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Manager., Analogiker, Spacelab, Marcus., Dampfradio, Felix 99, Wiesbadener

Schaumbergturm früher Grundnetzsender?

Startbeitrag von Wiesbadener am 31.10.2005 12:43

Am Wochenende war ich bei Verwandten im Saarland und bin wieder an Tholey vorbeigefahren. Stimmt das übrigens, dass der Schaumbergturm früher TV- und Radio-Grundnetzsender war, bevor Göttelborner Höhe und Schoksberg gebaut wurden? Gigantisch im Vergleich zu anderen TV-Funzelstandorten wirkt der Turm ja schon. Hat noch einer Infos und Frequenzen? Hier ein Foto:

http://www.saarland.de/medien/inhalt/schaumberturm.jpg

Antworten:

Stimmt. In den offiziellen Listen wird er als "Tholey" geführt. Kanäle:
26: ZDF, 1 kW
38: SR FS SW, 42 W
48: ARD, 1 kW
Die 1 kW-Sender werden in meiner Gegend sehr oft als Hauptempfangssender genutzt, vor allem wo GöHö und SchoBe nicht gut genug reinkommen und kleine Füllsender fehlen. Es dürfte aber auch an der Trägheit zum Antennenummontieren liegen.
Bilder: http://www.marienerscheinung.de/11/1.jpg
http://www.saarlandbilder.de/orte/tholey/schaumbergturm.jpg
http://www.motorradspass.de/photogallery/Saarland/DSC02270.jpg

von Analogiker - am 31.10.2005 13:15
Stimmt das übrigens, dass der Schaumbergturm früher TV- und Radio-Grundnetzsender war, bevor Göttelborner Höhe und Schoksberg gebaut wurden?
Hat noch einer Infos und Frequenzen?


@ Wiesbadener:

Radio:
Radio Saarbrücken (der heutige SR) hatte Anfang der 50er-Jahre den ersten UKW-Sender auf dem Schwarzenberg in Saarbrücken auf 98,9 oder 99,0 MHz mit 1,5 kW. Ebenfalls noch in den 50ern kam ein weiterer UKW-Sender auf dem Schaumberg auf 96,0 MHz mit 10 kW hinzu. Der Schaumberg war also in der Tat damals der UKW-Grundnetzsender für das Saarland.
Die 100 kW-Frequenzen auf der Göttelborner Höhe (88,0/91,3/95,5) kamen erst einige Jahre später. Vermutlich wurden diese QRGs in Stockholm '61 koordiniert. Ganz genau habe ich dies jedoch auch noch nicht herausfinden können. Als ich Ende der 60er-Jahre begann an den Radios herumzudrehen, gab es kein UKW mehr auf dem Schaumberg.

TV:
Nachdem es von 1953-58 bereits ein saarländisches TV-Programm in franz. Norm (819 Zeilen) gab (soweit ich weiß ohne Sender auf dem Schaumberg), begann 1959 die ARD (mit SR-Regionalprogramm) ihr Programm gleich mit dem neuen Grundnetzsender Göttelborner Höhe. Hier spielte Tholey also keine wichtige Rolle.
Aber nach dem Sendestart des ZDF (1963) gab es schon kurz darauf einen leistungsstarken UHF-Sender auf dem Schaumberg, weil der provisorische Grundnetzsender auf dem Winterberg in Saarbrücken das Saarland nicht annähernd so gut versorgen konnte wie die Göttelborner Höhe des SR.
Und 1969, nach dem Sendestart von S3 (heute SR FS SW), war das genauso. Da kann ich mich noch gut daran erinnern, dass an meinem damaligen QTH Eppelborn die Meisten ZDF und S3 besser via Tholey als über Winterberg empfangen konnten. Bei ZDF und S3 war Tholey also sehr wichtig, bevor der Schoksberg-Sender 1977 den Winterberg als Grundnetzsender ablöste.

