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OIRT-Empfang im Westen zu Ostblock-Zeiten

Startbeitrag von Wellenjaeger am 20.05.2017 10:31

Konnte man vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in Westberlin polnisches Radio im OIRT-Band empfangen?

Wie weit gingen damals die tschechischen OIRT-Sender?

Antworten:

Die Tschechen hatten nur sehr wenige OIRT Radiosender und ziemlich geringe Sendeleistungsen, flächendeckend waren die nur über MW/LW mit Rundfunk versorgt. In Ermangelung eines Empfängers weiß ich nicht wie weit der Empfang in die DDR rein reichte. In Polen war es vermutlich auch nicht besser. OIRT-Empfaenger waren in der DDR illegal, könnte man ja nur im Ausland bekommen.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 20.05.2017 11:43
Hatte denn in Westberlin jemand einen Empfänger damals?

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 20.05.2017 11:45
Zitat

OIRT-Empfaenger waren in der DDR illegal

In Westdeutschland waren sie ebenfalls illegal.

von iro - am 20.05.2017 13:31
Die tschechischen Radiosender waren dauerhaft im Nordosten von München mit einem Corner Reflector empfangbar. Empfänger war ein R&S Empfänger eingestellt auf 50 khz Bandbreite.

Ceske Budejovice - 67.61 - 71.63 - 70.07 mit 30 kw
Plzen - 69.56 - 67.34 - 70.34 mit 30 kw mit Fading

Bratislava - 71.12 mit 60 kw sehr schwach

von cain - am 20.05.2017 13:51
Zitat
cain
Bratislava - 71.12 mit 60 kw sehr schwach


In Wien hätte man diesen Sender vermutlich empfangen können. War zwar kein OIRT - aber ich erinnere mich, dass RadioRopa Info in den 90ern einen UKW-Sender in Bratislava zur Versorgung Wiens betrieb.

von Klaus Wegener - am 20.05.2017 14:09
Danke für die Hinweise.

von Wellenjaeger - am 20.05.2017 18:11
Zitat
cain
(...)
Plzen - 69.56 - 67.34 - 70.34 mit 30 kw mit Fading
(...)

Wie hat sich OIRT-Radio (65,8-75 MHz) mit einem E4-TV-Sender vertragen der seinen Video-Träger auf 62,25 und den Ton-Träger auf 67,75/67,992 MHz hatte? Gerade die 7 MHz des E4 liegen ja schön bei 61-68 MHz

von Thomas (Metal) - am 20.05.2017 20:35
Im Herbst 1984 empfing ich in Feldafing am Starnberger See mit einem selbstgebauten horizontalen Dipol aus 240-Ohm-Bandleitung auf ca. 2 m Höhe die Budweiser und (etwas schwächer) Pilsener Frequenzen ständig (TM) mit einem Telefunken-VHF-Empfänger. Auch ein tschechischer TV-Sender auf R1 (Klet'?) war bei Ausblendung von Grünten E2 immer wieder zu empfangen. Ob da noch mehr gegangen wäre?

von FrankenWalder - am 20.05.2017 21:47
Zitat
iro
Zitat

OIRT-Empfaenger waren in der DDR illegal

In Westdeutschland waren sie ebenfalls illegal.
In Österreich war es damals auch Strafbar OIRT-Geräte zu besitzen. Somit durfte man speziell im Wiener Raum keine ausländischen UKW-Sender empfangen und der ORF hatte das totale Monopol.
Auch noch zur Übergangszeiten wo CCIR-UKW in Ungarn bzw. Tschechoslowakei bereits eingeführt wurde und es dort sog. OIRT/CCIR-UKW Geräte bzw. Umsetzer offiziell zum Einkaufen gab.

von Franz Brazda priv. - am 21.05.2017 08:51
Zitat
Thomas (Metal)
Zitat
cain
(...)
Plzen - 69.56 - 67.34 - 70.34 mit 30 kw mit Fading
(...)

