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Inselsberg E05 und Brocken E06 - Vor 1990 mit mehr als 100 KW?

Startbeitrag von Kay B am 06.06.2009 00:16

Es wird ja öfters gesagt, daß man mit Wikipedia-Artikeln etwas vorsichtig umgehen muß, was die Inhalte angeht. Aber im Artikel zum Deutschen Fernsehfunk steht etwas, was ich doch mal hier anbringen will:

Zitat

1990 bis 1991 – Die Abschaltung
(...)
Das erste Programm der ARD übernahm die Senderkette des bisherigen DFF 1. Die Sendeleistung der früheren grenznahen Sender Brocken (Kanal 6) und Inselsberg (Kanal 5) wurde später verringert.


Der E05 vom Inselsberg und der E06 vom Brocken waren bekanntlich mit einer ERP von 100 KW koordiniert. Kann jemand hier eine Leistungsreduzierung der beiden Sender mit dem Ende der DDR bestätigen?

Falls ja, dann stellt sich die Frage, mit welchen Leistungen die Sender vor und mit welchen Leistungen die Sender nach dem Ende der DDR in Betrieb waren.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir auch die Frage, wer die Einhaltung der effektiven Strahlungsleistungen eigentlich kontrolliert. Klar, bei uns ist es jetzt die Bundesnetzagentur. Aber wäre es möglich gewesen, daß der E05 vom Inselsberg und der E06 vom Brocken zur DDR-Zeit mit weit mehr als 100 KW ERP gesendet haben, ohne, daß das jemand außerhalb der DDR nachkontrollieren konnte? Oder anders gefragt: Ist jedes Land selbst für die Kontrolle der Einhaltung der effektiven Strahlungsleistungen der ihm international zugewiesenen Sender zuständig? Oder gibt es da noch etwas auf euorpäischer oder internationaler Ebene, das die Einhaltung der effektiven Strahlungsleistungen überprüft?

Antworten:

Also, dass die Sendeleistung von den VHF-Kanälen höher gewesen sein soll als 100kW, kann ich nicht glauben. Die Bildqualität vom Brocken war immer gleich gut und aber eigentlich nie 100% sauber, das lag vermutlich am Sender, der war ja schon uralt, der Ton vom Brocken K6 war auch immer irgendwie leicht verzerrt und leicht rauschig, beim NDR-ARD-K10 war das nicht der Fall.

Mit Inbetriebnahme des Senders auf dem neuen Sendemast, steigerte sich die Bild-u.Tonqualität des K6 deutlich, ohne die Sendeleistung zu erhöhen, das war allerdings erst zu Westzeiten, die Reichweite erhöhte sich nicht merklich, war auch nicht geringer als vorher.

Die angebliche Pal-Testsendung von 1980 halte ich total für ein Märchen, in der DDR herrschte bis zum Schluss extreme Mangelwirtschaft, als dass man zum Dudeldei für die "Westbürger" mal solche Experimente gemacht haben könnte, ohne dass es je in den Regelbetrieb ging.
Es war bis zum Ende der DDR die DDR-TV- und UKW-Versorgung der gesamten Fläche der DDR mit all ihren DDR-Programmen in guter Qualität, alles andere als flächendeckend, einige Gebiete waren via UKW-Stereo und DDR2-TV bis fast zum Ende der DDR eigentlich unterversorgt, die Mangelwirtschaft konnte es nicht erbringen, es mangelte auch oft an Rundfunk u.TV-Übertragungsstrecken.
Die letzten UKW-Sender auf dem Brocken, welche endlich auf stereo umgestellt wurden war etwa um 1986/87 herum, bis vor 1985 gabs auf dem Brocken nur Radio DDR2 in stereo, alles andere war mono. Die erste Einführung des Stereorundfunks auf UKW war 1962, wenn man bedenkt wie lange die DDR dafür schon alleine gebraucht hatte, dann soll es eine angebliche Pal-Testsendung gegeben habe, hahaha.

Ab 1985 wurde der "Berliner Rundfunk" als 2. Sender vom Brocken in stereo aufgeschaltet, dann kam später "Radio DDR1" dazu und zum Schluß "Stimme der DDR".
Zum ähnlichen Zeitfenster wurden auch in Wiederau die 3 Sender auf stereo umgestellt, allerdings kam hier dann abends auf der anfangs (der Messewellensender lag ja die meiste Zeit vom Jahr brach) der 98,5 Mhz (so ab 1985) die neue Welle "Hallo und DT auf UKW" mit hinzu, von Anfang an in stereo, daraus ging dann das Jugendprogramm "DT 64" hervor, welche dann auch später die 5. UKW-Kette bekam, ab dann wurde in Wiederau auf die 102,9 gewechselt.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 06.06.2009 06:44
PAL hat man in der DDR schon verwendet - allerdings im Bereich der Studiotechnik und auf einigen Uebertragungsstrecken. Meines Wissens ist PAL bei Produktion und Uebertragung problemloser zu handhaben als SECAM - und eine Farbnormwandlung stellte auch damals nicht unbedingt das Problem dar.

Meines Erachtens hielt sich die DDR nach Abschaltung der Stoersender gegen die RIAS-Mittelwellen mit Ausnahme der - theoretisch unzulaessigen - Stoerung der Hundert,6-Nachrichten im Berlin Ende 1989 sehr genau an die internationalen Koordinierungen des Wellenplans von Genf.

Die Grundnetzsender entlang der innerdeutschen Grenze waren damals bereits geruegt worden, denn sie gingen ja (durchaus beabsichtigt) recht weit ins Nachbarland hinein. Nach Verweis auf die ebenfalls zahlreichen Sender entlang der Grenze auf BRD-Gebiet war dort die Diskussionsgrundlage erschoepft. Beide Seiten waren nicht zu Abstrichen bereit.

Laut nicht sonderlich zuverlaessigen Quellen sollte 1984 auch eine Erhoehung der Sendeleistungen vom Torfhaus fuer ARD und ZDF ausgehandelt werden, was die DDR-Seite aber ablehnte. Andererseits war man auf BRD-Seite nicht bereit, die von der DDR geforderten Antennenumbauten zum "Schutz des DDR-Gebietes" vorzunehmen, was man als Voraussetzung fuer die Zustimmung zu einer Leistungserhoehung verlangt hatte.

Unbestritten war auf beiden Seiten, dass die Sender Torfhaus und Brocken in ihrem jeweiligen Versorgungsgebiet unverzichtbar waren und durch die Groesse der Versorgungsgebiete die jeweilige Sendeleistung auch nicht zu hoch war.

Wenn ich das richtig in Erinnerung hatte, dann wurde 1984 auch die Abschaltung von E4 Calau vereinbart, der wohl selbst in einigen Gegenden im bayerischen Vogtland fuer Jalusiebilder im ARD-Bild vom Ochsenkopf sorgte. Zahlreiche zusaetzliche TV-Kanaele fuer die Verbesserung des Empfangs des 2. Programms wurden 1984 uebrigens auch koordiniert, u. a. der entsprechende UHF-Kanal als Ersatz fuer den Band I-Sender in Calau. Der groesste Teil davon ging auch in Betrieb, wobei sich die DDR da teilweise recht viel Zeit liess. Dazu hat wohl auch beigetragen, dass Ende der 80er selbst die meist verbauten Tesla-Sender mit harter Waehrung bezahlt werden wollten.

