Bonstetten/Landkreis Augsburg: US-Armee lässt ihren alten Funkturm abbauen

Startbeitrag von cappu am 14.02.2007 20:26

Aus der Augsburger Allgemeinen vom 14.02.2007:

Zitat

Traum von schöner Aussicht ist geplatzt - Bonstetten: US-Armee lässt ihren alten Funkturm abbauen

Der Traum vom Bonstetter Aussichtsturm ist geplatzt. Gestern wurde die obere Hälfte des rund 80 Meter hohen Stahlgerüsts abmontiert. Auftraggeber ist laut Baustellenleiter Ralf Eisenhauer die amerikanische Armee. Bonstettens Bürgermeister Anton Gleich musste tatenlos zusehen, wie Arbeiter die Stahlstreben mit einem Schneidbrenner durchtrennten.

Dabei hatte die Planung des Bürgermeisters ganz anderes ausgesehen: Noch beim Neujahrsempfang der Gemeinde hatte Gleich präsentiert, was er mit dem ausrangierten Funkturm der Amerikaner vorhat. Eine Aussichtsplattform sollte darauf gebaut werden, der Turm als Abschluss des ebenfalls geplanten geologischen Landschaftslehrpfades dienen. 100 000 Euro sind für dieses Projekt bereits im Bonstetter Haushalt eingeplant. Der Kreis hatte einen Zuschuss im Jahr 2007 verweigert - der Antrag der Gemeinde Bonstetten kam zu spät.

Aber die fehlenden Fördermittel interessieren nun niemand mehr. Denn am Sonntag passierte Folgendes: Ein Unternehmen fragte bei einem Bonstetter Waldbesitzer an, ob es dessen Grundstück für die Abbrucharbeiten des sogenannten Ami-Turms nutzen könne. Der Waldbesitzer rief daraufhin beim Rathauschef an - der wiederum fiel aus allen Wolken. Gestern nun stand der Bürgermeister in Turnschuhen, Jeans und dunkler Lodenjacke im Matsch und musste zuschauen, wie sein vermeintlicher Aussichtsturm nach und nach abmontiert wird.

"Wir hätten ihn gekauft"

"Es ist wirklich sehr schade. Ich bedauere das wirklich, dass keiner mit mir gesprochen hat. Wir hätten den Turm doch gekauft." Seit über einem Jahr habe er bereits mit verschiedenen Stellen - unter anderem dem einstigen Bundesvermögensamt - verhandelt. Einzig ein Hindernis habe es noch gegeben: "Man hätte die Statik prüfen müssen." Seit Sonntag hat Gleich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Abbruch in letzter Minute zu verhindern. Beim vormaligen Bundesvermögensamt habe man ihm weder in München, Augsburg noch in Nürnberg weiterhelfen können. Bonstettens zweite Bürgermeisterin Ursula Puschak habe auf Englisch mit einem Vertreter der US-Streitkräfte verhandelt. "Aber wir haben niemand erreicht, der zuständig wäre."

Ob der Leiter der Baustelle Ami-Turm weiterhelfen kann? Ralf Eisenhauer kommt vom Frankfurter Unternehmen Wayss & Freytag Ingenieurbau. Er habe seinen Auftrag von der amerikanischen Armee erhalten, sein Ansprechpartner sei ein gewisser Thomas Tesmer: "Ich werde von den Amis bezahlt. Deshalb gehe ich davon aus, dass denen der Turm gehört."

Bis gestern Abend haben er und seine fünf Arbeiter bereits ganze Arbeit geleistet - vom Turm stand nur noch die Hälfte. Rund 40 Tonnen, so schätzt Eisenhauer, wiegt das Stahlgerüst insgesamt. Bis Freitag werde davon nichts mehr zu sehen sein, nächste Woche solle das Fundament abgerissen werden. Der Stahl wird laut Eisenhauer weiter verwendet: "Daraus macht man neue Brücken, Maschinen - oder einen neuen Turm."

Eisenhauers Ansprechpartner bei der amerikanischen Armee, Thomas Tesmer, wollte gestern mit der AZ Augsburger Land nicht über den Ami-Turm sprechen.


Artikel vom: 14.02.2007 00:00


Weiss jemand, ob von diesem Turm auch AFN-Radio (100,4 - später 100,0 Mhz - jetzt DLR Kultur) abgestrahlt wurde?


