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Klaus Wegener, BadestadtFM, hegi_ms, jkr 2, Frankfurt, Alqaszar, mittendrin, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, Cha, iro, ulionken

Historie von D-Kultur seit 1926

Startbeitrag von Klaus Wegener am 21.03.2017 12:07

Ich würde gerne die Historie des Programms "Deutschlandradio Kultur" diskutieren und ergänzen lassen, mit dem Ziel, den entsprechenden Wikipedia-Artikel mit dieser Historie zu ergänzen. Sicherlich kann auch diskutiert werden, ob dieses Sinn macht und ob das Programm wirklich als Nachfolger des ersten Radiosenders in Deutschland betrachtet werden kann. Die Historie reicht bis ins Jahr 1926 zurück.

Hier die Historie, soweit ich sie recherchieren konnte:

07.01.1926: "Deutschlandsender I" auf 182 KHz aus Königswusterhausen, betrieben von der "Deutsche Welle GmbH" (die nichts mit der heutigen "Deutschen Welle" zu tun hatte).
20.12.1927: "Deutschlandsender II" aus Zeesen auf 240 KHz bis 1927
1928: Wechsel auf 183,5 KHz (32 Kw)
01.01.1933: Deutsche Welle GmbH wurde zu Deutschlandsender GmbH
1931: Leistungserhöhung auf 60 Kw
1934: Wechsel auf 191 KHz
1939: "Deutschlandsender III" aus Herzberg/Elster: 500 Kw, Frequenz = ?
21.04.1945: Zerstörung des Senders (Mast blieb unzerstört)
1947: "Deutschlandsender IV" aus Königswusterhausen
1.05.1949: aus "Deutschlandsender IV" wurde "Deutschlandsender"
1971: Deutschlandsender wurde zu "Stimme der DDR"
Februar 1990: "Stimme der DDR" wurde wieder zu "Deutschlandsender"
Mai 1990: Deutschlandsender wurde mit "Radio DDR 2" zu Deutschlandsender Kultur (DS Kultur)
1.01.1994: Aus DS Kultur und RIAS 1 wurde Deutschlandradio Berlin
7.03.2005: Aus Deutschlandradio Berlin wird Deutschlandradio Kultur
1.05.2017: Umbenennung in DLF Kultur

Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der Ergänzungen oder Erweiterungen hinzufügen kann. Korrekturen können auch gerne vorgenommen werden.

Aber vielleicht ist das Ganze auch etwas weit hergeholt und es ist einfach nur das Nachfolgeprogramm des RIAS1? Also solches sehen ihn ja auch manche...

Antworten:

Was ist denn an Inhalt vom alten RIAS1 noch übrig außer das Sonntagsrätsel? Wird es das Sonntagsrätsel auch noch bei DLF-Kultur geben?

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 21.03.2017 12:13
Die Frequenz von Herzberg an der Elster war 191 kHz. Der Mast war damals mit 337 m Europas höchstes Bauwerk. Geplant waren sogar 10 (!) weitere Masten mit jeweils 275 m.
Am 25.3.2017 soll der Mast in Oranienburg gesprengt werden.

Sender Herzberg an der Schwarzen Elster:
[attachment 8938 sender_herzberg.jpg]

von BadestadtFM - am 21.03.2017 12:19
Danke! Ich habe die Zeit zwischen 1949 und 1971 etwas ergänzt. Interessant ist auch, dass das Programm im Januar 1946 kurzzeitig "Deutschlandfunk" hieß.

1920: Entwicklung des ersten Langwellensender für Rundfunkübertragungen von Königswusterhausen aus durch die Deutsche Reichspost
1925: Entwicklung eines 5 Kw Langwellensenders durch die Firma Telefunken
07.01.1926: "Deutschlandsender I" auf 182 KHz aus Königswusterhausen, betrieben von der "Deutsche Welle GmbH" (die nichts mit der heutigen "Deutschen Welle" zu tun hatte).
20.12.1927: "Deutschlandsender II" aus Zeesen auf 240 KHz bis 1927
1928: Wechsel auf 183,5 KHz (32 Kw)
01.01.1933: Deutsche Welle GmbH wurde zu Deutschlandsender GmbH
1931: Leistungserhöhung auf 60 Kw
1934: Wechsel auf 191 KHz
1939: "Deutschlandsender III" aus Herzberg/Elster: 500 Kw, Frequenz 191 KHz
21.04.1945: Zerstörung des Senders (Mast blieb unzerstört)
Januar 1946: "Deutschlandfunk" auf 191 KHz mit 100 Kw aus Königswusterhausen
1947: "Deutschlandsender IV" aus Königswusterhausen auf 191 KHz (100 Kw)
1.05.1949: aus "Deutschlandsender IV" wurde "Deutschlandsender"
1.08. 1950: Deutschlandsender auf der Langwelle 263 kHz
Ende 1953: Umzug nach Burg (bei Magdeburg) auf 263 KHz, hinzu kam die Mittelwelle 782 KHz mit 250 KW und Wechsel der Langwellenfrequenz auf 185 KHz
1959: 500 Kw Sender in Zehlendorf auf 185 KHz sowie MW 692 kHz (aus Wachenbrunn) und 728 kHz (aus Schwerin)
1959: UKW Inbetriebnahme
1962: Leistungserhöhung Zehlendorf auf 750 Kw
1971: Deutschlandsender wurde zu "Stimme der DDR". Frequenzen 1971:

