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Radio-DX, Werner53, peeraxel, Erich Hoinicke, Udo Isaenko, Peter Schwarz, iro, Manager., cain, andimik, ... und 6 weitere

Türkisch auf 87,5 MHz Raum Neustadt/Weinstr.

Startbeitrag von DC3 am 14.04.2009 13:25

Ich war gestern auf der A65 Richtung Karlsruhe unterwegs und fand im Autoradio ein türkischsprachiges Programm auf der 87,5 MHz (!).
Standort war die Autobahnraststätte zwischen Neustadt und Landau.
Es klang mehr nach dem TRT-TV-Programm als nach einem Radiosender. Radyo Metropol FM konnte ich leider nicht empfangen (um zu vergleichen).
Was könnte das gewesen sein? Eventuell ein Mischprodukt oder ein Kabelleck in der Nähe??

Antworten:

...oder irgendein Kleinst-Sender, für die drahtlose Tonübertragung, welcher etwas weiter reicht. die Frequenzen am Bandanfang sind ja typisch für solche Geräte.

von Radio_DDR - am 14.04.2009 13:42
für Sporadic E ist es wohl noch ein bisschen zu früh im Jahr, zumal auch nichts im DX Forum berichtet wurde.

von Werner53 - am 14.04.2009 14:57
Auf http://www.vhfdx.net/spots/show.php?Lan=E&Banda=ALL&Modo=ALL&Horas=&DDia=13&DMes=4&DAnyo=2009&HDia=13&HMes=4&HAnyo=2009&Indicativo=&Texto=&Kms=&MaxQSOs=1000&Dest=LI&SortOrder=D&AscDes=A&B1=Submit+query
werden für gestern auch nur sporadic E Verbindungen auf 28 und 50 MHz gemeldet.
Inoffizieller Service der Raststätte für türkische LKW-Fahrer, die dort ihre Ruhezeit verbringen müssen???

von iro - am 14.04.2009 15:43
Sporadic-E im April wäre so ungewöhnlich auch nicht, zumal ja derzeit auch das Wetter recht sommerlich ist. Kam bei warmen Aprillagen auch in anderen Jahren schon vor. Nur wird heute das TV-Band-I ja immer weniger beobachtet, daher bekommt man es kaum mehr mit.


von Peter Schwarz - am 14.04.2009 17:36
Peter, Sporadic-E hat so gut wie nichts mit dem Wetter zu tun (es sei denn, es hat gerade starke Gewitter und Schwerewellen breiten sich von der Troposphäre (bis ca. 10 km Höhe) bis in so hohe Atmosphärenschichten wie der E-Schicht (ab 90 km Höhe) aus.

Ob ein Apriltag warm ist oder nicht, juckt die Ionosphäre kaum.

von Udo Isaenko - am 15.04.2009 07:32
Zitat

Peter, Sporadic-E hat so gut wie nichts mit dem Wetter zu tun

Ist das so sicher??
Nach meinem Infostand wird das kontrovers beurteilt. Natürlich gibt es in der E-Schicht nicht "unser Wetter", aber man ist - glaube ich - immer noch im Stadium der Hypothesen und noch nicht mal bei Theorien. Zur Band I - Analogzeit hatte ich den Eindruck, dass die DX-Empfänge immer bei "Super-Wetter" stattfanden, bei einem Gewitter und nachfolgendem schlechten Wetter war meist QRT (Schluss nach Kaltfront). Vielleicht täuscht das Gefühl nach dem Sonnenuhrprinzip: "... zähle die Sonnenscheinstunden nur". ;-)

BTW:

Zitat

... Schwerewellen ...

Gravitationswellen?? Hm, ich stelle fest, dass ich soeben deutlich älter geworden bin.

von audion - am 15.04.2009 10:56
Der gängige common sense war bislang: Sporadic-E spielt sich in so hohen Schichten ab, da kann das Wetter (das sich ja in der Troposphäre) abspielt, gar keinen Einfluss mehr haben. Allerdings sprechen die Beobachtungen doch dafür, daß bei warmen Wetterlagen eher Es auftritt. Wenn ich mich bislang an meine Es-Beobachtungen erinnere, war es da bis auf wenige Ausnahmen warm, meistens schwül, eher gradientschwache Wetterlage, oft Gewitter im weiteren Umfeld. Das ganze ist noch nicht wissenschaftlich erklärt. Es gab ja schon einige Artikel dazu und es bleibt ein spannendes Thema.

von Peter Schwarz - am 15.04.2009 11:18
Wenn man in diesem Zusammenhang empirische Untersuchungen machen möchte sollte man aber beachten, dass bei beobachtetem Sporadic-E wenn schon, dann das Wetter im Reflexionsgebiet (und nicht am Empfangsort!) betrachtet werden sollte, das ja in der Regel ungefähr 500 bis 1100 km entfernt in Richtung zum Sender liegt.