Weiter Infos zu Radio & TV an der Saar ---> http://www.memotransfront.uni-saarland.de/htm/6x18.htm


von Manager. - am 31.10.2005 17:39
Besonders "funkgeeignete" Bilder gibt's hier: http://de.geocities.com/senderlistesaar/st.wendel.html ("66636-Tholey, Auf dem Schaumberg (Schaumbergturm)")

In diesem Zusammenhang mal Auszüge aus dem Buch "Unser Sender an der Saar. 50 Jahre Rundfunk im Saarland" - Saarländischer Rundfunk (Hg.), 1985

21. Mai 1952 (UKW)
Inbetriebnahme des Senders Schwarzenberg, 250 W Senderleistung, Rohrschlitzantenne, 1,5 kW ERP, 40% der Fläche des Saarlandes versorgt

Weihnachten 1953 (TV)
Betriebsaufnahme von "Tele Saar", Sender Eschberg, Bereich III, 819 Zeilen

1. Mai 1956 (UKW)
Inbetriebnahme des Senders Schaumberg, 3 kW Senderleistung, Achtergruppe, 10 kW ERP, 75% der Fläche des Saarlandes versorgt

1. Januar 1957 (TV)
Inbetriebnahme eines K2-Umsetzers auf dem Schwarzenberg

18. Januar 1958 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Senders von "Tele Saar" auf dem Felsberg im Kanal I b, 819 Zeilen

25. Januar 1958 (TV)
Polizeiliche Schließung des FS-Senders Felsberg

Mai-Juni 1958 (TV)
Errichtung von FS-Umsetzern in Neunkirchen, St. Wendel und Merzig, die aber nicht in Betrieb gingen

15. Juli 1958 (TV)
Schließung des Tele Saar-Studios

1. September 1958 (TV)
Inbetriebnahme des provisorischen Kanal 2-Senders auf dem Schwarzenberg

9. Oktober 1958 (TV)
Inbetriebnahme des ersten FS-Umsetzers in Merzig

November 1958 (TV)
Stillegung des FS-Senders Eschberg

15. Oktober 1959 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Senders Göttelborner Höhe Kanal 2, 100 W, 625 Zeilen

22. Oktober 1959 (TV)
Einweihung des FS-Senders Göttelborner Höhe und Programmbeginn aus Saarbrücken

21. August 1960 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Saarbrücken-Halberg

15. Februar 1961 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Hilbringen/Merzig

9. Mai 1961 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers St. Ingbert

19. Juni 1961 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Neuweiler

21. Juni 1961 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Mettlach

1. August 1961 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Scheidt

10. August 1961 (TV)
Inbetriebnahme durch die Bundespost des UHF-Senders Winterberg für das Zweite Programm (10 kW)

16. Januar 1962 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Perl

9. Februar 1962 (TV)
Inbetriebnahme des FS-Umsetzers Saarhölzbach

24. April 1962 (UKW)
Inbetriebnahme des 1. UKW-Senders auf der Göttelborner Höhe, f = 96,0 MHz, ERP = 2,5 kW

16. Juni 1962 (UKW)
Inbetriebnahme des 2. UKW-Senders auf der Göttelborner Höhe, f = 98,9 MHz, ERP = 10 kW

31. August 1962 (UKW)
Außerbetriebnahme der beiden UKW-Sender auf der Göttelborner Höhe

1. September 1962 (UKW)
Inbetriebnahme von 3 UKW-Sendern auf der Göttelborner Höhe entsprechend Stockholmer Plan 1961, f = 88,0 MHz; 91,3 MHz und 95,5 MHz, ERP = 100 kW; 100 kW und 30 kW

6. April 1963 (UKW)
UKW III ebenfalls 100 kW

Oktober 1963 (UKW)
600 W-Reserve-Sender für UKW I und II

April 1964 (UKW)
600 W-Reserve-Sender für UKW III

2. Februar 1965 (TV)
Bundespost-Sender Winterberg durch Brand zerstört

14. Juli 1967 (UKW)
Inbetriebnahme der UKW-Sender Moseltal I-III

6. Dezember 1968 (TV)
Bundespost-Sender Winterberg (ZDF) auf 20 kW erhöht

26. Februar 1969 (TV)
Inbetriebnahme des Senders Winterberg für Drittes Programm "S 3"

28. November 1969 (UKW)
Inbetriebnahme der UKW-Sender Bliestal I-III

21. Oktober 1975 (TV)
Grundsteinlegung für Grundnetzsender Schoksberg (Bundespost)

26. Januar 1977 (TV)
Richtfest Grundnetzsender Schoksberg (Bundespost)

23. März 1977 (TV)
1. Testbildsendung des Senders Schoksberg (Kanal 45)

28. März 1977 (TV)
Inbetriebnahme der Sender Schoksberg Kanal 42 - Kanal 45
Abschaltung des Senders Winterberg, 3. Programm Kanal 4 [soll wohl Kanal 42 heißen]

