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vor 9 Jahren, 11 Monaten
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vor 9 Jahren, 11 Monaten
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PowerAM, Erich Hoinicke, Bengelbenny, Hagbard Celine, Habakukk

Testbericht und Modifikation Sangean 305-A

Startbeitrag von PowerAM am 30.07.2008 10:24

Heute kam ein Sangean 305 (Version-A, Europa: CCIR-Ausfuehrung) auf meinen Tisch. Gebraucht, optisch sehr gut erhalten und mit originaler Tasche. Von der Groesse her mit einem Degen 1103 oder Eton E5 vergleichbar - nur ca. 5 mm dicker. Rund 460 g bringt der 305 betriebsbereit auf die Waage, mein E5 ist ca. 20 g leichter.

Im Werkszustand zeigt sich der Sangean 305 fuer ein solch kleines Geraet recht klangstark und bietet Stereoempfang am Kopfhoererausgang. Zuden hat er einen RDS-Dekoder, der aber ausser RDS-PS und CT (zum Synchronisieren der internen Uhr) keine weiteren Sachen anzeigt. Im Vergleich zum 909 ist das RDS blitzschnell und deutlich fehlersicherer. Ortssender zeigt der 305 binnen weniger als 1 Sekunde an. Wenn die Trennschaerfe reicht (also die Frequenz recht frei ist), dann ist auch ein leicht rauschendes Signal kein Hindernis. Lediglich bei hoerbaren Ueberschlaegen von Nachbarsender hat es sich mit dem RDS. Leicht rauschend kam beispielsweise Antenne MV vom Helpterberg. 400 kHz drunter und drueber frei: RDS nach 2 Sekunden da. Schaltet man gleich auf Mono, dann geht es sogar noch schneller.

Mit der serienmaessigen Trennschaerfe ist das Geraet aber fast nicht brauchbar. Etwa 300 kHz "Luft" mussten zu Ortssendern schon sein, was bei einigen lokalen Funzelbelegungen schon problematisch sein duerfte. Der 305 verlangt also praktisch nach besserer Trennschaerfe! Im Werkszustand wuerde ich ihn als nicht mehr zeitgemaess bezeichnen.

Wer einen 909 schadfrei zerlegt bekommt, der kriegt auch den 305 spurlos auf. Ein Bench KH2027 oder 2028 ist zwar schneller zerlegt, aber der 305 laesst sich leicht in 3 Teile zerlegen. Nach dem Spalten beider Gehaeuseschalen kann man die Rueckwand mit der Antenne beiseite legen. Die Antenne erhaelt durch eine Blechfeder Kontakt zur Hauptplatine. Das Innenleben des Empfaengers laesst sich mit etwas Fummelei aus der Vorderschale entnehmen. Aus dem Chassis kann man danach die Display- und Tastaturplatine ohne weitere Probleme entnehmen.

Bei der Analyse der Empfaengerplatine fiel mir nur ein konventioneller dreibeiniger Keramikfilter auf: "E10.7A" mit zwei roten Punkten (links und mittig). Abseits gibt es einen Zweibeiner: "E10.7G". Neben dem Dreibeiner sitzt ein Spulenfilter, den ich zum Schluss etwas nachglich.

Beim Ausbau des dreibeinigen Keramikfilters muss man wieder sehr vorsichtig sein, denn zwischen zwei seiner Beinchen sitzt ein SMD-Widerstand als kleine Herausforderung. Ich habe ihn mit einer grossen Schraubendreherklinge etwas gekuehlt und mich beim Ausloeten mit der Entloetpumpe beeilt. Der 305 vertraegt ohne Murren auch einen Stecksockel. Jedenfalls ist mir nichts nachteiliges aufgefallen.

Will man danach ausprobieren, welche Filterbestueckung gut ist, dann steht man vor einem Problem: Die Antenne ist an der Rueckwand! Will man sie verwenden, so muss das Geraet zusammengebaut werden. Ich hab' daher zum Probieren einfach 1 m Draht direkt auf die Platine geloetet und damit probiert.

Nun ja, der Austausch dieses einen Filters bringt natuerlich nicht die riesige Wirkung, die man bei Geraeten mit zwei gleichartigen Filtern erzielen kann. Ein Bench mit zwei 110ern ist trennschaerfer als der 305 mit einem 80er.