Insofern bin ich bei Äusserungen von (natürlich auch eigenen) Erfahrungswerten (die oft zeitlich etwas zurück liegen und nicht mehr so einfach nachvollzogen werden können) immer SEHR misstrauisch.


von Udo Isaenko - am 15.04.2009 12:17
Zitat

sollte man aber beachten, dass bei beobachtetem Sporadic-E wenn schon, dann das Wetter im Reflexionsgebiet (und nicht am Empfangsort!) betrachtet werden sollte


Kann man denn 100%ig ausschliessen, dass das Wetter am Empfangs- und Senderstandort nicht doch einen erheblichen Einfluss hat? Immerhin muessen die Signale ja vor und nach der Reflexion in der Ionosphaere zwei mal durch die Troposphaere durch und ich koennte mir so ganz laienhaft schon vorstellen, dass z.B. eine massive Gewitterfront ein Radiosignal grundsaetzlich stark beeinflussen kann.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, wie das Wetter die Reflexion des Signals an der Ionosphaere beeinflusst (wenn es das ueberhaupt tut), sondern eher, wie das Wetter das Signal im Verlauf vor einer moeglichen Reflexion oder nach einer Reflexion beeinflusst und so vielleicht fuer unterschiedlich starkes Auftreten des Sporadic E-Effekts sorgt!? Moeglicherweise reicht hier ja ein minimaler Einfluss schon, um spuerbare Auswirkungen in den Signalstaerken zu haben?

Ich selber gehe allerdings schon davon aus, dass man sich das wohl eher nur zufaellig einbildet, dass Sporadic E bevorzugt bei schwuelwarmem Wetter mit Gewitterstimmung auftritt. Ist wohl eine Sache der Wahrscheinlichkeitsrechnung: wie wahrscheinlich ist es, dass ein nur tagsueber im Sommer auftretender Effekt an einem schwuelwarmen Tag mit Gewitterneigung auftritt? Schon sehr wahrscheinlich, oder?

von Habakukk - am 15.04.2009 12:42
... und wer kann ausschließen, das eine E-Wolke nicht auch eine Schieflage haben kann, nach dem Prinzip Einfallswinkel ist gleich Ausfallwinkel ist dies nämlich sehr wohl möglich!

von Rosti 2.0 - am 15.04.2009 12:51
Noch gar kein Sommer - und doch schon die erste Gewitterdiskussion ;)

Die beiden Gewitterthreads:
Wissen(schaft): http://forum.mysnip.de/read.php?12097,414710
Kommentare & Beobachtungen: http://forum.mysnip.de/read.php?12097,414734,page=1

Pudels Kern: In Höhen bis 90 km (bzw. 87 km) gibt es eine Zunahme der Elektronendichte oberhalb von Gewittern.


von iro - am 15.04.2009 13:07
Also, grundsätzlich gilt mal, daß die Dynamik der Mesosphäre (oder Ionosphäre, je nachdem welche Stockwerkeinteilung der Atmosphäre man betrachtet) zu einem großen Teil von Vorgängen in der Troposphäre gesteuert wird. Bewerkstelligt wird das über vertikal ausbreitende Schwerewellen (engl. gravity waves, wird fälschlicherweise oft als "Gravitationswellen" übersetzt, die aber in der Kosmologie zuhause sind und so etwas wie Materiewellen von bewegten Massen sind). Die Amplitude von vertikal ausbreitenden Schwerewellen nimmt mit abnehmender Luftdichte zu, und zwar mit 1 durch Wurzel aus der Luftdichte. Irgendwann wird die Amplitude so stark, daß die Wellen instabil werden und zu brechen beginnen (vor allem im Bereich von Windscherungen). Bei gebirgsinduzierten Wellen (ich denke jetzt nur an die Alpen) haben die angeregten Wellen eine so kleine Wellenlänge, daß sie relativ schnell instabil werden und über die Tropopause kaum hinauskommen. Anders sieht es bei Wellen aus, die durch Sturmtiefs oder starken Gewitterfronten (squall lines) induziert werden. Diese Wellen reichen durchaus bis in Höhen von 90-100 km rauf. Setzt dort oben Wellenbrechen ein, ist dies mit starker Turbulenz verbunden und diese kann örtlich stark erhöhte Ladungsträgerkonzentrationen verursachen (die Ionen und Elektronen sind ja nicht so frei beweglich im Erdmagnetfeld, eben wegen ihrer Ladung).

