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Remsen, Kroes, Manfred Z, KlausD, -Ole-, Stiller Leser, Thomas (Metal), HansEberhardt, ACDC, EmmWeh, Marc_RE

Liste der Sendeanlagen / Faktische Monopolstellung der DFMG ?

Startbeitrag von Remsen am 28.12.2006 18:21

Hallo zusammen!

Erstmal ein Kompliment für die tollen Seiten hier!

Nun zu meiner Frage: Gibt es eine Liste nahezu sämtlicher Sendeanlagen für kommerziell genutzte Radiofrequenzen ? Laut Homepage der DFMG betreibt diese 500 Türme, 6.000 Masten und 14.000 Dachstandorte. Trotz Deregulierung durch die Postreform und das TKG scheint es so, dass faktisch ein Monopol der DFMG besteht. Oder gibt es ernstzunehmende Alternativanbieter, die zumindest regional eine beachtliche Reichweite haben ?

Angesichts der Konditionen der DFMG erscheint mir die aktuelle Lage fast ein Fall für das Kartellamt zu sein. Neue Privatradiosender können - sofern sie halbwegs flächendeckend ein bestimmtes Gebiet versorgen wollen - der DFMG wohl nicht entgehen.

Edit: Die Liste auf der Homepage habe ich gesehen (http://www.ukwtv.de/sender-tabelle/index.html). Interessant wäre der jeweilige Betreiber. Ich vermute mal, dass zu mindestens 90% die DFMG dahintersteckt.

beste Grüße,
Remsen

Antworten:

siehe DFMG.de

dort steht auf der ersten Seite

"plant, realisiert, betreibt und vermarktet Antennenträger."

Das heist ja wohl das die DFMG Antennenstellplatze vermietet und selbst keine
Sender betreibt. Die Kunden von DFMG können alle Mobilfunkbetreiber und Betreiber von
Sendeanlagen für Bild und Ton und sonstigen Funkdiensten sein.

von ACDC - am 28.12.2006 20:18
Danke für die Antwort schonmal.

Soweit ich weiss, vermietet die DFMG die Sender in Eigenregie. Wenn man also im UKW Bereich seine Signale flächendeckend weiterverbreiten will, ist man auf das Gesamtpaket der DFMG angewiesen.

Unter "plant, realisiert, betreibt und vermarktet Antennenträger" kann man nun ja auch das Komplettpaket verstehen, also insbesondere die Dienstleistung in Form der Signalverbreitung. Auch fallen mir keine "Zwischenhändler" ein, von der DFMG sind mir allerdings Pauschalpreise für die Weiterleitung von UKW Signalen bekannt.

Aber vielleicht weiss ja jemand Genaues.


beste Grüße,
Remsen

von Remsen - am 29.12.2006 00:29
Kann es sein das du T-Systems und DFMG verwechselst?

DFMG vermarktet nur die Masten, unter Antennenträger ist auch nichts anderes zu verstehen.
Die Rundfunksender in Deutschland werden allerdings zum größten Teil von T-Systems betrieben. Die haben praktisch die von dir bemängelte Monopolstellung. Einen Antennenmast kann aber theoretisch auch jeder andere bauen.

von Marc_RE - am 29.12.2006 05:29
Hallo!

Ja, durchaus möglich. Ich versuche mich gerade, ein wenig durch das Geflecht von diversen Telekom Tochtergestellschaften durchzuschlagen.

Wenn ich es nun richtig verstanden habe, ist es so:

Die DFMG betreibt Türme und Masten und vermietet Antennen oder Mitbenutzungen. Für Modulationsanbindung bzw. das konkrete Senden von Radiosignalen im UKW Bereich ist sie jedoch nicht der richtige Ansprechpartner. Im Bereich der Anmietung von Antennen stellt sie jedoch faktisch ein Monopol dar, weil andere Anbieter nicht annäherend über eine ähnliche und übergreifende Infrastruktur verfügen. Auch wenn jeder theoretisch nach Postreform und TKG nun einen Funkturm bauen, führt in der Praxis im Bereich Antennenvermietung im Normalfall kein Weg an der DFMG vorbei.

Die T-SYSTEMS indes mietet im großen Umfang (so entnehme ich es dem vorherigen Beitrag) Antennen der DFMG. Private Radioanbieter, die UKW Signale verbreiten wollen, wenden sich also nicht an die DFGM (außer sie wollen eine eigene Antenne anmieten), sondern an die T-SYSTEMS. Ist es denn so, dass die T-SYSTEMS tatsächlich alle wichtigen Antennenstandorte vermietet ?

In Anbetracht der Tatsache,dass sowohl die DFMG als auch T-SYSTEMS zu 100% der Telekom gehören, habe ich allerdings auch bei dieser Konstellation ein wenig Bauchschmerzen.

bG,R

von Remsen - am 29.12.2006 09:39
Du verwechselst wohl immer noch Antennen und Antennen_träger_. Letzteres - also die Masten, Fernmeldetürme etc. und die "Stellflächen" darauf werden von der DFMG vermietet. JEDER Betreiber kann aber auch problemlos (im Rahmen der Umweltverträglichkeit usw) selbst beim Inhaber großer Gebäude (z.B. Schornsteine, Kirchen etc, soweit die DFMG da noch nicht die Finger drin hat) einen Stellplatz anmieten oder selbst Masten errichten - gerade im Mobilfunkbereich werden wohl etliche Anlagen ohne Zutun der DFMG errichtet sein. Auch die ARD-Anstalten im Westen Deutschlands haben eigene Sendeanlagen, auf denen Plätze angemietet werden könnten.
Für die Ausstrahlung selbst benötigt man aber eben nicht nur einen Antennenträger, sondern auch eine Antenne und einen Sender. Und den wiederum darf man nur mit entsprechender Lizenz selbst betreiben...dummerweise hat neben T-Systems und den ARD-Anstalten nur eine handvoll kleinerer Anbieter eine solche Lizenz. Für die dann von T-Systems übernomme Ausstrahlung fallen dann Mietkosten gemäß der Preisliste http://www.t-com.de/dlp/agb/17044.pdf an.

