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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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Manager., Hagbard Celine, H.-E. Tietz, FM100, The Jazzman, Alqaszar, DLR-Fan Sachsen-Anhalt

60 Jahre in 50 Stunden Das Deutschlandradio Kultur würdigt den Rias

Startbeitrag von DLR-Fan Sachsen-Anhalt am 05.01.2006 09:13

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/05.01.2006/2273302.asp

„Ohne den Rias wäre die Geschichte anders verlaufen.“ Günter Müchler, Programmchef von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk, ist sich sicher. 60 Jahre ist es am 7. Februar her, dass der Rias startete, zunächst als „Dias“, als „Drahtfunk im amerikanischen Sektor“, am 5. September 1946 über Radio als „Rundfunk im amerikanischen Sektor“.

Diese „freie Stimme der freien Welt“ empfingen die Hörer nicht nur in West-Berlin, sondern auch in der DDR. Sehr zum Leidwesen der SED-Spitze. 1993 endete dann die Geschichte des Rias; gemeinsam mit dem ehemaligen DDR-Deutschlandsender Kultur ging er zunächst im Deutschlandradio Berlin auf, das wiederum seit März 2005 Deutschlandradio Kultur heißt.

Der Ruf des Rias hat das Ende des Senders überlebt. Er hat die deutsche Radiolandschaft geprägt. Hans Rosenthal war Unterhaltungschef, Egon Bahr Chefredakteur und Friedrich Luft hatte von 1946 an seine Theater- und Filmkritiksendung „Stimme der Kritik“.

Grund genug für das Deutschlandradio, den Sender in diesem Jubiläumsjahr mit einem Programmschwerpunkt zu ehren. 50 Stunden Sendematerial sind zusammengekommen, rund 100 Beiträge. Das meiste bringt der Sender bis zum Rias-Geburtstag am 7. Februar. Danach sendet er in unregelmäßigen Abständen alte Rias-Konzerte und -Hörspiele. „Wer über einen solchen Stammbaum verfügt, kann stolz sein“, sagt Müchler. Noch heute könnten Radiojournalisten vieles von der Arbeit des Rias lernen.

Zwei Schwerpunkte kündigte er an – „gewissermaßen ein Rendezvous von Alt und Neu“. Einer davon sind Rias-Klassiker. Im Januar und Februar sendet das Deutschlandradio montags, mittwochs und freitags um 7 Uhr 40 legendäre Beiträge: Über den Auftakt der Fußball-Bundesliga von 1963, die Mondlandung im Jahr 1969 oder den Absturz der Raumfähre „Challenger“ 1986. Die Hörspielabteilung steuert preisgekrönte Aufnahmen bei, zum Beispiel George Orwells „Die Farm der Tiere“ oder „Das Verhör des Spinoza“ von Arthur C. Caspari. Und dann gibt es die Musik-Klassiker: Aufnahmen von Ingrid Caven, der Rias-Bigband, dem Rias-Tanzorchester und die „Don Giovanni“-Inszenierung zur Eröffnung der Deutschen Oper Berlin 1961.

Das Deutschlandradio bringt zum Jubiläum aber nicht nur alte Aufnahmen. Eine ganze Reihe neuer Sendungen beschäftigt sich damit, wie man den Rias heute sieht, vor allem seine politische Rolle. Zeitzeugen ordnen diese vom 7. Januar an jeweils sonnabends ein. Der DDR-Dissident Stephan Krawczyk berichtet, was der Sender für die DDR-Bevölkerung bedeutete, der ehemalige Deutschlandfunk-Intendant Dettmar Cramer, was die DDR-Spitze vom Rias hielt. Und Klaus Schütz, von 1967 bis 1977 Regierender Bürgermeister, schildert, wie die West-Berliner ihren Rias fanden. An anderer Stelle berichten die ehemaligen Redakteure Egon Bahr, Jürgen Graf, Horst Pillau und Joachim Fest aus dem Innenleben des Senders.

