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Mehr DAB+-Verkäufe durch UKW-Streit

Startbeitrag von Bruder_M am 05.06.2018 07:43

Moin,

der Funkamateur zitiert unter anderem den Radiohersteller Roberts:
Zitat

[...] führten die Streitigkeiten der letzten Wochen um die von der bisherigen Betreibergesellschaft Media Broadcast an neue Betreiber verkauften Sende- und Antennenanlagen mit der drohenden Abschaltung einzelner UKW-Kanäle zu einer verstärkten Nachfrage nach Geräten mit DAB+-Empfang.


Quelle: http://funkamateur.de/nachrichtendetails/items/dabplusukwminus.html

Antworten:

Auch bei einer 7000 € teuren Burmester-Anlage für die Mercedes-S-Klasse mit 27 Lautsprechern - einige davon in Kofferraum, Frontkarosserie sowie Autodach-Himmel - darf DAB+ nicht fehlen. Vorgeführt hat Burmester es allerdings lieber nicht - wegen der oft nur mäßigen Sendequalität (Misstöne bei DAB+, FUNKAMATEUR 10/2012) hatte man Bedenken, damit die teure Anlage unnötig abzuwerten

Hä? Die werden ja wohl in der Lage sein, dass Signal so darzustellen, dass es noch vernünftig klingt. Hat man stattdessen lieber UKW vorgeführt? Normalerweise klingt DAB im Auto meist immer besser als UKW.

von zerobase now - am 05.06.2018 08:01
Das ist halt digital, das ist nicht audiophil.

von Bruder_M - am 05.06.2018 08:07
Also dann lieber eine LP im Auto im Sommer mitführen, oder wie?

von andimik - am 05.06.2018 08:12
Richtig!! War doch gar nicht schwer..

von Mc Jack - am 05.06.2018 08:31
Zitat
zerobase now
Hä? Die werden ja wohl in der Lage sein, dass Signal so darzustellen, dass es noch vernünftig klingt. Hat man stattdessen lieber UKW vorgeführt? Normalerweise klingt DAB im Auto meist immer besser als UKW.


Man wird versucht haben, unter optimalen Bedingungen vorzuführen. Und "UKW optimal vs. DAB+ optimal" heißt nunmal "UKW optimal vs. DAB+ real", weil digital nunmal, solange fehlerfrei decodierbar, immer die "Originalqualität" hat. Und da fallen mir nur eine handvoll Programme in Deutschland ein, die bei DAB+ so gut klingen (Freiheit von Artefakten), dass sie UKW ebenbürtig sind. Mit dem Bundesmurx geht das schonmal nicht, selbst DLF Kultur ist grenzwertig, ich erachte es aber als gleichwertig zu perfektem UKW-Empfang, denn UKW ist bei denen ja auch nicht sauber zugefüjrt (oder war es zumindest bislang nicht). Mit BR Klassik und hr2 mag es funktionieren, mit Radio Bremen und WDR 3 vielleicht (hatte bislang keine Chance, mir das anzuhören). SR mit der sehr hohen HE-AAC-Bitrate weiß ich auch nicht, wie es klingt. Wird die Lästigkeit der SBR da nochmal geringer? Aber alles andere? Kann man vergessen.

Man hätte auf der HighEnd in München die gelegenheit gehabt, DAB+ mit BR Klassik oder auch BR Heimat vorzuführen - das sind weitaus bessere Gelegenheiten als anderswo im Land. In Berlin unterm Funkturm bekäme man nur SBR-Geschrabbel, da wäre DLF Kultur schon das höchste der Gefühle.