Also DFMG: nur die Türme selbst, nicht aber die Antennen
T-Systems: Antennen und Sender

von Kroes - am 29.12.2006 09:53
Zitat
Kroes
.. ... gerade im Mobilfunkbereich werden wohl etliche Anlagen ohne Zutun der DFMG errichtet sein. ...

Absolut korrekt, zwar bevorzugt im Umkehrschluss T-Systems für ihre UKW-Sender neben den eigenen Telekom-Standorten auch die Mobilfunk-Antennenträger der DFMG, aber die anderen Mobilfunkbetreiber neben T-Com aquirieren ihre Standorte komplett allein.

von KlausD - am 29.12.2006 10:31
Vielen Dank.

Im Bereich Mobilfunk würde es mich nicht wundern, wenn sogar Kindergärten ihre Dächer für Sendemasten hergeben würden. Im mich interessierenden UKW Bereich sieht es aber wohl so aus, als ob die DFMG alle interessanten Sendestandorte besitzen würde. Haben denn UKW Sendemasten wesentlich andere Umgebungsvoraussetzungen als Handymasten ? Oder liegt es am weniger lukrativen Markt, daß es kaum UKW Sendeanlagen gibt, die nicht von T-SYSTEMS vertrieben werden ?

Nach der dankenswert klaren Feststellung in einem der vorherigen Beiträge ist mir nun klar, dass die DFMG mehr oder weniger nur als Immobilienträger in Erscheinung tritt. Und doch ist man - sofern die UKW Sendeanlage z.B. eine bestimme Höhe benötigt - mehr oder weniger auf die Türme der DFMG angewiesen. Eine UKW Antenne auf einem Hochhaus oder Wasserturm zu montieren, scheint jedenfalls nicht erfolgsversprechend.

Wenn man sich so umhört, sind die Mietpreise, die die DFMG verlangt, nicht gerade niedrig und basieren auf hohen Pauschalbeträgen. Für ein kleinen Antennchen, das man auf einem Turm installieren möchte, ist man jedenfalls schon ein kleines Vermögen los.

beste Grüße,
Remsen


von Remsen - am 29.12.2006 10:47
@ Remsen : Dies hat einfach damit zu tun, dass aus den alten Monopolzeiten der Telekom die Frequenzkoordinierungen von dieser ( und den westlichen ARD-Anstalten ) vorgelegt und dann naxh Abstimmung an den vorgesehenen Standorten auch realisiert wurden. Es gibt durchaus auch UKW-Standorte auf Hochhäusern usw. Die Basis ist eben immer auch der vorherige Zusammenhang zwischen Koordinierung der Frequenz und dem dafür vorgehenen Antennenstandort.

von KlausD - am 29.12.2006 11:08
Ja, das erscheint logisch. Mein nicht vorhandener technischer Sachverstand beruht darauf, dass mich genau dieser Aspekt interessiert. Ich habe vor, die Entwicklung im Bereich des Rundfunkes nach Fall der Monopolstellung durch Postreform und TKG unter rechtlichen und tatsächlichen Gesichtspunkten zu analysieren.

Aus Sicht eines privaten Rundfunksenders scheint jedenfalls ein mangelnder Wettbewerb bezüglich von UKW Sendeeinrichtungen zu bestehen. Dies sowohl auf Ebene der Vermietung von Flächen (DFMG) als auch im Bereich der Inanspruchnahme von Antennenbetreibern (T-SYSTEMS).

In diesem Zusammenhang abermals eine technische Frage: Sofern mir als Rundfunkbetreiber eine Frequenz nach TKG zugteilt wurde oder ich sie ihm Rahmen eine Vergabeverfahrens bekomme habe, spielt es doch keine Rolle, über welche Sendeanlagen ich die Frequenz nutze, oder doch ? So lange ich die Bestimmungen der Frequenzzuteilung (Verbreitung, Nutzung nach Frequenzplan etc.) einhalte, kann ich theoretisch meine eignen UKW Sendeanlagen aufstellen und benutzen.

