Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum
Beiträge im Thema:
49
Erster Beitrag:
vor 9 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
DLR-Fan Sachsen-Anhalt, PowerAM, Bolivar diGriz, Starsailor001, Steffen_K1, hetietz, Mujek3, DO4NC, Radio_DDR, musicmaestro, ... und 17 weitere

Westempfang in der DDR (ehemals Russentod)

Startbeitrag von Mujek3 am 07.12.2008 22:52

Threadthema erweitert: Antennenaufwand und Hilfsmittel (Russentod, Tschechenfalle) zum Empfang des Westfernsehens und -radios in der DDR


Keine Angst, das Folgende ist politisch korrekt ;)

http://einestages.spiegel.de/external/ShowAuthorAlbumBackground/a3196/l0/l0/F.html#featuredEntry

Diese Töpfe gab es deutlich vor meiner Zeit. Vielleicht hat jemand von euch noch ein paar persönliche Erinnerungen auf dem Kasten.

Antworten:

Re: Russentod

Wie funktionierten diese Dinge eigentlich?

von 102.1 - am 08.12.2008 10:40

Re: Russentod

Ganz einfach: Ein Parallelschwingkreis wird induktiv in die Antennenleitung eingekoppelt. Primärseitig ist es eine Schleife, die in der Antennenleitung eingefügt ist, Sekundär ist der Schwingkreis, bestehend aus Spule und Plattenkondensator. Sobald über die verstellbare Platte die Resonanz erreicht ist, sinkt die Belastung des Primärspule auf der Resonanzfrequenz ab, die Spule wird hochohmig. Alles andere ober und unterhalb der Resonanzfrequenz wird weiterhin durchgelassen, für diese Frequenzen wirkt das Ganze wie ein sekundärseitig kurzgeschlossener Transformator, der in Serie eingefügt ist.

Die Schaltung:


Von de Abmaßen her, die Dinger sind ziemlich groß, nehme ich an, daß die Resonanzfrequenz irgendwo um die 35-45 MHz lag, ein Bereich, der sich in Militärfunkgeräten wiederfindet. Wahrscheinlich schlug das dann in die ZF der Fernsehers ein.




von Nohab - am 08.12.2008 11:13

Re: Russentod



Der Hintergrund für den Aufbau im Blechgehäuse war die damit erzielbare höhere Güte und somit bessere Ausfilterung des Störsignals bzw. geringere Beeinflussung (Dämpfung) des Nutzsignals.

Die auf den Bildern bei "einestages" abgebildeten Antennen sind wenig spektakulär, bzw. auch beschädigt (abgebrochene Direktoren und Reflektoren). In Chemnitz (dessen Dächer fotografiert wurden) war der Empfang vom Ochsenkopf wenig spektakulär und praktisch dauerhaft mit guter Qualität mit einer 3-Elemente Yagi für das Band I möglich. Im Bild 10 ist die Anordnung zu sehen, die dort sehr häufig anzutreffen war: 2 horizontal gestockte, aber vertikal polarisierte Band I Antennen (damit fast störungsfreier sauberer Farbempfang), die Antenne für's ZDF (K23) darüber montiert (Empfang in Farbe, aber leicht angerauscht, je nach Lage im Stadtgebiet). Im Gegensatz zum K4 erforderte der Empfang von K23 größeren Aufwand, aber nicht wegen der Feldstärke sondern wegen eines DDR2-Senders auf demselben Kanal (Calau). Seit Inbetriebnahme des Calauer Senders war das ZDF dann nur noch mit Kompensationsantennen oder gar Parabolantennen (wie an der Kopfstation in Burgstädt) halbwegs sauber zu empfangen.

Zitat von einestages (Bildunterschrift Bild 10): "Aufgrund der relativ hohen Frequenzen der DDR-Fernsehsender konnten die Antennenstäbe sehr kurz gehalten und mehrfach hintereinander angeordnet werden, was zu einer Verbesserung der Empfindlichkeit und der Richtwirkung führte. Damit erhielten die meisten dieser DDR- Antennen ihre charakteristische, langgestreckte Form."

Das ist Quatsch, bzw. trifft auf alle Yagi-Antennen zu. Die abgebildete Anlage auf Bild 10 hat am rechten Antennenmast eine UHF Yagi für den Chemnitzer (Geyerscher Wald) K32 (DDR2), UKW (Ochsenkopf, Geyer knallte sowieso rein), sowie K8 (DDR1). Eine derartige Richtantenne wie für K8 wurde in anderen Gegenden auch für den Empfang von "Westsendern" genutzt, beispielsweise in der Leipziger Gegend für Torfhaus K10 oder im Berliner Umland für K7.

von Schlosser - am 08.12.2008 11:36

Re: Russentod

Zitat
Schlosser
Das ist Quatsch


Bei Spiegel-Online ein bei technischen Berichten leider häufig auftretender Mangel.

von Ex-Trierer - am 08.12.2008 12:15

Re: Russentod

@Schlosser, ganz genau. Die Aussage, die DDR-Sender sendeten auf höheren Frequenzen bezieht sich nur auf Band1, welches ja schon relativ frühzeitig in der DDR abgeschaltet wurde.

Im Band 2, 3 und UHF wurden sonst ja gleiche Frequenzbänder bzw. Kanäle in Ost- u. Westdeutschland verwendet. Das "jurnalistische Halbwissen" dieses Beitrags läßt den Eindruck entstehen, dass Yagiantennen eine Besonderheit des DDR-TV-Empfangs waren, das ist natürlich totaler Blödsinn.
Wir in Halle hatten eben das Glück mit einer Yagi für Band3 DDR1 und ARD aus einer Richtung zu bekommen, ich hatte 15 Element-Yagi bis 1991 auf dem Dach, hatte sie dann runter geholt, als auf K35 in Wiederau die ARD aufgeschaltet wurde, die Qualität dort war deutlich besser als von den Sendern vom Harz.
Meine große 30 Element-Yagi für UHF Berlin-Schäferberg, hatte ich dann nach Leipzig umgedreht, damit kam dann K35, 42, 22 und später auch Sat1 K26 total sauber und störungsfrei.
Später mit der Aufschaltung der ARD+ZDF+MDR auf Satellit wurde diese UHF-Yagi auch demontiert, der Mast trägt heute 2 UKW-Yagis, eine L-Band-Yagi für DAB, seit 3 Jahren auch wieder TV-Antenne, eine Log-per. Witternbergantenne für DVB-T.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 08.12.2008 12:21

Re: Russentod

Naja nun seid mal net so hart mit der Spiegelredaktion ;)
Der Artikel ist doch recht gut geschriebn und für den Normalbürger auch gut verständlich,ich denk mal das ,,richtige,,Fachwissen ist hier bei uns doch eh besser aufgehoben oder ? :)

von Robert S. - am 08.12.2008 12:30

Re: Russentod

Die Beiträge für Eines Tages kommen meines Wissens von Spiegellesern und werden von der Redaktion lediglich redigiert.