Was die spaete Umstellung der UKW-Brockensender anbetrifft, so habe ich da etwas andere Informationen. Man hatte urspruenglich nach der Umstellung von Radio DDR 2 auf Stereo ueberhaupt nicht mehr vor, die anderen Programme auf Stereo umzustellen. Das Gebiet, dass der Brocken im Harz zu DDR-Zeiten versorgte, ist ziemlich zerklueftet, der UKW-Empfang war durch Reflexionen ziemlich beeintraechtigt. Vielerorts war daher fuer ortsfesten Empfang der Brocken nicht unbedingt die erste Wahl und man war von weiter entfernten Sendern teilweise besser versorgt. Teilweise erklaert das den heutigen Funzelteppich im Harz, mit dem man versuchte, die dort ortsueblichen Sender wenigstens einigermassen gut empfangbar zu machen. Die Umstellung von Radio DDR 2 auf Stereo zeigt, dass der Stereoempfang doch deutlich empfindlicher auf Reflexionen und Mehrwegeempfang reagierte als bereits befuerchtet wurde. Die Plaene wurden daher erstmal verworfen. Jedoch waren die Forderungen aus vom Brocken besser versorgten Gebieten stark genug, dass man widerwillig dem Stereobetrieb spaeter doch zustimmte - mit den entsprechenenden Nachteilen im Nahbereich.

Um auf die urspruengliche Frage zurueckzukommen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die DDR sich da ueber die internationalen Koordinierungen hinwegsetzte.

von PowerAM - am 06.06.2009 09:59
@ DLR-Fan Sachsen-Anhalt

Zitat

Mit Inbetriebnahme des Senders auf dem neuen Sendemast, steigerte sich die Bild-u.Tonqualität des K6 deutlich, ohne die Sendeleistung zu erhöhen, das war allerdings erst zu Westzeiten, die Reichweite erhöhte sich nicht merklich, war auch nicht geringer als vorher.


Wann wurden die jetzigen Sendetürme auf dem Brocken und dem Inselsberg (sind ja baugleich) eigentlich gebaut? Und warum zog der E06 auf dem Brocken erst nach der Wende vom jetzigen Aussichtsturm auf den neuen Sendeturm um?


Zitat

Die angebliche Pal-Testsendung von 1980 halte ich total für ein Märchen (...)


Ja, ich auch. Das, was man auf dem Bildschirmphoto im Wikipedia-Artikel sieht, ist nur Farbmatsch. Manchmal schaltet sich bei reinen PAL-Fernsehern der PAL-Dekoder bei Empfang eines SECAM-Signals nicht ab, sondern verarbeitet den Mischmasch der beiden SECAM-Farbträger. Und dabei kommt eben so ein Farbmatsch wie auf dem obigen Bild raus.


Zitat

Die erste Einführung des Stereorundfunks auf UKW war 1962, wenn man bedenkt wie lange die DDR dafür schon alleine gebraucht hatte, dann soll es eine angebliche Pal-Testsendung gegeben habe, hahaha.


Wenn studiointern tatsächlich mit PAL gearbeitet wurde, hätte man ja einfach nur die PAL-SECAM-Transkodierung weglassen müssen. Die Farbenkodierung ging wohl in Adlershof von statten. Ob über das Richtfunknetz dann ein SECAM- oder PAL-Signal zu den Senderstandorten ging, dürfte wurscht gewesen sein.



@ PowerAM

Zitat

Meines Wissens ist PAL bei Produktion und Uebertragung problemloser zu handhaben als SECAM - und eine Farbnormwandlung stellte auch damals nicht unbedingt das Problem dar.


Genau. PAL benutzt Quadratur-Amplitudenmodulation. Zwei QAM-Signale lassen sich problemlos mischen. SECAM hingegen benutzt zwei FM-Träger. Und das Mischen von zwei FM-Trägern bringt nur Müll. Das läßt sich auch im Rundfunk sehr schön beobachten. Zwei Mittelwellensender, die auf der gleichen Frequenz arbeiten, mischen sich und man hört beide Audiosignale gleichzeitig. Zwei UKW-Sender, die auf der gleichen Frequenz arbeiten, bringen nur Gekratze.



Zitat

Meines Erachtens hielt sich die DDR nach Abschaltung der Stoersender gegen die RIAS-Mittelwellen mit Ausnahme der - theoretisch unzulaessigen - Stoerung der Hundert,6-Nachrichten im Berlin Ende 1989 sehr genau an die internationalen Koordinierungen des Wellenplans von Genf.


Interessant. Das wußte ich noch gar nicht, daß man die 100,6 damals von DDR-Seite gestört hat.


Zitat

Die Grundnetzsender entlang der innerdeutschen Grenze waren damals bereits geruegt worden, denn sie gingen ja (durchaus beabsichtigt) recht weit ins Nachbarland hinein. Nach Verweis auf die ebenfalls zahlreichen Sender entlang der Grenze auf BRD-Gebiet war dort die Diskussionsgrundlage erschoepft. Beide Seiten waren nicht zu Abstrichen bereit.


Wer hat wen gerügt? Wurden die DDR und die BRD von internationaler Seite (Genf) gerügt oder haben sie sich gegenseitig gerügt?


Zitat

Laut nicht sonderlich zuverlaessigen Quellen sollte 1984 auch eine Erhoehung der Sendeleistungen vom Torfhaus fuer ARD und ZDF ausgehandelt werden, was die DDR-Seite aber ablehnte. Andererseits war man auf BRD-Seite nicht bereit, die von der DDR geforderten Antennenumbauten zum "Schutz des DDR-Gebietes" vorzunehmen, was man als Voraussetzung fuer die Zustimmung zu einer Leistungserhoehung verlangt hatte.


Also dann wäre quasi der E10 aus Torfhaus der einzige VHF-Sender Deutschlands gewesen, der mit einer ERP von mehr als 100 KW gesendet hätte. Welche Sendeleistungen waren denn für diese Leistungserhöhungen vorgesehen?



Zitat

Wenn ich das richtig in Erinnerung hatte, dann wurde 1984 auch die Abschaltung von E4 Calau vereinbart, der wohl selbst in einigen Gegenden im bayerischen Vogtland fuer Jalusiebilder im ARD-Bild vom Ochsenkopf sorgte.


Das wundert mich bis heute, daß die DDR den E04, der ja den "nützlichen" Nebeneffekt hatte, den Ochsenkopf-Empfang einzuschränken, freiwillig abschaltete. Aber das war ja erst 1987 - einer Zeit, in der Antennengemeinschaftsanlagen zum Empfang von ARD, ZDF, den 3. Programmen und Satellitenempfang inoffiziell schon gefördert wurden.