Es ist übrigens so, daß die Altfrequenzen noch vor dem TKG (also vor 1996 gemäß FAG) bis heute Bestandsschutz genießen. Angesichts der Tatsache, daß diese im Gegensatz zum TKG 2004 unbefristet vergeben worden sind, sehe ich auch hier eine nicht unproblematische Privilegierung von Alt-Besitzern.

bG,R


von Remsen - am 29.12.2006 11:44
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Aus Sicht eines privaten Rundfunksenders scheint jedenfalls ein mangelnder Wettbewerb bezüglich von UKW Sendeeinrichtungen zu bestehen. Dies sowohl auf Ebene der Vermietung von Flächen (DFMG) als auch im Bereich der Inanspruchnahme von Antennenbetreibern (T-SYSTEMS).
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Schon schade, daß man die UKW-Sendeanlagen nicht nach Indien, China, Indonesien, usw. verlagern und damit Deutschland versorgen kann. Falls man entsprechende rote Lackierung braucht könnte man vielleicht auch Blut als Farbstoff nehmen, ist bestimmt billiger. Tschuldige, aber überall nur "Geiz ist Geil" führt auch hier wie an anderer Stelle in die Katastrophe; auch wenn der Preis am freien Markt ermittelt wurde.
Außerdem: Versuche doch mal für einen 300m Mast eine Baugenehmigung zu bekommen, von Frequenzkoordination rede ich hier noch gar nicht. Ein anderer Weg wäre natürlich das Ganze der Bundesnetzagentur zu unterstellen. Da könnte man sinnvollerweise auch direkt die alte Bundespost wieder einführen.

von Thomas (Metal) - am 29.12.2006 12:18
Ich finde den Sarkasmus absolut nicht angebracht, es geht hier nicht um Geiz sondern um fairen Wettbewerb.

Zudem versuche ich lediglich, den Status Quo in Erfahrung zu bringen. Dank durchaus konstruktiver Beiträge wurde mir in meinem Verständnis über die Voraussetzung eines UKW Sendebetriebs schon sehr geholfen.

Ob man ein bisweilen etwas verwirrendes Geflecht zwischen diversen Telekom Töchtern begrüßt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Fest steht jedoch, daß anders als beispielsweise beim Verkauf des Fernsehkabels alle wichtigen UKW Standorte in der Hand eines Eigentümers sind. Ob man dies begrüßt oder nicht, ist letztlich eine politische Entscheidung, der man sich auch ohne beißender Ironie stellen kann.

von Remsen - am 29.12.2006 12:26
Kein privater Rundfunksender in Deutschland und auch nicht die T-Systems ist Eigentümer von Frequenzen. Alle Rundfunkfrequenzen gehören den Ländern, und diese legen fest, welche vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ARD, ZDF, DLR) und welche von den privaten Anbietern genutzt werden sollen. Einen solchen Frequenznutzungsplan (Beispiel MV) gibt es hier:

http://www.lrz-mv.de/radiotv/frequenzen.html

Die Frequenzen für die privaten Anbieter werden von der zuständigen Landesmedienanstalt verwaltet und nach einer Ausschreibung auf Zeit verliehen. Der Nutzer muss dann einen Vertrag mit einem Netzbetreiber abschließen, und das ist in der Regel die T-Systems. Ein neuer Netzbetreiber ist grundsätzlich möglich. Er müsste zunächst gegenüber der Bundesnetzagentur die fachliche Eignung nachweisen. Dann müsste er neue Sendestandorte aufbauen und die Verlagerung der Sendefrequenzen an die neuen Standorte von der Bundesnetzagentur prüfen und genehmigen lassen.

von Manfred Z - am 29.12.2006 13:09
Besten Dank.

Gibt es denn eine Liste der lizenzierten Netzbetreiber ? Bei der Bundesnetzagentur wurde ich leider nicht fündig. Wie ich im Forum lesen konnte, hat die DW den Vertrag mit T-SYSTEMS nicht verlängert bzw gekündigt. Ohne Grund wird das die DW sicherlich nicht getan haben.

Meines Wissens nach gibt es übrigens einige Frequenzen, die unbefristet verliehen worden sind. Vor der TKG Novelle war dies mM auch der Regelfall. Frequenzen, die im Zusammenhang mit §§ 1,2 FAG zugeteilt wurden, sind mangels entgegenstehender Regelungen grundsätzlich auch unbefristet erteilt worden und gelten bis heute fort. Gemäßt den gesetzlichen Übergangsregelungen genießen diese Frequenzzuteilungen Bestandsschutz.


bG,
R

von Remsen - am 29.12.2006 13:33
Wie schon gesagt wurde: Die Frequenzen werden von den Landesmedienanstalten (nach vorheriger Freigabe der Bundesnetzagentur) vergeben - und da kann jedes Land seine eigenen Regelungen anstellen. In NRW z.B. sind alle Frequenzen unbefristet vergeben worden. Sollte aber eine vergebene Frequenz ein Jahr lang ungenutzt rumliegen, so kann sie ohne weitere Verhandlungen auch an andere Anbieter vergeben werden.

von Kroes - am 29.12.2006 13:40
NRW ist sicher ein Sonderfall, da es hier keine konkurrierenden Privatradios, sondern nur das von der Politik geschaffene Radio NRW mit den Lokalradios gibt.

von Manfred Z - am 29.12.2006 14:05
Zitat


Gibt es denn eine Liste der lizenzierten Netzbetreiber ?


Gab es jedenfalls mal. Neben T-Systems sind das mittlerweile mindestens alle ARD-Landesrundfunkanstalten, das Deutschlandradio. Dazu werden ja z.B. einige Uniradios in NRW oder die neue "Hitwelle"-Frequenz in Moosinning nicht von T-Systems betrieben. Werra-TV (gibts die noch?!) hatte auch mal einen Eigenbetrieb. Ich meine, die wären 1998 die Vorreiter dabei gewesen.

von -Ole- - am 29.12.2006 14:07
Zitat
Thomas (Metal)
Schon schade, daß man die UKW-Sendeanlagen nicht nach Indien, China, Indonesien, usw. verlagern und damit Deutschland versorgen kann. [...]nur "Geiz ist Geil" führt auch hier wie an anderer Stelle in die Katastrophe; auch wenn der Preis am freien Markt ermittelt wurde.