Und dezentes UKW-Systemrauschen (nicht das Rauschen von schlechtem Empfang!) abstahiert der audiophile Zeitgenosse ohnehin weg. Meine eigene Erfahrung: das geht auch problemlos, mit Rauschen in dieser Größenordnung hat man es auch in alten Musik-Produktionen zu tun und es stört nicht. Dazu muss man auch kein "Audiophiler" sein, diese Einschätzung kenne ich auch von knochentrockenen ARD-Hörfunktechnikern, u.a. von einem, der in einem ARD-Studio in Übersee arbeitet und ständig mit Außenübertragungen zu tun hat. HE-AAC ist so das letzte, was er als Codec nimmt, wegen der üblen Kollateralschäden vor allem bei der zu erwartenden mehrfachen Recodierung auf dem Weg bis in deutsche Radios.

von Chris_BLN - am 05.06.2018 09:36
Zitat
zerobase
Normalerweise klingt DAB im Auto meist immer besser als UKW.

Je besser die Anlage, um so deutlicher wird der schlechte Klang komprimierter digitaler Signale.
Über eine richtig phatte Anlage in einem Club spielt auch niemand 192k oder 320k mp3s ab, da diese alle Schwächen entlarvt. Da muss es entweder gleich Vinyl sein oder FLAC 96kHz/24Bit HiRes.

Zitat
andimik
Also dann lieber eine LP im Auto im Sommer mitführen, oder wie?

Warum nicht... alles schon dagewesen.



von iro - am 05.06.2018 09:45
Zitat
iro
Je besser die Anlage, um so deutlicher wird der schlechte Klang komprimierter digitaler Signale.
Über eine richtig phatte Anlage in einem Club spielt auch niemand 192k oder 320k mp3s ab, da diese alle Schwächen entlarvt. Da muss es entweder gleich Vinyl sein oder FLAC 96kHz/24Bit HiRes.


Das mag ja sein, aber ein Auto ist nunmal kein Hifi-Studio, das muss man auch mal dazusagen. Man muss ja nicht unbedingt Klassik-Radio als Beispiel nehmen, aber zumindest die öffentlich-rechtlichen klingen über DAB nicht schlechter als über UKW. Natürlich können wirklich nur HiRes Dateien das maximale aus so einer Anlage rausholen. Das ist ja zu Vorführzwecken mit dem berühmten Wow-Effekt sicherlich auch in Ordnung, aber in der Praxis wird sicherlich trotzdem zu 98% der örtliche Hitdudler gehört.

von zerobase now - am 05.06.2018 11:38
Ich weiß.

von andimik - am 05.06.2018 11:40
Zitat
zerobase now
Das mag ja sein, aber ein Auto ist nunmal kein Hifi-Studio,


Zitat

7000 € teuren Burmester-Anlage für die Mercedes-S-Klasse mit 27 Lautsprechern

... sowas würde ich schon als Hifi-Studio bezeichnen wollen, zumal in solchen Autos kaum Fahrzeugeigengeräusche zu hören sind.

Zitat

aber in der Praxis wird sicherlich trotzdem zu 98% der örtliche Hitdudler gehört.

Es mag ein Vorurteil sein, aber ich vermute, ein S-Klasse Fahrer wird eher selten, wenn überhaupt, einen Dudelfunker einschalten. Wer zahlt 7000€ für eine oberfette Anlage im Auto und tut sich dann Radio jeglicher Art (außer DRadio) damit an?

von iro - am 05.06.2018 11:47
Ich dachte, dass ein Großteil der Sender über DVB-S gespeist werden (zumindest hier in Hessen,
Stichwort: "Bundesweite Anbieter) und an Kleinstsender von DLF sieht man auch Satschüsseln.

von Nordi - am 05.06.2018 12:12
Davon gibt es genug. Habe selbst ein Jahr lang diese "Stereo-Anlagen" aufgebaut.
Da wurden die fettesten Cinch--Kabel gefordert, der Verstärker war High high high End.
Und zu guter letzt steckte der Kunde seine 96KBit-Stereo-Sammlung als Stick
in den Eingang. Kunde war zufrieden , wir auch ( Geld kassiert )
Dass das Schlagzeug wie ein ausdünnender Wasserfall klang, war dann egal.

Wir hier im Forum wollen Qualität,
die Realität sieht anders aus.

von sup2 - am 05.06.2018 12:15
Aber um nochmal auf die Eingangsmeldung zurückzukommen: glaubt ihr wirklich, dass das so ist?

