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Wasat, Klaus Wegener, Jens1978, LWie, _Yoshi_, BadestadtFM, DH0GHU, 102.1

Kurzwelle in Afrika?

Startbeitrag von 102.1 am 06.08.2017 17:11

Bekommt man von der Kurzwelle in Afrika noch etwas in Europa mit? - Wie in dem Artikel beschrieben?

http://www.spiegel.de/einestages/afrika-und-rundfunk-kalter-krieg-per-kurzwelle-a-1159596.html

Antworten:

Also hat sich die DW doch noch nicht ganz von der KW verabschiedet.

von _Yoshi_ - am 06.08.2017 17:21
Natürlich nicht, das steht doch auch auf der Webseite.
http://www.dw.com/downloads/39551170/a17webkw.pdf

Teilweise ist das auch in D empfangbar, sei es via Multihop-F2-Ausbreitung, via Backscatter oder im Sommer via Sporadic-E.

von DH0GHU - am 07.08.2017 05:59
Im 49m-Band ist abends doch noch einiges los, u.a. auch aus Richtung Afrika. Aus dem Kopf fallen mir Äthiopien und Trans World Radio Swaziland (6120), Nigeria (6090) ein, die ich zwischen 20 und 21 Uhr MESZ gerade mit recht gutem Signal gehört hatte.

Zum Überblick am bestens abends short-wave.info benutzen und auf "gesamtes Band" "NOW" klicken und nach afrikanischen Ländern suchen. Uhrzeitbezogen geht auch hfradio.org

Interessant war früher das 60m-Band, aber da scheint die Nutzung stark zurückgegangen zu sein. Dort sind die gewitterbedingten Störungen noch gravierender, und die Signalpegel in Europa - verbunden mit den lokalen Sprachen - machen das Zuhören doch eher zu einer sportlichen Herausforderung.

Viel Spaß und bitte mal melden, ob etwas zu hören war!

von LWie - am 07.08.2017 06:54
Zitat

Teilweise ist das auch in D empfangbar, sei es via Multihop-F2-Ausbreitung, via Backscatter oder im Sommer via Sporadic-E.

Nur wird man als normaler Mitteleuropäer kaum etwas mit Hausa oder sowas anfangen können. Und die 1h Englisch und Französisch ist doch ein Witz. Bleibt dann nur der Reiz des dxens, für normale Nutzer ist das nix. Und die Sendestationen sind bis auf Nauen alles DW-fremde Stationen, eigene Stationen hat man gar nicht mehr.

Zitat
LWie
Interessant war früher das 60m-Band, aber da scheint die Nutzung stark zurückgegangen zu sein.

Ja, so ist es. Mittlerweile ist abends, vor allem im Winter eher Asien, d.h. Indien und China interessant und vor allem auch recht gut zu hören. Aus Afrika kommt kaum was an, da vor allem die Sender meist schlecht oder gar nicht mehr in Betrieb sind. Morgens ist auch Südamerika noch interessant. Aber allein schon die Einträge im WRTH im Vergleich zu früheren Jahren lassen erkennen, dass da einfach nix mehr los ist. Leider.

Und Kurzwelle ist auch in Afrika nicht mehr das A und O. Nicht ohne Grund hat sich z.B. Africa No.1 aus Gabon mittlerweile komplett von der Kurzwelle verabschiedet, die hatten vor vielen Jahren noch die 17630 in Betrieb die auch in Mitteleuropa ein schönes Signal tagsüber generierte, abends 15475, zuletzt lief nur noch die 9580. Auch Medi.1 ist von der Stammfrequenz 9575 runter. Da kann auch die DW mit seinen paar Stunden Programm eigentlich nicht wirklich was reisen. Finde es aber wirklich interessant, das dafür dann doch noch die Kurzwelle genutzt wird, während sonst die DW quasi von Öffentlichkeit unbemerkt sendet.

von Jens1978 - am 07.08.2017 07:38
Zitat
Jens1978
Ja, so ist es. Mittlerweile ist abends, vor allem im Winter eher Asien, d.h. Indien und China interessant und vor allem auch recht gut zu hören. Aus Afrika kommt kaum was an, da vor allem die Sender meist schlecht oder gar nicht mehr in Betrieb sind. Morgens ist auch Südamerika noch interessant. Aber allein schon die Einträge im WRTH im Vergleich zu früheren Jahren lassen erkennen, dass da einfach nix mehr los ist. Leider.