Zitat

Augsburger Allgemeine vom 09.01.2007:

Vom "Ami-Turm" ins Gebirge schauen - Aussichtsplattform soll Geo-Lehrpfad krönen

Vom ausrangierten "Ami-Turm" einen Blick über das Voralpenland bis hin zu den Bergen genießen - dies könnte bei Bonstetten Realität werden. Höhepunkt eines geologischen Landschaftslehrpfades soll eine Aussichtsplattform in etwa 35 Meter Höhe werden. Noch ist der Turm, der inzwischen völlig nackt in der Landschaft steht, nicht im Besitz der Gemeinde, doch die Gespräche laufen, so Bürgermeister Anton Gleich gegenüber der AZ Augsburger Land.

Welch große Pläne die Gemeinde hat, darüber berichtete der Rathauschef beim Neujahrsempfang. Der Bau des geologischen Landschaftslehrpfades stelle eine große Herausforderung dar, wobei ein Aussichtsturm auf dem "Stauffersberg" der Höhepunkt schlechthin werden sollte. "Aber keine Angst, wir bauen nicht noch einen dritten Trum", beschwichtigte Gleich. Stattdessen soll der so genannte "Ami-Turm" erworben werden.

Dieser liegt etwas unterhalb des 163 Meter hohen Fernsehturmes auf dem "Stauffersberg", der mit 575 Meter als der höchste Punkt in Mittelschwaben gilt. Im 19. Jahrhundert stand dort ein 26 Meter hohes Holzgerüst, von dem diverse Festpunkte, meist Kirchtürme, angepeilt und mittels Winkelberechnung die Entfernung festgestellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannten die Amerikaner sofort die strategisch hervorragende Lage und ersetzten den alten Vermessungsturm durch das Stahlgerüst einer modernen Radaranlage.

Hilfreich in Zeiten des "Kalten Krieges", inzwischen von der modernen Technik überrollt. Und deshalb wurden vor Kurzem auch noch die letzten vier Richtfunkantennen abgebaut.

Gleich kennt von seinem Beruf her - und aus der Sicht des Fernsehturmes - den Bereich aus der Vogelperspektive. "Um zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können", nahm er Kontakt mit den Amerikanern auf. Die Gemeinde Bonstetten wollte dort oben einen Brunnen bohren und bräuchte das 3000 bis 4000 Quadratmeter große Areal auch fürs Schutzgebiet 1. Dass dort allerdings unter anderem ein Dieseltank stand, sei dem Vorhaben nicht gerade dienlich.

Der Wind hat sich gedreht

Vor knapp einem Jahr habe es noch geheißen, der Turm stehe nicht zur Disposition. Doch der Wind hat sich gedreht. Nach Gesprächen in Augsburg, Nürnberg und Stuttgart mit dem einstigen Bundesvermögensamt hält Gleich es für möglich, Gelände samt Turm erwerben zu können. Über den Preis sei aber noch nicht gesprochen worden. Geplant sei, den etwa 75 Meter hohen Masten um etwa 30, 40 Meter abzutragen - was sicher auch viel Geld kosten werde -, um dann auf einer Höhe von 35 Meter eine Aussichtsplattform errichten zu können. "Von dort hat man dann einen herrlichen Ausblick über die Baumwipfel hinweg weit hinein ins Alpenvorland - bei Föhn ganz fantastisch" schwärmt Bürgermeister Gleich. Seite 8, Tagesgespräch


Artikel vom: 09.01.2007 00:00

Antworten:

Ich kannte diesen Aussichtsturm auch. Sehr schade, dass er abgebaut wird :-(

von Bengelbenny - am 14.02.2007 20:40
tja so schnell gehts
http://forum.mysnip.de/read.php?8773,417480,417771#msg-417771

von AFNBEKENNER - am 14.02.2007 20:43
Schade, ich kenne die Gegend und ein Aussichtsturm wäre eine tolle Sache gewesen. Man hätte sich besser gleich an die US-Streitkräfte gewendet, dem Bundesvermögensamt gehört ja "nur" das Grundstück.

Der Ami-Turm bei Hohenstadt auf der Alb steht ja auch nur noch, weil Vodafone ihn übernommen hat.

von RGB - am 14.02.2007 22:56
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