Gibt es tatsächlich statistisch signifikant viele Leute, die den Streit um die neuen Antenneneigentümer mitverfolgt haben und in vorauseilendem Gehorsam (noch wurde ja gar nichts abgeschaltet) sich ein DAB-Gerät gekauft haben? Ich kann das irgendwie kaum glauben. Gut, wenn heise darüber berichtet, kriegen das vielleicht noch viele Technik-Freaks mit, aber ansonsten?

von Habakukk - am 05.06.2018 12:42
Definitiv NEIN.
Es hat niemand interessiert, zumal trotz DROHUNGEN die üblichen Verdächten
weiterhin vor sich hin jaulen.

von sup2 - am 05.06.2018 13:13
Ich pack den anderen Link auch mal hier hinein: https://www.radioszene.de/122597/digitalradio-boom-ukw-antennenstreit.html
(inhaltlich wie der obige und komplett irgendwo abgeschriebene funkamateur.de - Artikel, aber ausführlicher).

Der Link steht auch schon in einem anderen Thread des Forums: http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?35326,1467911,1467911#msg-1467911 (Thread "UKW Senderabschltung")

Zitat
Habakukk
statistisch signifikant

Keine Statistik, nur eine Aussage aus dem Hause des Herstellers Roberts, der sich über gestiegene Händlerbestellungen wunderte, obwohl man selber gar nicht aktiv geworden war.
"Einen unerwarteten Digitalradio-Boom beim Geräteverkauf meldet Roberts Radio: Die Streitereien um den Weiterbetrieb der von der Media Broadcast abgestoßenen UKW-Sendeanlagen führt dazu, dass viele Rundfunkhändler nun von sich aus DAB+ fähige Digitalradios als zukunftsfähige Technologie empfehlen und sich mit diesen eindecken."

Die Radios stehen also noch gar nicht beim Hörer, sondern bei Händlern, die erwarten, diese auch zu verkaufen dank des UKW-Streits.

von iro - am 05.06.2018 13:16
Zitat
Habakukk
Aber um nochmal auf die Eingangsmeldung zurückzukommen: glaubt ihr wirklich, dass das so ist?

Gibt es tatsächlich statistisch signifikant viele Leute, die den Streit um die neuen Antenneneigentümer mitverfolgt haben und in vorauseilendem Gehorsam (noch wurde ja gar nichts abgeschaltet) sich ein DAB-Gerät gekauft haben? Ich kann das irgendwie kaum glauben. Gut, wenn heise darüber berichtet, kriegen das vielleicht noch viele Technik-Freaks mit, aber ansonsten?

Der Meinung würde ich mich anschließen! Zudem wenn wie von vom Seltenen Besucher gestern geschrieben die Qualität der Inhalte zudem fragwürdig ist. Ich denke nicht daß dies einen Run auslöst. Zumindest derzeit nicht, es läuft ja noch alles.

Vielmehr klingt das fast wie Kindermund. Irgendwas ist schon dran...
Kling wie "Auf dem Standesamt geht es sehr feierlich zu. Während ein älterer Mann im Hintergrund leise orgelte, vollzog der Standesbeamte an meiner Schwester die Ehe."
:joke:

von Thomas (Metal) - am 05.06.2018 13:43
Es ist eher davon auszugehen, dass beim Autokauf die Händler die Schlagzeilen in der Presse und die dadurch geschürte Verunsicherung bei den potentiellen Hörern ausnutzen, um ein teureres Multimediapaket den Käufern anzudrehen. Ich kenne Menschen, die sich ein neues Auto ohne DAB+ gekauft haben und sind glücklich und Käufer von Autos mit DAB+-Empfängern, die ebenfalls glücklich sind. Kaum einer denkt darüber nach, dass ein Auto ein Feature in 3-10 Jahren beim Verkauf haben muss, um es noch verkaufen zu können. Sonst würden die Menschen keinen Diesel kaufen. Man denkt an die Vorzüge für sich selbst.