Ich frage mich schon seit bestimmt 30 Jahren oder länger, inwieweit das "legendäre" Tropenband in den gewünschten Zielgebieten eigentlich genutzt wurde. Zumindest in Südamerika war ich länger und ausgiebig, hier habe ich nie einen Tropenband-Empfänger oder Kurzwellen-Empfänger in einem Haushalt gesehen. Genutzt wurde Mittelwelle und UKW.

von Klaus Wegener - am 07.08.2017 14:28
Nachvollziehbar. Eigene Reiseerfahrungen dazu habe ich nicht.

Gab es aber vielleicht Regionen im Regenwald o.ä., die tatsächlich keine Versorgung über MW und erst recht UKW hatten (+ heute noch haben) ? Die Frequenzlisten von damals verzeichneten doch z.B. in Brasilien auf 60m zu jeder Region eine oder mehrere Stationen.

von LWie - am 08.08.2017 07:30
Die Tropenbandsender haben schon Sinn gemacht, in Südamerika und Afrika gibt es ja riesige Gebiete, die mit UKW und auch MW nicht zu versorgen waren. Dagegen ist Europa geradezu winzig.

von BadestadtFM - am 08.08.2017 08:04
Zitat
Klaus Wegener
Ich frage mich schon seit bestimmt 30 Jahren oder länger, inwieweit das "legendäre" Tropenband in den gewünschten Zielgebieten eigentlich genutzt wurde.


Die Nutzung der Tropenbänder war eine eher kurze Geschichte. Sie begann in den 1950er-Jahren und hatte ihren Höhepunkt ca. 1975 mit etwa 1100 Stationen im Tropenband, davon über 400 in Lateinamerika und 160 in Afrika. Dann ging es steil bergab. Heute sind es weltweit noch etwas mehr als 100 Sender.

Ich vermute, dass dies vor allem mit der Geräteindustrie zusammenhängt. Bis in die 1970er-Jahre gab es in vielen Ländern Lateinamerikas eine eigene Geräteindustrie. Die produzierten Röhrenradios konnten meist nur MW und KW inkl. Tropenbänder empfangen.

Hier eine Seite mit alten Radios aus Brasilien: http://www.radioantique.com.br/nacionais.htm

Hier sieht man eine typische Radioskala: http://www.viamaxi.com.br/2011/10/camara-aprova-34-concessoes-de-radiodifusao/

Ab den 1970er-Jahren ersetzten aber immer mehr Transistorradios aus Japan, die nur MW und UKW empfangen konnten, die alten Röhrenradios heimischer Produktion. Damit schwand auch die Hörerschaft und die Sender wurden nach und nach abgeschaltet.

Vermutlich hat es sich auch nicht wirklich gerechnet, Sender im Tropenband zu betreiben, weil für kommerzielle Stationen die Landbevölkerung nicht kaufkräftig genug war.

Zitat
Klaus Wegener
Zumindest in Südamerika war ich länger und ausgiebig, hier habe ich nie einen Tropenband-Empfänger oder Kurzwellen-Empfänger in einem Haushalt gesehen.


Ich sah einmal ein tropenbandtaugliches Küchenradio 1981 bei einer Bekannten in Rom, die dort bei der Pan Am arbeitete. Sie hatte das Gerät in Südamerika gekauft. Sie hörte übrigens damit meist "Radio Monte Carlo" auf Mittelwelle 702 kHz. Das ging in Rom mit Ortssenderqualität.

