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Regelmäßiger UKW-Fernempfang an der Küste

Startbeitrag von Funkohr am 08.01.2018 18:57

Es ist ja sehr vielen hier im Forum bekannt, dass Fernempfänge an der Küste deutlich besser funktionieren als im Binnenland. Von der Nordseeküste und den ostfriesischen Inseln gibt es viele solcher Berichte, einige auch von mir.

Als Kommentar zu einem meiner Videos in Youtube, einem UKW-Bandscan auf Baltrum im letzten Jahr, hat mich nun zu diesem Thema folgende Frage erreicht:

Zitat
cat man
Ich habe im Oktober auf der holländischen Insel Texel gescannt. Dort habe ich unter anderem NDR, RB, WDR usw. empfangen. Bei guten Bedingungen konnte ich sogar BB Radio auf 104.3 empfangen. Meinen Lieblingssender Hitradio FFH konnte ich außerdem schon oft auf Texel empfangen.
...
Ich frage mich, warum ich zuhause hier in Hessen viele deutsche Radiosender immer nur für wenige Sekunden empfangen kann und auf Texel länger. Hast Du da eine Erklärung für? Ich freue mich auf deine Antwort :)


Ich habe mir auch schon öfter die Frage gestellt, warum man an der Küste Fernempfänge von Langenberg, Hohem Meissner etc. so häufig und so stabil beobachten kann. Eine richtig überzeugende Antwort darauf habe ich noch nicht gefunden. Es ist ja kein Empfang über Wasser, sondern "nur" über viel plattem Land. Sichtverbindung zu diesen Sendern besteht jedenfalls nicht annähernd.

Deshalb die Frage an die Wellenausbreitungs-Experten unter Euch: Warum ist das so? Vielleicht kennt ja auch jemand einen alten Faden hier im Forum zu diesem Thema oder ein schönes Dokument im Web, das dazu Auskunft gibt.

Antworten:

Re: Regelmäßiger Fernempfang an der Küste

Im Sommer ist die Luft über Land wärmer als über Wasser, vielleicht bildet sich an der Wasserkante eine Reflexionsschicht. Im Winter ist meistens über Wasser die Luft etwas wärmer als über Land, vielleicht ist dann wieder an der Wasserkante ne Reflexionsschicht... .
Bei starkem Tiefdruck und stark windigem Wetter ist das vielleicht nicht gegeben und die Empfangsbedingungen sind dann normal. Das müsste mal jemand in Erfahrung bringen der dicht an der Wasserkante am Meer wohnt. Im Sommer, wenn ich mal am Meer war, habe ich oft eher über Wasser ne leichte Tropo beobachtet, weniger ins Landesinnere.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 08.01.2018 19:13

Re: Regelmäßiger Fernempfang an der Küste

Das Höhenprofil Deutschlands sollte dafür hauptsächlich verantwortlich sein. Es fällt grob betrachtet von Süden nach Norden immer weiter ab. So verwundert es auch nicht, dass Sender aus der Mitte Deutschlands mit seinen Mittelgebirgen bei günstigen Bedingungen weit nach Norden hin empfangbar sind.

Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich die Aussage auf alle Küstengebiete verallgemeinern lässt.

von Mujek3 - am 08.01.2018 19:14
Vielleicht macht auch das Fehlen von Störern aus der anderen Richtung den Überreichweitenempfang so regelmäßig möglich, so dass schon geringe Signalpegel ausreichen. In den 90ern, als das UKW Band noch nicht so voll war, konnte ich im äußersten Südwesten mit einer Drehyagi sehr regelmäßig, lange und stabil S4 Kurpfalzradio auf 104.1 vom Königsstuhl empfangen (bis der Feldberg auf 104.0 in Betrieb ging) und auch Bayern 4 auf 107,9 vom Kreuzberg. Der Schwarzwald war doch einigermaßen im Weg doch trotzdem klappte das. Es dürfte eine Kombination aus freier Frequenz (gerade in Küstengebieten kommt aus Richtung Küste kein wirklicher Störer heran, auch tropobedingt wahrscheinlich weniger oft als mitten im Land) und topograhisch, evtl. ebenso durch regelmäßige leichte Tropo begünstigte Empfangssituation sein. Kilometermäßig sind Deine und meine beschriebenen Strecken in etwa gleich und ideal für Tropo. Immer vorhanden dürfte der Empfang nicht sein aber schon regelmäßig auftauchen und dann auch sehr lange stabil sein..

von CBS - am 09.01.2018 07:09
Ich vermute, dass es eine Kombination von günstigen Faktoren ist. Häufig vorkommendeTropo aufgrund der besonderen Temperaturverhältnisse ist bestimmt ein Aspekt. Am Mittelmeer herrscht sozusagen Dauertropo. Das beschreibt sogar der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon, der in einer seiner lustigen Geschichten (aus den siebziger Jahren, glaube ich) von seinem neuen Fernseher erzähllt. Mit einer simplen Teleskopantenne empfängt er dort in Israel nicht nur die Sender seines Landes, sondern alles drumherum, bis hin zu Zypern (370 km übers Meer!).