Die meisten DAB+-Hörer nannten mir sunshine live (junge Hörer) und Schlagerparadies (Senioren) als Gewinn für ihren Radiokonsum. Das ist in NRW verständlich, weil beide Formate hier auf UKW nicht anzutreffen sind. DRadio Wissen (heute DLF Nova) und 1LIVE diGGi wurden auch gennant, wurden aber im Internet konsumiert.

von Seltener Besucher - am 05.06.2018 14:38
Mal abgesehen davon, dass der UKW-Streit schlimmstenfalls auch DAB+ beschädigen könnte. Nrsonders nach der Meldung, dass der zweite Bundesmux wegen Rechtsstreitigkeiten erst mal auf Eis liegt.

Insofern geht die Gleichung "Schlechte Nachrichten für UKW = gute Nachrichten für DAB+" nicht auf.

von Alqaszar - am 05.06.2018 18:06
@iro: der Auto-Plattenspieler ist ja mal krass. Mit wieviel (Kilo)gramm wird der in die Rillen gedrückt haben?

Zitat
iro
Es mag ein Vorurteil sein, aber ich vermute, ein S-Klasse Fahrer wird eher selten, wenn überhaupt, einen Dudelfunker einschalten. Wer zahlt 7000€ für eine oberfette Anlage im Auto und tut sich dann Radio jeglicher Art (außer DRadio) damit an?


Ich kenne zumindest einen Phaeton-Fahrer, der zuweilen Radio Bob! laufen hat.

Zitat
Nordi
Ich dachte, dass ein Großteil der Sender über DVB-S gespeist werden (zumindest hier in Hessen,
Stichwort: "Bundesweite Anbieter) und an Kleinstsender von DLF sieht man auch Satschüsseln.

UKW-Senderzuführung:

DLF: Astra 23,5° Ost, MPEG 1 Layer 2, 384 kBit/s
DLF Kultur: Astra 23,5° Ost, MPEG 1 Layer 2, 192 kBit/s (evtl. inzwischen auch welche mit 384 wie beim DLF)
Havarieweg bei DLF / DLF Kultur: Astra 19,2° Ost, 256 kBit/s (Havarieweg bei DLF Kultur besser als Hauptweg, dazu auch noch mit weitaus weniger Kompression, aber ohne UKW-Transientenlimiter)

MDR: zumindest die Hauptstandorte in PCM ohne Datenreduktion via https://www.digigram.com/audio-over-ip/iqoya-link-le-stereo-ip-audio-codec/

hr: gleiches Netz (Media Broadcast DisNet) wie MDR, es könnte sich also ebenfalls um unreduziertes PCM handeln

BR: zumindest die Hauptstandorte in zentral erzeugtem MPX (also auch ohne Datenreduktion) via https://www.2wcom.com/fmc01/

Ein großer Privatsender in Ostdeutschland führt sein Hauptprogramm und das kleine Schwesterprogramm in 384 kBit/s E-aptX via IP zu. Das ist auch "amtliche" Qualität. Und alles Lichtjahre besser als reales DAB+.

Antenne Bayern hat angeblich einst mit AAC via 23,5° Ost experimentiert und weils lausig klang (ich vermute eher: weils Transienten machte, die die UKW-Aussteuerung begrenzten) auf MPEG 1 Layer 2 mit satten 384 kBit/s als Zuführung gewechselt. Wenn AAC (und sogar LC-AAC) besser wäre als hochbitratiges MPEG 1 Layer 2, müsste es ja irgendwo schon Zuführung sein...

