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Wieder mal Schlußlicht in Europa: Digitalisierung des Polizeifunks kommt nicht voran!

Startbeitrag von FM-FREAK HESSEN am 17.12.2006 20:10

Leicht OT und dennoch interessant:

Wir erinnern uns: Der digitale, abhörsichere Polizeifunk sollte einst zur Fußball-WM 2006 in Deutschland zumindest als "Rumpfnetz" in den wichtigsten Großstädten starten.

Nach den jüngst gescheiterten Verhandlungen mit der Bahntochter DB Telematik wackelt inzwischen jedoch sogar der neue Termin 2010.

Näheres auf ZDF-Online

Zwar hat sich das alte, analoge System ja während der Fußball-WM nochmals bewährt; andererseits kam es damals glücklicherweise auch zu keinen größeren Sicherheitsproblemen, Fanausschreitungen oder gar Terroranschlägen, so daß die Uralt-Technik nicht wirklich "ausgereizt" werden mußte.

Laut Deutscher Polizeigewerkschaft ist Deutschland mit seinem veralteten, lückenhaften Polizeifunknetz jedenfalls "Schlußlicht bei der technischen Ausstattung der Sicherheitsbehörden". - Und so manches BOS-Funkgerät älter als der Polizeibeamte, der es nutzt.

Was meint Ihr: Was müßte sich ändern, damit das Thema endlich vorankommt?

Antworten:

...nicht ganz! :D Meine Funkgeräte im Dienstwagen sind von 1982 (2 m) und 1989 (4 m). Steinzeittechnik ist es schon. Aber sensible Gespräche gehen ohnehin über Funktelefon.

von PowerAM - am 17.12.2006 20:20
Die EU könnte ja was dran machen. Die machen doch lauter Gesetze-die EU-Norm. Die EU kann den Polizeifunk das Digitalnetz als EU Norm festlegen und dann eine Frist bis Ende 2007 setzten :D

von DJ Taifun - am 17.12.2006 20:30
Zitat
FM-FREAK HESSEN
Was meint Ihr: Was müßte sich ändern, damit das Thema endlich vorankommt?


Die Politikerkaste komplett auswechseln.
Und die jetzt Regierenden für lange Zeit einlochen.

Fakt ist, damit da wirklich etwas Vernünftiges dabei herauskommt,
muß es eine neue Ausschreibung geben, allerdings diesmal mit veränderten Vertragsbedingungen,
damit es bei Nichteinhalten von Terminen, Kostenrahmen, technischen Parametern massive Vertragsstrafen setzt.
Ganz wichtig: Öffentlich publizierte Verträge. Ich erinnere nur mal an Tollcollect.
Die Ausschreibung kann innert 6 Monaten entschieden sein, bis 2010 kann dann alles stehen.
Vorausgesetzt der politische Wille ist gegeben. Und da habe ich doch meine sehr ernsten Zweifel.



von Nohab - am 17.12.2006 20:31
2020 wird das einzige was man mit nem UKW Radio hören kann, der Wachtmeister vom nächsten Revier sein :D

von Terranus - am 17.12.2006 20:32
Zitat
FM-FREAK HESSEN
Laut Deutscher Polizeigewerkschaft ist Deutschland mit seinem veralteten, lückenhaften Polizeifunknetz jedenfalls "Schlußlicht bei der technischen Ausstattung der Sicherheitsbehörden". - Und so manches BOS-Funkgerät älter als der Polizeibeamte, der es nutzt.


...und auf dem technischen Stand von Albanien, wie auf WDR 2 in einem Bericht gestern erwähnt wurde.