Zitat

Dazu hat wohl auch beigetragen, dass Ende der 80er selbst die meist verbauten Tesla-Sender mit harter Waehrung bezahlt werden wollten.


Auch ein interessantes Thema. Was ich bisher so gelesen habe, stammten einige TV-Sender in der DDR von den Firmen CSF, FWB, Zarat und Tesla. Auf dem Brocken soll einer der damaligen TV-Sender von Thompson gewesen sein. Die VHF-Sender auf dem Inselsberg und auf dem Bleßberg stammten von der Firma Zarat in Polen. War man in der DDR damals wirklich nicht dazu in der Lage, eigene Sendeanlagen zu bauen? Frühere Sendeanlagen kamen doch auch vom Funkwerk Köpenick. Stellte man die Herstellung von Sendeanlagen dort später ein?


von Kay B - am 06.06.2009 12:29
Zitat
Kay B
Wenn studiointern tatsächlich mit PAL gearbeitet wurde, hätte man ja einfach nur die PAL-SECAM-Transkodierung weglassen müssen.

Wurde es nicht, zumindest nicht flächendeckend. Ich erinnere mich dunkel an einen Artikel von einem Techniker der es wissen müßte, den ich aber im Moment nicht wiederfinde. Demnach gab es PAL-Inseln um Geräte, die man in SECAM-Versionen nicht beschaffen konnte, aber generell wurde in SECAM gearbeitet. Bei vielen DDR-Produktionen sieht man auch ganz eindeutige SECAM-Artefakte, die bei reiner Produktion in PAL nicht auftreten dürften.

Zitat

Ob über das Richtfunknetz dann ein SECAM- oder PAL-Signal zu den Senderstandorten ging, dürfte wurscht gewesen sein.

Mein einziger direkter DDR-Richtfunkempfang war ein Testbild in SECAM. Obwohl die Farbnorm den Richtfunkstrecken relativ egal sein dürfte, trifft das auf die Sender nicht unbedingt zu. Ich meine mich zu erinnern, daß zumindest einige der Grundnetzsender den Teil der Austastlücke plätteten in der der PAL-Burst gesendet wird und ohne Burst gibt es keine Farbe. SECAM hat das Problem nicht, weil die SECAM-Referenz sowohl in der horizontalen als auch in der vertikalen Austastlücke liegen kann. Beim DDR-Fernsehen lag sie logischerweise in der vertikalen Austastlücke. Für die Umstellung auf PAL mußten die betroffenen Sender vorher umgerüstet werden.

Zitat

War man in der DDR damals wirklich nicht dazu in der Lage, eigene Sendeanlagen zu bauen?

In den "RGW"-Ländern war (eigentlich) festgelegt, welches Land was herstellt. Und wenn der große Bruder beschließt, daß die DDR keine Sendeanlagen baut, dann ist das eben so. Die Länder, die welche bauen sollten, kamen dem Bedarf nicht hinterher und Westgeld war bekanntlich knapp. Da können andere sicherlich mehr zu schreiben.

Catperson


von catperson - am 06.06.2009 17:19
Wie sehen denn SECAM Artefakte aus?

von Spacelab - am 06.06.2009 17:24
Der Inselsberg mit dem neuen Sendeturm ging schon komplett zu DDR-Zeiten in Betrieb.

Der Brocken wurde seit Bau des neuen Turms zu DDR-Zeiten mit 2 Sendetürmen betrieben. UKW u. DDR1-TV K6 war weiter auf dem alten Turm und UHF K34 DDR2-TV kam dann ausschließlich vom neuen Turm.
Auf Grund von Mangelwirtschaft in der DDR wurde der alte Sendeturm eben weiter betrieben, es war zu DDR-Zeiten schon geplant alles auf den neuen Sendeturm zu schalten, das hatte die DDR dann bis zur Wende nicht mehr geschafft. Zu Westzeiten, ich glaube so um 1993 herum, wurde dann UKW und K6 ARD auf den neuen Turm geschaltet.

Also wann der genaue Beginn des Baus der Sendetürme Brocken u. Inselsberg war, weiß ich leider nicht, müsste ja so Mitte der 1980er Jahre gewesen sein.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 06.06.2009 17:46
Hier gibt es eine sehr umfangrreiche Chronik zu den Sendeanlagen auf dem Brocken:
http://www.gwitte.homepage.t-online.de/pdf/zeit-sender.pdf

von carkiller08 - am 06.06.2009 18:12
Und hier ist ein Brocken-Foto, welches im Jahr 1987 durch ein Fernrohr vom Torfhaus aus geschossen wurde. Es gehört eigentlich mal neu eingescannt.



Bemerkenswert sind a) die unzähligen weißen Kästen, die Richtung Westen ausgerichtet waren und b) der alte Sendemast, der irgendwann nach der Wende (?) demontiert wurde.

Bildquelle: www.senderfotos.de

von Mc Jack - am 06.06.2009 18:18
Auf der Seite von Herrn Witte gibt es auch schöne Fotos dazu:
http://www.gwitte.homepage.t-online.de/img-nturm/nturm.html

von carkiller08 - am 06.06.2009 18:26
Zitat
Kay B
Der E05 vom Inselsberg und der E06 vom Brocken waren bekanntlich mit einer ERP von 100 KW koordiniert. Kann jemand hier eine Leistungsreduzierung der beiden Sender mit dem Ende der DDR bestätigen?

Habe hier keine Leistungsreduzierung beobachtet.
OK, Brocken bleibt mal wegen der Nähe aussen vor. Kann ich nichts zu sagen. Den Inselberg auf E 05 konnte ich in gleichbleibender Qualität - nämlich leicht verschneit, aber in Farbe - bis zum Schluß im letzten Jahr empfangen.
Anders der K 31(DDR2/DFF2) vom Inselsberg. Auf einmal war der futsch. Den damals gegründeten MDR mit dem Thüringen-Journal konnte ich aber dennoch empfangen. Nämlich auf K 45 aus Keula.

von bikerbs - am 06.06.2009 18:37
Ich versuche mal mein zusammengetragenes Halbwissen vom Hoerensagen zu sortieren. Vieles habe ich von einem Familienmitglied, das bis zur Abwicklung des DFF in Adlershof im Bereich Tontechnik gearbeitet hat.

Zunaechst mal zu Hundert,6! Der Privatsender eines Herrn Schamoni war in den Wendezeiten auch im Bereich der Propaganda gegen die DDR taetig. Waehrend sich die anderen Sender um weitgehend serioese Nachrichten bemuehten, bestanden sie bei Hundert,6 schon mal zu gleichen Teilen aus Kommentaren und Nachrichtenmeldungen. Durch das damals recht frische und junge Musikformat war der Sender auch in der Hauptstadt der DDR und dem Umland durchaus beliebt. Es gibt verschiedene Berichte ueber den Stoersender, der im Herbst 1989 regelmaessig die Nachrichten mit einem Rauschsignal stoerte. Er stand definitiv irgendwo im Ostteil Berlins, dort war auch die Stoerwirkung am groessten. Im Bereich um den Alexanderplatz herum bzw. in der Friedrichshainer Wohnung meiner Oma war Hundert,6 waehrend des eingeschalteten Stoersenders fast unhoerbar. Zwar war noch Restsignal da, die Verstaendlichkeit ging aber gegen Null. Dagegen war die Wirkung des Stoersenders an meinem heutigen Wohnort, an dem ich seit kurz nach dem 1. Geburtstag zuhause bin, eher gering. "Hier draussen" hatte man das Rauschen zwar auch noch drauf, es liess sich aber selbst an einer Teleskopantenne nahezu ausblenden. Die Nachrichten waren hier also nicht mehr unhoerbar.