Ich weiß nicht inwieweit die Redaktion den eingesanten Text gekürzt hat, der Autor sollte seiner Ausbildung nach eigentlich richtig Ahnung von der Materie haben:

Dr. Günter Möstl, Physiker

von Mujek3 - am 08.12.2008 12:34

Re: Russentod

Jetzt weiß ich auch, was das mal für ein Kasten war, den ich mal aus einer Antennenanlae rausgebaut habe,
als ich sie für jemanden in Ordnung bringen sollte.

Ein "Russentod", allerdings fein säuberlich im Plastegehäuse, mit doppelseitigen Leiterplattenmaterial abgeschirmt und mit "richtigen" Schwingkreisen (eben nicht so improvisiert) und Drehkondensatorabstimmung.

Konnte mir das damals (vor 2-3 Jahren) nicht erklären, was das sollte.
Vermutet hatte ich einen abstimmbaren Vorkreis.


von shianne - am 08.12.2008 16:16

Re: Russentod

Nicht jedes derartiges Teil in einer Antennenanlage ist ein Russentod.
Die Tschechenfalle war technisch ähnlich, allerdings für Band 3.
Es kommt also auf Antenne und Gegend an, was es ist.

von ts01 - am 08.12.2008 16:38

Re: Russentod

Zitat
Schlosser
Im Gegensatz zum K4 erforderte der Empfang von K23 größeren Aufwand, aber nicht wegen der Feldstärke sondern wegen eines DDR2-Senders auf demselben Kanal (Calau). Seit Inbetriebnahme des Calauer Senders war das ZDF dann nur noch mit Kompensationsantennen oder gar Parabolantennen (wie an der Kopfstation in Burgstädt) halbwegs sauber zu empfangen.


Ich finde es immer wieder faszinierend, welch gewaltigen Aufwand viele DDR-Bürger für den Empfang von ARD und ZDF betrieben. Traumhaft aus DXer-Sicht, was da alles als Antennenmast herhalten durfte; sogar mit offizieller Einwilligung der Behörden!

Vielleicht sollten wir einen Extra-Thread aufmachen, in den die von westdeutschen Grundnetzsendern am weitest entfernten Dorfgemeinschaftsantennen bzw. in privater Trägerschaft errichteten DDR-Kabelköpfe, ihre Bezugssender und (geschätzten) Feldstärkepegel aufgeführt werden.

Wer sich mal einen groben Überblick über das Thema verschaffen möchte, wird bei den Tagesthemen, ca. 1988, fündig:

KLICK ARD - Erstes Deutsches Fernsehen - außer Raum Dresden (ca. 1988)

Interessant an dem Beitrag des Ostberliner ARD-Korrespondenten: Es gab offenbar sogar noch weit östlich von Dresden, in Görlitz, solche privaten Kabelköpfe - und das, obwohl viele angeschlossene Haushalte trotz extremen Antennenaufwandes nur bei mindestens leicht angehobenen Bedingungen überhaupt Westfernsehen empfangen konnten.

Die erwähnte "Schüssel zum Glück" war Ende der 80er Jahre dann wohl so etwas wie die "Welle der Freude" in den 50ern - "Tutti Frutti" inklusive ... ;)

von FM-FREAK HESSEN - am 08.12.2008 21:09

Re: Russentod

Die Frequenzen der westdeutschen UHF-Sender lagen sogar oftmals noch höher als die der DDR.
Ich habe zwar keine alten Listen mehr zur Verfügung, aber lange Zeit sendete man in der DDR nur im Bereich bis K 33 oder 34. Dennoch gab es Antennen beispielsweise für K 21-41 zu kaufen (K 39 war z. B. SFB/N3/RB). In meinem Heimatort hatten wir so eine Antenne auf dem Dach (K 27 - DDR2, K 33 - ZDF).
Für das 3. Programm des Bayerischen Fernsehens von Hof (K 57) waren die dafür dimensionierten Antennen (21-60), was die Länge der Elemente betrifft, sogar noch kleiner.
Die Antennen für Hof (K23), in der Regel für K 21-25 optimiert, waren natürlich sehr lang, was wellentechnisch begründet ist.
Relativ spät strahlte man in der DDR dann das DDR2-Programm auch in höheren Kanälen aus; ich glaube, Cottbus (Calau) war so ein Fall.
Es gibt zwar einige Threads im Forum, oft älteren Datums, die sich mit GGAs und Kabelnetzen in der DDR befassen. Dennoch finde ich die Anregung von FM-FREAK HESSEN sehr gut.

von hetietz - am 09.12.2008 06:45

Re: Russentod

In Calau sendete DDR1 auf Kanal 53 nach Anschaltung des Kanal 4, DDR2 sendete mit 1000kW auf K23, was leider den ZDF-Empfang östlich und nördlich von Chemnitz vom großen Waldstein deutlich erschwerte.
Die hohen UHF-Kanäle wurden erst spät belegt in der DDR, weil auch ältere TV-Geräte nur bis Kanal 42 empfangen konnten, außerdem war es auch nicht erforderlich, es gab ja aktiv noch keine 3. Kanal-Bedeckung in der DDR, war vielleicht mal für später geplant ein 3. Programm auszustrahlen.
Da aber immer wirtschaftliche Material- und Übetragungsstreckenmängel herschten, kam es wohl aus diesem Grunde nicht zu einem 3.TV-Programm in der DDR. Die Senderbedeckung für das vorhandene TV war in der DDR alles andere als vollversorgt und erforderte auch in einigen Gegenden der DDR erhöhten Aufwand fürs DDR-TV, vor allem das 2. DDR-Programm war nicht in jeder Ecke der DDR sauber zu bekommen. Rügen musste z.B. Marlow empfangen, was sicher nicht immer einfach war, einen Füllsender für DDR2 gabs nicht auf Rügen, deutsches Westfernsehen allerdings auch nicht, terrestrisch. Bei Tropo ging dort sicherlich der Bungsberg, aber nur dann, bis zum Darß war es etwa möglich den Bungsberg rein zu bekommen, hätte es einen Band1-Sender oder wenigstens einen Band3-Sender auf dem Bungsberg gegeben, wäre sicherlich bis auf Rügen mit Einschränkungen West-TV möglich gewesen, ich frag mich nur weshalb das nicht gemacht wurde, auf dem Ochsenkopf gings ja auch.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 07:38