Grüße,
Matze

von Mathias Volta - am 18.12.2006 00:58
Digitaler Polizeifunk schön und gut, aber:
A. bekommen die das eh nicht gebacken, wie wir jetzt gesehen haben und
B. brauchen wir das überhaupt? Eigentlich gehts doch auch mit der "vorsintflutlichen" Technik ganz gut (wenn nicht sogar besser).

von WiehengeBIERge - am 18.12.2006 10:14
Digitalfunk hat mehrere Probleme:

1. Er ist teuer.
2. 17 Regierungen wollen gerne mitreden.

Und somit sieht die "Terrorbekämpfung" in D eher so aus, dass man bald in Brandenburg "präventiv" Wohnräume überwachen darf, während die Ermittler noch mit ihrer Steinzeitfunktechnik arbeiten.

Zitat

Aber sensible Gespräche gehen ohnehin über Funktelefon.


Dann habt ihr doch hoffentlich mittlerweile alle Dienstetelefone mit ordentlichen Rahmenverträgen samt VPNs?

von -Ole- - am 18.12.2006 11:18
Wir brauchen definitiv eine Ersatzlösung für die Kombination 4 m / 2 m! Ich bin beruflicher BOS-Nutzer seit 1995. Im Flachland funktioniert 4 m weitgehend problemlos. Insbesondere der Großraum Berlin und sein nahes Umland sind gut versorgt. Die innerhalb der letzten 5 Jahre beschafften 4 m Funkgeräte (meist von Motorola) arbeiten gut und zuverlässig. Auch mit regem Gebrauch kann ich mit einer Akkuladung eine komplette Schicht durcharbeiten. Für diese Geräte werden auch keine Reserveakkus mehr mitgeführt. In der Not kann man sie auch im Auto laden, was aber mit ca. 8 h viel zu lange dauert und daher kaum gemacht wird.

Die für örtlich begrenzte Nutzung betriebenen 2 m-Relais bieten eine brauchbare Abdeckung, wenn man Fahrzeuggeräte benutzt. Die inzwischen teilweise über 30 Jahre alten Bosch Handfunkgeräte haben aber Probleme, wenn man aus Häusern, Kellern usw. heraus "sein" Relais erreichen möchte. Zudem ist die verwendete Akkutechnik (NiCd) und die viel zu geringe Kapazität hinderlich. Bei guter Behandlung und einigermaßen frischen Akkupacks kann ich ein eingeschaltetes Handfunkgerät eine ganze Schicht (9 h) betreiben. Mache ich aber im Rahmen eines Einsatzes damit auch Sendebetrieb, so ist der Akku nach 1 - 2 h leer. Bei Frost geht das noch schneller. Das zwingt mich dazu, Reserveakkus mitzunehmen, die ich in einer Innentasche meiner Jacke mit Körpertemperatur einsatzbereit halten muß. Interessant wäre der Betrieb ohne Relais, also im Wechselsprechen auf einem Kanal. Örtlich begrenzt könnte man damit z. B. Einsatzkräfte untereinander kommunizieren lassen, ohne das Relais mit diesem Funkverkehr zu blockieren. Wegen der fehlenden Aufzeichnungsmöglichkeit ist das aber untersagt worden.

Sensible Gespräche wie z. B. Fahndungsabfragen gehen bei uns seit Jahren über Funktelefone. Hier haben wir den Kollegen von der Polizei voraus, daß wir mit dienstlich gelieferten Geräten ausgestattet wurden und damit nicht unsere privaten Telefone benutzen mußten. Bei einigen Schutzbereichen der Polizei ("Abschnitt") ist es gängig, daß die Kollegen per Funk ihre Sprechfunkzentrale oder ihren Dienstgruppenleiter ("Schichtleiter") um Rückruf auf ihr privates Telefon bitten, wenn sensible Daten ausgetauscht werden sollen oder man weitgehend abhörsicher kommunizieren muß. Das ist uns damit zum Glück erspart geblieben.