Wie hat sich OIRT-Radio (65,8-75 MHz) mit einem E4-TV-Sender vertragen der seinen Video-Träger auf 62,25 und den Ton-Träger auf 67,75/67,992 MHz hatte? Gerade die 7 MHz des E4 liegen ja schön bei 61-68 MHz


In München gab's von keinem E4-TV Sender Störungen. Weder vom Raichberg, Ochsenkopf oder Patscherkofel. Bei Sporadic-E dann schon von Italien, Schweden usw

von cain - am 21.05.2017 08:59
Ein direktes Empfangsverbot für Ostblock-Rundfunksender hat es nie gegeben, das wäre ein Verstoß gegen Artikel 5 Grundgesetz (Informationsfreiheit) gewesen. Verboten war (nach dem damals geltenden Fernmeldeanlagengesetz) das Errichten und Betreiben von Empfängern im OIRT-Bereich, da das Fernmeldegeheimnis der hiesigen Mobilfunkdienste gewahrt werden sollte.
Ein Mobilfunkdienst nutzt noch heute diesen Bereich, daher ist Amateurfunk im 70 MHz-Bereich nur mit Sondergenehmigung kurzfristig und mit erheblichen Einschränkungen zulässig.

von hegi_ms - am 21.05.2017 10:45
Das der Besitz eines OIRT Radios in der DDR illegal war kann ich nicht bestätigen. Wegen des miserablen UKW Empfangs der DDR Programme in Zittau wollte ich mir ein Tschechenradio besorgen um wenigstens ein paar internationale Titel sauber aufnehmen zu können. Also fuhr ich nach Liberec und schaute mich um. Dort hatte man die Wahl zwischen Geräten die beide Frequenzbänder drin hatten oder eben nur OIRT. Da die Preise ähnlich hoch wie bei uns waren konnte ich mir natürlich für die 20 Ostmark die man pro Tag tauschen durfte keines leisten. Meine Auswahl fiel auf ein Importgerät von VEB Sternradio Berlin, den Sternrecorder KR460, der nur OIRT konnte. Mit einem Bündel Ostmark fuhr ich dann direkt zum Hersteller nach Berlin um mir dort so eins zu holen. Ich fand Kundenbüro in dem man mir sagte das es leider nicht möglich ist ein derartiges Gerät zu verkaufen aber man könnte einen OIRT Tuner problemlos aus dem Lager holen lassen und mir verkaufen. Mit diesem Teil für ca. 70 Mark ging es dann direkt nach Zittau zur PGH wo ich mir den KR460 kaufte und den Tuner austauschen lies. Empfangen habe ich dann rausch und störungsfrei 3 tschechische Programme : Hvezda ,Praha und Vltava. Alle mindestens vier mal. Jeschken, Usti, Trutnov, Hradec Kralove. Die Regionalprogramme liefen damals, glaube ich, nur auf MW. Aus der VR Polen gingen auch 3 Programme, das 2.,3.,und 4. vom Sender Nowa Karczma bei Zgorzelec und nochmal das 2. und 4. von der Schneegrubenbaude im Riesengebirge. Als Bonus gab es ab und zu ,wenn ich meine Ochsenkopfantenne angeschlossen habe , den TV-Ton der ARD. Fürs Bild hat es an meinem Standort damals allerdings nie gereicht.

von wellenbumler - am 21.05.2017 10:58
In Berichten der Stasi-Unterlagen-Behörde wird erwähnt, dass das MfS sich in diesem Frequenzbereich weniger für tschechische Rundfunksender als vielmehr für den westdeutschen Mobilfunkdienst interessiert hat; vor allem für zivile Fahrzeuge ohne Y-Kennzeichen.

:mad:

von hegi_ms - am 21.05.2017 11:10
Zitat
hegi_ms
In Berichten der Stasi-Unterlagen-Behörde wird erwähnt, dass das MfS sich in diesem Frequenzbereich weniger für tschechische Rundfunksender als vielmehr für den westdeutschen Mobilfunkdienst interessiert hat; vor allem für zivile Fahrzeuge ohne Y-Kennzeichen.

:mad:

Hört sich so an das die es auf den 4m BOS Funk abgesehen haben.

von _Yoshi_ - am 21.05.2017 11:49
@-Yoshi_:

BOS wurde natürlich auch abgehört, aber unterhalb des BOS-Bereiches war es für Nachrichtendienste noch interessanter - siehe Wikipedia zum Thema "4-Meter-Band".

Ansonsten siehe Smiley :mad:

von hegi_ms - am 21.05.2017 14:46
Ich wüsste nicht was da damals noch so lief.
Da war unterhalb des BOS Bereiches noch einiges an 4m Betriebsfunk aktiv.
Energieversorger, Busunternehmen, Forstwirtschaft, Umweltamt, BOS Unterband (Relaiseingaben) u.s.w.