Re: Russentod

Zitat
ts01
Nicht jedes derartiges Teil in einer Antennenanlage ist ein Russentod.
Die Tschechenfalle war technisch ähnlich, allerdings für Band 3.
Es kommt also auf Antenne und Gegend an, was es ist.


So eine "Tschechenfalle" wurde vor Jahren mal in der Zeitschrift "Radioscanner" beschrieben,
allerdings ohne Frequenzangaben. Solche schmalbandigen Sperrfilter wurden in der
südlichen DDR zum Empfang des ARD-Senders Berlin CCIR-Kanal E-7 benötigt.
Gestört wurde dieser Kanal offenbar vom Sender Liberec auf dem OIRT-Kanal R-8.
Die Bildträgerfrequenz für den Kanal E-7 betrug 189,25 MHz, der Bildträger des Kanals
R-8 lag auf 191,25 MHz, also voll im Bildsignal des Kanals E-7.

Zum russischen Militärsprechfunk im Kanal E-4:
Der Bereich der ehemaligen Kanäle 2-4 war schon immer in einer Vielzahl von Ländern
neben dem "Rundfunkdienst" auch dem "festen und beweglichen Funkdienst" zugewiesen.
Konkret hat das Militär diesen Bereich (mit)benutzt, auch in der BRD.
Die in der DDR stationierten russischen Streitkräfte haben dort halt ihren "Betriebsfunk"
abgewickelt. Eine Absicht dürfte nicht dahinter gesteckt haben, wie z.B. vom Spiegel
gemutmaßt wurde.
Auch in Münsingen auf der Schwäbischen Alb wurde der Kasernenfunk auf Frequenzen
im Kanal E-2 abgewickelt. Eigentlich in der Schutzzone für den Sender Grünten, zumindest
für Funkamateure. Bekannt wurde das durch eine Meldung in der lokalen Zeitung,
dass die Funküberwachung illegale drahtlose Telefone aufgespürt hatte, die den
Kasernenfunk störten. Diese Telefone (nach US-Standard) sendeten auf Frequenzen im
Bereich 46 MHz bzw. 49 MHz.

Viele Grüße, Jürgen



von Jürgen Martens - am 09.12.2008 08:59

Re: Russentod

Gibt es denn eine Übersicht, welche Kanäle für eine 3.Senderkette der DDR koordiniert waren.
Ich weiß, die meisten Kanäle sind ab Anfang der 90er Jahre für das ZDF genutzt wurden.
Bei Dequede weiß ich keinen Kanal.Wie ist es mit Saalfeld, Wittenberg, Röbel.Sind diese Anfang der 90er Jahre koordiniert wurden oder gab es die Planungen schon früher.

von 100_MHZ - am 09.12.2008 09:27

Re: Russentod

Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Füllsender für DDR2 gabs nicht auf Rügen, deutsches Westfernsehen allerdings auch nicht, terrestrisch.
Ging denn dort schwedisches TV?

von andimik - am 09.12.2008 09:54

Re: Russentod

Ja, schwedisches TV ging teilweise im Norden von Rügen und Saßnitz recht brauchbar, es hatten damals die meisten Leute aber keine extra Antennenanlage dafür gebaut, dann wäre sicherlich noch mehr drinnen gewesen. Wie viele Leute das genutzt hatten weiß ich nicht, man hatte damals dem Fernsehen dort in dieser Gegend allgemein weniger Aufmerksamkeit geschenkt als in anderen Gegenden mit deutschem Westprogrammempfang.
Der Fernsehkonsum in der dresdener Gegend, gänzlich ohne Westempfang, war ja auch deutlich geringer.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 11:26

Re: Russentod

Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
bis zum Darß war es etwa möglich den Bungsberg rein zu bekommen.


Aber nur mit sehr erhöhtem Antennenaufwand.Ich kann mich noch sehr gut an die sehr hohen mehrfach gestockten Antennengruppen-Masten erinnern, als ich in Anfang/Mitte der 80er mehrmals in Prerow Urlaub machte.Dänisches oder häufiger schwedisches Fernsehen hatte ich dort bei morgentlicher Tropo, mit einer nach Marlow gedrehte kleinen Antennenanlage (Westempfang war damals im Ferienobjekt verboten gewesen) heimlich empfangen.

von Steffen_K1 - am 09.12.2008 12:02

OT: Darß

Ich war 1978 mit meinen Eltern in Prerow, damals war auch kein Westempfang im FDGB-Ferrienheim-Gemeinschaftsraum, kein Wunder es gab neben der VHF-Antenne für DDR1 nur eine vertikale UHF-Antenne nach Marlow, es war ein vergriestes Bild von vermutlich Dänemark1 damit aber empfangbar, ich hatte am TV rumgedreht, es wurde aber schnell wieder umgestellt.