Doch nochmal zum Ausprobieren: Zunaechst nahm ich einen 150er, der keinerlei Unterschied zum Serienzustand brachte. Ein 110er ging so langsam, Trennschaerfe dann ausreichend, um 200 kHz neben einem Ortssender was anderes hoeren zu koennen. Es gab aber noch hoerbare Ueberschlaege und daher keine RDS-Anzeige trotz starkem Signal. Es steckt jetzt also ein 80er drin, der meine "Referenzsender" NDR 2 von Roebel 200 kHz ueber Radio Teddy aus Berlin sowie die Ostseewelle vom Helpterberg 200 kHz unterhalb von RFI aus Berlin ueberschlagfrei hoerbar macht. Der RDS-Dekoder dankt ueberschlagfreien Empfang bei beiden Sendern mit RDS-PS binnen 1 bis 2 Sekunden.

Damit die Ergonomen wieder aufschreien koennen: Die eine serienmaessige gruene LED fuer die Displaybeleuchtung flog zugunsten einer unergonomischen aber totschicken blauen LED raus. "No business is like showbusiness..." ;)

Antworten:

Und wie schlägt er sich so im Vergleich zum 909 in Sachen Empfindlichkeit und Großsignalverhalten?

von Habakukk - am 30.07.2008 10:38
Anmerkungen noch zu Empfangsleistung und Eigenarten des 305:

Die Grosssignalfestigkeit ist deutlich besser als beim 909. Hier in der Wohnung habe ich keinerlei Probleme mit dem Berliner Fernsehturm (22 km) oder dem Sender Zehlendorf (3,5 km). Gehe ich aber mit dem 305 vor die Tuer oder halte ihn an der dem Fersehturm zugewandten Seite aus dem Fenster, dann macht er dicke Backen. Man hat noch immer einwandfreien Ortssenderempfang, auf freien Frequenzen dazwischen aber Mischprodukte aus mehreren Sendern. Das Anfassen der Teleskopantenne oder Einschieben von 1 bis 2 Elementen beendet den Spuk. Auf der Nordseite kann ich ihn problemlos aus dem Fenster halten, hier geht dann ploetzlich auch die 4 kW-Funzel von N-Joy aus Roebel (100 km) mit RDS. :eek:

Eine Eigenart ist, dass beim manuellen Abstimmen automatisch auf Stereo-Wiedergabe umgeschaltet wird. Bei leicht rauschendem Signal bringt aber das manuelle Umschalten auf Mono eine schnellere bzw. ueberhaupt erst eine RDS-Anzeige. Stimmt man wieder ab, so schaltet das Geraet aber ungefragt wieder auf Stereo. Das ist Unfug, laesst sich aber leider nicht abstellen.

Langwelle fehlt dem 305 leider, die Mittelwelle macht aber im ersten Schnelltest am Tag eine ganz gute Figur. Man kann zwischen 9 kHz-Raster und 10 kHz fuer Amerika umschalten. Die 648 kHz der BBC ist im Rauschen mitten am Tag im Sommer zu erahnen. Hier holt mir aber der E5 wenigstens ein ansatzweise verstaendliches Signal aus der Luft. Die Kurzwelle ist leider nur bandweise zwischen 49 und 16 m empfangbar. Schrittweite hier 5 kHz.

Fazit: Der 305 ist eher Reiseradio als Weltempfaenger. Modifiziert ist er auf UKW brauchbar - auch zum Empfang weiter entfernter Sender. Der RDS-Dekoder ist ein ganzes Ende besser als der des 909, auch die Grosssignalfestigkeit ist etwas besser. An einen modifizierten E5 oder 1103 kommt der kleine Sangean nicht heran. Allerdings kann der 305 einen empfangsstarken Reisebegleiter geben, der auch in fremden Gegenden dank RDS-Anzeige etwas Komfort bietet. Der Batterieverbrauch ist mit rund 75 mA bei geringer Lautstaerke und bis zu 120 mA bei gehobener Zimmerlautstaerke aber deutlich hoeher als bei den Bench-Geraeten oder bei meinem E5. Falls man daher ein externes Netzteil benutzen will sollte man auf den verpolten Hohlstecker (Minus innen, Plus aussen) achten! Allerdings ist mir mit meinem Billignetzteil die stark verrauschte Mittelwelle aufgefallen. UKW-Empfang ist aber nicht anders als mit Akkus.


