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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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PeterSchwarz, w_weinmann, Brubacker, Alqaszar, radiofreund, RainerZ, Free Speech, 102.1

Privatradio in BaWü - quo vadis

Startbeitrag von PeterSchwarz am 12.01.2006 15:51

Nach der NRJ-Übernahme von RTV im Kreis Böblingen habe ich mir in den letzten Tagen wiederholt und verstärkt die Frage gestellt, mit welchem Konzept die LfK die nächste Lizenzierungsbehörde gehen will.
Sie wird ja geradezu gezwungen sein, Fehlentscheidungen und Mißerfolge zuzugeben.

Meine aktuelle Bestandaufnahme der Programme:

Radio Regenbogen
-Marktführer in Baden, programmlich hat sich nicht allzu sehr verändert

Antenne 1
-wird immer flacher und durchdesignter, Regionalschaltungen abgeschafft, informativer Wortanteil gleich Null, Nachrichten auf Bildzeitungsniveau, trotzdem gute Quoten

Radio 7
strukturschwaches Versorgungsgebiet, befindet sich etwas in der Krise

Big FM
Erfolge weit unter dem Möglichen, programmlich wurde einiges optimiert, auch zum Besseren hin

Sunshine live
versteht sich als bundesweites Musikspartenprogramm, nicht als Lokalsender (dementsprechend gering ist der Anteil lokaler Information). Vernachlässigt prinzipiell alle Nicht-techno-Hörer im Sendegebiet

Hit 1
im Prinzip eine grosse Nullnummer, man versucht sich durch einen zumindest quantitativ höheren Wortanteil (das Reporterradio) zu den Kernzeiten zu profilieren, Moderation und Musik unterdurchschnittlich. Da das ganze auch noch ohne Regionalstudios und mit deutlich weniger Personal auskommt als das Vorläuferprogramm, muss sich die LfK hier Arbeitsplatzvernichtung auf die Fahne schreiben

Radio Ohr
kann ich zu wenig beurteilen, scheint noch eine Bastion des eigenständigen Lokalradios zu sein

Antenne Südbaden
hat wohl deutlich abwärts gemacht in punkto Wortanteil, Mitarbeiter und Live-Sendezeit, kenne ich zu wenig um es zu beurteilen

Radio Seefunk
schwieriges Sendegebiet, hat musikalisch seine Lücke im Markt gefunden. Wortanteil:??

Radio Neckarburg
Anti-Formatradio, fährt klar low-budget (wenig Mitarbeiter, technisch absolut Sparflamme), aber damit gar nicht schlecht: umfangreiche Lokalberichterstattung, Spartensendungen, Hörernähe trotz recht differenziertem Sendegebiet, Musikauswahl ist breiter geworden

Radio Ton
ein absolut ausgedünntes, durchformatiertes Programm mit Pseudo-Regionalisierung, nur ein Büro mit 1 Mitarbeiter pro Sendegebiet, auch Arbeitsplatzvernichtung seitens der LfK.
In der region NeckarAlb wäre ein Lizenzentzug dringend nötig gewesen, zumal es hier andere Interessenten gab.

RTV/Energy
Die Abschaltung des renommierten Anbieters Radio BB zugunsten RTV (gewünschte Synergieeffekte mit TV-Programm) war schon ein Fehlschluss, zumal die Regionalisierung per Voicetrecking funktionierte und ebenfalls Arbeitsplätze vernichtet wurden.
Für den Verkauf konnte niemand was, da gesundheitliche Gründe des Eigners, allerdings hätte man die Frequenzkette neu ausschreiben sollen

Die neue 107.7
Es findet KEINE Regionalisierung zwischen Stuttgart und ES/GP statt wie es Auflage der Lizenz ist (ganz klarer Verstoß, bei dem die LfK nicht eingreift), der lokale Informationsanteil ist gering, die Nachrichten haben Boulevardcharakter. Musikalisch stellt das Programm eine Alternative dar und wird aufgrund dessen auch viel eingeschaltet.