Und unterhalb das TV Bandes 1 waren noch das 40MHz ISM Band, Modellfernsteuerungen, Fahrschulen, ADAC, Straßendienste.
Teilweise konnte man noch Illegale Export US Funktelefone auf 46 und 49MHz hören.

ich wüsste so nicht was da noch interessantes gefunkt haben könnte?

Heute ist das Band so gut wie unbenutzt.(bis auf das 50MHz AFU Band und 40MHz ISM)

von _Yoshi_ - am 21.05.2017 18:24
@_Yoshi_:

Ich meinte die Wikipedia-Eintragung:

4-Meter-Band Bundeswehr

Frequenzbereich Kanalnummer 20 kHz Nutzung
72,750–75,130 MHz 600–719 UB Unterband (Relaiseingabe)
82,550–84,930 MHz 600–719 OB Oberband (Relaisausgabe)
Frequenzbereich Kanalnummer 25 kHz Nutzung
72,750–75,225 MHz 100–199 UB Unterband (Relaiseingabe)
82,550–85,025 MHz 100–199 OB Oberband (Relaisausgabe)

Bei der Bundeswehr wird der 4-m-Funk im Inland von nicht kämpfenden Einheiten verwendet, zum Beispiel vom Bundeswehr-Dienstleistungszentren, Sanitätern oder der Bundeswehrfeuerwehr. Die verwendeten Geräte sind Abwandlungen der BOS-Geräte. Sie haben dieselben Gerätebezeichnungen (FuG-7, FuG-8 etc), verwenden jedoch andere Frequenzen laut obiger Tabelle. Da sich die Frequenzbereiche bei den 20-kHz-Geräten teilweise überlappen, sind die BOS-Kanäle um 5 kHz im Raster verschoben.[[/i]

:mad:


von hegi_ms - am 21.05.2017 18:45
Ok die Bundeswehr ist da auch nicht mehr so vertreten.
Weder Analog als auch Digital.
BOS ist so gut wie weg von 4m.
Das Band ist wie schon geschrieben recht Leer.

Nur bei Überreichweiten wie z.b. ES kommt ein wenig Leben ins Band.
TV Träger, 6m AFU, Studio links (STL) und OIRT Radio.
Teilweise auch noch Betriebsfunk aus dem Ausland.

Recht Aktiv ist da nur die 40MHz ISM Frequenz mit den Babyfone.

von _Yoshi_ - am 21.05.2017 19:22
Da ich in den achtziger Jahren öfters in Polen war, habe ich mir dort ein Autoradio mit OIRT-Bereich, ich glaube Marke Unitra besorgt. Damit habe ich dann in der Sporadic-Saison (Mai bis August) manchmal das Band gescannt. Empfangen habe ich polnische und sowjetische Sender, soweit ich mich erinnern kann. Habe das aber auch nicht sehr intensiv betrieben.

von Zintus - am 22.05.2017 06:11
Zitat
wiki
In den 1950er-Jahren begann der UKW-Hörfunk in der Tschechoslowakei, Polen und Ungarn zunächst im CCIR-Band. In der Folgezeit mussten die Länder jedoch nach dem von der OIRT ausgearbeiteten Wellenplan in das neu geschaffene OIRT-Band wechseln. Nur in der DDR und in Jugoslawien waren nie Sender im OIRT-Band aktiv.

[Halb-OT]
Ursächlich dürfte für den Wechsel ins OIRT-Band der Einfluß des großen sozialistischen Bruders gewesen sein. Aber: Warum koordinierte man zu Genf84, also als Privatfunk in diesen Ländern noch lange nicht absehbar war, CCIR-Frequenzen? Vermutung: Möglicherweise wurde durch Sporadic E das Band zu oft nicht mehr richtig nutzbar.
Oder auch: Wurden bereits immer CCIR-Frequenzen koordiniert aber nicht nicht genutzt? Wie haben die Anrainer ihr UKW-Band mit diesen Ländern abgestimmt, immerhin gab es mit R4 und R5 zwei Fernsehkanäle die im CCIR-UKW-Band lagen.

