in Zukunft ausgehen würden, man würde anschließend wohl die Hälfte der Spieler verletzt vom Platz räumen dürfen...
Oder was passieren würde wenn z.B. Verstöße im Straßenverkehr (rote Ampel, Geschwindigkeitsüberschreitung) nicht mehr überwacht und geahndet würden - die Anzahl der Verkehrstoten würde wohl rapide ansteigen.

Wenn die Hersteller auf "unnötige Qualität" verzichten würde das zwar zwar kurzfristig den Gewinn minimalst steigern (siehe z.B. mein Beispiel mit dem Auto), langfristig gesehen wären die Auswirkungen auf das Geschäft aber sicher negativ. Gerade in Zeiten des Internets, diversen Foren, Bewertungs-Portelen, etc... kann sich kein Hersteller mehr "schlechte Presse" erlauben.
Man darf nämlich eins nicht vergessen: Mangelhaft entstörte Geräte (Plastikgehäuse statt Metall, fehlende Abschirmung, fehlende Abblockmaßnahmen...) produzieren nicht nur Störungen z.B. bei benachbarten Rundfunkgeräten, sie sind auch selbst anfälliger gegen Störungen von Außen. Als Beispiel sei nur mal die Thematik "Sat-Empfang und DECT-Telefon" genannt.
Der miese China-TV welcher dem benachbarten Funkamateur das Kurzwellenband zumüllt reagiert sicher auch empfindlich auf die Aussendungen desselben Funkamateurs.
Und in einem Auto, in welchem die oben erwähnten über 100 Steuergeräte aufgrund massiver Störstrahlung den Mittelwellen-Empfang unmöglich machen, in solch einem Auto möchte ich nicht bei Tempo 140 auf der Autobahn am Steuer sitzen während mein Handy in der Hosentasche aufgrund eines eingehenden Anrufs klingelt... nein danke.

Mangelnde Störfestigkeit bei Fahrzeugen war übrigens tatsächlich mal ein Problem. Ich kann mich noch an Berichte erinnern als damals die ersten elektronischen Motor-Steuergeräte in PKWs verbaut wurden. Davon sind einige während der Vorbeifahrt an der Sendeanlage Wertachtal liegen geblieben - damals liefen da noch mehrere Sender mit jeweils 500KW Leistung.

Noch ein anderes Beispiel:
Vor einigen Jahren wurden EU-Weit die Vorschriften, was die Verwendung und Lagerung von Chemikalien betrifft, drastisch verschärft. Seit dieser Zeit müssen alle Chemikalien, welche irgendwo gelagert oder in Prozessen verwendet werden, ausführlichst dokumentiert werden. Die Hersteller müssen seitdem nachweisen können welche Gefahren von den verwendeten Stoffen ausgehen, z.B. für Personen oder für die Umwelt - was natürlich ganz massive Auswirkungen hatte.
Jahrelang mussten deshalb alle Prozesse genauestens durchleuchtet werden, welche Auswirkungen haben die verwendeten Stoffe, gibt es Alternativen, etc... Das war ein Riesenaufwand welcher ziemlich viel Geld gekostet hat und bei manchem Beteiligten Stirnrunzeln und Kopfschütteln ausgelöst hat - "Wer soll das bezahlen???"
Heute geht es der Chemischen Industrie so gut wie noch nie! Die gut getesteten und damit sicheren Produkte aus Europa sind nämlich international ziemlich gefragt - und so manchem Kunden auch einen ordentlichen Aufpreis wert. Einen Skandal z.B. wegen irgendwelcher giftigen Substanzen in seinen Produkten kann sich heute kein namhafter Produzent mehr leisten. Gerade bei großen internationalen Konzernen geht es bei jedem Prozent an Umsatzeinbußen gleich um richtig viel Geld.

Was ich damit sagen will: Auch ein auf den ersten Blick sinnlos verbaut scheinendes Material kann langristig gesehen dann doch notwendig gewesen sein - und so manche winzige Sparmaßnahme hatte schon katastrophale Auswirkungen.
Und eine Firma, welche sich keinen Ingenieur mehr leisten kann weil die Marge der eigenen Prudukte so gering ist, sollte vielleicht mal grundsätzlich über das Geschäftsmodell nachdenken...

von Loger - am 26.11.2016 19:45
Oh mann das ist ja ech schwierig hier. :confused:

Egal der Bundespräsident wird es so oder so unterzeichnen wenn es nicht schon geschehen ist. Ich halte es für sinnvoll bei diesem Thema die Industrie nicht auch noch zu gängeln, die Industrie paßt selbst genau darauf auf, daß das was relevant ist auch funktioniert. Interessen werden gerade in Normierungsgremien immer gegenseitig abgewogen (und da wird oft hart gerungen). Auf eine handvoll Hobbytechniker die an der Technik vergangener Tage Spaß haben wird in der Industrie und der Politik niemand Rücksicht nehmen. Nehmt es sportlich, vielleicht kann man den Störnebel ja auch als Herausforderung begreifen: "Trotz xx,xx dBµV Breitband PLC-Störnebel konnte ich gestern mit meinem Röhrenempfänger eine Sendung von Radio Vatikan im 41m Band hören! Neuer Weltrekord! " :joke:

Ich sage das nicht um hier jemand zu ärgern, sondern das ist einfach die Realität. Und wer ausgerechnet auf Herrn Gauck hofft er möge daran etwas ändern, dann ist das ja schon geradezu rührend naiv...