Hat sich jemand schon mal umfangreicher mit dem 305 befasst? Was ist das fuer eine Filterloesung mit dem Zweibeiner? Kann bzw. sollte man da noch was machen?

von PowerAM - am 30.07.2008 11:01
Zitat

Hat sich jemand schon mal umfangreicher mit dem 305 befasst?

Ich hatte den mal für einen Kollegen, der hier glaube ich nicht mitliest, auf PI-Anzeige umgebaut, ist allerdings schon 3...4 Jahre her. Technisch war das ähnlich wie beim ATS909 lösbar, es gibt aber keine Aufzeichnungen.

Ich hatte die beiden damals, alle mit 110er Filtern bestückt, im jeweils im normalen RDS- und im PI-Betrieb gegeneinander starten lassen und kann deine Beobachtung "Der RDS-Dekoder ist ein ganzes Ende besser als der des 909" nicht bestätigen.

Der 305 war nicht RDS-empfindlicher als der 909. Ich hatte aber auch keine so großsignalverseuchte Umgebung vor Ort, die den 909 in Not hätte bringen können. Aber unbeabsichtigt hättest du in dem Punkt natürlich recht: der 305 zeigt das PI-Signal schneller an als der 909 das PS-Signal. Aber das sollte bekannt sein. ;)

von Erich Hoinicke - am 30.07.2008 11:29
@ Habakukk, Erich Hoinicke:

Der 305 steht gerade auf dem Fensterbrett an der Nordseite. Mit Tropo-Unterstuetzung probiert er sich am dyn. RDS von Radio Hamburg (103,60 MHz, 80 kW), kann aber leider nur Murks anzeigen. Audio ist bei Mono-Wiedergabe einwandfrei.

Selbst mein Blaupunkt Palm Beach kann an der 3-Element (indoor, gerade auf Hamburg ausgerichtet) nicht viel mehr ausrichten. Zwar ist der Empfang dort bei 46 dB rauschfrei (unterm Kopfhoerer rauscht es im 305 vernehmbar), aber das Sharx-Radio verzichtet lieber ganz auf die RDS-Anzeige. :(

Unter dem Strich uebertrifft der 305 (modifiziert) meine Erwartungen. Die mangelnde Grosssignalfaehigkeit und der zickige RDS-Dekoder waren die Gruende, weshalb ich meinen 909 im Winter verkauft hatte. Mein E5 ist mit den 53er Filtern nur Sportgeraet und den 305 will ich als kleines und tragbares Reiseradio nehmen, mit dem man beim Fruehstueck auch klanglich akzeptabel Radiohoeren kann. Ohne Zerren von zu schmalen Filtern! Dass sein RDS-Dekodierverhalten doch deutlich besser ist als erwartet stimmt mich froh. Ich hatte erwartet, dass er ueber das (in meinen Augen unzureichende) Niveau eines 909 nicht hinauskommt.

Aber, Erich, der eine Spur bessere Umgang mit HF-belasteter Umgebung scheint hier den Unterschied darzustellen. Da habe ich mit dem 305 doch weniger Probleme hier. Ich werde ihn heute mal zum Flughafen mitnehmen und dort auf der Dachterrasse meines Buerogebaeudes richtig in HF baden. Fein umgeben von Berliner Fernsehturm, Scholzplatz und dem leistungsstarken Boden- bzw. Luftradar des Flughafens, dass im 909 immer ein "Burrrrb"-Geraeusch erzeugte. Ich denke aber, da klappt er zusammen! Dem E5 geht es dort leider nicht besser. :( Aber soviel HF in der Luft scheint es wohl nur dort zu geben.


Erich, weisst Du noch, wie der PI-Chip an den Dekoder des 305 angeschlossen wurde? Koennte man ja mal probieren! Wo im Gehaeuse hattest Du ihn untergebracht?

von PowerAM - am 30.07.2008 11:31
@PowerAM: Ich kann deine Beobachtungen größtenteils bestätigen. Ich besitze selbst seit 4 Jahren einen auf 80 kHz modifizierten ATS 305 und bin mit ihm einigermaßen zufrieden, auch wenn man mit E5 & Co. beim DXen noch etwas mehr herausholen kann. Ich meine sogar festgestellt zu haben, dass die allgemeine Empfindlichkeit etwas unter dem ATS 909 liegt.