Zu den Grundnetzsendern entlang der Grenze: Man zeigte wohl gegenseitig mit ausgestreckem Zeigefinger auf die grenznahen "Propagandasender" der jeweils anderen Seite. Allerdings gab es auf beiden Seiten auch mit wenigen Ausnahmen keine Alternativen. Von daher blieb es auch dabei. Die Absicht, die beiden Kanaele von ARD und ZDF vom Torfhaus zu verstaerken, kam nach den Erzaehlungen wohl zweimal. In den fruehen 70ern gab es den ersten Versuch, sich mit der DDR darueber zu einigen. Die wiederum forderte eine wirksame Ausblendung der Einstrahlung in ihr Gebiet, sozusagen als Territoriumsschutz. Die beiden Kanaele sollten so ausgeblendet werden, dass sie mit normalem Antennenaufwand vielleicht noch im Ostharz gegangen waeren, wo allerdings der Torfhausempfang wie auch der vom Brocken eher knifflig war. Zweiter Versuch war '84, wo sich fuer beide Laender viel getan hatte. Zu der Leistungserhoehung kam es trotzdem nicht, da die Zustimmung von DDR-Seite nicht kam. Gleichzeitig war aber die geforderte Ausblendung des DDR-Gebietes auch technisch kaum moeglich. Gefordert war, die Richtung Leipzig sowie den damaligen Bezirk Magdeburg zu schuetzen und den Empfang der Torfhaussender dort erheblich einzuschraenken. Das ist insofern bemerkenswert, da in den 80ern kaum noch darauf Einfluss genommen wurde, in der DDR den Westempfang zu unterbinden. Abgesehen davon gab es allerdings Betriebe und staatliche Einrichtungen, die ihren Angehoerigen den Westempfang offiziell untersagten. Wie so oft in der DDR wurde das trotzdem gemacht, man sprach dann eben nur nicht drueber.

Die Abschaltung des Calauer E4 war an die Zuweisung einer leistungsstarken Frequenz im UHF-Bereich gebunden. Das Entgegenkommen kam auf Betreiben westdeutscher Vermittler. Der beantragte Kanal wurde zugewiesen, ging aber wegen fehlender technischer Basis erst mit dem Umbau des Calauer Senders im Jahr '87 in Betrieb. Am E4 vom Ochsenkopf wollte man festhalten, da er auf Grund der Topografie im Sendegebiet (Franken, Osthessen, bay. Vogtland, ...) gegenueber dem UHF-Bereich zahlreiche Vorteile bot. Allerdings stoerten sich beide Sender trotz unterschiedlicher (?) Polarisation wohl recht regelmaessig.

Der Umbau auf dem Brocken hat sich uebrigens ebenso wie der in Calau durch die anhaltende Embargopolitik hingezogen. An "Westtechnik" kam man nur im Ausnahmefall und meist auch nur zufaellig. Die Technikhersteller in den Bruderstaaten lieferten teilweise selbst wegen Materialknappheit nur stark verzoegert oder manchmal auch nach jahrelanger Wartezeit ueberhaupt nicht. Ausserdem war ein Verkauf gegen Valuta lukrativer und ging z. B. bei Tesla immer vor.

von PowerAM - am 06.06.2009 19:09
Guten Abend,

Der Störsender welcher auf 100,6 Mhz eingesetzt wurde befand sich auf den Fernsehturm Alexanderplatz. Jahre später wurde der Reguläre Sendebetrieb von 100,6 von der Paulsborner Strasse zum Fernsehturm Alexanderplatz verlagert und der ( Ehemalige ) Störsender zur Ausstrahlung
des Regulären 100,6 Programmes verwendet. Dadurch verbesserte sich der Empfang von 100,6 im
Umland deutlich.
MFG Detlef.

von RADIO354 - am 06.06.2009 21:01
Die Ausführungen von PowerAM sind äußerst interessant und bieten eine Fülle von wertvollen Infomationen und Hintergründen..
Es ist absolut verständlich, dass die Bundesrepublik dem Ansinnen der DDR zum "Territoriumsschutz" nicht nachkam.
---
Für E 4 vom Ochsenkopf (vertikal.; Calau war horizontal) hätte man keinen gleichwertigen Ersatz finden können. Bestenfalls hätte man evtl. einen hohen UHF-Kanal (Bereich V) bekommen können. Die Reichweite wäre allerdings geringer gewesen, s. BFS Kanal 57, der zwar im Gegensatz zu K 23 nicht von einem Nachbarkanal beeinträchtigt wurde, aber eben nicht so weit kam.

von hetietz - am 07.06.2009 05:10
@ Radio354: Ich hatte es vermutet und - so glaube ich - hier auch schon mal gelesen. Danke dir fuer die Bestaetigung!

Allerdings war die Stoerwirkung nicht ansatzweise so wirksam wie spaeter die regulaere Ausstrahlung von Hundert,6 vom Alexanderplatz. Ich vermute daher eine Stoersenderleistung im Bereich einiger 100 W.

Die Ausstrahlung von Hundert,6 von Westberlin (war's aus Schoeneberg?) war leistungsmaessig auch nicht ueppig, denn ein paar Doerfer weiter noerdlich (am Suedrand der Schorfheide) brauchte man zum Empfang von Hundert,6 bereits eine kleinere Dachantenne. Die hier auf Grund der ausreichenden Versorgung von Berlin meist gebraeuchlichen Wurf- oder Teleskopantennen brachten ihn nicht mehr rauschfrei. Waehrend man sich fuers (West-) Fernsehen durchaus anstaendige Antennen auf oder unter das Dach setzte, war das hier fuer den UKW-Empfang eben nicht ueblich.


