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Wasat, 102.1, iro, Göttelborn, Randfunker, DJ Taifun, Wellenjaeger

[BRASILIEN] Das Ende der kleinen Mittelwellensender

Startbeitrag von Wasat am 29.09.2017 22:16

Heute bin ich durch Zufall auf einen Artikel gestoßen, der von "migração de rádios AM para FM" in Brasilien handelt. Da ich etwas Portugiesisch kann, habe ich mich durch die brasilianischen Websites gearbeitet.

Demnach hat die Regierung Brasiliens 2013 beschlossen, bis 2023 die vielen Mittelwellensender geringer Leistung wegzubekommen. Als Grund werden genannt: die immer stärker werdenden Störungen und, dass die immer mehr genutzten Handys nur FM empfangen können. Damit schwinden die Hörerzahlen und es ist abzusehen, dass die kleinen AM-Stationen bald nicht mehr wirtschaftlich sein würden.

In einer ersten Phase wird den Radiostationen eine finanziell geförderte Gelegenheit gegeben, auf FM zu wechseln. Von 1781 AM-Stationen entschieden sich 1386 für diesen Weg.

937 Stationen können in den bisherigen FM-Bereich 88-108 MHz wechseln. Dies soll bis Ende 2017 erfolgen. Es ist ein Simulcast von AM & FM für 180 Tage möglich.

Die anderen 437 Stationen werden auf den Bereich 76-88 MHz verlegt, der bis 2018 durch Abschaltung des analogen TV geräumt sein muss. In den Ballungsräumen erfolgte dies bereits 2014 und 2015. Ab 2019 müssen alle in Brasilien hergestellten Radios den Bereich 76-108 MHz empfangen können. Der Simulcast-Betrieb von AM & FM ist hier für 5 Jahre möglich. In Sao Paulo müssen wegen des dort schon stark besetzten FM-Bandes 70% in den erweiterten Bereich wechseln.

Jene 395 Stationen, die weiter auf Mittelwelle senden wollen, haben entweder schon eine hohe Sendeleistung oder sind gezwungen, ein Lizenz-Upgrade von Lokal auf Regional oder National durchzuführen, was aber mit hohen Kosten für eine neue große Sendeanlage verbunden ist.

Ich hoffe, dass ich alles richtig verstanden habe.

Hier ein Link, der das meiste beschreibt, allerdings in Portugiesisch: https://www.connectmix.com/migracao-de-radios-am-para-fm-sp/

Antworten:

Interessan,t vorallem die nach unten erweitertes UKWBand ab 76MHz aufwärts. Ob dann Radios für diesem UKW Bereich im öffentlichen Handel kommen:gruebel:
Warum Brasilien nicht direkt auf DAB setzten:confused:

von DJ Taifun - am 30.09.2017 09:57
Zitat
DJ Taifun
Warum Brasilien nicht direkt auf DAB setzten:confused:


Weil auf UKW der Multiplex-Zwang entfällt?

Zitat
DJ Taifun
Ob dann Radios für diesem UKW Bereich im öffentlichen Handel kommen:gruebel:


Viele UKW-Radios haben doch bereits jetzt ein durchgehendes Band von 76 bis 108 MHz, weil die Hersteller damit gleich den japanischen Markt mit abdecken.
Es sollte also keine Schwierigkeit sein, solche Geräte künftig auch nach Brasilien zu liefern.

von Wellenjaeger - am 30.09.2017 11:48
Zitat
Wellenjaeger
Zitat
DJ Taifun
Warum Brasilien nicht direkt auf DAB setzten:confused:
Weil auf UKW der Multiplex-Zwang entfällt?


Die meisten kleinen Sender könnten sich gar nicht leiten, die Miete für einen Platz in einem Multiplex zu bezahlen.

Der bras. Verband der Rundfunk- und Fernsehsender ABERT meinte dazu auch:
"Die Diskussion über die Radio-Digitalisierung wird im Digitalradio-Fachbeirat fortgeführt. Wir hoffen, dass die technischen Fragen rund um die Ermittlung des Leistungsverhältnisses zwischen analoger und digitaler Übertragung bis Ende dieses Jahres (2014) definiert werden. In dieser Zeit erwarten wir auch, dass die Diskussionen über Geschäftsmodelle und Dienstleistungen über eine positive Industriepolitik mit der Massenverbreitung von digitalen Empfängern einhergehen werden. Leider gibt es keine Möglichkeit, das endgültige Ergebnis der Diskussionen vorherzusagen oder wann sie enden werden, da das Hauptproblem die Machbarkeit der Digitalisierung und nicht nur die Bestimmung eines digitalen Funktechnik-Standards ist."

UKW ist in Brasilien überall etabliert. Es gibt ca. 10.000 Rundfunkstationen, davon waren 2016:
3.530 FM
4.775 Rádios comunitárias (max. 25 Watt FM)
1.790 AM
72 Tropenband
61 Kurzwelle

Bei den Daten handelt es sich um ausgegebene Lizenzen. Im Tropenband und auf Kurzwelle sind inzwischen insgesamt nur mehr etwa 55 Stationen in Betrieb.

von Wasat - am 30.09.2017 18:14
Um welchen Leistungsbereich handelt es sich in Bras. bei den AM-Sendern "niedriger" Leistung? Ein paar hundert Watt? Ein paar kW?
Die Tatsache, dass erst mal hin zu UKW gewechselt wird, zeigt, dass UKW durchaus noch eine gewisse Zukunft haben kann, besonders, wenn das Band erweitert wird - was bei uns übrigens ja auch möglich wäre. Die Polizei wollte ihren Funk ja unbedingt auf Digital wechseln (was aber wohl noch nicht allerorts umgesetzt wurde - bin da nicht auf neuestem Stand).
Werden in Brasilien auf UKW auch nur die "ungeraden" Frequenzen genutzt, so wie in den USA? Das wäre dann ja auch Frequenzvergeudung ...

von Randfunker - am 16.10.2017 22:59
Ich sehe durchaus für UKW auch hierzulande eine Zukunft.