Lass dich aber bei der HF-Festigkeit nicht täuschen. Die Eingangsstufe ist zwar robuster als beim ATS 909, was das Großsignalverhalten angeht. Aber der Tuner ist praktisch ungeschirmt und somit sehr empfindlich gegenüber direkten elektromagnetischen Feldern. Wie ich bei der Modifikation des ATS 909 eines gewissen Herrn aus NWM gesehen habe, hat dieser wenigstens ein Blech vor der Tunerplatine, was ich beim ATS 305 manchmal schmerzlich vermisse.

DXen in der Nähe von Computern ist schon nur schwer möglich, 2005 in Bad Salzdetfurth, als ihn ein Röhrenfernseher und 6 Computer mit Röhrenbildschirmen (ich vertrete die Ansicht, dass TFTs strahlungsärmer sind, und Notebooks sind ja oft ein Beweis dafür) zugemüllt haben, konnte ich nicht einmal den Ortssender Torfhaus zum Abgleich beim Scannen empfangen. Stattdessen lieh ich mir einen der herumliegenden ATS 909, die problemlos funktionierten.

von Hagbard Celine - am 30.07.2008 15:33
@PowerAM:

Zitat

Erich, weisst Du noch, wie der PI-Chip an den Dekoder des 305 angeschlossen wurde? Koennte man ja mal probieren! Wo im Gehaeuse hattest Du ihn untergebracht?

Genau DIE Frage hatte ich an meinem letzten Arbeitstag vor meinem Kurzurlaub erwartet! ;) (Bin eigentlich schon weg) Ich kann's Dir wirklich nicht sagen, weil ich mir so was nicht aufschreibe. Aber ich gehe davon aus, dass der RDS-Decoder der gleiche ist wie im ATS909 und ich ihn "im Prinzip" genauso verkabelt habe wie in der Einbauanleitung >hier

von Erich Hoinicke - am 30.07.2008 16:51
Zitat
Hagbard Celine
Aber der Tuner ist praktisch ungeschirmt und somit sehr empfindlich gegenüber direkten elektromagnetischen Feldern.


Das ist die Erklärung, warum der 305 auf dem Tisch liegend die Datenübertragung meines PDA, mit dem ich 3 m entfernt auf dem Sofa lag, lautstark wiedergab. Immer wenn der via GPRS Daten austauschte war im 305 außer den Störgeräuschen nichts zu hören. Das eingestellte Radioprogramm war weg.


Zitat
Erich Hoinicke
Genau DIE Frage hatte ich an meinem letzten Arbeitstag vor meinem Kurzurlaub erwartet! (Bin eigentlich schon weg) [...] In 10 Tagen bin ich wieder online, dann will ich hier Ergebnisse lesen! In 10 Tagen bin ich wieder online, dann will ich hier Ergebnisse lesen!


Danke, Erich! Nun ja, meine Zeit ist auch etwas limitiert. Ich bin in in der ersten Augustwoche für einige Tage in Finnland. Ob ich das vorher noch schaffe wage ich zu bezweifeln.

von PowerAM - am 30.07.2008 17:36
Freut mich, dass das Gerät doch nicht so schlecht ist. Als Reiseradio ist es sicher in Ordnung.

von Bengelbenny - am 30.07.2008 18:31
Erwartungsgemaess kann man mit dem Ding hier am Flughafen nichts anstellen. Der Empfaenger uebersteuert, sobald man mehr als 2 Antennenelemente auszieht. Mehr als die Berliner 100 kW-Sender kommen dann nicht mehr. Dazwischen ist alles voll mit Mischprodukten. Wie erwartet stoert die Radaranlage mit Impulsgeraeuschen.

Drinnen, im Stahlbetonbau, geht es besser. Man kann normal alles von Berlin hoeren - auch die Funzeln. Vom Umland ist noch Oldiestar auf 96,70 und 104,90 MHz aufzunehmen. Einige andere Zehlendorf-Frequenzen gehen auch noch. Mit Muehe ist am Westfester auch Wittenberg (104,00 MHz, Figaro und 101,60 MHz, Jump) aufnehmbar.

von PowerAM - am 30.07.2008 18:58
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