Es ist aber auch nicht hilfreich, wenn man bei jeder Veränderung reflexartig in Gejammer verfällt und einen Werbespruch zur "Mentalität" hochstilisiert. Fakt ist, dass Monopole immer zu krassen Fehlentwicklungen führen. Wenn diese Monopole irgendwann nicht mehr zu halten sind, ist die Katastrophe (schlagartiger Arbeitsplatzabbau) vielfach grösser als eine permanente Marktanpassung über viele Jahre.

Um die Kurve zum Thema wieder zu bekommen: Würde bei den Senderbetreibern freier Markt herrschen, würde das ziemlich sicher allen helfen: Es ist doch auffällig, dass anscheinend nur in Deutschland die Privatsender so ein minderwertiges Dudelprogramm anbieten. Warum? Offensichtlich sind hier die Kosten so hoch, dass man nur an Produktion und Personal sparen kann. Also beschränkt man die Moderation auf das Aufsagen von Claims und kauft ein paar redaktionelle Inhalte zu. Und schon kann man das komplette Programm aus dem Computer fahren. Mehr kann man aus den Werbeeinnahmen einfach nicht finanzieren. Schaut man sich die oben verlinkte Preisliste mal an, kann man sich leicht ausrechnen, welche Beträge bei der Reduzierung der Sendekosten zusammenkommen, die man letztendlich auch in gutes Programm stecken könnte.

von EmmWeh - am 29.12.2006 14:31
Natürlich sind die Kosten hoch...aber würde ein anderer Anbieter _so viel_ billiger sein können? Strom in Deutschland kostet ne Menge Geld, trotz "Wettbewerb". Alleine die Stromkosten pro Monat dürften ja schon bei 100 kW (10 kW muss der Sender dann mindestens haben) um die 2.000 Euro betragen. Bis zu den 10.000 Euro ist es dann zwar noch ein weiter Weg - aber es kommen ja auch Material, Wartung, Stellplatz (wie man an den weiteren Punkten sehen kann, wird dieser mit 30% des Gesamtpreises angesetzt) usw dazu. Das gibt es alles nicht geschenkt - jedenfalls nicht in Deutschland. Das wird aber sicher nicht der Grund für das schlechte Dudelprogramm sein. Hier ist es vielmehr so, dass es leider viel zu viele potentielle Hörer gibt und sich somit Werbeeinnahmen überhaupt erst generieren lassen - die (aus meiner Sicht nicht aussagekräftigen) Media-Analysen geben den Dudelfunkern ja recht...also wird so weiter gemacht. Was in der Realität die Menschen wirklich davon halten ist egal - wichtig ist nur, was die MA so rausgibt.

@Ole: Das Deutschlandradio lässt meines Wissens alle Sender von T-Systems betreiben.

von Kroes - am 29.12.2006 14:43
Es wäre vielleicht schon einigen Anbietern geholfen, wenn die Preise etwas flexibler gestaltet werden könnten. Jedenfalls stimme ich zu, dass die Qualität der Radiostationen bisweilen wirklich unerträglich ist. Hier in München gibt es 10-12 Radiosender, die nahezu alle gleich klingen. Platz für innovatives Radio scheint es auf UKW nicht wirklich zu geben.

T-SYSTEMS trägt daran sicherlich keine Schuld, allerdings ist es angesichts der Kosten wohl tatsächlich so, daß nur Radiostationen mit entsprechender kommerziellen Ausrichtung einen Platz finden können. Ob alternative Netzbetreiber ein kostengünstigeres Angebot auf die Beine stellen könnten, das sich wirtschaftlich trägt, vermag ich nicht zu beurteilen.

bG,R

@Kroes: wg DW: http://forum.mysnip.de/read.php?8773,467102

von Remsen - am 29.12.2006 15:01
Zitat

@Ole: Das Deutschlandradio lässt meines Wissens alle Sender von T-Systems betreiben.


Auch Britz?

Mathias Weber:

Es steht jedem Rundfunkanbieter doch letztlich frei, Sender anderswo betreiben zu lassen oder alles komplett in Eigenregie zu fahren. Wo es bei Großsendern noch Probleme für Einsatz geben mag, herrscht spätestens bei Funzeln Wettbewerb ohne Ende. Mindestens ein Mobilfunknetzbetreiber wird in > 90 % der Fälle einen brauchbaren Alternativstandort zu bieten haben. Die vermieten auch Mastflächen. Wenn man dann so hört, dass Sky in Hessen angeblich einen Großteil der Frequenzen selbst hat koordinieren lassen (und damit auch effektiv in meinen Augen die Chance, andere Standorte zu nehmen), fragt man sich doch, wieso man da nicht Eigenbetrieb durchführt. Sky hat immerhin um die 30 Standorte.