Ich denke man sollte diesen Thread zumachen ;-)

von raeuberhotzenplotz1 - am 27.11.2016 10:03
Zitat
raeuberhotzenplotz1
PLC-Störnebel


Und speziell hier darf Dir widersprochen werden. Weder ist Breitband-PLC aus irgendeinem Grund notwendig (es gibt genug andere Technologien für lokale Datenübertragungen) noch ist es mit Funkschutz-Grundsätzen verträglich. Dabei geht es nicht nur um Rundfunk, Amateurfunk und so weiter.
Das sollte Dir aber bekannt sein.


Edit: Eine funktionierende moderne Gesellschaft basiert übrigens auf dem Schutz der Interessen vor Minderheiten, dies gilt auch und erst recht dann, wenn es um wirtschaftliche Interessen Stärkerer geht.

von DH0GHU - am 27.11.2016 17:18
Zitat
DH0GHU
Edit: Eine funktionierende moderne Gesellschaft basiert übrigens auf dem Schutz der Interessen vor Minderheiten, dies gilt auch und erst recht dann, wenn es um wirtschaftliche Interessen Stärkerer geht.


Das tut mir leid, aber ich denke eine Gesellschaft die auch noch alle möglichen Hobbies schützt, überleg mal wer da alles mit was kommen könnte... Auch wenn Funkamateur eines der interessantenren Interessen ist, da gibt's ja viel bescheuerteres :rolleyes:

Egal ich wünsche Euch, daß es in der Praxis nicht so schlimm kommt wie von vielen Funkamateuren befürchtet. Das sind ja Befürchtungen, wie es tatsächlich in 5 oder 10 Jahren aussehen wird weiß keiner...

von raeuberhotzenplotz1 - am 27.11.2016 19:16
Ich habe diesen Thread hier lediglich als Information zum allg. Thema Bereich "Funkstörer" eröffnet und mit großem Erstaunen gelesen und bisher dazu geschwiegen.

Es ist keine Frage der Naivität, ob das Vetorecht angewandt wird, sondern ein politischer Appell das Thema nicht blind der Industrie und deren Weltvorstellungen zu überlassen.
Ob der Lobbyismus sich auf Industrieseite immer 1:1 durchsetzt ist auch eine Frage, wie intelligent und weitsichtig die entwickelnden und auch die prüfenden Ingenieure sind.

Für räuberhotzenplotz1 möchte ich jedoch ein paar direkte Worte finden:

Du bist hier nicht der einzige, der ein nachrichtentechnisches Studium hinter sich hat - und wir sind beide keine Amateurfunker.
Du spiegelst allerdings die Arroganz der modernen Industrie ideal wieder.

Eine grundsätzliche Unterdrückung von Oberwellen und dem Limitieren von Nebenaussendungen in andere Bereiche sollten Dir hinreichend bekannt sein.

Ich habe es live gesehen, wie nicht ausreichend entstörte Geräte allein schon den Rundfunkempfang - als Teil des Funkempfangs an sich - tlw. sogar massiv gestört hatten (Flachbildfernseher, Energiesparbirnen, PLC-Modems, Kassenautomaten in Bussen, Ampelschaltungen, Netzteile, usw.).

PLC oder Energiesparbirnen aus schlechter Fertigung verursachen einen breitbandigen Störnebel.
PLC ist eine ingenieursseitige Missgeburt - im Haus und auch zukünftig genauso beim Elektroautoladen mit PLC Basis als Datenübertragung.

Billig - nicht preiswert - ist das Motto der heutigen Industrie.

Dass Du hierbei o.g. Grundsätze über Bord wirfst, weil es Dir persönlich und Deinem Arbeitgeber egal ist, veranlasst mich zu der offenen Frage, ob Du ev. einfach versehentlich im falschen Forum gelandet bist.

Hier ist es leider schon seit einigen Beiträgen nicht mehr sachlich. Deine Einstellung als Ingenieur zur Geräteentstörung und insbesondere Deine herablassenden Ausführungen zu den weltweiten Amateurfunkdiensten gehören hier nicht her, diskutier das bitte ab sofort anderswo.

von uhf - am 27.11.2016 23:03
Zitat
hegi_ms
Niemand zwingt dich, hier mitzumachen. Vielleicht liest du stattdessen mal den Roman "Homo Faber" von Max Frisch.


Das Buch habe ich schon gelesen. Vielleicht erklärst Du mir bitte was Du damit meinst?


Zitat
uhf
Du spiegelst allerdings die Arroganz der modernen Industrie ideal wieder.


Mag sein, aber so ist die Realität. Die habe ich ungeschminkt dargestellt. Das vartragen viele nicht und greifen einen dann persönlich an...

von raeuberhotzenplotz1 - am 28.11.2016 07:27
Zitat
uhf
PLC ist eine ingenieursseitige Missgeburt - im Haus und auch zukünftig genauso beim Elektroautoladen mit PLC Basis als Datenübertragung.


