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vor 8 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
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Kay B, Tesco.live, catperson, dxbruelhart, phaserotator, delfi, Terranus, Wolfgang R, andimik, Radiopirat, kielerförde, _Yoshi_

Empfang von Richtfunkstrecken

Startbeitrag von Kay B am 10.06.2009 12:55

Hat sich jemand von euch eigentlich schonmal am Empfang von Richtfunkstrecken versucht?

In den 1990er Jahren habe ich irgendwo mal einen Bericht gelesen, in dem jemand mit einer Empfangsanlage für das C-Band analoge TV-Signale einer Richtfunkstrecke empfangen hat.

Aber Richtfunk ist ja eigentlich nur ein Oberbegriff. Deshalb würde ich gerne mal wissen, in welchen Frequenzbereichen genau gearbeitet wird, welche Modulation zur Anwendung kommt und wie TV- und Radiosignale genau übertragen werden.

Auch zu den Antennen hätte ich einige Fragen. Oftmals sieht man dreierlei verschiedene Arten von Richtfunkantennen, die alle auf dem folgenden Bild vorzufinden sind:



Quelle

1. Die "Kaffeefilter-Antennen", die wohl schon in den 1950er Jahren zum Einsatz kamen.
2. Die "Trommel-Antennen", die kreisrund sind und aus einer Parabolantenne mit einem Aufsatz und einer Schutzfolie bestehen. Der Aufsatz dient offensichtlich zur Erhöhung der Richtwirkung.
3. Die Parabolantennen ohne irgend eine Schutzummantelung. Diese Antennen, von denen auf dem obigen Bild 5 Stück zu sehen sind, sind wohl AMTV-Antennen und dienen der Übertragung analoger Kabelfernsehprogramme.

Sind diese unterschiedlichen Antennenformen jeweils für bestimmte Einsatzzwecke oder Frequenzbereiche vorgesehen? Oder ist es an sich völlig egal, ob eine "Kaffeefilter-Antenne" oder eine "Trommel-Antenne" zum Einsatz kommt?

Gibt es für Richtfunkübertragungen eigentlich ein standardisiertes Protokoll oder Verfahren? Oder bleibt das dem Hersteller überlassen?

In welchen Frequenzbereichen finden Richtfunkübertragungen zwischen den Sendern statt?

Antworten:

Zitat
Kay B
"Kaffeefilter-Antennen"

Wort des Monats! :spos:

von andimik - am 10.06.2009 13:07
wikipedia "sagt":
Zitat
Heutzutage werden meist Trägerfrequenzen im Mikrowellenbereich zwischen 1 und 40 GHz genutzt. Im Richtfunk kommen Antennen mit hoher Richtwirkung, sogenannte Richtantennen zum Einsatz. Diese werden auf erhöhten Standorten wie großen Funktürmen montiert, um große Entfernungen überbrücken zu können. Typische Vertreter solcher Antennen sind Parabolspiegel, Muschelantennen oder Hornstrahler, wobei diese bis zu einem Durchmesser von 4 Metern benutzt werden. Mehr und mehr finden auch Flachantennen Verwendung.


von Radiopirat - am 10.06.2009 13:09
Zitat
Kay B
"Kaffeefilter-Antennen"

Wenn mich nicht alles täuscht, sind das handelsübliche Hornparabolantennen. Korrekt?
Übrigens auch ein Begriff, mit dem man im Freundeskreis immer wieder für erstaunte Blicke sorgen kann.

von kielerförde - am 10.06.2009 13:38
@ dokä

Zitat

Wenn mich nicht alles täuscht, sind das handelsübliche Hornparabolantennen. Korrekt?


Ja, das sind eigentlich nichts anderes als Offset-Parabolantennen, nur eben mit dem Unterschied, daß der Reflektor diese kaffeefilter- oder muschelartige Form hat.

Hat diese Form eigentlich besondere Strahlungseigenschaften?


von Kay B - am 10.06.2009 13:49
Diese Muschelförmigen Antennen werden auch "Hornspiegelantenne" genannt.

Hier habe ich noch was zu den Funktionen der verschiedenen Parabolantennen typen gefunden.

http://books.google.de/books?id=hSKcKR1WksUC&pg=PA349&lpg=PA349&dq=Horn+Spiegelantenne&source=bl&ots=phJEdctMpr&sig=fLeWbGs87QD8DfIlLDKNp0CoQ2k&hl=de&ei=McIvSq3vFciM_Qar5dzLCg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=7#PPA349,M1

von _Yoshi_ - am 10.06.2009 14:24
Zur Frage von AMTV: AMTV war vor dem flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser Standard. Ein übergeordneter Kopf (in meinem Fall Stuttgart) versorgte die Unterköpfe (in meinem Fall Böblingen) mit einer Art "Basisangebot", welches sich im Band III, den Sonderkanälen und Hyperband befand. Auch ein Teil des UKW-Bandes wurde per AMTV geliefert. An allen untergeordneten Köpfen gab es diese gemeinsame Belegung.

Im Band I sowie einigen UKW-Frequenzen konnten in der Kopfstelle noch weitere Lokalkanäle eingefügt werden. Im Radiobereich war das bei uns beispielsweise Radio BB (Abgriff von 104,5 - später 104,3).

Da es bei uns keine lokalen TV Besonderheiten gab, waren im Band I eigentlich zusätzliche Sender, glaube CNN und sowas. Ob die von AMTV kommen, oder an unserem Kopf hinzugefügt wurde, weiss ich nicht mehr.

Mit der Modernisierung wurde dann alles auf zentralisierte Versorgung und Glasfaser umgestellt, das schechte flaue und pixelige Bild kam und Band I wurde geräumt...