Dann vermute ich auch noch, das die Reflexionsfähigkeit (und Leitfähigkeit) der Wasseroberfläche mitspielt. Außerdem die bereits angesprochenen fehlenden Störer. DXen an der See ist eine faszinierende Sache auch im Amateurfunk und früher auf CB (müsste ich mal wieder reaktivieren).

von Zintus - am 09.01.2018 07:34
Die Wasseroberfläche ist leitend, je wärmer das Wasser, desto leitender.
Die Reichweiten, die über Land erreicht werden, werden so übers Wasser weit übertroffen.
So sind auf Gran Canaria UKW Sender dauerhaft aus Marokko und der Westsahara empfangbar, die über 500 km weit ertfernt sind; in einem Bandscan eines Kollegen sah ich gar einen Sender, der über 1000 km entfernt ist.

von dxbruelhart - am 09.01.2018 10:16
Ich bin 4km hinterm Deich aufgewachsen und kann mich an häufige Tropo aus UK erinnern. Als damals in UK der Bereich 100-104 MHz belegt wurde, waren Stationen von dort recht häufig zu Gast im Radio. Invicta 103.8, BBC Cambridgeshire 103.9 oder Hallam 103.4, Kent 102.8, York 103.7. Alles Stationen mit Leistungen

von iro - am 09.01.2018 10:38
So eine "Rennstrecke" ist hier im Emsland auch Rangstrup 97,2. Fast die Hälfte des Ausbreitungsweges verläuft über die Nordsee. In Ostfriesland wird der wohl noch häufiger gehen. Als im Juli 1986 RSH in Schleswig-Holstein seinen Betrieb aufnahm, wurde die 103,8 aus Heide im nördlichen Emsland und in Ostfriesland oft gehört, auch von Otto-Normalhörern. Auch dort verlief mehr als die Hälfte des Ausbreitungsweges über die Nordsee.
Tacolneston wurde früher in Den Haag (QTH2) oft genutzt. Heutzutage geht von dort nichts mehr, da alles bewusst zugefunzelt wurde. Aber DAB wäre nochmal einen Versuch wert...

edit: ich habe mir gerade mal auf Luftlinie.org den Ausbreitungsweg von Tacolneston nach Norden (Ostfriesland) angesehen. Faszinierend! So gut wie der komplette Weg verläuft über Seewasser. Ganz oben wird das niederländische Festland nur ganz leicht touchiert.

von Zintus - am 09.01.2018 12:01
Heide und Rangstrup hatte ich gar nicht erst erwähnt. Die gehören praktisch zum Inventar...
Zitat

Tacolneston (...) Aber DAB wäre nochmal einen Versuch wert.
UK kommt ja auch via DAB ab und zu zu meinem jetzigen QTH rübergeschwappt, aber da lässt sich ja meist nicht so genau feststellen, von welchem Standort genau das Signal kommt. Außer natürlich bei den Lokalmuxen - und da sind/waren die o.g. küstennahen Standorte auch wieder mit bei, wie Belmont, Kent, Essex. Mittlerweile wird das aber durch die zunehmende Bandbelegung schwieriger.

von iro - am 09.01.2018 12:16
Zitat
dxbruelhart
Die Wasseroberfläche ist leitend, je wärmer das Wasser, desto leitender.
Die Reichweiten, die über Land erreicht werden, werden so übers Wasser weit übertroffen.
So sind auf Gran Canaria UKW Sender dauerhaft aus Marokko und der Westsahara empfangbar, die über 500 km weit ertfernt sind; in einem Bandscan eines Kollegen sah ich gar einen Sender, der über 1000 km entfernt ist.


Ich vermute, viel hat hier mit den Temperaturen zu tun.