Ein schönes Beispiel. Mir hat bis heute noch niemand eine plausible Erklärung dafür liefern können warum für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladesäule zwingend PLC notwendig ist. Warum?
Da es sich bei den verwendeten Steckern sowieso um eine Neuentwicklung handelt (der bestehende und weitverbreitete CEE-Standard läßt sich wohl nicht patentieren und wirft deshalb zukünftig keine Lizenzgebühren ab...) wäre es doch sicher möglich gewesen bei diesen Steckern noch zwei zusätzliche Adern für die Kommunikation vorzusehen. Entsprechende Leitungen für gleichzeitige Leistungs- und Datenübertragung gibt es seit Jahrzehnten im Handel (Servoleitungen).
Falls eine potentialfreie Trennung zwischen Leistungsteil und Bussystem gewünscht ist ließe sich das auch als billige Polymer-Faster (POF) integrieren.
Aber von Ingenieuren, welche so einen Mist konstruieren, braucht man wohl nicht erwarten daß sie in der Lage sind etwas über den Tellerrand zu blicken.

von Loger - am 28.11.2016 08:57
@räuberhotzenplotz1:

Die "ungeschminkte Realität" darzustellen, wäre nicht nötig gewesen; sie ist den Betroffenen bestens bekannt. Es geht um das überhebliche "Abbügeln" von Argumenten, das auch anderen Forumsteilnehmern unangenehm auffällt. Im übrigen: Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Zu deiner Frage: Du hast den Roman gelesen und offenbar nicht verstanden. Muss ich dir jetzt die Welt hinter deinem Tellerrand erklären?

von hegi_ms - am 28.11.2016 09:33
Ihr scheint die Ingenieusrolle zu überinterpretieren:
Die Vorgesetzten in Linie und Projekt, sowie Auftraggeber sind allesamt "Manager" und Erbsenzähler, der Ingenieur muß das entwickeln was er an Vorgabe bekommt; der kann nicht sagen, "soo, da mach ich mal zwei weitere Steckfelder dazu... " o.ä.
Die Industrie wird immer danach trachten die maximale Kohle rauszuholen; wartet z.B. nur ab wie sich die Verrechnung der E-Auto Zapfstellen entwickeln wird: Strom vielleicht per kWh günstig, aber plus Grundgebühr + Abrechnungsgebühr + Roaminggebühr + Steckermiete + Verrechnungskontogebühr + Aktivierungsentgelt. + etc.

Was die EMV betrifft: Es gibt je nach Gerät und Norm Grenzwerte welche einzuhalten sind, und niemand wird freiwillig auf eigene Mehrkosten irgendeinen Wert übererfüllen, das ist einfach Tatsache, ob man sich drüber ärgert oder nicht.
Schuld an der ganzen Misere sind diejenigen, welche diese "schlechten" Werte festgeschrieben haben, und wie es heutzutage zu Gesetzen und Vorschriften kommt, wissen wir ja eh alle: die Industrie-Lobbys schreiben die Entwürfe selber und nötigen diese dann den Abstimmungsaffen auf (stark verkürzt).
Und ausgerechnet der Gauckler soll dann im Nachhinein irgendwas tun und sich bei der Industrie unbeliebt machen?? Das wäre doch sehr naiv.

von martin2 - am 28.11.2016 10:48
@martin2:

Ist der Ingenieur der Erfüllungsgehilfe von Erbsenzählern? Die Erklärung "die da oben machen ja doch was sie wollen" ist mir zu einfach. Allerdings gibt es viele, die mit solchen Ansichten und ohne die sonst bei jeder Gelegenheit gepriesene Eigenverantwortung recht gut fahren.

Man kann darüber diskutieren, ob der Bundespräsident der richtige Ansprechpartner für die Funkamateure ist. Dies ändert aber nichts an der Ernsthaftigkeit ihres Anliegens.

von hegi_ms - am 28.11.2016 11:14
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Das tut mir leid, aber ich denke eine Gesellschaft die auch noch alle möglichen Hobbies schützt, überleg mal wer da alles mit was kommen könnte...

Da muss ich nichtmal anfangen zu überlegen, denn die Schlußfolgerung aus dem Beispiel ist falsch. Hier geht es um deutlich mehr als ein Hobby, da das Hobby nur eine Nutzung ist. Hier geht es grundsätzlich um den Nutzungsgegenstand: Es geht um die Ressource Frequenzbereich! Und diese Ressource wird unsinnigerweise verschwendet und der freien Verfügung aller (aller Völker) langsam aber sicher unnötigerweise entzogen. Das ist der Punkt. Man sollte Frequenzbereiche genauso wie Luft, Wasser, Erden usw. als Ressourcen begreifen, was sie auch sind.
Mal eine Frage: Kennst du dich in dem Frequenzbereich

von Jens1978 - am 28.11.2016 11:56
Ingenieure in Führungspositionen oberhalb der Technik-Schiene muss aber auch nicht unbedingt gut sein, da braucht es eigentlich fachübergreifende Kompetenzen.

Man hat als Ingenieur durchaus Einflussmöglichkeiten im gegebenen Kostenrahmen, aber eben nur begrenzt.