Womöglich behält der eine lokale Radiohändler in meiner Heimatstadt ja nun sogar irgendwie Recht, wenn auch auf unerwartete Weise. Er erzählt den Kunden seit Jahren, die Sendeleistung auf UKW wäre überall reduziert worden, wie man ja auch am immer schlechteren Empfang bemerken könnte (natürlich ist nirgendwo Sendeleistung reduziert worden - das kann man messtechnisch belegen, ich vermute eher immer miesere UKW-Frontends in den Neugeräten und allgemein gestiegener Störsptrahlungs-Level durch Schaltnetzteile, LED-Lampen etc.). Und er empfiehlt DAB - natürlich via Geräte von Block. ;)

von Chris_BLN - am 05.06.2018 18:10
Zitat
Habakukk
Aber um nochmal auf die Eingangsmeldung zurückzukommen: glaubt ihr wirklich, dass das so ist?

Gibt es tatsächlich statistisch signifikant viele Leute, die den Streit um die neuen Antenneneigentümer mitverfolgt haben und in vorauseilendem Gehorsam (noch wurde ja gar nichts abgeschaltet) sich ein DAB-Gerät gekauft haben? Ich kann das irgendwie kaum glauben. Gut, wenn heise darüber berichtet, kriegen das vielleicht noch viele Technik-Freaks mit, aber ansonsten?


You made my Day, habakukk. Das ganze Ding ist total lächerlich.

von Mc Jack - am 05.06.2018 18:19
Ohje.... Block... neben dem Dual DAB1A bisher mein einziger Fehlkauf in Sachen DAB+, und als einziges teures Gerät, das ich jemals zurück geben musste, nach 2 Tagen zurück an den Händler.... ;)

von DH0GHU - am 05.06.2018 18:19
Zitat
Habakukk
Aber um nochmal auf die Eingangsmeldung zurückzukommen: glaubt ihr wirklich, dass das so ist?

Gibt es tatsächlich statistisch signifikant viele Leute, die den Streit um die neuen Antenneneigentümer mitverfolgt haben und in vorauseilendem Gehorsam (noch wurde ja gar nichts abgeschaltet) sich ein DAB-Gerät gekauft haben? Ich kann das irgendwie kaum glauben. Gut, wenn heise darüber berichtet, kriegen das vielleicht noch viele Technik-Freaks mit, aber ansonsten?


Also das Thema Ukw-Krieg/Abschaltung wurde auch in der Tagespresse angeschnitten.

von Nordi - am 05.06.2018 19:27
Zitat
Chris_BLN
UKW-Senderzuführung:
DLF: Astra 23,5° Ost, MPEG 1 Layer 2, 384 kBit/s
DLF Kultur: Astra 23,5° Ost, MPEG 1 Layer 2, 192 kBit/s (evtl. inzwischen auch welche mit 384 wie beim DLF)
Havarieweg bei DLF / DLF Kultur: Astra 19,2° Ost, 256 kBit/s (Havarieweg bei DLF Kultur besser als Hauptweg, dazu auch noch mit weitaus weniger Kompression, aber ohne UKW-Transientenlimiter)

MDR: zumindest die Hauptstandorte in PCM ohne Datenreduktion via https://www.digigram.com/audio-over-ip/iqoya-link-le-stereo-ip-audio-codec/
hr: gleiches Netz (Media Broadcast DisNet) wie MDR, es könnte sich also ebenfalls um unreduziertes PCM handeln
BR: zumindest die Hauptstandorte in zentral erzeugtem MPX (also auch ohne Datenreduktion) via https://www.2wcom.com/fmc01/
Ein großer Privatsender in Ostdeutschland führt sein Hauptprogramm und das kleine Schwesterprogramm in 384 kBit/s E-aptX via IP zu. Das ist auch "amtliche" Qualität. Und alles Lichtjahre besser als reales DAB+.


Ich hasse diesen Populismus, der nur einen Teil des Aspektes herausstellt und die andere Hälfte verschleiert. Menschen lassen sich gerne von Zahlenspielen beeindrucken. Ja, es stimmt, viele ARD-Anstalten sollten ihre Bitrate in DAB+ erhöhen und ich glaube niemand im Forum wird Einwände gegen eine bessere Qualität in DAB+ vorbringen. Doch den Menschen vorzumachen, dass aus einer UKW-Antenne die gleiche Qualität in den Äther geblasen wird und beim Hörer ankommt, die am Sender angeliefert wird, ist mit Verlaub eine Lüge. Was nutzt dem Hörer, dass das Signal zum Sender mit Enhanced aptX 384 kbps angeliefert wird, wenn das Signal in dieser Qualität nicht bei ihm ankommt. Schuld daran ist UKW. Klar können sich die Techniker in den Anstalten an der Qualität ergötzen, der Hörer hat nichts davon.