Weiss jemand die damalige Sendeleistung von Hundert,6 vom Westberliner Standort?

von PowerAM - am 07.06.2009 10:54
[OT] Was UHF angeht finde ich allerdings Bungsberg interessanter. Dort hat man, wie hier schomals zu lesen war, auf Grund eines vollen VHF-Bandes nur noch im UHF-Bereich einen freien Kanal finden können. Wenn ich mir allerdings die Senderstandortkarte Band I aus "UKW/TV-DX Einführung in das Hobby Überreichweitenempfang, Norberg Kaiser" so ansehe wäre ja E2 frei gewesen. Die nächsten Sender wären Steinkimmen, Oerebro und Greipstad gewesen, die beiden letzten also weit außerhalb der Reichweite.
Allerdings war in Polen in Bydgoszcz ein 120kW-R1-Sender in Betrieb, der dann vermutlich auf Rügen auch wieder massiv gestört hätte. Aber gerade wenn man Steinkimmen E2 ja sowieso abschalten wollte hätte eine "Verlagerung" doch interessant sein können.

von Thomas (Metal) - am 07.06.2009 11:27
Man hätte zur Verbesserung des ZDF Empfangs in der DDR den wesentlich höheren NDR-Mast als Antennenträger nehmen können. (Bei Sendebeginn des ZDF in den frühen 60ern wäre sogar VHF-Kanal 12 oder 4 (horiz.) möglich gewesen.
Die Gleichkanalproblematik war später mit dem Kanal 49 (Brocken) vs. Heidelstein/ Rhön unberücksichtigt geblieben und wurde hingenommen.

von digifreak - am 08.06.2009 12:41
Zitat

Die angebliche Pal-Testsendung von 1980 halte ich total für ein Märchen, in der DDR herrschte bis zum Schluss extreme Mangelwirtschaft, als dass man zum Dudeldei für die "Westbürger" mal solche Experimente gemacht haben könnte, ohne dass es je in den Regelbetrieb ging.

Passend dazu mal eine Beobachtung von mir, wenn auch leicht OT:
Man sehe sich mal im Fernsehen alte Ausschnitte aus dem DDR-TV an (gibt es auf MDR und RBB reichlich).
Was stellt man fest? Die Bildqualität von DDR-Material sieht immer sozusagen "20 Jahre älter" aus als gleich altes Westmaterial ;-), egal ob MAZ oder Film.

von WiehengeBIERge - am 08.06.2009 16:10
...was allerdings vom Inhalt abhaengt. Viele Verfilmungen, u. a. die Polizeirufe, wurden auf Film gedreht. Da griff man, so vorhanden, auf Agfa-Material zurueck, sofern man es bekam. Das war wegen der Embargopolitik und dem Mangel an Valuta immer ein Problem. Demzufolge wurde oftmals auch nicht unbedingt die beste Qualitaet gekauft. Was neu noch gut aussah, das baut offenbar mit den Jahren deutlich ab.

Dagegen sind z. B. Sportuebertragungen oder die Aufnahmen aus dem Studiobereich ("Ein Kessel Buntes", "Tempo...") auch heute noch ansehnlich. Die wurden naemlich auf Magnetband aufgezeichnet. Diese Technik setzten ARD und ZDF ebenfalls ein und wenn man z. B. gleichalte Aufnahmen ("ZDF-Hitparade") ansieht, dann sind sie sich in der Bildqualitaet doch recht aehnlich.

von PowerAM - am 08.06.2009 16:44
Zitat
ür E 4 vom Ochsenkopf (vertikal.; Calau war horizontal) hätte man keinen gleichwertigen Ersatz finden können. Bestenfalls hätte man evtl. einen hohen UHF-Kanal (Bereich V) bekommen können.


An allen Band I Standorten sind Ersatzkanäle im Band V schon frühzeitig koordiniert worden.


Kreuzberg / Ochsenkopf K3/K4 --> K40 / K60 (später für die privaten genutzt)
Bremen / Oldenburg K2 --> K55
Göttelborner Höhe K2 --> K45 (später als Ersatz für K32 vom Schoksberg in Betrieb)
Grünten K2 ---> K46

Leistung in der Regel 500 KW.

von Marcus. - am 08.06.2009 17:09
@ catperson

Zitat

Demnach gab es PAL-Inseln um Geräte, die man in SECAM-Versionen nicht beschaffen konnte, aber generell wurde in SECAM gearbeitet. Bei vielen DDR-Produktionen sieht man auch ganz eindeutige SECAM-Artefakte, die bei reiner Produktion in PAL nicht auftreten dürften.


Es kann aber auch sein, daß die Endversion einfach auf SECAM aufgezeichnet wurde und die SECAM-Artefakte daher rühren. Aber das mit den von dir erwähnten "PAL-Inseln" kann natürlich auch sein.


Zitat

Mein einziger direkter DDR-Richtfunkempfang war ein Testbild in SECAM.


Wie hast du denn den Richtfunk empfangen? Mit einem Parabolspiegel und 'nem C-Band-LNB?



Zitat

Obwohl die Farbnorm den Richtfunkstrecken relativ egal sein dürfte, trifft das auf die Sender nicht unbedingt zu. Ich meine mich zu erinnern, daß zumindest einige der Grundnetzsender den Teil der Austastlücke plätteten in der der PAL-Burst gesendet wird und ohne Burst gibt es keine Farbe.


Echt? Gab es also wirklich Sendeanlagen, die speziell für SECAM ausgelegt waren? Oder waren die nur einfacher konstruiert und aufgrund dieser Plättung in der horizontalen Austastlücke nicht PAL-tauglich?



Zitat

SECAM hat das Problem nicht, weil die SECAM-Referenz sowohl in der horizontalen als auch in der vertikalen Austastlücke liegen kann. Beim DDR-Fernsehen lag sie logischerweise in der vertikalen Austastlücke. Für die Umstellung auf PAL mußten die betroffenen Sender vorher umgerüstet werden.


Weißt du vielleicht, welche Sender das waren? Oder traf das nur auf ältere Sendeanlagen aus der Frühzeit des Farbfernsehens in der DDR zu? Das wäre ja echt krass, wenn jene Sender, die in den 1980er Jahren in der DDR installiert wurden, PAL-untauglich gewesen wären.



Zitat

In den "RGW"-Ländern war (eigentlich) festgelegt, welches Land was herstellt. Und wenn der große Bruder beschließt, daß die DDR keine Sendeanlagen baut, dann ist das eben so. Die Länder, die welche bauen sollten, kamen dem Bedarf nicht hinterher und Westgeld war bekanntlich knapp.


Stimmt. Diese Erklärung macht natürlich Sinn. Irgendwo habe ich auch mal gelesen, daß das DDR-Fernsehen sogar dazu verpflichtet war, Kameras vom "Großen Bruder" Sowjetunion zu kaufen, diese aber dann auf Halde legte und lieber mit Sony-Equipment arbeitete.




@ Spacelab

Zitat

Wie sehen denn SECAM Artefakte aus?



Artefakt 1: Das SECAM-Feuer

Bei sehr hellen und farblosen Stellen im Bild (weiß), wird der Farbträger entweder übersteuert oder ist - wie im Fall von On-Screen-Displays bei Videorecordern oder Sat-Receivern - gar nicht mehr vorhanden. Da der Farbdekoder nach dem Farbträger sucht, erhöht die automatische Verstärkungsregelung (Automatic Gain Control) den Verstärkungsfaktor. Ist der Farbträger dann wieder vorhanden oder wird er nicht mehr übersteuert, empfängt der Farbdekoder den Farbtäger mit einem zu hohen Pegel (da die Verstärkung vorher ja angehoben wurde). Das Ergebnis sind Farbschlieren hinter hellen weißen Stellen im Bild.