Betrachtet man jetzt mal nicht die Vorgänge oberhalb von Gewitterwolken (sprites, jets etc.), die sowieso bislang kaum verstanden sind, dann muß man davon ausgehen, daß sich das Gebiet der Wellenanregung ungefähr in der Mitte zwischen Sender und Empfänger befinden muß. Man beachte, daß die Brechungswinkel sowohl bei troposphärischer wie auch bei ionosphärischer Wellenausbreitung sehr klein sind (Größenordnung kleiner als 1°). Ich denke, daß das Gewitter am Beobachterstandort nicht die entscheidende Rolle spielt, aber bei gradientschwachen Wetterlagen im Sommer treten ja verbreitet (zum Teil in ganz Mitteleuropa) Gewitter auf.

von MHM - am 15.04.2009 15:42
zum Thema in welchen Monaten Sporadic E am Häufigsten auftritt ( Mai bis August ) , siehe auch:
www.mmmonvhf.de/eseval.php


von Werner53 - am 21.04.2009 11:33
Ich konnte im Auto auch schon mal ganz schwach den TV-Ton von RTL2 hören, das nächste Kabelnetz ist 50 km entfernt. Daher tipp ich auf eine Sat-Anlage meines Nachbarn.

von andimik - am 21.04.2009 12:07
Sporadic E bleibt wohl auch weiterhin ein sehr interessantes und "mysteriöses" Thema.
Ich versuche schon seit über 35 Jahren Zusammenhänge von Sporadic E und dem Wetter in Europa zu finden. Neben dem DX-en gehört auch das "Wetter" zu meinen Hobbys. Fazit: Es gab über Jahre bestimmte Wetterlagen, die meist Sporadic E "hervorbrachten". Und dann "funktionierte" dieser Zusammenhang plötzlich von einem auf das andere Jahr nicht mehr. Als Faustregel konnte man früher (ca.1975-1990) sagen: "Etwa drei Tage nach Auftreten von Sporadic E ändert sich das Wetter hier in DE grundlegend". Auch wenn kein Wetterbericht diese Option in seiner Vorhersage hatte. Diese Beobachtung machte ich auch bei starken Tropo-Lagen im Sommer. Tropo aus Süd, Wetter wird schlechter. Tropo aus Nord, Wetter wird schöner oder bleibt schön.
Ich denke bei Sporadic E laufen "Sachen" ab, die die Menschheit noch garnicht kennt und versteht. Vor einigen Jahren wurde ja auch eine vermutete Theorie, "Sporadic E tritt nur am Tag auf, weil die Sonne dabei eine große Rolle spielt" widerlegt. Mehrmals hatte ich ES-Empfänge nachts zwischen 23 Uhr und 3 Uhr. Da scheint auch in Spanien oder Afrika keine Sonne mehr.:D Es bleiben also Fragen über Fragen und eine wissenschaftliche Erklärung ist nicht in Sicht.
Einige "Vorgänge" bei Sporadic E verwundern mich aber immer wieder. Zum Beispiel: Wie kommt ein Sender mit 50 oder 100 Watt Leistung überhaupt erst einmal in solche Höhen wo er reflektiert werden kann? Die Sender-Abstrahlung ist ja eigentlich in die horizontale Ebene gebündelt um keine Energie zu verschwenden. Also müssen diese Wellen viele hundert Kilometer weit reichen um in eine reflektierenden Schicht oder Wolke zu gelangen. Hat es so ein Sender dann irgendwie bis nach DE geschafft, gibt es auch schon das nächste "Wunder". Oft drückt so ein schwacher Sender einen viel stärkeren Sender aus der Region einfach weg. Eigentlich müßte sich Leistung ja durchsetzen. Wenn ich Freunden Sporadic E erklären soll, nehme ich immer Folgendes Beispiel. "Sporadic E ist, als ob du mit 200 km/h auf der Autobahn fährst und dich überholt ein Fahrrad." :D
Seltsam ist auch folgende Beobachtung, die ich am 31.07.06 zwischen 17 Uhr und 18 Uhr gemacht habe. Etwa 15-20 km südlich von mir stand eine kräftige Gewitterzelle. Von Sporadic E keine Spur. Als die Zelle langsam näher kam, war plötzlich das gesamte UKW-Band voller Sender aus Norwegen und Schweden. Sender aus DE waren fast nicht mehr zu hören. Das sind bis heute meine einzigen Empfänge aus diesen beiden Ländern. Das Gewitter war nun fast über mir und ich wußte nicht, ob ich die Empfänger an lassen oder lieber ausschalten sollte. Einige Blitz-Naheinschläge veränderten binnen 1-2 Minuten die Empfangsbedingungen grundlegend. Es war kein einziger fremder Sender mehr zu hören und ich habe die Geräte lieber ausgeschalten. Man könnte annehmen, die Gewitterzelle hat als Reflektor gewirkt. Bleibt aber wieder die Frage, wie sind die Sender überhaupt erst bis zu der Zelle gelangt? Die gleiche Beobachtung konnte ich im selben Jahr noch einmal mit BBC-Sendern machen. Nur stand da eine Gewitterzelle südöstlich von mir. Also auch wieder die Möglichkeit der Reflektion. Seit dem hat sich noch kein Gewitter wieder als "Reflektor" geoutet.