Es ist als würde ein Fliesenleger die Fliesen am Anfang noch ordentlich legen, im Näher er an der einzigen Tür im Raum ist, um so schlampiger wird er. Die Menschen kommen in den Raum und sehen zuerst die schlampige Arbeit. Die Hörer schalten ihren Empfänger ein und hören nur noch die schlampige Qualität. Man kann zwar prahlen mit Enhanced aptX 384 kbps. Der Hörer hat wenig davon.

Manchmal ist die Tür sehr schmal, weil auf den Nachbarfrequenzen andere Sender stören. Was bleibt den Hörern von den 384 kbps – die angeliefert werden, wenn heute kaum eine UKW-Frequenz mit einem Abstand von 600 kHz zur nächsten genutzten Frequenz eingesetzt wird. Bei einigen Frequenzen habe ich nicht einmal einen Abstand von 200 kHz, alle 100 kHz höre ich einen Sender. So einen geringen Abstand empfiehlt die ITU nicht einmal beim Mono-Empfang, geschweige bei Stereo. Bei DAB+ kommt die Qualität an, die in den Multiplex gepresst wird auch beim Hörer an oder es kommt gar nichts an. Früher hätte man sich für das verrauschte Radio entschieden, es gab nichts anderes. Heute gibt es bessere Quellen für sanfte Unterhaltung. Will Radio Hörer halten und gewinnen, muss DAB+ klanglich und von der Netzabdeckung besser werden. Bei UKW ist allerdings der Zug angefahren. Eine bessere Qualität bei UKW erreicht man nur durch Senderabschaltung und dazu ist in Deutschland noch keiner breit.

von Seltener Besucher - am 05.06.2018 19:46
Wieso "Populismus"? Es sollte inzwischen hier klar sein, dass ich UKW nicht daran messe, wie beschissen es klingt, wenn ich Mehrwegeempfangs-verseucht mit Signalstärken nahe der Grasnarbe, ohne gescheite Antenne, dafür aber mit einem schlechten Empfänger versuche, Radio zu hören. Ja, dann (und schon lange davor) klingt UKW beschissen. Da muss derjenige halt was tun, anständige Antenne, anständiger Tuner etc - oder eben "Pech gehabt". Im Auto also meistens "Pech gehabt".

Ich messe UKW an dem, was auch heute noch abgesehen von extrem-Empfangslagen möglich ist. Und da geht sehr wohl an anständiger Antenne oft rauscharmer Empfang von ca. 10 Programmen. Und dann ist es sehr ärgerlich, wenn man zwar anständigen Empfang hat, aber miese Audioqualität durch lausige Zuführung.

Die 192 kBit/s MPEG 1 Layer 2 von DLF Kultur hört(e) man deutlich raus (ich habe inzwischen so lange nicht mehr reingehört, dass ich nicht sagen kann, wie es um die Zuführung aktuell an meinem beiden formalen Wohnorten bestellt ist). Man hörte es also zumindest heraus, als es noch so war, ob es noch so ist, müsste ich jetzt prüfen. Man hörte es so deutlich, dass mir in Berlin an einer Wurfantenne (und das war nicht "optimal") einst auffiel, dass D-Radio Kultur (damals noch vom eigenen Sender in Britz) mal anständig klang und mal "matschig". Ich fragte am Tag der offenen Tür im DLF Köln 3/2012 einen anwesenden Technik-Menschen vom Berliner Programm und der erblasste, weil die Beobachtung korrekt war und er erschocken war, dass das jemand Außenstehendem auffällt. Man hatte einerseits Leitung vom Funkhaus und andererseits die Sat-Strecke und führte abwechselnd mal so und mal so zu. Warum, wollte er mir nicht verraten.

