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Terranus, Kay B, Bolivar diGriz, Kranitz, WiehengeBIERge, Alqaszar, delfi, Sebastian Dohrmann, 88,7 MHz

Stichtag: 12.09.1952 - TV-Sender Langenberg geht in Betrieb

Startbeitrag von Sebastian Dohrmann am 12.09.2007 11:53

Heute vor 55 Jahren ging der Fernsehsender Langenberg auf dem Hordtberg in Betrieb.
Bei WDR 2 und WDR.de gibt es dazu heute den Stichtag:

http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2007/09/12.jhtml

Podcast WDR 2 Stichtag: http://medien.wdr.de/m/1189415879/radio/stichtag/WDR2_Stichtag_20070912_1230.mp3

Antworten:

ja, war einer der ersten Fernsehsender in Europa. In kontinental-Europa dürfte es der dritte oder vierte gewesen sein.

von Terranus - am 12.09.2007 12:57
In Kontinental Europa gab es doch schon den Fernsehsender Paul Nipkow bei Berlin mit regelmäßigem Programmdienst. Außerdem müsste auch schon vor dem Krieg der Sender auf dem Großen Feldberg in Dienst gegangen sein, ich habe hier ein Buch aus der zeit, wo steht, welche Sender in Deutschland schon vor dem Krieg in Betrieb waren. In Paris und Rom waren ebenfalls schon Fernsehsender vor dem Krieg in Betrieb, in Paris sogar während des Krieges. In den Niederlanden endeten die Sendungen 1939 mit dem Einmarsch der Deutschen, allerdins sendete man dort (als einziges Land wahrscheinlich) noch in der britischen Norm nach Baird mit 30 Zeilen. In Moskau und Leningrad wurde auch schon vor dem Krieg ferngesehen. Also Nr. 3 oder 4 bei weitem nicht. Im UK wurde zu dieser Zeit auch das Sendernetz ausgebaut, in London stand sogar die Ablösung von Alexander Palace durch Chrystal Palace an.

Aber Langenberg ist in Deutschland ein Senior, und wahrscheinlich der älteste analoge Fernsehsender, der noch in Betrieb ist.

von Bolivar diGriz - am 12.09.2007 13:07
@ Erwin Lindemann

Ich glaube TerranusI bezog sich dabei auf die CCIR-Norm. Bezieht man die Vorkriegssendungen mit ein, dann hast du natürlich recht.

Welche Städte waren damals eigentlich das Zielgebiet des TV-Senders Langenberg? War der schon für Köln zuständig oder war dort erst vernünftiger TV-Empfang nach Inbetriebname des E11 möglich?


von Kay B - am 12.09.2007 14:40
Mir gings natürlich um die Situation nach dem Krieg, weil alles was vorher war eher unter experimentell abgeheftet werden kann auch wenn es offiziell schon Regelbetrieb war.

von Terranus - am 12.09.2007 14:46
@ TerranusI

Zitat

Mir gings natürlich um die Situation nach dem Krieg, weil alles was vorher war eher unter experimentell abgeheftet werden kann auch wenn es offiziell schon Regelbetrieb war.


Aus heutiger Sicht stimmt das. Hätte dieser kleine Mann mit dem markanten Oberlippenbart damals seinen wahnsinnigen Krieg gewonnen, hätten wir wahrscheinlich in Europa ein 441-Zeilen-Fernsehen.


von Kay B - am 12.09.2007 15:17
Soweit mir bekannt, ist man auf dem Feldberg vor dem Krieg nicht mehr über Versuchssendungen mit einem fahrbaren Sender hinausgekommen.

von delfi - am 12.09.2007 15:27
Bis 1939 hat man doch alle paar Wochen das System gewechselt. Es ging mit eben 30 Zeilen los und am Ende waren es in Deutschland 441 Zeilen, und England 405 Zeilen.
Daher konnte sich noch kein Massenmarkt entwickeln.
Anders in England: die BBC legte sich schon 1937 auf 405 Zeilen fest und so hatte man bereits 1939 über 20.000 registrierte Teilnehmer. Mit Kriegsbeginn stellte man dann Betrieb ein weil man Angst hatte das Signal könnte als Peilsignal missbraucht werden.

Die Deutschen sendeten noch weiter während des Krieges - aber halt nur für "Fernsehstuben" und sowas.