12. Mai 1977 (TV)
Offizielle Einweihung des Senders Schoksberg durch die Bundespost

1. Mai 1982 (UKW)
UKW-Sender Halberg für Sonderprogramm f = 94,20 MHz, 0,5 kW

28. September 1984 (UKW)
Inbetriebnahme der UKW-Sender Merzig I-III

1. Juli 1985 (UKW)
Inbetriebnahme der UKW-Sender Mettlach I-III

6. November 1989 (UKW)
Beginn der Ausstrahlung von SR 4 über die UKW-Sender Schoksberg 103,7 und Neunkirchen 105,0 MHz der Deutschen Bundespost

1. Januar 1990 (UKW)
Beginn der Ausstrahlung von Radio Salü über die UKW-Sender Schoksberg und Merzig der Deutschen Bundespost und über UKW-Sender an den Standorten Bliestal und Moseltal des SR.

von Analogiker - am 31.10.2005 17:59
@ Analogiker:

Super! - Danke!

1. Juli 1985 (UKW)
Inbetriebnahme der UKW-Sender Merzig I-III


=> Nicht Merzig, sondern Mettlach. Merzig war da bereits in Betrieb.


1. Januar 1990 (UKW)
Beginn der Ausstrahlung von Radio Salü über die UKW-Sender Schoksberg und Merzig der Deutschen Bundespost und über UKW-Sender an den Standorten Bliestal und Moseltal des SR.


Das war aber schon am 31.12.89!


P.S.: Gruß in die alte Heimat!

von Manager. - am 31.10.2005 18:32
Zitat

=> Nicht Merzig, sondern Mettlach. Merzig war da bereits in Betrieb.
Habe ich jetzt überarbeitet. Den Eintrag hatte ich leider falsch abgelesen.

Zitat

Das war aber schon am 31.12.89!
Ich zitiere ja nur aus dem Buch und da steht eben der 1.1.90

Zitat

P.S.: Gruß in die alte Heimat!
Ich stelle mich auf den Schaumberg und rufe es heraus. Watzmanlike: "Wie schallt's in der Höh?"

von Analogiker - am 31.10.2005 19:27
War am Wochenende bei Verwandten und da das Wetter so schön war...

Hier aktuelle Fotos vom Sender auf dem Schaumberg:
---> http://s6.directupload.net/file/d/1341/3ytnuwab_jpg.htm
Die UHF-Antennen (waren unten am Mast zwischen Mobilfunkantennen und Mastfuß) für Das Erste E38, ZDF E26 und SR E48 sind bereits wenige Wochen nach der analogen Abschaltung verschwunden.
---> http://s6.directupload.net/file/d/1341/pipuqw8t_jpg.htm
Aktuell kommt u.a. DAB 8B Saar1 (vertikale Flächenstrahler zwischen BOS-Antennen und Mobilfunkantennen unten am Mast) von hier.
---> http://s5.directupload.net/file/d/1341/2ffk8j7q_jpg.htm
Leider ist der Turm wegen Renovierungsarbeiten immer noch gesperrt.
Koordinaten übrigens => 49°29'10'' / 07°01'49''.


von Manager. - am 17.02.2008 21:57
Schicke Fotos :)
Sony Ericsson Handy ?
War auch letzhin erst oben - wusste aber nicht, dass von dort noch gesendet wird .
Hoffe dass der Turm bald wieder geöffnet wird denn von dort oben ist die Aussicht sicherlich gigantisch.

fx

von Felix 99 - am 18.02.2008 08:41
Uiuiui... Da war ja damals richtig was los hier im Saarland. :eek: Von der Sache mit Tele Saar hab ich auch bei Wikipedia schon gelesen, aber von dem anderen hin und her hab ich nichts gewusst.

Zitat

21. Mai 1952 (UKW)
Inbetriebnahme des Senders Schwarzenberg, 250 W Senderleistung, Rohrschlitzantenne, 1,5 kW ERP, 40% der Fläche des Saarlandes versorgt

Ich denke bei dem heutigen Störbrei würde man mit 1,5kW vom Schwarzenberg nicht mehr 40% des Saarlandes versorgen können.

von Spacelab - am 18.02.2008 09:21
Der Schwarzenberg ist der beste Standort in SB, und erreicht auch gut das Hinterland.

Das Problem ist nur das Frankreich in einer Linie mit SB City und Völklingen liegt.

von Marcus. - am 18.02.2008 11:58
Hier mal ein Eindruck vom Schwarzenberg in Saarbrücken!
http://s2.directupload.net/file/d/1342/4aj8p6ad_jpg.htm
http://s5.directupload.net/file/d/1342/boghp2xq_jpg.htm


von Dampfradio - am 18.02.2008 16:41
@ Felix Martin:
Ja, siehe Signatur.
Die Aussicht vom Turm ist für saarländische Verhältnisse grandios, da der Schaumberg deutlich höher als die gesamte Umgebung liegt. Entsprechend weit waren ZDF und SR-TV mit ihren 1 kW auch von hier zu empfangen.