Umso wichtiger ist die politische Schiene, um den Funkschutz rechtlich bindend zu verankern, und ihn auch - und das ist aktuell das Hauptproblem - auch durchzusetzen. Was momentan jene Unternehmen schädigt, die sauber arbeiten, sind die schwarzen Schafe, die nichts zu befürchten haben, wenn sie 1.000.000 mal eine 50-Cent-Drossel sparen.

Zurück zum Nebenkriegsschauplatz Automotive-PLC: Ist das das breitbandige PLC wie wir's von Homeplug und Co kennen, oder eine Schmalband-Variante ähnlich dem CENELEC-PLC, das es schon lange gibt? Mehr als ein paar kbit/s benötigt man beim Auto-Laden ja eigentlich nicht... Statusdaten etc...

von DH0GHU - am 28.11.2016 12:02
Zitat
Loger
Da es sich bei den verwendeten Steckern sowieso um eine Neuentwicklung handelt (der bestehende und weitverbreitete CEE-Standard läßt sich wohl nicht patentieren und wirft deshalb zukünftig keine Lizenzgebühren ab...) wäre es doch sicher möglich gewesen bei diesen Steckern noch zwei zusätzliche Adern für die Kommunikation vorzusehen. Entsprechende Leitungen für gleichzeitige Leistungs- und Datenübertragung gibt es seit Jahrzehnten im Handel (Servoleitungen).
Falls eine potentialfreie Trennung zwischen Leistungsteil und Bussystem gewünscht ist ließe sich das auch als billige Polymer-Faster (POF) integrieren.
Aber von Ingenieuren, welche so einen Mist konstruieren, braucht man wohl nicht erwarten daß sie in der Lage sind etwas über den Tellerrand zu blicken.


Den letzen Satz hättest Du Dir sparen können :kotz:.

Tatsächlich ist es so, daß zusätzliche Leitungen im Ladekabel drin sind ("contol pilot"). Darauf ist primär ein PWM moduliertes Signal, welches den Ladestom steuren kann und rudimentär eine Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladesäule ermöglicht (nur einfache Zustände, Laden bereit, fertig usw.). Das ganze ist historisch und kommt aus der Gabelstaplerladetechnik. Das PLC Signal (genauer gesagt das HomePlug Green PHY Signal) wird im höheren Frequenzsprektrum auf das PWM Signal aufmoduliert, und zwar genau zwischen CP und PE. Die eigentlichen Stromleitungen sind ohne PLC Signal! Natürlich gibt es Überkopplung auf diese!

So, warum hat man diese Kommunikation nicht mit CAN, Ethernet oder WLAN, Bluetooth etc. gemacht? Funksignale scheiden aus, das hier das Kabel nicht eindeutig einem Fahrzeug zugeordnet werden kann. (Siehe aktuelle Probleme mit Keyless-Go Systemen). Die ganzen anderen Systeme sind ausgeschieden, da diese für diesen Anwendungsfall zu störanfällig sind, teils wegen der Potentialtrennung, teils wegen der Signalintegrität, teils wegen EMV Anforderungen (Pulse Transienten usw.). Über allem standen zudem die Anforderungen der funktionalen Sicherheit, gerade beim DC Laden kann es bei falscher Ladekommunikation zum Überladen der Akkus kommen. Hinzukommt, daß man ein System suchen mußte, das weltweit allen Anforderungen genügt. Das HP-GP Signal läuft auch weiter, wenn das eigentliche CP Kabel abreißt, oder der Stecker einen Wackler hat, oder korrodiert ist, weil er vorher im Dreck gelegen hat, weil jemand drübergefahren ist usw. Wer hier in diesem Einsatzszenario allen Ernstes eine optische POF Leitung in einem Ladestecker vorschlägt... :joke: ...dazu verkneife ich mir mal weitere Kommentare.

Ich war an der Entwicklung von diesem System nicht beteiligt (falls mir jetzt gleich wieder jemand vorhalten will, daß ich den allergrößten Mist mitentwickelt habe) sondern bin erst beim Thema EMV und Signalintegrität dazugestoßen, weil man die ganzen Meßvorgänge anpassen mußte. Schließlich gab es den Fall eines Fahrzeugs mit Kabel zur Umgebung bisher nicht. Daher kenne ich aber den Rest der damit zusammenhängt. Und ja man hat alle bekannten Amateurfunkbänder ausgeblendet (was bei OFDM einfach möglich ist). Man hat auch den Sendepegel auf das nötige Maß abgesenkt. Man hat eine umfangreiche Filterschaltung definiert für die Wallbox usw. Das ganze ist übrigens schon lange vor dieser Novelle der EMV Regulierung über die Bühne gegangen...

Im übrigen wurde das ganze in meherere Arbeitsgruppen aus verschiedenen Bereichen von Industrie, Zulieferern, Normierungsbehörden und Wissenschaftlichen Einrichtungen (Universitäten und FHs) erarbeitet. Zum großen Teil international (Europa, USA, Asien). Sollen das alles Idioten sein? Bitte mal etwas nachdenken o.k.?