Bevor man sich komplett auf private Funktelefonbetreiber verläßt sollte man aber bedenken, daß das gewisse Risiken birgt. Einerseits macht man sich von einem Anbieter abhängig, der auch irgendwann die Konditionen seiner Verträge ändern, seinen Geschäftsbetrieb einstellt oder von ausländischen Investoren übernommen werden kann. Andererseits ist das zivile Technik, die Opfer von Anschlägen werden könnte bzw. im Katastrophenfall überlastet sein könnte. Behördliche Telefonanschlüsse in Funknetzen haben keine höhere Priorität! Wenn das Netz zusammenbricht können auch wir nicht mehr telefonieren. So sind unsere Funktelefone regelmäßig an Heiligabend oder in der Silvesternacht nicht nutzbar. Das kann ein Problem darstellen, wenn man keine Alternativen hat! Viele unserer zivil operierenden Kräfte haben außer einem Funktelefon nichts anderes zur Verfügung - und sie arbeiten teilweise in extrem gefährlichen Einsätzen!

Von daher ist ein Ersatz für die alte analoge Technik zwingend erforderlich! Unsere Anforderungen wären:

- weitgehende Abhörsicherheit - zumindest für Gelegenheits-Zuhörer
- gute Netzabdeckung mit einwandfreiem Empfang auch in Gebäuden, Kellern und unwegsamem Gebiet
- Nutzungsdauer der Handfunkgeräte mit einer Akkuladung mindestens 12 h "echtem" Betrieb, also nicht nur Standby!
- Handfunkgeräte in der Größe und im Design von Funktelefonen, die auch verdeckte Trageweise und Benutzung erlauben
- Möglichkeit zur schnellen Übertragung von Daten
- Möglichkeit, einzelne Gesprächspartner oder -gruppen zu erreichen
- einfachste Bedienung aller Geräte auch bei schlechten Sichtverhältnissen oder unter Streß

von PowerAM - am 18.12.2006 13:59
Tetra sollte das alles fertigbringen, so war es jedenfalls mal geplant.
Im Einzelnen:
- weitgehende Abhörsicherheit - zumindest für Gelegenheits-Zuhörer
Kein Problem, Tetra ist abhörsicher genug, da kommen auch die Stümper vom Verfassungsschutz nicht rein

- gute Netzabdeckung mit einwandfreiem Empfang auch in Gebäuden, Kellern und unwegsamem Gebiet
Das war ursprünglich geplant, mit dem geplanten DB-Rumpfnetz aber nicht machbar. Speziell die Inhouse-versorgung leidet.

- Nutzungsdauer der Handfunkgeräte mit einer Akkuladung mindestens 12 h "echtem" Betrieb, also nicht nur Standby!
Was ist echter Betrieb? Seriöse Hersteller geben die Nutzungsdauer bei 10% Senden, 10% Empfang und 80%Standby an.
Da sind 12 Stunden mit aktuellen Geräten weder analog noch digital ein Problem.
Mitunter wird aber die Betriebsdauer auch bei 5% Senden, 5% Empfang und 90%Standby angegeben,
da kommt dann ein um 1/3 besseres Ergebnis raus.

- Handfunkgeräte in der Größe und im Design von Funktelefonen, die auch verdeckte Trageweise und Benutzung erlauben
Gibt es, die ersten von Nokia gezeigten Geräte waren einem 2110 recht ähnlich.

- Möglichkeit zur schnellen Übertragung von Daten
Geht, ist aber nicht sehr schnell, irgendwas um 7-10kBit/s sind drin.

- Möglichkeit, einzelne Gesprächspartner oder -gruppen zu erreichen
Ist im Standard ebenfalls drin. Einzel/Gruppenruf ist ja wohl das mindeste.

- einfachste Bedienung aller Geräte auch bei schlechten Sichtverhältnissen oder unter Streß
Muß am lebenden Objekt getestet werden.
Es darf nach der Ausschreibung nur ein Gemeinschaftstyp übrigbleiben,
damit nicht bei jedem Dienststellenwechsel die Lernerei von vorne losgeht.


von Nohab - am 18.12.2006 14:37
Zitat

Andererseits ist das zivile Technik, die Opfer von Anschlägen werden könnte


Jedenfalls hier in der Ecke sieht jedes BOS-Relais so herzhaft ungesichert aus, dass vermutlich ein simpler Bolzenschneider das Relais lahmlegen könnte. GSM-BTS sind im Regelfall schon besser gesichert, MSC erst Recht! Allein schon durch das über GSM abgewickelte Telefonieminuten umfasst die Technik schließlich viel mehr Standorte. Würde man da die Leitungen zwischen BSCs bereits redundanter bauen, müsste man zum Lahmlegen breiter Landstriche mittels Anschlag einige Einrichtungen angreifen.