In Anglesey in Wales und ttlw. weit nach Wales hinein gehen die Radiosender von Dublin ganz ohne Probleme, auch fuer Otto-Normalverbraucher mit "Deutschem Bruellwuerfel" Nicht nur landesweite Programme aber auch Lokalsender aus Dublin gehoeren dazu. Die Distanz ist grade mal 150 km ueber die irische See.

Umgekehrt laesst sich BBC Radio in Dublin kaum empfangen, und wenn ueberhaupt kommt das Signal vom Sender Divis in Belfast. Das Signal vom Divis in Belfast geht eher im Norden der Stadt, und dann sehr gut am Flughafen von Dublin, und nordlich davon.

Distanzen bzw. DX Empfang von 500 bis 1000 km habe ich von Kueste zu Kueste nie bekommen. Vielleicht ist das eher im Mittelmeer moeglich. Ich kenne lediglich Berichte aus Casablanca in Marokko, wo das Signal von AFN in Rota in Spanien zu empfangen war, und dies recht stabil.

In Cornwall in UK bekam ich auf UKW nie etwas aus Irland, und umgekehrt auch nie. Auch Frankreich konnte ich ueber UKW dort nie empfangen. Das gleich gilt fuer Irland, bzw. das County Cork.

Frankreich und tlw. die Niederlande bekommt man im Suedosten von UK recht problemlos auf UKW, Franzoesische Sender schaffen es sogar recht weit nach UK hinein. Ueber den Kanal ist aber auch nicht so viel Distanz, daher ist das kaum verwunderlich.

von 102.1 - am 09.01.2018 13:20
Texel ? Da war ich im Sommer 2016, aber nur 2 Tage. LEIDER ! Welch eine tolle Insel,
vor allem für DXer. Auf MW geht dort auch tagsüber allerhand aus GB.
UKW : Ich hatte im Gepäck eine 5-Element mit 4-Meter-Mast plus Degen.

Morgens gingen dort Niedersachsen, auch kleinere Sender. SH sowieso, DK mit
den üblichen Verdächtigen. Gegen Vormittag und Mittag kamen dann
auf den Frequenzen 96,3, 98,3 und 105,3 ..... Sender sollte bekannt sein. Dieser
kam eigentlich permant rein, es gab ganz kurze Schwankungen. Zwischendurch
kam auch der Wendelstein immer wieder gar nicht schlecht durch.
Die Antenne gen Süden : Belgien, die Großsender gingen durchgehend.
Die Antenne gen GB : Da fingen die Probleme an. 94,1 und 99,3 waren zwar da.
aber durchgehend nur flatternd. Ich schob es auf Wellengang in der Nordsee zurück.
Die 99,3 kann man dort oben übrigens auch im PKW flatternd während der Fahrt empfangen !

Wichtig für den Empfang war ein wesentlicher Faktor : Die Antenne war horizontal aufgestellt
und konnte daher die NL-Sender um 20 dB bremsen, Kaum drehte man sie leicht vertikal, war
es mit dem Fernempfang vorbei.
Am späten Nachmittag zog es mich in die Dünen. Antenne gen Süden.
Freue Frequenz gewählt. Rauschen. Abwarten. Nach wenigen Minuten : Spanien,
knüppelhart, dann kurz Nordafrika, später dann auch Türkei.


Eines ist sicher : Da werde ich nochmal einen gesamten Urlaub verbringen. Der Sandstrand dort im Norden ist ja einfach nur GEIL !

von sup2 - am 09.01.2018 14:30
Zitat
dxbruelhart
Die Wasseroberfläche ist leitend

Die Leitfähigkeit des Salzwassers ist eher für Bodenwellenausbreitung und die Effizienz von am Wasser installierten Antennen verantwortlich - also eher auf LW/MW/KW relevant. Vertikalantennen für Kurzwelle funktionieren am Meer z.B. viel besser als an Land.
Auf UKW spielt das insofern eine Rolle, als dass ein Duct zwischen Wasseroberfläche und reflektierender Schicht entsteht. Ohne Inversion hilf einem auf UKW das leitfähige Salzwasser aber auch nicht weiter.

Stabil ausgeprägte Inversionswetterlagen setzen sehr stabile Hochdruckgebiete bei ausreichend hohen Temperaturen voraus, die sind überm Mittelmeer häufiger anzutreffen als über der Nordsee. Natürlich gibts auch über der Nordsee extrem gute Tropo-Ausbreitung, nur eben viel seltener als überm Mittelmeer.

