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Wie sieht eine Mittelwelle Antenne aus?

Startbeitrag von Spacelab am 10.03.2008 18:42

Hallo!

Ich frage mich gerade wie eine Sendeantenne für Mittelwelle aussieht. Ich meine jetzt nicht die riesigen Masten die zu den zig kW Sendern gehören, sondern Sendeantennen für kleine MW Sender mit nur wenigen Watt. In England ist das doch sehr beliebt kleine Radiosender mit nur wenigen Watt über Mittelwelle zu schicken. Wie sehen denn die Antennen von denen aus?

Antworten:

Gleich wie eine UKW-Antenne, nur sind alle Abmessungen etwa 100mal grösser. Da dies nicht machbar ist, sind die meisten MW-Antennen rudimentäre Formen eines Halbwellendipols, ausser etwa als Halbwellendipol wirksame selbststrahlende Antennentürme mit einer Höhe von der halben Wellenlänge bei Sendern. Die "magnetischen Antennen" (Ferritantennen) lasse ich hier mal ausser Acht.

Bescheidenere Sendeantennen werden als Wellenlänge-Viertel-Türme betrieben mit einem Erdnetz als "Gegenpol" (Groundplane).

Empfangsantennen sind in Form von etwa 20 Meter langen Drähten (oder 5 m langen Antennenruten) sehr stark gekürzte Viertelwellen-Strahler.

von audion - am 10.03.2008 18:52
Also bestehen auch Low-Power Mittelwellensender aus Sendemasten. Nur sind diese etwas kleiner als die riesen Masten einer 600kW Anlage.

von Spacelab - am 10.03.2008 20:04
Zitat

Also bestehen auch Low-Power Mittelwellensender aus Sendemasten. Nur sind diese etwas kleiner als die riesen Masten einer 600kW Anlage.


Ja, diese werden dann mit Verlängerungsspulen (Abstimmnetzwerke) in Resonanz gebracht, was aber den Wirkungsgrad sehr deutlich verschlechtert.

von audion - am 10.03.2008 21:01
mögliche Formen

- selbstrahlende Sendeantenne mit halber oder einem Viertel Wellenlänge
- Reusenantenne an einem Trägermast
- einfach irgendwo gespannter Draht
- Kreuzdipol auf mehreren Trägermasten

Schöne Übersicht von verschiedenen Bauformen: http://www.waniewski.de/

von Kroes - am 10.03.2008 21:09
Mal als Beispiel.

1116kHz, 1kW, Valleys Radio, Ebbw Vale: http://maps.google.de/maps?hl=de&ie=UTF8&ll=51.77175,-3.218578&spn=0.000775,0.002682&t=h&z=19

Leider wird die Frequenz mehrmals für Lokalfunzeln in GB benutzt, ich konnte den Sender aber hier schon mit dem DE1103 empfangen.


von Marc_RE - am 10.03.2008 22:33
Zitat

Also bestehen auch Low-Power Mittelwellensender aus Sendemasten.

Nicht unbedingt. Bei Sendern sehr geringer Leistung ist es oft nur ein gespannter Draht, der über entsprechende Spulen auf die Wellenlänge abestimmt wird. Ich weiß nicht, wie viel der Sendeenergie dabei verloren geht, aber bei 100 Watt sind 10% vernachlässigbar, bei 1000 kW würde das ganz schön heizen.

Ich habe bei meinen USA-Aufenthalten z.B. schon etliche Male nach einem der 10Watt-Sender des "Travellers Information Service" gesucht und bisher noch keinen gefunden. Deren Antennen dürfen nicht höher als 15 m sein. Ich vermute, dass man zumeist nur einfache unauffällige Drähte benutzt.


37 m hoch ist dieser Sendemast der 1 kW-Lokalstation WMYN (nachts nur mit 70 Watt) auf 1420 kHz. Idealerweise müsste der Mast etwa 0,55 der Wellenlänge hoch sein, also 116 m. Zum Ausgleich der Fehlanpassung gibt es oben zwei seltsame Ringe, die offenbar als Dachkapazität zur elektrischen Verlängerung der Antenne dienen. Diese Bauform sieht man in den USA bei den meisten kleinen AM-Sendern.