Jede horizontale UHF-Antenne auf dem Darß war auf großen Masten für Westempfang, ich hatte dieses Jahr (2008) noch ex. Bungsberg-Masten, mit den 2 UHF-Antennen drauf, auf vereinzelten Grundstücken auf dem Darß entdeckt :-). Im Autoradio konnte ich, im Stand, einige UKW-Sender vom Bungsberg empfangen, sie schwankten etwas und es kam kein RDS.
Ich hatte kurioser Weise sogar ganz schwach und schwankend hinter der Düne bei Zingst auf dem Parkplatz die 95.8 Radio1 aus Berlin drinnen gehabt, wäre keine Stationskennung gekommen hätte ich es nicht geglaubt, es war keinerlei Tropo im Spiel, es war Tiefdruck Ende Juni und ziemlich windig.
Empfangsgerät war Opera40/DAB, Baujahr 2005. Dänische UKW-Sender kamen auf dem Darß auch rein, hatte aber in Rostock am Überseehafen deutlich stärkeren Dänemark-Empfang, trotzdem hatte ich keinen DAB-Empfang aus Dänemark in Rostock oder auf dem Darß. Wäre etwas Tropo gewesen, hätte es sicherlich funktioniert.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 15:21

Re: Russentod

@ DLR-Fan Sachsen-Anhalt:
Ich habe vor etwas über zwei Jahren mal einen Scan in Loissin (einige Kilometer östlich von Greifswald) mit meinem 08/15 ATS 909 gemacht. Auf der 100,2 fadete RSH vom Bungsberg hoch bis O=3 und verschwand einige Minuten später wieder. Ich habe auf 0 Meter direkt am Greifswalder Bodden gesessen. Klar, für TV braucht(e) man schon etwas mehr Feldstärke um einen vernünftigen Empfang hinzubekommen, 180km Luftlinie sollte aber mit entsprechenden Antennen und einem Masten (die es dort oben auch noch gibt) machbar sein. Gleiches gilt für Dänemark (Næstved - Øverup = 170 km).

von Staumelder - am 09.12.2008 16:21

Re: OT: Darß

Zitat
DLR-Fan Sachsen-Anhalt
Ich war 1978 mit meinen Eltern in Prerow, damals war auch kein Westempfang im FDGB-Ferrienheim-Gemeinschaftsraum, kein Wunder es gab neben der VHF-Antenne für DDR1 nur eine vertikale UHF-Antenne nach Marlow, es war ein vergriestes Bild von vermutlich Dänemark1 damit aber empfangbar, ich hatte am TV rumgedreht, es wurde aber schnell wieder umgestellt.


Stimmt genau, mit der vertikalen Antenne für DDR 2.Marlow war auch der einzigste(?) Grundnetzsender in der DDR, wo DDR 2 vertikal gesendet wurde.Es kann sein, das dort im Betriebsferienheim auch DANMARK 1 schwach ständig ging.Ich hatte auch nur weinige Male am Fernseher rumgestellt.Bis ich einmal vom Hausmeister erwischt wurde und auf dem Fernseher das Testbild von SVERIGE 2 zu sehen war und fluchtartig den Fernsehraum verließ. :D Danach hatte ich mich nicht mehr getraut, am Fernsehgerät herumzuspielen.Im Wohnbungalow hatten wir nur ein Behelfsdraht für UKW im Radio, so daß ich Dänemark nur auf Mittelwelle hören konnte.

Ontopic: Auch ich kann mich noch sehr gut an die Funksprüche der sowjetischen Streitkräfte, da ich damals sehr nah an einer sowjetischen Kaserne wohnte.Nur glücklicherweise waren die Streifstörungen bei mir, mit dem ras,dva,tri Funkspruch im Fernsehen nur sporadisch und seltener, so daß man hier keinen "Russentod" brauchte.In den 80er traten diese Störungen dann gar nicht mehr auf.Vermutlich waren die moderneren TV-Geräte besser vor Übersteuerungen geschützt oder es wurde auf anderen Frequenzen gefunkt.

von Steffen_K1 - am 09.12.2008 16:29

Re: Russentod

Daenemark und Schweden spielten sowohl fuer den Radio- als auch fuer den TV-Empfang in der ehemaligen DDR keine Rolle. Die Sprachen verstand niemand. Aehnlich verhielt es sich mit den polnischen TV-Sendern, die man schon wegen des anderen Bild-/Tonabstands nicht mit in der DDR erhaeltlichen Fernsehgeraeten empfangen konnte. Eher kam man noch an ein PAL-taugliches Geraet.

Der teils erhebliche Antennenaufwand fuer den Fernsehempfang allgemein begeisterte mich bereits als Kind. Unsere Urlaubsgebiete (vor der Grenzoeffnung) waren die saechsische Schweiz, das Vogtland, der Ostharz, die Mecklenburger Seenplatte und Ruegen sowie Usedom. Auf Usedom war mit grossem Aufwand nur ein wetterabhaengiger Fernsehempfang aus Berlin machbar, der aber eher selten funktionierte. Am ehesten war wohl der VHF-Kanal 7 (ARD) mit doppelten Yagis machbar. Die UHF-Antennen (meist 4-fach) boten sowohl Empfang vom Helpterberg als auch bei Tropo aus Berlin. Wie immer waren die DDR-Programme trotz der Entfernung gut guckbar, der Helpterberg mit schwankendem Signal aber immerhin durchweg farbig. Die Westprogramme von Berlin waren dagegen bereits hinter dem Horizont, jedoch kam man bei deutlich angehobenen Bedingungen immerhin zu einem verrauscht guckbaren Bild. Das ZDF kam dabei eher als das schwaechere N3 (mit SFB-Regionalanteil).

Auf Ruegen versuchte man neben Berlin auch noch den Bungsberg anzupeilen, einige sollen auch mit Hoehbeck Glueck gehabt haben.

Die Mecklenburger Seenplatte wurde dagegen fast schon paradiesisch von Berlin, Hoehbeck oder dem Bungsberg versorgt. Irgendwas ging mit entsprechendem Aufwand und ermoeglichte staendigen Empfang. Aber auch hier spielte der Wetterfaktor eine Rolle fuer die Signalstaerke.

Die Saechsische Schweiz lebte wie Usedom von den Tropotagen, an denen man bis zum Sendeschluss Westfernsehen guckte, wenn es denn schon mal ging. Erfolg hatte man in der Regel nur mit Berlin, jedoch war selbst mit grossem Aufwand kein staendiger Empfang machbar.

Anders sah es im Vogtland aus. Wer guenstig wohnte, der hatte immer irgendeinen Weststandort, der empfangbar war. Mal war es Torfhaus, mal der Grosse Waldstein, andere hatten mit Kreuzberg, Heidelstein oder Ochsenkopf Glueck. Radioempfang ging zumindest ortsfest mit einigem Aufwand. Hier setzte man m. W. auch zuerst auf Antennengemeinschaften, um alle daran teilhaben zu lassen. Und: Ich kann mich an eine Eisdiele in Schneeberg erinnern in der Ende der 80er Jahre Antenne Bayern lief.