von Radio-DX - am 21.04.2009 14:31
@ Radio-DX

die Reflexion findet NICHT am Empfangsort sondern in der Mitte zwischen Sender und Empfangsort statt ( und in Höhen, in denen kein " Wetter " mehr existiert ).

von Werner53 - am 21.04.2009 16:05
Ojeh OT... ;)

Zitat

Wie kommt ein Sender mit 50 oder 100 Watt Leistung überhaupt erst einmal in solche Höhen wo er reflektiert werden kann?
Zitat

die Reflexion findet NICHT am Empfangsort sondern in der Mitte zwischen Sender und Empfangsort statt.

Und das sind bei typischem Sporadic E 800...1200 km, im Schnitt also 1000 km, wo die E s-Wolke vom Sender bei waagerechter (besser: tangentialer) Abstrahlung getroffen werden muss. Ich hab's mal grob nachgerechnet.

Erdumfang = 40.000 km bei 360° -->
Entfernung Sender - Empfänger = 2000 km -->
(Dreisatz) überstrichenes Bogenmaß = 18° --->
Bogenmaß Sender - E s-Wolke = 9° -->
Cosinus berechnen: cos
cos 9° = Erdradius 6370 km / (Erdradius 6370 km + gesuchte Höhe der E s-Wolke) -->
Eingeben in http://www.mathepower.com/sincostan.php -->
Höhe E s-Wolke = 6450 - 6370 = 80 km

Das ist doch in etwa die bekannte Höhe der E s-Schicht. Und dass man durch leeren Raum keine hohen Senderleistungen braucht, ist bekannt. [/OT]






von Erich Hoinicke - am 21.04.2009 17:02
und wie soll ich jetzt am besten für die kommende Saison meine K4 4Element montieren?
horizontal oder vertikal und wohin ausgerichtet?
Vielleicht bringt ja schräg nach oben den besten Empfang.
Wie sind eure Erfahrungen? Warscheinlich wäre ein K2 Dipol ohnehin besser.

Mike

von cain - am 21.04.2009 19:11
Zitat

horizontal oder vertikal und wohin ausgerichtet?

Polarisation sollte egal sein, weil die sich auf der Strecke verdrehen kann. Horizontale Ausrichtung ist technisch besser zu machen, kein Einfluss durch das Mastrohr. Richtung? Tja, dahin wo's herkommt? Weiß man eben vorher nie. Rotor oder drehbarer Zimmerdipol muss da schon sein.
Zitat

Vielleicht bringt ja schräg nach oben den besten Empfang.