Energy
Im Gegensatz zum Vorgängerprogramm RMB wird auch nur ein kleiner Teil der Einwohnerschaft durch das "Jugendformat" angesprochen, zudem ist man hier in direkter Konkurrenz zu weiteren Anbietern (übersättigter Markt), Auseinanderschaltungen zw. 100.7 und den Rems-Murr-Frequenzen sind mir nicht aufgefallen (Lizenzverstoß?), Lokalanteil gering, Low-Budget mit spärlichem Ergebnis. Schlechte Hörerzahlen, die dem mächtigen Eigentümer aber nicht schaden

Donau 3 FM
Kann ich zu wenig beurteilen, scheint aber auch nicht der erwünschte Renner zu sein.

Motor FM/Chart Radio
Nach der Chart-Radio-Pleite tut sich hier die Chance auf, ein Musikspartenprogramm in der Region Stuttgart zu verankern. In Zusammenhang mit der starken Berliner frequenz 100.6 könnte dies auch erfolgreich sein. Die LfK sollte hier für eine bessere Empfangbarkeit sorgen, zumal das programm keinem der Konkurrenten Hörer wegnehmen wird.

Wilantis
Interessantes Konzept, allerdings ist die Umsetzung etwas "billig", ein längerer Hörgenuss der Science-Häppchen wirkt doch etwas fad.
Man müsste sehen, ob sich dies trägt. Weitere verbreitungsmöglichkeiten (auch ausserhalb des Ländles) sind wohl dringend empfohlen

Insgesamt sehe ich bis auf wenige Ausnahmen das kommerzielle Lokalradiokonzept der LfK gescheitert.
es geben sich für die Zukunft folgende Möglichkeiten:
- die von den Sendern angestrebten Fusionen zu begünstigen und so mehrere nahezu landesweite Ketten aus den stärkeren Frequenzen bilden, die dann in Konkurrenz zueinander stehen

- ein Ausbau der nichtkomerziellen Lokalradios auf kleiner Ebene bzw. dem Anbieter die Finanzierung freistellen, auch Mischkonzepte könnten möglich sein (in NL funktioniert dieses Non-Profit-Konzept ja ganz gut)

- ein Ausbau der Spartenprogramme (vor allem der bundesweit lizenzierten)

eventuell gelingt ja eine Kombi aus allen drei:
-drei bis vier nahezu landesweite Ketten mit unterschiedlichen Programmformaten
-mehrere kleine Lokalradios, tlw. nichtkomerziell, tlw. semikommerziell oder ganz kommerziell wo sie sich tragen (Großstädte)
-terrestrische Stützfrequenzen für Spartenanbieter ausweiten

Dies würde wirklich zu einer grösseren Programmvielfalt führen!


-

Antworten:

@ Peter,
Wann ist denn die nächste Lizensierungsperiode und wann beginnt / endet die Ausschreibung. Weisst Du da was?

von RainerZ - am 12.01.2006 16:21
Im Vergleich zu anderen Bundesländern (NRW, RLP) bietet die Privatradioszene in Baden-Württemberg doch eine riesige Vielfalt! Als nicht Badener oder Württemberger habe ich mich immer gefragt, warum es nicht ein einheitliches "Antenne Regenbogen" gibt, sondern drei "große" private Programme. Aber wenn und solange sich die Sender wirtschaftlich halten können - warum nicht!

von Free Speech - am 12.01.2006 16:58
Man kann das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten:

Baden-Württemberg:
Das Land tut sich noch immer schwer mit dem Zusammenwachsen. Und gerade im Medienbereich gibt's noch viele, die noch in alten Grenzen denken. Und so kommt es, dass der Südkurier im Landkreis Tuttlingen noch immer nur für die badischen Gemeinden erscheint, dass Radio Regenbogen sich klar als DER badische Bereichssender positioniert und dass es weder eine Herzenssache des Freiburger noch des Tübinger SWR4-Studios zu sein scheint, die badisch-württembergische Mischregion Schwarzwald-Baar-Heuberg vollwertig in ihrem Programm zu berücksichtigen. Deswegen wären mehr landesweite Sender wünschenswert, die nicht ständig in den Kategorien Baden und Württemberg denken.