Als schwierig habe ich die Situation im Ostharz in Erinnerung. Rundfunkempfang vom Torfhaus war immer irgendwie machbar, der Fernsehempfang aber stark vom Wohnort abhaengig. In abgeschatteten Gegenden versuchte man sich sein DDR-Fernsehen meist aus Leipzig oder vom Inselsberg zu holen. Das war trotz der vergleichsweise grossen Entfernung oft besser und frei von Geisterbildern, waehrend der Brocken zwar stark ankam, wegen der nicht zu beseitigenden Reflexionen aber ungern geguckt wurde. Fuer den Westempfang musste man mit den ebenfalls ebenfalls vergeisterten Bildern vom Torfhaus leben oder man versuchte den Hohen Meissner, den Ochsenkopf oder den Kreuzberg zu empfangen. Die hessischen und fraenkischen Standorte gingen an suedexponierten Lagen, im Norden hatte man manchmal noch mit Hannover (?) Glueck. Ich kann mich noch an ein Urlaubsdomizil im noerdlichen Harzvorland erinnern, wo man ebenfalls wegen stark vergeisterem Empfang vom Torfhaus Westprogramme von Hannover (?) und von irgendeinem WDR-Standort empfing. Das muss '87 gewesen sein. Ich hatte dort das erste Mal "West 3" mit dem mosaikartigen Senderlogo gesehen. Erinnern kann ich mich, dass der Westempfang zumindest im Winter stabil aber mit deutlich rauschendem Farbbild ging. Das ZDF hatte einen Jalusieeffekt, von dem ich heute weiss, dass es ein Gleichkanalstoerer ist. N3 war ebenfalls rauschend mit ab und an ausfallendem Farbempfang guckbar, stand vom Signal aber ebenfalls recht stabil. ARD-Empfang war dagegen verhaeltnismaessig gut und DDR-Fernsehen kam von Leipzig glasklar.


Hat jemand eine Idee, was die da empfangen haben koennten?

von PowerAM - am 09.12.2008 17:09

Re: Russentod

Für den Bungsberg gab es einfach keinen freien VHF Kanal mehr. K2 war damals noch von Hörby belegt, K3 in Fünen und Helpterberge, K4 in Flensburg und Kopenhagen. K5 Kiel,K6 Nästved, K7 Südjütland, K8 Marlow, K9 hamburg, K10 Heide, K11 Schwerin, wäre nur noch K12 drin gewesen...

Genau wie für Westdeutschland waren auch für den Osten zwei UHF Ketten in Stockholm koordiniert worden, plus "Sender zur Schließung von Versorgungslücken".
Aber während im Westen die dritte Kette recht schnell genutzt wurde - die damalige Bundesrepublik war weltweit eines der ersten Länder, dass so eine große UHF Kette aufbaute - kam UHF im Osten ja erst ab 1969 mit dem zweiten Programm, ein drittes gab's nie und so blieben die Kanäle leer.

in Berlin zB K27 und K44 mit 1000kW, in Leipzig K22 und K42 mit 1000kW und auch Dresden hätte mit 1MW auf K29 und K46 senden dürfen.
1000kW sind aber meines Wissens nie gefahren worden, zeitweise in Berlin und Marlow 700kW.

von Terranus - am 09.12.2008 17:39

Re: Russentod

Wie hieß denn der Ort im Harzvorland? Ich vermute sogar, dass das ZDF und N3 vielleicht von Berlin geholt wurden, der Bleßberg erzeugte beim ZDF die Gleichkanalstörung, war bei mir auch so.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 17:43

Re: Russentod

Leipzig und später auch Calau hatten m.W. zu DDR-Zeiten wirklich echte 1000kW Strahlungsleistung auf UHF, in Wiederau wurde die Leistung des K22 dann auf 500kW verringert, mit der Aufschaltung des ZDF K42 und der vollen Leistung (Anfangs gabs nur 50kW fürs ZDF).

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 17:53

Re: Russentod

@ DLR-Fan S-A: Halberstadt.

von PowerAM - am 09.12.2008 18:06
In Halberstadt hat man eigentlich recht guten Torfhausempfang, dass N3 so schlecht war, lag ggf. an ungeeigneter Antenne/Verstärker für K53, die Standardindustrieantenne ging meist bis K42, da ist K53 nur schlecht empfangbar. Welcher Gleichkanalstörer dort das ZDF verm. K23 gestört haben könnte ist mir schleierhaft, vielleicht irgend ein Umsetzer in der Nähe. Berlinempfang schließe ich dort aus, Leipzigempfang eigentlich auch, ist der ganze Harz dazwischen. Höhbeck könnte dort noch funktioniert haben, der ging wirklich weit, aber wenn der WDR dort ging kann es der Teuteburger Wald gewesen sein, das ist ein guter Standort, die ARD K11 hatte ich zu DDR-Zeiten in Halle-Nordwest bei Tropo immer drinnen, obwohl das Signal genau von meinem QTH aus übern Brocken musste, es war damit aber bei mir auch exakt in der Antennnenrichtung.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 09.12.2008 18:33

Re: Russentod

Zitat
PowerAM
Daenemark und Schweden spielten sowohl fuer den Radio- als auch fuer den TV-Empfang in der ehemaligen DDR keine Rolle. Die Sprachen verstand niemand. Aehnlich verhielt es sich mit den polnischen TV-Sendern, die man schon wegen des anderen Bild-/Tonabstands nicht mit in der DDR erhaeltlichen Fernsehgeraeten empfangen konnte. Eher kam man noch an ein PAL-taugliches Geraet.