Zitat

bzw. im Katastrophenfall überlastet sein könnte.


Vorrangschaltungen wären ja möglich.

Zitat

Behördliche Telefonanschlüsse in Funknetzen haben keine höhere Priorität!


Klar, offiziell habt Ihr auch noch euren Funk. GSM als "offiziellen" Ersatz will man politisch ja nicht.



Zitat

- gute Netzabdeckung mit einwandfreiem Empfang auch in Gebäuden, Kellern und unwegsamem Gebiet


Ohne gigantischen finanziellen Aufwand wird man mit Tetra IMO nie an die Indoor- und vorallem Keller-Abdeckung von GSM herankommen.

von -Ole- - am 18.12.2006 15:14
@ Nohab, -Ole-...

- Nutzungsdauer: Bei eingeschaltetem analogen (Hand-) Funkgerät ist der Empfang immer aktiv, die NF-Verstärkereinheit wird mit der Rauschsperre geregelt und schaltet ab, wenn sie nicht gebraucht wird. die HFG 169-Derivate haben mit fitten Akkus im Regelfall auch mit regem Funkbetrieb fast eine ganze Schicht durchgehalten. Allerdings sind sie bei uns selten.




Verbreiteter sind FuG 10, 13 und Unterarten. Sie sind mit 5 h Betriebsdauer gemäß TR-BOS angegeben. Realistisch sind die von mir beschriebenen Nutzungszeiten erreichbar. Es sind also zwangsweise Reserveakkus mitzuführen.




Quellen: http://www.motorola.com/governmentandenterprise/de/de-de/public/functions/browseproduct/transnavone.aspx?navigationpath=id_801i/id_2290i


Mobile Datenverbindungen laufen derzeit über UMTS, sofern verfügbar. Im Großraum Berlin geht das auch meist. Ausfälle von UMTS habe ich aber schon öfter bemerkt. GPRS ist kein Ersatz, die geforderten Anwendungen laufen damit nicht und beenden die Verbindung, weil ein Manipulationsversuch von der Software vermutet wird. Internet würde auch damit gehen, ist aber eher Abfallprodukt und nicht Hauptverwendungszweck. Einige Dienststellenleiter haben den Internetzugang auch blockieren lassen.


Bisher verwendete Fahrzeugfunkgeräte (seltener):




Oder häufiger diese:





Quellen: http://www.feuerwehr-buxtehude.de, http://www.funksysteme.de

von PowerAM - am 18.12.2006 15:48
Zitat

Interessant wäre der Betrieb ohne Relais, also im Wechselsprechen auf einem Kanal. Örtlich begrenzt könnte man damit z. B. Einsatzkräfte untereinander kommunizieren lassen, ohne das Relais mit diesem Funkverkehr zu blockieren. Wegen der fehlenden Aufzeichnungsmöglichkeit ist das aber untersagt worden.

Wer sagt denn bitte, dass das Untersagt sei?
Kann ich nämlich nicht bestätigen, denn die Polizei in Minden-City funkt im 2 Meterband direkt, also ohne Relais.

