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vor 8 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 1 Monat
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PowerAM, shianne, Stephan Großklaß, DAC324

Tauben Sangean WR-2 reparieren!

Startbeitrag von PowerAM am 19.08.2009 10:54

Ich habe einen WR-2 offen vor mir und wundere mich etwas. Auf den ersten Blick wirkt der Kasten unempfindlich und unendlich breit. Ortssender ziehen sich auf 300 - 350 kHz nach oben und (!) unten.

Vorgefunden habe ich auf der Tunerplatine ein Spulenfilter, dem direkt ein Keramikfilter mit der Murata-Beschriftung "J50" an die Seite gestellt wurde. Etwas abseits findet sich ein alter Bekannter (10.7S, roter Punkt oben rechts, 180 kHz). Der scheint ueberhaupt erst Auswirkungen zu haben. Ihn kann ich durch einen "82er" ersetzen und habe noch RDS. Trennung von Ortssendern ist jetzt auf 150 kHz moeglich. Den "J50" kann ich austauschen durch was auch immer, es hat kaum Auswirkungen - abgesehen davon, dass die Kiste noch tauber wird! Also habe ich diesen wieder eingesetzt. Minimale Verbesserungen in der Empfindlichkeit brachte das Nachstimmen des benachbarten Spulenfilters mit Abstimmbesteck, was nun zumindest die schwacheren Berliner Funzeln mit RDS bringt, was vorher nicht gelang.

Zudem habe ich im Lautsprecher ein hochfrequentes Flirren drin, das beim Druecken einer Taste oder beim Abstimmen kurz verschwindet. Der Mittelwellenempfang ist durch ein Pfeifen unmoeglich.

Ich habe das Geraet (offenbar ungeoeffnet da mit unverletztem "Check-Seal") fuer Kleingeld als "defekt" bei einem Auktionshaus zum Startgebot im unteren zweistelligen Bereich bekommen. Die Fehlerbeschreibung passt zu meinem Eindruck.

Auf unsere Spezialisten, beispielsweise Shianne oder Stephan Grossklaass (verzeih' mir die Schreibweise!) hoffe ich etwas bei der Fehlersuche und ggf. Reparatur.

Antworten:

Hallo,

"unempfindlich" - das könnte an einem durchgeschlagenen Eingangstransistor im UKW-Tuner liegen (z.B. Gewitterschaden).

Das Flirren dürfte von der Anzeigeelektronik kommen - entweder Schirmungsproblem oder Problem bei der Spannungsversorgung (insbesondere Massekontakte). Ich würde erst mal alle Steckverbindungen überprüfen und betreffende Lötstellen großzügig nachlöten.

Beste Grüße
DAC324

von DAC324 - am 19.08.2009 11:52
Hast du schon einen Schaltplan?
http://www.thiecom.de/ftp/sangean/wr2/
Das Servicemanual hilft erstmal weiter.

Läuft der bei deinem Versuch mit interner der externer Antenne?
Wenn extern: Probier mal bitte die interne, nicht dass da jemand Spannung vom SAT-Empfänger an den Antennenanschluss gelegt hat.

Welche Filter hast du eigentlich im ersten Beitrag gemeint?
Das, wo sich nichts ändert könnte das CF1 (ceramic filter) gewesen sein?

Was mir bei der Fehlesuche noch immer hilft:

Ein zweiter Empfänger zum probieren. (da reicht ein einfacher)
Dann kann man Stück für Stück die Baugruppen prüfen.

Z.B. das ZF-Signal vom WR2 in den anderen Empfänger einspeisen und schauen, was passiert.
Wenns funktioniert, ist das HF-Eingangsteil in Ordnung.
Dann das ZF-Signal hinter der ZF-Filterung abgreifen und wieder einspeisen.
usw.

Bitte immer sicherstellen, dass du Gleichspannungen nicht mit durchlässt.
Also das ZF-Signal über einen Übertrager oder durch einen kleinen Kondensator leiten.

Manchmal ist das besser als ein teures Messgerät.

von shianne - am 19.08.2009 15:05
Danke, liebe Freunde!

Ich habe nur diesen einen WR-2, daher nichts zum Vergleich. Keine Ahnung, wie der spielen muss?! ;) Hat ihn jemand und kann ihn irgendwie nachvollziehbar bewerten?

Den Schaltplan habe ich glatt mal ausgedruckt. Was faellt euch zu dem "J50" von Murata ein und warum hat der (fast) keine Auswirkungen? Koennte es sein, dass der irgendwie zur Impedanzanpassung dient und effektiv wie beim ATS-305 nur ein Spulen- und ein Keramikfilter die Trennschaerfe bestimmen?