von -Ole- - am 29.12.2006 15:04
---
Fakt ist, dass Monopole immer zu krassen Fehlentwicklungen führen.
---
[OT] Nein, und warum denn? Es ist doch vielmehr die Frage wie diese Monopole geführt werden (sic!).
Es ist vielmehr der aktuelle Zeitgeist, daß durch viele Anbieter die auf gleiche Ressourcen zurückgreifen, letztere noch durch einen Regulierer kontrolliert werden, besser sein sollen. Das sehe ich nicht so, vorallem beschränkt sich die Effizienz in der Regel auf Lohndrückerei; auch Offshoring und Fremdarbeiter sind hier zu nennen. Dort wo man sparen könnte passiert es nicht, oder nur mal so: Wie haben sich die Gehälter von Vorstandsvorsitzenden + "notwendiger Wasserkopf" im Verhältnis zu Präsidenten von Behörden verändert. Da wird dann halt für geringen Lohn gearbeitet, schlechtestenfalls sogar mit Hartz IV-Zuschuß, wie man in (zu) vielen Branchen mit Billigarbeitern sehen kann. Die Gesellschaft als solches hat aber unterm Strich nichts davon. Da machen sich ganz andere mit fett und rund.

von Thomas (Metal) - am 29.12.2006 15:26
Zitat
-Ole-
Zitat

Gibt es denn eine Liste der lizenzierten Netzbetreiber ?

Gab es jedenfalls mal. Neben T-Systems sind das mittlerweile mindestens alle ARD-Landesrundfunkanstalten, das Deutschlandradio. Dazu werden ja z.B. einige Uniradios in NRW oder die neue "Hitwelle"-Frequenz in Moosinning nicht von T-Systems betrieben. Werra-TV (gibts die noch?!) hatte auch mal einen Eigenbetrieb. Ich meine, die wären 1998 die Vorreiter dabei gewesen.

es gibt noch weitere: z.B. das Kirchenradio Studio-Nahe ( Betrieb durch eine beauftragte berechtigte Privatfirma ) und meiner Erinnerung nach auch Radio Neckarburg.

Zitat
Mathias Weber
Um die Kurve zum Thema wieder zu bekommen: Würde bei den Senderbetreibern freier Markt herrschen, würde das ziemlich sicher allen helfen

Es herrscht durchaus freier Markt. Wie schon oben gepostet, kann jeder Privatsender sich eigentlich seinen Senderbetreiber aussuchen, nur sollte der dann auch den Standort und eine Frequenz in die erfolgreiche Koordination gegeben haben ( siehe z.B. das schon genannte Studio Nahe. Dort hat man eine Frequenz suchen und nach grundsätzlicher Absprache mit der LMK RLP bei der BNetzA koordinieren lassen. Die LMK RLP hat diese dann ausgeschrieben, zugeteilt und das Programm lizenziert ).

Zitat
Kroes
Das Deutschlandradio lässt meines Wissens alle Sender von T-Systems betreiben.

Korrekt, da existiert ein Rahmenvertrag für DLF und DLRK. Somit ergibt sich die Situation, dass sich ( nicht nur in diesen Fällen ) auch T-Systems mitunter bei den Öffentlich-Rechtlichen "einmieten" muss, z.B. 107,2 MZ-Kastel , 97,6 Frankfurt / M oder am Standort Bingen-Rochusberg, der wohl vom hr betrieben wird.

Zitat
-Ole-
Mindestens ein Mobilfunknetzbetreiber wird in > 90 % der Fälle einen brauchbaren Alternativstandort zu bieten haben.

Ganz bestimmt, das Problem ist aber fast ausschliesslich, das die schon vergebenen Frequenzen für diesen neuen Standort fast nie neu koordinierbar sind.

Zitat
-Ole-
Wenn man dann so hört, dass Sky in Hessen angeblich einen Großteil der Frequenzen selbst hat koordinieren lassen (und damit auch effektiv in meinen Augen die Chance, andere Standorte zu nehmen), ..

Nicht ganz richtig. SkyRadio Hessen hatte vor einiger Zeit mögliche freie Frequenzen suchen lassen und diese Liste dann, in der Hoffnung, möglichst viele dieser Frequenzen auch selbst zu bekommen ( was nicht sein muss, siehe Anfangs in Trier ), der LPR-Hessen übergeben. Hier wurde geprüft und zur Koordinierung an T-Systems übergeben.

Zitat
-Ole-
... fragt man sich doch, wieso man da nicht Eigenbetrieb durchführt. Sky hat immerhin um die 30 Standorte.

Theoretisch sicherlich richtig; nur wollen die grossen Privatsender dies wirklich (?), denn sowohl sie selbst, als auch berechtigte Privatfirmen sind ( noch? ) nicht in der Lage, die entsprechende prozentuale Nichtausfallsicherheit zu geben ( denn grössere Senderausfälle bedeuten auch Werbeausfälle = Einnahmeausfälle ). Da hat eben bisher nur T-Systems die notwendige landesweite Infrastruktur. Dazu kommt beim Eigenbetrieb durch den Programmveranstalter selbst auch noch das Argument der Kosten. Dies mag bei den Öffentlich-Rechtlichen noch rentabel sein, bei den Privaten sicherlich nicht mehr ( auch bei fast 30 Sendern ), da macht es der Magenta-Riese billiger.