Man kann also sehr wohl solche Artefakte auch noch auf UKW raushören - man konnte auch die 192er ADR-Artefakte hören, wenn MDR Sputnik einst von analogen Astra-Unterträgern geholt und auf UKW umgesetzt wurde. Der MDR hatte die analoge Sat-Strecke nicht separat zugeführt, sondern im Funkhaus in Halle nur den Codec für ADR stehen, in leipzig am Uplink wurde das Signal einerseits auf ADR gegeben, andererseits aber decodiert und analog gewandelt, um es auf die Wegener-Modulatoren zu geben. Das fiel auf.

Natürlich hat UKW auch bei bestmöglichem Empfang Limitierungen (S/N, Kanaltrennung, Klirrfaktor), aber ab Untershcreitung gewisser Mindest-Bitraten drücken psychoakustische Artefakte in der Zuführung dennoch lästig durch.

Dass man UKW mit vergleichsweise sehr hohen Bitraten oder zunehmend (!) unreduziert zuführt, dürfte aber einen anderen Hauptgrund haben: man kann so das zentral im Schaltraum stehende UKW-Processing besser "auf Kante" fahren, da auf den Verteilwegen zu den UKW-Standorten keine relevanten Signalverfälschungen auftreten, die z.B. den Spitzenhub massiv verändern könnten. Bei 192 kBit/s MPEG 1 Layer 2 sind da schon einige dB mehr Spitzenpegel drin, allein durch die Artefakte. Und: wenn man ein Leitungsnetz gemietet hat oder betreibt, das mehrere DVB-T-Pakete, DVB-T2-Pakete, DAB-Muxe etc. enthält, kommts auf das bissl unreduzierte Audio einer handvoll Radioprogramme auch nicht mehr an.

Der Privatsender mit 384 E-aptX klingt übrigens komplett scheiße - dürfte sein Krawall-Processing sein. Klingt immer wie Mehrwegeempfang, sind aber wohl Verzerrungen, die schon so an den Senderstandorten ankommen...

von Chris_BLN - am 05.06.2018 21:30
@ Chris_BLN, Seltener Besucher
Da fällt das Zauberwort adr im Zusammenhang mit UKW und der angeblich schlechten adr-Qualität was mich dann quasi herausfordert meinen Senf dazu auch abzugeben. Am, in der Restrospektive ganz und gar nicht brauchbar auf UKW versorgten QTH2, war mir UKW nach Anschaffung der Konni 8-Elemente im Jahr 1992 zunächst ausreichend. 1997 habe ich mir dann einen adr-Receiver zugelegt. Es war schlicht ein Quantensprung! Im Vergleich zu minimalsten Artefakten war mir ein ganz leicht angerauschtes UKW (unverzerrt brauchbar bekanntlich nur Pfaffenberg, Gr Feldberg und Bleßberg; die UKW-Antenne stand trotzdem grob in Richtung Rhön [genauso stark aber an einigen QRGs leicht verzerrt, je nach Witterung/Vegitation auch noch frequenzverschieden] da man dann nicht drehen mußte und mehr Programme auf einen Schlag hatte) völlig zuwider. Zwar ging das üblicherweise bei Aufnahmen im Bandrauschen vollkommen unter, aber Psychologie ist natürlich auch immer ein Stück dabei die hier dann sagt "es geht besser".
Ich habe auch die Argumentation nie verstanden warum man adr aus Qualitätsgründen nicht ins Kabel umsetzte, aber dafür UKW-Fernempfänge in Mono obwohl eben diese Programme in adr verfügbar gewesen wären. Oder mußte das doch eher wegen des leidigen Themas Einspeiseentgelder herhalten?
Was in der Diskussion vollkommen untergeht: Man stellt erst gar nicht mehr die Forderung nach einem Premium-Empfangsweg sondern macht lieber alles gleich. Machen wir uns nichts vor, bei UKW wird "der Sound" so bleiben wie er ist da nützt es auch nichts das _rein theoretisch_ man mehr machen könnte, auch wenn man andere, siehe QTH2, damit benachteiligt. Dort lebt man eben damit daß in leisen Passagen es weniger stark angerauscht wird. ...und das QTH2 ist beim Mobilempfang fast überall ;-) . Aber bei DVB-S, vielleicht auch noch 1:1 umgesetzt als DVB-C in Kabelnetz, hätte man die Möglichkeit wirkliche Premium-Qualität zu bieten: Sämtliche "Studio-Tretminen" des Soundprocessings raus, nur einen Limiter ganz am Ende damit man nichts versehentlich reißen kann.