Was nun den guten Empfang von "Land-Sendern" in Küstennähe betrifft: Das liegt wohl daran, dass man
- Richtung Sender kaum Hindernisse "vor der Nase" hat
- Viel weniger Störer hat als mitten im Land
Troposcatter und Aircraft Scatter sind da wohl die üblichen Ausbreitungswege. Die Pegel sind entsprechend schwach, je mehr "gemeinsames Reflektionsvolumen" RX und TX sehen, desto höher sind sie, und je weniger Gleich- und Nachbarkanalstörer vorhanden sind, desto weniger hoch müssen die Pegel sein, um nutzbar zu sein.

von DH0GHU - am 09.01.2018 14:32
Zitat
Funkohr
Ich frage mich, warum ich zuhause hier in Hessen viele deutsche Radiosender immer nur für wenige Sekunden empfangen kann und auf Texel länger. Hast Du da eine Erklärung für? Ich freue mich auf deine Antwort :)

Exakt! Wie DH0GHU schreibt "Auf UKW spielt das insofern eine Rolle, als dass ein Duct zwischen Wasseroberfläche und reflektierender Schicht entsteht. Ohne Inversion hilf einem auf UKW das leitfähige Salzwasser aber auch nicht weiter." wäre zu fragen wo diese Schicht in der Höhe zu suchen ist. Gehen wir mal von einer Inversionsschicht in der Eben 850 hpa aus, so ist die für normales Tropo-Geschehen mit etwa 1500m doch eher hoch, reicht aber bei weitem nicht um dort den Meißner so gut zu reflektieren. Auf Wangerooge angenommen bräuchte man etwa 4000m (!) für eine Sichtverbindung zum Meißner.

von Thomas (Metal) - am 09.01.2018 16:44
Vielen Dank an Euch für die vielen Beiträge!

Für mich war bisher klar, dass es wegen der Entfernung der Sender nicht über die quasi-optische Sicht funktionieren kann, dass aber bei der beobachteten Häufigkeit auch nicht jedesmal eine Inversions-Wetterlage als Ursache in Frage kommt.

Wa ich bisher nicht so richtig auf dem Schirm hatte, ist die Ausbreitung über Troposcatter, was von troposphärischen Überreichweiten, hier oft kurz "Tropo" genannt, unterschieden werden muss.

Zitat
DH0GHU
Troposcatter und Aircraft Scatter sind da wohl die üblichen Ausbreitungswege. Die Pegel sind entsprechend schwach, je mehr "gemeinsames Reflektionsvolumen" RX und TX sehen, desto höher sind sie, ...


Ich habe mich mal etwas über Troposcatter schlau gemacht. Eine schöne Seite dazu ist diese hier.

Für viele von Euch ist das sicher nichts Neues. Trotzdem kurz zusammengefasst, so wie ich es verstanden habe: Ursache für Troposcatter sind ständig vorhandene Inhomogenitäten der Erdatmosphäre, also kleine orts- und zeitabhängige Schwankungen von Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit. Hierdurch wird ein sehr kleiner Teil der Strahlungsleistung der Radiowellen Richtung Erde umgelenkt. Das funktioniert ständig, aber der Effekt ist mal stärker und mal schwächer, womit sich erklärt, dass diese Empfänge häufig, aber nicht völlig dauerhaft funktionieren.

Der Effekt ist sehr stark abhängig vom Winkel, unter dem die Wellen umgelenkt werden: Je flacher, desto besser. Das ist für mich die Erklärung, warum es so gut an der Küste und besonders auf den Inseln funktioniert. Dort kann man unter sehr flachem Winkel quasi beliebig weit Richtung Sender schauen, ohne dass ein Hindernis im Weg ist. Und weil man auch in horizontaler Richtung, also in der Breite, ein sehr weites Sichtfeld hat, ergibt sich das große "gemeinsame Reflektionsvolumen von Sender und Empfänger", das dann insgesamt zu den häufig doch beachtlichen Feldstärkepegeln führt.

Und weil die umgelenkte Strahlungsleistung so gering ist, darf wirklich kein Hindernis im Weg sein. Im MIttelgebirgsraum ist diese Bedingung im Normalfall nicht erfüllt, was wohl dann der Grund ist, warum das in Rheinland-Pfalz oder in Hessen so nicht funktioniert.

Für Reflexionen an Flugzeugen scheinen mit die Empfänge zu stabil zu sein. Sie brechen nach meiner Erfahrung auch nicht abrupt weg, wie es der Fall wäre, wenn das Flugzeug dann aus dem Sichtfeld verschwindet.