Langwelle: Zehlendorf 185 kHz
Mittelwelle: Schwerin 728 kHz, Burg 782 kHz, Suhl 892 kHz
Kurzwelle: 7185 kHz, 8115 kHz
UKW: Berlin 97,85 MHz, Brocken 97.4 MHz, Dequede 98,9 MHz, Dresden I 97,25 MHz, Inselsberg 97,15 MHz, Karl-Marx-Stadt 97,03 MHz, Leipzig 98,6 MHz, Marlow 96,65 MHz, Schwerin 95,25 MHz, Sonneberg 94,2 MHz

Februar 1990: "Stimme der DDR" wurde wieder zu "Deutschlandsender"
Mai 1990: Deutschlandsender wurde mit "Radio DDR 2" zu Deutschlandsender Kultur
1.01.1994: Aus DS Kultur und RIAS 1 wurde Deutschlandradio Berlin
7.03.2005: Aus Deutschlandradio Berlin wird Deutschlandradio Kultur
1.05.2017: Umbenennung in DLF Kultur

von Klaus Wegener - am 21.03.2017 14:42
1933 wurde das Pausenzeichen "Üb' immer Treu und Redlichkeit" eingeführt und mit diesem Apparat erzeugt:

[attachment 8939 Pausenzeichengeber_DLS.jpg]

Zitat

Das neue Pausenzeichen des Deutschlandsenders wird erzeugt, indem eine Walze mit entsprechend eingesetzten Stiften Metallzungen anschlägt, die in verschiedener Tonhöhe schwingen. Diese Zungen befinden sich vor der Spule eines kleinen Magneten und rufen so in dieser Spule Wechselströme hervor, die genau den Tönen entsprechen, auf die sie selber abgestimmt sind. Nach entsprechender Verstärkung werden diese Wechselströme auf den Sender gegeben.
Man sieht auf der Walze deutlich, wenn man von links nach rechts geht, in der Anordnung der Stift, die Melodie, darüber die Begleitstimme.


von BadestadtFM - am 21.03.2017 15:25
Zitat

UKW: Berlin 97,85 MHz, Brocken 97.4 MHz, Dequede 98,9 MHz, Dresden I 97,25 MHz, Inselsberg 97,15 MHz, Karl-Marx-Stadt 97,03 MHz, Leipzig 98,6 MHz, Marlow 96,65 MHz, Schwerin 95,25 MHz, Sonneberg 94,2 MHz


Also dass man früher in 50 kHz Schritten sendete ist mir bewusst. Aber 97,03 MHz? Warum so krumme Frequenzen?

von Cha - am 21.03.2017 16:00
Es gab noch krummere Frequenzen damals:
Blauen 89,175
Zugspitze 97,125
Schöckl 95,398
Söllingen 101,125
Haardtkopf 91,125

von iro - am 21.03.2017 16:07
Zitat
Klaus Wegener
Frequenzen 1971:

Langwelle: Zehlendorf 185 kHz
Mittelwelle: Schwerin 728 kHz, Burg 782 kHz, Suhl 892 kHz
Kurzwelle: 7185 kHz, 8115 kHz
UKW: Berlin 97,85 MHz, Brocken 97.4 MHz, Dequede 98,9 MHz, Dresden I 97,25 MHz, Inselsberg 97,15 MHz, Karl-Marx-Stadt 97,03 MHz, Leipzig 98,6 MHz, Marlow 96,65 MHz, Schwerin 95,25 MHz, Sonneberg 94,2 MHz
Februar 1990: "Stimme der DDR" wurde wieder zu "Deutschlandsender"

Die Frequenz in Berlin war 97,65 MHz, ab Zusammenlegung mit RIAS dann 89,6 MHz. Leipzig war 96,65 MHz, die sächsischen UKW-Großsenderfrequenzen wurden 1990/91(?) an den DLF vergeben.