Der PAL-Decoder war dann in den 80ern sowieso Standard in jedem verkauftem FarbTV-Gerät in der DDR.

von Steffen_K1 - am 09.12.2008 18:54
Das ZDF sendete auf Kanal 23 außer von Hof und Torfhaus auch aus Lübeck. Ich erinnere mich, das Senderdia bei Tropo in den 80ern nach Sendeschluss in Leipzig mal gesehen zu haben, als Hof ein paar Minuten eher "schlafen ging". Vorher gab es an diesem Abend trotz Mordspegel beim ZDF von Hof Jalousien...
Eine weitere (sehr enge)Gleichkanalbelegung an der innerdeutschen Grenze beim ZDF waren Höhbeck und Bungsberg, beide auf Kanal 21. Gut vorstellbar, dass im nördlichen Ostharz dann manchmal Höhbeck durch Bungsberg gestört wurde, denn es passt auch in etwa mit der Antennenrichtung. Das Senderdia von Höhbeck sah ich mal ebenfalls bei Tropo in den späten 80ern bei meinem Opa in L-Plagwitz mit der Berlin-Antenne. Leider habe ich damals nichts fotografiert. Schade, wo doch diese Bilder heute so begehrt sind...

von dlf-fan - am 10.12.2008 07:38
Renate Meinhof in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Dezember:
"Wenn vom Meer her Nebel aufzogen, und die Kälte des späten Herbstes die Insel in den Griff nahm, kam manchmal 'der Däne' durch. Dann raunten wir uns in der Schule zu: Schongemerktderdänekommtdurch? Bis zu uns, ganz in den nördlichen Osten, nach Rügen, reichte sonst kein Westfernsehen. Wenn aber 'der Däne' durchkam, saßen wir abends vor dem tonlosen Gegrissel, das vorgab, 'der Däne' zu sein, und das genauso 'der Schwede' oder 'der Pole' hätte sein können, so wenig war zu erkennen."

Das ist die Eröffnung eines Beitrags, in dem es eigentlich um das Westpaket in die DDR ging.

von Ingo-GL - am 29.12.2008 10:17
Vera Lengsfeld schreibt auf der "Achse des Guten":

Zitat

Renate Feyl beschreibt in ihrem Buch, dass ihre Familie eines Tages einen Westfernseher erbte, zu einer Zeit, da man das Zweite Fernsehen nur mit einem Decoder empfangen konnte, der in jedem Westgerät eingebaut war, in den Geräten der SED-Funktionäre aber fehlte. die Familie bekam das Gerät mit der Auflage ausgehändigt, an einem bestimmten Tag eine Werkstatt aufzusuchen, wo der Decoder ausgebaut werden sollte, um ihn anschließend einem ZDF-süchtigen Genossen zur Verfügung zu stellen. Die Werkstatt lag im dritten Stock, das hieß, man musste das schwere Gerät hoch-, und wieder runterschleppen. Selber schuld, warum muss man sich auch ein Westgerät schenken lassen Das waren die kleinen, alltäglichen Schikanen über die nicht mehr gesprochen werden soll.


http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/doppeltagebuch_1989_2009_6_juni/

Was ist mit "Decoder" gemeint? Ein UHF-Empfangsteil?


von DO4NC - am 06.06.2009 12:22
Die Autorin scheint aus techn. Unkenntnis einiges durcheinanderzubringen: Zum Empfang der Zweiten Programme gab es anfangs sog. Konverter, die die UHF-Frequenzen in die einzig empfangbaren VHF-Bereiche umsetzen. Hatte in etwa die Größe einer kleinen heutigen STB/Beistellgerät. Das die anfänglichen Ost-Farbgeräte kein PAL in Farbe empfangen konnten, wurden entsprechende Decoder eingesetzt, beides hatte miteinander techn. jedoch nichts gemeinsam, da lediglich die ersten SW-Geräte keinen UHF-Tuner besaßen.

von Radio_DDR - am 06.06.2009 13:59
Ich war damals im Teenager-Alter und hatte erste noch recht dürftige Kenntnisse vom Radio- und TV-Empfang. Ich kann mich daran erinnern, wie mit Einführung des Zweiten DDR-TV-Programms Konverter erstmals offiziell angeboten wurden und im Dorf ein regelrechter Run auf diese Kästchen einsetzte. Gleichzeitig wurden die Antennenanlagen erweitert. 26 Elemente für UHF war notwendig, denn den meisten Zuschauern ging es um K 33 und K 39 vom Schäferberg.
Der erste Fernseher meiner Eltern (Stassfurt) hatte auch nur VHF; sie kauften sich bald einen, der auch mit UHF ausgestattet war.

von hetietz - am 06.06.2009 17:28
Die DDR-Farbfernseher in den 80ern hatten teilweise wirklich nur einen SECAM-Farbdecoder. Mit dem hatte das in PAL sendende Westfernsehen dann eben keine Farbe. Geraete mit PAL/SECAM gab es zwar, jedoch gingen die in grossen Stueckzahlen eher an Quelle und Neckermann als in den DDR-Binnenhandel.

Die Verteilung von hochpreisigen Konsumguetern entsprach in der DDR eher einer Antragsangelegenheit. Man entschloss sich zum Kauf, zahlte an und bekam nach einer entsprechenden Wartezeit dann die Mitteilung, wo man die gewuenschte Ware gegen Zahlung der Restsumme abholen konnte. Dazu fuhr ein Mecklenburger dann durchaus fuer 'nen Farbfernseher nach Berlin oder ein Berliner fuer 'nen Mikrorechnerbausatz "Z1013" nach Erfurt.

Unser 1984 "gekaufter" RFT Colorett kam eher durch einen Zufall zu uns. Im damaligen "Betrieb", in dem mein Papa arbeitete, kamen einige von diesen Geraeten an. Sie wurden zunaechst Funktionaeren oder "Ausgezeichneten" zum Kauf angeboten. Der angebotene Farbfernseher mit 6 rastenden Programmspeichern und ca. 55 cm-Bildroehre aus franzoesischer Produktion war ein Exportgeraet, hatte aber Folienfehler in der Dekorfolie und schlecht lackierte Kunststoffteile. Sein Preis war aber nicht geringer als der eines einwandfreien Geraetes - jedoch hatte er als Exportversion einen Farbdekoder fuer beide Farbsysteme und die bessere Philips-Bildroehre drin. Dafuer musste der Kaufentschluss sofort gefasst werden und das Geraet angezahlt und am Folgetag abgeholt sowie komplett bezahlt werden.

Unser Colorett wurde nach dem Kauf zerlegt und das Gehaeuse bekam statt Moebelfolie einen Bezug aus schwarzen Kunstleder auf das Spanplattengehaeuse. Die Front wurde glanzschwarz neu lackiert. Damit hatte das Geraet ein damals sehr modernes Finish.