Das sieht dann z.B. so aus:





Man erkennt deutlich hinter den weißen Buchstaben die roten und blauen Farbschlieren. Der Farbdekoder findet in den weißen Bereichen der Zeile die Farbträger nicht und regelt deshalb die Verstärkung hoch. Hinter den weißen Bereichen übersteuert dann der Dekoder und bis die automatische Verstärkungsregelung sich dem angepaßt hat gibt es eben Farbschlieren.


Artefakt 2: Die erste Zeile ist bunt

Bei SECAM werden die Farbdifferenzsignale DB und DR zeilenweise abwechselnd übertragen. Das heißt, daß erst nach jeder zweiten Zeile die vollständige Farbinformation zur Verfügung steht. Somit ist es also unmöglich, bei SECAM die erste Bildzeile mit der korrekten Farbinformation darzustellen. Wenn man sich das zweite Bild oben mal genauer ansieht, erkennt man sehr gut, daß die erste Zeile rot gefärbt ist.


Artefakt 3: Unbunte Stellen werden bunt

Bei NTSC und PAL ist der Farbträger nur dann vorhanden, wenn auch farbige Bildpartien vorhanden sind. Bei SECAM hingegen sind die Farbträger immer vorhanden. Das hat zur Folge, daß unbunte Bildpartien farbig werden können. Gerade bei einem etwas zu schwachen Pegel kann das passieren. An den beiden Screenshots oben sieht man z.B. farbige Anteile, obwohl das Bild an sich keine farbigen Anteile hat.


Artefakt 4: Der bunte Bildrand

Manche SECAM-Sender haben am Bildrand noch einen Farbstreifen, der meist magenta ist. Wie dieser zustande kommt, weiß ich aber nicht. Kann das vielleicht jemand erklären?


von Kay B - am 09.06.2009 08:59
@ bikerbs

Zitat

Anders der K 31(DDR2/DFF2) vom Inselsberg. Auf einmal war der futsch.


Wieso das denn? Wurde die Leistung reduziert?



@ PowerAM

Interessante Ausführungen.


Zitat

Allerdings stoerten sich beide Sender trotz unterschiedlicher (?) Polarisation wohl recht regelmaessig.


Ja, Ochsenkopf war vertikal polarisiert, Calau war horizontal polarisiert.


Zitat

Der Umbau auf dem Brocken hat sich uebrigens ebenso wie der in Calau durch die anhaltende Embargopolitik hingezogen. An "Westtechnik" kam man nur im Ausnahmefall und meist auch nur zufaellig.


Mich wundert's, daß das DDR-Fernsehen sich trotz der Embargos mit Sony- und Bosch-Technik ausstatten konnte. Oder galt dieses Embargo, was Sony betrifft, für Japan nicht?



@ hetietz

Zitat

Es ist absolut verständlich, dass die Bundesrepublik dem Ansinnen der DDR zum "Territoriumsschutz" nicht nachkam.


Man darf neben der politischen die technische Seite aber auch nicht vergessen. Eine höhere ERP auf E10 aus Torfhaus wäre wahrscheinlich dem E10 aus Dresden in die Quere gekommen.



@ digifreak

Zitat

Man hätte zur Verbesserung des ZDF Empfangs in der DDR den wesentlich höheren NDR-Mast als Antennenträger nehmen können.


Ja, aber damals hieß es halt, daß die Bundespost unbedingt ihr eigenes Sendernetz aufbauen mußte. Deswegen haben wir ja diese Koexistenz von Sendestandorten (z.B. Stuttgart-Degerloch und Stuttgart-Frauenkopf; Kreuzberg und Heidelstein).


Zitat

Die Gleichkanalproblematik war später mit dem Kanal 49 (Brocken) vs. Heidelstein/ Rhön unberücksichtigt geblieben und wurde hingenommen.


Mich wundert's ja bis heute, wie man das damals koordinierten konnte. Auf der Wasserkuppe ist der Brocken Ortssender und der Heidelstein in umittelbarer Nachbarschaft. In einer Frequenztabelle vom Franzis-Verlag aus dem Jahr 1995 ist der E49 vom Brocken sogar mit 1 MW gelistet. War der wirklich mal mit dieser Sendeleistung in Betrieb? Jedenfalls hätte es mit so einer Sendeleistung noch viele Orte in der Rhön geben dürfen, die im Bild vom Heidelstein ein ordentliches Jalousiemuster drin haben.



@ WiehengeBIERge

Zitat

Was stellt man fest? Die Bildqualität von DDR-Material sieht immer sozusagen "20 Jahre älter" aus als gleich altes Westmaterial ;-), egal ob MAZ oder Film.


Da kann ich mich PowerAM nur anschließen. Das auf Film gedrehte Zeug sieht wirklich nicht so toll aus. Aber solche Sendungen wie Der Kessel Buntes dürften auf MAZ-Technik von Bosch oder auf Betacam von Sony aufgezeichnet worden sein.


von Kay B - am 09.06.2009 09:15
Ah jetzt versteh ich das auch. Sowas wie auf deinen Screenshots hab ich schon öfters gesehen. Eine Verwandte von mir ist Fan von diesen alten DEFA Filmen aus der DDR und hat sich so eine DVD Box gekauft. Nicht bei allen, aber bei manchen Filmen sieht man dieses SECAM-Feuer doch schon sehr deutlich. Am schlimmsten ist es beim Film "Schneeweißchen und Rosenrot". Der ganze Film ist extrem hell (Gesichter sind schon fast weiß) und da gibt es dieses SECAM-Feuer permanent zu bewundern.

Was mich hier verwundert ist das anscheinend bei der Produktion bzw. dem finalen Mastering nicht in PAL, so wie das manche Leute ja vermutet haben, sondern mit SECAM gearbeitet wurde.

von Spacelab - am 09.06.2009 09:33
Ich habe gerade noch zwei Nahaufnahmen der alten Sendeantennen auf dem Brocken entdeckt:



Quelle




Quelle

Waren die TV-Antennen in der oberen oder der unteren Masthälfte? Die Dipole schauen so aus, als ob sie ähnlich lang wären.


von Kay B - am 09.06.2009 11:07
Zitat
Mc Jack
Und hier ist ein Brocken-Foto, welches im Jahr 1987 durch ein Fernrohr vom Torfhaus aus geschossen wurde.
Verzeiht mir als Unwissender, dh. Brocken und Torfhaus sind beide so nah aneinander, aber damals in beiden Staaten?

Hab mir das grad mal angeschaut. Cool, diese beiden Großsender sind echt so nahe ...

von andimik - am 09.06.2009 12:06
Zitat
Kay B
Zitat

Die Gleichkanalproblematik war später mit dem Kanal 49 (Brocken) vs. Heidelstein/ Rhön unberücksichtigt geblieben und wurde hingenommen.