Zitat
Spacelab
21. Mai 1952 (UKW)
Inbetriebnahme des Senders Schwarzenberg, 250 W Senderleistung, Rohrschlitzantenne, 1,5 kW ERP, 40% der Fläche des Saarlandes versorgt

Den heutigen Sendemast (49°14'55'' / 07°02'37'') ...
---> http://s1.directupload.net/file/d/1342/cp2lvzct_jpg.htm
...gab's da natürlich noch nicht. Da kam alles noch vom Schwarzenbergturm (49°14'49'' / 07°02'26'').
---> http://s5.directupload.net/file/d/1342/e72d9u7i_jpg.htm


Zugabe:
Beim Schwarzenberg-Sender kann man auch folgendes "Schmuckstück" aus Bundespost-Zeiten bewundern. :)
---> http://s2.directupload.net/file/d/1342/xy7jyl6u_jpg.htm

von Manager. - am 18.02.2008 17:35
Zitat
Spacelab
Uiuiui... Da war ja damals richtig was los hier im Saarland. Von der Sache mit Tele Saar hab ich auch bei Wikipedia schon gelesen, aber von dem anderen hin und her hab ich nichts gewusst.

Richtig nachlesen kann man das im Buch "Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk" (29,90 ¤); Herausgeber: Axel Buchholz (ex-SR-Chefredeakteur und SR 1-Wellenchef) und Fritz Raff (SR-Intendant). Das Buch zur SR-Historie aus dem Herder-Verlag ist erst vor wenigen Wochen erschienen und im SR-Shop schon fast vergriffen.


Hier einige Auszüge aus diesem Buch zur TV-Historie an der Saar; Ergänzungen von mir habe ich in [eckigen Klammern] gesetzt:

>Am 27. September 1956 verabschiedete der Landtag das Gesetz über den Saarländischen Rundfunk, das die Regierung noch am selben Tag ausfertigte. Pünktlich zum Beitritt des Landes zum Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland übernahm damit der "Saarländische Rundfunk. Gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts" am 1. Januar 1957 alle Rechte und Pflichten der früheren GmbH.<

>Zum 1. Januar 1957 wurde das Saarland politisch in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert, blieb wirtschaftlich aber zunächst [bis einschl. 5. Juli 1959] noch mit Frankreich verbunden.
Damit der junge Saarländische Rundfunk an jenem besonderen Tag bereits das deutsche Fernsehprogramm ausstrahlen konnte, leistete der Südwestfunk Baden-Baden Beistand. Von seinem Sender Hornisgrinde wurde das Programm übernommen und über einen 100 W-Füllsender vom Saarbrücker Schwarzenberg aus im Band I (Kanal 2) in deutscher Fernsehnorm (625 Zeilen) weiterverbreitet. Den Sender einschl. Antenne hatte ebenfalls der SWF zur Verfügung gestellt.<

> Gleich am Premierentag kam es überdies zu einer Panne. Der Sender ging zwar am 1. Januar 1957 in Betrieb, doch mitten in der Übertragung des Staatsaktes [mit Bundeskanzler Adenauer] im Stadttheater [=> Staatstheater] Saarbrücken wurde plötzlich der Bildschirm schwarz. Der Sender Hornisgrinde war ausgefallen [ :D ], so dass auch der neue Sender Schwarzenberg seinen Betrieb einstellen musste.<