Allerdings kann sich dieser Kostenvorteil dann ändern, wenn sich Privatprogramme zum Senderbetrieb zusammenschliessen und eine gemeinsame Betriebsgesellschaft ( inzwischen ja gegründet ) mit Frequenzsuche, -koordination und Betrieb der terrestrischen Sender beauftragen.

von KlausD - am 30.12.2006 02:35
Zitat

Allerdings kann sich dieser Kostenvorteil dann ändern, wenn sich Privatprogramme zum Senderbetrieb zusammenschliessen und eine gemeinsame Betriebsgesellschaft ( inzwischen ja gegründet ) mit Frequenzsuche, -koordination und Betrieb der terrestrischen Sender beauftragen.


Nun, tut diese Gesellschaft denn auch was? Gegründet wurde sie ja bereits vor mehr als einem Jahr.

Zitat


Allerdings kann sich dieser Kostenvorteil dann ändern, wenn sich Privatprogramme zum Senderbetrieb zusammenschliessen und eine gemeinsame Betriebsgesellschaft ( inzwischen ja gegründet ) mit Frequenzsuche, -koordination und Betrieb der terrestrischen Sender beauftragen.


Wieso macht die ARD das eigentlich nicht? Die SR-Sendertechnik zum Beispiel wird doch bald nach DVB-T mit ihren maximal 10 Senderchen nicht so wirklich kostenoptimal betrieben werden können.

von -Ole- - am 30.12.2006 13:18
@kroes
"Für die Ausstrahlung selbst benötigt man aber eben nicht nur einen Antennenträger, sondern auch eine Antenne und einen Sender. Und den wiederum darf man nur mit entsprechender Lizenz selbst betreiben...dummerweise hat neben T-Systems und den ARD-Anstalten nur eine handvoll kleinerer Anbieter eine solche Lizenz."
Das gibt es so aber schon seit 2005 nicht mehr.
Als Senderbetreiber unterschreibt man eine entsprechende eidesstattliche Versicherung gegenüber der BNetzA und das war es schon. Den Rest regelt der Markt bzw die Frage wer die geeigneten Standorte zu welchen horrenden Mietpreisen zur Verfügung stellt und was wo koordinierbar ist.
Die Ausschreibung nach den neuen Regelungen zunächst von Standort und nachfolgend dann dem Programm wird echt eine spannende Sache. Mal sehen wie das in der Praxis gehen soll.

von Stiller Leser - am 03.01.2007 03:23
Zitat
Kroes
Für die dann von T-Systems übernomme Ausstrahlung fallen dann Mietkosten gemäß der Preisliste http://www.t-com.de/dlp/agb/17044.pdf an.


Leider geht der Link nicht mehr, offenbar wurde die Site ein wenig umgestaltet. Weder bei der Telekom noch bei T-Systems konnte ich nun die aktuelle Preisliste finden. Hat jemand zufällig einen aktuellen Link ?

Dann noch eine andere Frage: Ist es eigentlich üblich, dass an großen Sendestandorten Signale auch ins Kabel eingespeist werden ?

Danke beste Grüße,
Remsen

von Remsen - am 03.01.2007 10:35
Die Liste wurde aktualisiert (Erhöhung der Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer) und ist jetzt auf http://www.t-com.de/dlp/agb/17964.pdf zu finden. Leider hab ich keinen Vergleich mehr zur alten Liste und kann daher nicht sagen, ob auch die Nettopreise erhöht wurden.

Zur Kabeleinspeisung: Zumindest war das - größtenteils bei Telekom-Standorten - üblich. Für den Kabelempfang benötigt man ja eben gerade hohe Türme, um die Signale auch ordentlich reinzubekommen. Inzwischen wird aber immer mehr auf Glasfaser-Anbindung umgestellt, so dass der Empfang vor Ort nach und nach verschwindet (auch abhängig vom jeweiligen Netzbetreiber). Im ish-Gebiet (NRW) z.B. dürfte zumindest das Radioprogramm der ARD-Anstalten und wohl auch Das Erste, ZDF und WDR Fernsehen noch stellenweise terrestrisch abgegriffen werden.

@Stiller Leser: Danke, war mir noch gar nicht bekannt. Ich hab jetzt aber auf der Seite der BNetzA das entsprechende Formular auch gefunden. Es ist aber wohl trotzdem davon auszugehen, dass solche Selbsterklärungen geprüft werden und nicht Herr XY aus Z einfach mal so einen Sender betreiben darf, oder? ;)

von Kroes - am 03.01.2007 11:00
Na ja wenn es um eine große Sendeanlage geht denke ich werden die schon mehr prüfen. Aber bei uns mit Anlagen bis 100 Watt hat da keine große Prüfung stattgefunden. Die wollen nur sehen ob der Betreiber eventuelle Bußgelder auch bezahlen kann. Denn eine Sache ist jetzt ganz toll: eine Behörde prüft
a) die Eignung in technischer, rechtlicher und finanzieller Hinsicht
b) sie kooediniert und überwacht die Nutzung und
c) sie verhängt Bußgelder bei Verstößen gegen die Lizenzbedingungen.

Das wäre alles soweit o.K.

Aber sie soll dem Bund auch ein Optimum an Einnahmen für die Frequenznutzungen erwirtschaften.

Genau da wird es dann spannend mit a) und b). Denn optimale Einnahmen bedeutet für die Nutzer oft Einschränkungen bei der Nutzung, weil alles koordiniert wird was Geld bringt. Mit dem schönen Zusatz: der Kunde will es ja so.

von Stiller Leser - am 03.01.2007 12:06
Vielen Dank abermals, die Kompetenz hier im Forum läßt keine Wünsche offen.

