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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
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Ingo-GL, Terranus, Markus Be, catperson, HAL9000, Wasat, Kay B

Was machte man bevor es Satelliten gab?

Startbeitrag von Kay B am 31.01.2006 17:16

Angeregt durch den Beitrag "NWDR: Überwindung der Zone" würde es mich mal interessieren, wie man abgelegene Gebiete generell vor der Zeit, in der sich die Satellitenübertragung durchsetzte, übertragungstechnisch versorgte.

Bei der Versorgung des damaligen West-Berlin ist klar, daß hier vorwiegend Überhorizont-Richtfunk eingesetzt wurde. Siehe: http://forum.mysnip.de/read.php?8773,374580

Wie wurden aber früher richtige Inseln oder weit entferntere Gebiete rundfunktechnisch angebunden? Wie wurden früher zum Beispiel Telephon- und Rundfunkverbindungen von Spanien auf die Kanaren oder von den USA nach Hawaii oder Guam ermöglicht?

Hat man hier auch Überhorizont-Richtfunk eingesetzt? Falls dem so war, dann müßte das Signal bei größeren Entfernungen ja mehrere Reflexionspunkte haben - also Sender --> Himmel --> Erde --> Himmel --> Empfänger.

Dann ist mir mal zu Ohren gekommen, daß auch Kurzwelle für die Übertragung von Telephongesprächen zum Einsatz kam. Wenn dem so war, wurde da irgendwie verschlüsselt oder konnte das jeder mithören?

Und falls man Unterseekabel eingesetzt hat, welches Metall wurde dafür verwendet? Bei einer mehreren 1000 km langen Leitung dürfte doch bedingt durch den Widerstand an der Gegenstelle kaum oder gar nichts mehr ankommen.

Antworten:

Zitat

Wie wurden früher zum Beispiel Telephon- und Rundfunkverbindungen von Spanien auf die Kanaren oder von den USA nach Hawaii oder Guam ermöglicht?


Über die gute alte Kurzwelle wurde bis in die 1980er-Jahre hinein Point-to-point-Radioverkehr betrieben. In den meisten Ländern gab es dafür eigene Sendestationen mit oft dutzenden Sendern (Leistungen meist 10 bis 50 kW). Die Empfangsstationen befanden sich meist an eigenen Standorten. Der Sende- und Empfangsbetrieb war genau geregelt. Man konnte also nicht jederzeit eine Überseegespräch führen, sondern musste dies anmelden. Wegen des hohen technischen und personellen Aufwandes waren diese Übertragungen im Vergleich zu heute immens teuer. 1960 kostete ein 1 Minute Überseegespräch umgerechnet auf heutige Wertmaßstäbe 100 Euro! Die Gespräche wurden selbstverständliche verschlüsselt, allerdings in für heutige Begriffe einfache Weise. Man nannte diese Geräte "Verzerrer".

Zur Geschichte:

Die erste interkontinentale Radioübertragung fand am Neujahrstag 1923 statt, als das Programm der Radiostation der "Westinghouse Electric Company" KDKA in Pittsburgh via Kurzwelle von 2AC in Manchester/UK übernommen wurde. In der Folge gab es für die Briten bis zu 18 Stunden Programmübernahmen pro Woche von KDKA. Da das Programm von KDKA zur nationalen Ausstrahlung in den USA gelangen sollte, entstand 1923 in Hastings, Nebraska mit KFKX die erste KW-Relaisstation der Welt. Das Programm von KDKA wurde auf KW empfangen und über einen MW- und einen KW-Sender wieder ausgestrahlt.

Ende 1924 wurde das Programm von KDKA stundenweise auch von "Johannesburg Star Radio" in Südafrika übernommen und 1925 von einer Station in Australien.

Der KW-Sender von KDKA in Pittsburgh war offiziell eine Amateurfunkstation für Versuchssendungen mit dem Rufzeichen 8XS (später unter W8XK als Rundfunkstation "legalisiert"). Die Sendeleistung betrug 1 kW. Über die Frequenzen habe ich nichts gefunden, aber es dürfte sich im Bereich 9 bis 12 MHz abgespielt haben.

Zitat

... Unterseekabel ... welches Metall wurde dafür verwendet?