von Thomas (Metal) - am 22.05.2017 06:46
Auch Halb-OT.
Die Tschechen und Slowaken hatten aus eigener Produktion in den 80igern Dualbandempfänger. Wahrscheinlich hätte es die Umstellung auf CCIR auch gegeben wenn die Wende nicht gekommen wäre, sonst hätten die wohl die Geräte gar nicht bauen dürfen.
Natürlich wurde in der Slowakei damit wohl fleißig Ö3 gehört, sogar in einem Rundfungeschäft in Bratislava, Sommer 1986, lief eine Dualband-Stereoanlage, lautstark mit Ö3. In meinem Hotelzimmer (ein kleiner Ort östlich von Bratislava), war ein Monotischradio von Tesla, Dualband, womit wir natürlich auch Ö3 hörten ;-). Im Gemeinschaftsraum stand ein Farb-TV mit Pal und lief natürlich ORF-TV.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 22.05.2017 07:17
Zitat
Thomas (Metal)
Wie hat sich OIRT-Radio (65,8-75 MHz) mit einem E4-TV-Sender vertragen der seinen Video-Träger auf 62,25 und den Ton-Träger auf 67,75/67,992 MHz hatte? Gerade die 7 MHz des E4 liegen ja schön bei 61-68 MHz


Das wiederum kann ich ziemlich genau sagen, denn der Raichberg auf E04 war neben Stuttgart und Pforzheim/Schömberg einer der drei Grundnetzsender für unsere Region.

Ich besaß einen sog. "Multiband"-Empfänger der sich über viele Wellenbereiche frei durchstimmen ließ. Besitz erlaubt, Betrieb strafbar. Gab es beim Versandhaus mit dem großen C, wohl ein Import aus den USA, denn die Skala war mit den dort typischen Anwendungen ("Weather", "AIR" und dem US-TV-Kanalraster versehen).

Man konnte -so hörte ich - damit neben Flugfunk, BOS, C-Netz und den Vorgängern der DECT-Telefone selbstverständlich auch den OIRT-Bereich empfangen, dort war vom E04 der Bildträger und auch der Tonträger zu hören. Habe ich selbstverständlich nie gemacht, denn das Abhören solcher Dienste ist ja verboten bzw. sogar strafbar.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 22.05.2017 07:49
Wenn Du damals OIRT-Rundfunk und Bild/Tonträger gehört hast, darfst Du das 2017 ruhig zugeben :)

von DH0GHU - am 22.05.2017 07:54
Na dann. Ich hörte auch die Stimme der DDR :rp: Es gab dort irgendeine Grußsendung von Hüben nach Drüben oder so. Natürlich standesgemäß auf einem Radio aus Ost-Produktion, gab es günstig bei irgendeinem Versandhaus :)

Wolfgang

von Wolfgang R - am 22.05.2017 08:17
Die hast Du auch damals hören dürfen. Zumal der "Osten" für Propaganda bevorzugt die AM-Bereiche nutzte. Ein paar Franken, Waldhessen und Ostniedersachsen als Hörer hätten nicht gereicht, um den Kommunismus in die Welt zu tragen :) Sender Frieden&Fortschritt hätte auch folgenlos mit 400 kW vom Brocken runterbrennen können...Hätte nur die Energiekrise des Ostblocks weiter verschärft :D

von DH0GHU - am 22.05.2017 08:25
Die absolute Hoheit der damaligen Post und ihrer Beamten hat zu vielen unsinnigen Gesetzen geführt, als Beispiel wurde ja schon "Besitz erlaubt, Betrieb strafbar" genannt. Als ob das damals jemanden davon abgehalten hätte, Polizeifunk zu hören oder im Freeband (11-Meter Grauzone) zu senden. Ein weiterer Nonsens war, dass Weltempfänger nur einen Frequenzbereich bis 26,1 MHz haben durften. Offiziell durfte man also nicht das CB-Funk Band und das 10-Meter Amateurband abhören, weil die Empfänger das nicht "können durften".:bloed:

von Zintus - am 22.05.2017 08:29
Interessant, wenngleich auch wirklich OT in diesem Thema ist noch folgende Tatsache: Als man das Breitbandkabel weiter ausbaute wollte die DBP ursprünglich die komplette Hoheit bis zur Anschlussdose über alle Netzebenen hinweg. Genau so wie es damals beim Telefon war (im Idealfall eine ADO4, die der Endanwender gefälligst nicht zu öffnen hatte, das Telefon fest verschraubt)

Schlussendlich "traute" man sich dann aber nicht, dies umzusetzen, da man Proteste der RFT und Antennenbauer fürchtete. So wurde die NE4 dann doch Sache des Hauseigentümers und die lokalen Handwerksbetriebe wären im Idealfall für die Errichtung zuständig gewesen. Natürlich nur Komponenten mit Post-Zulassung, versteht sich.