Zum Thema ineffeziente Frequenznutzung habe ich auf der Seite des Wirtschaftsministeriums eine ganz interessante Studie gefunden. Interessierte finden hier das PDF zum kostenlosen Download:
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/root,did=172056,render=renderPrint.html

bG,
R

von Remsen - am 03.01.2007 12:32
Ich habe diesen Thread ausgegraben, da er zum Thema (folgendes Posting) passt:

Monopol beim Sender(netz)betrieb - Abhilfe möglich?

Kurz eine Aktualisierung zur vorangehenden Diskussion, die einige Jahre alt ist:

Da ist von zwei Firmen die Rede, die mit dem Sender(netz)betrieb zu tun haben:
• DFMG (Deutsche Funkturm GmbH), eine Tochter der Deutschen Telekom
• T-Systems Media & Broadcast, eine damalige Abteilung der Telekom-Tochter T-Systems

Vor einigen Jahren hat die Telekom entschieden, dass der Sender(netz)betrieb für Rundfunksender nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft gehört, und hat daraufhin die Abteilung als MEDIA BROADCAST GmbH an den französischen Sender(netz)betreiber TDF verkauft, der selbst in der Hand sogenannter Heuschrecken ist.

Die Infrastruktureinrichtungen an den Senderstandorten (wie Funktürme, Masten, Betriebsgebäude, Kabelkanäle etc.), die im Eigentum der DFMG liegen, hat die Telekom behalten, da sie auch für andere Funkdienste wie z.B. den Mobilfunk verwendet werden. Bei Lang-, Mittel- und Kurzwellensendern gingen auch die Antennenmasten und anderen Einrichtungen ins Eigentum der MEDIA BROADCAST über. Bei FM-, DAB- und TV-Sendern ist MEDIA BROADCAST auf die Standorte der DFMG angewiesen.

In den alten Bundesländern und in Westberlin sind die Landesrundfunkanstalten selbst Sender(netz)betreiber, wobei sich die meisten Sendeanlagen auch an anstalteigenen Standorten befinden. Teilweise werden auch Standorte der DFMG genutzt. Im Gegenzug nutzt MEDIA BROADCAST auch Standorte der Landesrundfunkanstalten.

Websites:

http://www.dfmg.de/

http://www.media-broadcast.com/


Nachtrag:

Das Deutschlandradio betreibt die vom RIAS geerbten Anlagen in Berlin-Britz in Eigenregie. Alle anderen Sender werden von MEDIA BROADCAST betrieben.

Alle Sender für das ZDF werden von MEDIA BROADCAST betrieben.

Die Sender in den neuen Bundesländern gingen nach der Wende in das Eigentum der Bundespost über und werden heute von MEDIA BROADCAST betrieben.

von Manfred Z - am 03.08.2013 08:47
Die DFMG und die MEDIA BROADCAST sind faktisch Monopolanbieter für private Rundfunkveranstalter. Durch die Novelle des TKG ergeben sich hier in den nächsten Jahren Änderungen.

Das Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) hat im Auftrag der APR (Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk) ein Gutachten erstellt mit dem Titel:

„Telekommunikations- und wettbewerbsrechtliche Maßgaben für die Betreiber von Senderstandorten“

Dies ist auf einer Veranstaltung am 5. Juli vorgestellt worden:

Agenda und Präsentationen finden sich hier.

Pressemitteilung zur Veranstaltung:

Zitat

„Das Telekommunikationsrecht bietet ausreichende Handhabe zur Sicherung des Wettbewerbs beim Senderstandortbetrieb“
Die Marktmacht der DFMG kann mit den Mitteln der BNetzA relativiert werden

„Telekommunikations- und wettbewerbsrechtliche Maßgaben für die Betreiber von Senderstandorten“, so der Titel des Gutachtens, das das Institut für Europäisches Medienrecht e.V. (EMR) im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) erstellt hat. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung in der Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin wurde das Gutachten am 5. Juli 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr als 50 Experten von Rundfunkveranstaltern, Medien- und Telekommunikationsaufsicht, Senderbetreibern und Wissenschaft nahmen daran teil.

In seiner Einführung in die Tagung skizzierte Rechtsanwalt Dr. Norbert Holzer, Direktor des EMR, kurz die Ausgangslage und die Fragen, die dem Gutachten zugrunde liegen. Es sei bekannt, dass der Markt für die Bereitstellung von Senderstandorten zur terrestrischen Rundfunkübertragung von erheblichen Wettbewerbsdefiziten geprägt sei: Neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Westdeutschland sei es fast ausschließlich die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), die als Anbieterin solcher Standorte auftrete, wobei dem Aufbau einer alternativen Standortinfrastruktur insbesondere wirtschaftliche Hürden entgegenstünden, die vor allem aus hohen Anfangsinvestitionen resultierten. Zugleich sei auch die Nachfrageseite im Wesentlichen von einem einzigen Unternehmen bestimmt, das Betreiber eines bundesweiten Sendernetzes sei und aufgrund seiner herausragenden Marktstellung die Entgelte für die Nutzung der Standorte weitgehend risikolos an seine Kunden, die Rundfunkveranstalter, durchreichen könne. Trotz dieser Marktbedingungen habe eine Regulierung des Standortbetriebs bislang nicht stattgefunden.