Die Welt ist nicht so einfach wie viele es sich wünschen würden :p

von raeuberhotzenplotz1 - am 28.11.2016 12:19
Hotzenplotz versucht - rhetorisch nicht ungeschickt, aber doch durchschaubar - ein Detailproblem auszuwalzen, um vom "Großen und Ganzen" abzulenken. Niemand hat hier Ingenieure als Idioten bezeichnet, es geht jedoch um die Verantwortung für gesamtgesellschaftliche Folgen wirtschaftsorientierten Handelns.

Immerhin die Erkenntnis: Die Welt ist nicht so einfach wie viele es sich wünschen (wieso "würden"?).

Vor allem ist sie nicht alternativlos.

von hegi_ms - am 28.11.2016 15:23
@raeuberhotzenplotz1: Danke für die Erläuterungen.

Wir sind trotzdem immernoch OffTopic: Es geht ja nicht darum, etwas gegen Hersteller konformer Produkte zu tun. Es geht darum, die schwarzen Schafe zu verfolgen, die die Richtlinien, deren Zustandekommen Du gerade beschreibst, eben NICHT einhalten.
Praktisches Beispiel, das tatsächlich so vorkam: Eine Ingenieursbude bindet eine Biogasanlage per PLC an den Internetanschluß des Bauern an. Da die Entfernung zu groß ist, wird die Anbindung mit einem selbstgebauten Verstärker "stabilisiert", Kilometerweit ist das Kurzwellenspektrum komplett zugemüllt. Da die Behörde bei diesem Störfall tätig wurde, konnte das abgestellt werden. Ich meine sogar, man hat dem Bauern eine WLAN-Strecke gestellt. Ganz unkompliziert. In solchen Fällen ist es eben gut und richtig, dass eine Behörde handelt. Und am besten: Handeln muss.
Auch, damit DEINE Branche aufgrund solcher schwarzer Schafe nicht völlig in Verruf gerät ;)

von DH0GHU - am 28.11.2016 15:32
Zitat
raeuberhotzenplotz1
Wer hier in diesem Einsatzszenario allen Ernstes eine optische POF Leitung in einem Ladestecker vorschlägt... :joke: ...dazu verkneife ich mir mal weitere Kommentare.


Warum nicht? Die Dinger sind erstaunlich robust, produzieren keine Störungen (auch nicht untereinander bei paralleler Verlegung) und bieten eine potentialfreie Trennung.
Ich betreue u.a. ein Antriebssystem bei welchem knapp 200 Wechselrichter mit Leistungen bis zu 2050 KVA über ebensolche POF-Fasern miteinander und mit der übergeordneten Steuerung über ein recht komplexes Bussystem vernetzt sind. Das Teil läuft seit 17 Jahren 365d24h störungsfrei durch.

Und sollte trotzdem mal die Kommunikation zwischen Ladesäule und PKW ausfallen sollte das, bei richtiger Implementierung, auch kein Problem sein. Aber wenn die Ladesäule nach dem Schema "Oh, ich hab jetzt keine Kommunikation mit dem Fahrzeug mehr, hm, egal, ich lade jetzt einfach mal mit Maximalleistung" funktioniert dann kann das Ergebnis natürlich schon spektakulär werden...

Aber gut, jetzt wirds wirklich OT - ich laß das jetzt mal.

@räuberhotzenplotz:
Sorry, war nicht persönlich gemeint, aber bei dem Thema "PLC" da geht mein Blutdruck auf 180 und dann wird es emotional, vor allem wenn ich sehe daß immer mehr Einsatzgebiete für diese, ich nenne es jetzt mal vorsichtig "fragwürdige Technologie", gesucht werden.

von Loger - am 28.11.2016 16:30
Zitat
Loger
Warum nicht? Die Dinger sind erstaunlich robust, produzieren keine Störungen (auch nicht untereinander bei paralleler Verlegung) und bieten eine potentialfreie Trennung.
Ich betreue u.a. ein Antriebssystem bei welchem knapp 200 Wechselrichter mit Leistungen bis zu 2050 KVA über ebensolche POF-Fasern miteinander und mit der übergeordneten Steuerung über ein recht komplexes Bussystem vernetzt sind. Das Teil läuft seit 17 Jahren 365d24h störungsfrei durch.


Ja schon, aber der Ladesetecker wird mehrmals am Tag gesteckt. In einem Betrieb oder an einer öffentlichen Ladestelle eventuell dutzende male am Tag. Dann fällt er in den Dreck, dann tritt jemand drauf, wid mal naß usw. Nicht die großen Temperaturunterschiede vergessen. Das muß in Lappland bei -40°C genau so funktionieren wie in der Wüste bei 50°C im Schatten... Ein optisches Kabel das das alle mitmacht? Ich habe da meine Zweifel, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen... ;-)

Übrigens glaube nur nicht, daß optische Systeme EMV problemfrei sind! Bei MOST (optischer Audiobus in Fahrzeugen) hat dann eben der optoelektrische Wandler über die Versorgung gestört :eek: Da haben viele Augen gemacht, kann doch nicht sein, ist doch optisch...