Klar ist sind schwierige Gebiete nicht 100 %ig versorgt, aber das würde durch eine Digitalisierung (warum muss überhaupt auf Teufel komm raus alles digitalisiert werden? NUR Vorteile bringt das nämlich auch nicht ...) auch nicht besser, ich denke sogar eher schlechter (statt berrauschtes Signal, wo man zur not noch was verstehen könnte, einfach nur eine digitale "0", also nichts).

von WiehengeBIERge - am 18.12.2006 20:37
Ein Bekannter, der bei der Polizei arbeitet, hatte mir neulich erzählt, das nur 4m-Gespräche über Relais mitgeschnitten werden, 2m aber nicht (zumindest in dem kleineren Städtchen, wo er arbeitet)! Daher laufen viele Sachen "im kleinen Kreis" über 2m Handfunkgerät und nicht übers "Grosse"! Allerdings läuft deren 2m auch über Relais.. direkt 2m gibts eigentlich nur im Unterband bei DRK und der Feuerwehr bei Einsätzen vor Ort! (soweit ich weiss)

von Sarstedter - am 18.12.2006 21:48
Zitat

Ein Bekannter, der bei der Polizei arbeitet, hatte mir neulich erzählt, das nur 4m-Gespräche über Relais mitgeschnitten werden, 2m aber nicht (zumindest in dem kleineren Städtchen, wo er arbeitet)!

Das stimmt soweit auch, über 2 Meter laufen auch öfter mal Pizza oder Pommesbestellungen :D.

Zitat

direkt 2m gibts eigentlich nur im Unterband bei DRK und der Feuerwehr bei Einsätzen vor Ort! (soweit ich weiss)

So sagt man allgemein (und ofiziell)...
Ich kenne aber zwei etwas "sonderbare" Fälle, nämlich eben (Altkreis) Minden, wo im 2 Meterband nur Direktverkehr läuft (und das definitv) sowie Bünde, wo es noch sonderbarer ist, dort sind nämlich tatsächlich Eingabe und Ausgabe vertauscht!

Und in Anbetracht der Tatsache, dass es bereits in zwei relativ nah beieinanderliegenden Städten wie Minden und Bünde bereits solche Sonderfälle gibt, gehe ich davon aus, dass es davon noch viel mehr gibt.

von WiehengeBIERge - am 18.12.2006 21:56
Digitalfunk wird teurer und kommt später

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/digitalfunk-wird-teurer-und-kommt-spaeter;2266822

Das Projekt Digitalfunk für Polizei und Rettungsdienste wird zum Fass ohne Boden. Die Kosten fürt das Projekt sind inzwischen um 30 Prozent gestiegen. Außerdem kommt das System statt wie geplant schon zur Fußball-WM 2006 frühestens im Jahr 2012.

HB BERLIN. Der Digitalfunk für Polizei und Rettungsdienste wird immer teurer. Zudem verzögert sich die ursprünglich zur Fußballweltmeisterschaft 2006 geplante Einführung abermals um zwei Jahre bis 2012. Die Gesamtkosten des Bundes sind binnen Jahresfrist um fast 30 Prozent auf 3,625 Mrd. Euro gestiegen, wie aus dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Sachstandsbericht hervorgeht. Der Bericht des Bundesinnenministeriums gibt die Projektkosten des Bundes von 2007 bis 2021 an. Hinzu kommen noch die Ausgaben der Länder.

Die auf einer Schätzung aus dem Jahr 2006 basierenden Kosten wurden laut Innenministerium von der Entwicklung überholt. Ursprünglich ging das Konzept von 3000 Basisstationen und 43 Vermittlungsstellen aus. Nach neuestem Stand sind es 4300 Stationen und 70 Vermittlungsstellen. Als kostentreibend stellte sich auch heraus, dass der Bund nicht über genügend eigene Liegenschaften verfügt.