Auch weniger entscheidend, wenn auch nicht ganz unbedeutend, scheint mir das relativ freie UKW-Band an der Küste zu sein. Sofern man Empfänger nutzt, die auch 100 kHz noch gut trennen können, gibt es auch z.B. hier in Buchholz noch eine Reihe freier Frequenzen. Bei den entsprechenden Wetterlagen werden diese auch gern und reichlich mit Sendern, z.B. aus den westlichen Nachbarländern, belegt. Dies passiert hier allerdings eben viel seltener als an der Küste, nur bei "echtem Tropo".

von Funkohr - am 09.01.2018 20:52
Troposcatterempfang super erklärt, vielen Dank. Mir war nicht so bewusst, dass die Signale in so einem extrem flachen Winkel einfallen und sich natürlich am offenen Meer das beste Umfeld bietet.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.01.2018 21:05
Zitat
Funkohr
Ursache für Troposcatter sind ständig vorhandene Inhomogenitäten der Erdatmosphäre, also kleine orts- und zeitabhängige Schwankungen von Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit. Hierdurch wird ein sehr kleiner Teil der Strahlungsleistung der Radiowellen Richtung Erde umgelenkt. Das funktioniert ständig, aber der Effekt ist mal stärker und mal schwächer, womit sich erklärt, dass diese Empfänge häufig, aber nicht völlig dauerhaft funktionieren.

Der Effekt ist sehr stark abhängig vom Winkel, unter dem die Wellen umgelenkt werden: Je flacher, desto besser. Das ist für mich die Erklärung, warum es so gut an der Küste und besonders auf den Inseln funktioniert. Dort kann man unter sehr flachem Winkel quasi beliebig weit Richtung Sender schauen, ohne dass ein Hindernis im Weg ist. Und weil man auch in horizontaler Richtung, also in der Breite, ein sehr weites Sichtfeld hat, ergibt sich das große "gemeinsame Reflektionsvolumen von Sender und Empfänger", das dann insgesamt zu den häufig doch beachtlichen Feldstärkepegeln führt.

Und weil die umgelenkte Strahlungsleistung so gering ist, darf wirklich kein Hindernis im Weg sein. Im MIttelgebirgsraum ist diese Bedingung im Normalfall nicht erfüllt, was wohl dann der Grund ist, warum das in Rheinland-Pfalz oder in Hessen so nicht funktioniert.

Ich vermute daß "Dort kann man unter sehr flachem Winkel quasi beliebig weit Richtung Sender schauen, ohne dass ein Hindernis im Weg ist." vielleicht der Grund überhaupt ist. Nicht zwingend der Tropo-Scatter. Jener und die Stabilität der Empfänge waren beim Ausbruch des Eyjafjallajökull gut beobachtbar da der Flugverkehr eingestellt war. Die Empfänge auf den Inseln sind nach meiner Meinung deutlich stabiler.
Vielleicht kommt dem flachen Horizont eine Schlüsselrolle zu: Mißt man per Radio Mobile z. B. Wangerooge - Steinkimmen aus, so müßte man in 15m Höhe die Mastspitze sehen können. Grob gesagt bringt das 100km nach Süden ohne wirklich massiv an Höhe zugewinnen. Interessant wird es nach meiner Meinung zwischen dem Boden und 1000m über Grund für normales Tropo-Gescehen. Bei diesem Winkel überstreit man als Reflexionspunkte den Bereich zwischen Bremen und Osnabrück. Einer Gegend also wo man wirklich in dieser Höhenlage sehr gute Empfänge von Meißner und Langenberg hat.
Umgekehrt kann ich hier am QTH1 tatsächlich auch die 101,8 aus Aurich oder 94,4 aus Steinkimmen empfangen :hot: . Mehrmals pro Stunde. Aber das dürfte widerum Tropo-Scatter sein, da wenig stabil. Den stabilen Bielstein/TW-Empfang :eek: rechne ich hingegen dem flachen Horizont hier in dieser Richtung zu.

von Thomas (Metal) - am 09.01.2018 21:09
Kann ich voll bestätigen bei den vielen Scans am Dollart die wir schon gemacht hatten.
Besonders der Analoge TV Empfang aus Bayern, BW, Frankreich und Belgien waren die Highlights.
Auch auf UKW waren sehr weite Empfänge dabei.
Oben auf dem Deich geht auch bei DAB einiges.

von _Yoshi_ - am 09.01.2018 21:23
Ohja, am Dollart hatten wir vor einigen Jahren ziemlich spektakuläre TV-Logs.
Das krasseste, an das ich mich erinnern kann ist das BFS, analog, mit mehr oder weniger vorhandenem Griesel für gute zehn Minuten lang vom Grünten auf E46. Dazu noch Straßburg, Dänemark, Bleßberg und den SWR von einem mir nicht mehr bekannten Standort.
Standort: in Sichtweite zu Emden. Das war unmittelbar vor der großen, europaweiten Abschaltungswelle. Uns stand der Mund offen. Als Antenne diente uns eine XC391D. Bei einer zweiten Session kam dann eine FeSa 818 mit ULNA auf 6m Gitterrohrmast zum Einsatz...