Zum Thema zurück: Man könnte auch die Frage stellen "Mehr Webradio-Verkäufe durch UKW-Streit?" Ja, vielleicht: ALDI und LIDL versuchen es in diesen Tagen offenbar ;-)

von Thomas (Metal) - am 07.06.2018 06:16
Mir scheint, dass bei dieser (Dauer)diskussion jeweils sehr die Psychoakkustik des einzelnen Betrachters dominiert. Es gibt wohl tatsächlich viele Menschen, die leichtes Rauschen überhaupt nicht stört, die aber leiseste Artefakte wahrnehmen. Wieder andere stören sich sofort an einem fehlendem Stereoeffekt, fehlenden Bässen oder fehlenden Höhen. Und zwar jeder in unterschiedlichem Maß.
Mir geht's dabei bei Musik wie Thomas: Es gibt für mich nichts schlimmeres als leises Rauschen - und was mich genauso wahnsinnig macht sind Verzerrungen z.B. bei Mehrwegausbreitung. Da gewöhne ich mich auch nicht dran, das klingt nach 5 Minuten immernoch schei****.
Leichte(!) Artefakte nehme ich offenbar garnicht wahr, oder ich gewöhne mich sehr schnell daran. Ich höre z.B. auch keinen Unterschied z.B. zwischen BR Klassik auf UKW und DAB. Hingegen ist der mobile BR-Klassik-Empfang auf UKW für mich schlicht unmöglich, da mich das dauernde Verzerren und aufrauschen massiv nervt - hier gibt es eben fast immer irgendwelche Abschattungen und Reflektionen. Selbstverständlich liegen die Schwerpunkte in der norddeutschen Tiefebene oder auch der Rheinebene anders, da gibts keine 1000m hoch aufragenden, steilwandige Reflektoren, und mit genug Power bekommt man tatsächlich guten UKW-Empfang hin.

Allerdings ist das eben - da das sehr vom Einzelnen abhängt - auch müßig zu diskutieren.
Und, sorry, dass der einzelne Otto-Normal-Hörer derzeit viel vom UKW-Streit mitbekommt glaube ich nicht. Dass der UKW-Streit DAB+ irgendwo weiter bringt, erst recht nicht. Jeder € Werbeeinnahmen kann nur ein mal ausgegeben werden.

von DH0GHU - am 07.06.2018 06:33
Thema?????????????????????

von RudiP - am 07.06.2018 07:00
Bitte mehr Fragezeichen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

von Mc Jack - am 07.06.2018 07:11
/um Thema:
In erster Linie haben die Händler mehr DAB-Geräte bestellt. So verstehe ich das.

und: den Philips Plattenspieler hatte ich auch im Auto. Da gingen aber nur Singles rein und waren schnell mal zerkratzt. Bin aber nicht sicher ob ich den vor dem 1. weltweit erhältlichen Autoradio.mit UKW-Stereo Empfangsteil hatte (Blaupukt Köln) oder nachher. Stereo wurde damals noch nicht gesendet, zumindest in der Schweiz. War aber so teuer wie die ersten DAB-Autoradios vor 2000 (nur mit externem Adapter).

von drahtlos - am 12.06.2018 17:40
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