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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 10 Monaten
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Hannoveraner, tomfritz, digifreak, Manager, Jean-Jacques, Obelixx, Andreas W, Ole, IBMer

Genfer Wellenplan

Startbeitrag von tomfritz am 18.08.2003 05:52

Hallo zusammen!

Was ist eigentlich aus dem Genfer Wellenplan von 1984 geworden? Immerhin waren dort für allein Mitteldeutschland interessante Frequenzen koordiniert, z.B.:

100,4 Torfhaus mit 100KW
105,2 Ederkopf mit 15KW
107,5 Bielefeld mit 71KW

Stattdessen nur noch Funzeln! Anscheinend erschien es damals möglich auf 0,1
Abstand leistungsstarke Sender zu setzen. Die Torfhaus-Frequenz wäre schön umrahmt von Bielstein 100,5 und Eisenberg 100,3. Der Ederkopf hätte sich ein schönes Stelldichein mit dem Meißner auf 105,1 liefern können.
Irgendwie waren da wohl die Mindestabstände, auf die sich die ÖRAs immer beziehen kein Thema. Warum spielt der Genfer Plan heute keine Rolle mehr?

Viele Grüße
tomfritz

Antworten:

@tomfritz:
Der Genfer Wellenplan spielt nach wie vor eine Rolle, ohne den geht gar nix, zumindest hier in Deutschland. Nur wurde der inzwischen zahlreich modifiziert und Neues kam hinzu.Die von dir genannten Frequenzen wurden inzwischen entweder umkoordiniert (100,4 Torfhaus 100kW -> 100.3 Braunschweig 15kW), oder für temporäre anderweitige Verwendungen freigegeben (107.5 Bielefeld ist wie die 105.2 Ederkopf nach wie vor im Originalzustand koordiniert, aber temporär werden diese Frequenzen eben an besagten Funzelstandorten verwendet).
Gründe für die Schlachtung solcher QRGs kenne ich leider nicht, vielleicht sind es die von dir vermuteten möglichen Störungen, denen man dann lieber aus dem Weg gehen wollte. In manchen Fällen (102.1 Mudau gegen 102.2 Kalmit) gibt es ja heute noch entsprechende 100kHz-Abstände an nahegelegenen Frequenzen. Muss man wohl einfach von Fall zu Fall betrachten.



von Andreas W - am 18.08.2003 09:57
Koordinierer:

Sehr interessant. Wie kam man zu der CCIR-Antenne? Welches Szenario hatte man bei der Festsetzung dieser Werte?

Welche Ziele verfolgte man überhaupt in Genf 1984? Es wurden ja eigentlich überall zwei weitere Großsenderketten hinzukoordiniert. Weiterhin kamen aber einige neue Standorte in den Plan, die heute teilw. von gänzlich neuen Programmen genutzt werden (z.B. Neumünster, Mölln, Heidelstein, Hohe Wurzel). Wieso fügte man diese neuen Standorte in den Plan ein anstatt sie an bestehenden Großsendern zu nutzen? Waren das einfach "Überhänger", die anderswo nicht sinnvoll zu nutzen waren? Glaube ich eher nicht, denn es sind ja durchweg mindestens drei Frequenzen dort koordiniert.

Zur "2. Tranche der 5.Kette NRW". Was heißt das genau? Die 5. Kette in NRW ist ja weitgehend komplett, eher gibt es durchaus weite Teile NRWs abdeckende 6. Kette. Für wen war die 107.5 in Bielefeld vorgesehen? BFBS oder DLF?

Zitat

Hinzu kommt, dass zu der damaligen Zeit (1985) die Telekom als Netzträger der Privatveranstalter noch über keine probaten Planungstools verfügte.


Wer hatte damals überhaupt solche Systeme?

Zitat

Der Genfer Plan '84 wurde mittels Großrechner-Anlagen ermittelt.


Was konnte man denn damit alles berücksichtigen? Topographie z.B. - welche Auflösung verwendete man denn damals?

von Ole - am 18.08.2003 13:53
Vermutlich mit IBM Rechnern. Grossrechenanlagen waren fuer diese Aufgaben damals schon geschaffen, wahrscheinlich wurden UNIX Systeme eingestzt.

von IBMer - am 18.08.2003 18:07
Fazit: Je mehr Frequenzanforderungen vorliegen, desto schlechter wird koordiniert. Kein Wunder das wir bald italienische Verhältnisse im Äther haben.
Man hätte den Bereich 100-108 MHz ausschließlich für DAB freigeben sollen, dann wäre das System längst etabliert.

von digifreak - am 19.08.2003 10:00
@KOORDINIERER:
Besteht die Möglichkeit, dass zukünftig Sender auf 87,5 MHz mit mittlerer Leistung (1-10 KW) nachkoordiniert werden können?

von Hannoveraner - am 20.08.2003 12:18
@Koordinierer:
Heißt das, daß ein Fernsender der z.B. in höheren Empfangslagen mit mindestens 54dBuV ankommt gegenüber den nachkoordierten Füllsendern geschützt werden muß?
Beispiel: Sender Holzminden-Neuhaus 102,2 MHz. Etwa 5km von diesem Standort dominiert eindeutig Antenne Thüringen vom Inselsberg auf der gleichen Frequenz.