Grundsätzlich auch auf MW anwendbar ist eine Antenne mit Dachkapazität über die Abspannseile, wie man sie bei den ungerichteten Funkfeuern für die Luftfahrt findet (hier "SBG" 382 kHz mit 50 Watt). Dabei sind die Abspannseile direkt mit der Mastspitze verbunden und somit Teil des strahlenden Teils. Die Masthöhe dürfte hier etwa 25 m betragen.

von Wasat - am 10.03.2008 22:50
Wasat, du begeisterst mich immer wieder aufs neue mit deinen wunderbaren Senderfotos. Das musste einfach mal gesagt werden :spos:

Gruß,

Wolfgang

von Wolfgang R - am 10.03.2008 23:03
Wasat, bist du dir sicher dass

"zwei seltsame Ringe, die offenbar als Dachkapazität zur elektrischen Verlängerung der Antenne dienen."

wirklich als Dachkapazität gedacht sind ? Für mich erscheinen diese Ringe eher wie
eine zweifach gestockte mischpolarisierte UKW-Sendeantenne. Diese sind nämlich
aus Gründen der Speisung stets seitlich am Tragemast angebracht -
eine Dachkapazität ist aus mechanischen Gründen
(Symmetrie, einfachere Befestigung) so gut wie immer mittig am Mast montiert.
Bitte vergleiche doch mal mit folgendem Bild:

http://www.well.com/user/dmsml/hh/towers_closeup_1104.jpg

auf welchem verschiedene Formen dieser UKW-Sendeantennen abgebildet sind.
Das Bild gehört zur Seite

http://www.well.com/user/dmsml/hh/index.html

auf welcher weitere UKW-Sendeantennen und Sendetechnik zu sehen sind.

Viel Spass am Gerät

wünscht Appelsientje



von appelsientje - am 11.03.2008 07:04
Bei kleineren Leistungen wird oft einfach nur ein Draht an einen vorhandenen Mast angehängt.
Beispiel: Der DRM-Sender auf dem Schäferberg in Berlin



von drm-dxer - am 11.03.2008 07:32
Da wären noch die ISOTRON Antennen:

http://www.isotronantennas.com/ambroad1.htm

Für die relativ kleinen Abmessungen dieses Antennentyps hat sie verdammt gute Leistungen.

73s radiator

@Wasat: Da steht auch in der Beschreibung was von Highway Information..

von radiator - am 11.03.2008 10:00
Ja, das sind witzige Teile. Ein Erfahrungsbericht wäre mal wirklich interessant.

von drm-dxer - am 11.03.2008 10:05
Zitat
Manager.
Beispiel SWR-Sender Kaiserslautern


@ Manager : ist das das Ding, welches man in / hinter KL-Ost von der A6 aus sieht ?

---> http://s4.directupload.net/file/d/1363/xpy2ld46_jpg.htm

---> http://s5.directupload.net/file/d/1363/vojn53ja_jpg.htm

---> http://s1.directupload.net/file/d/1363/7fizznwz_jpg.htm

---> http://s5.directupload.net/file/d/1363/ccl5wmdy_jpg.htm
[/quote]

von RealRock - am 11.03.2008 10:11
drm-dxer
Zitat

Bei kleineren Leistungen wird oft einfach nur ein Draht an einen vorhandenen Mast angehängt.
Beispiel: Der DRM-Sender auf dem Schäferberg in Berlin


Ja, das ist darum, weil der bestehende Mast geerdet ist und daher für diesen Zweck nicht verwendbar. Der vertikale Teil des "Drahtes" ist die Antenne mit einer kleinen (horizontalen) Dachkapazität bis zu den beiden Isolatoren. Der Rest dient der Aufhängung und zu einem nötigen Abstand vom geerdeten Mast. Es muss aber offensichtlich noch ein zweiter Aufhängepunkt vorhanden sein.

von audion - am 11.03.2008 10:18
Der zweite Aufhängepunkt ist am Betonturm auf dem Schäferberg.

von drm-dxer - am 11.03.2008 10:29
@ RealRock:
Ja, der steht direkt neben der A6. Früher war dort noch ein Parkplatz "Am Funksender".

von Manager. - am 11.03.2008 11:45
@ Wasat

Ich habe mir deine Seiten über Sendemasten in den USA auch schon reingezogen. Auch mal ein Lob dazu meinerseits. Bei dem Mast von WMYN sehen mir die zwei Ringe an der Mastspitze auch eher nach UKW-Antennen aus. Kommt von dem Standort nicht doch was auf UKW? Oder vielleicht sind das Dipole für Funkdienste im 2-Meter-Band.

Dachkapazität sollte bei 37 Metern Höhe nicht unbedingt nötig sein. Das zeigen ja die vielen AFN-Sender auf 1107, 1143 und 1485 kHz die meist auch nur 40 Meter hoch sind.


von Kay B - am 11.03.2008 14:45
Hier mal ein Beispiel für einen sehr kurz gehaltenen MW-Füllsender in England.

Dieser Sender in Lydd dürfte nicht höher als 15 Meter sein und überträgt Talk Sport auf 1107 sowie Virgin Radio auf 1260 kHz.