Mich wundert's ja bis heute, wie man das damals koordinierten konnte. Auf der Wasserkuppe ist der Brocken Ortssender und der Heidelstein in umittelbarer Nachbarschaft. In einer Frequenztabelle vom Franzis-Verlag aus dem Jahr 1995 ist der E49 vom Brocken sogar mit 1 MW gelistet. War der wirklich mal mit dieser Sendeleistung in Betrieb? Jedenfalls hätte es mit so einer Sendeleistung noch viele Orte in der Rhön geben dürfen, die im Bild vom Heidelstein ein ordentliches Jalousiemuster drin haben.


Auch aus Teilen südwestlich der Rhön wo Heidelstein und Brocken etwa auf einer Linie liegen, also sich mit Yagi-Antennen der Störer sich nicht ausblenden läßt, ist mir das nicht bekannt. So am QTH2, wo viele Antennen in Richtung Heidelstein ausgerichtet sind und waren, man aber etwa 150 Höhenmeter für Sichtverbindung braucht, war dem nicht so. Am Umsetzer Burgsinn sind mir auch nicht solche Störungen bekannt. Man hat auf 49 empfangen und auf 53 weitergegeben. Immerhin hingen da noch drei weitere Umsetzer dran, die Probleme wären also im gesammten Sinngrund sichtbar gewesen. Das obere Sinntal wurde ebenfalls großteils durch Umsetzer versorgt, in der Vorderrhön (Höhen zwischen Gräfendorf und Bad Brückenau) hat man Heidelstein (durch die Rhön verdeckt) eher selten verwendet, Ortssender waren da Würzburg und vor allem Geiersberg.


von Thomas (Metal) - am 09.06.2009 12:29
Zitat

Da kann ich mich PowerAM nur anschließen. Das auf Film gedrehte Zeug sieht wirklich nicht so toll aus. Aber solche Sendungen wie Der Kessel Buntes dürften auf MAZ-Technik von Bosch oder auf Betacam von Sony aufgezeichnet worden sein.

Ich meine aber Film und MAZ, hab ich ja auch schon geschrieben.
Es gibt auch viel DDR-MAZ-Material, was ganz sonderbar aussieht im Vergleich zu etwa gleich alten West-Aufnahmen. Nicht alles, aber doch so viel, dass es mir auffällt ;-). Ich mache da mal Bilder von, wenn mir wieder so eine Aufnahme begegnet.

von WiehengeBIERge - am 09.06.2009 14:16
Zitat
Marcus.
Zitat
ür E 4 vom Ochsenkopf (vertikal.; Calau war horizontal) hätte man keinen gleichwertigen Ersatz finden können. Bestenfalls hätte man evtl. einen hohen UHF-Kanal (Bereich V) bekommen können.


An allen Band I Standorten sind Ersatzkanäle im Band V schon frühzeitig koordiniert worden.


Kreuzberg / Ochsenkopf K3/K4 --> K40 / K60 (später für die privaten genutzt)
Bremen / Oldenburg K2 --> K55
Göttelborner Höhe K2 --> K45 (später als Ersatz für K32 vom Schoksberg in Betrieb)
Grünten K2 ---> K46

Leistung in der Regel 500 KW.


Und Lopik K4 ---> K57 (1000 kW). :-)
Offenbar wollte man Band I ganz leer haben. Egem K2 war schon laengst auf K43 umgezogen.

von inkjet - am 09.06.2009 16:02
Welcher Ersatzkanal war für Biedenkopf/ Sackpfeife vorgesehen? Habichtswald mit mageren 50 kW auf Kan. 56 wars wohl nicht.

von digifreak - am 09.06.2009 19:45
Dank der sehr guten Reichweitenkarten hier im Forum ist das Argument von Kai B einleuchtend.
Eine Erhöhung der Reichweite von K 10 Harz (West) hätte zwangsläufig, trotz der unterschiedlichen Polarisation zu DDR 1 K10 Dresden, technische Schwierigkeiten verursacht.
Der Harz (West)-Sender reichte ja so schon bis ca. an Döbeln heran.

von hetietz - am 10.06.2009 13:51
Mal eine andere Frage. Wann wurde das Brockenplateau eigentlich ummauert? Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden da oben doch wieder Einrichtungen für den Tourismus geschaffen. Wann wurde der Brockengipfel also für die Allgemeinheit unzugänglich?


von Kay B - am 10.06.2009 14:14
Ich weiß nicht genau, wie weit die Sperrung reichte bzw. ausgebaut wurde. Der Monat August 1961 war allerdings im Zusammenhang mit dem Mauerbau in Berlin usw. von einschneidender Bedeutung und führte zur EInrichtung des militärischen Sperrgebiets auf dem Brocken.
Vor einigen Jahren sah ich einmal einen TV-Bericht über den Wurmberg und die dortige US-Abhörinstallation.

von hetietz - am 10.06.2009 14:20
Ja die gab es in ost und West.

Von Westseite lauschte man gerne über Schneeberg(Fichtelgebirge) ,Döbraberg(Frankenwald), oder die Wasserkuppe(Rhön) in den Osten hinein. beide Seiten schenkten sich gar nichts, wede rin Punkto "wei weit sende ich ins nachbarland" oder "wie gut lausch ich den Feind aus".Teilweise bedienten sich beide noch dazu der genau selben Technik, vom gleichen hersteller.

Nur gut das diese Zeiten vorbei sind.
Was mir allerdings auffällt ist ein Webcambild vom Döbraberg(Frankenwald),

Dort im Hintergrund oben im Wald sah man bis vor einigen Monaten noch die große Kugel der Radarstation, ähnlich der auf der Wasserkuppe usw. aber seit einiger Zeit sieht man sie hier auf der webcam nicht mehr. Real existiert sie allerdings noch und ist von vielen kilometern weit aus zu sehen.
Wie erklärt sich denn sowas,hat man da an der webcam etwa herausretuschiert ???

Link:

http://www.steinwald-edv.de/project/schwarzenbach_wald/Camobo.jpg




Gebt bei google mal döbraberg ein ....Bildersuche und ihr seht den Gipfel immer mit der Radarkugel!

Vor allem steht da immer noch auf dem Gipfel das Schild:
Objekt betreten verboten .Vorsicht Schußwaffengebrauch!
Der Objektkommandant.


Erinnert mich noch sehr an die deutsch -deutsche Grenze.Gabs den Schießbefehl pro Forma auch im Westen ?


von Starsailor001 - am 10.06.2009 18:56
Zitat
Starsailor001
Erinnert mich noch sehr an die deutsch -deutsche Grenze.Gabs den Schießbefehl pro Forma auch im Westen ?

An der innerdeutschen Grenze bestimmt nicht. Im westdeutschen Selbstverständnis war das nicht einmal eine "richtige" Grenze, was aber zum Beispiel den Zoll nicht hinderte dort seinem Geschäft nachzugehen. Da können eventuell vorhandene Insider bestimmt mehr zu sagen.

An "sensitiven" militärischen Anlagen kannte man auch im Westen keinen Spaß. Das war dann aber in der Regel auch entsprechend beschildert.