> Viele Saarländer hatten aus technischen Gründen Probleme, überhaupt ein Fernseh-Programm zu empfangen. Eine Minderheit [in Saarbrücken] aber bekam seit 1957 gleich zwei deutschsprachige Programme, allerdings in verschiedenen Fernsehnormen [mehr-Norm-Empfänger gab es übrigens noch nicht]. TELESAAR strahlte ja schon seit Dezember 1953 mit französischer Norm (819 Zeilen) über einen kleinen 100 W-Sender vom Eschberg aus. Seit 1. Januar 1957 war das deutsche Fernseh-Programm hinzugekommen, in deutscher Norm (625 Zeilen) vom Saarbrücker Schwarzenberg aus im Band I (Kanal E2) übertragen. Der Sender durfte allerdings nur einmal in der Woche eingeschaltet werden. Zusätzliche Übertragungen mussten mit der Saarländischen Fernseh-AG [also mit TELESAAR] abgesprochen werden, die nach der ursprünglichen saarländischen Gesetzgebung [also aus der Zeit vor dem politischen Anschluss] die Fernsehrechte besaß.
Am 16. Januar 1958 kam nun ein dritter Fernsehsender hinzu: auf dem Sauberg bei Felsberg, dem Standort des französischen Hörfunksenders Europe 1. Er übertrug in französischer Norm zusätzlich zum Sender auf dem Eschberg das Programm von TELESAAR und arbeitete - wie der Sender auf dem Schwarzenberg - ebenfalls im Band I (Kanal 1b). Dadurch kam es zu erheblichen Empfangsstörungen. Weder TELESAAR noch das deutsche Programm konnten mehr störungsfrei empfangen werden.
In dieser Konfliktsituation wurde nun die Deutsche Bundespost aktiv. Mit der Rückgliederung der Saar war sie als Hoheitsträger für die Frequenz-Zuweisung zuständig geworden. Kurzerhand beantragte sie bei der internationalen Frequenzverwaltungsbehörde [ITU] in Genf, dass dem Saarland an Stelle des französischen Kanals 1b der deutsche Kanal E2 zugewiesen wurde. Der Sender auf dem Sauberg verlor damit seine Frequenz und wurde am 25. Januar 1958 unter Polizeischutz stillgelegt.
Die Saarländische Fernseh-AG hatte schon zuvor das Missfallen der Bundespost erregt. Bereits 1957 hatte TELESAAR nämlich ohne Genehmigung damit begonnen, Werbesendungen auch auf deutsch auszustrahlen - obwohl kommerzielles Fernsehen in Deutschland nicht zugelassen war. Daraufhin hatte der Bundespostminister am 10. März 1957 die endgültige Schließung von TELESAAR verfügt. Am 15. Juli 1958 verabschiedete sich der Sender, und er tat dies literarisch: Die letzte Sendung hieß "Der Rest ist Schweigen".
Bis zum Herbst wurde der ehemalige TELESAAR-Sender auf dem Eschberg noch für das deutsche FS-Programm genutzt, das damit zusätzlich in französicher Norm [ARD mit 819 Zeilen!] ausgestrahlt wurde.Schließlich gab es nicht wenige Saarländer, die nur solche Programme empfangen konnten. Das System war denkbar einfach. Das deutsche 625-Zeilen-Programm lief auf einem Fernsehgerät im Schloss Halberg. Vom Bildschirm wurde es mit einer Kamera im 819-Zeile-Format aufgenommen und über einen Ü-Wagen zum Sender Eschberg übertragen.
Am 1. September 1958 ersetzte man auf dem Schwarzenberg den bisherigen 100 W-Umsetzer durch einen neuen, zwei Kilowatt starken Sender, ebenfalls Kanal E2. Diese Anlage war die Vorstufe des späteren Grundnetzsenders Göttelborner Höhe, der im Oktober 1959 in Betrieb gehen sollte. Die Saarländer waren damit auch fernsehtechnisch "eingegliedert".<


Soweit einige Auszüge aus dem oben erwähnten Buch. Ich kenne diese Zeit nicht aus eigenem Erleben, sondern nur aus den Erzählungen meiner Vorfahren. Diese berichten mir, dass es Ende der 50er-Jahre in Saarbrücken Fernsehgeräte - egal in welcher Norm - erst in wenigen Privathaushalten, dafür aber bereits in zahlreichen Kneipen, gab. - Eine ähnliche Entwicklung also wie viele jahre später beim Pay-TV...


von Manager. - am 18.02.2008 20:42
Zitat

Das deutsche 625-Zeilen-Programm lief auf einem Fernsehgerät im Schloss Halberg. Vom Bildschirm wurde es mit einer Kamera im 819-Zeile-Format aufgenommen und über einen Ü-Wagen zum Sender Eschberg übertragen.
:joke: Und wir streiten heute wie groß, oder auch klein, der Unterschied zwischen 720p und 1080p ist. :rolleyes:

von Spacelab - am 18.02.2008 21:10
Im Freitag kam im Aktuellen Bericht ein Beitrag über die Wiedereröffnung des Schaumbergturms an diesem Wochenende.

---> http://sr-mediathek.sr-online.de/index.php?seite=7&id=20008

Der Beitrag startet bei 00:21:05.

von Manager. - am 11.08.2013 08:49
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