Beim Lesen der Bedienungsanleitung ist mir aufgefallen, dass ich ggf. den Umschalter fuer die interne und externe Antenne uebersehen habe. Ich steckte eine Antenne an den Antennenanschluss und es veraenderte sich etwas am Empfang. Die angesteckte Antenne hatte auch Richtwirkung und so kam ich nicht auf die Idee, nach diesem Schalter zu suchen. Das werde ich nach Rueckkehr vom Spaetdienst nachholen. Waere ja zu dreist, wenn's daran gelegen hat!

von PowerAM - am 19.08.2009 17:21
Ich habe mich unklar ausgedrückt.

Zitat

Was mir bei der Fehlesuche noch immer hilft:

Ein zweiter Empfänger zum probieren. (da reicht ein einfacher)
Dann kann man Stück für Stück die Baugruppen prüfen.


Irgendein Empfänger, hauptsache UKW.

Ich selber habe das Stück Platine mit dem UKW-Radioteil aus einer Billig-Kompaktanlage rausgesägt.
Senkrecht auf einem Holzbrett montiert macht sich das gut für solche Zwecke.

Aber der Vergleich mit einem anderen WR2 ist auch gut, grad wegen dem Display, was ja Störungen erzeugt.
Noch ein Gedanke:
Das Gerät hat eine Buchse für eine externe Spanungsquelle.
Nicht das da jemand etwas zuviel Spannung angelegt hat...

von shianne - am 19.08.2009 18:44
Stimmt, auch eine Idee! :spos: Kann bzw. werde ich nach dem Spaetdienst mal pruefen.
So eine Pruefplatine koennte ich mir auch bauen. Muss es PLL sein oder reicht was komplett analoges? Dafuer haette ich noch ein Spendergeraet.

Die Stoergeraeusche kann kein "normaler" WR-2 haben. Moegen sie auf UKW noch recht wenig auffallen, den Mittelwellenempfang machen sie aber unmoeglich. Spaetestens da duerfte sich der Endverbraucher bei einem 120 - 150 EUR teuren Designgeraet schon aufregen! Wobei, wer hoert heute noch Mittelwelle?!

Der Verkaeufer schliesst aus, dass die externe Stromversorgung jemals benutzt wurde. Er benutzte es ausschliesslich als Radio im Bureau. Eine Schaedigung durch Blitzschlag in der Naehe mag er aber nicht ausschliessen. Wie eingangs beschrieben stimmte die Produktbeschreibung ziemlich genau mit dem Ist-Zustand ueberein.

Shianne, weisst Du mehr ueber den mysterioesen "J50" bzw. kannst Du auf Basis des Schaltplans was zum Tuner insgesamt sagen? Kann man was dran verbessern? Wie unempfindlich gegenueber Grosssignalen sollte die Schaltung sein?

von PowerAM - am 19.08.2009 18:54
Das Empfangsteil ist weitgehend identisch zum WR-1 und entspricht etwa dem, was man vor vielleicht 20 Jahren in einem einfacheren Autoradio vorgefunden hätte. Hier sollten zwei Keramikfilter und ein IFT werkeln (CF2, CF3 und T2). Frontend ist ein 3-Gang mit AFC. Da sollte schon was gehen, Richtung E5 allemal.

Bei dem "J50" könnte es sich um das AM-ZF-Filter handeln, wäre dann für 450 kHz.

Bei einem indirekten Blitzschaden gibt es natürlich einiges an Fehlermöglichkeiten. Du kannst ja mal testweise den Keramik-Bandpaß brücken, die diversen Abstimm(doppel)dioden (v.a. D8) auf Kurzschluß in Sperrichtung prüfen und den Vorverstärker-MOSFET Q8 auf Gegrilltheit abklopfen. Spannung am AGC-Output des LA1177 auch prüfen, Nennverlauf siehe Datenblatt (da müßte bei niedrigen Signalverstärken praktisch Vcc draufliegen).

von Stephan Großklaß - am 19.08.2009 20:27
Himmel, neee! :wall: Den Antennenwahlschalter hatte ich ignoriert! Der stand selbstverstaendlich auf "intern", das Geraet reagiert aber trotzdem auf das Anstecken einer externen Antenne mit etwas verbessertem Empfang. Die eingangs bemaengelte Empfindlichkeit ist nun dort, wo man sie bei einem Sangean erwartet.

Angenehm ist, dass man eine 3-Element direkt auf Berlin richten kann und es die Kiste nicht anhebt. Das ist damit der erste Sangean, den ich hier zuhause mit der geballten HF aus Berlin nicht aus der Ruhe bringe.

Bleibt noch der mystische "J50". Ein Dreibeiner, der direkt neben einem der Spulenfilter. Das benachbarte Filter fer AM ist zweibeinig. Ideen?!

von PowerAM - am 19.08.2009 23:10
Direkt neben einem Spulenfilter...