von digifreak - am 20.08.2003 17:05
Eigentlich: wie sieht denn der Genfer Wellenplan in seiner ursprünglichen Fassung von 1974/75 für den Lang- und Mittelwellenbereich für Deutschland (BRD und DDR) aus?
Hat jemand die Originaldokumente?
Waren damals auch schon die späteren MEGARADIO-Frequenzen 738kHz, 819kHz und 945kHz vorgesehen?

von Obelixx - am 21.08.2003 23:32
@ obelixx
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Waren damals auch schon die späteren MEGARADIO-Frequenzen 738kHz, 819kHz und 945kHz vorgesehen?
____________________________________________________________________

Auf diesen Frequenzen waren keine Sender in D (auch nicht in der DDR) im Genfer Wellenplan vorgesehen.

von Manager - am 22.08.2003 18:42
@KOORDINIERER:

Danke für die Info! :)

Also nur mal so theoretisch:
Vorausgesetzt Radio 21 würde die 87,7 Goslar aufgeben, könnte man dann die 87,5 mit bis zu 3 kW vom Brocken betreiben?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies sei unmöglich, da die 87,6 in Hamburg und von der Sackpfeife mit je 100 kW genutzt wird, andererseits gibt es bereits ähnliche Konstellationen:
103,5 Torfhaus vs. 103,6 Hamburg
107,8 Brocken vs. 107,9 Kreuzberg
99,5 Torfhaus vs. 99,6 Biedenkopf
Wäre eine Nutzung der 87,5 vom Brocken (oder vom Torfhaus) bei entsprechend angepasstem Antennendiagramm also möglich?

von Hannoveraner - am 22.08.2003 21:18
Dann muß aber in Goslar die ehem. FFB Schalke Frequenz 92,7 MHz für Radio 21 reaktiviert werden.

von digifreak - am 22.08.2003 21:59
@digifreak: Habe die 92,7 FFB sogar mal empfangen können. Frage ist wo ist die Frequenz hinkoordiniert worden, nach Holzminden?? Der Sender in Schalke ist doch abgebaut, oder?

von tomfritz - am 23.08.2003 08:32
Die 92.7 kann nicht für Radio 21 (re)aktiviert werden, da sie bereits koordinierungstechnisch durch die 92.6 Hannover belegt ist. Die damalige Aufschaltung von N-Joy stand in direktem Zusammenhang mit der verstummten 92,65/92.7 FFB Schalke Goslar. FFB sendete auf dem 763 Meter hohen Harz-Plateau m.W. mit Richtstrahlung 100 Watt gen Hannover. (Eine andere Quelle versicherte mir man sende Richtung NO mit 800 Watt) In Hannover jedenfalls war er nach eigenen Erfahrungen absoluter Ortssender - in Göttingen hingegen kaum mehr brauchbar aufzunehmen. Dies mag daran liegen, dass die Schalke die signifikanteste nordwestliche Erhebung des Harzes ist.

Die Franzosen waren mit einer Abhöreinheit dort bis zum 30.04.1993. Von diesem Zeitpunkt bis zum Oktober 2002 standen die Anlagen dort verwaist - dann wurden sie gesprengt.

von Jean-Jacques - am 23.08.2003 09:18
Jean-Jacques schrieb:

Zitat

Die 92.7 kann nicht für Radio 21 (re)aktiviert werden, da sie bereits koordinierungstechnisch durch die 92.6 Hannover belegt ist. Die damalige Aufschaltung von N-Joy stand in direktem Zusammenhang mit der verstummten 92,65/92.7 FFB Schalke Goslar.


Ist das tatsächlich so? Ich habe nämlich mal dem NDR vorgeschlagen, N-Joy auf 92,7 (statt auf 92,6) mit höherer Leistung auszustrahlen. Der NDR antwortete mir, dass das nicht möglich sei, weil u. a. die 92,7 noch für Goslar koordiniert sei.
Na ja, wie auch immer, ... ich bin jedenfalls der Meinung, dass man die 92,7 für Radio 21 schon reaktivieren könnte, schließlich wird die 92,6 in Hannover nur mit 2,5 kW und Richtstrahlung (25°) betrieben. Außerdem wird in Wernigerode (nur ca. 25 km von Goslar entfernt!) sogar schon gegen die 15 kW-Frequenzen aus Hannover gesendet.

von Hannoveraner - am 23.08.2003 13:18
Ja, aber Hannoveraner, Wernigerode liegt in Sachsen-Anhalt, also im MDR-Gebiet und nicht im NDR-Gebiet, der jeweils andere Sender hat doch dort keinen Versorgungsauftrag. So werden dann die Störungen, die entstehen können doch immer wieder begründet.

von tomfritz - am 23.08.2003 18:41
@tomfritz:
Ja, der Vergleich mit Wernigerode hinkt etwas. Ich habe mir halt gedacht, Goslar liegt zwar näher an Hannover als Wernigerode, aber dafür würde in Goslar auch gegen eine schwächere Frequenz gesendet werden. In sofern kann man diesen Vergleich vielleicht doch ziehen...

von Hannoveraner - am 23.08.2003 20:47
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