Bereits 1946 nahm die BBC den Regelbetrieb wieder auf - sehr viel früher als die Deutschen oder Franzosen, naja irgendwie nachvollziehbar.
Wichtig dabei war die Entscheidung der BBC, weiter mit 405 Zeilen zu senden, mit der Begründung, es wären ja schon über 30.000 Geräte in Gebrauch, man wollte keinen Neukauf zumuten. Später sollte die BBC das bitter bereuen...
1949 ging der zweite Sender neben London in Betrieb - Birmingham. Danach folgte Holme Moss 1951. Alles im Band I mit 405 Zeilen.

Erst 1964 ging der erste 625 Zeilen Sender auf UHF in Großbritannien auf Sendung mit dem Start von BBC 2. Bis Ende 1969 sendeten BBC1 und ITV weiterhin nur in 405Zeilen. Das hatte vorallem den Grund dass man endlich auch in Farbe senden wollte - das ging nämlich mit 405Zeilen nicht.
Außerdem musste man bis 1984 parallel auf VHF in 405 Zeilen und auf UHF mit 625 Zeilen senden ... wie gesagt man bereute die Entscheidung 1946 bitter.

von Terranus - am 12.09.2007 17:13
Zitat

War der schon für Köln zuständig oder war dort erst vernünftiger TV-Empfang nach Inbetriebname des E11 möglich?


Aus dem Gedächnis ( Ein Buch, nicht miterlebt ) 1956 war Langenberg und Teutoburger-Wald im Betrieb-Köln ist erst 1964 dazu gekommen...Hochhaus am Hansaring.

von 88,7 MHz - am 12.09.2007 17:23
Bonn ging auch schon 1952 auf Sendung !
Beim dt. TV Start Weihnachten 1952 gab es folgende Sender: Hamburg K9, Hannover K8, Berlin K7, Langenberg K9, Bonn K5. Sonst nix. Dann kam Köln, und danach gleich der Feldberg im Mai 1953.

von Terranus - am 12.09.2007 17:26
So wie ich das sehe, musste Langenberg den gesamten westlichen Teil NRWs versorgen -- einen anderen Sender gab es gar nicht. Wer also in Aachen oder, Köln oder Kleve Fernsehen wollte, musste versuchen, das Langenberg-Signal aufzufangen. Bonn hatte meines Wissens nur ein schwaches Signal und reichte nicht bis nach Köln.

Oder man kaufte sich ein 405-Zeilen-Gerät und wartete auf Tropo aus England...




von Alqaszar - am 12.09.2007 18:45
Da Langenberg ja der einzige verbliebene analoge Sender hier in der Gegend auf VHF III ist, kann man ja wieder die Empfangssituation von damals rekonstruieren. Langenberg reicht schon verdammt weit, in Kleve ist durchaus Empfang möglich, allerdings aufgrund der Hügel im Norden der Stadt nicht überall und nicht sehr stark. Der Füllsender Kleve dürfte auch erst sehr viel später in Betrieb gegangen sein, auf jeden Fall nach 1961.

von Bolivar diGriz - am 13.09.2007 06:02
Ach ja: Paris sendete durchgängig auch nach Kriegsende, zuerst in 441 Zeilen, später mit 819 Zeilen. Ohne den kleinen Mann mit Bart und ohne den Krieg hätten wir wahrscheinlich 441 Zeilen, möglicherweise bis heute gehabt. Auch in den USA waren 441 Zeilen üblich, die Norm mit 525 entstand dort während des Krieges. Frankreich hatte 453 Zeilen, und wurde erst im Krieg mit "schlagkräftigen Argumenten" auf 441 Zeilen gebracht. Da die Empfänger beide Normen verknusen konnten, ist man nach dem Krieg zunächst bei 441 geblieben. Übrigens konnten auch die englischen Empfänger leicht das deutsche Signal verarbeiten, während des Krieges wurde in Dover der Sender Paris empfangen, die Meldungen über Bombentreffer waren sehr beliebt um die Effizienz der Luftwaffe zu überprüfen.

von Bolivar diGriz - am 13.09.2007 06:09
Der Sender paris reichte bis Dover ??