Ähm, da müssten doch auf der Leiterplatte Beschriftungen für die Bauelemente sein.
Neben dem Filter vermute ich, wie schon weiter oben geschrieben, CF1.
Das ist das ZF-Filter für MW, zusammen mit dem Übertrager T1.
(wobei der Übertrager sicher auf einer Seite einen Schwingkreis mit einem von der Unterseite sichtbaren Kondensator bildet und somit ein Filter mit induktiver Ankoppelung ist)

Der Zweibeiner ist dann wohl CR1, also ein Keramikresonator.
Den brauchst du für UKW, der schwingt auf 10,7MHz.

CF2 und CF3 sind die UKW-ZF-Filter.
CF2 ist vor den ZF-Verstärker (in LA1177 integriert) und CF3 nach den ZF-Verstärker geschaltet.
Da könntest du sicher verschiedene Kombinationen probieren.

Was ich für die über 100Euro noch vermisse:
Einen geregelten ZF-Verstärker mit "noise blanker", wie unter anderem im WKC3904 zu finden.

Wobei: schon mit einem einfachen geregelten ZF-Verstärker könnte man noch 2 bis 3 ZF-Filter mehr einbauen.
Dann wird es mit DXen vielleicht schon eher etwas.

Naja, warten wir es ab, was uns PowerAM zu berichten hat.

Ach ja: (wird zwar aktuell nicht mehr gebruacht, aber für später)

Zitat
PowerAM
So eine Pruefplatine koennte ich mir auch bauen. Muss es PLL sein oder reicht was komplett analoges? Dafuer haette ich noch ein Spendergeraet.


Da reicht was komplett analoges.
Du brauchst nur einen ZF-Ausgang direkt vom HF-Eingangsteil (FM frontend), einen ZF-Ausgang nach dem ZF-Filter und einen ZF-Eingang zum Demudulator.

Baugruppen-Prüfungsablauf: (mal am Beispiel hier erklärt)

1. Überprüfung des HF-Eingangsteils vom WR2:

ZF ungefiltert am Pin von CF2 abnehmen, welcher mit R18 und R37 verbunden ist.
Wichig ist die gleichspannungsmäßige Entkoppelung zum Prüfgerät.
Das kann man mit einem breitbandigem Keramik-ZF-Filter erledigen.

Das ZF-Signal wird in den Demodulator des Prüfgerätes eingespeist.
Nun am WR2 einen möglichst starken Sender einstellen.
Dabei mit einem Spannungsmesser die Abstimmspannung messen (TP29, ein test point oder Messpunkt).
Alternativ kann man am connector CN1 Pin 20 messen.
Die Abstimmspannung muss sich mit der Frequenz ändern.

Wird etwas empfangen?
Wie gut ist der Empfang?
(man bedenke: das ist nicht DXen, sondern nur Funktionsfeststellung.
Wenn man irgendwie mal irgendwelche Geräte verbindet, dann funktioniert das nie richtig gut.
Nur ausreichend, um eine Funktion feststellen zu können.)

Angenommen das HF-Eingangsteil funktioniert.

2. Prüfung der ZF-Filterung:

ZF-Signal am Pin 24 des IC TA2099F abgreifen.
Rest wie unter 1.

3. Demodulator prüfen.

Jetzt wird es etwas schwieriger, da PLL-Abstimmung.
Die einfache Variante sollte zur Funktionskontrolle reichen.
Hoffe ich doch...

Das Prüfgerät auf einen Ortssender einstellen (und so lassen).

Den ZF-Ausgang des Prüfgerätes an den Pin 20 des IC TA2099F klemmen.
Man beachte die gleichspannungsmäßige Entkoppelung... (sonst unter Umständen kaputt...)
Vorher CF2 auslöten.

An die NF-Ausgänge des TA2099F einen Verstärker klemmen.
Man beachte die gleichspannungsmäßige Entkoppelung... (z.B. durch je einen 100nF Kondensator)
Nun kann man alles einschalten.
Entweder man hört etwas oder nicht...

Nun kommt der schwierige Teil.
Die Steuerung des WR2 versucht ja nun, das HF-Eingangsteil zu steuern.
Nur kommt das Signal gar nicht von dort.
Also müssen wir schauen, was der Demodulator-IC an die Steuerelektronik meldet und was für Befehle er erhält.

Auf FM geschaltet? -> Pin 16 darf nicht auf Masse liegen. (ansonsten Q2 mal auslöten)
Was sagt das S-Meter? -> Pin 10 muss eine Spannung bringen, die sich mit leichtem Verstimmen der Empfangsfrequenz ändert.

Nunja, beim nächsten Radio kannst du es probieren..

von shianne - am 20.08.2009 14:42
Ich muss das Ding nochmal aufschrauben und reinschauen. Dann kann ich dir auch die Bezeichnungen auf der Platine nennen.

Danke fuer deine bisherige Hilfe!

von PowerAM - am 20.08.2009 16:12
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