Das sicher nicht, es sei denn man wohnt direkt vor einem Bergrücken. Oder die Erde wäre eine Scheibe. Deswegen die Rechnung mit zwei Tangenten am Sende- und Empfangsort, die sich in der E s-Wolke schneiden (habe leider keine passende Skizze gefunden.)

Waagerechte Ausrichtung ist also verbindlich. Mit mehr Neigung nach oben blendet man den Reflexionspunkt aus, der genaugenommen dicht über dem Horizont liegt, nur eben ~1000 km weg und dort ~80 km über dem Boden.

von Erich Hoinicke - am 21.04.2009 19:51
@ Werner53

Diese Erklärung ist mir schon bekannt.. Es kann aber auch nur wieder so eine Theorie sein. Warum sollte eine Es-Wolke eine Unterseite haben, die genau parallel zur Erdoberfläche verläuft und sich "ruhig verhält" . Nur dann ist der Reflektionspunk etwa mittig zwischen Sender und Empfänger. Was ist aber wenn die Es-Wolke sich "schräg" im Raum befindet und sich ständig bewegt. Da reichen schon wenige Grad Neigung und die Sache sieht ganz anders aus. Da müssen neue Erklärungen her. Das Es-Wolken sich "bewegen" zweifelt hier sicher niemand an und wird durch eine Beobachtung von mir mit einer 8-El.-Antenne bei Sporadic E gestützt. Dabei mußte ich in wenigen Minuten mehrmals die Antenne bis zu 45 Grad nach beiden Seiten verdrehen, um den angepeilten Sender gut empfangen zu können. Das kann man wohl nur noch mit "Mehrfachreflektion" oder extremer Verzerrung (Beugung) erklären. Seit dieser Beobachtung benutze ich für Sporadic E nur noch meine Eigenbau Groundplane-Antenne.
Auch das mit dem Wetter würde ich nicht so einfach vom Tisch wischen. So hat man z.Bsp. erst vor einigen Jahren entdeckt, daß riesige Blitze aus einer Gewitterzelle auch in Richtung Weltall austreten. Das könnte sich dann schon auf die Es-Schicht auswirken. Leider gibt es aber auch dagegen wieder das Argument, daß es Sporadic E gab, obwohl in ganz Europa keine nennenswerten Gewitter auftraten. Ich will die Sache aber auch nicht nur an Gewittern festmachen. Es sind einfach nur Beobachtungen die ich gemacht habe. Bleibt trotzdem die Frage, warum gab es genau zu dem Zeitpunkt einen Reflektionspunk über der "Ostsee", als hier das Gewitter aufzog und wer oder was hat ihn vertrieben, als es hier kräftig blitzte? Am schlimmsten ist aber, daß er bis heute nicht wieder kam.:D

@ Erich Hoinicke

Bis die Wellen die Es-Schicht erreichen, müssen sie bei dem flachen Abstrahlwinkel schon eine erhebliche Strecke durch die unteren Atmosphärenschichten zurücklegen. Das sollte für einen 100 Watt-Sender dann doch schon eine "richtige Aufgabe" darstellen. Aber zum Glück schaffen sie es ja ab und zu ...irgendwie. Warum auch immer.

Ob es nun einen Zusammenhang von Sporadic E und bestimmten Wetterlagen über Europa gibt, könnte man mit großem Zeitaufwand sicherlich überprüfen. Dazu müßte man "nur" Einträge hier im Forum mit Daten aus Wetterarchiven im Netz vergleichen und Gemeinsamkeiten ermitteln. Aber wer hat schon die Zeit dazu?

von Radio-DX - am 21.04.2009 22:17
Ein paar Anmerkungen zur Diskussion

- der Reflexionspunkt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen Sender und Empfänger. Das lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die Empfänge europäischer DXer vergleicht: Häufig kreuzen sich die Linien an einem Punkt. Das wird bei den FMLIST-Logkarten schön deutlich.