Der "Westen" hat auch gerne von Berlin aus gelauscht. Natürlich wußten beide Seiten von den Aktivitäten der Anderen. Deshalb gab es Übungen, bei denen ausdrücklich keine Funkaktivitäten stattfanden (radio silence). Es gab aber auch Täuschungen, bei denen nur simulierter Funkverkehr abgespielt und von einer Station gesendet wurde. Aus der Ferne war letzteres wohl nicht von einer echten Übung zu unterscheiden.

Zitat
Kay B
Wann wurde der Brockengipfel also für die Allgemeinheit unzugänglich?

Wikipedia weiß mehr dazu: "Von 1948 bis 1959 war eine Teilfläche des Brockens wieder für Touristen zugänglich, allerdings mit Passierschein. Die Vergabe von Passierscheinen wurde großzügig gehandhabt. Ab August 1961 wurde der Brocken, der im unmittelbaren Grenzgebiet der DDR zur Bundesrepublik Deutschland lag, zum militärischen Sperrgebiet erklärt und war somit für die Bevölkerung nicht mehr zugänglich."

Catperson


von catperson - am 10.06.2009 20:07
OT:

Auf diese Webseite habe ich zwei Bilder gefunden von die 'Abhörantennen' auf m Brocken.
HIER

Hier noch mehr alte Bilder:

http://www.bgs-kameradschaft-goslar.de/bilder/derbrocken.html

Und hier noch ein wenig geschichte:

http://www.bandscan.de/brocken.htm

von Jassy - am 10.06.2009 20:15
Danke für die Infos. Wäre mal interessant zu wissen, ob man damals wenigstens bis zur Brockenmauer durfte, oder ob der Brocken ganz und gar gesperrt war.

Zwar OT, aber auch interessant ist der Eckerstausee, durch dessen Mitte und dessen Staumauer die Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt verläuft. Sehr kurios.



@ Jassy

Sehr interessante Bilder. Im Jahr 1994 lief im MDR-Fernsehen mal ein Bericht über den Brocken und die dortigen Abhöranlagen. Da wurde erwähnt, daß in der Stasi-Kuppel, größtenteils mit Technik aus dem bayerischen Rosenheim (das kann ja nur Kathrein sein) gearbeitet wurde, während die Russen mit Uralttechnik arbeiteten.

Gezeigt wurde auch die Sprengung des Abhörturms im Jahre 1992. E-Plus, O2 und alle Telekom-Konkurrenten hätten sich wohl heute gefreut, wenn man das Teil stehen gelassen hätte.


OT:
Interessant finde ich auch dieses Bild mit den zwei TV-Geräten. Ist das rechts wirklich ein Farbfernseher oder sieht das nur so aus? Wer ist der Hersteller von dem Gerät?


von Kay B - am 12.06.2009 11:55
Zitat
digifreak
Welcher Ersatzkanal war für Biedenkopf/ Sackpfeife vorgesehen? Habichtswald mit mageren 50 kW auf Kan. 56 wars wohl nicht.


Als Ersatzkanal für Kanal 2 der Sackpfeife hatte man den UHF-Kanal 60 vorgesehen

von R.Oberlahn - am 12.06.2009 12:23
Zitat
Kay B
Danke für die Infos. Wäre mal interessant zu wissen, ob man damals wenigstens bis zur Brockenmauer durfte, oder ob der Brocken ganz und gar gesperrt war.


Hallo,

Die Grenzmauer war der Letzte Teil und war unereichbar gewesen. Die Brockenbahn verkehrte im
Personenzugbetrieb bis Schierke. Der Streckenabschnitt zum Brocken war gesperrt.
Circa 5 Km vor der Grenze war ein Kontrollposten eigerichtet und DDR Bürger durften nur mit
Sonderausweis passieren.
MFG Det.

von RADIO354 - am 12.06.2009 12:33
Gerade ein paar interessante Bilder entdeckt.

Eine Beschreibung und Zeichnungen der Fernsehtürme auf dem Brocken, dem Großen Feldberg und dem Inselsberg im Dritten Reich:
http://fernsehen.bplaced.net/sender_main.html

Der erste fertiggestellte Fernsehturm auf dem Brocken:
http://files.homepagemodules.de/b115518/f31t1420p9507n1.jpg
http://115518.homepagemodules.de/t1420f31-Das-erste-Fernsehkabel-zu-Brocken.html

Der Sendeturm erinnert irgendwie an das längst abgerissene Rennsteig-Hotel in Oberhof:
http://www.myheimat.de/oberhof/gedanken/1992-rennsteighotel-m2060171,2401440.html


Interessant ist, daß man damals die Sendetürme wie Hochhäuser baute und dabei die einzelnen Etagen für die damals noch sehr raumfressende Technik vorgesehen hatte.

Die Sendeantenne nahm dabei nur einen geringen Platz unter dem Dach ein.


Hatte man damals noch keine Erkenntnisse über gestockte Antennenanlagen, sodaß man nur so kleine Sendeantennen benutzte, die quasi unter dem Dach des Hochhaus-Fernsehturms montiert wurden?


Waren die drei Senderstandorte Brocken, Großer Feldberg und Inselsberg die einzigen Standorte, wo schon während des Dritten Reiches Fernsehtürme gebaut wurden?

von Kay B - am 22.12.2012 23:50
Im Forum auf Radiomuseum hat jemand interessante Bilder und Dokumente über die ersten Fernsehausstrahlungen vom Brocken im Jahr 1935 hochgeladen:
http://www.radiomuseum.org/forum/ihre_hilfe_zu_offenen_fragen_zur_entwicklung_des_fernsehens.html#post304308

von Kay B - am 24.12.2012 10:20
Hier der erwähnte Filmbeitrag über den Brocken aus dem Jahr 1994:
http://www.youtube.com/watch?v=WUbhyf2GVlM

Hat das jemand noch komplett?

von Kay B - am 16.05.2013 08:39
1. Der Sender 100,6 in Berlin wurde bis zur Wende vom Postgiroamt in Kreuzberg mit 10 kW ausgestrahlt.
2. Der K46 auf dem Grünten war schon regulär für das BFS vorgesehen. Für die ARD war zusätzlich der K57 als Ersatz für den K2 vorgesehen.
3. Der K58 war am Standort Biedenkopf/Sackpfeife als Ersatz für den K2 vorgesehen.

von Stefan Z. - am 16.05.2013 12:33
Zitat
Stefan Z.
3. Der K58 war am Standort Biedenkopf/Sackpfeife als Ersatz für den K2 vorgesehen.


Mit welchen Parametern? Vielleicht verwechselt? K58 wurde auch vom TVU am Gr.Eschenberg fürs Dritte verwendet.

von Sascha_Berlin - am 16.05.2013 13:16
@Sascha_Berlin:
Meines Wissens waren sämtliche Band I-Ersatzfrequenzen im UHF-Bereich mit 500 kW koordiniert. Es kann natürlich sein, daß davon später einige für schwache Füllsenderstandorte "geschlachtet" wurden.

von Stefan Z. - am 16.05.2013 14:23
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