Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
22
Erster Beitrag:
vor 3 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 3 Monaten, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
102.1, Wellenjaeger, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, 2-0-8, Kunos-Radiothek, UKW-Fan Sachsen-Anhalt, DF8NZ (MAK), RADIO354, astranase, mittendrin, ... und 4 weitere

Piratensender in der DDR

Startbeitrag von Wellenjaeger am 31.01.2018 18:29

Zwei interessante Links zum Thema:

https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/145/1455419/wdr5neugiergenuegtdasfeature_2017-08-21_piratenradioimrealsozialismusderddr_wdr5.mp3

http://rotstift.archiv-buergerbewegung.de/index.php/blog/wege-in-die-oeffentlichkeit/ausser-kontrolle-illegale-radios

Konnte jemand von den älteren Semestern in der DDR Piratensender empfangen?

Antworten:

Mehr als 300 Klicks und noch keine Bestätigung eines Piratensenderempfangs in der DDR?
Wenn es solche Sender gegeben hat, sind sie doch sicher auch gehört worden.
Schade, dass so wenig über die Hintergründe bekannt ist.

Eines ist klar: Wer in der DDR schwarz funkte, - mit Ausnahme natürlich des Schwarzen Kanals -, der brachte echt dicke Eier!

von Wellenjaeger - am 01.02.2018 21:26
Nein, dafür bin ich nicht alt genug. Radio Glasnost, was ja kein Piratensender war, davon hatte ich gehört.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 01.02.2018 21:41
Ich bin auch nicht alt genug. ;) Mitbekommen habe ich dagegen die Sendungen von Twen FM. (Link zu Tagesspiegel.de)

von PowerAM - am 02.02.2018 06:13
Von den Piratensendern (Hörfunk) habe ich in Leipzig nichts mitbekommen, aber es gab
im Leipziger Süden einen Piraten-Fernsehsender "Kanal X", den auch einige Leute empfangen haben.
https://www.wir-waren-so-frei.de/index.php/Detail/Object/Show/object_id/7837

von blautechnik - am 02.02.2018 09:01
Interessant waere eher generell ueber moegliche Piratensender im Ostblock zu diskutieren.

Hierzu kann ich beitragen, dass es in der CSSR zur Zeit des Prager Fruehlings und ganz besonders beim Einmarsch der Warschauer Pakt Staaten mehr als genug Piratensender gegeben hat.

Gesendet wurde ueber Mittelwelle, berichtet wurde ueber das Vordringen der Warschauer Pakt Staaten, oft wurde auch auf Deutsch gesendet, um Oesterreich und die Welt zu informieren.

Den gebrachten Nachrichriten konnte man damals eine Art "Hilferuf" an den Westen interpretieren. Der Empfang war in Oesterreich durchaus machbar, so Mancher hatte sogar Aufzeichnungen mitgeschnitten.

Mit weiterem Vordringen der Warschauer Pakt Staaten in der CSSR wurden alle diese Sender ausfinding gemacht, die Ausruestung beschlagnahmt, und den Betreibern,so bekannt, droht, was einem im Ostblock damals so drohte....

Auf UKW konnte ich in der CSSR nie Piraten ausmachen, ich suchte aber auch nie aktiv danach. In der CSSR auf UKW wurde ohnehin im OIRT Band gesendet, wer sich informieren wollte und eine andere Meinung als die Parteimeinung wollte, hoerte "Svoboda Evropa" auf der Mittelwelle. Ich glaube hier, die Frequenz 702 KHz in Erinnerung zu haben?

Aus der DDR sowie aus dem Westen gab es Radioapparate, die das westliche UKW Band empfangen konnten. Diese Geraete waren teilweise offiziell erhaeltlich, so sie aus der DDR waren, so sie aus dem Westen waren, wurden sie eingeschmuggelt und am Schwarzmarkt verkauft. Wer so ein Geraet hatte, hoerte ohnehin entweder Bayern3 oder OE3, und war an Piraten nicht interessiert.

von 102.1 - am 02.02.2018 09:33

Piratensender in Polen

Bin ich dabei!

In Polen gab es ab 12. April 1982 den Untergrund-Sender Radio Solidarnosc (Radio "S"), der sich gegen das kommunistische Regime richtete: https://pl.wikipedia.org/wiki/Radio_%E2%80%9ESolidarno%C5%9B%C4%87%E2%80%9D

Die Sender bestanden aus selbstgebauten UKF-Sender (OIRT), die heimlich versteckt oder umhergetragen wurden und den Ton von Kasette wiedergaben und sogar TV-Sendern, die ein im EPROM gespeichertes Standbild ("Solidarnosc lebt!" oder "Schalt dein Radio ein!") ausstrahlten.
Die TV-Sender wurden abends in den großen Plattenbau-Siedlungen umhergetragen und sollten den TV-Zuschauer auf das folgende Radio-Programm aufmerksam machen.