Einer der Höhepunkte dürfte am 25. Januar und 1. Februar die Sendung „Zeitreisen“ werden. Dann sendet das Deutschlandradio Geschichten von Rias-Hörern, die sich daran erinnern, wie wichtig der Sender für sie im geteilten Berlin war. „Ganz starke Geschichten voller Emotionalität“ verspricht die Deutschlandradio-Kulturchefin Astrid Kuhlmey.

Vom 6. bis zum 10. Februar wird schließlich aufgezeigt, welche Bedeutung der Rias während der deutschen Teilung hatte. Die Deutschlandfunk-Sendung „Campus und Karriere“ sendet einen Vierteiler über die Rias-Sendung „Studenten haben das Wort“, in der Studenten aus dem Westen und Osten Anfang der Fünfzigerjahre ihre Probleme offen diskutierten. Für die Ostdeutschen hatte ihre Offenheit Konsequenzen. Einer wurde hingerichtet, andere zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilt.

Antworten:

siehe auch hier ---> http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/rias/446039/

von Manager. - am 05.01.2006 09:26
Ohne den Rias hätten die ganzen notorischen Kommunistenfresser keine sinnvolle Aufgabe gehabt.

Mir läuft heute noch ein kalter Schaer den Rücken hinunter, wenn ich daran denke wie hart am Abgrund der thermonuklearen Vernichtung die Welt fast 30 Jahre lang gestanden hat. Rias, so habe ich nun im Rücklblick den Eindruck, war nun eine Chimäre: Einerseits ein Instrument, welches die Unterschiede betonen sollte: Wir hier, ihr drüben; andererseits eines, das den Frieden und Wohlstand bei gleichzeitiger guter Unterhaltung vorlebte.

Das östliche Gegenstück: Radio Frieden und Fortschritt, selbst hier im westlichen Westen Westdeutschlands noch auf LW 261 zu hören gewesen. Hier wurde gepredigt, nicht gelebt, was die Glaubwürdigkeitswaage natürlich fast zu 100 % auf der Seite des Rias ausschlagen ließ.

Jetzt stelle ich die Frage: Wenn dort das bunte Blinken des Westens über den Eisernen Vorhang gesendet wurde, verbunden mit der Glaubwürdigkeit einer freien Berichterstattung: Hat das nicht zu den Erwartungen eines "Goldenen Westens" beigetragen, der letztendlich den Antrieb dazu gab, die DDR 1989 ungeduldig mit D-Mark und Wiedervereinigung auszustatten?

Waren das nicht letztendlich die falschen Versprechungen, welche nie eingelöst werden konnten? War daher der Rias nicht letztlich auch nur leere Propagangda, die den Hörern im Osten Sand in die Augen streute?

Oft wird Altkanzler Kohl der Lüge bezichtigt, als er den Menschen in der damaligen DDR die berühmten "blühenden Landschaften" versprach. In dem gelernten Denkschema: "Osten = Grau + Lüge; Westen = Bunt + Wahrheit", konnte er sich da bereits auf ein bestehendes Bild in den Vorstellungen der Menschen verlassen?!? Westfernsehen, Westradio und die Westpakete mit dem leckeren Jacobs-Kaffee bilden da durchaus ein propagandistisches Mittel.

Das aber würde bedeuten: Was während des Kalten Krieges nützlich und gut war, belatet uns im Nachhinein umso mehr. Dabei geht es vor allem um die Vorstellungen, Hoffungen und Erwartungen. Diesen Aspekt würde ich bei der nun beginnenden historischen Betrachtung auch berücksichtiegn.

Daher bin ich durchaus gespannt, wie diese Dokumentation ausgehen wird: Wird da ein "Mythos" gekleistert, wird da griesgrämig schmutzige Wäsche gewaschen oder wird da ein umfassendes Bild gezeichnet werden?

von Alqaszar - am 05.01.2006 13:36
Natürlich war RIAS ein Instrument des kalten Krieges. Als "Sieger" kann man heute gern behaupten, man selbst hätte sich nicht daran beteiligt.