Wie es vielfach in der Praxis aussah, wissen wir alle. Stichleitung vom HÜP auf die alte Terrestrik-Verteilung, in Eigenleistung mal schnell an einem Samstag gemacht :)

Gibt noch ein paar alte Gebäude in meiner näheren Umgebung, welche diese Antennenleitung vom Keller nach oben in den Spitzboden an der Außenfassade haben...

Scheinbar war das Post-Monopol gegen Ende der 80er schon gewaltig am Wackeln und man fürchtete sich nicht mehr so ganz. Mein Herr Vater traut sich bis heute nicht, selbst was an den Telefonkabeln zu machen. Mit Argwohn beobachtete er damals, wie ich die ADO4 gegen eine TAE wechselte (Umrüstkit aus dem T-Punkt).

Wolfgang

von Wolfgang R - am 22.05.2017 09:53
Zitat
Klaus Wegener
Zitat
cain
Bratislava - 71.12 mit 60 kw sehr schwach


In Wien hätte man diesen Sender vermutlich empfangen können. War zwar kein OIRT - aber ich erinnere mich, dass RadioRopa Info in den 90ern einen UKW-Sender in Bratislava zur Versorgung Wiens betrieb.
In Bratislava Ende der 80ziger wurde übrigens die 101,8 MHz als erste CCIR-Frequenz im OIRT-Ostblock in Betrieb genommen. Darauf wurde dann der Musiksender "Stanica Melodia" und anschliessend das legendäre "Radio CD" für Wien aufgeschaltet.

von Franz Brazda priv. - am 22.05.2017 10:48
Zitat
Klaus Wegener
Zitat
cain
Bratislava - 71.12 mit 60 kw sehr schwach


In Wien hätte man diesen Sender vermutlich empfangen können. War zwar kein OIRT - aber ich erinnere mich, dass RadioRopa Info in den 90ern einen UKW-Sender in Bratislava zur Versorgung Wiens betrieb.
In Bratislava in den 80ern wurde übrigens die 101,8 MHz als erste CCIR-Frequenz im OIRT-Ostblock in Betrieb genommen. Darauf wurde dann der Musiksender "Stanica Melodia" und anschliessend das legendäre "Radio CD" für Wien aufgeschaltet.

von Franz Brazda priv. - am 22.05.2017 10:50
Im Sommer 1987 wurde in Cheb/ Zelená Hora (Eher/Grünberg) die heute noch vom Tillenberg genutzte 97,6 für das Radiožurnál-Vorgängerprogramm Hvězda in Betrieb genommen. Leistung damals schätzungsweise 50 Watt, beifahrertaugliche Reichweite in Bayern ca. Hohenberg/Eger, Arzberg, Waldsassen, Mitterteich, Neualbenreuth und die höher gelegenen Teile von Marktredwitz.

von FrankenWalder - am 22.05.2017 20:00
Warum wurde das OIRT-Band in den meisten osteuropäischen Ländern nicht zusätzlich zu CCIR beibehalten, wie es heute noch in Moldawien, Belarus, der Ukraine, Russland und einigen Staaten des Kaukasus der Fall ist?

Stimmt es, dass in Russland OIRT bald nicht mehr für Rundfunkübertragungen genutzt werden soll?

von Wellenjaeger - am 22.05.2017 20:18
Zitat
Wellenjaeger
Warum wurde das OIRT-Band in den meisten osteuropäischen Ländern nicht zusätzlich zu CCIR beibehalten, wie es heute noch in Moldawien, Belarus, der Ukraine, Russland und einigen Staaten des Kaukasus der Fall ist?


...weil man sich von allem, das irgendwie an die sowjetische "Besatzerzeit" erinnerte, schnellstmöglich entledigen wollte?