Hier kann man sich die Technik inkl. Schaltplänen anschauen und auch ein paar Mitschnitte anhören: http://radiosolidarnosc.pl/

Polak Potrafi!

von Bruder_M - am 02.02.2018 09:54
Später, in den 80igern hatten so gut wie alle neu in der CSSR verkauften Radios Dualband-UKW-Tuner. Die Umstellung auf CCIR-UKW-Band war nämlich schon zu sozialistischen Zeiten geplant.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 02.02.2018 09:58
Das Regime in der CSSR war nicht so streng wie in der DDR, war aber gleich hinter der DDR im Ranking aller Ostblock Staaten. Polen und Ungarn ging da lockerer, zumal in Polen ueber UKW kaum Westradio empfangbar war und man Free Europe nur ueber vielleicht MW oder KW empfangen konnte. Da kann ich mir gut votrstellen, dass Piratensender in Polen eher noch vertreten waren um eine andere Meinung als die Parteimeinung ans Volk zu bringen.

In weiten Teilen der CSSR sowie in Ungarn waren OE3 sehr beliebt. Es waren zu CSSR Zeiten sogar Blue Danube Radio Hoerer in Bratislava bekannt.


Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Die Umstellung auf CCIR-UKW-Band war nämlich schon zu sozialistischen Zeiten geplant.


Ich weis. Dies ist auch der Grund, warum CSSR weite Grundsenernetze sehr eng beisammen koordiniert wurden. Etwa die 104,5 in Brno, die 104,4 in Bratislava. D.h. man musste das analoge Autoradio kaum weiterdrehen, wenn man durch die CSSR gefahren ist.

von 102.1 - am 02.02.2018 10:34
Das im günstigsten Fall die AFC mit rübergezogen.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 02.02.2018 11:43
Zitat
Wellenjaeger
Mehr als 300 Klicks und noch keine Bestätigung eines Piratensenderempfangs in der DDR?
Wenn es solche Sender gegeben hat, sind sie doch sicher auch gehört worden.
Schade, dass so wenig über die Hintergründe bekannt ist.


Bin alt genug, kann mich aber nicht erinnern, auch nur über den Umstand der Existenz von Piratensendern in der DDR etwas gewusst zu haben.
Sowas ist doch eher eine Berlin-Sache, maximal eine Großstadt-Sache. In der Pampa bringt sowas nichts. Großes Risiko und wenig bis keine Hörer.
An meinem ehemaligen Wohnort sind die Leipziger Stadtsender schon kaum zu empfangen, geschweige denn Piratensender mit kleiner Leistung und ungünstigem Standort.
Bei allem, was mit Systemkritik zu tun hatte, waren die Kirchenkreise ein guter Anlaufpunkt, aber da war ich nicht.

von 2-0-8 - am 02.02.2018 19:10
Laut dem WDR-Feature gab es in den Siebzigerjahren selbst in Wittenberg und Halle Piratensender.
Die Frequenz von 87,5 MHz war ebenfalls originell, da in der DDR nicht durch das Eurosignal belegt.

von Wellenjaeger - am 02.02.2018 20:20
Zitat
2-0-8

Sowas ist doch eher eine Berlin-Sache, maximal eine Großstadt-Sache. In der Pampa bringt sowas nichts.


In Berlin konnte ich mich bei einem Kurzbesuch nur an Radio 100 erinnern. Da ich die dort gebrachte Meinung als sehr weit links wahrnahm, dachte ich es handle sich um einen Piratensender oder Propagandersender aus der DDR. Als der Sender gestoert wurde, dachte ich das man dies aus dem Westen her machen wuerde.

Interessanterweise war es aber genau umgekehrt, Radio 100 sendete aus West-Berlin, und trotz dessen, dass die Meinung sehr links war, stoerte die DDR das Signal.

Was moeglw. noch zum Thema Piratensender in der DDR passen koennte, waere der "Deutsche Freiheitssender" oder der "Deutsche Soldatensender". Beide kamen aus der DDR, ob sie Piraten waren, oder der Geheimdienst diese betrieb wusste ich nie. Beide sendeten irgendwo bei 900 kHz, und einer ueberraschte mich, dass eine Kontaktadresse im im kalten Krieg neutralem Oesterreich, genannt wurde. Dies ueberraschte mich noch mehr.

von 102.1 - am 02.02.2018 21:19
Zitat
102.1

Was moeglw. noch zum Thema Piratensender in der DDR passen koennte, waere der "Deutsche Freiheitssender" oder der "Deutsche Soldatensender". Beide kamen aus der DDR, ob sie Piraten waren, oder der Geheimdienst diese betrieb wusste ich nie. Beide sendeten irgendwo bei 900 kHz, und einer ueberraschte mich, dass eine Kontaktadresse im im kalten Krieg neutralem Oesterreich, genannt wurde. Dies ueberraschte mich noch mehr.


Diese beiden Sender (techn. gesehen nur einer) waren eher Propagandasender der DDR.
Die Ausstrahlung erfolgte vom Standort Burg bei Magdeburg im zeitlichen Wechsel auf
904 bzw. 935 kHz.

von Rostocker. - am 03.02.2018 07:49
Zitat
Rostocker.
Diese beiden Sender (techn. gesehen nur einer) waren eher Propagandasender der DDR.
Die Ausstrahlung erfolgte vom Standort Burg bei Magdeburg im zeitlichen Wechsel auf
904 bzw. 935 kHz.