Privatwirtschaft:
Da sehe ich nicht DIE EINE Lösung. Auch in kleinen, ländlichen Sendegebieten lässt sich Geld verdienen, wenn man sich auf die Region einlässt und clevere Vermarktung betreibt. Allerdings scheinen doch viele Geschäftsleute die Linie zu bevorzugen: Immer größer, immer kostengünstiger.

Hörer:
Bekanntlich braucht ein Sender nur oft genug zu wiederholen, dass man den besten Mix und die beste Lokalkompetenz hat....

inhaltliche Vielfalt:
Da gibt es zwei Theorien:
1. Weniger Sender bedeuten weniger Konkurrenz. Wer mutig ist, kann mehr im Programm wagen, weil die Hörer nicht so viele Ausweichmöglichkeiten haben.
2. Mutige und kreative Radiomenschen kommen nicht automatisch an die Schlüsselpositionen, deswegen würde sich möglicherweise nichts an der Vielfalt ändern.

Ein interessantes Thema, das sich auch für einen langen Diskussionsabend unter Radiofreaks eignet, am liebsten noch mit WÜRTTEMBERGER Wein....:rp:

von radiofreund - am 12.01.2006 17:14
@Peter Schwarz,

Ich denke, dass wir ueber diese Thematik schon ausfuehrlich genug diskutiert haben. Die Programmvielfalt ist mir in BaWue auch etwas "einseitig", aber wie Du siehst, gibt es hier vielschichtige Meinungen und unterschiedliche Ansaetze. Allerdings halte ich die SWR Sender, zusammen mit AFN eine gute Auswahl.

@Antenne 1
Die guten Quoten dieses Senders - wie Du so schoen genannt hast - sind natuerlich auch dadurch gesteuert, dass dieser Sender der einzige seiner Reichweite ist und meines Erachtens auch einiges frequenztechnisch getan wird, dass Antenne 1 sicher nie im Stuttgarter Raum den Status Quo verlieren wird. Das Niveau bei diesem Sender ist eigentlich auch nicht der Meinige.

@97,2
Ueber diese Frequenz haben wir auch oft gesprochen, die Rechweite kann und sollte verbessert werden, nur, ob die LfK dies will, steht auf einem anderen Blatt.

@107,7
Fuer mich ein schwacher Versuch einen Rocksender zu etablieren. Via Internet aus Nordamerika oder UK oder auf AFN (Mitternacht bis 5 uhr morgens) laeuft meist bessere Rockmusik.


Moegliche Loesungen:

1) Eine gesamte Neuordnung der Frequenzen in BaWue (die die Ueberversorgung von SWR1 und SWR3 loest) und einen besseren UKW Empfang von SWR Cont.ra zu erzielen.
2) Einen 2. Privatsender in der Art (Zielgruppe 18 bis 30 jaehrige) wie etwa Antenne 1 im Stuttgarter Raum, mit aehnlichen Empfangsmeoglichkeiten. (Vielleicht Energy, Vielleicht die 100,7 nach Stuttgart koordinieren um den Kessel besser auszuleuchten?)
3) Aufgabe der Sendeanlage Stuttgart-Muenster, bzw. Verlegung aus dem Kessel irgendwo in die Region Frauenkopf oder Bopser um bessere Empfangswerte zu erzielen, oder wenn nicht moeglich, Versuche zu unternehmen, mit der Gleichwelle zu arbeiten.
4) Moegliche Zusammenlegung von Antenne 1 und Radio 7? wenngleich unter einem anderen Namen....

....unter dem Bewustsein bleibend, dass es jetzt genuegend Leute geben wird, die sagen werden, dass dies alles nicht moeglich sei :-)

@radiofreund.
Du hast im Grunde recht. Die Radiolandschaft in BaWue zeigt auch gewisse Mentalitaetseigenschaften der Region. Trotzem finde ich es gut, dass der Baden sein Radio Regenbogen hat.