Daran anschließend stellte Rechtsanwalt Sebastian M. Schweda, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am EMR, die wesentlichen Untersuchungsergebnisse des Gutachtens vor. Danach biete das geltende Telekommunikationsrecht ausreichende Handhabe, um gegen die strukturellen Wettbewerbsprobleme bei der Vermarktung von Senderstandorten vorgehen zu können. Die Tätigkeit des Senderstandortbetriebs könne spätestens seit der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) 2012 als eigener Telekommunikationsmarkt abgegrenzt werden. „Der Bundesnetzagentur stehen damit umfangreiche Anordnungsbefugnisse zur Verfügung, mit denen sie im Wege einer an die DFMG gerichteten Regulierungsverfügung auf die festgestellten Wettbewerbsdefizite reagieren kann“, so Schweda in seiner Analyse. Sie könne zum einen den Zugang zu den sogenannten „zugehörigen Einrichtungen“ – Gebäude, Türme, Masten, Leitungsrohre und andere Infrastrukturelemente an den Standorten – anordnen und in diesem Zusammenhang auch Gleichbehandlungs- und Transparenzverpflichtungen sowie die Vorlage eines Standardangebots auferlegen. Zum anderen könne sie eine Ex-ante- oder Ex-post-Regulierung der Entgelte verfügen, die die DFMG von Senderbetreibern für die Überlassung der Standortflächen verlangt. Darüber hinaus hätten Senderbetreiber einen Anspruch auf Mitbenutzung von Antennen, die an einem Standort bereits von einem anderen Senderbetreiber angebracht worden sind, soweit der Grundstückseigentümer keinen Nutzungsvertrag mit einem weiteren Senderbetreiber abschließen will oder kann.

Das EU-Wettbewerbsrecht findet nach Auffassung Schwedas grundsätzlich neben der sektorspezifischen Regulierung des TKG Anwendung. Allerdings, so Schweda weiter, dürften in der Praxis die einschlägigen Bestimmungen über Marktmissbrauch wegen des Gleichlaufs mit den Vorschriften des TKG von den zuständigen Wettbewerbsbehörden als subsidiär angesehen werden.

Anknüpfend an die Ergebnisse des Gutachtens, stellte Boris Lochthofen, Stellvertretender Vorsitzender der APR, Geschäftsführer bei RADIO PSR-R.SA und Leiter Medienpolitik bei REGIOCAST, die Folgerungen aus Sicht des privaten Rundfunks dar. Seiner Ansicht nach sei man auf dem Weg zu einer vollständigen Liberalisierung des Sendernetzbetriebes mit der Änderung des TKG und den weiteren Schritten der Operationalisierung des neuen Gesetzestextes für die Veranstalter bereits ein gutes Stück vorangekommen. Das Gutachten des EMR sei jetzt eine weitere wichtige Grundlage, um gemeinsam mit den relevanten Akteuren in die noch zu lösenden Details der Liberalisierung einzusteigen, damit bis Ende 2015 vollständige Klarheit für die Veranstalter über die Abfolge der notwendigen Schritte und die damit verbundenen Chancen und Risiken bestehe.

Klar ist für Lochthofen, dass die gesetzlich vorgegebene Liberalisierung nicht mit Belastungen für die Veranstalter einhergehen dürften: „Wir müssen sicherstellen, dass der Geist des TKG gelebt wird – auf allen involvierten Ebenen. Wir freuen uns in diesem Sinne auf die weitere Diskussion zu den im Rahmen der Gutachtenvorstellung aufgeworfenen Fragen“.

Schließlich spiegelte RA Dr. Norbert Wiesinger, LL.M. die im Gutachten analysierte deutsche Situation an den Gegebenheiten in Österreich und glich die gezogenen Folgerungen grenzüberschreitend ab. Er stellte insbesondere die einschlägige Rechtslage in Österreich dar und berichtete von seinen Erfahrungen vor den nationalen Behörden und der Europäischen Kommission.

Die abschließende Diskussion kreiste einerseits um die Frage, nach welchen Maßstäben in einem regulierten Standortmarkt die Kosten zu berechnen wären, die zur Grundlage für eine nachvollziehbare Entgeltregulierung gemacht werden könnten. Andererseits wurde in Wortmeldungen aus dem Publikum schon die grundsätzliche Regulierungsfähigkeit des Marktes nach dem Telekommunikationsgesetz in Frage gestellt. Schließlich wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, neben dem Telekommunikations- auch das Kartellrecht als möglichen Ansatz zu einer effektiven Lösung der identifizierten Wettbewerbsprobleme weiterhin im Blick zu behalten.

Die Präsentationen der Referenten, eine Zusammenfassung des Gutachtens sowie Bilder von der Veranstaltung finden Sie unter

http://www.emr-sb.de/telekommunikation-event-nachrichtenleser/items/veranstaltung-zur-vorstellung-des-emr-gutachtens-telekommunikations-und-wettbewerbsrechtliche-massgaben-fuer-die-betreiber-von-s.html


von Manfred Z - am 03.08.2013 08:53
Interessant finde ich im Zusammenhang mit dem Quasi-Monopol von MediaBroadcast, daß seitens eines Programmveranstalters sogar die Vorwürfe kamen, daß die Mugler AG noch teurer wäre als MB. Aus diesem Grund haben sich die ganzen DVB-T-Umstellungen für die letzten analogen Regional-TVs so lange hingezogen!

von HansEberhardt - am 03.08.2013 09:44
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