Mein Papa meinte, dass der Kasten bis 1998 in der Wohnstube stand und mit kurz nach der Wende nachgeruesteter Scartbuchse bis zum Schluss dank Benutzung des Kabeltuners eines Videorekorders auch kabeltauglich war. Der Colorett ging 1998 an 'nen damaligen Kumpel, der ihn bis zu seinem Wegzug 2004 benutzte. Zum Schluss brachte die Roehre kaum noch Helligkeit, zum Fernsehen musste die Bude verdunkelt werden. Nach 20 Jahren wurde der Fernseher, der noch immer blendend aussah, dann verschrottet.

von PowerAM - am 06.06.2009 20:07
Meine Eltern hatten 1981auch einen Colorett gekauft, mit französischer Bildröhre, gabs ganz normal im RFT-Laden zufällig wohl ohne Wartezeit, wohl eher ein Glückskauf, das Ding hielt so bis 1994, zum Schluss in der Gartenlaube, dann war die Bildröhre abgenutzt und der wurde verschrottet. Dort war natürlich auch Pal drinnen, sonst hätten die den damals nie genommen. Damit war ich einer der Ersten in meiner Schulklasse, die zu Hause überhaupt Farb-TV und hatten. Der S/W Röhren-TV Marke "Stella" kam zu mir ins Zimmer, damals war ich in der 9.Klasse und hatte nun erstmals überhaupt einen TV in meinem Zimmer.
Heute hat schon fast jeder 3-Jährige einen Farb-TV im Kinderzimmer, hihi.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 06.06.2009 20:57
Interessanterweise in diesem Zusammenhang hatten die DDR Homecomputer KC85 einen HF-Modulator eingebaut, der die Farbe in PAL ausgibt! Dabei wurden die KC85 nicht in den Westen exportiert.

von Bolivar diGriz - am 07.06.2009 07:59
Zitat

Zum Empfang der Zweiten Programme gab es anfangs sog. Konverter, die die UHF-Frequenzen in die einzig empfangbaren VHF-Bereiche umsetzen. Hatte in etwa die Größe einer kleinen heutigen STB/Beistellgerät.


Diese Konverter sind mir bekannt. Aber der muß nicht ausgebaut werden, und dafür muß auch das Fernsehgerät nicht in den 3. Stock geschleppt werden. Also wird es in dem Artikel eher um den PAL-Decoder gehen. Der Genosse wollte wohl nur ZDF in Farbe sehen...


von DO4NC - am 07.06.2009 08:52
Ab Mitte der 80er Jahre wurden die DDR-Geräte dann auch ab Werk mit PAL ausgestattet, da ja ein großer Teil für die Versandhäuser des NSW unter dem Namen "BRUNS" ging und man so keine Unterschiede in der techn. Ausstattung machen brauchte(preiswerter) und außerdem der Westempfang in der DDR mittlerweile geduldet wurde, da selbst die Gemeinschaftsanlagen der Wohngebiete von Haus aus entspr. Empfangsanlagen für das Erste, ZDF und ein Drittes hatten.
Zum Anschluß der Homecomputer wurden teilweise auch RGB-Eingänge nachträglich in die Fernseher eingebaut(Nachrüstset für knapp 400 Mark), jedoch keine Scartstecker, sondern meist als Diodenstecker(DIN-, Phonostecker...), da die ersten KC85/1und KC87 keine Farbe über den HF-Mod.(Kanal 4) ausgaben.

von Radio_DDR - am 07.06.2009 09:05
@ Radio_DDR
kurze Zeit standen die SECAM/PAL und die nur SECAM -Geräte nebeneinander im Schaufenster.Kein Aas hat die reinen SECAM -Geräte mehr gekauft,sie wurden dann an Schulen /NVA und an 100% ige Genossen(falls es da noch welche gab:joke:)abgegeben.
Wir haben uns 1985 den 1. Farb -TV gekauft(Colorett mit 55er Bild ).
Unsere Gemeinschaftsant.-anl. wurde 1982/1983 gebaut für etwa15 Teilnehmer.Wir hatten ARD,ZDF,NDR,HR ,BFS und DDR1 +2 ,sowie alle üblichen UKW Sender.Wir waren alles Laien,jeder hat das gemacht ,was er konnte.Der mit der Bosch-Bohrmaschine war zB für sämtliche Löcher im Mauerwerk zuständig usw.
Am schönsten aber waren die Stunden nach dem Arbeitseinsatz bei üblichen Umdrunk.:cheers:

Gruss -- Hempe:)

P.S. Es waren auch Genossen dabei - die waren die fleissigsten Arbeiter:hot:

von Hempe - am 07.06.2009 10:01
Es gab auch UHF-Converter zum einbauen: Mein Philips von 1955 hat eine unbelegte Taste mit der Aufschrift "UHF", und ichhabe auch Geräte gesehen, wo der Konverter eingebaut wurde. Der Trommelschalter aus Bakelit war dannauf der recht Gehäuseseite. Mein Fernseher hatte nie diese Umrüstung erhalten, vermutlich war der externe Konverter preiswerter :-)

Ich fand das interessant mit der funktionslosen Taste, damals wurden Kunden schon genauso verarscht wie vor ein paar Jahren mit "HD-ready" oder Quelle Kunden in den 80ern mit dem "3D-tauglich".

von Bolivar diGriz - am 07.06.2009 10:35
@ Erwin Lindemann: Den robotron KC 85/3 gab es 1988 im Quelle-Katalog zum Preis von 239 DM. 49 DM kostete dazu ein Mono-Kassettenlaufwerk in schickem hellgrau und dem Aufdruck "robotron Data". Leider haben meine Eltern diese alten Kataloge vor ein paar Jahren entsorgt.

von PowerAM - am 07.06.2009 10:41
Dass es den KC85/3 im Quelle-Katalog gab, heißt aber nicht, dass er hier auch gekauft wurde. Vielmehr war der Quelle-Katalog auch in der DDR sehr begehrt. Gegen harte Valuta gab es so über die Westverwandtschaft auch Dinge, die in der DDR hergestellt, aber schwer zu bekommen waren. Das machte durchaus Sinn, in der DDR den KC85 gegen Westgeld zu kaufen. Erstens war er billiger als ein C64 oder gar Amiga, der legal gar nicht in die DDR eingeführt werden durfte (aufgrund der westlichen Exportbeschränkungen), zweitens fiel man damit nicht auf, und drittens konnte man mit anderen Computerusern Software tauschen. Auch im Osten gab es Schulhöfe ;-)
Ich bezweifel, dass der PAL-Modulatur für den Westexport eingebaut wurde, ich bezweifel ebenfalls, dass vor 1989 sich ein Wessi freiwillig den KC85 gekauft hatte. Mehr als vielleicht 5 Geräte dürften vor 1989 nicht im Westen für den Verbleib in Westdeutschland verkauft worden sein.

von Bolivar diGriz - am 08.06.2009 15:06
Du wirst es nicht glauben, es gab und gibt in Westdeutschland einen recht aktiven Fankreis fuer die KC85 bzw. KC87. Die ersten Serien KC87 und 85/1 hatten m. W. keine Farbe.