Der Digitalfunk soll den veralteten, störanfälligen und nicht abhörsicheren Analogfunk ablösen und wird von der Polizei dringend erwartet. 2005 hatten sich Bund und Länder nach langem Kostenstreit auf die Einführung verständigt. Der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) entschied, dass zunächst der Bund ein von den Ländern zu ergänzendes Netz aufbauen soll. Im Juni 2007 startete ein Testbetrieb. In einigen Länderbereichen und zu bestimmten Anlässen wird mittlerweile digital gefunkt, aber es gibt noch keinen flächendeckenden Betrieb.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, reagiert mit "großer Enttäuschung" auf die Mitteilung der Bundesanstalt für Digitalfunk, dass der für 2010 geplante Start um weitere zwei Jahre verschoben werde. "Eigentlich könnte man nur noch lachen, aber wir sind auch verzweifelt." Man werde seit mehr als zehn Jahren vertröstet. "Aber es kann doch nicht sein, dass den Verantwortlichen erst jetzt auffällt, dass noch Sendemasten fehlen."

Der CDU-Haushaltspolitiker Michael Luther sah zwar das Projekt auf einem guten Weg, zeigte sich aber verärgert über die Kostensteigerungen. Die Koalitionsabgeordneten hätten deshalb den Bericht des Innenministeriums zurückgewiesen, der am Mittwoch im Haushaltsausschuss behandelt werden sollte.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Silke Stokar, machte die föderale Struktur für die ständigen Verzögerungen und die Kostensteigerungen verantwortlich. So ein Milliardenprojekt könne man nicht mit einer Teilzuständigkeit des Bundes und der Ankopplung von 16 Bundesländern umsetzen, sagte Stokar der dpa.

Auch der FDP-Abgeordnete Hartfrid Wolff kritisierte die Intransparenz der Kosten und forderte eine Kontrolle der Kosten. Roland Claus, Haushaltspolitiker der Linksfraktion, sagte, er habe jegliches Vertrauen in das Bundesinnenministerium verloren.

von FM100 - am 11.05.2009 13:04
@hausfieber: Wie, ist die Bullerei Stammgast bei deinen Nachbarn?

Daß wir wieder Schlußlicht sind, war natürlich zu erwarten, ist halt so in Deutschland.
Und auch typisch deutsch, daß man wohl das Projekt billig gerechnet hat und das dicke Ende
jetzt nachkommt. Irgendwie habe ich den Eindruck, die deutsche Politik ist nicht in der Lage,
ein Projekt korrekt durchzurechnen und dann bis zum Ende im Kostenrahmen zu bleiben.


von Nohab - am 11.05.2009 17:40
Wo wir gerade bei ausufernden Kosten sind, die deutsche Politik hat sich gerade vor dem BGH
wieder mal 'ne blutige Nase geholt. Die Entscheidung: Entstehen Mehrkosten durch eine verzögerte
Auftrragserteilung, nachdem ein Bieter den Zuschlag erhalten hat, so muß der Auftraggeber diese
Mehrkosten allein tragen. Im Falle des Staates als Auftraggeber darf der Steuerzahler ran...


von Nohab - am 11.05.2009 18:23
Schön? Nee ;-)...

von WiehengeBIERge - am 11.05.2009 18:32
Zitat
Nohab
...Daß wir wieder Schlußlicht sind, war natürlich zu erwarten, ist halt so in Deutschland.Und auch typisch deutsch, daß man wohl das Projekt billig gerechnet hat und das dicke Ende jetzt nachkommt. Irgendwie habe ich den Eindruck, die deutsche Politik ist nicht in der Lage, ein Projekt korrekt durchzurechnen und dann bis zum Ende im Kostenrahmen zu bleiben.

Die ursprüngliche Berechnung war schon korrekt, nur liegt das Problem beim Förderalismus in Deutschland, denn ein solches Projekt können es verständlichen Gründen nur alle Bundesländer gleichzeitig verwirklichen und nicht der Bund allein. Da es aber Bundesländer gab ( und vermutlich heimlich im Hintergrund auch noch gibt ), die der Ansicht waren / sind, "dafür kein Geld zu haben", letztlich aber nur höhere Bundeszuschüsse bekommen möchten, musste die Einführung des Digitalen Polizeifunks immer weiter rausgeschoben werden. Der Bund allein verfügt bereits u.a. in Berlin über ein solches Netz und hätte auch längst für seine Bereiche ( z.B. Zoll, Bundespolizei, BKA , THW usw. ) die Digitalisierung vorgenommen, nur was bringt dies dann, wenn die örtlichen bzw. Länderbehören noch analog funken und somit keine Kontaktaufnahme ausserhalb des eigenen Dienstes möglich ist?