- Wenn die Reflexion direkt über dem Empfangsort eine Rolle spielen würde, dann müsste sie bei typischen Entfernungen von 1500-2000 km viel höher erfolgen. Dann wären wir schon in der F-Schicht. Wenn es grundsätzlich "Sporadic F" gäbe, dann aber sicherlich nicht nur schräg, sondern auch gerade. Und dann müssten wir häufig Entfernungen von 3000 km haben. Haben wir aber nicht, nur bei seltenen Doppelhops oder TEP.

- Wenn man schräge Situationen miteinbezieht und mit dem Wetter in Verbindung bringt, müsste man aber grundsätzlich das Wetter auf der gesamten Strecke zwischen Empfänger und Sender analysieren.

- Zum Stichwort schwache Sender (Fahrrad auf der Autobahn): Sporadic-Stationen haben oft Feldstärken, die einer Sichtverbindung ensprechen. Sie erreichen den Empfänger von einer Position wenige Grad oberhalb des Horizonts. Ortssender liegen sozusagen tiefer. Sobald keine Sicht besteht, setzt sofort eine starke Dämpfung durch Gebäude, Wälder, Beugung etc ein. Ein Rechenbeispiel:
1 KW aus 2000 km hätte dieselbe Feldstärke wie 10 kW aus 20 km mit 30 dB Dämpfung.

- es gibt aber ständig die Verkettung von Sporadic E mit Tropo. Von daher ist es kein Wunder, wenn sich bei Ausbruch eines Gewitters der Empfang ändert. Selbstredend kann ein plötzliches Verschwinden der Sender auch zufällig eintreten, denn bei Sporadic kann sich der Empfang ja von Minute zu Minute ja sowieso rapide ändern.

- Wenn Sporadic-E-Signale nur schwach ankommen, dann könnte es sein, dass sie ein paar km vom Empfänger auftreffen und dann gedämpft werden.

- aus eigener Erfahrung würde ich aber auch sagen, dass Sporadic E häufig auftritt, wenn Gewitterfronten über Europa hinwegziehen. Allerdings ist das nicht zwingend. Und man muss vorsichtig sein: es gewittert im Sommer ständig irgendwo.

- ein weiterer Effekt, den ich schon mal angesprochen habe: leicht erhöhte Signale von Stationen im 200-500 km-Bereich kurz vor, während und nach Sporadic-E-Ereignissen, verbunden mit schellem Flackerfading. Ich habe schon über vieles nachgedacht: Backscatter, Flugzeugreflexionen etc. in Verbindung mit Sporadic. Das wäre nochmal interessant zu untersuchen.


von peeraxel - am 22.04.2009 08:44
So, ich habe die Aufzeichnungen zu meinem "Gewitterempfang" aus Norwegen und Schweden vom 31.07.06 mal hervorgekramt. Die Sender kamen alle aus einer Entfernung von ca. 780 - 1200 km. Es gab einige Doppelbelegungen die aber km-mäßig aus der Reihe tanzten und einige Funzeln von 20 - 50 Watt, die ich nicht mit beachtet habe. Alle Empfänge waren mit RDS (PS). Einzige Ausnahme zwischen den ganzen skandinavischen Sendern war CAD DIAL auf der 96,1 aus Spanien (1758 km). Ich habe eben noch einmal im Forum nachgesucht, aber an diesem Tag hat hier niemand Es-Empfänge gehabt. Wenn ich mir die Entfernungen der Sender aus Skandinavien anschaue, dann könnte es sich evtl. um "Super-Tropo"-Empfang handeln. Hervorgerufen oder begünstigt durch das Gewitter. Ein direkter Es-Empfang scheidet wohl aus, da ich in 500 m Entfernung einen 60 m hohen Berg vor der Nase habe. Also alles sehr seltsam.


@ peeraxel

Sichtverbindung bedeutet aber nicht dämpfungsfreie Übertragung. Sonst gäbe es in hochgelegenen Orten oder anderen exponierten Lagen Empfangschaos pur. Das ist aber nicht so. Ich habe bei meiner Schwiegermutter selbst so eine Situation. Theoretisch freie Sicht nach Norden (Ostsee) und nach Osten (Polen). Kein Berg oder Gebäude ist höher. Im Nordwesten ist der Harz und Hohe Meißner das erste Hindernis. Trotzdem kommen hier nicht alle Sender, zu denen theoretisch Sichtverbindung besteht. Tropo macht hier aber großen Spaß. Hoch lebe (wohnt) die Schwiegermutter.:D