Ansonsten, ja die PLC Ladekommunikation ist nur ein Beispiel. In der Industrie und bei neuen Produkten gibt es ganz viele solcher Beispiele. Denkt man nur an einen schnöden VDSL Anschluß (den wahrscheinlich einige von Euch haben, ein E-Fahrzeug hat wahrscheinlich (noch) keiner). Mal gemessen was da so abgeht? Vor allem wenn in der Hausinstallation nicht alle Kabel sauber symmetrisch sind? Alles sind Massenprodukte die Massen von Kunden jeden gerne Tag nutzen. Daher wird man in Zukunft die tiefen Frequenzen nicht mehr so freihalten wie in der Vergangenheit. Mehr wollte ich nicht zum Ausdruck bringen.

Ein letzter Gedanke in diesem Kontext: Grundsätzlich scheint die Bereitschaft unserer Regierenden immer mehr zu schwinden in Bereichen wo es der eigenen Macht nichts anhaben kann auf die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols zu verzichten. Man findet sich damit ab, daß die Kriminalität bestimmer Migrantengruppen eben höher ist. Man akzeptiert, daß in bestimmten Stadtteilen unser Recht durch ein anderes ersetzt wird und konsequenterweise kommt dann auch die Polizei nicht mehr wenn es nicht unbedingt nötig ist. Man will nicht mal mehr etwas mit den eigenen Landesgrenzen zu tun haben und diese bewachen, da "unmöglich". Wer erwartet da, daß dieser Staat jetzt mit Law and Order EMV Grenzwerte verteidigt? Und ausgerechnet Herr Gauck ist die letzte Hoffnung? :-(

von raeuberhotzenplotz1 - am 28.11.2016 18:48
Zitat
Jens1978
Es geht um die Ressource Frequenzbereich! Und diese Ressource wird unsinnigerweise verschwendet und der freien Verfügung aller (aller Völker) langsam aber sicher unnötigerweise entzogen. Das ist der Punkt. Man sollte Frequenzbereiche genauso wie Luft, Wasser, Erden usw. als Ressourcen begreifen, was sie auch sind.


Das ist leider schon lange nicht mehr der Fall.
In einer älteren Ausgabe des Fernmeldeanlagengesetzes (FAG) gab es mal einen Paragraphen in dem stand sinngemäß (ich zitiere das jetzt mal aus dem Langzeitgedächtnis):
"Eine Funkverbindung darf nur dann verwendet werden wenn alle anderen technischen Möglichkeiten nicht durchführbar sind, keinesfalls nur aus wirtschaftlichen Interessen".

In der Neufassung von 1986, welche ich hier noch liegen habe und welche bis 1997 galt, ist dieser Paragraph schon nicht mehr enthalten.
Heute gelten scheinbar ausschließlich wirtschaftliche Interessen. Da verwendet man Richtfunk statt Kabel da billiger, erspart den Telekomanbietern die teure Verlegung von (Glasfaser-)Kabeln zum Kunden und setzt stattdessen auf LTE und nimmt Schritt für Schritt dem Rundfunk Frequenzen weg um sie der Mobilfunk-Lobby in den Rachen zu werfen.
Ganz zu schweigen von so fragwürdigen Technologien wie PLC.

Irgendwelche Minderheiten, welche nur weiterhin ihrem Hobby nachgehen wollen und wirtschaftlich nicht relevant sind, die stören da nur.

Zitat
raeuberhotzenplotz1
Ein letzter Gedanke in diesem Kontext: Grundsätzlich scheint die Bereitschaft unserer Regierenden immer mehr zu schwinden in Bereichen wo es der eigenen Macht nichts anhaben kann auf die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols zu verzichten. Man findet sich damit ab, daß die Kriminalität bestimmer Migrantengruppen eben höher ist. Man akzeptiert, daß in bestimmten Stadtteilen unser Recht durch ein anderes ersetzt wird und konsequenterweise kommt dann auch die Polizei nicht mehr wenn es nicht unbedingt nötig ist. Man will nicht mal mehr etwas mit den eigenen Landesgrenzen zu tun haben und diese bewachen, da "unmöglich". Wer erwartet da, daß dieser Staat jetzt mit Law and Order EMV Grenzwerte verteidigt? Und ausgerechnet Herr Gauck ist die letzte Hoffnung? :-(


Traurig, aber wahr...

von Loger - am 29.11.2016 09:11
Zitat
Loger
Heute gelten scheinbar ausschließlich wirtschaftliche Interessen. Da verwendet man Richtfunk statt Kabel da billiger, erspart den Telekomanbietern die teure Verlegung von (Glasfaser-)Kabeln zum Kunden und setzt stattdessen auf LTE und nimmt Schritt für Schritt dem Rundfunk Frequenzen weg um sie der Mobilfunk-Lobby in den Rachen zu werfen.


Ja das stimmt. Der Staat begreift das Frequenzsspeltrum als wirtschaftliche Ressource, aus der maximaler Profit gezogen werden soll. Die Frequenzauktionen zeigen das deutlich. Dahinter stehen aber auch Millionen von Nutzern, für die die Wlr untergreht, wenn kein LTE Netz da ist zum Pokemon-Go spielen :eek:

Und die tiefen Frequenzen begreift man als "Abfall" und läßt PLC, VDSL usw. einfach zu...

von raeuberhotzenplotz1 - am 29.11.2016 12:01
Zitat
rauberhotzenplotz1
Und die tiefen Frequenzen begreift man als "Abfall" und läßt PLC, VDSL usw. einfach zu...