von Terranus - am 13.09.2007 09:11
In irgendeinem Buch gab es sogar mal Fotos, welche in Dover aufgenommen wurden. Leider weiß ich nicht mehr wo. Luftlinie sind es etwa 300 km, wobei Eastborne oder Hastings näher an Paris liegt, vielleicht war es ja ein Irrtum. Aber möglicherweise kommen die schmalbandigen 441 Zeilen Signale weiter. Im englischen vintage-radio Forum war dazu mal eine interessante Diskussion über den Empfang von britischem Fernsehen auf der Insel Jersey in den 50ern und dem Sender aus der Gegen von Cardiff (ich komme gerade nicht auf den Namen) in Land's End. Aber offensichtlich hatten die Nazis auch nicht erwartet, dass der Sender Paris so weit reichen könnte, sonst hätte man sich mit den brisanten Informationen etwas zurück gehalten.

von Bolivar diGriz - am 13.09.2007 11:44
@ TerranusI

Zitat

Das hatte vorallem den Grund dass man endlich auch in Farbe senden wollte - das ging nämlich mit 405Zeilen nicht.


Doch, dafür wurde extra NTSC-A entwickelt. Also NTSC auf das 405-Zeilensystem abgestimmt.

http://www.sptv.demon.co.uk/405colour/
http://freespace.virgin.net/brian.beer/pyentsc.htm

Soweit ich weiß wollte man auch für die Norm I (also 625 Zeilen) erst NTSC in England verwenden. Jedenfalls wurde NTSC auch für die 625-Zeilen-Norm angepaßt - NTSC B, G, I, H...


Zitat

Beim dt. TV Start Weihnachten 1952 gab es folgende Sender: Hamburg K9, Hannover K8, Berlin K7, Langenberg K9, Bonn K5. Sonst nix. Dann kam Köln, und danach gleich der Feldberg im Mai 1953.


Würde mich mal interessieren, von wo man in Berlin aus gesendet hat. Der Mast am Scholzplatz wurde ja erst zur Zeit des Mauerbaus errichtet. Das DDR-Fernsehen auf E05 kam aus Köpenick (soweit ich weiß steht einer der beiden Maste jetzt in Wachenbrunn für MDR-Info, der andere in Köpenick wurde ja abgerissen). Wurde die ARD auf E07 damals vielleicht vom Funkturm ausgestrahlt?


Zitat

Der Sender paris reichte bis Dover ??


Gut möglich, wenn das - wie oben beschrieben - 300 km Luftlinie sind. Der Äther war damals noch frei.

Der erste TV-Umsetzer Deutschlands, den LOEWE in Kronach erbaute, nutzte als Signalzuführung den 210 km entfernten Großen Feldberg im Taunus.

http://www.radiomuseum-bocket.de/museum/deutsch/die-pioniere.php


von Kay B - am 13.09.2007 18:26
@Kay:

Zitat: Wurde die ARD auf E07 damals vielleicht vom Funkturm ausgestrahlt?

Ich denke, das war so, siehe Wiki:

- 1. Oktober 1951: Wiederaufnahme des durch Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit unterbrochenen Fernsehsendebetriebes am Berliner Funkturm.
- 15. Mai 1963: Nach Fertigstellung des Sendemasten am Berliner Scholzplatz wird die reguläre Aussendung von Fernseh- und Rundfunkprogrammen vom Funkturm fast vollständig eingestellt.

von Kranitz - am 13.09.2007 18:43
Zitat
alqaszar
So wie ich das sehe, musste Langenberg den gesamten westlichen Teil NRWs versorgen -- einen anderen Sender gab es gar nicht. Wer also in Aachen oder, Köln oder Kleve Fernsehen wollte, musste versuchen, das Langenberg-Signal aufzufangen. Bonn hatte meines Wissens nur ein schwaches Signal und reichte nicht bis nach Köln.

Oder man kaufte sich ein 405-Zeilen-Gerät und wartete auf Tropo aus England...




QTH: Viersen (NRW) / 51° 15' Nord / 6° 23' Ost

C'est bon, c'est belge!

Irgendwo habe ich mal gelesen (oder man hat es mir erzählt), dass der Longinusturm bei Nottuln (ganz in der Nähe des heutigen WDR-Senders "Münster") auch mal TV Sender war, und zwar ebenfalls einer der ersten in Deutschland.
Leider habe ích keine Quellen dazu, und 100%ig Sicher bin ich mir leider auch nicht mehr...

von WiehengeBIERge - am 13.09.2007 18:46
@ Guido Helbig

Also lag ich mit meiner Vermutung richtig. An der Spitze war ja auch mal 'ne Schmetterlingsantenne. Die war wahrscheinlich für UKW.


von Kay B - am 13.09.2007 20:11
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