Die in dem Zitat genannten Staaten sind meinem persönlichen Empfinden nach hier eher noch russland-freundlicher und allesamt Teil der sog. GUS-Staaten, einer Art Nachfolge-Konstrukt der Sowjet-Union.

Frag mal im krassen Gegensatz dazu einen Litauer, Letten oder Esten, ob er für die Wiedereinführung des OIRT-Bandes wäre. Auf die Antwort bin ich gespannt :)

Wolfgang

von Wolfgang R - am 23.05.2017 07:52
Moldawien ist bis auf die abtrünnige Provinz Transnistrien nicht besonders russlandfreundlich.
Von weiten Teilen der Westukraine kann man das auch nicht sagen.
Außerdem sehe ich nicht so recht den Zusammenhang: Warum soll eine Technik schlecht sein, nur weil sie von der Sowjetunion genutzt wurde?
Tatsache ist, dass angesichts der Frequenzknappheit eine zusätzliche Nutzung des OIRT-Bandes zumindest aus heutiger Sicht sinnvoll erscheint.
Weshalb das Band ausgrechnet in Russland nicht mehr verwendet werden soll, erschließt sich mir nicht.
Im OIRT-Band sind ja auch Übertragungen in Polar-stereo möglich.

von Wellenjaeger - am 23.05.2017 08:27
Ich würde sogar noch weiter gehen. Das Band I ist ja schon seit vielen Jahren "leergeräumt", d.h. es gibt dort keine TV-Sender mehr, zumindest in West- und Mitteleuropa. Es ist aber immer noch offiziell dem Rundfunkdienst zugewiesen. Was hält die Behörden in den europäischen Ländern davon ab, dort FM-Rundfunk zuzulassen? Dann wäre das große Problem der Frequenzknappheit mit einem Schlag gelöst.

von Zintus - am 23.05.2017 11:33
Ja, nur dafür gibt es wieder keine Rundfunkempfänger von der Stange.

von PowerAM - am 23.05.2017 11:37
Dann bauen wir uns wieder Konverter, so wie vor 50 Jahren...

Konverter

von Zintus - am 23.05.2017 13:10
Zitat
Zintus
Was hält die Behörden in den europäischen Ländern davon ab, dort FM-Rundfunk zuzulassen? Dann wäre das große Problem der Frequenzknappheit mit einem Schlag gelöst.


Wobei die Übertragung dann nicht mehr analog, sondern digital erfolgen sollte.
Denkbar wäre bspw. eine Nutzung des OIRT-Bandes für Rundfunkübertragungen im DRM+-Standard.

von Wellenjaeger - am 23.05.2017 17:44
Zitat
Zintus
Dann wäre das große Problem der Frequenzknappheit mit einem Schlag gelöst.


Was nützen freie Frequenzen, wenn die Industrie keine Geräte dafür produzieren möchte? Für die Geräteindustrie sind Radioapparate heute aber schlichtweg uninteressant.

Das Problem beginnt schon damit, dass man neue Nutzungen international koordinieren müsste. Die Industrie braucht ja grundsätzlich eine technische Spezifikation für Geräte, die sie produzieren soll. Und die Fernmeldebehörden müssen sich auch auf einen Standard hinsichtlich Störabstände etc. einigen, welche wegen der niedrigeren Frequenz anders sind als im herkömmlichen UKW-Bereich.

Das alles müsste zunächst jemand beantragen und einen konkreten Nutzen für viele Leute in vielen Ländern nachweisen. Dann muss es auf die Tagesordnung der einschlägigen Koordinierungskonferenzen. Ist es dann beschlossen, was nur passiert, wenn auch ein entsprechender Lobbyismus stattfindet, kann sich eventuell die Industrie erwärmen, Geräte zu produzieren, aber auch nur, wenn man etliche Millionen verkaufen kann. Diese Zeit scheint mir jedoch endgültig vorüber zu sein.

von Wasat - am 23.05.2017 19:33
Produzieren braucht man eigentlich nicht extra.
OIRT können bereits viele Geräte.
Oftmals braucht man nur eine Tastenkombi beim einschalten Drücken oder auf der Platine Lötbrücken entsprechend setzen.
In einigen fällen braucht nur die Firmware geändert werden. (SDR Empfänger)

von _Yoshi_ - am 23.05.2017 20:11
Zitat
Zintus
Ich würde sogar noch weiter gehen. Das Band I ist ja schon seit vielen Jahren "leergeräumt", d.h. es gibt dort keine TV-Sender mehr, zumindest in West- und Mitteleuropa. Es ist aber immer noch offiziell dem Rundfunkdienst zugewiesen. Was hält die Behörden in den europäischen Ländern davon ab, dort FM-Rundfunk zuzulassen? Dann wäre das große Problem der Frequenzknappheit mit einem Schlag gelöst.