Die Leiter in den Kabeln waren aus Kupfer. Die Überseekabel kamen aber erst viel später als die Kurzwelle. Das erste 3600 km lange Transatlantikkabel wurde 1956 in Betrieb genommen. Es hatte in Abständen von 70 km Röhrenverstärker(!) eingebaut. Die Stromversorgung der Verstärker erfolgte über die Koaxialleitung. Die Speisespannung betrug 2000 V Gleichstrom. Es gab 36 Sprechkreise im Frequenzbereich 20-164 kHz.
Quelle: Das große Buch der Technik, 1961

von Wasat - am 31.01.2006 17:47
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Seekabel

Über die ersten Seekabel ab 1850 wurden Nachrichten nur per Telegrafie versandt (so wie es auf dem Land vor der Einführung des Telefons auch üblich war). Man muss halt die Leitungen ausreichend isolieren und mit genügend hohen Spannungen ansteuern. Ein Problem war, dass die Tastimpulse längs der Leitung verschliffen wurden. Später hat man dann Methoden zur Entzerrung des Frequenzgangs ersonnen (Pupinspulen) und elektronische Entzerrer und Zwischenverstärker eingeführt, womit auch Sprachübertragung möglich wurde.

Ingo

von Ingo-GL - am 31.01.2006 18:07
Jaja, der Pup in Spulen... :D :D :D

@ tomfritz

Meinst du nicht evtl. die Sendung "Gruss an Bord"? Die wird sogar noch heute jedes Jahr zu Heiligabend produziert, nur geht da nix mehr über Kurzwelle und ist meist sterbenslangweilig.
Früher wars da so, das man wegen der Ausbreitungsbedingungen (und der Masse der Grüsse) 2 Sendetermine hatte: um 1900h und 0000h. Das Programm gabs dann über den NDR auf UKW, auf Norddeich Radio und über die RIAS- Kurzwellenfrequenz.
Kann mich auch gut an div. Sendungen erinnern, wo dann meistens junge Frau mit Kind an einer Kurzwellensendestation saß und via Funk mit dem Liebsten fern der Heimat auf dem Schiff sich kurz unterhalten konnte... war oft sehr tränenreich.

von HAL9000 - am 01.02.2006 08:48
Zitat

Dann ist mir mal zu Ohren gekommen, daß auch Kurzwelle für die Übertragung von Telephongesprächen zum Einsatz kam. Wenn dem so war, wurde da irgendwie verschlüsselt oder konnte das jeder mithören?


Vor einiger Zeit lief bei der BBC eine Dokumentation, daß die Telefongespräche zwischen Churchill und Roosevelt im zweiten Weltkrieg über Kurzwelle liefen, und es Aufgabe der Telefonistin war, das Gespräch zu unterbrechen, wenn das Thema zu heikel wurde. Hätte man zu dieser Zeit Seekabel für Telefonie gehabt, hätte man sie bestimmt hierfür verwendet. Später gab es für diese Art Gespräche auch eine Verschlüsselung, aber wer sich noch an die Versuche der analogen Fernsehprogramm-Verschlüsselung erinnert, kann sich denken, daß es so toll nicht funktioniert haben kann. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, daß die erste transatlantische Telefonverbindung per Kabel erst 1959 in Betrieb ging.

In Sachen Rundfunk kann ich noch anfügen, daß, wenn man alte Mitschnitte zeitkritischer BBC-Radiobeiträge (die nicht als Aufzeichnung gesendet werden konnten) aus den USA, oder entsprechende Radioübertragungen amerikanischer Sender aus Europa hört, oft ein leichtes Fading zu bemerken ist. Noch viel bemerkenswerter ist aber die Wahnsinnstonqualität dieser Beiträge. Wäre Kurzwellenempfang immer so gut, könnte man UKW glatt vergessen.

Catperson


von catperson - am 01.02.2006 09:12
Das erste transatlantische _Telefon_kabel gab es in der Tat erst 1957: http://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Telefonkabel
Vorher gab es dann wohl nur Telegraphie und Maschinenschrift.

Ingo

von Ingo-GL - am 01.02.2006 10:07
bei der Verstärkeranzahl müssen die ja einige kW verbraten haben...und die Drähte nen ganz schönen Querschnitt haben.

von Terranus - am 01.02.2006 11:58
Habe irgendwo gelesen glaube bei Hörzu unter www.zuschauerpost.de. sollte fersehbrücke heisen das man ca 10 Flugzeuge nehmen wollte und die in ca 8000 Meter fliegen lassen wollte. Und darüber tv von europa nach den USA und umgekehrt möchte mal wissen wie das gehen sollte wen die tanks leer sind oder die piloten feierarbend hatten :-)

von Markus Be - am 01.02.2006 12:13
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