Genau. Da gibts viele Beiträge hier im Forum: Insgesamt 10 Seiten mit Links.
Dieser z.B.:
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,5299,5661#msg-5661
Es gab auch schon mal eine Dokumentation im MDR, ca. 45 Minuten lang.
Weil ich "älteres Semester" bin:
Piratensender in der DDR kannte ich nicht, die Augen und Ohren waren nach Westen gerichtet. Da spielte die Musik! Auch von Piratensendern wie R.Caroline, R.London.
Wer als 16jähriger wegen des"Abhörens von Nato-Sendern" in der Schule Probleme bekam, dem stand der Sinn nicht nach der Installation von eigenen Sendern.
Argumente wie "Piratensender- gegen den britischen Staat gerichtet" wurden genauso rigide beiseite gewischt gewalzt wie das über die "Jeans als Hosen des amerikanischen Arbeiters".
Im Nachhinein bin ich froh, dass ich anschließend doch ganz gut durchs sozialistische Leben gekommen bin, trotz des immerwährenden nach West oder Süd oder Nordost gerichteten Antennenbaus
Zu 1968: Die genannten Hilferuf-Sender anlässlich des Einmarschs am 21. August standen wohl in Wirklichkeit im Bayerischen Wald. Kalter Krieg eben.
Da findet man sicher hier im Forum auch was Passendes.
Freundliche Grüße
Edit: Noch was zum Soldatensender:
Eingestellt wurden die Sendungen von einem Tag auf den anderen wegen des Deals, dass vom Westen die Ballonaktionen mit Flugblattabwürfen mit Parolen gegen die sozialistische Staatsmacht unterbleiben "Neckermann macht´s möglich - (Karrikatur von Ulbricht) - Dieser aber nicht!"
Habe ich selbst auch mal gefunden.

von mittendrin - am 03.02.2018 09:00
Zitat
Rostocker.

Diese beiden Sender (techn. gesehen nur einer) waren eher Propagandasender der DDR.
Die Ausstrahlung erfolgte vom Standort Burg bei Magdeburg im zeitlichen Wechsel auf
904 bzw. 935 kHz.


Was der Sinn dieses zeitlichen Wechsels war wusste ich nie. Ich hatte aber damals, wie Viele, ein analoges MW Radio, d.h. man musste kaum die Frequenz verstellen, und hoerte entweder das ein oder andere Programm.

Waeren sie ein Propaganda-Sender der DDR haetten die das auch auf einer Frequenz gekonnt. Oft dachte ich, dass der zeitliche Wechsel mit unterschiedlichen Sendern damit zu tun haette, dass ein Anpeilen der Sender und ein Ausfindig Machen des Standortes schwieriger wird? - keine Ahnung.

von 102.1 - am 03.02.2018 10:28
Vor einiger Zeit .. kann aber auch schon ein Monate länger her sein:bruell: ... war im MDR mal ein Bericht zu eben diesem Thema und das in Paunsdorf ein Piratensender aktiv war, betrieben von einem Jugendlichen ... meine grauen Zellen sind auch nicht mehr die Besten und weiß die Details nicht mehr , aber gegeben hat es diesen aber auf jeden Fall.

von astranase - am 03.02.2018 12:15
In Berlin sendete der AFN auf 935 khz. Soldatensender vs. AFN macht also Sinn. AFN vs. DFS eher nicht.

von Kunos-Radiothek - am 03.02.2018 13:09
Zitat
astranase
Vor einiger Zeit .. kann aber auch schon ein Monate länger her sein:bruell: ... war im MDR mal ein Bericht zu eben diesem Thema und das in Paunsdorf ein Piratensender aktiv war, betrieben von einem Jugendlichen ... meine grauen Zellen sind auch nicht mehr die Besten und weiß die Details nicht mehr , aber gegeben hat es diesen aber auf jeden Fall.


Nicht MDR, aber:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/feature-piratensender-ddr-100.html

Nachtrag: https://www.mdr.de/damals/archiv/artikel7494.html

von 2-0-8 - am 03.02.2018 13:40
Zitat
blautechnik
Auf UKW konnte ich in der CSSR nie Piraten ausmachen, ich suchte aber auch nie aktiv danach. In der CSSR auf UKW wurde ohnehin im OIRT Band gesendet, wer sich informieren wollte und eine andere Meinung als die Parteimeinung wollte, hoerte "Svoboda Evropa" auf der Mittelwelle. Ich glaube hier, die Frequenz 702 KHz in Erinnerung zu haben?


Svobodná Evropa hatte bis 1978 aus Holzkirchen die Frequenz 719 Khz und danach 720 KHz.

von DF8NZ (MAK) - am 03.02.2018 18:14
Hier ein Artikel über den Sender " Radio Rasendes Europa" aus Premnitz.
https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1611555/

von RADIO354 - am 03.02.2018 18:49
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.