Eben, und das ist falsch, da extrem kurzfristig gedacht.

Zitat
rauberhotzenplotz1
Der Staat begreift das Frequenzsspeltrum als wirtschaftliche Ressource, aus der maximaler Profit gezogen werden soll. Die Frequenzauktionen zeigen das deutlich.

So sieht's aus, und genau dies ist das, was eben der komplett falsche Ansatz ist. Die Ressource steht wie Wasser, Luft usw. allen zu. Wenn ich so nachdenke ist es eigentlich fraglich, ob der Staat diese Ressourcen zur wirtschaftlichen Verwertung überhaupt verfassungsrechtlich "missbrauchen" darf ... hmm.

von Jens1978 - am 30.11.2016 07:54
"Der Staat begreift das Frequenzsspeltrum als wirtschaftliche Ressource, aus der maximaler Profit gezogen werden soll. Die Frequenzauktionen zeigen das deutlich"

Der böse Staat mal wieder? Es sind zum einen die Mobilfunk-Konzerne, aber auch die kommerziellen Fernseh - und Hörfunkanbieter, die die Ressource "Funk" zu ihrem eigenen Vorteil nutzen; es geht um Milliardengewinne..Der Staat möchte natürlich auch ein Stück davon abbekommen, da bietet sich verfassungsgemäß die Abschöpfung der wirtschaftlich Leistungsfähigen an. Bisher wurde auch nur ein kleiner Teil des Frequenzspektrums versteigert. Es ist die Wirtschaft, die vom Staat immer mehr Frequenzbänder, zum anderen die Lockerung von Auflagen (z.B. EMVG) fordert. Andere Frequenzbereiche, z.B. Amateurbänder werden zur ideellen Nutzung freigegeben, dort ist wirtschaftliche Betätigung untersagt.
Leider werden die Verschmutzer von Frequenzbereichen nicht wie Wasser- und Luftverschmutzer zur Rechenschaft gezogen. Ein Gesetz ist eben nur so gut wie die Möglichkeit - besser gesagt der Wille - es durchzusetzen.

von hegi_ms - am 30.11.2016 16:49
Zitat
Jens1978
Die Ressource steht wie Wasser, Luft usw. allen zu. Wenn ich so nachdenke ist es eigentlich fraglich, ob der Staat diese Ressourcen zur wirtschaftlichen Verwertung überhaupt verfassungsrechtlich "missbrauchen" darf ... hmm.


Wenn Du Dich da mal nicht täuschst. Die Ressource Wasser steht nicht jedem zu, das wird über Wasserrechte geregelt. Versuche mal über Deinem Grundstück z.B. Grundwasser zu nutzen. Das geht nicht so einfach. Aber z.B. Müller Milch darf das in großen Mengen. Du wirst mit Deinem Auto gegängelt wenn es um die Nutzung der Ressource Luft geht (Katalysator, Feinstabplakette bald nur noch E-Autos), ein Braunkohlekraftwerk von RWE nicht bzw. wenig usw...

Aber: am Ende kaufen wir diese Milch und nutzen auch gerne den günstigen Strom und nutzen die Dienste der Unternhemen, die unser Frequenzspektrum "verschwenden". Denn hinter der "bösen" oder "arroganten" Industrie stehen am Ende wir alle - als Kunden. Das ist die Kehrseite der Medaille.

von raeuberhotzenplotz1 - am 01.12.2016 07:03
Doch, die Resource Wasser steht jedem zu. Ich darf hier in meiner Gemeinde z.B. ohne Genehmigung einen Brunnen schlagen, darf das verbrauchte Wasser dann aber (logischerweise) nicht in den öffentlichen Kanal leiten.
Da so eine Resource wie z.B. Wasser aber begrenzt ist braucht es in der Praxis dann aber eben entsprechende Regelungen. Wenn ich z.B. einen Tiefbrunnen bohre um eine Grundwasser-Wärmepumpe zu betreiben brauche ich dazu die Genehmigung des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes, weil dann im Umkreis von mehreren hundert Metern keiner meiner Nachbarn mehr eine entsprechende Anlage installieren darf. Wenn hier nämlich jeder nach Belieben Wasser ziehen würde dann wäre das irgendwann nämlich nicht mehr genug oder es hätte Auswirkungen auf die Umwelt (z.B. wenn der Grundwasserspiegel absinkt). In diesem Fall gilt dann halt: Wer zu erst kommt mahlt zuerst.

Auch die historischen Wasserrechte an den öffentlichen Flüssen und Kanälen existieren aus dem selben Grund. Man kann halt nicht alle paar Meter die Wasserkraft zum Betreiben einer Mühle, oder heute moderner, eines Kraftwerkes nutzen.

Und der Vergleich mit dem Auto hinkt gewaltig. Es geht hier nicht um die Resource Luft, sondern um umweltschädliche Emmisionen. Wie viel Luft mein Auto verbraucht interessiert niemanden, aber wenn ich mit giftigen Abgasen die Gesundheit anderer Menschen gefährde jedoch schon. Aus diesem Grund kommt auch alle zwei Jahre mein Kaminkehrer und misst die Stickoxydwerte meiner Heizungsanlage - nicht daß ich damit mich, meine Familie oder meine Nachbarn vergifte. Meinen alten Kohleofen ohne Feinstaubfilter darf ich aus dem selben Grund nur noch bis 2018 betreiben, dann ist Schluss.