Die hohe Anzahl der Abspannseile dient vermutlich als Dachkapazität.



Quelle und weitere Bilder: http://tx.mb21.co.uk/gallery/lydd.php


von Kay B - am 11.03.2008 14:52
Mal ganz blöd gefragt: was ist denn eine "Dachkapazität"?

von Spacelab - am 11.03.2008 15:49
Eine Dachkapazität ist eine elektrische (und auch mechanische) Verlängerung des Sendemastes ohne diesen in seiner Höhe zu verändern.

Das kann z.B. so aussehen:



Sender Hirschlanden

Quelle: ich bzw. http://www.ukwtv.de/radio/frame_senderfotos.htm


von Kay B - am 11.03.2008 15:55
Hier mal die örtliche Langwellenfunzel (468 kHz):



von drm-dxer - am 11.03.2008 16:34
@appelsientje
Zitat

Bitte vergleiche doch mal mit folgendem Bild:
http://www.well.com/user/dmsml/hh/towers_closeup_1104.jpg
auf welchem verschiedene Formen dieser UKW-Sendeantennen abgebildet sind.

Das sieht von unten wie Ringe aus, doch es handelt sich dabei um 90° versetzt angeordnete Hakendipole, welche eine annähernde Rundumabstrahlung in gemischter Polarisation erlauben.

Von der Seite sehen diese Antennen so aus:


@Kay B
Zitat

Bei dem Mast von WMYN sehen mir die zwei Ringe an der Mastspitze auch eher nach UKW-Antennen aus.

Es handelt sich aber um geschlossene Ringe mit einem Durchmesser von unter einem Meter. Für UKW-Rundfunk sind sie daher nicht. Möglich wäre aber Mobilfunk auf etwa 200 MHz.

Zitat

Dachkapazität sollte bei 37 Metern Höhe nicht unbedingt nötig sein.

Notwendig nicht, aber man hat dann eine sehr steile Abstrahlung mit Nebenkeulen, welche die Energie sinnlos verpulvern.

von Wasat - am 11.03.2008 17:44
Dachkapazität:

Ist das nicht ein Widerspruch das Kapazität den Strahler verlängert? Wenn man einen Strahler verlängern möchte braucht mann doch eine Induktivität?! (Verlängerungsspule ..)
Die Dachkapazität macht einen Strahler sehr breitbandig, bei gleichzeitiger Verringerung des Wirkungsgrades...
L Verlängert und C verkürzt würd ich mal sagen ...
Eine Dachkap ist nur dazu da um den elektrisch zu kurzen Strahler für die gewünschte Frequenz resonant zu machen, nicht aber um ihn elektrisch zu verlängern.

Ein extremes Beispiel dafür ist/war die "Sternantenne" aus dem 2. Weltkrieg. bei 1,8m Länge wurde sie für Mittelwellensprechfunk auf 200 bis 400m Wellenlänge verwendet.

radiator

von radiator - am 11.03.2008 22:38
Kapazität im Fusspunkt verkürzt, Dach-Kapazität verlängert

von Werner53 - am 12.03.2008 13:04
Zitat

Eine Dachkap ist nur dazu da um den elektrisch zu kurzen Strahler für die gewünschte Frequenz resonant zu machen, nicht aber um ihn elektrisch zu verlängern.

Wenn man die Resonanz einer Antenne so verändert, dass sie in ihren elektrischen Eigenschaften einer baulich längeren Antenne entspricht, so würde ich das salopp als "elektrisch verlängert" bezeichnet.

von Wasat - am 12.03.2008 17:28
@ Wasat

Zitat

Das sieht von unten wie Ringe aus, doch es handelt sich dabei um 90° versetzt angeordnete Hakendipole, welche eine annähernde Rundumabstrahlung in gemischter Polarisation erlauben.
(...)
Es handelt sich aber um geschlossene Ringe mit einem Durchmesser von unter einem Meter. Für UKW-Rundfunk sind sie daher nicht. Möglich wäre aber Mobilfunk auf etwa 200 MHz.


Bei den meisten UKW-Antennen in den USA verwendet man wohl diese Hakendipole. Aber Ringdipole wären auch möglich. Die alte Antenne von AFN in Erp / Volkel sah so aus:



Betrachtet man die Antennen mal aus der Nähe und die Person darunter als Referenz für die Größe, sieht man, daß diese auch einen Durchmesser von deutlich unter einem Meter haben. Die "Lücke" im Ringdipol dürfte auch nicht größer als 10 cm und damit von unten schwer erkennbar sein.



Bilderquellen:
http://www.radio.nl/fmtv
http://www.wiredawg.net/photo-365.html


von Kay B - am 13.03.2008 13:48
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