Könnte man mal wiederholen. :drink:

EDITh: Die gute, alte Tante BBC hatten wir auch im Sack. Vergleich damals via Sat.

von Mc Jack - am 10.01.2018 06:58
Zitat
Zintus
Tacolneston wurde früher in Den Haag (QTH2) oft genutzt. Heutzutage geht von dort nichts mehr, da alles bewusst zugefunzelt wurde. Aber DAB wäre nochmal einen Versuch wert...


Auch auf DAB geht dort nichts mehr.. Ich war vor 2 Wochen dort und habe es sowohl im Skyview als auch auf dem Parkhaus in Scheveningen probiert.. Tote hose. Anstelle davon empfängt man auf 12B MTVNL Utrecht....

von Jassy - am 10.01.2018 08:29
Hallo Jens!

Den analogen SWR, so meine ich mich zu erinnern, hatten wir sowohl vom Donnersberg als auch vom Haardtkopf.

Weiterhin meine ich, dass wir seinerzeit u. a. den Sender Grünten im Allgäu auf UHF empfangen hatten. Da war aber das BR-Fernsehen und kein SWR-Drittes drauf.

von PowerAM - am 10.01.2018 08:37
Genau, ich meine auch das waren zwei Standorte aus Rheinland-Pfalz, bei Donnersberg bin ich sogar ziemlich sicher!

von Rosti 2.0 - am 10.01.2018 08:40
Das Argument von CBS ist nicht zu unterschätzen: Wenn man fast an der Küstenlinie steht, ist der nächste Großsender landeinwärts meist einige Dutzend Kilometer entfernt. Neben und hinter einem fehlen aber die Brummer, die einem (meist nicht weit entfernt) im Binnenland das Band verstopfen und solche Empfänge unmöglich machen.

von dlf-fan - am 10.01.2018 16:37
Zitat
dlf-fan
Das Argument von CBS ist nicht zu unterschätzen: Wenn man fast an der Küstenlinie steht, ist der nächste Großsender landeinwärts meist einige Dutzend Kilometer entfernt. Neben und hinter einem fehlen aber die Brummer, die einem (meist nicht weit entfernt) im Binnenland das Band verstopfen und solche Empfänge unmöglich machen.


Richtig!
Daher ist der Standort Dollart recht günstig gelegen.
Es sind in der nähe so gut wie keine Groß- und Stadtsender die das Band Dicht machen.
In Leer hab ich an vielen stellen ein Mischmasch im Band von den Sendern Radio Ostfriesland 103,9MHz, Radio 21 104,5MHz und DLRKultur 91,5MHz.
In Aurich ist es wegen dem GNS Popens noch schlimmer.

von _Yoshi_ - am 10.01.2018 18:01
Ihr braucht euch nur mal die tollen Empfänge von MikeF anschauen. Er wohnt in East Sussex direkt an der Küste und hat oft Empfänge aus Spanien oder auch Portugal via Tropo über Wasser.

von UlliBG - am 11.01.2018 09:59
Werft auch mal einen Blick auf diesen Thread im DX-Forum, was für Distanzen übers Meer möglich sind http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?12097,1443492

von dxbruelhart - am 11.01.2018 10:05
In Varel-Dangast ging in den 80ern der SFB, da war das Frequenzband aber auch noch weitgehend frei.

Im Stader Krankenhaus, welches etwas höher liegt gehen teils Hoher Meißner, Bilstein, Langenberg, Münster, Brocken.

Hier in Otterndorf in der Nähe des Funkturms geht leider kaum was, selbst der NDR von Cuxhaven hat hier bis auf NDR2 Einbrüche. Manchmal kommen einige dänische und niederländische Sender durch, bei starken Überreichweiten hatte ich mal WDR 4 auf 99,5 (Ibbenbüren).

von Rosenelf - am 11.01.2018 14:28
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