Gruß,

Wolfgang

von Wolfgang R - am 10.06.2009 14:56
hoherodskopf

von Tesco.live - am 10.06.2009 18:45
war keine absicht!
:cheers:

aber der turm dürfte mittlerweile auch schon fast leer sein...

technische info zum thema "darf" ich ja nicht erwähnen

von Tesco.live - am 10.06.2009 20:02
Zum Empfang: ja das war möglich. Man konnte zB die AMTV Richtfunkstrecken, die um 12,3GHz arbeiteten, mit Hilfe eines normalen Sat-LNBs, das man natürlich mit Spannung und 22kHz Ton versorgen musste, und einem Scanner, der den Bereich 950-2050MHz empfangen konnte, darstellen.
Dazu reichte es hier, das LNB bei Sichtverbindung auf den -hier- Kälberberg zu richten. Die Programme wurden sozusagen "mundfertig" für die Unterkabelköpfe ausgestrahlt, also wie normale TV Kanäle moduliert mit 5,5 Tonabstand etc., und wurden im Unterkabelkopf nur in den VHF Bereich runtergemischt. Tatsächlich wurden dann die drei Programme im Band I sowie einige UKW Programme dann noch hinzugefügt, was für eine besondere lokale Programmbelegung sorgte.
Ist wiegesagt seit Ende 2004 Vergangenheit.

zu den Muschelantennen ("Kaffeefilter"(c) KayB): die sind ja teils noch in Betrieb (aber wohl nicht mehr lange) und arbeiteten im Bereich 3,7-4,3GHz. Stand auch immer schön hinten drauf, wohin sie senden etc. Vor der Digitalisierung der Zuführung des ZDF und der Dritten konnte man die in der ersten Hälfte der 90er mit nem C-Band LNB und nem normalen Satreceiver empfangen, da diese in FM arbeiteten, der Ton war aber bereits digital. Außerdem war die Bandbreite sehr groß. Da wurde noch geklotzt...
Dann hat diese RiFU Strecken alle digitalisiert.
Mit DVB-T hat ja durch den BR hier der 4GHz RiFu teils eine Renaissance erlebt. Leider wird man da wohl nichts abfangen können, weil da mit speziellen ATM Standards gesendet wird...

in Norddeutschland hat man ganz konsequenz auf Glasfaser gesetzt..

von Terranus - am 10.06.2009 20:15
Zitat
Kay B
Hat sich jemand von euch eigentlich schonmal am Empfang von Richtfunkstrecken versucht?

In den 1990er Jahren habe ich irgendwo mal einen Bericht gelesen, in dem jemand mit einer Empfangsanlage für das C-Band analoge TV-Signale einer Richtfunkstrecke empfangen hat.

In meiner Berliner Zeit Anfang der 90er-Jahre ist mir dort tatsächlich der Empfang von Richtfunkstrecken gelungen. Das ging mit normaler Satellitenausrüstung, wobei ich nicht mehr sicher bin, ob ich den Ton auch empfangen konnte. Die bessere Ausbeute gab es im C-Band, aber mein Antennenstandort war nicht frei über den Dächern der Nachbarschaft, so daß viele Signale von überall zu kommen schienen und trotz des typischen, kleinen Öffnungswinkels von Satellitenantennen voll von Reflexionen waren. Ich erinnere mich an das ZDF parallel zur terrestrischen Ausstrahlung und eine terrestrische Strecke in SECAM mit dem bekannten DDR-FS-Testbild, aber einer anderen Aufschrift als im richtigen Fernsehen. Hier in der westfälischen Provinz ist mir dergleichen nie gelungen, weil die Richtfunkstrecken wahrscheinlich über unsere Köpfe hinwegsenden. Und wegen der gebündelten Signale hat man wahrscheinlich nur direkt zwischen Funktürmen irgendwelche Chancen etwas zu empfangen. In der Stadt, wo die Signale an allem möglichen reflektiert werden ist das etwas anders. Aber in den Zeiten der totalen Digitalisierung dürften die Chancen mittlerweile auch dort quasi Null sein.

Catperson


von catperson - am 10.06.2009 20:23
Solange das GAZ (Gemeinschafts-Antennen-Zubringer)-Netz noch analog im 2.3 GHz-Bereich sendete, konnte ich dies auch empfangen, siehe http://forum.mysnip.de/read.php?11947,227896,229154#msg-229154

von dxbruelhart - am 11.06.2009 06:57
@Kay B
War der von Dir erwähnte Beitrag zufällig in der Tele satellit drinnen?

von delfi - am 11.06.2009 07:35
Anfang der 90er konnte ich die Richtfunkverbindung zwischen Landshut Weichmannshöhe und Pfeffenhausen mit einer relativ primitiven selbst gebastelten Anordnung und Analogsatreceiver empfangen. Übertragen wurde das Programm des Landshuter Regionalfernsehens zum AMTV Stern Pfeffenhausen, von wo aus es dann zu den Kabelköpfen weiterverteilt wurde. Frequenz war 6,3875GHz, Modulationsart FM, Hub ca. 4Mhz, Tonunterträger 7,5Mhz ohne Preemphase. Der Tonträger hatte einen sehr grossen Hub, es zerrte sogar mit 280er Filtern noch leicht.
Interessant war auch das Fading des Signals, das sehr an UKW Fernempfänge über 100km erinnerte, obwohl die Entfernung zum Turm nur etwa 3km war. Im Frequenzband zwischen 5,9 und 6,4 GHz gab es noch weitere Träger, über die jeweils hunderte von Telefongesprächen übertragen wurden.

von phaserotator - am 11.06.2009 10:23
Weiß jemand, wo noch AMTV-Strecken in Betrieb sind? Oder gibt es vielleicht sogar irgendwo eine Übersicht?


von Kay B - am 12.06.2009 12:26
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