von Radio-DX - am 22.04.2009 16:00
Sichtverbindung müsste aber doch relativ dämpfungsfrei gehen. Zwar könnten vielleicht Wellen durch ungünstige Wetterlagen so gebrochen werden, dass eine Dämpfung entsteht, sozusagen Anti-Tropo. Aber viel kann das nicht ausmachen. Häufig ist es aber so, dass in einige Richtungen starke Leistungseinzüge bestehen. Mein Lieblingsbeispiel ist der hiesige DLR Kultur-Sender bei Flensburg auf 92,1: er macht offiziel 1kW, tatsächlich nur gut 100 Watt in Hauptstrahlrichtung und nur ca. 1 Watt in einige andere Richtungen. Da ist selbst nach 5 km mit einem guten Autoradio kein störungsfreies Hören mehr möglich. Ähnlich könnte es in Deiner Lage sein. Wobei ich vermuten würde, dass dann viele Sender einfach von stärkeren überlagert werden - sie sind aber trotzdem da. Ist das so?

Deine Empfänge waren wahrscheinlich doch Sporadic. Das passt auch prima zusammen. Bei den kurzen Entfernungen hätte das Signal einen relativ steilen Einfallswinkel und kann auf diese Weise auch den Hügel überwinden. Im Flachland bzw. auf einem Berg bei freiem Horizont sind geringere Einfallswinkel möglich. Und dann sind Emüfänge von 1500 km bis 2000 km die Regel, die Du in Richtung des Hügels wahrscheinlich nur gedämpft empfangen würdest. Wobei 780 km für UKW wirklich sehr wenig ist - könnten es auch entferntere Masten sein? Mein Minimalrekord liegt bei 900 km, und das ist schon selten. Das setzt einen hohen Brechungswinkel und damit sehr starkes Sporadic-E voraus.


von peeraxel - am 23.04.2009 05:12
@ peeraxel

War heute mit dem Auto unterwegs und habe dabei einen kurzen Abstecher zum "Standort Schwiegermutter" gemacht. Dort habe ich mir eine Stelle gesucht, wo eine Abschattung nach Süden besteht. Das ist dort notwendig, da sonst das Band mit Sendern aus Bayern "verseucht" wird. Mit dem Autoradio (RCD 510) habe ich einige Frequenzen gefunden, wo keine oder nur ganz schwache Sender zu hören waren. Hier eine Liste der "freien" Frequenzen, die aber mit Sendern in nördlicher und östlicher Richtung und einer Leistung von 1 - 120 KW belegt sind. Entfernung 50 -375 km.

88,5 / 88,6 / 88,8 / 88,9 / 90,0 / 90,1 / 90,5 / 92,4 / 93,8 / 95,8 / 98,6 / 100,6 / 101,0 / 102,6 / 103,0 / 104,8 / 105,0 / 107,3

Trotz der leicht angehobenen Bedingungen aus Norden war von den Berliner (223 km) und Brandenburger Großsendern fast nix zu hören.

von Radio-DX - am 23.04.2009 19:52
Zitat
DC3
Ich war gestern auf der A65 Richtung Karlsruhe unterwegs und fand im Autoradio ein türkischsprachiges Programm auf der 87,5 MHz (!).
Standort war die Autobahnraststätte zwischen Neustadt und Landau.
Es klang mehr nach dem TRT-TV-Programm als nach einem Radiosender. Radyo Metropol FM konnte ich leider nicht empfangen (um zu vergleichen).
Was könnte das gewesen sein? Eventuell ein Mischprodukt oder ein Kabelleck in der Nähe??

Gestern hatte ich das gleiche Erlebnis auf einem Parkplatz auf der A33 nähe Paderborn.
Dort konnte ich beim Scannen auf 107,1 den Ton eines polnischsprachigen TV-Programms hören. :eek: Und da außer mir nur noch ein polnischer LKW auf dem Parkplatz war, musste ich auch nicht lange überlegen...
Bei der Rückkehr auf die Autobahn war das TV-Signal dann schnell wieder weg (Reichweite ca. 400 m) und auf 107,1 war nur noch DLF aus Bremen zu hören.

von Manager. - am 09.05.2009 06:15
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