Dass dies alles funktioniert, wurde schon beim Elbhochwasser Anfang August 2002 bewiesen, als vor Ort ein komplettes Digitales Funknetz für die Einsatzkräfte geschaltet wurde und schon vorher bei den Dreiländertests in und um Aachen.

Übrigens ist Deutschland da (noch) nicht Schlusslicht, nach uns kommt z.Zt. noch Albanien - :D

von KlausD - am 11.05.2009 18:52
@hausfieber: Damit solltest du nicht so laut rumposaunen! Das abhören des Polizeifunks ist immerhin eine Straftat!

Wenn Tetra irgendwann mal da ist wird man sich teilweise den Analogen Funk zurückwünschen. So ganz reibungslos klappt das bei weiten noch nicht.
Beim analogen Funk kann man immerhin auch noch aus dem rauschen etwas raushören. Bei Tetra erscheint dann "Kein Dienst" und das war's.

Was mich nie betrog, ist analog!

von Marc_RE - am 11.05.2009 18:53
Zitat
Marc_RE
@hausfieber: Damit solltest du nicht so laut rumposaunen! Das abhören des Polizeifunks ist immerhin eine Straftat!

Ist es nicht, nur das Weitergeben / Weitererzählen des dabei Gehörten ( was aber u.U. auf das Gleiche rauskommt ).

von KlausD - am 11.05.2009 19:05
Also ich bin mir ziemlich sicher dass auch das reine Abhören schon eine Straftat darstellt. Sollte man beim Scannen aus Versehen den Polizeifunk erwischen, ist man meines Wissens verpflichtet sofort die Frequenz zu ändern.

von BetacamSP - am 11.05.2009 20:48
nein, hören darf man. Nur nicht rumerzählen was man da gehört hat...

von Felix II - am 11.05.2009 21:13
Zitat

nein, hören darf man. Nur nicht rumerzählen was man da gehört hat...

Das darfst du nur so lange wie du noch nicht weißt, dass du gerade Polizeifunk hörst.

von WiehengeBIERge - am 12.05.2009 16:03
Ich bin froh, dass ich den Degen habe. Damit bekomme ich hier alles mögliche an Polizeifunk herein :) Auf allen alten Radios die ich habe, konnte ich noch vor 10 Jahren Polizeifunk hören. Dann auf einmal nichtmehr. Haben die die Frequenzen gewechselt?

von DX OberTShausen - am 12.05.2009 16:39
nein, kein Frequenzwechsel.

von Werner53 - am 12.05.2009 17:53
Zitat
Marc_RE
So ganz reibungslos klappt das bei weiten noch nicht.

Vielleicht hängt unsere Unzufriedenheit ja nur damit zusammen, daß wir zu viel erwarten. :-) Im ARD-Politmagazin "Monitor" war diese Woche jedenfalls zu sehen, wie das Weltunternehmen Rhode & Schwarz sein TETRA-System angeblich auch in so sichere und die Menschenrechte penibel einhaltende Länder wie den Sudan schickt ...

KLICK ZUM VIDEO

Ob's da funktioniert? - Oder zahlt eine afrikanische Militärjunta für abhörsichere Digtaltechnik etwa besser als die Länderinnenminister in Deutschland? :-( Der Deal soll über die Vereinigten Arabischen Emirate abgewickelt worden sein, weil das deutsche Exportgesetz die Ausfuhr solcher Technik in bestimmte Staaten verbietet - darunter auch der Sudan. Da macht man sich so seine Gedanken ...

P.S.: Nicht irritieren lassen; Rhode & Schwarz wird im Beitrag permanent als "Rhode-Schwarz" erwähnt.



von FM-FREAK HESSEN - am 15.05.2009 18:28
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