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Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 3 Monaten
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Kay B, Terranus, Resistor, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, mobi, hetietz, -Ole-, Birger*, PeterSchwarz, TheSpirit, Obelixx

Der zweite Turm auf dem Berliner Schäferberg

Startbeitrag von Obelixx am 18.11.2004 12:28

Ist es möglich, daß es 1996 auf dem Berliner Schäferberg nur den Fernmeldeturm und nicht einen zweiten in Stahlfachwerkbauweise ausgeführten Turm gab?
Zumindest kann ich mich seinerzeit nicht an ein derartiges Bauwerk erinnern.

Antworten:

Der Gitterturm war früher Träger für Richtfunkantennen zur Anbindung an die damalige Bundesrepublik. Über vier große Parabolspiegel (zwei davon am Gitterturm, zwei am Betonturm) wurde eine Verbindung nach Torfhaus geschaffen.

Siehe auch:
http://funk.breloehr.de/fotos-b/b_schaef.htm
http://funk.breloehr.de/fotos-b/b_scat.htm

( Homepage: http://funk.breloehr.de/ )


Weiß jemand, wo die Parabolantennen abgeblieben sind? Die wären sicherlich für 'nen Sat-DXer nützlich. :D

von Kay B - am 18.11.2004 13:47
Wurde nicht auch deshalb mit so großer Sendeleistung gearbeitet, weil keine direkte Sichtverbindung zwischen Berlin und dem Harz hinzukriegen war und deshalb mit Reflektion in der Atmosphere hantiert wurde?



von Birger* - am 18.11.2004 14:10
50000kW ERP? Da geht was. Die Verbindung zwischen Schäferberg und Torfhaus muss wohl grad so möglich gewesen sein, mit diesem grossen Aufwand!

von PeterSchwarz - am 18.11.2004 15:51
schon allein wegen der erdkrümmung ist es nicht möglich, sichtverbding zwischen den sendern hinzubekommen... ob die damals im osten dort munter abgehört haben?

von TheSpirit - am 18.11.2004 16:16
Die Strecke soll eine Troposcatter-Verbindung gewesen sein, richtig. Sonst müsste man auch nicht diese Monsterleistung nutzen. Die Strecke Frohnau Höhbeck wird später sicher auch mit deutlich weniger ausgekommen sein.


Zitat

ob die damals im osten dort munter abgehört haben?



Davon kannst du allerdings ausgehen. :-) Ende der 80er soll es dann ja auch noch ein West-Glasfaserkabel durch die DDR gegeben haben, das die Stasi auch bereits anzapfen konnte - allerdings ohne Gewähr, habe ich irgendwann mal gehört.

Welche Verbindungen gab es denn außer der Richtfunkstrecke ab Torfhaus noch nach West-Berlin? Wie kamen die drei TV-Programme dann dorthin - über diese RiFu-Strecke? Ebenso die Überspielungen des SFB? Das muss doch mächtig Kapazität gefressen haben.

von -Ole- - am 18.11.2004 16:22
es war tatsächlich eine Scatter Strecke.
Aufgrund der Erdkrümmung wie TheSpirit schon beschreibt gibt es keine direkte Sichtverbindung zwischen Torfhaus und Schäferberg.
Ich war 1995 bei einer Telekomführung im Schäferbergturm dabei, dort wurde von den Technikern erzählt der Reflexionspunkt in der Atmosphäre lag ungefähr über Magdeburg.
Zugeführt wurde so das ZDF und die ARD. Allerdings gab es wohl auch Leitungen der Deutschen Post durch das Gebiet der DDR (für Westgeld tat man so einiges ;-) )
Mit dem Kopernikus Satelliten sollte diese Strecke ersetzt werden, deshalb hatte die Telekom eine Erdfunkstelle in Wannsee gebaut (die grossen Schüsseln konnte man von oben aus dem Schäferbergturm sehen). Obs die heute noch gibt weis ich allerdings nicht.
Irgendwo liegen auch noch Fotos von damals rum, die Richfunkantennen waren da aber schon demontiert.

von mobi - am 18.11.2004 19:12
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberhorizont-Richtfunk

da hat aber der Himmel über Magdeburg geglüht :)



von Terranus - am 18.11.2004 20:24
Da hat man wohl in zwei Frequenzbereichen gesendet:

- 250 MHz - 400 MHz (--> http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberhorizont-Richtfunk )
- 1,7...2,1 GHz (--> http://funk.breloehr.de/fotos-b/b_scat.htm )

Da waren wohl die Antennen am Betonmast an der Stelle, wo sich heute die UKW-Antennen befinden, für den Bereich 250 - 400 MHz.

Und die Richtfunkantennen waren entsprechend für 1,7 - 2,1 GHz.

Die Antennen für 250 - 400 MHz scheinen aber eine andere Gegenstation als Torfhaus zu haben. Sie zeigen in eine andere Richtung (weiter nördlich als die Parabolantennen) und auf den Bildern der Gegenstelle Torfhaus sind auch keine derartigen Antennen (also 250 - 400 MHz) zu sehen.

Wo war nun die Gegenstelle für den Bereich 250 - 400 MHz für den Schäferberg?

In welchem Frequenzbereich wurde was übertragen? Wurde überhaupt verschlüsselt, um das Abhören seitens der damaligen DDR wenigstens zu erschweren? Gab's in den 50ern und 60ern überhaupt schon Verschlüsselungsmöglichkeiten für Audiosignale?

von Kay B - am 19.11.2004 08:57
Ein interessanter Bericht, in dem der Aufbau der Überhorizont-Richtfunkspiegel auf dem Schäferberg beschrieben wird:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/zehlendorf/der-fernmeldeturm-in-wannsee-ein-turm-fuer-spezialaufgaben/13542854.html

von Kay B - am 15.05.2016 13:24
Danke für den Link mit vielen interessanten Details, die ich noch nicht wusste.
Die beiden Parabolspiegel am Torfhaus waren immer sehr markant,
wenn wir von Bad Harzburg kommend den Harz hoch fuhren.

bis denn, BEN

von Resistor - am 15.05.2016 15:17
Danke für den sehr informativen Link.

von hetietz - am 15.05.2016 15:47
Super, vielen Dank :spos:!

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 17.05.2016 09:23
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