Hier meine eigenen statistischen Betrachtungen dazu: http://www.wabweb.net/radio/radio/tropenband.htm

von Wasat - am 08.08.2017 17:03
@Wasat: Danke für die Erklärungen und die Links :-)

Ich war zum ersten Mal 1990 in Lateinamerika, dann war die Hoch-Zeit des Tropenbandes also schon vorbei, und eigentlich war ich auch nur in größeren Städten. Aber interessant die Seite mit der Empfängern aus Brasilien. Gab es denn noch andere Länder außer Brasilien in Lateinamerika, die eine eigene Geräteproduktion hatten?

von Klaus Wegener - am 08.08.2017 18:26
Zahlreiche Hersteller gab es in Argentinien, Uruguay und Mexiko. Wobei z.B. Philips und RCA Victor in vielen Ländern Zweigwerke oder Lizenzfertigungen hatten. Es wurden meist die gleichen Modelle wie in Europa bzw. den USA produziert, jedoch in landesspezifischer Ausstattung, wie eben Tropenband.

Philips produzierte übrigens eine spezielle Tropic-Serie mit zahlreichen Modellen. Die Geräte waren mit KW-Bereich, der die Tropenbänder umfasste. Andere große Hersteller dürften ähnliche Sondermodelle produziert haben.

https://www.radiolaguy.com/Showcase/Plastic/Philco_B3101.htm

http://www.amateurradio.com/philco-tropic-model-3012/

http://www.antiqueradios.com/forums/viewtopic.php?f=1&t=173383

Hier ein von Philips South Africa produziertes Radio mit Tropenband, aber ohne UKW: http://www.roetta.it/ik3hia/pages/transistors/philips_L3X25T00.htm

Sony und Panasonic produzieren noch immer einfache Radios mit Kurzwellenteil ab 4,75 MHz, z.B. Sony ICF-J1 in einer Afrika-Ausführung oder Panasonic RF-562D.

von Wasat - am 08.08.2017 20:54
Offizielle Begründung war ja damals immer, dass es aufgrund der vielen Gewitter nicht möglich/sinnvoll sei auf Mittelwelle zu senden und deswegen auf die Tropenbänder ausgewichen wurde. Allerdings sind die Störungen zwar geringer, aber dennoch vorhanden. Aber interessant, denn anscheinend hatten die Tropenbandgeräte schon damals Mittelwelle mit an Bord gehabt. Demnach wurde das Tropenband dann von UKW abgelöst? Erstmals Tropenbandsender empfangen habe ich erst recht spät, Mitte 1998 als ich den ersten Empfänger (SW77) für diese Bereiche bekommen habe. Damals waren Länder wie Togo, Mali, Namibia z.B. vertreten. Aber gerade bei Mali und Namibia frag ich mich, wie heutzutage die Fläche mit Radioprogrammen versorgt wird. Mobil gar nicht? Stationär ja vermutlich Satellit. Trotzalledem war es schön wenigstens noch die Reste des Tropenbandes mitbekommen zu haben :-)

von Jens1978 - am 08.08.2017 21:51
Zitat
Jens1978
Aber interessant, denn anscheinend hatten die Tropenbandgeräte schon damals Mittelwelle mit an Bord gehabt.


Es waren ja meist Radiogeräte europäischer und US-amerikanischer Hersteller, die entsprechend modifiziert waren. Bei uns hatten die meisten Röhrenradios auch einen Kurzwellenteil.

Außerdem gab es auch in den Tropen von Anfang an einige Mittwellensender, allerdings nur in den größten Städten und leistungsschwach. Die Hauptrolle spielte anfänglich die Kurzwelle, auch, weil es außerhalb der wenigen größeren Städte an der Infrastruktur mangelte und deshalb Radiohörer dünn gesät waren.

In Lateinamerika kam es im Laufe der 1960er-Jahre bei fast allen Stationen zu einer Parallelausstrahlung auf Mittwelle. Die Mittwelle erwies sich trotz Gewitterstörungen offenbar als zweckmäßiger als die Kurzwelle, was ab den späten 1970ern zu einer Abschaltung der Kurzwelle bei vielen Stationen führte.

Zitat
Jens1978
Aber gerade bei Mali und Namibia frag ich mich, wie heutzutage die Fläche mit Radioprogrammen versorgt wird.


Die gleiche Situation gibt es auch in Russland, Kanada oder Australien. Die frühere Kurzwellenversorgung ist überall abgeschaltet. Nur nachts gibt es Mittelwellenempfang.

von Wasat - am 09.08.2017 16:03
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