Zum Thema Braunkohlekraftwerk: Hast du eigentlich eine Ahnung welche Grenzwerte die Industrie mit ihren Anlagen einhalten muß? Und mit welchen aufwendigen Abgasreinigunsanlagen da gearbeitet wird? Im privaten Umfeld, z.B. eben beim Diesel-PKW, ist das gar nicht möglich da unrentabel. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht daß der Diesel-PKW ein Auslaufmodell ist. Es ist zwar möglich funktionierende Abgasreinigungsanlagen in Fahrzeuge einzubauen, der dafür notwendige Aufwand und damit die Kosten lohnen sich aber nur bei großen und teuren Fahrzeugen, also große LKW oder Baumaschinen. Der Diesel-Polo ist tot.

Und um noch die Kurve zum eigentlichen Thema zu bekommen:
Auch das Frequenzspektrum ist eine öffentliche Resource welche im Prinzip zwar jedem zusteht, aber in der Praxis eben auch reguliert werden muß. In der Pionierzeit der HF-Technik zu Hertzs oder Marconis Zeiten war das noch nicht so, da durfte jeder machen was er wollte. Als die Hochfrequenztechnik aber dann kommerziell genutzt wurde (z.B. Rundfunk, drahtlose Telegrafie) erkannte man schnell daß eine Reguliereung notwendig ist um gegenseitige Störungen zu vermeiden.
Aus diesem Grund bekamen dann die ganzen Tüftler und Bastler (die heutigen Funkamateure) ihre eigenen Frequenzbereiche zugewiesen wo sie sich bis heute austoben dürfen, und auch der Rest des Spektrums wurde aufgeteilt in Bereiche für den Rundfunk, für die öffentliche Kommunikation, etc...
Die Gebühren, welche ein Nutzer heute z.B. für die Zuweisung einer Frequenz bezahlen muß, sind für die Verwaltung der ganzen notwendigen Bürokratie - das ist in einem Staat halt so. Das hat aber nichts damit zu tun daß das Frequenzspektrum keine öffentliche Resource mehr ist.

Ausnahme: Die milliardenschweren Versteigerungen der Mobilfunkfrequenzen haben in meinen Augen nichts mehr mit "Verwaltung einer Resource" zu tun, das ist ganz einfache Abzocke seitens des Staates. In anderen Ländern wurde das teilweise anders gehandhabt. Da haben die Mobilfunkbetreiber die notwendigen Frequenzblöcke kostenlos zur verfügung gestellt bekommen, aber eben mit entsprechenden Auflagen was z.B. die Netzabdeckung und den Zugang der Nutzer betrifft, so daß das Netz deben dem Gemeinwohl dient.

von Loger - am 01.12.2016 10:12
Eine sehr interessante Diskussion hier. Ich bin auch der Meinung, dass Hersteller elektronischer Geräte dazu verpflichtet werden sollen, entsprechende Standards zur elektromagnetischen Verträglichkeit einzuhalten.

Wie bereits in vorherigen Beiträgen angeklungen ist, werden nur wenige Hersteller bereit sein, die Störaussendungen ihrer Geräte über das gesetzliche Maß hinaus zu minimieren, insbesondere wenn dies mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Wenn entsprechende Verordnungen allerdings gesetzlich verankert werden - und deren Einhaltung auch überprüft wird - führt dies meiner Ansicht nach, abgesehen von möglichen leichten Preissteigerungen von normkonformen Produkten, vor allen Dingen zu Einbußen bei Billigstproduzenten aus Fernost, welche ihren Ramsch nicht weiter verscherbeln dürfen (und damit zu einem Wettbewerbsvorteil für Qualitätsprodukte).

Zum Schluss noch ein kleiner persönlicher Erfahrungsbericht:

Eines Abends bemerkte ich plötzlich ein starkes Störgeräusch im Radio, welches sich über den gesamten Lang- und Mittelwellenbereich erstreckte und erst im Kurzwellenbereich an Intensität abnahm. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass diese Störungen, die selbst den Empfang starker AM-Sender unmöglich machten, vom (nicht austauschbaren, da integrierten) Netzteil des Multischalters der Fernsehanlage herrührten. Nach mehreren Jahren im Dienst war hier offenbar ein Defekt aufgetreten. Die Störungen waren selbst Dutzende Meter vom Haus entfernt aufzunehmen.
Nun bestellte ich einen von TechniSat für den polnischen Markt produzierten Multischalter, da dieser besonders günstig war. Nach der Installation bemerkte ich, dass auch dieses Gerät - wenngleich deutlich geringere - Störungen der AM-Bänder verursachte. Der alte Switch hatte jedoch - vor Auftreten des Defekts - gar keine Störgeräusche ausgestrahlt.
Also erwarb ich ein (etwas teureres) für den deutschen Markt bestimmtes TechniSat-Gerät - und siehe da: Ich konnte wieder entspannt und störungsfrei sowohl Fernsehen als auch (AM-)Rundfunk genießen.

von Felsberg - am 01.12.2016 16:36
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