Band I ist für Rundfunk nicht besonders gut geeignet, starke Störanfälligkeit durch Sporadic E...

von WiehengeBIERge - am 23.05.2017 20:47
Zitat
_Yoshi_
Oftmals braucht man nur eine Tastenkombi beim einschalten Drücken oder auf der Platine Lötbrücken entsprechend setzen.


Für 99,9% der Leute uninteressant. Die Leute wollen einen, höchstens zwei Knöpfe drücken und ihr Lieblingsprogramm hören.

von Wasat - am 23.05.2017 20:51
Zitat
Wasat
Zitat
_Yoshi_
Oftmals braucht man nur eine Tastenkombi beim einschalten Drücken oder auf der Platine Lötbrücken entsprechend setzen.


Für 99,9% der Leute uninteressant. Die Leute wollen einen, höchstens zwei Knöpfe drücken und ihr Lieblingsprogramm hören.


Die Tastenkombi wird nur einmal zum Freischalten genutzt.
Viele Tastenkombis sind bei heutigen Geräten eh undokumentiert und werden rein zufällig herausgefunden.

von _Yoshi_ - am 23.05.2017 21:05
Zitat
_Yoshi_
Die Tastenkombi wird nur einmal zum Freischalten genutzt.


Fragt sich trotzdem, wer das bei Millionen von Geräten durchführt (99% der Leute werden es nicht schaffen) bzw. was es interessant genug macht, dass dies von den Leuten auch nachgefragt wird. So lange neue Frequenzen nur mit "more of the same" gefüllt werden, wird es sicher keine Nachfrage geben.

von Wasat - am 23.05.2017 21:41
gabs ja alles schon mal, zum Beispiel aus DDR - RFT Produktion den Tesla SKR 701, siehe hier.

http://www.ps-service.cz/archiv/Starestroje/imageproxy.jxs.cz/_nd04/jxs/cz_/975/933/916510e6ef_71237596_o2.jpg

von Felix II - am 24.05.2017 07:46
Gebaut wurde der vom VEB Sternradio Berlin. Es gab m. W. nahezu alle Geräte, die einen UKW-Empfänger für den CCIR-Bereich hatten, auch in einer OIRT-Ausführung. Je nach Bestimmungsmarkt stand dann aber oftmals nicht "RFT" darauf, sondern z. B. "Tesla".

von PowerAM - am 24.05.2017 08:10
Trotzdem konnte man so ein Gerät in der DDR nicht erwerben.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 24.05.2017 08:28
Zitat
Zintus
Ich würde sogar noch weiter gehen. Das Band I ist ja schon seit vielen Jahren "leergeräumt", d.h. es gibt dort keine TV-Sender mehr, zumindest in West- und Mitteleuropa. Es ist aber immer noch offiziell dem Rundfunkdienst zugewiesen. Was hält die Behörden in den europäischen Ländern davon ab, dort FM-Rundfunk zuzulassen? Dann wäre das große Problem der Frequenzknappheit mit einem Schlag gelöst.


In Deutschland ist Band I nicht mehr dem Rundfunkdienst zugewiesen. Seit mindestens 2011 tauchen dort nur noch auf:
- Nichtnavigatorischer Ortungsfunkdienst mit der Nutzung Windprofil-Messradar
- Mobiler Landfunkdienst mit der Nutzung Militärische Funkanwendungen
- Amateurfunkdienst

2008 tauchte nur Rundfunkdienst mit Nutzung Fernseh-Rundfunk auf.
Mir liegen leider nach 2008 nur die Pläne für 2011, 2015 und 2016 vor.


Davon abgesehen: Man sieht ja gerade im Band III, wie langwierig das Einführen einer neuen Empfängergeneration ist....Rundfunk im Band I müßte sich auch noch mit den dort vorhandenen Diensten arrangieren....

von DH0GHU - am 24.05.2017 16:20
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