Weiteres z.B. hier.

von mittendrin - am 21.03.2017 16:15
Zitat
Klaus Wegener
Kurzwelle: 7185 kHz, 8115 kHz


7185 und 6115 kHz

von ulionken - am 21.03.2017 19:07
Mit einer analogen Abstimmung ist das Einstellen einer beliebigen Frequenz ja kein Problem gewesen. Erst mit dem Aufkommen der PLL-Tuner wurden die Frequenzen auf 100 kHz gerundet.

Was aber interessant ist: Das UKW-Band war ja ursprünglich im 300-kHz-Abstand gerastert, do dass man jede von der jeweiligen Mittenfrequenz eines kanals abweichende Freqzenz sozusagen als "Versatz" ansehen könnte.

Zur Frage der Geschichte des Deutschlandsenders gehört aber auch der Deutschlandfunk, der als westliches Gegenstück und damit auch als westlicher Nachfolger des Langwellenprogramms gesehen werden konnte, das vor der Gleichschaltung zum so genannten "Großdeutschen Rundfunk" ja neben den regionalen Sendern existierte.

Die Idee, ein Programm auf möglichst vielen Wellenvbereichen gleichzeitig auszustrahlen ist daher eine Idee eines totalitären, autoritären Staates, was natürlich dem größtmöglichen Effekt geschuldet ist. Sollder Rundfunk dazu dienen, eine Weltanschauung zu transportieren, dann muss das Signal möglichst gut empfangen werden können.

Das ist zumindest auf der technischen Seite sinnvoll, die inhaltliche Seite ist eine andere. Wer beispielsweise die Sendungen der deutschsprachigen Dienste aus dem früheren Ostblock noch im Ohr hat, der erinnert sich sicherlich an die biederne Hölzernheit des Programms.Selbst habe ich gerne Radio Miskau auf 1386 kHz gehört, das war von 1989 bis 1991 sogar recht spannend, gerade weil man so "Glasnost" und "Petestrioka" in der Gestaltung des Programms verfolgen konnte.

Insofern ist der DLF auch vom Rias zu unterscheiden: Der Rias wandte sich als eindeutiger Propagdnasender des Westens sowohl an alle Berliner als auch an alle Benwohner der damals so genannten "Zone". Der DLF hatte zwar offenbar auch viele Hörer im Westen und berichtete selbstverstädnlich aus der Perspektive von links des Rheins, wo Paris und London näher liegen als Berlin oder Budapest.

Der Rias wurde ja auch von den USA verantwortet, ironischerweise also in Land, in dem es selbst keinen staatlichen Rundfunk gibt, außer den für das Ausöand zuständigen Sendern "Voice of America" sowie den militärischen "AFN".

Mit der Durchsetzung von UKW verschwand aber auch die Bedeutung dieser Programmezusehends. Im Januar 1991 war ich gerade im 10. Schuljahr, und dass ich ein kleines Radio mitbrachte, um darauf die 648 kHz der BBC zu hören, hat dann die meisten doch in Erstaunen versetzt (BFBS kannte jeder, aber die waren ja hier auf UKW Ortssender).

Insofern ist damit ein deutlicher Rückgang der Bedeutung der beiden Pendante "DLF" und "Stimme der DDR" zu beobachten gewesen.

An anderer Stelle wurde über frühere Programem des DLF diskutiert, das früher deutlich mehr Popmusik beinhaltete und beispieslweise LPs komplett abspielte, ohne Unterbechung, damit sich Hörer im Osten von den nicht erhältlichen Westmusiken Aufnahmen auf Tonband machen konnten. Damit aber ist klar, dass sie zumindest den Anspruch hatten, ein möglichst breites Publikum zu erreichen -- ganz im Gegenteil zu den heutigen versionen dieser beiden Programme, die ja durchaus für eine Nische senden -- besonders für DKultur gilt das ja.

Insofern ist die von Klasu Wegener aufgeschriebene Abfolge in technischer Hinsicht sicher richtig, aber die Brüche "Mahctergreifung der Nazis", "Ende des Krieges und Teilung Deutschlands" und endlich "Fall der Mauer und Wiedervereinigung" machen deutlich, das sich inhaltlich und konzeptionell einiges geändert hat.