Ich weiss, dass es bereits zu DDR-Zeiten auch hier Commodore (C64, 128, ...) gab. In meiner damaligen Schulklasse hatten m. W. zwei Kameraden C64 und einer 'nen 128er.

von PowerAM - am 08.06.2009 17:00
Ja, inzwischen gibt es hier im Westen den Fankreis, ich habe ja selbst einen KC8/3, und habe mir gerade die Platine für einen einen Ju-Te Selbstbaucomputer auf Basis eines U830 bestellt :-)

Aber das Thema war ja, dass serienmäßig ausschließlich ein PAL-Modulator eingebaut wurde. Ich denke nicht, dass der Grund der beabsichtigte Export in das nichtsozialistische Ausland war.

von Bolivar diGriz - am 09.06.2009 04:25
Wir hatten damals eine russischen "RADUGA" Farb-TV allwerdings nur für SECAM.
Ca. 30 sekunden nach dem einschalten (aufwärmzeit) erschien das Bild.

Ton,Kontrast,Helligkeit wurde per Regler eingestellt,und man konnte 2 TV-Sender speichern. Einen auf UHF und eins auf VHF, zwischen denen man dnan mittels eines Knopfes umschalten konnte.
Wollte man mehr Sender sehen mußte man immer am Drehknopf für den Empfang stellen, der bei VHF, stufenweise war und bei UHF stufenlos.

Und das Teil ist immer schön warm geworden, da lag dann gerne immer unser Kater Abends drauf :-)


Und so einen JUNOST..Kofferfernseher hatten wir auch noch in Schwarz weiß, mit Teleskopantenne für VHF und einem Kreisrunden Dipol für UHF.

Standort war Schleiz/Südostthüringen:

DDR1 und DDR kam bei uns glasklar über einen städt. TV Umsetzer herein, ARD holten wir uns Von Torfhaus oder auch mal vom Ochsenkopf, ab und zu kam schleierhaft auch der meißner herein.
Das ZDF holten wir aus HOF aber nur sehr schlecht, da wir nach Süden dierekt von einem Hang abgeschattet waren.Bayr.Fernsehen konnte man nur erahnen.
Es muß aber angemerkt werden das sich unsere Antennen unter Dach befanden.
Später dann über dach, dann ging auch das ZDF recht brauchbar und nur leicht vergrießelt und Torfhaus kam wirklich GUT , Ochsenkopf auch, wenn da nur nicht imer so schleierhafte Störungen im Bild gewesen wären.



von Starsailor001 - am 09.06.2009 17:36
Zitat
Starsailor001
Wir hatten damals eine russischen "RADUGA" Farb-TV allwerdings nur für SECAM.
Ca. 30 sekunden nach dem einschalten (aufwärmzeit) erschien das Bild.

Ton,Kontrast,Helligkeit wurde per Regler eingestellt,und man konnte 2 TV-Sender speichern. Einen auf UHF und eins auf VHF, zwischen denen man dnan mittels eines Knopfes umschalten konnte.
Wollte man mehr Sender sehen mußte man immer am Drehknopf für den Empfang stellen, der bei VHF, stufenweise war und bei UHF stufenlos.

Und das Teil ist immer schön warm geworden, da lag dann gerne immer unser Kater Abends drauf :-)


Und so einen JUNOST..Kofferfernseher hatten wir auch noch in Schwarz weiß, mit Teleskopantenne für VHF und einem Kreisrunden Dipol für UHF.

Standort war Schleiz/Südostthüringen:

DDR1 und DDR kam bei uns glasklar über einen städt. TV Umsetzer herein, ARD holten wir uns Von Torfhaus oder auch mal vom Ochsenkopf, ab und zu kam schleierhaft auch der meißner herein.
Das ZDF holten wir aus HOF aber nur sehr schlecht, da wir nach Süden dierekt von einem Hang abgeschattet waren.Bayr.Fernsehen konnte man nur erahnen.
Es muß aber angemerkt werden das sich unsere Antennen unter Dach befanden.
Später dann über dach, dann ging auch das ZDF recht brauchbar und nur leicht vergrießelt und Torfhaus kam wirklich GUT , Ochsenkopf auch, wenn da nur nicht imer so schleierhafte Störungen im Bild gewesen wären.



QTH: "Zwischen RHÖN & THÜRINGER WALD........FRANKEN und dem SCHIEFERGEBIRGE "



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 09.06.09 19:39 durch Starsailor001.


Hoffentlich hat der Kater nicht reingemacht;)

von musicmaestro - am 09.06.2009 17:42
Zitat
Erwin Lindemann
Aber das Thema war ja, dass serienmäßig ausschließlich ein PAL-Modulator eingebaut wurde.

Ich erinnere mich dunkel an eine Bemerkung aus einer DDR-Fachzeitschrift (ich meine es war Der Funkamateur), daß das PAL-Signal deutlich einfacher zu erzeugen war und viele Farbfernsehgeräte (in der DDR) sowieso PAL-fähig waren. Wie gesagt, es ist meine dunkle Erinnerung und ich weiß nicht mehr genau, wie die zweite Hälfte des Satzes formuliert war.

Catperson


von catperson - am 09.06.2009 19:16
Zumindest die letzte generation der ddr Farbfernsehgeräte..also die mit den 6 oder 8 Stationstasten am gerät...also mein opa hatte sich son teil 1988 geholt , konnte pal und secam einwandfrei empfangen..
Dort hatte also die ddr wirtschschaft schon einen Kompromiss mit den Millionen West-TV Sehern in der DDR gemacht gemacht ???
Außerdem wurde glaube ich auch im Sahre 1988 das Sehen von West-TV für Staatsbedienstete (Polizei usw)in der DDR erlaubt, welches vorher rein formal für diese ja nicht gestattet war.

von Starsailor001 - am 09.06.2009 20:09
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.