Der multiplex Zwang wurde ja schon angesprochen.

Das Problem ist ja auch, dass DAB und die Kanaleinteilung Stand Mitte der 90er Jahre ist. Damals ausgelegt beim "normalen" Fehlerschutz für 6 Programme a 192 kbit/s in mp2.

Heutzutage bekommt durch die neuen Codecs fast doppelt soviele Programme unter mit der Folge einer Quantisierung.

Natürlich braucht man eine Mindestbandbreite, damit der Fehlerschutz effizent funktioniert. Die Kosten werden durch weniger Anbieter geteilt, auf der anderen Seite braucht man auch weniger Ausgangsleistung, da die Bandbreite geringer ist. Aber der entscheidene Vorteil wäre, dass man Kanäle effizienter nutzen könnte, die Probleme der geringen SFN Abstände entzerren und zumindest jedem Bundesland hierzulande eine Bedeckung mit mehr overspill spendieren.

und natürlich wird es für lokale Anbieter einfacher via DAB zu starten.

Ein UKW Sender ist einfach billiger. Selbes haben wir ja auch im TV Bereich beobachtet. Viele Lokalstationen waren ja noch länger analog auf Sendung.

Aber was mich natürlich verblüfft ist, dass in Brasilien überhaupt soviele AM Stationen noch gibt. Gerade in den nördlichen landesteilen unweit der Äquators dürfte es doch massive Probleme durch Gewitter geben Nicht umsonst gibt es ja das Tropenband, das eine höhere Reichweite als UKW hat, keine Tote Zone wie die Kurzwelle und Störungsarmer als die Lang und Mittelwelle bei Atmosphärischen Störungen ist.

von Göttelborn - am 17.10.2017 01:05
Zitat
Göttelborn

Ein UKW Sender ist einfach billiger.


Das ist nicht zwingend so. Vielleicht gerade nur in der Anschaffung des Senders, aber nicht im Betrieb. Im Betrieb ist DAB+ guenstiger.

Eine Verlagerung von AM auf FM ist mir in Canada auch aufgefallen, allerdings nur in mittelgrossen Staedten, wo auf FM noch "genug Platz" sei. In Toronto oder Montreal oder Vancouver geht das halt nicht, allerdings in Halifax oder Quebec City duerfte kein lokaler AM Sender mehr in Betrieb sein.

Das FM Band von 76 bis 88 MHz und bis auf 108 MHz zu betreiben, das kenne ich nur aus Russland, etwa in Moskau ist dies der Fall.

von 102.1 - am 17.10.2017 08:50
Zitat
102.1
Das FM Band von 76 bis 88 MHz und bis auf 108 MHz zu betreiben, das kenne ich nur aus Russland, etwa in Moskau ist dies der Fall.

Da versiehst Du Dich. In Moskau wird auf 66.44 bis 71.3 (73.82)MHz gesendet.
Außerdem liegt noch ein Fernseh-Tonkanal auf 83.75 MHz (Video: 77,25 MHz).

von iro - am 17.10.2017 08:59
Zitat
Rundfunker
Um welchen Leistungsbereich handelt es sich in Bras. bei den AM-Sendern "niedriger" Leistung?


Es geht um die Stationen mit 5 kW und darunter, die aber ca. 80% aller AM-Stationen ausmachen. 58% haben 1 kW und weniger.

Zitat
Rundfunker
Werden in Brasilien auf UKW auch nur die "ungeraden" Frequenzen genutzt, so wie in den USA? Das wäre dann ja auch Frequenzvergeudung ...


Wie in den USA 200 kHz Kanalabstand. Frequenzvergeudung ist das nicht, weil bei 200 kHz Kanalabstand die Störanfälligkeit der Nachbarkanäle geringer ist.

Typisch für den amerikanischen Kontinent ist auch, dass das Land zwischen den Ballungsräumen dünn besiedelt ist. Man kann somit 300 km entfernt die Kanäle wiederbelegen. Und dazwischen gibt es kaum Radiostationen.

Zitat
Göttelborn
Gerade in den nördlichen Landesteilen unweit der Äquators dürfte es doch massive Probleme durch Gewitter geben.


Wie bereits geschrieben, ist das Land außerhalb der Ballungsräume ziemlich leer. Es reicht, dass man bis an den Stadtrand gut empfangen werden kann. Bei Kleinstädten ist 1 kW genug. Auch für Großstädte reichen 10 kW. So gibt es in Manaus 8 AM-Stationen, von den nur eine mit 50 kW sendet, alle anderen tagsüber mit 10 kW. Die größeren Stationen hatten früher für die Gebiete außerhalb einen Kurzwellensender.

Heute rentieren sich die Kurzwellen-Outlets nicht mehr, weil man die großen Stationen via Satellit und Internet hören kann und jedes Dorf sein "Radio comunitária" hat.

Zitat
Göttelborn
Ein UKW Sender ist einfach billiger.


Das Kostenargument gilt eher für die Empfängerseite. Bei einer Untersuchung in Mumbai/Indien hat man festgestellt, dass 92% der Leute zum Radiohören ihr Handy benützen. Und das geht nur mit UKW. (Quelle: Jonathan Marks bei Cross Media Café Radio 2012)

von Wasat - am 17.10.2017 18:02
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