Ein Kollege hat mir mal erzählt, Anno Knips hätte RIAS die "Topmeldung" gehabt, in Dresden gebe es keine Marmelade zu kaufen. Eine Woche später stimmte das dann auch...

von The Jazzman - am 06.01.2006 17:59
Zitat

"Das war unser RIAS - Erinnerungen an eine außergewöhnliche Radiostation"

Gemeinsam mit Helmut Drück und Michael Hase diskutiert Dieter Kassel heute von 9 Uhr 07 bis 11 Uhr in der Sendung "Radiofeuilleton - Im Gespräch" über die wechselvolle Geschichte des Senders.
Hörerinnen und Hörer können mitdiskutieren und ihre persönlichen Erinnerungen beisteuern, per Telefon unter der kostenlosen Nummer 00800 / 2254 - 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.


---> http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/imgespraech/455534/

von Manager. - am 07.01.2006 08:10
Gerade wurde in der Sendung ein DXer aus Leipzig abgebügelt!
Frequenzhistorie spielt in der Sendung bisher somit leider keine Rolle!

von FM100 - am 07.01.2006 08:42
...und ich höre gerade DeutschlandRadio über Webradio, weil die 97,2 neben meinem Computer (strahlungsarmes Notebook!) nur mit gefühlten O=2 und seltsamerweise mit Interferenzen der eigentlich hier recht schwachen 97,1 von harmony.fm geht. Nach der Frequenzpolitik in Hessen frag ich die erst gar nicht, wo doch der DLF hier auf 89.9, 91.3 und 103.3 geht, DX-technisch geht vielleicht noch ein Bisschen mehr...

von Hagbard Celine - am 07.01.2006 09:10
@ FM100:

Der DXer gestern war übrigens der in unserer Szene bekannte Dieter Leupold, der auch schon hier im Forum geschrieben hat.
Interessant fand ich auch den Hörer, der den RIAS noch als DIAS (via Drahtfunk) anno '46 gehört hatte.

XXXXXXXXXXXXXX

Auch heute gibt's im Rahmen des bevorstehenden 60-jährigen RIAS-Jubiläums eine interessante Sendung:

Zitat

16:05 Uhr
Variationen mit Thema
"Graves Space"
Erinnerungen an den RIAS-Moderator Barry Graves

Von Rainer Czekalski


Die Sendung "Studio 89" (in Anlehnung an die UKW-Frequenzen Berlin 89,6 und Hof 89,3) mit Barry Graves habe ich in den frühern 80er-Jahren häufig Samstag nachts (23.35 bis 1.30 Uhr) über RIAS 1 (ab 0.30 Uhr auch über RIAS 2) gehört.


von Manager. - am 08.01.2006 09:54
Laut Programmvorschau des rbb-Fernsehens kommt dort heute um 22.15: "Rias - Tanzmusik und Kalter Krieg".

von H.-E. Tietz - am 09.01.2006 18:35
...und aktuell (noch bis 20 Uhr) bei DKULTUR:

Zitat

Mit freier Stimme
Die Geschichte des RIAS
Von Wolf-Sören Treusch
Geliebt von zahllosen Hörern, vor allem in Berlin und der DDR, gehasst von den Parteigängern der SED: der RIAS sorgte über Jahrzehnte für Gesprächsstoff. Für die einen war er ein amerikanischer Propagandasender, für die anderen die "freie Stimme der freien Welt". Von der Berliner Blockade über den 17. Juni und den Mauerbau bis hin zum Fall der Mauer - der RIAS war stets ein zuverlässiger Begleiter der Millionen, die ihn hörten


---> http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/448541/

von Manager. - am 09.01.2006 18:38
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