So wurde der Herzberger Langwellensender eben nur als eine weitere Ausspielung des gleichgeschlateten Programmes aus berlin benutzt. Insofern wurde die Bezeichnung "Deutschlandsender" eien rein technische, während eben sowohl der Deutschlandsender in der SBZ als auch später der DLF in Köln eher in der Tradition des Programmes vior der Gleichschaltung stehen.

Aber besonders für das Ostberliner Programm konnte das kein nahtloser Anschluss sein, denn musste das programm doch einer eidneutigen politischen Linie dienen -- etwas, das man in der Weimarer Zeit zu Beginn noch versucht hat, zu verhindern. Der DLF war da vielleicht freier, insbesondere nach dem Ende der "Kommunistenfresser-Ära" mit der Neuen ostpolitik Willy Brandts.

So würde es sogar sinnvoll sein, hier den Kölner Sender als den eigentlichen Nachfolger des Deutschlandsenders zu sehen -- wogegen aber wiederum spricht, dass ja auch der Weimarer Rundfunk eben politisch noch unfreier war als eine öffentlich-rechtliche Anstalt der Bundesrepublik.

von Alqaszar - am 21.03.2017 22:29
@Alqaszar: Danke für Deine Ausführungen :)

Zitat
Alqaszar
Zur Frage der Geschichte des Deutschlandsenders gehört aber auch der Deutschlandfunk, der als westliches Gegenstück und damit auch als westlicher Nachfolger des Langwellenprogramms gesehen werden konnte, das vor der Gleichschaltung zum so genannten "Großdeutschen Rundfunk" ja neben den regionalen Sendern existierte.


Zur Geschichte des Deutschlandsenders gehört der DLF insofern dazu, als dass er das westliche Gegenstück des ab 1946 im Osten sendenden Deutschlandsenders (spätere "Stimme der DDR") auf 177 KHz war. Der "Großdeutsche Rundfunk" den Du hier erwähnst existierte von 1939 bis 1945, das war eine ganz andere "Epoche" und den Deutschlandfunk gab es erst ab 1962, von daher verstehe ich Deine Ausführungen an dieser Stelle nicht so ganz und sehe den DLF auch nicht als Nachfolger des Deutschlandsenders...

Zitat
Alqaszar
So würde es sogar sinnvoll sein, hier den Kölner Sender als den eigentlichen Nachfolger des Deutschlandsenders zu sehen -- wogegen aber wiederum spricht, dass ja auch der Weimarer Rundfunk eben politisch noch unfreier war als eine öffentlich-rechtliche Anstalt der Bundesrepublik.


Der Kölner Deutschlandfunk hat seine Ursprünge doch im Deutschen Langwellensender oder "Reichskneipensender", der ab 1953 auf 151 KHz aus Hamburg sendete. Das ist doch eine ganz andere "Linie" als die Historie von D-Kultur/Stimme der DDR/Deutschlandsender im Osten, die zeitlich viel weiter zurückreicht.

von Klaus Wegener - am 22.03.2017 09:17
Zitat
mittendrin
Zitat
Klaus Wegener
Frequenzen 1971:

Langwelle: Zehlendorf 185 kHz
Mittelwelle: Schwerin 728 kHz, Burg 782 kHz, Suhl 892 kHz
Kurzwelle: 7185 kHz, 8115 kHz
UKW: Berlin 97,85 MHz, Brocken 97.4 MHz, Dequede 98,9 MHz, Dresden I 97,25 MHz, Inselsberg 97,15 MHz, Karl-Marx-Stadt 97,03 MHz, Leipzig 98,6 MHz, Marlow 96,65 MHz, Schwerin 95,25 MHz, Sonneberg 94,2 MHz
Februar 1990: "Stimme der DDR" wurde wieder zu "Deutschlandsender"

Die Frequenz in Berlin war 97,65 MHz, ab Zusammenlegung mit RIAS dann 89,6 MHz. Leipzig war 96,65 MHz, die sächsischen UKW-Großsenderfrequenzen wurden 1990/91(?) an den DLF vergeben.

Weiteres z.B. hier.



Suhl war nicht 892, sondern auf 692 kHz anzutreffen.

von jkr 2 - am 22.03.2017 10:04
Wozu diente Suhl ? Kam die LW hinter dem Thüringer Wald nicht gut an oder wollte man äquivalent zu Hof eine Beschallung des Westens ?

von Frankfurt - am 24.03.2017 07:33
Die geknechtete Arbeiterklasse im unfreien Westen lechzte nach der Wahrheit. :joke:

Die Langwelle 185 bzw. 177 kHz wurde im süddeutschen Raum durch "Europa I" aus Saarlouis gestört.

von hegi_ms - am 24.03.2017 08:57
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