Du hast ebenfalls recht, wenn Du meinst, dass sich jeder Sender selbst lobt, die besten Regional-Kompetenz zu haben. Antenne 1 treibt dies sehr weit. "Die lustigste Morgenshow" sorry, ich empfinde nichts lustig, plumpe und niveaulose Witze zu hoeren, bzw. "die beste Musik" zu akzeptieren, obwohl die Rotation ziemlich eng ist und sich die Hits immer wieder wiederholen....
Oftmals wirkt es auch wie ein billiger US-Abklatsch, wenn ein Sender sich ruehmt die "besten Hits" zu spielen, 6 Wochen nachdem sie in der USA akuell war.....in der heutigen Zeit entspricht dies nichtmehr den Anforderungen einiger Menschen.....


von 102.1 - am 12.01.2006 17:56
Nein lieber mit richtigem Wein, kein Nordalpengesöff!

Vermutlich wird der Konzentrationsprozess weiter gehen, bis sich ein zweiter, quasi-landesweiter Sender herausgebildet hat. Das wird spätestens dann geschehen, wenn das jetzige Rezept -- enge Rotation, dumme Sprüche, Wetterverkehrblitzer -- nicht mehr zieht und Radio wieder "besser" werden muss. Dann ist technische Reichweite Trumpf, damit verschiedene Formate gefahren werden können.

Vielfalt bedeutet dann nicht, dass viele Sender in verschiedenen Regionen senden, sondern dass überall möglichst viele Sender zu empfangen sind. Das bedeutet für das Beispiel Baden Württemberg: Statt der Bereichs- und Lokalsender eben zwei oder dreo mehr oder weniger landesweite Kette mit klar definierter Zielgruppe.

Überlebene werden dann bereits bestehende Spartenanbieter sein, wie sunshine live oder Radio Neckarburg.

von Alqaszar - am 12.01.2006 18:07
Nein lieber mit richtigem Wein, kein Nordalpengesöff!


Aha, mal wieder einer mit Vorurteilen.
Aber dem kann man abhelfen.

Erschdens, hat sich die Qualität des "Wirdaberger Simsagräbslers" in den letzten Jahren erheblich gebessert.

Zwoidens bekommen Fischkepf (also alles nördlich von Württemberg) in den Supermarktregalen eh nur den Ausschuß. Den guten trinken wir selber, den gibts hie und da in württembergischen Supermärkten, die Spitzenprodukte vielleicht mal beim örtlichen Geträkehändler, meist aber nur direkt beim Wengerter oder der Genossenschaft vor Ort. (Nach Möglingen zur Zentrale kommt nur das, was zur Direktvermarktung nicht taugt und wird dort dann hingebogen)

Also, die Zeiten, wo man nach dem Genuss eines Tübinger Tropfens, der einem ein Loch in den Magen riß einen Reutlinger trinken sollte, der dann alles wieder zusammenriß, was offenstand, sind vorbei.
(letztere haben den weinbau eh fast ganz aufgegeben, dafür kommt aus Metzingen ein ansehliches Tröpfle)


von PeterSchwarz - am 12.01.2006 19:09
@50 Grad N, 8 Grad O
Das müsste dann "Antenne Regenbogen 7" heißen. Wenn schon, denn schon...

Ach sind doch alles Dudellatrienen hier in BW,
Was da als GesammtBWisches Ergebniss herauskommt wird so eine Missgeburt werden.
Oder wie man hier sagt: "An rechtor scheiß"

-- Wenn ich da an die aktuelle Aktion der Latrine mit dem 1 Mio Fussbaldingens da denke... Ich möchte nicht wissen, wie der Gewinner die Schleyerhalle verlässt. :-)

von w_weinmann - am 12.01.2006 19:45
Zitat
radiofreund
Und so kommt es, [...] dass Radio Regenbogen sich klar als DER badische Bereichssender positioniert [...].
Naja, sie haben sich schon immer nicht an Landesgrenzen gehalten, sondern für das »Regenbogenland« bzw. »Baden, Hessen und die Pfalz« (102,8), »Baden, das Elsass und die Pfalz« (100,4) und »Baden, das Elsass und die Schweiz« (101,1) gesendet. Aber der geneigte Beobachter wird merken, dass nirgends »Württemberg« dabei war. :D

von Brubacker - am 12.01.2006 21:49
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